Almutie

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englisch: Amice; französisch: Aumusse; italienisch: Almuzia.


Joseph Braun S.J. (1934)

RDK I, 402–403


RDK I, 401, Abb. 1. Eichstätt, ca. 1330.
RDK I, 403, Abb. 2. Bamberg, ca. 1500.
RDK I, 403, Abb. 3. Regensburg, 1546.
RDK I, 403, Abb. 4. Köln, 16. Jh.

(lat. almutia, almutium, armucia, Ableitung unklar), im späteren Mittelalter Bestandteil der beim Chordienst von den Stiftsgeistlichen getragenen Chorkleidung. In Frankreich schon im 12. Jh. nachweisbar, erscheint sie in der Folge allenthalben, auch in Deutschland, in Gebrauch. Ursprünglich eine Kopfbedeckung (Abb. 1), die entweder nur bis zum Nacken und bis über die Ohren reichte oder, und zwar später gewöhnlich, bis zur Mitte des Rückens und zu den Ellbogen sich herabzog und häufig über den Schläfen einen stumpfen, an ein Horn erinnernden Wulst zeigte, wurde sie im ausgehenden Mittelalter, als sich das Birett als Kopfbedeckung einbürgerte, ein förmliches, vorn bald offenes, bald geschlossenes, in Erinnerung an ihren ursprünglichen Zweck mit einer kleinen Kapuze ausgestattetes Schultermäntelchen (Abb. 2/3). In nachmittelalterlicher Zeit verlor sie sich fast allgemein aus dem Gebrauch; wo sie sich aber in ihm erhielt, war sie nur mehr ein kanonikales Abzeichen, das, oft zu einem bloßen Pelzstreifen verkümmert (Abb. 4), beim Chordienst auf dem linken Arm getragen oder auf das Pult des Chorstuhles gelegt wurde.

Angefertigt wurde sie bald aus Wollzeugen oder Seide, bald, und zwar gewöhnlicher, aus zartem Lammfell oder Pelzwerk. Am untern Rand versah man sie gern mit Fransen oder mit Troddeln aus Pelz oder Schwänzen von Wieseln. Darstellungen von Stiftsherren mit A. gibt es aus dem 12. und 13. Jh. keine, zahlreiche dagegen, meist Stifterbilder und Grabfiguren, aus dem 14., 15. und frühen 16. Jh., besonders in Deutschland.

Zu den Abbildungen

1. Eichstätt, Domkapitel, aus dem Gundekarpontifikale (Bischof Friedrich III., † 1329). Phot. Verf.

2. Bamberg, Dom, Grabplatte des Georg v. Schaumburg, † 1500. Phot. Verf.

3. Regensburg, Domkreuzgang, Grabstein des Kanonikus Seb. Klueckhammer, † 1546 (Ausschnitt). Phot. Bayr. Landesamt f. Denkmalpflege, München.

4. Barth. Bruyn d. Ä. (1493–1555), Ausschnitt aus einem Altarflügel. Köln, Wallraf-Richartz-Mus.

Vgl. auch Sp. 169, Abb. 1.

Literatur

1. Fr. Bock, Geschichte der liturg. Gewänder II, Bonn 1866, 352f. 2. Viollet-le-Duc, Dict. raisonné du mobilier français III, 31. 3. Jos. Braun, Die liturgische Gewandung, Freiburg 1907, 355f. 4. Ders., Die liturg. Paramente, Freiburg 1924, 179.