Algraphie

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englisch: Algraphy; französisch: Algraphie; italienisch: Fototipa all'alluminio.


Franz Schubert (1934)

RDK I, 345–346


Algraphie (Aluminiumdruck, Al = chemisches Zeichen für Aluminium). Die A. ist ein der Lithographie entsprechendes Flachdruckverfahren, das ebenfalls auf dem Prinzip des gegenseitigen Abstoßens von Fett und Wasser beruht; nur wird der schwere, zerbrechliche und teure lithographische Stein hier durch eine Aluminiumplatte ersetzt, auf die die Zeichnung in beliebiger Manier – als Kreide-, Feder- oder Tuschzeichnung – direkt oder durch Umdruck gebracht wird. Bei dem folgenden Gummieren und Ätzen wird der nicht von der Zeichnung bedeckte Aluminiumgrund nicht eigentlich von der Säure angegriffen, da diese das Aluminium nicht verwandelt, sondern es wird nur eine die Wasserannahme fördernde Oxydschicht gebildet. Nach dem Auswaschen wird die Farbe beim Anwalzen nur von der Zeichnung angenommen, während sie von der Oxydschicht abgestoßen wird. Jedoch werden im drucktechnischen Sprachgebrauch die Ausdrücke „Ätzen“ und „Entsäuren“ des lithographischen Verfahrens beibehalten, obwohl es sich dabei nur um das Hervorbringen einer Oxydschicht resp. das Entfernen derselben nach dem Auflagedruck zum Zwecke der Plattenreinigung handelt. Beim Umdruck ist ein Anreiben und Aufwalzen von Farbe vor dem Ätzen, wie sonst meistens beim lithographischen Druck, nicht notwendig, da auch beim Umdruck auf Aluminium die Farbe ganz geschlossen bleibt. Die A. druckt fatter und kräftiger, als die Zeichnung vor der Ätzung auf der Platte erscheint, die Linien und Flächen wirken geschlossener und gedeckter in der Farbe als bei Drucken von dem porösen Kalkstein, gemäß der dichteren Struktur des Aluminiums. Dafür aber weist die A. einen spröderen, kälteren Charakter auf.

Versuche zum Druck mit Aluminiumplatten wurden seit 1890 gemacht, das endgültige Druckverfahren der Firma Jos. Scholz in Mainz 1892 patentiert. Als künstlerischer Druck hat sich die A. nie recht einbürgern können. Ihr hervorragendster Meister wurde Hans Thoma, dem die Technik aber bei manchen Blättern im Sinne der druckgraphischen Materialgerechtigkeit auch schon zum Verhängnis wurde. Gute künstlerische Drucke schuf Carl Kappstein, in dessen unten angeführtem Buch sich einige Abbildungsbeispiele befinden.

Literatur

1. August Albert, Das Aluminium in seiner Verwendung für den Flachdruck (Die Algraphie), Halle a. d. S. 1902. 2. Carl Weilandt, Der Aluminiumdruck (Algraphie), Mainz 1900. 3. Carl Kappstein, Der künstlerische Steindruck, Berlin 1910, S. 25–29. 4. Karl Albert, Lexikon der graphischen Techniken, Halle (Saale) 1927, S. 7–8, Nr. 45–51. 5. (Emil Milde), Aluminium und seine Verwendung (Slg. chemischer u. chemisch-technischer Vorträge, Bd. 4, H. 5), Stuttgart 1899, S. 171–202. 6. H. W. Singer, Beil. zur Allgemeinen Zeitung, 1901, Nr. 63, München, 16. März, S. 4. 7. (ohne Verf.), Die Techniken der Algraphie, Berlin-Schöneberg, S. Malz, 1909. 8. Hans Wolfg. Singer, Die Fachausdrücke der Graphik, Hiersemanns Handbücher, Bd. 13, Leipzig 1933, S. 5.

Verweise