Äskulap

Aus RDK Labor
Wechseln zu: Navigation, Suche

englisch: Aesculapius, asclepius; französisch: Esculape; italienisch: Esculapio.


Johannes Bolten (1936)

RDK I, 1139–1141


RDK I, 1139, Abb. 1. Miniatur aus einer Albericus Hs., um 1420, Rom.
RDK I, 1141, Abb. 2. Titelblatt der Pharmacopoea Wirtenbergica, Stuttgart, 1786.

Äskulap (lat. Aesculapius, griech. Asklepios) ist der homerischen Welt als thessalischer Heilheros bekannt [5]. Vom 5. Jh. v. Chr. ab wurde er allgemein als Gott anerkannt und erhielt in Athen am Südabhang der Burg sein Heiligtum. Nach der Überlieferung von Lakereia in Thessalien und Epidauros ist Ä. der Sohn des Apollo und der Koronis. Apollo übergibt sein Kind dem Kentauren Chiron zur Pflege. Dieser unterweist den Knaben in der Jagd – Ä. wird auch unter den Helden der kalydonischen Jagd genannt – und vor allem in der Heilkunst, die er später so beherrscht, daß er selbst Tote wieder zum Leben erweckt. Das fordert den Zorn des Pluto heraus. Auf dessen Klage beim Zeus wird Ä. vom Donnerer mit dem Blitzstrahl getötet. Dem Ä. schrieb man die Erfindung der Medizin zu, und er war von jeher der Patron der Ärzte. Sein berühmtester Kultort war Epidauros. Nach Rom wurde der Kult des Ä. im Jahre 291 v. Chr. zur Abwehr einer Pest eingeführt.

Die gebräuchlichsten Attribute, welche man den Darstellungen des Ä. – oft im Verein mit seiner Tochter Hygieia – gab, waren die Schlange und der Stab, vom 2. Jh. v. Chr. an der Schlangenstab (Ä. etymologisch von ἀσϰάλαβος = Schlange). Ä. stellt man in der Antike (Statue von Epidaurus, Athen, Nat.-Mus.; Metope von Epidaurus, ebd.; Statue in Berlin, Staatl. Mus.; Kopf des Ä. von Melos in London, Brit. Mus.; ein anderer in Rom, Thermen-Mus.) gewöhnlich dar als bärtigen Mann mit gütigem Gesichtsausdruck (vgl. die Beschreibung des Pausanias, 10, 32 vom Standbild des Ä. im phokischen Asklepieion), um ihn als helfenden und heilenden Gott zu charakterisieren. Er galt als der typische Heiland der antiken Welt. Mehrere römische Kaiser brachten auf Medaillons ihr Bild mit dem des Ä. in Verbindung: Hadrian mit dem bärtigen Ä.; Marc Aurel mit dem jugendlichen Ä.; Antoninus Pius mit der Darstellung der Ankunft der Ä.-Schlange in Rom [6 S. 92 Nr. 62 u. 63, S. 93 Nr. 70].

Die Darstellungen der Antike sind vorbildlich geblieben für die mittelalterliche und nachmittelalterliche Kunst.

Szenen aus dem Leben des Ä. bringen vielfach die Ovid-Handschriften und -Drucke [7 u. 8]; z. B. die Verwandlung der Koronis in eine Krähe [8 Taf. 7]; Ocyron, die Tochter des Kentauren Chiron, sagt dem Vater, der den nackten Ä.-Knaben auf dem rechten Arm hält, die Schicksale des Ä. voraus [8 Taf. 8]. Auf einer Majolikaschale in Gubbio von 1534 ist die Geburt des Ä. dargestellt; Abb. [9 S. 15]. Hendrik Goltzius behandelt in Stichen: Apollo übergibt den Ä. dem Chiron zur Erziehung, B. 14; Apollo tötet Koronis, B. 15; J. H. Lips († 1817) zeigt Ä. bei einem Weisen. Häufiger als in mythologischen Zusammenhängen ist Ä. allein, als Heilgott und Arzt, dargestellt worden. Die Göttergenealogien des Mittelalters schildern und zeigen uns Ä. als den Erfinder und Patron der Medizin, z. B. die Enzyklopädie des Hrabanus Maurus, im 15. Buche 6. Kapitel: De Diis gentium; der Libellus de deorum imaginibus des Albericus vom Anfang des 13. Jh.; die Genealogiae deorum gentilium des Boccaccio. In zahlreichen Schriften und Büchern sehen wir Ä. als Arzt oder Arztgott. Für die Darstellung des Ä. als Arzt war das mittelalterliche Arztbild maßgebend. So zeigt uns eine Pergamenthandschrift der herzoglichen Bibliothek zu Gotha (Cod. membr. 1, Nr. 119, Christine de Pisan, Epître d’Othea à Hector, um 1400: vgl. Carl Meyer, Der griechische Mythus in den Kunstwerken des Mittelalters, Rep. f. Kw. 12, 1889, S. 167) den Ä. in der Gelehrtentracht des 14. Jh., in der Hand ein Uringlas haltend.

Als Arzt- und Heilgott, als Repräsentant der Medizin überhaupt, wurde Ä. auf Darstellungen häufig von den Requisiten des Arzt- und Apothekerberufes umgeben, oft sogar wurde er sitzend oder stehend in einer Apotheke dargestellt, z. B. in einer Hs. des schon angeführten Libellus, um 1420 (Abb. 1) und auf einem süddeutschen Gemälde um 1670 im Belitz des Apothekers Dörr in Stuttgart. Die mittelalterliche Sitte, medizinische Bücher mit einem Bilde des Ä. zu schmücken, hat sich bis heute erhalten. Beispiele: Titelholzschnitt zu L. Phries, Spiegel der Arzney, Straßburg, Balthasar Beck, 1529, (vgl. Hermann Peters, Der Arzt, Jena 19242, Abb. 99 auf S. 88); die Titelblätter zu den verschiedenen Galen-Ausgaben von 1541 in Venedig und Basel (Abb. A. F. Butsch, Die Buchornamentik der Renaissance 2, 1881, Taf. 103; die seltene Darstellung zeigt Ä. mit einem langen Bart, bekleidet mit einem langen Gewande und einem mitraähnlichen Hut in der Luft schwebend über einem am Boden liegenden Kranken, eine Illustrierung der antiken Auffassung, nach der Ä. dem Kranken im Schlaf erscheint und ihn heilt); die Radierungen von J. W. Meil (1733 bis 1805) zu Möhsen, Commentatio prima de medicis equestri dignitate ornatis, vgl. [6 S. 61ff.]; Titelblatt der Pharmacopoea Wirtenbergica, Stuttgart 1786 (Abb. 2).

Von den plastischen Darstellungen des Ä. seien genannt die Statue des Joh. Seb. Barn. Pfaff in Wilhelmsbad als Bekrönung des Brunnentempels (vor 1779; Karl Bischoff, Johann Sebastian Barnabas Pfaff, Diss. Frankfurt 1927, Abb. 5) und das Relief am Portal der Kaiser-Wilhelms-Akademie zu Berlin, der früheren Pepinière [9 Fig. 421].

Zu den Abbildungen

1. Rom, Vat. Bibl., Cod. reg. lat. 1290, fol. 5 v, um 1420. Phot. Bibl. Warburg, London.

2. Stuttgart, Landesbibl., Pharmacopoea Wirtenbergica, Stutgardiae 1786, Titelblatt. Phot. Landesbildstelle Württemberg, Stuttgart.

Literatur

1. Roscher I, Sp. 615ff. 2. Pauly-Wissowa II, Sp. 1642ff. 3. Ludwig Preller, Griechische Mythologie, 4. Aufl. bearb. von Carl Robert, Bd. 1, Berlin 1894. 4. E. W. Bredt, Der Götter Verwandlungen I, München o. J., S. 55. 5. Sam Wide, Griechische Religion, in: Einleitung in die Altertumswiss., hrsg. von Alfred Gercke und Eduard Norden, 2. Bd., 3. Aufl., Leipzig u. Berlin 1922, S. 215ff., 226, 247 u. 304. 6. Eugen Holländer, Katalog zur Ausstellung der Geschichte der Medizin in Kunst und Kunsthandwerk, Stuttgart 1906. 7. M. D. Henkel, Illustrierte Ausgaben von Ovids Metamorphosen im 15., 16. und 17. Jh.: Vorträge der Bibl. Warburg 6, 1926-27, Leipzig 1930, S. 58ff. 8. Ovids Verwandlungen; in Kupfern und mit den nöthigen Erläuterungen, Wien bei Philipp Jos. Schalbacher, um 1815. 9. Eugen Holländer, Plastik und Medizin, Stuttgart 1912. 10. Ders., Äskulap und Venus, Berlin 1928. 11. Hans Liebeschütz, Fulgentius Metaforalis, Stud. d. Bibl. Warburg 4, Leipzig 1926.

Verweise