Altfränkisch

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englisch: Old-fashioned; französisch: Gothique, archaïque; italienisch: Antiquato.


Wolfgang Bruhn (1934)

RDK I, 623–624


Altfränkisch (priscus, obsoletus) ist nur eine ganz allgemeine Charakterisierung, keine Bezeichnung eines bestimmten Stils; ursprünglich im lobenden Sinne gleichbedeutend etwa mit altväterisch, nach alter Väter Art, nach Art und Weise der fränkischen Vorfahren im Gegensatz zur neumodischen welschen Sitte. Hugo von Trimberg rühmt im „Renner“ (V. 22 266, um 1300) die „alten frenkischen liute“ als einfältig, treu und zuverlässig. – Seit dem 15. Jh. wandelt sich die Wortbedeutung von a. in der Richtung von veraltet, altertümlich, altmodisch, unmodern in Sitten und Bräuchen, besonders Kleidung, Einrichtung, Denkweise und Geschmack; „altfrensch“ in Laßbergs Liedersaal (3, 89); 1520 in Dürers Tagebuch der niederländischen Reise (ed. Lange-Fuhse, 1893, S. 118: „ihr altfränckisch, lang silbern posaunen“ (Handwerkerumzug in Antwerpen). – Seit dem Dreißigjährigen Kriege (um 1628) dann besonders im Gegensatz zu „allamodisch“ (vgl. à la mode, Sp. 324ff.) in Kleidung und Sitte, z. B. Philander von Sittewald (Moscherosch, 226/227) um 1645. – Als Folge der Französischen Revolution dann wieder verächtlich für die Moden des ancien régime der Rokoko- und Zopfzeit.

Literatur

1. Jacob und Wilhelm Grimm, Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854. 2. Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin 193411. 3. Wilhelm Borchardt, Die sprichwörtlichen Redensarten im deutschen Volksmunde, neu hrsg. von Gustav Wustmann, Leipzig 18955. 4. Jacob Falke, Die deutsche Trachten- und Modenwelt II, Leipzig 1858. 5. Matthäus und Veit Konrad Schwarz ... von Elias Caspar Reichard (Ein Beitrag zur Geschichte der Kleidermoden ... des 16. Jh.), Magdeburg 1786.