Altar (A. In der katholischen Kirche)

Aus RDK Labor
Wechseln zu: Navigation, Suche

englisch: Altar (Roman Catholic); französisch: Autel (catholique); italienisch: Altare (cattolico).


Joseph Braun, S.J. (1934)

RDK I, 412–429


RDK I, 411, Abb. 1. Magdeburg, Dom.
RDK I, 411, Abb. 2. Goslar, Museum.
RDK I, 413, Abb. 3. Altenryf (Schweiz).
RDK I, 413, Abb. 4. Blaubeuren, Margaretenkapelle.
RDK I, 413, Abb. 5. Regensburg, Allerheiligenkapelle.
RDK I, 413, Abb. 6. Reichenau-Mittelzell.
RDK I, 415, Abb. 7. Regensburg, St. Stephan.
RDK I, 415, Abb. 8. Regensburg, St. Stephan.
RDK I, 415, Abb. 9. Würzburg, Neumünster.
RDK I, 417, Abb. 10. Wimpfen, Ritterstiftskirche.
RDK I, 417, Abb. 11. Wimpfen, Ritterstiftskirche.
RDK I, 419, Abb. 12. Herford, Münsterkirche.
RDK I, 419, Abb. 13. Köln, St. Kunibert.
RDK I, 419, Abb. 14. Prag, St. Ignatius.
RDK I, 419, Abb. 15. Quedlinburg, Wipertikrypta.
RDK I, 421, Abb. 16. Heilbronn, Deutschordenskirche.
RDK I, 421, Abb. 17. Gerresheim, Stiftskirche.
RDK I, 421, Abb. 18. Schulpforta, ehem. Klosterkirche.
RDK I, 421, Abb. 19. Soest, Wiesenkirche.
RDK I, 423, Abb. 20. Köln, Dom, Hochaltar.
RDK I, 423, Abb. 21. Fulda, Dom.
RDK I, 425, Abb. 22. St. Peter im Holz (Kärnten).
RDK I, 427, Abb. 23. Regensburg, St. Emmeram, Westchor.
RDK I, 427, Abb. 24. Regensburg, St. Emmeram, Ostchor.
RDK I, 427, Abb. 25. Regensburg, St. Emmeram, Ostchor.

I. Begriff, Benennungen

Der A. ist die Stätte des eucharistischen Opfers und zugleich des eucharistischen Mahles. Seine gewöhnlichste Benennung war von jeher altare (ursprünglich altaria, in älterer Zeit aber auch wohl altarium), die darum auch in alle europäische Sprachen sich einbürgerte: deutsch Altar, holländisch altaar, französisch autel, spanisch, katalonisch und portugiesisch altar, italienisch altare, norwegisch, schwedisch und englisch altar, dänisch alter, tschechisch oltar, polnisch oltarz, kroatisch oltar, russisch oltary, ungarisch oltar. Mit ara bezeichnete man in altchristlicher Zeit vornehmlich den heidnischen A., mit mensa den christlichen A., wenn er als Stätte des eucharistischen Mahles gedacht war. Später verstand man unter beiden gewöhnlich die A.-Platte im Gegensatz zu deren Träger, dem stipes. Mittelalterliche Sondernamen des Hoch-A. waren altare senius, principale (princeps), maius, summum, capitaneum, cardinale, dominicale (dominicum), magistrum, authenticum. Sie sollten denselben als den hervorragendsten, vorzüglichsten der in der Kirche befindlichen A., seine besondere Würde und seine beherrschende Stellung zum Ausdruck bringen und waren zum Teil auch in Deutschland in Gebrauch. Dem Namen altare dominicale entsprach das deutsche Vron-, Fron-A.; eine zu Unrecht als „Sakraments-A.“ gedeutete Benennung. Einen Neben-A. bezeichnete man als altare minus. Altare matutinale hieß der A. in Kloster- und Stiftskirchen, an dem die Messe nach der Matutin stattfand, altare capitis (in capite) oder de retro ein hinter dem Hoch-A. im Scheitel des Chores befindlicher Neben-A., altare laicorum, parochiale, plebania der in Stifts- und Klosterkirchen als Pfarr-A. für die zu ihnen gehörende Parochianen dienende, am häufigsten mitten vor dem Eingang des Chores stehende A. (Abb. 1). Neben-A. wurden voneinander unterschieden, indem man sie nach ihrem Titel oder Patron (Kreuz-A., Marien-A., Peters-A. u. a.), nach ihrem Stifter oder nach der Zunft, der sie gehörten (Bäcker-A., Schneider-A. u. a.) benannte.

II. Arten: feststehender, scheinbar feststehender, tragbarer A.

Der A. ist entweder ein feststehender A. (altare fixum, immobile) oder ein scheinbar feststehender A. (altare quasi-fixum) oder ein Trag-A. (altare portatile, mobile). Das altare fixum und das altare portatile unterscheiden sich erstens dadurch, daß jenes aus zwei, fest zu einem Ganzen miteinander verbundenen Bestandteilen, Platte (mensa) und Plattenträger (stipes), sich zusammensetzt, dieses nur in einer Platte besteht, zweitens durch die Verschiedenheit ihrer Maßverhältnisse, drittens durch den Umstand, daß das altare fixum ständig dieselbe Stellung einnimmt, das altare portatile beliebig von Ort zu Ort getragen werden kann, wenn auch Stabilität für das altare fixum nicht so wesentlich ist, daß es schon durch bloßes Versetzen, bei dem es keine namhafte Beschädigung erleidet, seine Weihe einbüßte. Unter einem altare quasi fixum versteht man ein nicht konsekrierbares oder doch nicht konsekriertes altare fixum, das durch ein oben eingelassenes altare portatile zur Feier der Messe geeignet gemacht ist. Der feststehende A. ist der A. im vorzüglichen Sinn, der Normal-A.; der scheinbar feststehende und der Trag-A. sind nur Ersatz beim Mangel eines feststehenden.

Einen bestimmten Platz hatte der A. bei der Feier der Liturgie von jeher, dauernd aufgestellt konnte er jedoch in der vorkonstantinischen Zeit noch nicht werden, selbst da nicht, wo es (wie zumal im 3. Jh.) bereits ausschließlich für die Abhaltung des Gottesdienstes bestimmte Räumlichkeiten gab. Rücksicht auf die Heiligkeit und Würde des A. und Sorge um Sicherheit und Schutz desselben gestattete das für gewöhnlich noch nicht. Als jedoch Konstantin durch sein Toleranzedikt der Kirche Daseinsberechtigung und ihrem Kult Freiheit und Öffentlichkeitsrecht gegeben hatte, hatte das auch zur Folge, daß man den A. nicht mehr jedesmal nach dem Gottesdienst entfernen mußte, sondern ihn ständig an seinem Platz belassen konnte. Notwendig wurde das, sobald man ihn aus Stein herstellte.

III. Material

Als Material zur Herstellung des A. benutzte man in vorkonstantinischer Zeit wie für die Tische des häuslichen Lebens Holz oder Metall (Bronze). In der nachkonstantinischen verwendete man dann aber immer mehr Stein, der sich durch größere Dauerhaftigkeit empfahl, dergestalt, daß schon im frühen Mittelalter Stein das vorherrschende Material des A. bildete. Eine ausdrückliche, allgemeinverbindliche Vorschrift, ihn aus Stein herzustellen, ist im ganzen Mittelalter nicht erlassen worden. Eine Pflicht dazu bestand darum nur da, wo eine diesbezügliche partikulärrechtliche Verordnung oder eine rechtsverbindliche Gewohnheit bestand. Es kann deshalb auch nicht befremden, wenn in Spanien und England noch im 11. Jh., in Irland sogar bis zur Dubliner Synode von 1186, A. aus Holz zur Verwendung kamen, in Deutschland aber noch im 11. Jh. zu Goslar (Abb. 2) ein kastenförmiger und zu Braunschweig (Abb. Sp. 187) noch im späten 12. ein Tisch-A. mit Stipes aus Bronze entstand. Eine förmliche allgemeingültige Vorschrift, den A. aus Stein zu machen, erfolgte erst durch die Generalrubriken des Missales Pius V. (1570). Aus Backstein statt aus Naturstein die Mensa des A. herzustellen, galt schon im Mittelalter als unzulässig, dagegen ist es noch heute statthaft, den Stipes aus ihm anzufertigen, nur muß, wenn dieser aus Backstein besteht, zufolge Bestimmungen aus jüngster Zeit an den Ecken ein Steinpfosten eingefügt werden, wenigstens wenn der A. konsekriert werden soll.

IV. Form: Tisch-, Kasten-, Block-, Sakophag-A.; Größe

Die formale Entwicklung des A. brachte vier Typen hervor, den Tisch-A., den Kasten-A., den Block-A. und den Sarkophag-A.

a) Der Tisch-A. (Abb. 3–6), ein aus Platte und einer, zwei oder mehreren Stützen bestehendes tischförmiges Gebilde, ist der älteste Typus; geht er doch bis in die vorkonstantinische Zeit zurück. Bis in die Karolingerzeit vorherrschend, wurde er seitdem immer mehr durch den Typus des Block-A. in den Hintergrund gedrängt, ohne jedoch jemals ganz zu verschwinden; noch in der Zeit des Barock entstanden Tisch-A. Je nach der Zahl und Art der Stützen läßt sich eine große Zahl von Untertypen des Tisch-A. feststellen: Tisch-A. mit einer einzigen Stütze (Abb. 3), einem runden oder polygonalen Pfeiler, einem vierseitigen, zippusartigen Steinblock, einem Mauerblock oder einem Säulchenbündel mitten unter der Mensa; Tisch-A. mit zwei, drei (Abb. 4, 6) oder vier Stützen, Tisch-A. mit Stützen unter den vier Ecken der Mensa und einer Mittelstütze (Abb. 5), Tisch-A. mit mehr als fünf Stützen; Tisch-A. mit zwei oder mehr quergestellten Platten oder Aufmauerungen als Trägern der Mensa, Tisch-A. mit zwei oder mehr Stützen unter der Front der Mensa und durchgehendem Mauerblock als Stütze unter ihrer hinteren Langseite, endlich Tisch-A. mit querstehenden Konsolen statt Säulchen, Pfeilern oder quergestellten Platten als Trägern der A.-Platte (Abb. 6).

Die Zahl der Tisch-A., die sich aus früherer Zeit ganz oder wenigstens in größeren Bruchstücken erhalten haben, ist sehr groß. Die ältesten entstammen dem 6. Jh., andere dem frühen Mittelalter, wieder andere der Karolingerzeit, dem 11., 12. und 13. Jh., dem späten Mittelalter sowie der Zeit der Renaissance und des Barock. Bei weitem die meisten finden sich in Italien, im Süden Frankreichs und in Spanien, nur verhältnismäßig wenige auf deutschem Boden. Ein einstütziger, dem 6. Jh. entstammender Tisch-A. mit rundem Säulenschaft als Träger der Mensa wurde 1910 nebst Fragmenten zweier anderer auf dem Boden des alten Teurnia, heute St. Peter im Holz, in Kärnten, gefunden (Abb. 22), zwei einstützige, vielleicht noch der 2. H. 12. Jh. angehörende mit vierseitigem Steinblock als Stütze haben sich zu Altenryf in der Schweiz erhalten (Abb. 3), wo sich auch noch ein Tisch-A. vorfindet, der ursprünglich nur eine einzige aus einem Säulchenbündel bestehende Stütze hatte, später aber bei einer im 14. Jh. erfolgten Vergrößerung auch noch mit Eckstützen versehen und damit zu einem fünfstützigen Tisch-A. umgestaltet wurde. Einen dreistützigen Tisch-A. gab es bis wenigstens zur Mitte des vorigen Jahrhunderts noch in der Margaretenkapelle zu Blaubeuren (Abb. 4), der heute jedoch verschwunden ist. Reste eines vierstützigen Tisch-A. aus altchristlicher Zeit traten 1856 in den Ruinen einer altchristlichen Basilika zu Lienz in Tirol zutage, je ein vierstütziger aus der Zeit des romanischen Stiles hat sich in der Krypta des Doms zu Gurk und zu Obernkirchen (Reg.-Bez. Kassel) erhalten; ein vierstütziger gotischer in der oberen Sakristei des Domes zu Konstanz. Fünfstützig ist ein Tisch-A. des 12. Jh. im Dom zu Braunschweig sowie in der Allerheiligenkapelle am Kreuzgang des Regensburger Domes (Abb. 5). Einen vielstützigen Tisch-A. aus dem Jahre 1178, dessen Rückseite jedoch in späterer Zeit mit einer Aufmauerung unterfangen wurde, besitzt noch der Dom zu Chur, zwei spätgotische Niedermünster zu Regensburg, falls letztere nicht etwa ursprünglich Grabmäler waren. Ein spätgotischer, vorn durch zwei Säulchen, an der Rückseite durch die Wand abgestützter Tisch-A. hat sich in der Sakristei der Stiftskirche zu Oberwesel, ein spätgotischer Tisch-A., dessen Mensa auf drei konsolartigen Steinblöcken sitzt, von denen die beiden äußeren durch einen Rundpfeiler abgestützt werden, in Mittelzell auf der Reichenau erhalten (Abb. 6). Es ist eine förmliche Schar von Untertypen, die uns bei den vielen Tisch-A. aus früherer Zeit entgegentritt. Keiner der anderen A.-Typen weist eine solche Mannigfaltigkeit der Sonderformen auf.

Der Kasten-A. (Abb. 7–11) ist ein A. mit großem Hohlraum im Innern des Stipes, der durch eine Türe oder sonst eine Öffnung von außen zugänglich ist. Er verdankt seine Entstehung dem Brauch, im Boden unter dem A. Reliquien beizusetzen (s. u.). Sein Innenraum war ursprünglich gedacht als Konfessio, Vorraum des unter ihm befindlichen Reliquiengrabes, der die Möglichkeit gewähren sollte, sich diesem zur Verehrung der in ihm beigesetzten Reliquien zu nähern, Tücher auf dasselbe zu legen u. a. (Abb. 23–25). Später, als man das A.-Grab nicht mehr im Boden anbrachte, diente er zur Aufbewahrung der Reliquienbehälter, im ausgehenden Mittelalter aber benutzte man ihn auch als Schatzkammer und als Aufbewahrungsort liturgischer Gebrauchsgegenstände. Kasten-A., deren Innenraum eine Konfessio bildete, waren besonders in Italien gebräuchlich, wo sich bis heute eine bemerkenswerte Zahl, die zumeist aus dem 11. und 12. Jh. stammt, erhalten hat. In Deutschland, wo solche Kasten-A. mit Hohlraum nie häufig gewesen sein werden, bieten zwei bemerkenswerte Beispiele der ehemalige Kreuz-A. im Dom zu Hildesheim in seiner ursprünglichen Gestalt sowie ein A. in St. Stephan zu Regensburg (Abb. 7 u. 8). Der Hildesheimer A. entstammt dem späten 10. Jh., einer Zeit, der auch der vielfach zu früh angesetzte Regensburger angehören wird.

Von Kasten-A., deren Inneres zur Aufbewahrung von Reliquien und Reliquiaren verwendet wurde, hören wir erst in karolingischer Zeit. Es entstanden solche noch im 16. und 17. Jh. Das älteste Beispiel in Deutschland ist der sog. Krodo-A. in Goslar (Abb. 2), ein Beispiel aus dem 13. Jh. ein jetzt in der vorderen Krypta von Neumünster zu Würzburg stehender A. (Abb. 9), ein spätgotisches, das sog. Markusgrab zu Mittelzell auf der Reichenau.

Kasten-A., deren Hohlraum den Zweck hatte, als Schatzkammer oder zur Aufbewahrung von A.-Gerät zu dienen, entstanden erst im 13. Jh. Besondere Verbreitung fanden sie in Deutschland. Es war hier nicht bloß der Hoch-A., den man zu jenem Zweck mit einem von außen zugänglichen Hohlraum versah, sondern es geschah das auch, ja vorzugsweise, mit den Neben-A. Der Hohlraum tritt in zwei Formen auf. Bei der einen beschränkt er sich auf den Stipes, höchstens daß er bis zum Fußboden der Kirche reicht; bei der zweiten steigt er in diesen mehr oder weniger tief hinab, so daß er nur mit Hilfe einer Treppe zugänglich ist (Abb. 10 u. 11). Man hat den Hohlraum der zweiten Art als eine Art Betkämmerchen gedeutet, in dem die Gläubigen weilten, wenn am A. die Messe gelesen wurde. Mit Unrecht, wie die Beschaffenheit solcher Hohlräume beweist. Schlitz- oder okulusförmige Öffnungen, die bisweilen in den Schmalseiten des Hohlraumes angebracht sind, dienten zur Lüftung bei verschlossener Tür. Die Zahl der mittelalterlichen A., bei denen der Innenraum sich auf den Stipes beschränkt, ist auf deutschem Boden sehr erheblich. A., bei denen er in den Fußboden herabsteigt, sind der Hoch-A. der Stiftskirche zu Wimpfen im Tal (Abb. 10 u. 11), der Elisabethkirche zu Marburg, der Stiftskirche zu Fritzlar, des Domes und der Magdalenenkirche zu Erfurt, der Kapellenkirche zu Rottweil, der Klosterkirche zu Blaubeuren, des Münsters zu Freiburg i. Br. sowie des Domes und der Frauenkirche zu Meißen.

Der Block-A. (Abb. 12 u. 13) ist ein A., dessen Stipes entweder ein Massiv ist oder doch, wenn er aus Platten besteht, weil ringsum gegeschlossen, als Massiv erscheint, an Breite und Tiefe aber den Maßverhältnissen der Mensa fast gleichkommt. Was ihn vor den beiden ersten A.-Typen empfahl, war nicht nur seine größere Solidität, sondern namentlich auch, daß ihm unschwer jede gewünschte Größe gegeben werden konnte. Besonders dieser letztere Umstand war es, der ihn seit der Karolingerzeit bald zur gewöhnlichsten A.-Form machte. Die Zahl der Block-A., die sich aus der ersten Hälfte des Mittelalters erhalten hat, ist gering, aus der zweiten ist dagegen eine überaus große Menge noch vorhanden, zumal in Deutschland, das aus dieser Zeit noch heute mehr Block-A. besitzt als alle anderen Länder zusammen. Daß auch der Block-A. im Grunde ein Tisch war, kam in der Ausladung der Mensa zum Ausdruck, die bis zur Zeit des Barock nur selten fehlte. Oft versah man seit dem späten Mittelalter die Block-A. mit einer oder auch zwei verschließbaren Nischen, die zur Aufbewahrung von A.-Gerät dienten und sich bei Neben-A. gewöhnlich an den Schmalseiten, bei Hoch-A. an der Rückseite befanden. Dagegen scheint man eine Nische zur Aufstellung der Meßampullen erst in nachmittelalterlicher Zeit häufiger angebracht zu haben. Nur ganz vereinzelt hat man sie im Mittelalter mit einer Piszina ausgestattet.

Der Sarkophag-A. (Abb. 14), ein A. von der Form eines Sarkophages, entstammt erst dem 16. Jh. Das Mittelalter hat ihn noch nicht gekannt. Noch im 17. Jh. keineswegs häufig, wurde er jedoch im 18. allenthalben verbreitet, besonders auch im Süden Deutschlands und in Österreich, so daß man ihn geradezu den A.-Typus des Spätbarock, des Rokoko und des Klassizismus nennen kann. Er ist eine Umbildung des Block-A. Anlaß zu ihr gaben die Reliquien, die bei der Weihe in den A. eingeschlossen werden. Weil infolgedessen Heiligengrab, sollte er auch als Grabmal erscheinen und so gab man ihm die Form eines Sarkophages. In der Zeit des Spätbarock von bewegten geschweiften Formen, erhielt er in der des Klassizismus und Empire ein vornehm steifes, nüchternes Aussehen.

Die Maßverhältnisse des A. waren bis in die Karolingerzeit, ja bis zum 11. Jh., durchweg sehr bescheiden. Oft war die Mensa nur so breit und tief, als notwendig war, um ohne Schwierigkeit die hl. Geräte aufnehmen zu können. 1,75 m Breite und 1 m Tiefe waren bis dahin schon bedeutende Abmessungen, größere die Ausnahme. Seit dem 11. Jh. nehmen die Maße der Mensa dann jedoch langsam, aber stetig zu, vor allem die der Hoch-A.-Mensa, weniger die der Mensa der Neben-A. Den Höhepunkt erreichte ihre Ausdehnung in der Zeit der Hoch- und Spätgotik. Hoch-A.-Mensen von 3–3,50 m Breite und 1,30–1,70 m Tiefe waren in dieser Zeit etwas Häufiges, auch in Deutschland. Die Hoch-A.-Mensa des Domes zu Magdeburg, eine einzige Platte aus grauem, rotgeflecktem Marmor, ist sogar 4,40 m breit und 1,97 m tief, die des Kölner Domes (Abb. 20) eine einzige Platte aus schwarzem Marmor, 4,54 m breit und 2,13 m tief. Die A. der nachmittelalterlichen Zeit hielten an den Maßverhältnissen der Mensa fest, wie sie im späten Mittelalter üblich geworden waren.

V. A.-Mensa, Vertiefung, Weihekreuzchen

Ihrer Gestalt nach war die A.-Mensa jedenfalls schon im frühen Mittelalter der Regel nach nur mehr rechteckig, sehr selten quadratisch, rund oder hufeisenförmig aber nur ganz ausnahmsweise. Eine runde Mensa hat sich in der Kathedrale zu Besançon erhalten, eine hufeisenförmige im Museum zu Vienne, auf deutschem Boden in Mettlach. Alle drei werden dem 11. Jh. entstammen. Mit einer Profilierung wurden die über den Stipes vorkragenden Kanten der Mensa noch im 10. Jh. gewöhnlich nicht versehen, in der Folge werden jedoch umgekehrt unprofilierte Mensen die Ausnahme (Abb. 3ff.). Die Profilierung bestand am häufigsten in einer Schräge, im romanischen Stil aber auch in einem Karnies, im gotischen in einer Kehle. Mit einem aus Kehle oder Karnies, Wulst oder Stab sich zusammensetzenden Profil wurde die Mensa im ganzen nur selten versehen. In der Renaissance erhielt diese oft eine der antiken Hängeplatte nachgebildete Profilierung.

Eine Eigentümlichkeit altchristlicher und frühmittelalterlicher A.-Mensen, die aber auch noch solche des 10., 11. und 12. Jh. aufweisen, bestand in einer ihre Oberseite ganz oder größtenteils einnehmenden Vertiefung (Abb. 22), die von einer höheren oder flacheren, breiteren oder schmäleren, einfacher oder reicher profilierten, manchmal an der Innenseite von einem Bogenfries begleiteten Leiste ringsum eingefaßt war. Zahlreiche A.-Mensen dieser Art, von denen die älteste dem 5. Jh. entstammt, haben sich in Italien, Istrien, Spanien, besonders aber im Süden Frankreichs erhalten. Sie beweisen die große Verbreitung, deren sich dieser Mensatypus ehedem dort erfreute. Zu St. Peter im Holz wurden bei Bloßlegung der Überreste einer altchristlichen Basilika drei Mensen mit Vertiefung aus dem 6. Jh. gefunden (Abb. 22). In der Kathedrale zu Metz gibt es eine solche Mensa aus karolingischer Zeit, ein Beispiel aus dem 11. Jh. hat sich zu Mettlach in Gestalt der schon erwähnten hufeisenförmigen Mensa erhalten. Seit E. 12. Jh. dürften wohl nirgends mehr A.-Mensen mit Vertiefung entstanden sein. Die Vertiefung hatte ursprünglich wohl einen praktischen Zweck, später aber war sie auch, ja wohl in erster Linie, Dekoration.

Weihekreuzchen (Abb. 15) auf der Mensa anzubringen, war in Frankreich, England, Schweden, besonders aber in Deutschland schon im Mittelalter ein wenn nicht allgemeiner, so doch sehr gewöhnlicher Brauch, nicht dagegen in Italien und Spanien. In Frankreich reichen die frühesten Beispiele in die vorkarolingische Zeit zurück; in Deutschland finden sich die ältesten bekannten auf der Mensa des A. der Wipertikrypta zu Quedlinburg (Abb. 15). Die Zahl der Kreuzchen belief sich entweder auf fünf – vier auf den Ecken und eines in der Mitte der Mensa – oder nur auf vier. Finden sich auf der Mensa mehr als fünf Kreuzchen, so weist das auf eine spätere Neuweihe des A. hin. Größe und Form der Kreuzchen sind äußerst mannigfaltig. Sehr reich ausgestaltet sind die Kreuzchen auf der Mensa des A. der Wipertikrypta (Abb. 15). Die Kreuzchen sind gewöhnlich quer zur Längsachse der Mensa gerichtet, doch auch wohl in der Diagonale derselben.

Die Kanten der Mensa zu ornamentieren, war nur gebräuchlich, solange sie nicht profiliert wurden. Was an A.-Mensen auf deutschem Boden entstand, entbehrt deshalb jeden Schmuckes der Kanten. Die Mensa des dreistützigen A. zu Blaubeuren (Abb. 4) war als vereinzelte Erscheinung mit einem Hängekamm verziert. Wenn man die Mensa deutscher A. des Mittelalters bisweilen aus zwei oder mehreren Stücken zusammengesetzt hat, was heute unzulässig ist, so erklärt sich das dadurch, daß das damals noch nicht ausdrücklich verboten war.

VI. A.-Stipes; seine Ausstattung

Den Stipes des A. mit schmückenden Zutaten auszustatten, war das ganze Mittelalter hindurch allenthalben nur sehr wenig üblich, auch nicht in Deutschland, wo sich unter der überaus großen Zahl der erhaltenen mittelalterlichen A. nur eine verhältnismäßig sehr geringe Zahl findet, die mit solchem bedacht wurde. Der Brauch, den A. mit einem Antependium zu versehen, machte das überflüssig. Soweit der Stipes aber mit Schmuck ausgestattet wurde, bestand dieser vornehmlich in architektonischen Motiven, Abfasung und Auskehlung der Ecken, kantonierten Säulchen, der Front und den Schmalseiten vorgelegten Säulchen und Pilastern, vertieften quadratischen oder rechteckigen Feldern, Bogenblenden und Arkaturen (Abb. 7–13 und 16–19). Mit Blatt- und Rankenwerk hat man nur selten den Stipes geschmückt, mit figürlichen Darstellungen nur sehr vereinzelt. In Rom und Mittelitalien diente im 12. bis 14. Jh. mit Vorzug Mosaik, Kosmatenarbeit, zur Verzierung des A.-Stipes.

Auf deutschem Boden gibt es noch mittelalterliche A. mit Fase oder Kehle an den Ecken des Stipes, beispielsweise in der Schloßkirche zu Quedlinburg, dem Dom zu Xanten, der Krypta der Abteikirche zu Werden; mit Säulchen an den Ecken in der Abteikirche zu Marienstatt und in der ehemaligen Klosterkirche zu Lichtenstern in Württemberg; mit Säulchen an der Front und den Seiten in St. Kunibert zu Köln (Abb. 13), in der Pfarrkirche zu Brauweiler, der Stiftskirche zu Gerresheim (Abb. 17), in der ehemaligen Deutschordenskirche zu Heilbronn (Abb. 16) und in der Krypta von Niedermünster zu Würzburg (Abb. 9); mit vertieften Feldern aus romanischer Zeit in St. Gereon zu Köln, in den Domen zu Limburg, Magdeburg und Naumburg sowie dem Münster zu Herford (Abb. 12), aus gotischer zu Lichtenstern, in Heiliggeist zu Landshut und im Dom zu Regensburg; mit Arkaturen aus romanischer Zeit in der Abteikirche zu Werden und der Stiftskirche zu Gerresheim (Abb. 17), aus gotischer in der Klosterkirche zu Pforta (Abb. 18) der Predigerkirche zu Erfurt, der Stiftskirche zu Wimpfen im Tal (Abb. 10), im Dom zu Köln, in St. Ursula daselbst und in St. Marien zu Dortmund, in der Abteikirche zu München-Gladbach, der Wiesenkirche zu Soest (Abb. 19), der Pfarrkirche zu Cleve, der Abteikirche zu Werden, der Stiftskirche zu Friedberg (Hessen), der Martinskirche zu Landshut, der Severikirche zu Erfurt, den Domen zu Xanten und Magdeburg u. a. Kosmatenarbeit am Stipes weist ein A. im Dom zu Gurk auf. Der bei weitem hervorragendste unter den wenigen mittelalterlichen deutschen A., die Bildwerk als Schmuck aufweisen, ist der Hoch-A. des Kölner Domes (Abb. 20) mit Statuetten unter reichen Giebelarchitekturen an allen vier Seiten, das glänzendste und großartigste Beispiel seiner Art, das überhaupt geschaffen wurde. In nachmittelalterlicher Zeit kamen als Schmuck des Stipes von den im Mittelalter gebräuchlichen architektonischen Motiven nur mehr Säulchen, Pilaster und besonders vertiefte Felder zur Verwendung. Mit figürlichem Bildwerk zierte man ihn häufig in Italien, in Deutschland dagegen kaum je (A. in der Bonifatiusgruft zu Fulda, Abb. 21). Beliebt war es in Italien auch, den Stipes mit Marmor- oder Stuckintarsien zu verzieren, in Spanien, ihn mit bemalten Tonfliesen zu bekleiden.

Sollte der Stipes mit Bildwerk geschmückt werden, so war für die Auswahl und Festlegung desselben bald die Bedeutung, bald der Titelheilige des A. bestimmend. Was seine Anordnung anlangt, so war es in romanischer und frühgotischer Zeit – wie das der gleichzeitigen Antependien – in Feldern angebracht, in die die Front des Stipes aufgeteilt war, in hoch- und spätgotischer Zeit unter Arkaturen als ein das Bildwerk vervollständigendes Dekorationsmittel (Abb. 20). In der Zeit der Renaissance und des Barock bildet es am gewöhnlichsten eine einheitliche Bildtafel (Abb. 21).

VII. Reliquiengrab

Ein heute schlechthin notwendiger Bestandteil eines A., der zur Feier der Eucharistie dienen soll, ist das aus einer Höhlung und zugehörigem, mit Mörtel befestigtem Schlußstein (sigillum) bestehende Reliquiengrab (sepulcrum). Der Brauch, den A. mit einem Reliquiengrab zu versehen, erwuchs aus der im 4. Jh. sich bildenden Gepflogenheit, über Märtyrergräbern einen A. zu errichten. Rasch sich verbreitend, war er schon in der Karolingerzeit allgemein heimisch, wenn auch noch nicht streng verpflichtend. In der zweiten Hälfte des Mittelalters war es nur mehr Ausnahme, wenn in dem A. bei seiner Weihe keine Reliquien eingeschlossen wurden.

Beigesetzt wurden die Reliquien ursprünglich im Boden unter dem A. (Abb. 22) oder in der Sockelplatte des letztern (Bodengrab), bald, seit dem 6. Jh., aber meist an der Front des Stipes oder oben in ihm (Stipesgrab). Sie in die Mensa einzuschließen, wurde erst im späteren Mittelalter gebräuchlicher (Mensagrab); bis dahin war das nur ausnahmsweise geschehen. Allgemein üblich wurde es erst in neuerer Zeit. Als Bodengrab wurde das Reliquiengrab häufig mit einer Vorkammer, Konfessio, versehen, die sich je nachdem zwischen Grab und A., vor dem Grab oder im Stipes des A., dem man Kastenform gegeben hatte, befand. Auch führte man seit dem 8. Jh. wohl im Boden um das Grab im Halbkreis einen Gang herum (Ringkrypta, Abb. 24), als Zugang zu einer vom Scheitel desselben abzweigenden unterirdischen Vorkammer (Abb. 24 u. 25). Eine vor dem Reliquiengrab angebrachte Konfessio gibt es auf deutschem Boden im Westchor von St. Emmeram zu Regensburg (Abb. 23), eine Ringkrypta mit Konfessio im Ostchor derselben Kirche (Abb. 24 u. 25) sowie in der Abteikirche zu Werden. In den protestantischen Kirchen sind aus den mittelalterlichen A., die sich in ihnen in sehr großer Zahl erhalten haben, infolge Verwerfung des Reliquienkultes die Reliquien entfernt.

Wie der A. als der liturgische Zielpunkt bei Entstehung des christlichen Kirchenbaues bestimmend für dessen Grundrißbildung war (s. A.-Haus, Chor usw.), so später für die weitere Entfaltung seiner Raumgestaltung (Nebenapsiden, Querschiff, Westchor, Kapellenkranz, Kapellen zwischen den eingezogenen Streben) die Einführung von Neben-A. und die Notwendigkeit einer organischen Einfügung derselben in den Innenraum.

Zu den Abbildungen

1. Magdeburg, Dom, Kreuz-(Volks-)A., 1445. Phot. Verf.

2. Goslar, Mus., Bronze-A. (sog. Krodo-A., aus dem Dom). E. 11. Jh. Phot. Verf.

3. Altenryf (Schweiz), Pfarrkirche, einstütziger Tisch-A., sp. 12. Jh. Zeichn. d. Verf.

4. Blaubeuren (Württ.), Margaretenkapelle, ehem. dreistütziger A., 15. Jh. Zeichn. d. Verf. nach Gailhabaud.

5. Regensburg, Allerheiligenkapelle, fünfstütziger Tisch-A., 12. Jh. Phot. Verf.

6. Reichenau-Mittelzell, dreistütziger Tisch-A., 15. (?) Jh. Phot. Verf.

7. Regensburg, St. Stephan, Kasten-A., 9.–10. Jh., Phot. Verf.

8. Desgl., Querschnitt. Zeichn. d. Verf.

9. Würzburg, Neumünsterkirche, Krypta, Kasten-A. mit Säulchen an allen Seiten, 13. Jh. Phot. Verf.

10. Wimpfen im Tal, Stiftskirche, Hoch-A. (Kasten-A.), E. 13. Jh. Phot. Verf.

11. Desgl. Querschnitt. Zeichn. d. Verf.

12. Herford, Münsterkirche, spätroman. Block-A. mit vertieften Feldern an Front und Seiten. Phot. Verf.

13. Köln, St. Kunibert, Block-A. mit Säulchen an der Front, 1. H. 13. Jh. Phot. Verf.

14. Prag, St. Ignatius, Sarkophag-A., 18. Jh. Phot. Verf.

15. Quedlinburg, Wipertikrypta, Mensa mit A.-Kreuzchen, 12. Jh. Zeichn. d. Verf.

16. Heilbronn, Deutschordenskirche, A. mit Säulchen an der Front, Anf. 13. Jh. Zeichn. d. Verf.

17. Gerresheim (Rheinprov.), Stiftskirche, A. mit Säulchen und Blendnischen an der Front, Anf. 13. Jh. Zeichn. d. Verf.

18. Schulpforta, ehem. Zisterzienserkirche, A. mit Kleeblattarkaden an der Front, M. 13. Jh. Nach W. Korssen.

19. Soest, Wiesenkirche, A. mit Blendnischen an der Front, 14. Jh. Nach Inv. Westfalen, Kr. Soest, S. 128.

20. Köln, Dom, Hoch-A., errichtet um 1350 durch Erzbischof Wilhelm von Gennep. Phot. Verf.

21. Fulda, Dom, Bonifatiusgruft. A. mit Bildwerk an der Front, 1710, von Joh. Neudecker d. Ä. Phot. Verf.

22. St. Peter im Holz (Kärnten), einstütziger Tisch-A. mit vertiefter Mensa und Altargrab, 5./6. Jh. Rekonstruktion nach Egger, Frühchristl. Kirchenbauten im südl. Noricum, Wien 1916.

23. Regensburg, St. Emmeram, Konfessio im Westchor, M. 11. Jh., Querschnitt. Zeichn. d. Verf.

24. Regensburg, St. Emmeram, Unterirdische Konfessio im Ostchor, 8. Jh., Grundriß. Zeichn. d. Verf.

25. Desgl., Längsschnitt. Zeichn. d. Verf.

Literatur

1. Jos. Braun, Der christliche Altar, München 1924, und die dort S. 13ff. angegebene Literatur. 2. Otte, I. 3. E. F. A. Münzenberger, Zur Kenntnis der mittelalterlichen Altäre Deutschlands I, Frankfurt 1885. 4. Rohault de Fleury, La messe I u. II, Paris 1883.

Verweise