Abendmahlsengel

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englisch: Communion angel; französisch: Ange de la communion; italienisch: Angelo assistente alla eucaristia.


Georg Stuhlfauth (1933)

RDK I, 45–46


RDK I, 45, Abb. 1. und 2. Tolksdorf (Ostpreußen), Abendmahlsengel, gegen 1750.

Abendmahlsengel (Kommunionengel) sind holzgeschnitzte Engelsfiguren, die – gewissermaßen an Stelle der Chorknaben – das zum Vorhalten für die Gläubigen beim Empfang des Abendmahls bestimmte Tuch halten, zumeist mittels eines kurzen Stabs. Sie kommen immer paarweise vor und waren – in der Regel stehend, ausnahmsweise (Tiefensee) knieend – auf der untersten Altarstufe aufgestellt (vgl. Ulbrich II, S. 497, Abb. 596: Hirschfeld; aber auch Inv. Ostpreußen III, S. 38). Hier hielten sie entweder gemeinsam ein einziges großes Tuch parallel zur Längsseite des Altars, oder es hielt jeder Engel für sich rechtwinklig zur Altarfront das eine Ende eines kleineren Tuches, dessen Gegenseite am Altar angebracht war. Die letztere Anordnung ist für die A. aus Tolksdorf (Abb. 1 u. 2) und Böttchersdorf anzunehmen. Die A. übten also in gewisser Hinsicht eine der Kommunionbank in katholischen Kirchen entsprechende Funktion aus.

Erhalten haben sich A. nur in einigen prot. Kirchen Ost- und Westpreußens, doch sind sie heute durchweg ihrer alten Bestimmung entzogen. Die ältesten nachweisbaren A. stammen aus E. 17. Jh. In der überwiegenden Mehrzahl sind sie ohne höheren Kunstwert, doch gibt es auch so prachtvolle Werke wie die beiden A. in der evangelischen Kirche zu Tolksdorf (Kr. Rastenburg) aus der Zeit um 1750 (Abb. 1 u. 2). Andere A. in den evangelischen Kirchen zu Barten, um 1690 (Ulbrich I, S. 333 zu S. 329); Ottenhagen, um 1695 (A. oder Taufengel; Ulbrich I, S. 343 zu S. 340); Tiefensee, um 1700 (Ulbrich II, S. 510 zu S. 507f.); Schnellwalde, A. 18. Jh. (Ulbrich II, Taf. 29 zu S. 409f.); Hohenfürst, um 1720 (Ulbrich II, S. 489); Schönfließ, gegen 1750 (Ulbrich II, S. 668). Mit der 2. H. 18. Jh. hört die Schaffung neuer A. anscheinend auf. (Beispiele von Vorhaltetüchern, wie sie die A. in Händen hielten, scheinen sich in Ostpreußen nicht erhalten zu haben; vgl. aber Inv. Braunschweig V, S. 468.)

Zu den Abbildungen

1. u. 2. Tolksdorf, evang. Kirche, um 1750. Phot. Prof. Dr. Anton Ulbrich, Königsberg.

Literatur

Anton Ulbrich, Gesch. der Bildhauerk. i. Ostpreuß., 2 Bd;., Königsberg 1926/29, dazu briefliche Mitt. v. Prof. Ulbrich, Königsberg, u. Superint. Doskocil, Labiau.