Fibel (ABC-Buch)

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englisch: Primer, hornbook, Abecedarium; französisch: Syllabaire, Abécédaire; italienisch: Abecedario.


Helmut Müller und, bes. zur Frühzeit, Karl-August Wirth (1984)

RDK VIII, 665–719


RDK VIII, 667, Abb. 1. München, 15. Jh.
RDK VIII, 669, Abb. 2. München, 1477.
RDK VIII, 669, Abb. 3. München, um 1470/1475.
RDK VIII, 671, Abb. 4. Hannover, um 1486/1493.
RDK VIII, 671, Abb. 5. Oppenheim um 1515.
RDK VIII, 673, Abb. 6. Paris o. J. (um 1520).
RDK VIII, 673, Abb. 7. Erlangen, 1524.
RDK VIII, 675, Abb. 8. Erfurt 1527.
RDK VIII, 675, Abb. 9. Nürnberg 1531.
RDK VIII, 677, Abb. 10. Marburg 1534.
RDK VIII, 677, Abb. 11. Köln o. J. (um 1534).
RDK VIII, 679, Abb. 12. Danzig 1650.
RDK VIII, 681, Abb. 13. Nürnberg 1658.
RDK VIII, 681, Abb. 14. Köln 1667.
RDK VIII, 683, Abb. 15. Nürnberg 1681.
RDK VIII, 685, Abb. 16. Nürnberg um 1720.
RDK VIII, 687, Abb. 17. Hamburg o. J. (um 1735).
RDK VIII, 689, Abb. 18. Leipzig 1743.
RDK VIII, 691, Abb. 19. München 1771.
RDK VIII, 693, Abb. 20. Nürnberg o. J. (um 1775/1780).
RDK VIII, 695, Abb. 21. Leipzig 1773.
RDK VIII, 695, Abb. 22. Leipzig 1775.
RDK VIII, 697, Abb. 23 a. Leipzig 1777.
RDK VIII, 697, Abb. 23 b. Leipzig 1777.
RDK VIII, 701, Abb. 24. Le Locle o. J. (um 1789).
RDK VIII, 703, Abb. 25. Prag und Wien o. J. (vor 1790).
RDK VIII, 705, Abb. 26. Braunschweig 1806.
RDK VIII, 707, Abb. 27. Darmstadt 1810.
RDK VIII, 707, Abb. 28. Prag o. J. (um 1820).
RDK VIII, 709, Abb. 29. Pirna 1829.
RDK VIII, 711, Abb. 30. Paris und Leipzig 1835.
RDK VIII, 713, Abb. 31. Frankfurt a. d. Oder und Berlin o. J. (um 1830).
RDK VIII, 715, Abb. 32. Prag 1844.

I. Definition, Wort, Synonyma

Die F. ist ein erstes Lehr- und Lesebuch, das für den Lernenden die Übungsgrundlagen zum Erwerb der Lesefertigkeit bereitstellt. Am Anfang steht – als erster von zwei Teilen – der Leselernteil; er enthält Alphabet(e), oft auch Klassifizierung der Buchstaben, Zusammenstellungen von Buchstaben, die sowohl sinnlose Buchstabenhäufungen als auch sinnvolle Wörter ergeben können, sowie Syllabier- oder Wortübungen. Der daran anschließende Lesebuchteil besteht meistens aus kurzen Texten, die als Übungen für das Lesen zusammenhängender Texte dienen.

Als kurze, anschauliche und leicht verständliche Darstellung eines bestimmten Sachgebietes begriffen, kommt das Wort F. in Buchtiteln auch zusammengesetzt mit Bezeichnungen, die den speziellen Inhalt des Buches angeben, vor (z. B. „Musik-F.“, „Rechen-F.“, „Sprach-F.“, „Reim-F.“).

Das Wort F. (fib[b]el, phybel u. ä.) ist seit dem A. 15. Jh. nachgewiesen, zuerst als Übersetzung von lat. „abecedarium“ (Belege bei [45] S. 9) und „alphabetum“ (Anz. für Kde. der dt. Vorzeit 4, 1835, Sp. 251).

Über Zeit und Ort seines Aufkommens ist Näheres nicht bekannt; seine Herleitung von „Bibel“ – so bereits Erasmus Alberus, Novum dictionarii genus, Ffm. 1540, Bl. Yy3 – wird heute allgemein angenommen (Grimm Bd. 3 Sp. 1611ff.; Trübners Dt. Wb., ... hg. von Alfred Götze, Bd. 2, Bln. 1940, S. 340f.; Kluge-Mitzka S. 196), ob indes zu Recht? Jedenfalls ist der Begriff F. „von vornherein mit dem Lesenlernen, d. h. einer ersten Einführung in das ABC verbunden [45, S. 9]; „Fibelisten“ (fibulistae) sind die ABC-Schützen (pueri alphabetarii), welche die F. gebrauchen.

Lange Zeit wurden die Begriffe „ABC-Buch“, „Lesebuch“ und F. synonym gebraucht („Lesebuch“ öfters mit Zusätzen wie „Lesebuch für Anfänger“, „Erstes Lesebuch“; so noch 1905 mit dem Untertitel „F.“, vgl. Renate Schäfer, Die gesellschaftliche Bedingtheit des Einhalts, Jb. für Erziehungs- und Schulgesch. 8, 1968, S. 5). Daneben gab es zahlreiche regional bevorzugte Bezeichnungen für F.

Zu nennen wären z. B. „Grundbiechel“, „Buchstabier- und Lesebüchlein“, „Syllabenbuch“, „Stymen büchlein“, „Namenbüchlein“, „Bökeschen vor de leyen vnde kinder“; weitere Titel bei [44] S. 10; vgl. ferner die Untersuchungen über F.titel von [32 a] S. 3 Anm. 1 und [45] S. 47-66.

II. Bebilderte F.

A. Allgemeines

1. Von den F., die es nach Auskunft der Schriftquellen in großer Zahl gegeben haben muß, sind nur verhältnismäßig wenige bekannt; denn F. sind erst in neuerer Zeit Objekt systematischen Sammelns geworden (Raimund Kietzinger, „An schöne Formen und guten Geschmack gewöhnen“. Vom Sammeln alter ABC-Bücher und F., Börsenbl. für den Dt. Buchhandel, Frankfurter Ausg., Sondernr. „Didacta“ vom 3. März 1977, S. 82-86). Außerdem muß man davon ausgehen, daß sehr viele F. verloren sind: gleich anderen Schulbüchern waren sie, nachdem sie durch die Hände vieler Kinder gegangen waren, im Gebrauch verschlissen worden.

Um die Ausgaben für F. möglichst gering zu halten und für Käufer vorteilhaft zu verteilen, wandten Drucker und Verleger bisweilen unkonventionelle Herstellungs- und Vertriebspraktiken an.

Weil „die ersten Blätter der F. (mit dem ABC)... ganz zerrieben werden, bis (die Kinder) ... doch nur die Namen des Alphabets auswendiglernen“, druckte man die Buchstabenformen in größerem Abstand (!, so Stg. 1794: [22] S. 24 Nr. 17). Andernorts wurde der „erste Bogen, auf stärker Papier gedruckt, besonders verkauft, damit die Eltern nicht gleich das ganze anschaffen müssen, und es von den Kindern zerrissen werde“ (Strbg. 1808: ebd. S. 11 Nr. 9). Wann es aufkam, den Leselernteil einer F. und den Lesebuchteil getrennt auszugeben, ist noch unklar. 1774 bediente sich Joh. Gottlob Immanuel Breitkopf in Leipzig dieser Praxis (vgl. [5] S. 176 Nr. 1514 und S. 246 Nr. 2157). Bei F. mit einem Tafelanhang ist zu prüfen, ob dieser mit dem Textteil ausgegeben wurde und ob es Ausgaben dieser F. mit und ohne Tafelanhang gab; das erscheint zumal dann angezeigt, wenn der Tafelanhang einen Nebentitel hat, gar einen so wenig passenden wie „Elementarisches Buchstabier- und Lesebuch für Stadt- und Landschulen“ (Erlangen [Joh. Jak. Palm] 1804: [5] S. 208 Nr. 1828).

In Straßburg hatte 1808 der Kosten wegen „überflüssiger Luxus, z. B. weitläufiger Druck ... oder gar Kupfer“ zu entfallen (s. oben); für den Verzicht auf Bebilderung der F. konnten aber auch mit der Lehrmethode zusammenhängende Gründe ausschlaggebend sein (s. Sp. 675).

2. Bebilderte F. – nur von diesen ist im Folgenden zu handeln – sind, gemessen an der Gesamtheit der bisher nachgewiesenen F.drucke, gegenüber bildlosen in der Minderzahl; hinsichtlich ihres Alters stehen sie jedoch diesen nicht nach. Es gibt Zeugnisse, die erweisen, daß man bereits vor dem Aufkommen gedruckter F. sich der Bilder als pädagogischer Hilfsmittel bediente (s. dazu Sp. 686f.), um die Kenntnis der Buchstaben zu vermitteln und ins Lesen einzuführen. Die Funktion der F.bebilderung war jedoch nicht auf die stets im Vordergrund stehende didaktische beschränkt. Darauf wird in F.titeln öfters ausdrücklich hingewiesen, und in der relativ früh einsetzenden Reihe programmatischer Äußerungen, wie Bilder in Büchern für Kinder – also auch in F. – beschaffen sein sollten, ist gewöhnlich sowohl der Lehrzweck als auch die Rezeption der Bilder bei den Kindern bedacht.

Ein charakteristisches Beispiel für letztere sind die Leitsätze, die Friedr. Justin Bertuch (1747-1822) aufstellte (mitgeteilt bei [41] S. 10). Die Bilder sind Lehr- und Erziehungsmittel, die „in erster Linie zum Auge des Kindes sprechen“ müssen (ebd. S. 9), es amüsieren und das bebilderte Buch wie ein Spielzeug benutzbar machen sollen (beredte Klage über die Folgen solchen Gebrauchs zitiert Gust. Wustmann, C. G[ottfried] H. Geißler, der Zeichner der Leipziger Völkerschlacht, Lpz. 1912, S. 57, aus dem „Leipziger Tageblatt“ vom 12. Dez. 1810). Zugleich sollen sie an schöne Formen und guten Geschmack gewöhnen, ferner durch wahre Darstellung der Gegenstände und richtiger Verhältnisse Eindrücke und Begriffe vermitteln. Zu viele und zu verschiedene Gegenstände auf einer Tafel verwirren das Kind und machen es zerstreut; die Gegenstände dürfen nicht zu klein abgebildet sein und die auf einer Tafel zusammengestellten müssen, womöglich in Rücksicht ihrer natürlichen Größe, richtige Verhältnisse gegeneinander haben. Das Buch soll wenig und keinen gelehrten Text enthalten; seine Bilder müssen – so Bertuch – „womöglich fremde und seltene, jedoch instructive Gegenstände..., die das Kind nicht schon täglich sieht“, wiedergeben (diese Forderung verrät das Zeitbedingte all solcher Leitsätze).

Das bis heute andauernde Bemühen, programmatische Forderungen für die F.bebilderung aufzustellen, hat oft den Nebeneffekt, daß Bilder in älteren F. nach diesen zensiert, nicht selten abqualifiziert werden.

B. Technische Verfahren; Künstler und Stecher

1. Die technischen Verfahren, derer man sich zur Anfertigung der Bilder in gedruckten F. bediente, sind die in der Buchillustration der Neuzeit üblichen. Die Aufgabe und oft auch das Streben nach preisgünstiger Herstellung (s. Sp. 666f.) brachte es mit sich, daß die Anwendung einfacherer Drucktechniken bei weitem überwog.

Der Holzschnitt, den man zunächst anwandte (Abb. 9, 11), blieb – wie in der Gebrauchsgraphik üblich – auch dann noch das bevorzugte Verfahren, als in der Buchillustration gemeinhin längst der feinere und kostspieligere Kupferstich bevorzugt wurde. Selbst im 18. Jh. bediente man sich seiner (Abb. 22; vgl. die Stralsunder F. von 1788: s. Sp. 700), was schon Jos. Heller erwähnenswert fand (Gesch. der Holzschneidek. ..., Bamberg 1823, S. 266). Als diese Technik in der Romantik historisierend wieder in breiterem Maße aufgenommen wurde, gewann sie zumal für die Illustration von Pseudo-F. schnell neuerliche Bedeutung (s. Sp. 715).

Seit wann man beim Druck außer der schwarz eingefärbten Linienplatte eine andersfarbige Tonplatte benutzte, bleibt zu ermitteln (als Beispiele: Abb. 17; [41] S. 49 Nr. 1, m. Farbabb.). – Die Technik des Holzstichs blieb – sofern man den Bibliographien vertrauen darf – in der F.bebilderung bis zur M. 19. Jh. anscheinend ungenutzt.

Vom Kupferstich machte man erst im Verlaufe des 17. Jh. immer öfter Gebrauch (ein Beispiel Abb. 15). Er überwiegt bei der F.bebilderung des 18. Jh. und war so zur Regel geworden, daß man sich seiner, der Tradition folgend, auch im 19. Jh. noch oft bediente, teils neben moderneren Techniken der Druckgraphik, die in derselben F. zur Anwendung kamen (vgl. z. B. Abb. 26, 29f.; [5] S. 171 Nr. 1474; hin und wieder ist im Titel der F. sogar von Kupfern die Rede, wenn die F.bebilderung mit Lithographien bestritten wurde: ebd. S. 168 Nr. 1455). – Radierung, ebenso wie die anderweitig, zumal im 18. Jh. nicht seltenen Mischtechniken der Druckgraphik scheint man vor 1850 nicht benutzt zu haben (allerdings lassen Angaben über die Drucktechniken in der einschlägigen Lit. oft zu wünschen übrig; eine Eisenradierung ist möglicherweise die Abb. 10 wiedergegebene Illustration aus Val. Ickelsamers F., die im Original nicht erreichbar war).

Rasch erkannte man die Vorteile der Lithographie. Schon unter den Inkunabeln der Lithographie gibt es Bilder-F., vgl. das Kinder ABC-Buch, das 1816 ohne Titel und Ortsangabe erschienen ist (Rolf Arnim Winkler, Die Frühzeit der dt. Lithographie, Mchn. 1975 [Materialien zur K. des 19. Jh., Bd. 16], S. 301 Nr. 879.15). Auch nach der Erfindung der Farblithographie blieb man noch geraume Zeit der Praxis des Kolorierens treu (vgl. Abb. 32).

Kolorierung der Abbildungen ist in vielen F. anzutreffen. Beim gegenwärtigen Kenntnisstand läßt es sich oft nicht entscheiden, ob sie der Hersteller der F. oder ihr Benutzer besorgte; im Kaufpreis unterschiedene Ausgaben einer F., eine billigere unkolorierte und eine vom Hersteller bereits kolorierte und daher teurere, sind vorstellbar.

Vergleichung erhaltener Exemplare steht aus, desgleichen die in manchen Fällen wohl Aufschluß gewährende Auswertung archivalischer Nachrichten über Drucker und Verleger. Gewißheit darüber, wer die Kolorierung besorgte, hat man nur dort, wo bereits im Titel auf die Kolorierung der Abbildungen hingewiesen ist. Solche Angaben findet man (zuerst?) in F., die um die Jh.wende vom 18. zum 19. Jh. herausgebracht wurden. Sie enthalten Hinweise auf „illuminierte“ Abbildungen (vgl. [5] S. 265 Nr. 2323; [41] S. 90 Nr. 318); später, ab ca. 1820, ist dann wiederholt von „ausgemahlten“, gegen M. 19. Jh. öfters von „colorirten“ Abbildungen (Kupfern usw.) die Rede (Belege bieten die Veröffentlichungen mit bibliographischen Hinweisen in großer Zahl).

2. Über die für die Konzeption und Ausführung der F.bebilderung Verantwortlichen, über Künstler und Stecher (Formschneider, Lithograph), ist selten etwas zu erfahren; noch häufiger als die ebenfalls vielfach anonym gebliebenen F.verfasser bleiben sie ungenannt (auch dann, wenn ihre Produkte durchaus das Niveau zeitgenössischer Gebrauchsgraphik erreichen oder gar übertreffen).

In den Registern der Bibliographien, in denen die Künstler und Stecher verzeichnet sind, stößt man für die Zeit bis zum 3. Dr. 18. Jh. sehr selten auf klangvolle oder wenigstens bekanntere Namen. Die Zentren der Graphik-Produktion, Augsburg und Nürnberg, sind mit Lucas Kilian und Joh. Chr. Weigel vertreten (s. Abb. 16). Selbst von Künstlern, die zu der Bebilderung von Kinderbüchern anderweitig Bemerkenswertes beitrugen, sind keine Bilder für F. indiziert.

Etwa seit dem 3. Dr. 18. Jh. ist dies anders. Jetzt begegnet man in Berlin Joh. Wilh. Meil (d. J.), Joh. Friedr. Gottlieb Unger und Theodor Hosemann [41, S. 72 Nr. 184] oder in Leipzig Gottlieb Leberecht Crusius, C. G. H. Geißler (s. Sp. 668), Joh. Heinr. Ramberg (ebd. S. 78 Nr. 234) sowie später den „Dresdner Künstlern“ (unter ihnen Ludwig Richter), die sich 20 Jahre lang wöchentlich trafen, jedem durch Los einen zu illustrierenden Buchstaben zuteilten und deren Holzschnitte R(ob.) Reinicks „ABC-Buch für kleine und große Kinder“ zu einem begehrten Sammelobjekt machen (Lpz. Wigand] 1845 u. ö., vgl. [20, II] S. 87 Nr. 962). Offenbar hat erst die Annäherung von F. und nach dem Alphabet geordnetem Anschauungsbilderbuch (s. Sp. 705ff.) und die Herstellung von Pseudo-F. (s. Sp. 712ff.) die Aufgabe, F. zu bebildern, schmackhaft zu machen vermocht.

III. Ausstattung

1. Viele F. haben keine Titel. Dem am Anfang stehenden ABC geht vielfach ein kalligraphisch ausgestaltetes A voraus (Abb. 17; bei Alphabeten aus Klein-Buchstaben oft nur ein großgeschriebenes A).

2. Hervorhebung der Titelseite durch Randleisten entspricht dem jeweils zeitgenössisch Üblichen. Künstlerisch erreicht dieser Buchschmuck, der, die Tradition lateinischer Tabulae (s. Sp. 681) fortsetzend, zumal im 16. Jh. öfters beachtenswertes Niveau, ist jedoch kein Specificum der F.; die Drucker benutzten ihnen greifbare Druckstöcke. Gleiches gilt für die Bildinserate früher F.drucke, z. B. für die biblischen Darstellungen auf der Titelseite des Kölner „Handtbuechleyn(s) der Kynder“, um 1534 (Abb. 11). – Druckersignete sind äußerst selten. – Vignetten kommen erst seit dem 18. Jh. in erwähnenswerter Zahl vor; ihre Darstellungen sind immerhin z. T. auf den Einhalt bezogen. Ihre Themen entsprechen dann den im 17. Jh. aufgekommenen, im 18. Jh. gebräuchlicher, aber (gemessen an der F.produktion im ganzen) erst im 19. Jh. häufiger gewordenen Vorsatzkupfern und können gemeinsam mit diesen gemustert werden. Hier sind fünf Hauptthemen auszumachen:

1) Wiedergaben des Lehrers (etwa im „Aabcchdef“, Lpz. [Friedr. Chrn. Dürr] o. J. [um 1770]: [5] S. 10 Nr. 2, mit Abb.), weit öfter aber Schilderungen des Schul- oder des privaten Unterrichts, die hin und wieder außer den unmittelbar daran Beteiligten auch die Lehrmittel und das Ambiente, in dem die Unterweisung erfolgt, vorstellen (Abb. 20f.), bisweilen auch andeuten, zu wes Ende das Lesenlernen erforderlich und nötig ist (letzteres z. B., wenn die Bibel als Ziel der Lesefähigkeit bezeichnet wird).

2) Bildliche Umschreibungen von Weg und Ziel des Lernens, wie es z. B. ein „Churbaierisches neueingerichtetes Namen- und Buchstabierbuechlein, ...“ (Mchn. [Joh. Nepomuk Fritz] 1771: [45] S. 195 Abb. 18) in der Wiedergabe eines ABC-Schützen zeigt, den ein Schutzengel auf dem Weg durch eine offene Landschaft geleitet und auf das wie eine Erscheinung am Himmel sichtbare Himmlische Jerusalem hinweist (Abb. 19).

3) Vorweggenommene Buchstabenbilder (s. Sp. 710) kommen fast nur in Frontispizen und auf Vorsätzen zum Titel vor; sie können in bezug zu den ersten Buchstaben des Alphabets stehen (wie z. B. im „Bilder A.B.C Buch für gute Knaben und Mädchen“, Nbg. 1831: [57] S. 18 Abb. 13), aber auch einer anderen Buchstabenfolge zugeordnet sein (z. B. E, F, G und H in Carl Straus, Erstes A-B-C und Lesebuch ..., Hbg. [Herold] 21836: [5] S. 239f. Nr. 2100, m. Abb.). Als Rahmen des Titels sind die Buchstabenbilder des ganzen Alphabets aneinandergereiht im Titelkupfer von Joh. Gottlieb Ziehnert, Kleines ABC- und Lesebuch ..., Pirna (A. R. Friese) o. J. (1815) und 1829: Abb. 29; [41] S. 96 Nr. 368; en bloc gesetzt sind sie angeordnet unter dem Titel von Chrn. Aug. Lebrecht Kästner, Kleines Bilder A.B.C. ..., Lpz. (Carl Cnobloch) 21827: ebd. S. 74 Nr. 198, m. Abb.

4) Hahnenbilder (vgl. Sp. 707ff.).

5) Für einen bestimmten Benutzerkreis verfaßte F. und solche, bei denen die bildliche Austattung einem speziellen Sachbereich unterstellt ist (hierzu Sp. 705ff.), haben gewöhnlich schon im Vorsatzbild und/oder auf der Titelseite einschlägige Bebilderung.

3. Bilder zum ABC (Buchstabenbilder).

Hauptfunktion der Bebilderung war stets die didaktische. Durch die Bildinserate sollte dem ABC-Schützen das Behalten der Schriftelemente, das Erlernen von Laut und Bedeutung sowie vom Aussehen der (gedruckten, später vielfach auch in der Schreibschrift wiedergegebenen) Buchstabentypen erleichtert werden. Für den Leseanfänger setzte man die schwer behaltbaren, bisweilen leicht verwechselbaren Schriftzeichen in bezug zu ihm aus dem Alltag Vertrautem und gedachte, ihm so den jeweiligen Buchstaben unverwechselbar zu machen; das diesem zugeordnete Bild soll auf den Leseanfänger als optisches Signal wirken.

Man sah prinzipiell drei unterschiedliche Möglichkeiten, um das zu erreichen; welche man fallweise bevorzugte – selbst bei einem bebilderten ABC ist die ausschließliche Verwendung eines der drei Verfahren keineswegs selbstverständlich, eher die Ausnahme -, hing in hohem Maße von der praktizierten Lehrmethode ab. Der Einfluß von Lehrmethoden auf die F.bebilderung konnte im Extremfall so weit gehen, daß Propagandisten einer bestimmten methodischen Richtung darauf bestanden, daß F. keine Bilder enthalten dürften (s. Sp. 667; über die verschiedenen, auf die Bebilderung von F. einflußreichen Leselernmethoden vgl. [45] S. 79-83).

Am längsten hielt sich die Praxis, als Buchstabenbild einen Bildgegenstand zu wählen, dessen Name mit dem betreffenden Buchstaben anlautet, z. B. in deutschen F. Affe, Adler, Axt, Armbrust, Angler usw. für das A (vgl. Abb. 9, 22f., 25f., 28f.,32). Bei polyglott angelegten F. richtet sich das Buchstabenbild nach der Benennung des Bildgegenstandes in der höchstbewerteten (zugrundegelegten) Sprache, die meist auch in den Beischriften typographisch hervorgehoben ist (vgl. Sp. 710ff.). Die Auswahl und, z.T., die Standardisierung der Bildgegenstände macht einen Gutteil der F.bebilderung aus, ist aber bisher nur punktuell beobachtet worden.

Beim zweiten Verfahren wählte man als Buchstabenbilder Bildgegenstände, die in ihrem Aussehen an die Form des betreffenden Buchstabens gemahnen; „außer einer lautlichen Vergegenständlichung erhält die Illustration hier noch den Auftrag zu einer graphischen Hilfe“: der Aal krümmt sich zum A oder auch zum S, der Wurm zu einem W oder als Gedärm zu einem G, und in Heinr. Puchtas „Der erste Schritt ins Alphabet“, Ansbach 1852, „hat jeder Buchstabe die Figur eines bekannten Werkzeuges, Gerätes usw., ...“ [45, S. 91]. Beispiele solcher Bildschriftmotive bietet Abb. 12.

Im dritten Verfahren geht es um die Charakterisierung des Lautwertes der Buchstaben. Dieser wird verdeutlicht „durch figur und bildnuß der thier oder anderer ding“, „welche ... die stimm der buchstaben gantz gleich vnd deutlich geben“ (V. Ickelsamer [s. Sp. 689] Bl. 7r, zitiert nach [45] S. 88): so wird der Bär zum Buchstabenbild für M oder, ebenfalls gemäß ihren Naturlauten, die Gans zu dem für CH (oder S; vgl. Abb. 13, auch Abb. 16); gleicherweise kann auf Geräusche im Natur- und Menschenleben Bezug genommen werden („Bedeutungsmethode“). Andere Wege der Bildfindung beruhen auf der „Interjektionsmethode“, welche den Einzellaut als „geballten sprachlichen Ausdruck des unmittelbaren Erlebnisses oder Nacherlebens in der Erzählung auf seinem Kulminationspunkt“ einschätzt [43, S. 89], oder der „phonomimischen Methode“, bei welcher zu der Sprachäußerung im Sinnlaut, dem Interjektions- und Bedeutungslaut, noch eine passende Ausdrucksgebärde hinzukommt (vgl. Abb. 9 und 27).

Die Buchstabenbilder in F. sind nur teilweise eigens für die Bebilderung des ABC in Fibeln erfunden worden. Öfters stimmen sie mit solchen zum ABC in Handschriften und Drucken von Traktaten zur „Ars memorativa“ im Motiv überein; in welchem Umfang das der Fall ist, bleibt noch genauer zu erkunden, desgleichen die historischen Relationen, auf denen jene Übereinstimmungen beruhen (s. unten Sp. 685).

Anfangs standen die Buchstabenbilder der F. gleich denen zu den Alphabeten der „Ars memorativa“-Traktate, wie Präparate vor abstrakt-leerem Grund und waren, wenn überhaupt, lediglich mit den Namen der Bildgegenstände inschriftlich bezeichnet. Später stellte man sie in die ihnen angemessene Umgebung, gab sie, sofern es Geräte waren, denen in die Hand, die mit ihnen hantierten, und rückte sie als (bisweilen nicht einmal deutlich hervorgehobenes) „Kernstück“ in szenische Schilderungen ein, auch in mehrfigurige, sich bald von Genrebildern nicht mehr unterscheidende. Weiterhin bedeutsam für die Geschichte der Bebilderung des ABC in Fibeln (und selbst noch der nach dem Alphabet geordneten Bilder der Pseudo-R, s. Sp. 712ff.) war einerseits der Umstand, daß die Zahl der Bilder zu einem Buchstaben jederzeit vermehrt werden konnte (vgl. Abb. 32), andererseits die Beschriftung der Bilder dahingehend verändert wurde, daß an die Stelle der kargen Namen knappe, die Bildgegenstände charakterisierende Sätze oder Verse traten (vgl. Abb. 22f.). Gab es mehrere Buchstabenbilder zu einem Buchstaben, standen die Sätze anfangs – und für lange Zeit – unverbunden nebeneinander; bei Versen konnten sie durch Reim und Metrum verkoppelt sein (z. B. „Der Iltis raubet in der Nacht, / Die Jungfer nimmt den Krantz in acht“: [45] S. 93). Einfluß auf das Aussehen von F.bildern hatte erst die Kombination jener Sätze, die aus den einzelnen Buchstabenbildern Dialogpartner machte, Handlungsträger einer bisweilen an Fabeln gemahnenden exemplarischen Geschichte. Indem die Bildbeischrift diese Veränderung auslöste, oder umgekehrt ihr Rechnung trug (dies klärende Untersuchungen fehlen), entstanden neue Möglichkeiten der F.konzeption: Die ursprünglich schroffe Abgrenzung des Leselernteils von dem Lesebuchteil der F. wurde durchlässiger, fließender, bisweilen durch Querverweise sogar überbrückt (s. Sp. 700f.); man machte die Buchstabenbilder zu Informationsträgern, die, weit über das Erlernen von Buchstaben hinausgehend, Kenntnisse und moralische Einsichten an den ABC-Schützen herantrugen. F.bebilderung legt Zeugnis ab nicht nur von Lehrmethoden, sondern auch von pädagogischen Zielen der Unterrichtung jenseits der bloßen Bemühung, aus Analphabeten Lesefähige zu machen.

4. Eine besondere Eigenart von F. wie von ihren Vorläufern sind Darstellungen, durch welche Buchstabenverbindungen (nicht Silben!) eingeprägt und phonetisch wie auch orthographisch durchschaubar gemacht werden sollen. Das konnte vermittels schematisch-tabellarischer Schemata geschehen (Abb. 3; [45] Abb. 10f.), aber auch durch das Ensemble von einzelnen, untereinander in keinerlei Beziehung stehenden Bildgegenständen (Abb. 7). Derartige Darstellungen scheint es allerdings nur bis in die frühe Neuzeit gegeben zu haben.

5. Gegenüber der didaktische Absichten verfolgenden Bebilderung des Leselernteils von F. ist die des Lesebuchteils von Beginn an anders konzipiert: die Bilder werden festgelegt nach der jeweiligen, der F. zugrunde gelegten Tendenz; für F. unspezifisch, kommt der Bebilderung im Rahmen der F.bebilderung insgesamt nur insofern Interesse zu, als der Relation zwischen quantitativem Aufwand der bildlichen Ausstattung von hier dem Leselernteil, dort dem Lesebuchteil einer F. (und deren formaler Beschaffenheit!) Wesentliches über die Konzeption der einzelnen F. abgelesen werden kann. Inwiefern jene Relation etwas über die Geschichte der F.bebilderung aussagen könnte, ist bisher nicht erkennbar. Dieser Inserat-Charakter, der den Bildern zum Lesebuchteil eignet – und dies schon in den ältesten gedruckten F. (s. Sp. 689) -, ist es, der diese den Bildern, die dem Leselernteil beigestellt sind, unvergleichbar macht.

IV. Vorläufer

1. von Fibeln

a. ABC-Tafeln („Lestäflein“). Der Schulunterricht begann mit dem Erlernen des Alphabets der gängigen Minuskel (Berthold Louis Ullmann, Abecedaria and Their Purpose, Transactions of the Cambridge Bibliographical Soc. 3, 1961 S. 181– 186). Man lehrte es, „spätestens vom 12. Jh. ab, nach einem großen Pergamentblatt, das über eine Holztafel gespannt oder vielleicht auch direkt an der Wand befestigt war“ (Bernh. Bischoff, Elementarunterricht und Probationes Pennae in der 1. H. des MA, in: Ders., Ma. Studien, ..., Bd. 1, Stg. 1966, S. 74f.). Das Aussehen solcher Lestäflein, die gemeinhin ca. 20 × 15 cm groß waren und an einer Schmalseite einen Griff (oft mit einem Loch zum Aufhängen an der Wand) hatten, überliefern zahlreiche Darstellungen (s. etwa Grammatik, *Nicostrata, *Schulunterricht). „Vielleicht waren auf solche Täfelchen auch noch einige Silben und Wörter geschrieben, die zu den ersten Buchstabierübungen dienten“ (Franz Anton Specht, Gesch. des Unterrichtswesens in Dtld. von den ältesten Zeiten bis zur M. des 13. Jh., Stg. 1885 [Ndr. Wiesbaden 1967], S. 67; [25] S. 341f.; zu den englischen „hornbooks“, die bis ins 18. Jh. benutzt wurden, vgl. Andrew White Tuer, Hist. of the Horn-Book, Ld. 1866, 2 Bde.).

ABC-Tafeln wurden seit dem späten 15. Jh. im Einblattdruck verbreitet. Das frühest erhaltene Beispiel, eine 1481 dat. xylographische Tafel, ist wohl in Augsburg hergestellt worden (Abdrucke bei Heitz, Einblattdrucke, Bd. 18 Taf. 8, und [57] S. 14 Abb. 7). Sie enthält außer dem Alphabet, in dem für einige Buchstaben alternative Formen angegeben sind, die Zusammenstellung der Vokale und in vier Zeilen die Verse „oͧne grŏsse arbait vnnd bitterhait / So mag kunst nicht werden sůssigkait / Darumb zů lernen bis berait“ (vgl. K.-A. Wirth, Anz. Germ. Nat.mus. 1979, S. 90f.). Solche Drucke blieben auch nach dem Aufkommen von F. noch lange im Gebrauch (vgl. etwa die um 1544 von Val. Bapst in Leipzig gedruckte, mit Metallschnitten – Rahmung, Initiale P[A ter / no ster] – geschmückte „Tabulae abcdariae pueriles“: [41] S. 93 Nr. 338, m. Abb.).

Nicht hierher gehören geschriebene, gedruckte oder in Buchform veröffentlichte Alphabete, die typographischer oder kalligraphischer Demonstration dienen, etwa das Musteralphabet des Sigmund Gotzkirchner, 1435/36 (Rud. M. Kloos, Einführung in die Epigraphik des MA und der frühen Neuzeit, Darmstadt 1980, S. 156 und 171, Taf. VIII, 1), Alphabet-Entwürfe von Schreibmeistern (vgl. RDK I 409f.), aber auch spätere ABC-Bücher wie „Newes A:B:C-Büchlin für die Jugend zum Schreiben vnd Reissen dienlich. Auch sunsten von Tugenden vnd Lastern der Menschen, sampt andern Betrachtungen In Teütsche Reimen gestellt...«(Mainz [Gg. Kuntz] 1665: Faks., den Teilnehmern des dt. Bibliothekartages zu Mainz, Pfingsten 1952, überreicht von der Univ.bibl. Mainz).

b. Lateinische Schulbüchlein für ABC-Schützen, die im Ganzen oder zu Teilen mit F. oder Einhalt übereinstimmen und dem gleichen Zwecke wie F. dienten, sind bisher nur in sehr geringer Zahl ermittelt worden.

Das eigentliche Lesebuch des MA, „an dem die Kenntnis der Schrift zuerst erprobt und weiter befestigt wurde“, war der Psalter (B. Bischoff a. a. O. [Sp. 680] S. 75f., mit weiterer Lit.). Meist wurde er in dieser Hinsicht wohl in Verbindung mit einem ABC-Täflein gebraucht, doch weiß man auch von Psalterhandschriften, die ein Alphabet enthielten. Aus einer solchen lernte, sieben Jahre alt geworden, der Isabeau de Bavière Tochter Michelle lesen (Leroquais, Psautiers, Bd. 1 S. VII).

c. In den städtischen Lateinschulen des ausgehenden MA, über deren Lehrpraxis beim Elementarunterricht bisher recht wenig bekannt ist, „folgte auf die ‚Tabula’ (die ABC-Tafel) das schmale Programmheft mit dem Abc, ‚Paternoster’, ‚Ave Maria’, ‚Credo’ und einigen anderen liturgischen Stücken“, für das man von den ABC-Tafeln den Titel „Tabula“ übernahm; solche Aufzeichnungen sind seit A. 15. Jh. nachgewiesen (B. Bischoff a. a. O. [Sp. 680] S. 76).

Handschriften. Aus Frankreich kommt die reich ausgestattete „Tabula“ aus dem frühen 15. Jh., die außer dem Alphabet als Leseübung für die Liturgie unentbehrliche Texte – „Paternoster“, „Ave Maria“ und „Credo“ – enthält (Den Haag, Rijksmus. Meermanno-Westreenianum, ms. 10 D.34: P. J. H. Vermeeren und A. F. Dekker, Koninklijke Bibl. Inv. van de Hss. van het Mus. M.-W., ’s-Gravenhage 1960, S. 2 Nr. 5, und Paul Lehmann, S.ber. der Bayer. Akad. der Wiss., Philos.-Hist. Abt. 1930, H. 2 S. 4). Im deutschen Sprachgebiet sind solche „Tabulae“ handschriftlich durch die Fragmente cod. lat. 29 952 (1 der Bayer. Staatsbibl. in München bezeugt (Abb. 1; vgl. ders., Slgn. und Erörterungen lat. Abkürzungen in Alt. und MA, Abhn. der Bayer. Akad. der Wiss., Philos.-Hist. Abt. N.F. 3, 1929, S. 18, hier noch als cod. lat. 29 196 [alt]).

Eine gewisse Sonderstellung nimmt das reich geschmückte Tafel-Lehrbuch des jungen Maximilian ein, das noch vor dem Tode der Kaiserinmutter (1467) angelegt und nach diesem ergänzt wurde (Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 2368: Faks. in Heinr. Fichtenau, Die Lehrbücher Maximilians und die Anfänge der Frakturschrift, Hbg. 1961 [Veröff. der Maximilian-Ges., Hbg.], S. 8f. und 18f., Taf. 1-30). Dieses Lehrbuch enthält Schriftmuster und ein ABC-Buch, dessen umfangreichster Teil deutsche und lateinische Gebete sowie ein Merktext über den Festkalender (Cisiojanus) sind; ihm folgen Zieralphabete und große, seitenfüllende Initialen, über denen Kronen schweben.

Drucke. Als charakteristisches Beispiel sei das um 1470 in Ulm gedruckte, aus Makulatur wiedergewonnene „Abecedarium cum precibus“ der Bayer. St.bibl. in München genannt, das zwei Pergament-Doppelblätter umfaßt; es beinhaltet ABC, Paternoster, Ave Maria, Credo, Magnificat, Gloria, Hymnus Simeonis, Veni Sancte Spiritus, Salve Regina, Requiem und Benedicite (Schreiber, Ndr., Bd. 6 Nr. 2982; Gg. Leidinger, Über ein Bruchstück eines unbekannten Holztafeldruckes des 15. Jh., Gutenberg-Jb. 1928, S. 32-42, Taf. 8-11). Weitere Beispiele des 15. Jh. nennen Gg. Leidinger (a. a. O. S. 37-40) und Ernst Schulz (Das erste Lesebuch an den Lateinschulen des späten MA, Gutenberg-Jb. 1929, S. 18-30).

Die erste Seite solcher „Tabulae“ nimmt sich bisweilen wie ein Lestäflein aus (ob sie auch für sich gedruckt und als solches in den Handel gebracht wurde?). Beleg hierfür ist die in Rot- und Schwarzdruck hergestellte „Titelseite“ des „Psalterium puerorum“ (Ven. [Erhard Ratdoldt], nicht nach 1486), die ein mit Rankendekor geschmückter Rahmen einfaßt. Über dem Alphabet, an das Abkürzungen für „et“, „con“ und „rum“ angeschlossen sind, steht „Jesus. .Maria.“, vor ihm ein Kreuz, unter ihm das „Paternoster“ mit einer großen Rankeninitiale [57, S. 17 Abb. 12]. Ein um 1520 in Paris gedrucktes „Abecedarium“ [15, S. 53 Nr. 51] hat ebenfalls ein Kreuz vor dem Alphabet, dem zahlreiche Abkürzungen folgen, unterbrochen von der Gruppe der fünf Vokale, Buchstabenkombinationen und einzelnen Konsonanten und beschlossen mit „Amen“ (!). Das „Paternoster“ – mit französischer Überschrift „Loraison d(omi)nicale“ in Rotdruck – zeigt in seiner großen Initiale einen Lehrer, der einen Schüler unterrichtet. Auf derselben Seite stehen noch das „Ave Maria“ – „La salutatio(n) angelique“ – und das „Benedicite“ (Abb. 6).

2. von Buchstabenbildern in den F.

Sie haben vielleicht ältere Vorgänger in den ABC-Bildern in Traktaten über die „Ars memorativa“, sowohl in handschriftlich überlieferten wie in gedruckten; jedenfalls sind diese Zeugnisse höheren Alters als die Buchstabenbilder in F. Ob das die historischen Relationen zutreffend spiegelt oder es nur angesichts des zufällig Erhaltenen sich so darstellt, als sei der pädagogische Gebrauch der Buchstabenbilder im Rahmen des Elementarunterrichts jünger, bleibt noch genauer zu ermitteln (s. auch Sp. 690).

Die Beispiele legen den Schluß nahe, daß die Heimat solcher Buchstabenbilder in Italien zu suchen sei.

Die Reihe von Ordnungsbildern der in Gegenstände verwandelten Buchstaben ist wiederholt in Manuskripten und Drucken von Jac. Publicius, Oratoriae artis Epitomae (auch „De arte memorativa“), anzutreffen, bereits um 1460 in Drehbildern in London, Brit. Libr., Add. Ms. 28 895, fol. 133r-179v(Ludw. Volkmann, Ars memorativa, Jb. kh. Slg. Wien N.F. 3, 1929, S. 145f., Abb. 141f.), vor allem aber in den von Erhart Ratdolt zuerst 1482 und 1485 in Venedig, dann 1490 und 1496 in Augsburg gedruckten Ausgaben (ebd. S. 145ff., S. 149 Abb. 146; Schramm, Frühdrucke, Bd. 23, Taf. 79ff., Abb. 398-404); weitere Ausgaben erschienen um 1483 in Köln und um 1510 in Antwerpen (L. Volkmann a. a. O. S. 147). Sehr verwandte ABC-Bilder findet man in Wien, Österr. Nat.bibl., cod. 3202 (15. Jh.: ebd. S. 147f.), entsprechende enthalten die Ausgaben der „Artficiosa memoria“ des Petrus Ravennas (Tommai; ed. princ. Ven. 1491, dann enthalten in der Konrad Peutinger gewidmeten „Ars memorativa...“ des Chrn. Umhauser, Nbg. Ambrosius Hueber] 1501: L. Volkmann a. a. O. S. 148, mit Hinweisen auf weitere Ausgaben und ein Alphabet mit Buchstaben aus Gegenständen in Paris, Bibl. nat., ms. lat. 8747, 16. Jh.).

Bemerkenswert sind ferner die (lateinischen) Alphabete aus Tiernamen mit Bildern, wie sie – neben einem Bilder-ABC nach Publicius und einem eigener Erfindung – im „Congestorium artificiose Memorie“ des gelehrten Dominikaners Johann Host von Romberg aus Kirspen, Westf. (Ven. Melchior Sessa] 1533: L. Volkmann a. a. O. S. 167ff., Abb. 179-182), und in Gualterius Hermenius Ryff (Rivius), De memoria artificiali, quam memorativam artem vocant, Strbg. 1541, enthalten sind.

V. Von M. 15.-E. 16. Jh.

1. Hss. Zeugnisse

Nach Zahl gering, lassen die handschriftlichen Zeugnisse, aus denen auf die Unterrichtspraxis in der Volkssprache lehrender Schulmeister des 15. und A. 16. Jh. zurückgeschlossen werden kann, doch den Schluß zu, daß wenigstens in Süddeutschland – eine Art Schultradition bestand und es da konkurrierende grammatische Terminologien gab [60, S. 460]. Die einschlägigen Aufzeichnungen reichen, sieht man ab von dem in seiner pedantischen Vollständigkeit einzigartigen Syllabar der 1. H. 15. Jh. in der Augsburger Univ.-bibl. (ehem. Harburg, Fürstl. Oettingen-Wallersteinsche Bibl., ms. III.1.4°.1, fol. 67r-76v: von „ab eb ib“ bis „zwirn zworn zwrn [!]“, vgl. B. Bischoff a. a. O. [Sp. 680] S. 75 Anm. 12), nicht über das letzte V. 15. Jh. zurück; sie verraten aber durch ihre Schemata und lehrhaften Bilder (sowie zu erschließenden aufhängbaren Bildtafeln) mehr über Lehrmethoden und den pädagogischen Gebrauch bildlicher Darstellungen im Elementarunterricht als die „Tabulae“ der Lateinschulen.

Der „Modus legendi“ des bayerischen Schulmeisters Kristofferus Hueber (?) v. J. 1477 enthält eingangs ein wiederholt, doch nicht immer befriedigend erklärtes Schema (Abb. 2; [25] S. 9ff. und 329ff.; [43] S. 22 und 185 Abb. 1: „Titelblatt“ [sic!]). - Im annähernd gleichzeitig geschriebenen Cod. lat. 4413 der Bayer. Staatsbibl. in München folgen auf das ABC nach Anfangsbuchstaben und -bildern, die als Ordnungsbilder dienen können, fol. 154v Federzeichnungen, welche die „Locierung aller vnuerstenntlicher Blasung vnnd Stymen vnd pfeuffung Vnnd aller Heimlicher versporgener auttem Der niemantz bedutnus mercken oder verstannen mag“, verdeutlichen (L. Volkmann a. a. O. [s. Sp. 685] S. 152).

2. älteste dt. F.

Die älteste deutsche F., die bisher bekannt wurde, ist eine um 1486/1493 für den Augsburger Kaufmann Claus Spaun gefertigte Abschrift nach älterer Vorlage (Hannover, Kestner-Mus.: [60]). Dem mit Geschick zusammengestellten Übungsmaterial sind zum Lesenlernen Bilder beigestellt, die anscheinend auf eine vorhergegangene Phase des Leselehrganges und dabei benutzte bebilderte Tafeln zurückverweisen (so ebd. S. 459): das Bild eines Spechtes steht bei den mit „sp“ beginnenden Wörtern, das eines Staren bei den „st-Wörtern“, eine Flöte sieht man vor den mit „f“ anlautenden Wörtern, usw. (ebd.; Abb. 4). – Aus Passau kommt die 1524 entstandene Hs. B 200 (alt 1463) der Univ.bibl. Erlangen, die fol. 126r ein Rundbild enthält, in dem ein Ensemble von Bildgegenständen von mit Konsonanten oder -folgen anlautenden Bezeichnungen wiedergegeben ist; man soll vermittels dieser entsprechend beschrifteten Darstellungen „Theitsch lern(en) lesen durch dysen Grunt“ (Abb. 7).

3. gedruckte dt.sprachige ABC-Bücher des 16. Jh.

Gedruckte deutschsprachige ABC-Bücher liegen seit dem 1. V. 16. Jh. vor. Eine, dem Forschungsstand entsprechend, unvollständige Liste bis zum letzten Jh.viertel entstandener ABC-Drucke stellte J. Benzing zusammen: [44] S. 11 und 13 Nr. 1-19; ebd. S. 14 sind fünf weitere vor 1600 herausgekommene F. indiziert. Diesen Beispielen ist inzwischen hinzuzufügen: „Ein Büchlin fur die kinder auffs new zugericht. Der Leien Biblia“, Witt. 1534: [22] S. 1 Nr. 1, Abb. 2-4.

Ein Teil dieser ABC-Bücher knüpft in Inhalt und Aufbau an die lateinischen „Tabulae“ des 15. Jh. an (deren Tradition wurde im 16. Jh. ebenfalls weitergeführt, so – mit anderen Leseübungstexten, nämlich mit silbenweise gedruckten Katechismus-Texten – z. B. in der „Tabula Elementaria: pro pueris elementariis“, Tüb. 1582: [22] S. 1 Nr. 2).

Eine der hinsichtlich des Buchschmucks reichsten „Tabulae“ des 16. Jh. ist die um 1515 zu datierende, in Oppenheim gedruckte. Jede ihrer sechs Seiten ist, wie sonst Titelseiten, mit stets anderen Rahmenleisten geziert; die an den Seiten des Schriftspiegels und die unter diesem enthalten figürliche Darstellungen, die den oberen Abschluß bildenden ebenfalls stets wechselnde Architekturmotive (Abb. 5; Hildegard Härtwig, Ein Abc-Druck aus der Werkstatt des Jakob Köbel in Oppenheim, Gutenberg-Jb. 1938, S. 159-167, Abb. 2-6). Das Kölner ABC-Buch, das Servatius Kruffer um 1520 druckte, hat gleich vielen F. einen Umfang von acht Blättern und ist auf der letzten Seite mit einem Holzschnitt (hl. Laurentius) versehen [44, S. 11 Nr. la]; ob über dieses Novum hinaus noch weiterer Buchschmuck vorhanden und wie die Auswahl der Übungstexte ausgefallen ist, geht aus den erreichbaren bibliographischen Angaben nicht hervor. Gleiches gilt leider auch für Kaspar Buckwitz, Eyn silben buchleyn, welches kürtzlich mit den stymmen vnd laut buchstaben durch anzeygunge der figuren begryffen... (o. O. 1527: ebd. S. 11 Nr. 2); um welche „figuren“ geht es bei dieser F. im Dt. Schulmus. in Berlin, die in dem selben Jahr erschien wie die in mehrerer Hinsicht bedeutsame deutsche F. V. Ickelsamers (s. unten)?

Zwischen 1527 und 1534 wurden vier deutsche F. gedruckt, die sich in vieler Hinsicht vom Herkömmlichen unterscheiden – soweit es uns durch erhaltene Werke einsehbar ist (die Einschränkung ist nötig, weil gerade in der ältesten dieser F. so von einer Bilder zu Hilfe nehmenden Lehrpraxis gesprochen wird, wie sie zuvor mit erhaltenen F. nicht belegbar ist) – und mit denen man lange, bisweilen sogar noch heute, die Geschichte der deutschsprachigen F. beginnen lassen wollte (und möchte). Es handelt sich um folgende F.drucke, deren Neuheit schon darin zum Ausdruck kommt, daß sie alle einen Titel haben und, bei keineswegs gleichartigem Aufbau, wesentlich umfangreicher als die „tabulae“ sind, daß nun erstmals auch F.verfasser namentlich genannt werden:

Valentin Ickelsamer, Die rechte weis auffs kuertzist lesen zu lernen, ..., Erfurt (Johs. Loersfelt) 1527: Faks.ausg., hg. von Karl Pohl, Stg. 1971; desgl., Marburg (Franciscus Rhodus) 1534: Faks. in [32 a], Ndr. in [25] sowie Hdhm. und New York 1972. – Jacob Grueßbeutel, Eyn Besonder fast nützlich stymmen büchlein mit figuren, ..., Nbg. (Kunigund Hergotin) 1531 (und 1536): Faks. in [32 a]; desgl. Nbg. (lobst Gutknecht) 1534: Faks. in [32 a]. – Peter Jordan (Drucker, vielleicht auch Verfasser), Leyenschuol. Wie man Kuenstlich vnd behend schreyben vnnd lesen soll lernen. Darneben auch eyn vntherricht, wie die vngelerigen koepff, ..., on buchstaben, durch figuren vnd Caracteren, ..., sollen vnderweyßt werden, Mainz 1533: Ndr. in [25], Faks. in [32 a]. – L(eonh.) C(ulmann), Teütsche Kinder Tafel. Anfang des Christenlichen Glaubens vnd Teütscher sprach, ..., Nbg. (lobst Gutknecht) 1534: Faks. in [32 a].

Das Neue dieser F. betrifft Inhalt und Bebilderung gleichermaßen, fallweise mit unterschiedlichem Gewicht; denn nicht alle der F. haben in gleichem Umfang Teil an den Neuerungen, und diese sind, soweit sie sich in der bildlichen Ausstattung niederschlugen, z. T. nur als Folgeerscheinungen geänderter Leseübungstexte erklärbar. Ferner wird erstmals der Einfluß der von den F.autoren jeweils bevorzugten Lehrmethode auf die Wahl der Bildgegenstände von Buchstabenbildern erkennbar. Alles in allem: ein komplexer Befund, der vielfältig wechselseitige Einflußnahmen und Relationen signalisiert und von vornherein ausschließt, daß die damals in Fluß befindliche Entwicklung grob rubrizierbar sei; beschreibbar sind vorerst nur die wirksam gewordenen Tendenzen.

Hinsichtlich des F.inhalts zeigen sie sich sowohl im Leselern- wie im Lesebuchteil, am deutlichsten in letzterem. Hier wurden von den F.verfassern, die alle für die Reformation Partei ergriffen hatten oder doch im Konfessionsstreit dieser zuneigten, konsequent katechetische Texte an die Stelle solcher gesetzt, die in bezug auf die röm.kath. Liturgie ausgewählt worden waren. Schließlich war Schulen in den prot. Ländern und den prot. Schulen der Reichsstädte Katechismusunterricht zur Aufgabe gemacht worden (in den Schulordnungen nachweisbar seit 1528: vgl. Friedr. Hahn, Die ev. Unterweisung in den Schulen des 16. Jh., Hdbg. 1957 [Pädagogische Forschgn. des Comenius-Inst., 3], S. 29f., zu F. bes. S. 62-65). Rücksichtnahme darauf erforderte es nicht, alle der in den „Tabulae“ enthaltenen Leseübungstexte durch andere zu ersetzen. Gegen Vaterunser, Glaubensbekenntnis, Zehn Gebote waren keine Einwände zu erheben; sie zählen auch zu den Hauptstücken protestantischer Katechismen, die, wie ehedem der Psalter, als Leseübungstext hergenommen wurden (vgl. für den Schulunterricht eingerichtete Katechismen wie das Wittenberger „Büchlin für die kinder“ v. J. 1534 (s. oben).

Neuerungen in der F.bebilderung bestehen in der auf den Einhalt Bezug nehmenden Ausstattung, die es bei den „Tabulae“ nicht gegeben hatte und die bei älteren handschriftlich überlieferten F. nur sporadisch (und dann stets nur punktuell) anzutreffen war. Nun wird zumal der Leselernteil planmäßig mit Bildern ausgestattet, wozu jetzt auch Buchstabenbilder aufgeboten werden konnten. In V. Ickelsamers F. sind zwar keine solchen enthalten – sein Lehrbuch setzt die Kenntnis des Alphabets voraus -, doch ist aus dem Text (wie auch aus Bemerkungen in Ickelsamers „Ein Teütsche Grammatica“, o. O. und J. Marburg 1534], Bl. B7r und B7v-B8r: Ndr. in [32 a]) zu entnehmen, daß der Verfasser davon ausgeht, daß man seitens der Lehrenden illustrativ die gedächtnismäßige Zuordnung von Laut und Buchstaben stütze. In P. Jordans „Leyenschuol“ gibt es Buchstabenbilder, sie stehen aber („noch“?) in dem für den Lehrer bestimmten methodischen Teil des Lehrbuches, nicht in der eigentlichen F. für den Leseanfänger. Erst J. Grueßbeutel weist den Buchstabenbildern in dieser den Platz zu.

Erstmals ist, zwar äußerst selten, auch im Lesebuchteil neben der herkömmlichen dekorativen Ausstattung mit Randleisten und Holzschnittinitialen inhaltsbezogene Bebilderung faßbar: In V. Ickelsamers F. ist dem Vaterunser, gleichsam als Exemplum rechten Betens, eine Darstellung von Christi Gebet am Ölberg beigesetzt (Abb. 10).

Nachdem die F. Titel erhalten hatten, lag es nahe, sie gleich anderen Druckwerken mit Titelseiten auszustatten (Abb. 8). Ansätze dazu enthalten bereits jene „Tabulae“, deren erste Seite durch ornamentalen Buchschmuck hervorgehoben ist (z. B. durch Rahmen[leisten]). Die Titelseiten der genannten F. entsprechen im Typographischen wie im Schmuck denen der zeitgenössischen Buchproduktion (die künstlerische Ausstattung der „Teütschen Kinder Tafel“ besteht einzig aus den Rahmenleisten des Titelblattes: [43] S. 189 Abb. 8). Ein Novum bei F. ist die Wiedergabe szenischer Darstellungen auf dem Titelblatt vom niederdeutschen „Handtbuechleyn der Kynder, darin sye Erstmals die kunst des Lesens zu erlangen, fruchtbarlich moegen geuebt werden“ (Köln um 1534: ebd. S. 50; Abb. 11), in dem es, entgegen dem im Titel Versprochenen, allerdings mehr um die Anwendung bereits erworbener Lesekenntnisse geht. Zwar dürften die beiden Holzschnitte mit alles andere als gängigen ntl. Darstellungen kaum für diesen F.druck eigens hergestellt worden sein – eher belegen sie den Gebrauch von dem Drucker greifbaren Holzstöcken -, doch verweisen sie durch ihre Themen auf das, was man jahrhundertelang als den Zweck und das Ziel des Lesenlernens ansah, das Vermitteln der Glaubensgrundlagen und schließlich das Erlangen der Fähigkeit, die Bibel lesen zu können und so Gottes Wort selbst zu begegnen (erst im Zeitalter der Aufklärung kamen andere Ansichten auf: „Durch Buchstaben-Kunst wird uns im Leben / Viel Nutzen an die Hand gegeben.“: „A-B-C“, Liegnitz [Joh. Gottfr. Pappäsche] 1777, vgl. [41] S. 49 Nr. 1 m. Abb.).

Die Sp. 689 genannten F. sind im folgenden nur hinsichtlich ihrer Bebilderung zu mustern. Diese ist zwar bemerkenswert, reicht aber nicht heran an die Bedeutung, die jenen F. in der Geschichte der Pädagogik des Elementarunterrichts (und der Lesemethodik) zukommt.

Wie weit die Betrachtung allein der künstlerischen F.ausstattung und ihrer Zweckhaftigkeit hinter der Charakterisierung der F. im Ganzen zwangsläufig zurückbleiben muß, zeigt ein Seitenblick auf die nicht-kunsthistorische Literatur über den (von solcher Beschränkung besonders betroffenen) V. Ickelsamer: vgl. Friedr. Ludw. Karl Weigand in [28]; [40] S. 40ff.; [45] S. 23, 48 und 88f.; [46] S. 6ff.

Angesichts der reich bebilderten Leselernteile in der F. Grueßbeutels und Jordans ist nach Themenwahl, Beschaffenheit und Plazierung der mit dem Einhalt korrelierenden Bilder zu fragen. Diese sind in beiden F. zu den nach Lautgesetzen klassifizierten Buchstabengruppen (Vokale, stumme und halblaute Konsonanten) gestellt – nicht zum Alphabet -, bei Grueßbeutel außerdem zu Buchstabenkombinationen.

Der Leselernteil in Grueßbeutels F. enthält auf 23 Seiten (Buchstaben, Silben, Wörter) insgesamt 22 kleine quadratische Holzschnitte; die restlichen 15 Seiten – zwei mit Einführung in das Rechnen, dreizehn mit Leseübungstexten religiösen Inhalts – blieben unbebildert. Die auf den Buchstabenbildern wiedergegebenen Bildgegenstände sind teils nach dem Anlaut ihrer Namen gewählt, teils vergegenwärtigen sie den Laut des betreffenden Buchstabens. So ist bei den Bl. A2r zusammengestellten Vokalen dem Aa eine Axt zugeordnet, beim o aber sieht man einen Fuhrmann, der auf seinem einen Wagen ziehenden Pferd reitet und es mit Peitschenknall und Ruf „o“ antreibt (Abb. 9). Der Lautwert von b, p wird durch das Bild eines an einem Baumstamm pickenden Spechtes, Hinweis auf das dabei entstehende Geräusch, vermittelt; links von dem Bildchen steht „ba be bi bo bu“, rechts „ab eb ib ob ub“. Bebildert sind auch Konsonantenverbindungen wie ph, Ph, pf, Pf, ss, sp, st usw.

In Jordans „Leyenschuol“ ist der F. für den Leseanfänger (10 Seiten: Alphabete – Silbenübungen – Lesetexte religiösen Inhalts, 2+3+5 S.) ein methodischer Teil für den Lehrer (21 S.) vorausgeschickt. Nur dieser hat Bilder, drei Gruppen fast durchweg nach der Übereinstimmung von Buchstabe und Anlaut des Namens von dem wiedergegebenen Gegenstand bestimmter Buchstabenbilder. „Die Fünff Stimmende oder Lautbuchstaben“ werden veranschaulicht durch „a Armbrost, e Egge, i Jgel, o Ochs, u v Vhr“; erstmals ist hier „Igel“ als Schlüsselwort für den Buchstaben i verwendet (wofür F.autoren bis ins 20. Jh. eine besondere Vorliebe zeigten, als Bild auf der ersten Seite als Einführung des Buchstabens i z. B. in: Deutsche F. Für den Unterricht im Sprechen, Lesen und Schreiben im ersten Schuljahr, 291.-320. Tausend, Bielefeld und Lpz. [Velhagen und Klasing] 1911). Für „stumme Buchstaben“ stehen „b becher, c circkel, d degen, f fisch, g galg gabel, h haße, k kart (Spielkarte), p peyhel (Beile), q ku quu, t tesch (Tasche) tafel“ für die „Halblaute“ „l lewe (Löwe), m messer, n narr, r radt, s sege (Säge), x ixfraw (Sirene, mit Bezug auf die Ähnlichkeit der Buchstabenform), z zedtel“; dazu kommen ein „entlehent buchstab“ („w wage“) und „ein Grichischer buchstabe“: „y eyer“ (Bild: Nest mit Eiern).

Über die Bebilderung von F. der 2. H. 16. Jh. sind einstweilen noch keine Auskünfte zu geben, da es an Vorarbeiten fehlt. Zwar wurde eine Einzelfrage wie die nach dem in diese Zeit fallenden Aufkommen der sog. Hahnen-F. wiederholt erörtert (s. Sp. 707), ansonsten ist man über erste Versuche bibliographischer Erschließung der F.drucke nicht hinausgelangt (hierzu vgl. [44] S. 11 und 13 Nr. 12-19, S. 14 Nr. 1-5; s. a. Sp. 17f. Nr. [1] bis [23]).

4. F. des 17. Jh.

Auch von den F. des 17. Jh. sind nur wenige erhalten.

Bei einigen von ihnen ist im Leselernteil das Bemühen erkennbar, die Lehrmethoden zu verfeinern und zu spezialisieren und die F. jeweils diesen entsprechend einzurichten: die F. wird Mittel zur Sprache und vermag, richtig, „d. h. vernünftig und begreifbar ... im Hinblick auf die Schriftsprache“ aufgebaut, in kurzer Zeit zu „fertigem“ Lesen hinzuführen. Dabei hat man dem Bild als optischer Stütze eine wichtige Rolle zugewiesen (vgl. im einzelnen [45] S. 52ff.).

Ein „Neues Namenbüchlein“ (o. O. und J.; S-Deutschland nach 1600) steht in der Tradition der älteren Bilder-F. (ebd. S. 53), hingegen antizipiert Lucas Kilians „Newes / ABC / Büechlein“ (Augsb. 1627: Faks.ausg. für den Freundeskreis der Bibl. des Kgwb.mus. in Berlin, Bln. 1922) eine erst im 19. Jh. breit sich entfaltende Entwicklung: Dieses Stichwerk, das Kilians Schwager gewidmet ist, gehört in die Ahnenreihe der Pseudo-F. (s. Sp. 712). Die Mehrzahl der ABC-Bilder zeigt Handwerker und Gewerbetreibende bei berufsspezifischen Verrichtungen; ein nacktes Knäblein übt die Tätigkeiten eines Astronomen (A), verehrungsvoll grüßt ein Jüngling eine Jungfrau (J), zwei Jungen streiten um eine Narrenkappe (N), usw. Ein Schüler mit ABC-Tafel bekommt auf den entblößten Hintern (der oft in bezug zur Buchstabenform des W gebracht wurde) „Wichse“ (W), vgl. das Buchstabenbild in der F. von Johs. Buno (s. unten).

Tilemann Olearius hat seine „Deutsche Sprachkunst. Aus dem allegewissesten / der Vernunfft vnd gemeinen brauch Deutsch zu gemäßen / gründen genommen“ (Hall [Melch. Oelschlegel] 1630: [11] S. 3 und [45] S. 53 sowie 193 Abb. 14). Die Buchstabenbilder sind in diesem Werk nach Ähnlichkeiten mit der Form des betr. Buchstabens ausgewählt und nach deren Lautwert angeordnet. – Den Stand, den die methodischen Erwägungen um 1650 erreicht hatten, spiegeln die dem „Orbis sensualium pictus“ (vgl. Sp. 695) vorausgehenden F.konzeptionen des Joh. Amos Comenius (dazu ebd. S. 25ff. und 192 Abb. 13; Ndr. des „Orbis sensualium pictus ...“, Nbg. [Mich. und Joh. Friedr. Endter] 1658, hg. von Heiner Höfener, Dortmund 21979 [Die bibliophilen Taschenbücher, Nr. 30]) und Johs. Bunos „Neues ... ABC-Büchlein, ...“ (Danzig [Andr. Hünefeld] 1650: [45] S. 53f. und 193 Abb. 15). Dieses enthält eingangs eine lange theoretische Abhandlung über das ABC (Kap. I: S. 1-46), sodann fünf Seiten „Vom Syllabieren und wie die Buchstaben zusammenzusezzen“ (Kap. II); der Lesebuchteil hat bis auf einige Verse aus den Sprüchen Salomos keine religiösen Texte.

Bei der Wahl der Themen für die Buchstabenbilder und in deren Gruppierung beschritten Comenius und Buno ganz verschiedene Wege (Abb. 12f.). Dieser ging wie Olearius vor und war es zufrieden, daß das Buchstabenbild formal die Gestalt des Buchstabens assoziierte, zwischen beiden Gedächtnishilfe leistende Ähnlichkeit erkennbar werden konnte; die so ermittelten Buchstabenbilder ordnete er nach ihrem Lautwert in „Stimmer-Vocales“, „halbe Stimmer – semi vocales“ und „stumme – mutae“ sowie in „dopplanten-Dichtongi (!)“. Comenius hingegen ließ die alphabetische Abfolge der Buchstaben unangetastet und wies deren jedem ein nach seinem Lautwert bestimmtes Buchstabenbild zu (vgl. Sp. 676f.). Ob er darin Vorläufer hatte, ist beim gegenwärtigen Forschungsstand nicht auszumachen. Wann in F. die bis hin zu den Pseudo-F. (s. Sp. 712), diese eingeschlossen, folgenreiche Umdisposition der Buchstabenbilder von Vokal- und Konsonantengruppen zu streng nach dem Alphabet aneinandergereihten einsetzte, bleibt vorderhand unklar.

Die weitaus meisten F. dieser Zeit, ob bebildert oder nicht, enthalten im Lesebuchteil weiterhin die herkömmlichen, der religiösen Grundbildung dienenden Texte, die diesen F. (und noch vielen aus der 1. H. 18. Jh.) die Sammelbezeichnung „religiöse Barock-F.“ einbrachten.

Als Musterbeispiel einer „religiösen Barock-F.“ kann das „Neu- Allgemein-Christliche Lern-Buechlein“ des Joh. Jac. Frörnteich dienen (Nbg. [Leonh. Loschge] 1681: Frankfurt a. M., Inst. für Jugendbuchforschg., S 5/39). Vier volle, z.T. eng bedruckte Seiten der mit insgesamt 78 Seiten für ihre Zeit recht umfangreichen F. beansprucht allein die Titelei, bestehend aus zwei durch Punkte getrennten, in sich durch wenige Semikola gegliederten Sätzen. Auf der Titelseite wird der Inhalt in einem Acht-Punkte-Programm vorgestellt: 1-4 gelten dem Lesenlernen und bieten „allerley Buchstaben / und / dieser Unterschied; / der zusammengelesenen vernehmlichen Hall und Schall / so wohl in getheilten / als gantzen Wörtern / und zwar erstlich / vermittels der leicht erkentlichen Bilder“ an; 5-8 bringen religiöse Grundlehren. Die Bilder, teils (vielleicht wiederverwendete) Holzschnitte, teils von einem unbekannten Stecher wohl eigens für diese F. geschaffene Kupferstiche, zeigen in zeitüblichen Formen Landschaften, Bauten, Interieurs und Trachten. Die Zweckbestimmung der F. deutet der Kupferstich auf S. 4 an: hinter einem großen Tisch, auf dem, so groß wie dieser, eine „Biblia“ liegt, sitzt der Lehrer und legt seine Hand auf das Buch; vor dem Tische stehen vier Kinder mit Büchern. In den Diagonalen des Ovalbildes sind vier Tondi mit den Evangelisten zu sehen. Der „Anspruch“ unter der Bildgruppe verdeutlicht: „Komt her, die Ihr wollt Christen seyn,/ Lernt Erstlich Buchstabiren,/ Daß in die Heilig Schrifft hinein / Euch weiter ich kan führen.“ Dieser Grundgedanke tritt an vielen Stellen hervor, besonders deutlich beim vorletzten der sieben ganzseitigen Kupferstiche, für den eine Abbildung aus den in Wien 1563 erschienenen „Exercitia spiritualia ...“ des Ignatius von Loyola als Vorlage diente (Abb. 15; vgl. [49] Abb. S. 328). Auf die zwei Seiten mit Alphabeten und Silbenübungen folgen 24, die paarweise zusammengehören und je zwei Buchstaben gewidmet sind: auf der linken, einer reinen Bildseite stehen zwei Kupfer mit Darstellungen biblischer Themen zu zwei Buchstaben, die jeweils in den oberen Ecken des Bildfeldes in verschiedenen Schrifttypen eingefügt sind: anhand der Bilder soll mit Hilfe des Schlüsselbuchstabens das mit diesem anlautende Schlüsselwort gefunden werden. Zum A sieht man Christus aus dem Sarkophag steigen und die schlafenden Grabwächter – Schlüsselwort: „Auferstehung“ -, zum B Christus an Arme „Brod“ (Schlüsselwort) verteilen, beim C den „Creutz“-Schlepper, beim D „David“ und Goliath, beim E einen „Erzengel“. Anders ist beim G verfahren, wo man angesichts einer vor einer Säulenhalle Sitzenden mit Waage und Schwert auf „Gerechtigkeit“ kommen soll. Zu solchem Bild-Wort-Raten wurde auch in anderen Kinderbüchern des 17. (und 18.) Jh. und in Erbauungsbüchern aufgefordert (so sind z. B. in Friedr. Feddersen, Sittengeschichte des Buchs Jesus Sirach für Kinder und junge Leute, Nbg. Weigel und Schneider] 1780, Bilder eingefügt, „welche die vornehmsten Wörter ausdrucken“; vgl. Sp. 481 Abb. 30). Auf den zugehörigen recto-Seiten stehen je zehn mit dem betr. Buchstaben anlautende Wörter untereinander, die Gegenstände (Al-tar, Am-boß, Del-ler), Tiere (Ad-ler, Aff, En-te), Körperteile (Arm, Aug, Fus) oder auch allbekannte Personen der Bibel (A-dam, Christ-tus, Da-vid) bezeichnen und daneben in winzigen Abbildungen in einer senkrechten Holzschnittleiste veranschaulicht sind.

Ein prot. Gegenstück ist das wenig jüngere „Nahmen-Büchlein / Samt den Zucht-Reglen: Der lieben evangelischen Schul-Jugend Zu mehrern Übung deß Buchstabierens und Anfang deß Lesens abgefasst“ (Augsb. [Leonh. Zacharias für Tob. Kriegsdorffers seel. Erben] 1689: Augsburg, Staats- und Stadtbibl., Bild 1386), dessen Titelseite eine Vignette schmückt. Hier werden die Silbenübungen (Bl. A2r-C2v) mit den Eigennamen biblischer Personen und denen von Heiligen (!) bestritten, dazu jeweils der Gedenktag angegeben (A-dam [24. 12], A-bra-ham [20. 12.], Adolf/A-dol-phus [27. 9.], A-fra [7. 8.], usw.), auf „Za-cha-ri-as“ folgt „Je-sus“ (1. des Jahres), nach dem Vaterunser (Bl. C3r), dem Glaubensbekenntnis (Bl. 3v) und den Zehn Geboten (Bl. 3v-4r) Holzschnitte zu den 32 „Zucht-Reglen“ (Bl. C4v-C8v).

„Ein nutzliches Nahmenbechlein, wie man die Teutsche Schul-Jugend anfaenglichen im Buchstabieren vnterrichten vnd lehren soll“ (Augsb. [Johs. Schoenigk] o. J.: Augsburg, Staats- und Stadtbibl., S 1163) schließt an die Titelei eine „Vermahnung / An die Kinder“ an, aus der die Bestimmung der F. sowohl als auch ihre die Bilderwahl bestimmende Konzeption herausgelesen werden kann: „VOn Gott kommt alles Gute her / Verstand, Kunst, Weißheit, Gut und Ehr./ Darumb, mein liebes Kind, wann du / Wilt in dem allem nehmen zu;/ So ruff den Hoechsten darumb an / Dann Er allein es geben kan,/ Lehrn fleissig, sey gehorsam, frumm,/ So hast du allenthalben Ruhm.“ Den Alphabeten und der Buchstabenklassifizierung (Bl. 2r) schließen sich Bl. 2vff. pro Seite zwei einsilbige und je drei zwei- und dreisilbige Wörter zu zwei Buchstaben an, denen jeweils eine bildliche Darstellung beigestellt ist, z. B. „Axt, Arg, A-dam, Ar-beit, Apf-fel“ usw. – Bild: Adam und Eva (Sündenfall) / „Baum, Braut, Bot-schafft“ usw. – Baum mit Specht. Zum C ist der „Crucifixus“ wiedergegeben, im Hintergrund eine Kirche, zum D wird ein Bild Davids vorgewiesen, ein sitzender Engel ist zum E zu sehen. Es gibt aber auch Buchstabenbilder, die unter den Beispielwörtern nicht genannte Personen, Lebewesen oder Gegenstände zeigen, so die Gans zum G, die Katze zum K, den Bär zum M oder Hunde zum R – nicht immer konnten neue Bilder die althergebrachten verdrängen.

Wie kanonisch die Buchstabenbebilderung geworden war, belegen zahlreiche literarische Zeugnisse aus dem 17. und 18. Jh.

Vgl. etwa Gg. Phil. Harsdörffers Auskunft darüber, „Wie alle Buchstaben in dem Abc auszubilden?“ („Delitiae philosophicae et mathematicae. Der Philos. und Mathematischen Erquickstunden Dritter Theil ...“ von G. Ph. H., Nbg. 1653, S. 44f.); der anonyme Verfasser von „Das ABC cum notis variorum, ..., Erster und Ander Theil“ (Lpz. und Dresden [Joh. Chrn. Mieth und Joh. Heinr. Richter] 1703: Augsburg, Staats- und Stadtbibl., Bild 578) vermerkt: „Etliche haben Lust gehabt, allerhand Bilder auszusinnen, welche die Gestalt gewisser Buchstaben an sich haben. Z(um) E(xempel) ein A haben sie eingebildet durch einen auffgemahlten Circkel (folgt Figur), ein B durch eine Fahne, die mitten gehalten und sonst vom Winde gewehet wird, ein C durch einen halben Monden, ein I durch eine Seule (vgl. Sp. 444), ..., ein R durch einen Pelican, der sich in die Brust beist und das Blut von sich sprützen läst“ (S. 123f. § 276); diesbezügliche Angaben im „Buchstaben- und Silbenbüchlein“ teilt E. Schmack mit ([45] S. 90, nach [25] S. 24). Diese Beispiele, denen leicht weitere zur Seite gestellt werden könnten, gehören in die lange Vorgeschichte jenes kuriosen und überaus kostspieligen „ABC-Krieges“, der durch die Ausgabe einer F. (ABC-, Buchstabir- und Lesebuch zum Gebrauch in den prot. Schulen der fürstl. Nassau-Weilburgischen Lande. ..., Kirchheimbolanden 1776) ausgelöst wurde (dazu [45] S. 55).

5. F. des 18. Jh.

Die Masse der F. des 18. Jh. – und noch eine Vielzahl des beginnenden 19. Jh. – ist gekennzeichnet durch knappen, meist einen Druckbogen (16 S.) nicht übersteigenden Umfang und religiöser Unterweisung dienliche Texte. Der geringe Umfang schloß Bebilderung keineswegs aus: zahlreiche dieser F. enthalten Bilder, und die Skala der Bebilderung reicht von wenigen, z. T. ganzseitigen Kupferstichen oder in den Text gestellten kleine(re)n Holzschnitten oder Kupferstichen über jedem Buchstaben beigefügte, von einem Reim begleitete Abbildungen bis zum Bilder-ABC, dessen Darstellungen und Reime den ABC-Schützen nicht nur religiös, sondern auch moralisch belehren und ihm im Alltagsleben erstrebenswerte Verhaltensweisen vor Augen stellen.

Eine für diese Zeit typische F. ist das „ABC“, Hbg. (Krogmann) 1750 (Frankfurt a. M., Inst. für Jugendbuchforschg., S 5/191). Wer seine Texte (Bibel, Christenlehre) zusammenstellte, ist unbekannt; seine Bilder sind zumeist aus älteren Werken entliehen. Auf der Titelseite steht das ABC in Druckschrift; das A ist, wie in vielen Barock-F., kalligraphisch ausgezeichnet, und unter dem Alphabet sind die „lauten“ und „stummen“ Buchstaben registriert. „Um den Kindern auch die geschriebenen Buchstaben bekannt zu machen“, sind Alphabete in deutscher und lateinischer Schreibschrift aufgenommen worden (S. 2). Diesen folgen kleinformatige Holzschnitte, sodann auf S. 4 Übungen für das Syllabieren, Verbindungen der einzelnen Konsonanten mit jeweils allen Vokalen (Ba, be, bi, bo, bu – usw.), dazu kleine Bilder und die Ermunterung „Zeitlich Zwang, Arbeit und Lehr,/ bringet den Kindern große Ehr“. Vier der restlichen zwölf Seiten sind ganzseitigen Holzschnitten zugebilligt. Die Lesebuchstücke bestehen aus den katechetischen Hauptstücken (Zehn Gebote, Vaterunser, Glaubensbekenntnis), Gebeten und Segenssprüchen. Den Beschluß bildet die Abbildung eines Hahns (s. Sp. 707). Für die Praxis, F. in Rot und Schwarz zu drucken, sei auf die erste und letzte der 16 Seiten vom „ABC-Buch“, Stargard (Hendess) 1780, verwiesen, ein im übrigen durchaus konventionelles Druckerzeugnis (ausladend verziertes A vor dem Alphabet in großen Druckbuchstaben, dem eines in kleinen folgt; Vaterunser, Glaubensbekenntnis, Zehn Gebote, Gebete), dessen Bebilderung aus einer Zierleiste und einem Holzschnitt auf der letzten Seite besteht. Dieser zeigt in seiner oberen Hälfte einen Schulraum, in dem ein die Rute schwingender Lehrer sitzt, hinter ihm stehende Jungen (links) und Mädchen (rechts); zu der Darstellung der Hähne in der unteren Bildhälfte s. Sp. 709. Die Titelseite vom „Bilder-A,B,C mit einigen Leseübungen, Gedenksprüchen und Gebeten für Kinder“ (Stralsund [Chrn. Lor. Struck] 1788: [41] S. 53 Nr. 35) hat einen Schmuckrahmen und ist mit einer kleinen Vignette geschmückt; die Texte des Lesebuchteils weichen, ein kurzes lateinisches Wörterverzeichnis und ein paar Sätze über den Jahresverlauf ausgenommen, nicht vom Üblichen ab. Von den kräftigen Holzschnitten des Bilder-ABC stehen je drei auf einer Seite, jeder gehört zu einem Buchstaben (nur I und J sowie U und X haben ein Buchstabenbild gemeinsam), hat eine die Darstellung inhaltlich erschließende Überschrift und einen Merkreim als Unterschrift. Beim E sind schwimmende Enten, vier auf einer Wiese liegende Eier und eine hinter einem Baum hervorkommende Frau wiedergegeben: „Eine Frau nimmt den Enten die Eyer weg“ – „Von einer Ente körnt das Ey; / Rath, was von beyden älter sey“. „Jäger“ und „Iltis“ dienen als Schlüsselworte für I/J; wiedergegeben ist „Ein Jäger (mit seinem Hund) und ein Iltis, der ein Huhn beißt“ und darunter steht „Quäle nie ein Thier zum Scherz;/ Denn es fühlt wie Du, den Schmerz“ (vgl. dazu [34] S. 10). – Die F. des kath. Theologen und Pädagogen Heinr. Overberg („Neues ABC-Buchstabier- und Lesebuch nach der im Hochstifte Münster eingeführten Lehrart“, Münster i. W. 1788 [16 S.] ist – als billige Ausgabe – nur mit einer Titelvignette geschmückt (am Wegesrande Blumen pflückendes Mädchen), bemerkenswert jedoch durch auf den Alltag bezügliche Lesetexte (kleine Abschnitte über Essen und Trinken, Haus- und Ackergeräte, Kleider, Handwerker, Werkzeuge). Ähnliche Tendenzen zeigt die von Chrn. Zimmermann überarbeitete Ausgabe der 1758 erstmals gedruckten F. von Joh. Friedr. Hähn (vgl. [5] S. 101 Nr. 868), „Berlinisches neu eingerichtetes ABC-, Buchstabier- und Lesebüchlein“ (Bln. 1790), eine Billigausgabe mit Titelvignette und Kupfertafeln von C. (J. C.) Darchow, die neben den üblichen religiösen Texten eine Reihe „wahrer“ (moralischer) Geschichten enthält, ferner 354 Sprichwörter und 23 Bibelsprüche, die durch Zahlenverweise als zu der Geschichte passend auffindbar gemacht sind; auf geographische Namen, Maßeinheiten und Rechenübungen folgen abschließend zwei Seiten gebräuchlicher französischer Fremdwörter „für größere Lehrlinge, welche Lust haben, Französische Wörter recht auszusprechen, lesen, schreiben und verstehen zu lernen“.

Im Bilder-ABC des „Aabcdef“ (Frankfurt a. d. O. und Bln. [Trowitzsch & Sohn] um 1830) begleiten zu moralischem und Sozialverhalten auffordernde Zweizeiler die traditionell in Genreszenen vorgestellten Schlüsselwörter. Diese sind gegenüber dem Herkommen verändert. Dasjenige zum A ist „Armuth“, nicht mehr „Affe“; im zugehörigen Bild ist ein musizierender Bettler dargestellt, dem gutgekleidete Kinder etwas zu essen bringen: „Aus Hungersnot macht hier Musik ein alter Mann,/Nimm dich des Armen, Schwachen hülfreich an“ (Abb. 31; vgl. Abb. 23 a und Sp. 703). Statt des gewohnten „Hase“ dient „Hund“ als Schlüsselwort des H, der Hase ist als „Caninchen“ zum C abgewandert. – Dem „ABC“ (Lpz. [Friedr. Geißler] 1860), das nach Inhalt und Gestaltung noch ganz in der Tradition der religiösen F. steht, sind 16 Trachtenbilder beigefügt, die vom Blick auch auf das Ferne zeugen. Da sieht man nicht nur „Altenburger Bauer und Bäuerin“, sondern auch „Türke und Türkin; Tartarischer Bauer und Bäuerin“ und einen „Molorosianer (!, Malorossijaner) und Frau“ (diese Darstellungen wohl zusammenhängend mit den Türkenkriegen).

6. „Vernünftige F.“

Etwa um die M. 18. Jh. kamen F. auf, die sich in ihrer Konzeption von den meisten älteren F. grundlegend unterscheiden. Der Wandel ist am deutlichsten daran erkennbar, daß zu den bis dahin üblichen religiösen Lesestücken, manchmal sogar an deren Stelle solche traten, die nach jetzt für erstrebenswert gehaltenen pädagogischen Zielen ausgewählt wurden und eine früher ungewohnte Aufgeschlossenheit für die Dinge der Welt verraten: Ideen der Aufklärung kommen im Bemühen um Wissensvermittlung zum Ausdruck; mit der Hinwendung zur Natur und „ursprünglicher“ Einfachheit wird sentimentalisch-empfindsames Wahrnehmen propagiert und eingeübt – später kommen Gedanken Rousseaus hinzu; ein neu determinierter, nicht mehr ausschließlich religiös begründeter Tugendbegriff wird zur Geltung gebracht. Ferner förderte die gewiß realistische Einsicht, es werde die F. oft für lange Zeit (wo nicht für immer) das einzige Buch bleiben, mit dem sein Benutzer in Berührung komme, die Tendenz, in F. möglichst viel an Wissen und Lebensweisheit hineinzupacken; der Umfang der als geistige Wegzehrung für den jungen Menschen verstandenen F. schwoll an, bisweilen auf über 200 Seiten (nach den anfangs und lange Zeit üblichen 16 Seiten!).

Eine gründliche Analyse dieser neuartigen F. und der verschiedenen in ihnen enthaltenen sozialpädagogischen Tendenzen steht noch aus. Einstweilen mag sich für all jene F. der Sammelbegriff „vernünftige F.“ empfehlen. Eine gute Vorstellung von Ziel und Zweck dieser F. vermittelt die „Zuschrift an den kleinen Besitzer oder die kleine Besitzerin des Buches“ in Carl Friedr. Splittergarb, Neues Bilder ABC- oder Deutsches Lesebuch für die Jugend. Erster Theil, Bln. und Stralsund (Gottlieb Aug. Lange) 1793.

Eine stattliche Zahl der „vernünftigen F.“ ist dreiteilig aufgebaut: 1) Alphabet in Druck- und Schreibschrift sowie Silbenleseübungen; 2) Geschichten aus dem Alltag der Kinder, vermischt mit Fabeln und Lebensregeln: Erzählungen, die auf den Weg der Tugend weisen sollen; 3) je nach dem Leserkreis, den man ansprechen möchte, folgen naturgeschichtliche, geographische, völkerkundliche, historische oder aus dem Alltag gegriffene belehrende Abhandlungen oder Schilderungen. Neben dem fast immer vorhandenen Bilder-ABC des Leselernteils ist auch der Lesebuchteil bebildert, gewöhnlich mit illuminierten Kupfern (s. Sp. 670), die vorwiegend Szenen des ländlichen Alltags oder aus dem Familienleben zum Thema haben und diese in der zeitgenössischen Einkleidung des Rokoko wiedergeben.

Die neue F.generation repräsentiert Chrn. Felix Weisses „Neues A,B,C, Buch, nebst einigen Uebungen und Unterhaltungen für Kinder“ (Lpz. [Siegfr. Lebrecht Crusius] 1772: [45] S. 59; zum Verfasser vgl. dessen Selbstbiographie, Lpz. 1806). Die „durch pietistische und philanthropistische Bildungsbestrebungen bestimmte“ F. (ebd.) erlebte mehrere Auflagen (Lpz. 1773 und 1775: [41] S. 94, Nr. 352 m. Abb.; ebendort 1777: [22] S. 32, Abb. S. 34, und [45] S. 198 Abb. 25; usw.), die sich in ihrer bildlichen Austattung bemerkenswert unterscheiden. Die Ausg. 1773 besitzt eine Vignette auf der Titelseite und 27 Kupferstiche auf neun Tafeln; die Entwürfe lieferte C. Crusius (Abb. 21; s. a. Sp. 701); mit 24 Holzschnittvignetten auf vier Blättern ist die zwei Jahre später erschienene Ausgabe ausgestattet (Abb. 22); fünf Blätter mit Kupferstichen sind der Ausg. 1777 beigefügt (Abb. 23 a und b). Es wechseln nicht nur die druckgraphischen Techniken: an die Stelle der an Rokokovignetten gemahnenden Bebilderung der Ausg. 1775 (Abb. 22) traten zwei Jahre danach figurenreichere idyllische Genreszenen (Abb. 23 a und b; auch die Texte der den Bildern unterlegten Zweizeiler sind bisweilen umformuliert). Die Lesetexte der mit 126 S. Umfang recht starken F. sind kurze Erzählungen, Lieder, Gebete, Fabeln und Verse zu den Bildern. Diese Zusammensetzung antizipiert bereits die Textzusammenstellung in frühen, vom Leselernteil der F. abgekoppelten reinen Lesebüchern.

Ein weiteres charakteristisches Beispiel der „vernünftigen F.“ ist C. F. Splittergarbs „Neues Bilder-ABC“ (a. a. O. [Sp. 702]). Auf die Buchstabiertabelle (S. 1) folgen zu jedem Buchstaben in Silben zerlegte kurze Sätze, zu denen halbseitig Abbildungen möglichst vieler mit dem betreffenden Buchstaben anlautender oder den Buchstaben im Namen tragender Lebewesen, Pflanzen, Tiere gestellt sind (S. 2-13), zum „A“ z. B. Adler, Affe, Aal, Apfel, Bach usw.; die Zusammenstellung der Bildmotive erfolgt weiterhin ohne Rücksicht darauf, ob diese in Wirklichkeit zusammen vorkommen können. Zum „M“ und „N“ sieht man einen Mohren im Lendenschurz und ein Nashorn in einer mitteleuropäischen Landschaft sowie andere Tiere, Muscheln, Maus und Maulwurfshügel, Nachteule und Natter. Die Illustrationen sollen naturgeschichtliche Kenntnisse vermitteln; auf die im Bilder-ABC wiedergegebenen Tiere wird im Anhang, der überschrieben ist mit „Etwas aus der Naturgeschichte nach Anleitung der Kupfertafeln“, mit erklärenden Texten zurückgekommen. Die dem Bilder-ABC folgenden „Kurze(n) Sätze für Anfänger im Lesen und Denken“, eingeleitet mit dem Satz „Kinder sind kleine Menschen“, sollen dem Kind seine Umwelt vorstellen und erklären sowie es durch lehrreiche Erzählungen zu tugendhafter Lebensweise anhalten („Das unvorsichtige Kind“, „Das folgsame Kind“, „Das reinliche Kind“ u. ä.). Religiöses ist nur mit sehr allgemein gehaltenen Formulierungen berührt (z. B.: „Gottes Freude ist glücklich machen./ Gott sieht es daher gern, wenn seine vernünftigen Geschöpfe sich und andere glücklich machen./ Er sieht es ungern, wenn sie sich und andern Schaden thun.“).

Ähnlich aufgebaut – ebenfalls dreiteilig – ist das „Neue A,B,C, und Lesebuch in Bildern mit Erklärungen aus der Naturgeschichte“ (Lpz. [Voss und Leo] 21793: Frankfurt a. M., Inst. für Jugendbuchforschg., S 5/263), an dessen Ende 22, je einem Buchstaben gewidmete ganzseitige Kupferstiche mit insgesamt 190 kolorierten Darstellungen aus der Tier- und Pflanzenwelt stehen. Mit der alten Buchstabiermethode beginnt „Carls ABC- und Lesebuch mit Sitten- und Denksprüchen, Erzählungen und Liedern zum ersten Unterricht mit feinen illuminierten Kupfern“ (Dresden [Joh. Gottfr. Jonathan Albrecht] 1800), dessen Mittelteil auf acht Seiten 24 Kupferstiche enthält; auf jedem Bild sind mehrere Begriffe zu sehen (A: Ameisenbär, Ackersmann; B: Brücke, Butterfaß; C: Canone, Caffeemühle, Caninchen; usw.). Zu den verbreitetsten F. vom A. 19. Jh. gehört Friedr. Hermanns „Neue F. für Kinder oder methodischer Elementarunterricht im Lesen und Abstrahieren nach Pestalozzi und Olivier“ (Lpz. Hinrichs] 1804: Frankfurt a. M., Inst. für Jugendbuchforschg., S 5/648). Sie ist, trotz niedrigen Preises, mit 15 Bildern auf fünf Kupfertafeln ausgestattet; die Szenen – etwa „Ein Kaufmann erhält neue Waren von seinem Schiff“ oder „Furcht vor dem Truthahn“ – stehen im Zusammenhang mit den angebotenen Texten (auf die für die damalige Zeit sehr beachtenswerten Ansichten Hermanns sei wenigstens hingewiesen). Das Bilder-ABC in Heinr. Campes, „Neues Abeze- und Lesebuch ...“, Braunschweig (Schulbuchhandlung) 1806 (41830 = ders., Sämtliche Kinder- und Jugendschriften ..., Bd. 1, Braunschweig 1830), besteht aus 23 bebilderten Fabeln, in deren jeder mit dem betreffenden Buchstaben anlautende Lebewesen die Träger der Handlung sind (a: „der akkermann und der affe“; b: der bär und die binen“; c: „christel und cloe“; vgl. Abb. 26; [5] S. 40f. Nr. 223. 1, S. 46 Nr. 286-288).

Während einerseits beim Siegeszug der Lautiermethode, der einsetzte mit dem Erscheinen der F. von Heinr. Stephani (zuerst Erlangen 1802, vgl. bes. ders., F. für Kinder von edler Erziehung ...; für Mütter, welche sich die Freuden verschaffen wollen, ihre Kinder lesen zu lehren, Erlangen [Palm] 1807), die Bebilderung von F. öfters auf der Strecke blieb (vgl. [22] S. 35ff.) und, sofern das Lesenlernen nicht „als rein technischer Prozeß ohne Anwendung auch nur eines sinnvollen Satzes der deutschen Sprache vollzogen“ wurde (ebd. S. 42 Nr. 25 a-e), der Lesebuchteil aus Moralpredigten (wie bei Stephani), oft auch wieder aus religösen Texten besteht, mehrten sich andererseits die umfangreichen F., mit denen bestimmte Leserkreise angesprochen und entsprechend ihrer Erwartungen in Wort und Bild informiert werden. Dabei wird bisweilen die Grenze zwischen F. und nach den Buchstaben des ABC geordneten Anschauungsbilderbüchern verwischt (s. dazu auch Sp. 712ff.).

Die Zahl der F., die entweder für Knaben oder für Mädchen bestimmt waren, nahm zu; man vgl. nur die in Leipzig verlegten, mit jeweils 26-27 Kupferstichen C. G. H. Geißlers zu den Buchstaben des ABC ausgestatteten F., die zwischen 1804 und 1818 auf den Markt kamen (G. Wustmann a. a. O. [Sp. 668] S. 23 und 99; s. auch S. 100f.). Heinr. Aug. Kerndörffers „Wirthschaftliches ABC und Bilderbuch für Mädchen“ (Pirna [A. R. Friese] 1812: [41] S. 74 Nr. 201) verbindet das Lesenlernen mit einer Einführung in die Hauswirtschaft; „Eugenias erstes Buch oder neues F.lesebuch für kleine Mädchen“ von Heinr. Müller (Nbg. [C. H. Zech] 1830: [5] S. 171 Nr. 1474) soll diejenigen, „die sich vergnügen, Angenehmes und Nützliches lernen (zu) wollen“, mit seinem lithographischen Titelblatt und 24 kolorierten Kupfern auf acht Tafeln als „Ein Geschenk von der lieben Mutter“ ermuntern (für weitere Aufl. s. [3] und [14]).

Öfters begegnet man F., die bestimmte Spezialkenntnisse vermitteln wollen. Inwieweit es sich bei diesen um „echte“ F. oder den Prozeß des Lesenlernens aus solchen ermunternd und belohnend begleitende Geschenke an die ABC-Schützen handelt, ist nicht immer mit Sicherheit auszumachen; denn wenn in der Titelei derartiger ABC-Bücher auch das Buch als Geschenk anempfohlen wird (Beispiele im Folgenden), so ist doch die Verwendung als erstes Lern- und Lesebuch nicht prinzipiell auszuschließen. Das Bemühen, in den F. durch Wort und Bild über bestimmte Sachbereiche zu informieren, konzentrierte sich auf Naturgeschichte, Völkerkunde, Berufsdarstellungen, schloß aber analoges Wissensangebot über Militaria und Heraldik keineswegs aus.

Als erfolgreiches Beispiel für die in F. integrierte Vermittlung naturgeschichtlicher Kenntnisse sei Karl Gottlob Hausius’ „Neues A,B,C, und Lesebuch, in Bildern mit Erklärungen aus der Naturgeschichte“ genannt, das 1790 erstmals erschien und 1797 bereits eine fünfte, verbesserte Auflage erlebte (Lpz. Voß]: [5] S. 103 Nr. 887). Gleiches bezweckte 1828 ein „Naturhistorisches A.B.C. Buch“, das Bauer und Raspe in Nürnberg verlegten [41, S. 50 Nr. 10]. – Eine eigene Gruppe bilden die in ihrer Bebilderung ausschließlich auf ornithologische Abbildungen beschränkten F., z. B. das „Große Frankfurter A.B.C. und Lese-Buch zur Belehrung und Unterhaltung für die Jugend“ (Ffm. Döring] 1820: Frankfurt a. M., Inst. für Jugendbuchforschg., S 5/312), auf dessen sechs Kupfertafeln 26 Vögel, von der Amsel bis zum Strauß, wiedergegeben sind. Entsprechende Veröffentlichungen gab es nicht nur in Deutschland; so enthält der „Syllabaire des oiseaux etrangers“ der Pariser Imagerie d’Epinal-Pellerin kolorierte Lithographien mit 35 Vogelabbildungen (o. J.: [20] S. 87 Nr. 964). – Entsprechende mit der Abbildung von Pflanzen versehene F. sind demgegenüber erstaunlich selten; so enthält ein „Neues Buchstabier- und Lesebuch zur Beförderung der Entwicklung des Verstandes für niedere besonders aber für Landschulen“ (Nbg. [A. G. Schneider und Weigel] 1799: [5] S. 265 Nr. 2323; s.a. [3] S. 153 Nr. 1641: „1811“) acht „illuminierte Kupfertafeln welche die gemeinsten Giftpflanzen und Schwämme abbilden“. – Eher schon trifft man F. mit Bildern geographischen oder völkerkundlichen Inhalts an, etwa „Ein neues Bilderbuch mit ABC zur lehrreichen Unterhaltung für gute Kinder“, betitelt „Nationen aus allen Welttheilen“, auf dessen 24 Lithographien (auf sechs Tafeln) Vertreter einzelner Völker vom Araber bis zum Zigeuner dargestellt sind (Nbg. [G. N. Renner] um 1840: [5] S. 176 Nr. 1515), oder wird als Begleiter von Alexis auf seiner „Bilder-Reise durch alle fünf Welttheile“ und durch 24 ihr beigegebene „fein illuminirte“ Lithographien u. a. davon überzeugt, daß „Italiens Frauen sind sehr schön,/ Der Jude muss hausiren geh’n“ (Nbg. [G. N. Renner] um 1835: [41] S. 51 Nr. 18, m. Abb.).

Großer Beliebtheit erfreuten sich F., deren Bilder-Alphabete mit Berufsdarstellungen bestritten wurden. Inwieweit für diese F. die Illustrationen zu Diderotd’Alembert und aktuelle Veröffentlichungen (Schauplatz; Neuer Schauplatz) einflußreich geworden waren, bleibt zu ermitteln. Berufe schildert ein „Kleines A-B-C und Lesebuch mit 24 Kupfern. Handwercker und Beschäftigungen darstellend“, das als „Ein Geschenk für artige Kinder“ angepriesen wurde (Nbg. o. J. [um 1810]: [41] S. 49 Nr. 6). Auf jeder der Tafeln – kolorierten Lithographien – im „Alphabet des Arts et Métiers, contenant ... la nomenclature, par ordre alphabétique, des professions exercées le plus généralment en France“, sind vier Berufe geschildert (Paris 21818: [20, II] S. 86 Nr. 951).

Im 2. und 3. Jz. 19. Jh. wurden bebilderte F. ausgefertigt, die sich, der aktuellen Geschichte Rechnung tragend, militärisch geben. In Prag kam 1815 ein mit sieben Kupfertafeln ausgestattetes „Militarisches A-B-C und Bilder Büchlein für die Jugend“ heraus, wenig später ein „Nützliches A-B-C ... Mit Abbildungen militairischer Gegenstände“ auf 24 illuminierten Kupferstichen (Nbg. 1822; [41] S. 49f. Nr. 7f.).

Ein Extremfall der spezialisierten F.bebilderung ist Christoph Matth. Seidels frühe, dem sechsjährigen Friedrich (II.) von Preußen gewidmete F. „Ein sonderliches Alphabet“, die anhand „Durchl. Wappen vor Standes und andere Kinder“ den „Grund zur wahren Gelehrsamkeit in den zartesten Jahren“ zu legen beabsichtigte (Bln. 1718: [41] S. 91 Nr. 322). Sie fand keine Nachfolge.

VI. Hahnenfibeln

Hahnen-F. nennt man heute all jene F., auf deren letzter Seite ein Hahn abgebildet ist. Solche in ihrem Aufbau und in ihrer sonstigen Bildausstattung untereinander recht verschiedenen F. waren so verbreitet, daß man schon im 18. Jh. jemandes Lese-(Un-)Fähigkeit redensartlich umschrieb mit „Er ist (nicht) bis zum Hahn gekommen“ ([5] S. 50; als weiteres Beispiel für die Kombination von F. und Hahnenbild vgl. „Doktor Allwissend“ in Grimms Kinder- und Hausmärchen (Darmstadt 1955, S. 427ff).

Als ältester Beleg für eine Hahnen-F. gilt eine von Joh. Eichhorn in Frankfurt a. d. Oder anfangs der 70er Jahre des 16. Jh. ([44] S. 13; ebd. S. 14: „um 1575“) gedruckte F., die Heinr. Grimm einst in der Pfarrbibl. von St. Marien in Frankfurt a.d.O. sah (so, lt. mdl. Mitt., [44] S. 13). Das Hahnenbild sowie seine Plazierung in diesem F.druck wird zwanglos damit erklärt, daß der schreitende Hahn das Wappenbild des Druckorts ist und als solches bereits seit 1504 in Frankfurter Drucken vorkommt (ebd. S. 12 Abb. 1). Durchaus dem ursprünglichen Beweggrund für die Aufnahme des Hahnenbildes in F. konform, verglich Joh. Müller (Echo gemina ..., Schmalkalden [Mich. Schmuck] 1592, Bl. A3r: ebd. S. 17f. Abb. 6) die „pictura galli in libellis alphabeticis“ mit dem hennebergischen Wappen (zwei Hennen) und charakterisierte die Eigenschaften des Hahnes in Distichen.

Älter als die Frankfurter Hahnen-F. wäre möglicherweise eine Lübecker, vorausgesetzt, es träfen die Bemerkungen Friedr. Hebbels über eine F. „mit Joh. Ballhorns Eier legendem Hahn“ zu (Sämtl. Werke, hg. von Rich. Maria Werner, Abt. 1, Bd. 8, Bln. 1902, S. 97) und wären auf den ältesten Drucker dieses Namens in Lübeck zu beziehen, der 1527-1573 lebte; sie sind jedoch nicht zu bestätigen (Wilh. Gläser, Verz. der Ballhorn-Drucke, Zs. des Ver. für Lübeckische Gesch. und Alt.kde. 9, 1907, S. 147ff.; weitere Lit. bei [44] S. 9 und Anm. 2-6). Gleiches gilt für die von J. Clausen erwähnte Nürnberger Hahnen-F. v.J. 1537 ([30] S. 170.; dazu [44] S. 9).

Was dazu veranlaßte, das Hahnenbild auch an Orten, wo die für den Frankfurter Druck bestehende lokale Prämisse nicht gegeben war, in F. aufzunehmen, bedarf noch weiterer Untersuchungen. Hahnen-F. aus dem 4. V. 16. Jh. kommen aus Druckereien in Königsberg i. Pr. (ca. 1578), Hamburg (1583) und Kopenhagen (1591; [44] S. 14 Nr. 2f. und 5), spätere Beispiele aus dem gesamten nord- und ostdeutschen Gebiet, Mitteldeutschland, Sachsen, Schlesien, Böhmen, aber auch aus Holland und den skandinavischen Ländern (Abb. 17; ebd. S. 14-16 Nr. 6-23, s. auch [45] S. 194 Abb. 16 und [57] S. 15 Abb. 10). Wo im 19. Jh. die Grenze zwischen kontinuierlicher Überlieferung von Hahnen-F. und Wiederaufnahme des Motivs zu ziehen ist, bleibt zu ermitteln.

An Erklärungen für das Hahnenbild in F. des 17.-19. Jh. ist kein Mangel. Sie reichen von willkürlicher Bildauslegung (ausführlich behandelt bei [48] S. 131-148) bis zu ausschließlich auf Bildbeischriften beruhender, die gravierenden ikonographischen Unterschiede und die zahlreichen motivischen Anreicherungen (angedeutet bei [44] S. 14) unberücksichtigt lassender Interpretation.

Auffälliges Kennzeichen der Hahnenbilder und ihrer Beischriften ist das Fehlen jeglicher direkter Bezugnahme auf die seit alters mit dem Hahn verbundenen theologischen Auslegungen: Weder ist an Iob 38,36 (quis dedit gallo intelligentia) noch an den Bericht über die Verleugnung des Petrus angeknüpft; auch das „Gallicinium“ wird ohne Verweis auf die damit verbundene Stundengebetszeit nur allgemein als Zeit fürs Aufstehen anempfohlen: „Auf, auf, ihr Kinder, und zieht euch an, / Die Glock schlägt Sechs, euch weckt der Hahn“ (Abb. 17; vgl. Hamburg 1750 [Sp. 699]; Stargard um 1780 [s. Sp. 700]: [57] S. 15 Abb. 10; hier waren Darstellungen des Hahnes als Attribut der Astronomie vorausgegangen, vgl. K.-A. Wirth a. a. O. [Sp. 681] S. 105 Abb. 28). Diese Auslegung ist oft und lange wiederholt worden; so auch in dem von Ludwig Richter illustrierten „Kinderfreund“ (Dresden Gaber & Richter] o. J. [1858]: [41] S. 74 Nr. 202, m. Abb.) und in H. Oswalt, Der kleine A-B-C-Schütz, (Ffm. Rütten und Loening] 1874: [57] S. 20 Abb. 16). Nachdem der Hahn der „Vigilantia“ in der Neuzeit auch zu einem Attribut des *Fleißes geworden war, wird der F.hahn im 18. und 19. Jh. öfters als Anmahnung und Vorbild entsprechenden Verhaltens bezeichnet: „Studire fleissig, spat und früh, / Sey munter wie der Kükeküh“ (Stargard 1780 [Sp. 700]; „Der muntre Hahn ist zeitig wach; / Der gute Schüler ahmt ihm (!) nach / ...“ (Stg. Steinkopf] 1868: [22] S. 48 Nr. 32, Abb. S. 52).

In mehreren F. ist der Hahn als der das ABC lehrende Schulmeister abgebildet (so z. B. Lauban [K. A. W. Scharf] o. J. [um 1800], wo ihm, ein öfters vorkommendes Nebenmotiv, sich feindlich gegenüberstehende Hähne – vgl. nur [44] S. 12 Abb. 3 –, beigegeben sind: ebd. S. 15 Abb. 5); in einer F. aus Frankfurt a. d. O. belehrt er nicht nur Schüler, sondern auch den Schulmeister (18. Jh.; ebd. Abb. 4); ein großer Hahn beaufsichtigt einen kleinen beim Lesen in Jos. Jer. Kummer, Der kluge Qökelhahn (Erfurt 1829 u. ö.: [5] S. 137 Nr. 1213, S. 138 Abb.).

In einem ABC-Buch v. J. 1667 (Köln [Joh. Katterbach]: [44] S. 12 Abb. 2) sitzt das nackte Christuskind segnend und mit einem Reichsapfel in der Linken auf dem Rücken eines Hahnes (Abb. 14).

Wenn – seit wann? – das Hahnenbild am Anfang der F. steht (als Titelvignette: Gottf. Leopold Schrader, Neues ABC und Lesebuch für Bürger- und Landschulen, Lpz. [Friedr. Chrn. Dürr] 1805: [5] S. 224 Nr. 1987), kann das unterschiedliche Gründe haben. Auf der Titelseite von Joh. Friedr. Fritz’ F. (s. unten) ist er Devisenbild (Beischrift: „Caelo auspice Vigili Labore“; Abb. 18; [22] S. 6 Nr. 6). Öfters ist er in F., deren Buchstabenbilder gemäß der Lautiermethode gewählt wurden, dem Buchstaben I zugeordnet, anknüpfend an des Hahnes Kickericki (vgl. ebd. S. 1 Nr. 3).

VII. Mehrsprachige F.

1. ABC-Bücher mit Alphabeten mehrerer Sprachen sind seit dem späten 16. Jh. nachgewiesen (Elias Hutter, Künstlich New ABC Buch, Darauß ein Junger Knabe die Nötigsten Hauptsprachen als Ebraisch, Grieckisch, Lateinisch, Deutsch Zugleich, als ein alleine, ... lesen lernen kan, ..., Hbg. 1593: [57] S. 12 Abb. 6; andere Ausg.: Nbg. [Alex. Dietrich] 1597: [22] S. 6 Nr. 4, Abb. S. 7). Nie wieder erreicht wurde ein „Neu eröffnetes in hundert Sprachen bestehendes ABC-Buch...“, das anonym erschien und außer einer Titelvignette Holzschnittafeln mit fremdsprachigen Alphabeten und orientalischen Schriftzeichen besitzt: als Verfasser wird Joh. Friedr. Fritz angesehen (Lpz. [Chrn. Friedr. Geßner] 1743: Abb. 18; [5] S. 180 Nr. 1536). Die Bildausstattung von Drucken dieser Art ist anscheinend durchweg karg und auf die Titelseite beschränkt.

2. Reicher bebildert und mit Buchstabenbildern, sogar bisweilen mehreren zu einem Buchstaben versehen sind F., die für sprachliche Minderheiten geschaffen wurden, aus vielsprachigen Ländern (wie denen der Habsburgischen Monarchie) kommen oder zum Gebrauch in den Kolonien europäischer Staaten vorgesehen waren. (Da vor M. 19. Jh. entstandene Beispiele aus Deutschland nicht vorhanden sein können, vgl. für letztere etwa „A Primer for the Use of Mohawk Children, ... Waerighwaghsawe iksaongoenwa ...“, Ld. [C. Buckton] 21786: [15] S. 66 Nr. 68, m. Abb.) Dem Unterricht in Fremdsprachen dienten deutsch-französische und deutsch-lateinische F.

Beispiele: „Abecedarium und der klein Catechismus In der Windischen Sprach“, Tüb. (Ulrich Morhart) 1550: [44] S. 11 Nr. 12; „ABC oder Namenbüchlein zum Gebrauche der serbischen Jugend im Kgr. Hungarn und den dazu gehörigen Theilen“, Wien (Jos. von Kurzbeck) 1789: [5] S. 10 Nr. 3, dt.-serbokroatisch. – „Neues ABC Bilderbuch zum Nutzen und Vergnügen für die lernende Jugend in sieben Sprachen“, Wien 1820: [55] S. 14 und 16; „Neues A-B-C-Büchel ... in sechs Sprachen: ...“, Prag (Wenzl Hoffmann) o. J. (um 1820): Abb. 28; [41] S. 50 Nr. 11; „Erstes Bilder-Buch für kleine Knaben und Mädchen, ... Enthält nebst den dt. und lat. Alphabeten und Zahlen, 288 illum. Abb. verschiedener Gegenstände und deren Benennung in dt., lat., franz. und ital. Sprache“, Wien (H. F. Müller) o. J. (um 1850): [5] S. 70 Nr. 570. -Deutsch und lateinisch textierte, alphabetisch geordnete Buchstabenbilder: J. A. Comenius, Orbis sensualium pictus (Abb. 13); „Neues A-B-C-Büchel ...“, Prag (Joh. Balzer) und Wien (Jos. Eder) o. J. (vor 1790): [41] S. 50 Nr. 12, m. Abb.

Sofern die Buchstabenbilder nicht wie bei Comenius mit Bezug auf ihren Lautwert (Tierlaute und deren sprachliche Benennung) gewählt wurden, sind sie mit Rücksicht auf den Anlaut der Benennung des Dargestellten ausgesucht. Dabei ist stets der deutsche Name zugrundegelegt (vgl. Abb. 28), so daß bei den mehrsprachigen F. diesbezüglich kein prinzipieller Unterschied zu den einsprachig-deutschen F. besteht. Wie in diesen konnte auch in jenen ein Buchstabe mit mehreren Bildern vorgestellt werden; „Das Grosse Alphabet in fünf Sprachen als Deutsch, Böhmisch, Lateinisch, Französisch und Wellisch (= Italienisch)“, Prag (J. Balzer) und Wien (J. Eder) 1794 [41, S. 51 Nr. 19, m. Abb.], in dem in der Regel einem Buchstaben ein seitengroßer Kupferstich gewidmet ist, bringt z. B. für H nicht weniger als sieben Bilder („Hahn, Handschuh, Haaß, Hack.Messer, Heüschreck, Herz, Herkules“) und macht mittels typographischer Unterscheidungen die sprachgleichen Bezeichnungen erkennbar.

VIII. Fremdsprachige F.

Fremdsprachige F. interessieren nur insoweit, als sie Produkte deutscher Verlage und mit Illustrationen ausgestattet sind, die von Mitarbeitern dieser Drucker (Verleger) entworfen und ausgeführt wurden. In ihrer Mehrzahl sind sie F. für Lateinschüler (und interessieren hier nicht weiter) und französische F. Letztere unterscheiden sich in der Methode der Bebilderung nicht von F. des französischen Sprachgebietes, für die als Beispiel nur auf Abb. 24 verwiesen sei.

Für F. in französischer Sprache wurde früh schon mit dem von Gg. Phil. Platz eingeleiteten und von J. Ch. Weigel mit Kupferstichen ausgestatteten „A-B-C“ („Sehr leicht neuerfundene Art, Die Kinder das Frantzösische A, B, C. buchstabieren und die Orthographie besagter Sprache in kurtzer Zeit zu lehren ...“, Nbg. um 1720: [41] S. 49 Nr. 3) ein kaum wieder erreichter Maßstab für die figurale und kalligraphische Ausstattung gesetzt. Die Buchstabenbilder dieser F. sind auf die Anlaute der französischen Benennungen der Darstellungen abgestellt; so steht für B.b. „un bouc“, auch deshalb, weil der Bock, „criant be, be“, möglich macht, „montrant en même terns (!) la lettre“ (Abb. 16).

Im 2. V. 19. Jh. häufen sich dann die französischen F. deutscher Drucker und Verleger; sie kommen vorab aus Leipzig (1835: Abb. 30; 1845, 1849: [5] S. 101 Nr. 866, S. 36f. Nr. 192 und S. 86 Nr. 739), auch aus Mainz (1840: ebd. S. 13 Nr. 30), Berlin (1843: ebd. S. 189 Nr. 1656) usw. In der Chronologie dieser Drucke wird ein Stück deutscher Geschichte gespiegelt (man vgl. diesbezüglich auch die das Französische betreffenden Inserate in sonst deutschen F., z. B. Sp. 711).

IX. Pseudofibeln

Vom 3. Dr. 18. Jh. an, häufiger dann in den Jahren gegen M. 19. Jh. kamen ABC-Bücher auf den Markt, in denen der Zweck des Lesenlernens zurücktritt oder ganz aufgegeben ist zugunsten der bildlichen Darstellungen; das ABC liefert lediglich noch das Ordnungssystem, und seine Buchstaben geben den Anlaß zu phantasievollen Erfindungen. Derartige Bilderbücher enthalten nur wenig Text: Bildunterschriften oder -Überschriften, bisweilen kurze Reime, die das Dargestellte kommentieren. Dies geschieht gelegentlich auf heitere Weise.

Zu den frühen Beispielen solcher Pseudo-F. gehört ein um 1760 erschienenes „Tier-ABC“ in Form eines Leporello (Verleger und Verlagsort unbekannt; Exemplar Frankfurt a. M., Inst. für Jugendbuchforschg., 75/611). Seine 26 auf Papier gedruckten Tierdarstellungen, deren Stecher ungenannt blieb, wurden koloriert und anschließend auf ein ziehharmonikaartig gefaltetes Leinenband geklebt. Zu jedem Buchstaben des Alphabets ist ein Tier wiedergegeben, dessen Name mit dem betreffenden Buchstaben beginnt und unter dem Kupferstich steht (A: Affe, B: Bison, C: Camel usw.). Zur Gruppe der ABC-Bilderbücher gehört auch das „Große Nürnberger ABC für Kinder“ (Nbg. [Schneider und Weigel] 1803: Frankfurt a. M., Inst. für Jugendbuchforschg., S 5/632). Es enthält 20 ganzseitige sepiafarbene Kupferstiche mit Figuren, die in nicht immer leicht erkennbarer Beziehung zu dem jeweiligen, ihnen einbeschriebenen Buchstaben stehen. Beim G soll offenbar das Gehen dadurch veranschaulicht werden, daß ein Knabe in die Richtung zeigt, in die er geht, woran ihn ein Mädchen zu hindern sucht.

Wie eine Parodie auf die Vielzahl der ABC-Bücher aus dem A. 19. Jh. nimmt sich das „Krähwinkler ABC- und Bilderbuch“ aus, das „aus kurzweil von einer Gesellschaft großer Gelehrter“ konzipiert und als „ein angenehmes und nützliches Fastnacht-Geschenk“ empfohlen wird. Es trägt den fiktiven Druckvermerk „Krähwinkel 1822 bey Flor. Gisb. Lenh. Liebet. Tintenfaß“. Seine Kupferstiche sind mit Zweizeilern (in Schreibschrift!) jener Art textiert, wie man sie auch von denen beiden zuvor genannten Pseudo-F. kennt (etwa: „Der Bettelmann auf Mitleid baut, / Blutegel setzt man auf die Haut.“ oder „Der kleine Floh empfindlich sticht, / Wo Fenster mangeln ist kein Licht“).

Für die bald recht deutliche, bald nur mitschwingende Ironie sorgen bei anderen solcher F. die bildlichen Darstellungen. Eine eigene Gruppe bilden jene mit Lithographien ausgestatteten F., bei deren Buchstabenbildern der betr. Buchstabe – immer ein Großbuchstabe – in die Bildmitte gerückt und umgeben ist von einer fast immer sehr stattlichen Zahl möglichst heterogener Motive. Diese sind zwar stets nach dem Namensanlaut, also „richtig“ ausgewählt, doch in dem Bilde so kombiniert, daß Konstellationen entstehen, denen karikaturistische Züge anhaften. Beispiele sind: ein „Unterhaltendes Bilder-ABC-Buch mit erläuterndem Texte für gute Kinder“, Emmerich (J. L. Romen) o. J. (um 1830): [5] S. 246 Nr. 2147, Abb. S. 145; ein titellos gebliebenes ABC-Buch, das 1836 o. O. (wohl Wien) erschien und Lithographien von J. Gschihay enthält: [57] S. 21 Abb. 19; „Das Alphabet in Bildern, zum Zwecke den Kindern die Buchstaben spielend ins Gedächtnis zu bringen“, Reutlingen 1843, mit Lithographien von Joh. Mich. Voltz (ebd. S. 20 Abb. 18).

Wie man mit Buchtitel und – hier auf Ähnlichkeit der Darstellungen mit der jeweiligen Buchstabenform zielenden – Buchstabenbildern (Lithographien von Joh. Peter Lyser) die F.mode parodieren kann, zeigt: Hans Kindermann (Pseud. für Joh. Carl Aug. Lewald), Ach bitte! bitte! lieber Mann! Sieh nur dies schöne Büchlein an. ... Das schönste von allen ABC’n Für die, die’s Lesen schon verstehn, Für wohlgerath’ne, erwachsene Kinder, Es macht den Kopf und das Herz gesünder. Nach Pestalozzis und Stephanis Methode Und nach Amalien Schoppens, geb. Weise, Mode, mit Bildern und Verslein und Liedern daran, ..., Hbg. (Hoffmann und Campe) 1830: [41] S. 75 Nr. 206, m. Abb. 1835 erschien in Nürnberg bei Renner und Schuster „Das originelle ABC-Allerliebst komisch figürlich dargestellt mit Bilder-Scenen aus der Vergangenheit und Gegenwart. Ein Bilderbuch zur angenehmen Unterhaltung für gute Kinder. Mit 72 fein illuminierten und schwarzen Abbildungen“ [41, S. 49 Nr. 4, m. Abb.]. Daß es sich hier nicht um eine F. im herkömmlichen Sinn handelt, geht aus dem Untertitel hervor und ist auch am Querformat (!) erkennbar. In der Regel sind einem Buchstaben drei Bilder gewidmet. Wie in Figurenalphabeten des ausgehenden MA und der beginnenden Neuzeit (vgl. RDK I 404-411) werden die Buchstaben des Alphabetes durch menschliche Gestalten gebildet, z. B. das A durch einen Maler vor seiner Staffelei, X und Y durch Harlekin und Pierrot [41, S. 49 Nr. 4, m. Abb.]. Unter den Figurenbuchstaben sind zwei Bilder zu sehen, deren Bildinhalt zu dem jeweiligen Buchstaben in Beziehung steht, so beim A die hoch aufragenden Ruinen einer „Abtei“ und ein einem Bettler am Wegesrand ein „Almosen“ in den Hut werfendes kleines Mädchen, das von der Mutter zu seinem Tun ermuntert wird (dazu die Beischrift „,Lieb Mutter’, spricht Röschen, ‚laß mich diesem Armen / ein Almosen bringen, aus wahrem Erbarmen!‘ / Ja, Tochter, die Bitte sey gern dir gewähret, / Denn pflicht ist’s dem helfen, der vieles entbehret!‘“ – Beleg für die Unebenbürtigkeit der Verse gegenüber den vorzüglichen Bildern). – R. Reinicks ABC-Buch (s. Sp. 671) wendet sich an „große und kleine Kinder“; seine biedermeierlichen Holzschnitte sind zwar nach dem Alphabet geordnet, haben aber mit bildlichen Leselernhilfen nichts zu tun. Auch in technischer Hinsicht – bei den Bildern handelt es sich um ambitionierte „Künstler-Holzschnitte“, die selbstverständlich unkoloriert blieben – wird hier ein für F. ungewöhnlicher Maßstab gesetzt. Dem gleichen Benutzerkreis sind später Franz Gf. Poccis „Bauern-ABC“, das „A-B-C-Buch“ der „Münchner Bilderbücher“ [41, S. 54 Nr. 43.28, m. Abb.] und dasjenige Wilhelm Buschs zugedacht.

Zu den Abbildungen

1. München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 29952 (1, Fragment einer „Tabula“. 15. Jh. Foto Bibl.

2. Kristofferus Hueber (?), „Modus legendi“, Anfangsseite mit schematischer Zeichnung. Papier, rote Tinte. München, Bayer. St.bibl., cod. germ. 216, fol. 2r. 1477. Foto Bibl.

3. Bernhard Hirschvelder, Ars memorativa mit Bildern zu Buchstabenkombinationen. München, Bayer. St.bibl., cod. lat. 4413, fol 154v. Um 1470/1475. Nach L. Volkmann a. a. O. (Sp. 685) Abb. 154.

4. Hannover, Kestner-Mus., Ink. 128 (Sammelband), Bl. 9v und 10r. Augsburg, um 1486/1493. Foto Mus.

5. „Tabulae“, Oppenheim um 1515, Bl. ajr mit Aabc, Pater noster und Ave Maria. Nach H. Härtwig a. a. O. (Sp. 688) Abb. 1.

6. Abecedarium, Paris o. J. (um 1520), Bl. 1r mit Aabc, Pater noster, Ave Maria und Benedicite. Rot- und Schwarzdruck. Nach [15] Abb. 51.

7. Erlangen, Univ.bibl., Hs. B 200 (alt 1463), fol. 126r, Bilder zu Buchstabenverbindungen. Passau, 1524. Foto Bibl.

8. Valentin Ickelsamer, Die rechte weis..., Erfurt 1527, Titelblatt. Nach [45] Abb. S. 70.

9. Jacob Grueßbeutel, Ein besonder fast nützlich stymmen büchlein ..., Nbg. 1531, Bl. Ajjr, Holzschnitte mit Buchstabenbildern. Nach [31] Abb. S. 40.

10. V. Ickelsamer, Die rechte weis ..., Marburg 1534, Vaterunser und Darstellung des Gebets Christi am Ölberg. Eisenradierung (?). Nach Faks. [32 a].

11. „Handtbuechleyn der Kynder ...“, Köln um 1534, Titelseite. Nach [45] S. 191 Abb. 12.

12. Johs. Buno, Neues ... ABC-Büchlein ..., Danzig 1650, Buchstabenbilder. Nach Heinr. Fechner, Grundriß der Gesch. der wichtigsten Leselehrarten..., Bln. 21900, Taf 3.

13. Joh. Amos Comenius, Orbis sensualium pictus ..., Nbg. 1658, S. 4f., Abc-Tafel. Nach dem Ndr. a. a. O. (Sp. 694).

14. ABC-Buch, Köln 1667, Titelblatt, Holzschnitt mit Hahn und Druckermarke. Nach [44] Abb. 2.

15. Joh. Jac. Frörnteich, Neu-Allgemein-Christl. Lernbüchlein., Nbg. 1681, 6. Kupferstich. Nach dem Original.

16. Sehr leicht neuerfundene Art, die Kinder das frantzösische A,B,C ... zu lehren ..., Nbg. um 1720, Buchstabenbild zum B. Kupferstich. Nach [41] Nr. 3.

17. Aabc-Buch, Hbg. o. J. (um 1735), S. 1 und 16. Schwarz- und Rotdruck. Nach [15] Abb. 55.

18. Joh. Friedr. Fritz, Neu eröffnetes in Hundert Sprachen bestehendes A.b.c.Buch ..., Lpz. 1743, Titelseite. Foto Württ. L.bibl., Stg.

19. Churbaierisches neueingerichtetes Namen- und Buchstabierbuechlein ..., Mchn. 1771, Titelblatt. Foto Bayer. St.bibl., Mchn.

20. Neues ABC-Büchlein ..., Nbg. (J. Ch. Weigel) o. J. (um 1775/1780), Titelblatt mit Kupferstich. Foto Inst. für Jugendbuchforschg., Ffm.

21. Chrn. Felix Weiße, Neues A, B, C, Buch ... für Kinder, Lpz. 1773, Titelblatt mit Kupferstich. Nach [41] Nr. 353, erste Abb.

22. Ders., Ausg. Lpz. 1775, Buchstabenbilder zu K, L, M. Nach [41] Nr. 353, zweite Abb.

23 a und b. Ders., Ausg. Lpz. 1777, Buchstabenbilder zu A, B, C (a) und K, L, M. Foto Württ. L.bibl., Stg.

24. Le Guide Assuré de l’Enfance, Le Locle Kt. Neuchâtel (Girardet) o. J. (um 1789), Buchstabenbilder zu M und N. Kupferstich. Nach [15] Nr. 69.

25. Neues A-B-C-Büchel ..., Prag und Wien o. J. (vor 1790), Buchstabenbild zum E. Kupferstich. Nach [41] Nr. 12.

26. Gottlob Junge (Entw.) und W. Arndt (Stecher), Buchstabenbild zum f in: Joach. Heinr. Campe,. Neues Abeze- und Lesebuch ..., Braunschweig 1806: Der Fuchs und das Fledermäuschen. Kolorierter Kupferstich. Nach Dietrich Laube (Hg.), J. H.

C., Bilderabeze, Ffm. 1975 (Insel Taschenbuch, Nr. 135), S. 21.

27. Joh. Ferd. Schlez, Bilder-F.: zur Beförderung der Lautiermethode durch eine neue Anwendung derselben besser zu erreichen; nebst einem Lesebuche, Darmstadt (Heyer) 1810, Taf. I. Kupferstich. Foto Württ. L.bibl., Stg.

28. Neues A-B-C-Buch ... in sechs Sprachen ..., Prag o. J. (um 1820), Buchstabenbild zum S. Nach [41] Nr. 11.

29. Joh. Gg. Amadeus Ziehnert, Kleines ABC- und Lesebuch ..., Pirna 1829, Titelkupfer. Foto Inst. für Jugendbuchforschg., Ffm.

30. J. F. Turcaty (Zeichner) und M. Thoenert (Stecher), Ill. in: Eugène Haag, Abécédaire français ..., Paris und Lpz. 1835, Taf. neben S. 23. Nach [5] Abb. S. 102.

31. Aabcdef, Frankfurt a. d. O. und Bln. o. J. (um 1830), Buchstabenbild zum A. Foto Inst. für Jugendbuchforschg., Ffm.

32. Fr. Ed. Sandtner, neues ABC-Buch in 70 Bildern ..., Prag 1844, Taf. neben S. 1. Kolorierte Lithographie, 15 × 9 cm. Nach [5] Abb. S. 213 links.

Literatur

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