Ätzung

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englisch: Etching; französisch: Eau-forte; italienisch: Incisione.


Alice Bethe-Kränzner (1937)

RDK I, 1223–1226


RDK I, 1223, Abb. 1. Süddeutsch, 2. H. 16. Jh. Leipzig.
RDK I, 1225, Abb. 2. Caspar Widman, Nürnberg, 2. H. 16. Jh. Leipzig.
RDK I, 1225, Abb. 3. Andreas Plieninger, Regensburg Anf. 17. Jh. Berlin.

Verfahren, Metall und Stein, seltener Glas und Elfenbein, sowie Muscheln auf chemischem Wege zu verzieren. Die Ä. geschieht durch Wegbeizen eines Teiles der Oberfläche mittels einer Säure (Ätzwasser), während die übrige Fläche durch eine Schicht aus Wachs, Paraffin, Harz oder Asphalt (Ätzgrund) vor dem Angriff der Säure geschützt bleibt. Je nachdem man die Zeichnung nach Art der Radierung mit einer Nadel in den Ätzgrund eingraviert und der Säure aussetzt oder sie als Relief stehen läßt und die umliegende, ungedeckte Fläche ätzt, spricht man von Tief- oder Hoch-Ä. Beide Arten treten häufig kombiniert auf.

Die Ä. ist eine Erfindung des Augsburger Radierers Daniel Hopfer (1470-1536) der sie Anf. 16. Jh. zur Verzierung eiserner Rüstungen verwandte (Hauptwerk: Prunkharnisch Herzog Friedrichs II. von Liegnitz, um 1512, Berlin, Zeughaus). Bei dem Eisen spielt die Ä. dann lange eine bedeutende Rolle (Abb. 1). Bis zum E. 16. Jh. werden Rüstungen mit Ätzmalerei versehen; die Vertiefungen werden dabei häufig mit Gold oder Schwarzlot gefüllt, so daß die Wirkung der Tauschierung ähnelt. Im 16. und 17. Jh. werden Kassetten, Möbelbeschläge, Schlösser, Gewehrläufe und Werkzeuge aller Art (Scheren, Schraubstöcke, Hammer, Zangen, Meißel) und im 18. Jh. Spontons, Helmbarten und Degenklingen mit Ä. verziert. Auch Goldschmiedearbeiten (Abb. 2) werden im 16. und 17. Jh. geätzt, sowie Bronze, Messing und Kupfer: Taufbecken, Altargerät und wissenschaftliche Instrumente (Astrolabien, Meßstäbe, Zirkel, astronomisch-geographische Taschenbestecke). Das Zinn – wegen seiner Weichheit für Ä. ungeeignet – weist nur wenige Beispiele (Wappenteller) auf; wichtig jedoch ist die Ä. von Formen aus Messing, Kupfer oder Stein, aus denen Zinngerät gegossen wird (Hauptmeister des Zinngußes aus „verlorener Form“: Nicolas Horchaimer, von 1561-83, und Albrecht Preißensin, von 1564-98 in Nürnberg tätig). In der 2. H. 16. Jh. und im 17. Jh. dient die Ä. vielfach zur Verzierung von Solnhofener Stein (Kalender-, Ahnen- und Spruchtafeln, Sonnenuhren; Gedenk-, Grab- und Tischplatten; Abb. 3). Als besonders schöne Beispiele nennen wir den aus geätzten Stein- und Metallplatten zusammengesetzten Altar aus Hojbjerg (1546) im Nat.-Mus. Kopenhagen, eine Urkunde Herzog Ulrichs aus Wismar (1578) in Schwerin (Inv. Meckl.-Schwerin II S. 20), Tischplatten in Vornbach (1575; Inv. Bayern IV, 4 Fig. 227f.) und Amberg (1591; Inv. Bayern II 16 S. 176ff.). – Versuche zur Glas-Ä. werden schon um 1670 in Nürnberg von Heinrich Schwanhardt gemacht (Glasplatte, datiert 1686, Nürnberg, Germ. Mus.), aber erst E. 18. Jh. gelangt sie – hauptsächlich in Böhmen – zu einiger Bedeutung auf sog. „gestrichenen“, d. h. mit einer hauchdünnen Farbschicht überzogenen, Gläsern. Schließlich werden vereinzelt Elfenbein und Muscheln geätzt (Spielmarken für das Kartenspiel „Reversino“, Paris, M. 18. Jh., Hamburg, Mus. f. K. u. Gew.; Muschel, dat. 1569, ebd.).

Die Motive sind auf sämtlichen Materialien sowohl figürlicher wie ornamentaler Art (Jagd- und Trachtenbilder, mythologische und biblische Szenen; Mauresken, Laub- und Rollwerk). Als Vorbilder werden oft Stiche benutzt. Hauptgebiet der Ätzkunst ist Süddeutschland.

Zu den Abbildungen

1. Leipzig, K.gew.-Mus., Eisenkassette mit Planetendarstellungen. Süddeutsch, 2. H. 16. Jh. Phot. Mus.

2. Leipzig, K.gew.-Mus., Becher mit Mauresken von Caspar Widman, Nürnberg, 2. H. 16. Jh. Silber vergoldet. Phot. Mus.

3. Berlin, Deutsches Mus., Ahnentafel mit St. Michael (Ausschnitt) von Andreas Plieninger. Solnhofener Stein, Regensburg Anf. 17. Jh. Phot. Mus.

Literatur

1. Just. Brinckmann, Das Hamburg. Mus. f. K. u. Gew., Hamburg 1894. 2. Paul Post, Das Zeughaus, Berlin 1929. 3. Ders., Ein Frührenaissanceharnisch von Konrad Seusenhofer mit Ätzungen von Daniel Hopfer im Berliner Zeughaus, Jb. d. preuß. K.slg. 49, 1928. 4. Rob. Schmidt, Das Glas, Berlin 19222. 5. Ders., Die Gläser der Slg. Mühsam, Berlin 1914. – 6. Karl Berling, Altes Zinn, Berlin 19202. 7. Erwin Hintze, Die deutschen Zinngießer und ihre Marken, Bd. I–VII, Leipzig 1921–31. 8. A. Schmelzer, Geätzte Regensburger Steinplatten, Beitr. z. gesch. Ortskunde Regensburgs I, 1931. 9. Georg Buchner, Das Ätzen, Berlin 19354.

Verweise