Achat

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englisch: Agate; französisch: Agate; italienisch: Agata.


Hellmuth Bethe (1933)

RDK I, 114–116


RDK I, 115, Abb. 1. Welfenschatz, um 1200.
RDK I, 117, Abb. 2. Dresden, 18. Jh.

Achat, in alten Inventaren meist Agat (griech., nach dem Flusse Achates auf Sizilien), aus Kieselsäure entstandener durchscheinender oder opaker Halbedelstein von verschiedenfarbigen Lagen, wird bzw. wurde im Orient, in Deutschland (Idar-Oberstein im Nahetal, Frankenberg in Hessen, Schlottwitz i. Sa.), Böhmen, Brasilien und Uruguay gefunden. A. wird gegraben oder aufgelesen, durch Schleifen geformt und mit dem Bohrer oder Gravierstahl bearbeitet. Nach der Zeichnung auf dem Querschnitt spricht man von Moos-, Jaspis, Band-, Wolken- und Röhren-A. Der Hauptsitz der A.-Industrie in Deutschland ist, nachweislich seit dem 15. Jh., Idar-Oberstein. Schon in Ägypten, Griechenland und Rom wurden Stempel, Gemmen, Perlen, Ringe und Schalen aus A. hergestellt. Im Mittelalter begegnet er am frühesten in Byzanz (Kelche im Schatz von S. Marco in Venedig und S. Anastasia in Rom, 10.–12. Jh.; Braun, Altargerät, Taf. 1ff.) In Deutschland kommt er seit dem 11. Jh. vor: zunächst als Belag, Einlage oder zu Gefäßen verarbeitet in der kirchlichen Goldschmiedekunst (Hauptbeispiele: Tragaltar im Welfenschatz, Niedersachsen um 1200, Abb. 1, und Kopfreliquiar aus Goslar im Stockholmer Mus. vaterl. Altert., Schale römisch, Fassung 11.–13. Jh.), seit dem 13. Jh. bei weltlichen Geräten (Gralschale in der Wiener Schatzkammer, um 1204, Trinkgefäß im Grünen Gewölbe in Dresden, 14. Jh., sog. Szepter Karls d. Gr. aus der Abtei Verden im Berliner Schloß-Mus., 15. Jh.). Gegenstände aus A. waren im M.A. besonders gesucht, weil sich der Glaube an übernatürliche Eigenschaften an sie knüpfte. In der Renaissance scheint A. nur selten verwendet zu sein (Schale im Berliner Schloß-Mus., Fußplatte eines Pokals im Grünen Gewölbe, 16. Jh.), während er im Barock eine bedeutende Rolle gespielt hat. Im 17. Jh. diente er, in kleine Platten geschnitten, als Möbeleinlage (Tisch der Herzogin Elisabeth von Pommern im Berliner Schloß-Mus., um 1620) und Malgrund (Pommerscher Kunstschrank, ebd., 1611 –17) so wie als Material für Gefäße (Nautilusschalen in Schloß Charlottenburg, um 1670). Im 18. Jh. wurde er vorwiegend für die Höfe (August den Starken und Friedrich d. Gr.) zu Dosen, Tabatieren, Kästen, Schalen, Stockknöpfen, Besteck- und Degengriffen, Petschaften, Pokalen, Pulverflaschen, Schachfiguren, Reliefs, Büsten und Verzierungen aller Art verarbeitet (Hauptbeispiele im Grünen Gewölbe, Dresden, Abb. 2, und im Mus. Schloß Monbijou, Berlin). In Kassel entstanden im 18. Jh. auf Bestellung der Landgrafen sogar eine ganze Miniaturfassade (Kassel, Depot der Gem.-Gal., A. 18. Jh.) und eine Landschaft mit Ansicht von St. Goar aus A. (die sog. Rheinfelstafel, Kassel, Landesmus., 1704–1785). Bezeichnend für die Beliebtheit des Materials im 18. Jh. ist ferner, daß es in englischem Steingut (A.-Gut, agat ware) und Sèvresporzellan (sog. Juwelenporzellan) nachgeahmt wurde. Seit dem Biedermeier beschränkt sich die Verwendung des A. im wesentlichen auf Kleingerät, Schmuck, Petschafte, Stockknöpfe, Dosen, Schalen und Tintenfässer.

Zu den Abbildungen

1. Welfenschatz, Deckplatte eines Tragaltars. Achatplatte zwischen Gravierung und Treibarbeit. Niedersachsen, um 1200. Phot. H. Reeck, Frankfurt a. M.

2. Dresden, Grünes Gewölbe, Achatgefäße, 18. Jh. Phot. Mus.

Literatur

1. Georg Lehnert, Ill. Gesch. d. K.-Gew., Berlin 1907. 2. Ernst Falz, Die Idar-Obersteiner Schmuckstein-Ind., Idar 1926. 3. Rud. Hallo, Hess. Kristall- u. Steinschnitt, Altes K.-Handwerk 1928, S. 181ff. 4. Otto v. Falke, Rob. Schmidt, Georg Swarzenski, Der Welfenschatz, Berlin 1930. 5. Jos. Braun, Das christl. Altargerät, München 1932. 6. Kataloge d. Grünen Gewölbes in Dresden, 1927, d. Mus. Vaterländ. Altert. in Stockholm, 1929, u. d. Ausstellung „Meisterwerke aus d. preuß. Schlössern“, Berlin 1930.