Achselschild

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englisch: Ailette; französisch: Epaulière; italienisch: Scudo a spalla.


Paul Post (1933)

RDK I, 123–124


RDK I, 121, Abb. 1. Siegel König Johanns von Böhmen, † 1346.
RDK I, 123, Abb. 2. Marburg, ca. 1330.

Achselschild ist die moderne waffenkundliche Bezeichnung für ein Element des ritterlichen Ringelpanzerharnisches (s. Harnisch), das vorzugsweise in England und Frankreich zu Hause ist, hier unter dem Namen ailette (von mittellateinisch aletta), aleron im 13. und 14. Jh. nachweisbar. Die stets paarweise auftretenden A. sind meist rechteckige, längliche Platten, vermutlich von hartgesottenem Leder, die flügelartig aufgerichtet, seitlich an den Achseln mittels Schnüren am Ärmel des Ringelpanzers angenestelt wurden, vermutlich zu dem Zweck, die Halsschlagader gegen seitliche Hiebe und Stöße zu decken (Abb. 1, 2). Das nie fehlende Wappen auf dem A. hat zu der neuerdings wieder stärker verfochtenen Meinung geführt, es handle sich lediglich um ein heraldisches Erkennungszeichen [2 u. 3]. Doch die Parallelerscheinung ähnlicher Panzerteile an ostasiatischen Harnischen läßt kaum einen Zweifel über den waffengeschichtlichen Zweck dieses Elements, das am reifen Plattenharnisch des 15. und 16. Jh. als Brechrand (s. Harnisch) wiederkehrt. V. Gay [2] weist die A. in Frankreich auf Denkmälern von 1275 –1348 nach, wo sie bezeichnenderweise mit der Vollendung des Spangenharnisches (s. Harnisch) verschwunden. In diesem Zeitraum sind sie vereinzelt auch in Deutschland, vornehmlich in seinen westlichen Teilen, auf Siegeln und Miniaturen anzutreffen. Auf Grabsteinen (Basel, Marburg, Straßburg, Cleve) werden sie gelegentlich nach hinten geschoben dargestellt in der Weise, daß sie zur Hälfte sichtbar über den Schultern erscheinen. Originale A. sind nicht erhalten.

Zu den Abbildungen

1. Berlin, Geh. Staatsarchiv, Siegel König Johanns von Böhmen, † 1346. Nach [3].

2. Marburg, Elisabethkirche, Grabmal der Landgrafen Otto und Johann, um 1330, Ausschnitt. Phot. Kunstgeschichtliches Seminar Marburg.

Literatur

1. Wendelin Boeheim, Handbuch der Waffenkunde, Leipzig 1890, S. 136. 2. Victor Gay, Glossaire archéolog. I, Paris 1887, S. 18f. 3. Paul Ghyczy, Über ailettes, Zs. f. Hist. Waffen- und Kostümkunde, N. F. 3, 1931, S. 242.