Altartuch (B. In der protestantischen Kirche)

Aus RDK Labor
Wechseln zu: Navigation, Suche

englisch: Altar-cloth (Protestant); französisch: Drap d'autel (protestant); italienisch: Tovaglia d'altare (protestante).


Georg Stuhlfauth (1934)

RDK I, 615–616


RDK I, 435, Abb. 9. Tammendorf, um 1700.
RDK I, 487, Abb. 3. Seesen, Altar mit Ciborium und Kanzel, E. 18. Jh.
RDK I, 615, Eisenach, um 1600.

Das Altartuch (oder Abendmahlstuch) dient als Unterlage für das Abendmahlsgerät. Es bedeckt die ganze Altaroberfläche und kann nach allen Seiten beliebig weit überhängen. Während das A. in den reformierten Kirchen nur zur Feier des Abendmahls und zwar direkt auf den Altartisch aufgelegt wird, ist es in den lutherischen Kirchen vielfach Brauch geworden, es dauernd auf dem Altar zu belassen, wo es über der Altardecke liegt. In der Regel besteht das A. aus einer schmucklosen weißen Leinenbahn, deren Ränder mit Spitzen oder Borten besetzt sind. Nur ausnahmsweise ist es gemustert oder bestickt. Bildliche Darstellungen auf dem A. sind ungewöhnlich: Ein um 1600 entstandenes A. der Georgenkirche in Eisenach (184 : 277 cm) zeigt in 6 Reihen schachbrettartig verteilt 27 neutestamentliche Szenen in Weißstickerei (Ausschnitt in der Abb.). Ein geklöppeltes A. des späten 18. Jh. in Mühlberg a. d. Elbe (Inv. Prov. Sachsen 29, Taf. nach S. 180). Ob ein weißes, mit schwarzen Mustern bedrucktes Tuch (70 : 224 cm) von 1672 in Schönhagen (Inv. Brandenburg I, 2 S. 195/96) als Altartuch (oder als Altardecke) diente, ist ungewiß. – A. aus älterer Zeit haben sich nur in wenigen Fällen erhalten. Daß sie immer in Gebrauch waren, beweisen zahlreiche Darstellungen des Abendmahlsempfangs: Vgl. Regensburg (Sp. 569, Abb. 4); Mühlberg a. d. Elbe, 1569 (Sp. 43/44, Abb. 16); Weißenburg in Mittelfranken, 1606 (Inv. Bayern V, 5, Taf. 5); Eisenach, St. Georgenkirche, 1617 (Inv. Sachsen-Weimar-Eisenach III, 1, Taf. vor S. 233); Luckau, um 1670 (Inv. Brandenburg V, 1, S. 376).

Auf dem A. kann als Unterlage für das Abendmahlsgerät noch ein besonderes Deckchen, das Korporale, liegen.

Zur Abbildung

Eisenach, St. Georgenkirche, A. mit neutestamentlichen Darstellungen in Weißstickerei, um 1600 (Ausschnitt). Phot. Dr. F. Stödtner, Berlin.

Moderne Beispiele u. a.: Sp. 434, Abb. 6; Sp. 435, Abb. 9; Sp. 486, Abb. 19 und 1; Sp. 488, Abb. 3 und im Artikel Altarretabel, prot. Sp. 565ff.