Alabaster

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englisch: Alabaster; französisch: Albâtre; italienisch: Alabastro.


Otto Stiehl (1934)

RDK I, 293–294


Alabaster, eine kristallinisch-körnige Abart von Gips, ziemlich reiner schwefelsaurer Kalk mit etwa 21 % Kristallwasser. Meist weißlich bis hellgrau und rötlich, auch wohl dunkler geadert. Leicht zu bearbeiten und politurfähig, aber nicht wetterbeständig, daher nur im Gebäudeinneren für kleinere Werke, Altäre, Grabmäler, Kanzeln usw. benutzt. Für größere Denkmäler eignet er sich wenig, weil er zumeist nur in kleinen Stücken bricht. Vom Marmor unterscheidet sich A. durch das meist stärkere Durchscheinen an den Kanten, die leichtere Ritzbarkeit, vor allem aber dadurch, daß er bei Befeuchten mit Säuren nicht aufbraust. Im Mittelalter nur gelegentlich zu kleineren Kunstwerken benutzt, wozu der Rohstoff aus Italien, England oder von Lemberg her bezogen worden sein soll, wird er seit etwa 1400 bevorzugter Stoff für Bildwerke, nachdem man zahlreiche Fundstätten in Deutschland, im Gebiet der Werra, Fulda, Saale, Neckar, Mosel, auch bei Innsbruck usw. erschlossen hatte. Nach 1600 wird er durch ganz Deutschland hindurch der Hauptstoff für bildnerische Arbeiten an Grabmälern, Altären u. ä., meist in Verbindung mit anderen Werkstoffen für die architektonischen Gliederungen. Die Herkunft des auf weite Entfernung verhandelten Steines ist manchmal urkundlich überliefert, z. B. wurde für die umfangreichen Arbeiten in Ebrach und Darmstadt der A. aus dem Hohenlohischen bezogen. Sonst ist die Bezugsquelle schwer festzustellen, doch werden als besonders geschätzte Sorten der rein weiße Nordhausener, der gelbliche Windsheimer und der grau gestreifte Forchtenberger genannt. Das umfangreichste A.-Werk, 23 Altäre der Klosterkirche Salem, wurde 1774-1794 von Georg Dürr und J. G. Wieland aus A. mit besonders reichen Tönungen aus jetzt erschöpften Brüchen im Wutachtal geschaffen.

Literatur

Heinr. Becker, Die Marmor- und Granitwerke am Mittelrhein, Frankfurt a. M. 1884, S. 47. Vgl. weiter die unter Alabasterplastik genannten Werke, besonders Nr. 7, 16, 30 und 31.