Altarschranken (B. In der protestantischen Kirche)

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englisch: Altar-rails (Protestant), communion rails (Protestant); französisch: Clôture d'autel (protestante); italienisch: Cancelli (protestante).


Helmuth Eggert (1934)

RDK I, 603–605


RDK I, 45, Abb. 1. und 2. Tolksdorf (Ostpreußen), Abendmahlsengel, gegen 1750.
RDK I, 587, Abb. 18. Leisnig (Sachsen), 1663-64.
RDK I, 603, Abb. 1. Preetz (Schleswig-Holstein), 1656.
RDK I, 605, Abb. 2. Lassan (Pommern), 1728.
RDK I, 605, Abb. 3. Sande (Oldenburg), 1663.

Der Protestantismus kennt nicht die in der katholischen Kirche zu allen Zeiten zwischen Priester und Laien gezogene scharfe Trennung, die ihren äußeren Ausdruck u. a. in der Anlage von Lettnern, Chor- und Altarschranken findet. Trotzdem wurde es im Laufe der Zeit auch in der protestantischen Kirche vielerorts üblich, den Raum unmittelbar vor dem Altar durch eine Schranke abzugrenzen. Neben der Heraushebung des Altargebiets als eines besonderen Bezirks ist die Einführung von A. erklärlich aus dem Bedürfnis, dem Geistlichen die bei der Spendung des Abendmahls nötige Bewegungsfreiheit zu geben und den Gläubigen bestimmte Plätze zum Empfang des Sakraments anzuweisen. Die Schranken sind daher fast immer mit Kniebänken versehen; doch können als solche auch die Altarstufen dienen (vgl. Sp. 43/44, Abb. 16). In manchen Gegenden, besonders in Mitteldeutschland, wird zuweilen das Bibelpult (vgl. Sp. 528,29) in der Mitte der vorderen Schranke angebracht, vielfach auf einem kanzelartigen Vorbau (Beispiel: Nordheim, Inv. Sachsen-Meiningen I, 1, Taf. 69; Helmershausen, Inv. Sachsen-Weimar-Eisenach 4, Taf. 47).

Erst aus dem 17. Jh. lassen sich gesicherte Beispiele für protestantische A. nachweisen. Die überwiegende Grundform ist ein Rechteck, das sich den Altarstufen anpaßt. Wenn auch meist in schlichten Formen, etwa als Balustrade, gehalten, finden sich auch Beispiele reich ausgestalteter A. (Abb. 1). Im Barock nimmt der Grundriß der A. zuweilen sehr bewegte Gestalt an (Ab. 2); auch kann er halbkreisförmig oder aus einem Vieleck entwickelt sein. Material der A. ist vorwiegend Holz, häufig auch Schmiedeeisen (besonders in Württemberg; Beispiel: Schwäb. Hall, Spitalkirche; Inv. Württemberg, Jagilkreis 1, S. 532). Die ringsherum kastenartig geschlossene Form der A. (vgl. Abb. 1 und 2) ist vor allem in Norddeutschland zu finden.

Neben diesen eigentlichen A. sind ein ungemein häufig anzutreffendes protestantisches Spezifikum 2 kurze seitliche Schranken rechts und links vor dem Altar, die den Raum nach vorn offen lassen. Sie sind fast regelmäßig mit Kniebänken versehen, da an ihnen die Austeilung des Abendmahls (in beiderlei Gestalt) vollzogen wird. Auch diese Altarbänke sind nur selten so prächtig geschmückt wie in Sande (Abb. 3), wo an den abschließenden Wangen die Figuren von Paulus und Luther dargestellt sind. Häufig bestehen die seitlichen Schranken (zumal in Sachsen) aus einfachen, selten reicher ausgestalteten schmiedeeisernen Gittern (vgl. Sp. 587, Abb. 18), die in manchen Fällen an den vorderen Enden noch ein kurzes Stück im rechten Winkel umbiegen und einen breiten Durchgang zum Altar einfassen. Fehlen die seitlichen Schranken oder Altarbänke, so ersetzt man sie durch an der Mensa befestigte, vorn über ein Gestell gelegte oder von Abendmahlsengeln gehaltene schmale Tuchbahnen (Beispiele für die erste Form: Kleinbautzen, Malschwitz, Milkel, Neschwitz, sämtliche im Inv. Sachsen 31; für Abendmahlsengel vgl. Sp. 45/46, wozu als wichtige Beispiele zu ergänzen: Katznase in Westpreußen, Inv. 4, S. 72, und Niederrossla in Thür., Inv. Sachsen-Weimar-Eisenach 2, S. 342). Mancherorts begnügt man sich mit 2 Kniekissen auf den Altarstufen.

In Schweden findet sich mehrfach zwischen Altar und Schranke noch eine weitere Kniebank, auf der der Geistliche während des Sündenbekenntnisses, der Gemeinde zugewandt, niederknien konnte („Confiteorschemel“).

Die A. sind nicht zu verwechseln mit Chorgittern, die nicht nur den unmittelbaren Vorraum des Altars, sondern den ganzen Chor abschließen; vgl. Chorschranken.

Zu den Abbildungen

1. Preetz (Schl.-Holst.), Kirche, A. aus Dänischenhagen, 1656 von Hans Gudewerdt. Phot. Prov. Kons. f. Schleswig-Holstein, Kiel.

2. Lassan (Kr. Greifswald), Kirche, A. von 1728. Phot. Kunstgesch. Seminar Greifswald.

3. Sande (Oldenburg), Kirche, Altarbänke von 1663. Phot. Oldenburg. Landesmus.

Vgl. ferner die Abb. zu Altarretabel, prot. Sp. 565ff.

Verweise