Fakultäten, die vier

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englisch: Faculties, The four; französisch: Facultés, Les quatre; italienisch: Facoltà, Le quattro.


Karl-August Wirth (Abschnitt III. A) und Ute Götz (1973)

RDK VI, 1183–1219


RDK IV, 379, Abb. 5. Ingolstadt, 1759.
RDK VI, 1183, Abb. 1 a. Andrea da Firenze, 1365ff., Florenz.
RDK VI, 1185, Abb. 1 b. Andrea da Firenze, 1365ff., Florenz.
RDK VI, 1187, Abb. 2 a und b. Wien, 2. Dr. 15. Jh.
RDK VI, 1189, Abb. 3. Wien, zw. 1384 und 1406.
RDK VI, 1191, Abb. 4. Heidelberg, 1454.
RDK VI, 1193, Abb. 5. Basel, 1460 (?).
RDK VI, 1195, Abb. 6. München, 1527.
RDK VI, 1197, Abb. 7. Ludwig Ringler, 1560, Basel.
RDK VI, 1197, Abb. 8. Marburg a. d. L., 1653.
RDK VI, 1199, Abb. 9 a-d. Cains Gabriel Cibber, 1680-81, Cambridge, England.
RDK VI, 1201, Abb. 10. Joh. Bernh. Fischer von Erlach (Entw.), 1711.
RDK VI, 1203, Abb. 11. Daniel Gran, 1726-30, Wien.
RDK VI, 1205, Abb. 12. Franz Thaddäus Lang, 1736-37, Freiburg i. Br.
RDK VI, 1207, Abb. 13. Paul Troger, 1742, Altenburg, N.Ö.
RDK VI, 1209, Abb. 14. Gregorio Guglielmi und Domenico Francia, 1755, ehem. Wien.
RDK VI, 1209, Abb. 15. Joh. Anwander, 1762, Dillingen.
RDK VI, 1211, Abb. 16. Joh. Anwander, 1762, Dillingen.
RDK VI, 1211, Abb. 17 a. Joh. Ant. Breitenauer oder Joh. Mich. Fischer zugeschr., um 1763, Ingolstadt.
RDK VI, 1213, Abb. 17 b. Joh. Ant. Breitenauer oder Joh. Mich. Fischer zugeschr., um 1763, Ingolstadt.
RDK VI, 1213, Abb. 18. Franz Mayer, 1773, Wien.
RDK VI, 1215, Abb. 19. Franz Sigrist, 1781, Eger (Erlau).
RDK VI, 1217, Abb. 20. Ernst Jul. Hähnel, 1848, Prag.

I. Definition, Allgemeines

Als F., von lat. facultas ursprünglich = „Fähigkeit“, „Fertigkeit“, seit der Spätantike auch „Fach(disziplin)“, bezeichnet man eine Körperschaft der Universität, der die Gesamtheit der Lehrer einer der vier Hauptwissenschaften angehört, und ebenso jede dieser Hauptwissenschaften selbst.

Die F. bildeten sich im Laufe des 12. und 13. Jh. an den zu einer „universitas“ zusammengeschlossenen Pariser Schulen (Gains Post, Parisian Masters as a Corporation, 1200–1246, Speculum 9, 1934, 421–45). Die Gliederung der Pariser Universität, zwischen 1249 und 1270 entstanden, wurde von vielen Universitäten, besonders von deutschen, übernommen; sie blieb die Regel bis ins 19. Jh. (Heinrich Denifle O. P. und Aemilius Chatelain, Chartularium universitatis Parisiensis, Bd. 1, Paris 1889; Hastings Rashdall, The Univ. of Europe in the Middle Ages, 2. Aufl. mit Zusätzen von Frederick Maurice Powicke und Alfred Brotherston Emden, Oxford 1936, 3 Bde.).

Von den vier F. steht die theologische an höchster Stelle; sie rechnet zusammen mit der juristischen und der medizinischen F. zu den höheren oder oberen F. Die philosophische F. (Artisten-F.) wird als untere oder propädeutische F. bezeichnet. Die Rangfolge Theologie – Jurisprudenz – Medizin – Philosophie ist in Universitätsprotokollen festgelegt; sie kehrt in bildlichen Darstellungen wieder, bei deren Beschreibung hier stets diese Reihenfolge zugrunde gelegt ist.

Die Bezeichnungen der F. in Gründungsakten, Siegellegenden und Bildbeischriften können den Stoffbereich einer F. umschreiben, z. B.: facultas sacra (Theologie); decreta et leges, ius canonicum et civile (Jurisprudenz); physica, chirurgica ars (Medizin); artes et scientiae naturales, morales et liberales, facultas inclyta (Philosophie). Die Reihe profundissima facultas – consultissima f. – saluberrima f. – experientissima f. kommt als Bildbeischrift im 18. Jh. vor.

II. Fakultätsinsignien

Der zunftmäßigen Organisation der alten Universitäten entsprechend haben die F. das Recht, Siegel und Zepter zu führen, die sie bei ihrer Konstituierung in Auftrag gaben. Ihre Bildmotive wurden in späteren Darstellungen der vier F. aufgegriffen.

A. Siegel

Eine F. kann mehrere Siegel führen (die Abgrenzung zwischen F.- und Dekanatssiegeln ist noch ungeklärt, vgl. zuletzt Lukas Wüthrich, Die Insignien der Univ. Basel [= Stud. zur Gesch. der Wiss. in Basel ..., Bd. 8], Basel 1959, S. 36f., und Gisela Richter, Die Insignien der Univ. Tübingen, Tübingen 1964, S. 62). Diese zeigen unterschiedliche Motive, die, einmal gewählt, vielfach beibehalten worden sind.

Am häufigsten wurden Heilige – als F.-Patrone oder als Vertreter des Faches – dargestellt, auf Siegeln theologischer F. öfters Christusthemen, auch die Dreifaltigkeit (dazu Jos. Weiß, Von den akademischen Hoheitszeichen und ihren Trägern, in „Das Akademische Deutschland“, Bd. 1: Die dt. Hochschulen in ihrer Gesch., Bln. 1930, S. 717–20). Die Abbildung von Heiligen überwiegt bei den F.-Siegeln der im 14. und 15. Jh. entstandenen Universitäten. Wurde der alte Patron durch einen neuen ersetzt oder – vor allem bei Übernahme von Universitäten oder einzelner F. durch die Jesuiten – ein Zweitpatron gewählt, so konnte sich das Siegelbild ändern. Auf Siegeln im 16. und 17. Jh. entstandener Universitäten mehren sich die Abbildungen antiker Repräsentanten, mythologische Darstellungen, Personifikationen, Wiedergabe von Attributen u. ä. Die Wahl der Siegelbilder ist von der konfessionellen Zugehörigkeit der jeweiligen Universität mitbestimmt; auf den F.-Siegeln prot. Universitäten z. B. gibt es selten hll. Patrone. Die Verbindung zwischen Siegelbildern und sonstigen Darstellungen der vier F. ist bei den hll. Patronen am engsten. Personifikationen, außerhalb der Siegelbilder häufig, kommen auf F.-Siegeln nur gelegentlich vor, an keiner Universität in den Siegeln aller F. (meist bildet das Siegelbild der theologischen F. die Ausnahme).

Die im folgenden genannten Beispiele beschränken sich auf solche mit Darstellungen, die für die Wiedergabe der F. als Vierergruppe von Interesse sind; es wird, soweit nicht anders vermerkt, jeweils das Datum des frühesten bisher bekannten Siegelabdruckes angegeben.

In Freiburg i. Br. sind auf den Siegeln der F. die Patrone Paulus (1514) – Ivo (1686 angefertigt) – Lukas (Siegelstab 1524 dat.) – Katharina (Auftrag 1462) dargestellt [3, S. 15–31, Abb. 7–14, 16]; auf den Siegeln der philosophischen F. von 1650 und 1686 tritt der neue Patron, Franz Xaver, neben Katharina (ebd. S. 24ff.). Auf den Siegelstöcken datiert sind die Wittenberger F.-Siegel mit den hll. Augustinus (1503) – Ivo (zwei Siegel von 1502) – Kosmas und Damian (1502) – Katharina (1502: [1] S. 21; [2] Taf. 32f.).

Patrone u. a.: Wien: Christushaupt (1396 beschafft) – Justitia (2. H. 15. Jh.) – Symboltier des Evangelisten Lukas (1404) – Kollegszene (entstanden 1387–88), Katharina (Auftrag 1391: [8] S. 31–39, Abb. 9, 14f., 19); Köln: Muttergottes und Moses mit den Gesetzestafeln – Vorlesung, daneben Wappen von Kaiser und Papst – hl. Pantaleon (?) – Philosophie, nach Boethius (alle Stempel 1393 in Auftrag gegeben, frühester Abdruck des Siegels mit dem hl. Pantaleon [?] 1425: [4] S. 44–81); Basel, alle stilistisch ins 15. Jh. datiert: Ekklesia und Synagoge – Kaiser und Papst – Symboltier des Evangelisten Lukas – Katharina im Disput mit drei Philosophen (Abb. 5; L. Wüthrich a.a.O. [Sp. 1184f.], S. 34f., Taf. 3ff.); Ingolstadt: thronender Christus, der einen Kelch segnet – Wappen von Kaiser und Papst neben Maria, der Patronin der Universität (Stempel von 1511) – Kosmas und Damian neben Maria (Stempel von 1649) – Katharina ([1] S. 12; [2] Taf. 16, S. 21).

Antike Thematik: Marburg a. d. Lahn, alle Stempel 1653 datiert: (Erschaffung Adams) – (Justitia; gleiches Thema oder Themis [?] auf einem älteren Siegel des 16. Jh.) – Hippokrates und Hermes am Brunnen der Hygieia (Abb. 8) – (Prudentia: [1] S. 14; [2] Taf. 24); Gießen, gegr. 1605/10: (Taufe Christi, Stempel von 1607) – (thronender Kaiser [Rudolph II. ?]) – (Drache mit Stundenglas und Fruchtzweig) – die kastalische Quelle als „fons sapientiae“ (Stempel von 1607: [2] Taf. 9); Straßburg: (Christus als Auferstandener, Stempel von 1620) – (Justitia, Stempel dat. 1621) – (Occasio, durch Goldschmiedezeichen dat. 1624) – Minerva (Stempel von 1621: [5] Nr. 164, 168, 170f., Taf. 19f.); Rinteln, 1610 bzw. 1620 in Stadthagen gegr.: (Christus als Weltenrichter) – (Justitia) – Asklepios – (unbenannte weibl. Personifikation: [2] Taf. 27); Bonn, alle Siegel wahrscheinlich 1786 entstanden: (Petrus [kath. theol. F.] und Johannes Ev. [evangel. theol. F.]) – Platon – Hippokrates – Aristoteles [2, Taf. 3]; vgl. auch die unten genannten Siegel der Berliner Universität mit Hygieia und Minerva.

Neben den bereits genannten Personifikationen Ekklesia und Synagoge (Theologie), Justitia, Occasio (Medizin) und Prudentia (Philosophie) seien genannt: Berlin, gegr. 1809: Fides – Justitia – (Hygieia) – (Minerva), vgl. [2], Taf. 2; Herborn, gegr. 1584: (Löwe, der Buch mit Inschriften hält: „Judicem meum age, Jehova. Psalm XVI“ und „Ne concede, quae cupit malus. Psalm CXL“) – (Löwe mit Inschrift „Ivs est ars aeqvi et boni“) – Ratio und Experientia – (Gefäße und Blumengewinde mit Umschrift „Ex metergemino svrrexit pondere moles“), vgl. [2], Taf. 15, S. 19.

Attribute: Salzburg, 1620 zur Universität erhoben: Buch mit Auge Gottes – Buch mit Waage – (keine medizinische F.) – Buch mit Erdkugel ([1] S. 19; [2] S. 46); Kiel, alle Siegel 1665 dat.: Bibel, Kreuz und Dornenkrone – Waage mit Krone, Zepter und Schwert – Caduceus, verbunden mit einem Rosenstrauß – Hand mit Kette, an der ein Medaillonbildnis der Minerva hängt (Arthur Haseloff, Die Hoheitszeichen der Univ. Kiel, Kieler Bll. 1942, 218ff., bes. S. 225f., Abb. 6, 12f., 25–32).

B. Zepter

Zahlreiche F.-Zepter sind erhalten, seltener jedoch solche von allen F. einer Universität. Als frühe bezeugte Beispiele aus dem deutschen Sprachgebiet seien die Wiener F.-Zepter genannt, die 1382 erwähnt sind [9, S. 257]. F.-Zepter waren in der Regel Besitz der betreffenden F., gelegentlich wurden sie jedoch auch von der Universität beansprucht (so in Rostock, 1712: [9] S. 215f.). Eine F. konnte auch mehr als ein Zepter besitzen, wie die philosophische F. in Rostock, um 1419 [9, S. 216f., Abb. 352], und die theologische in Erfurt, 1688–89 (jetzt Münster i. W.: [9] S. 64f., vgl. auch S. 62). Nicht immer besaßen alle F. ein Zepter. In Ingolstadt etwa hatten die drei oberen F. gemeinsam ein Zepter mit Bildern der Muttergottes, der Universitätspatronin, und den Patronen dieser drei F. (heute München, Univ., Inv.Nr. 12, um 1600 und 1642: [9] S. 106ff., Abb. 179f.). Für Wien ist noch zum Jahr 1422 das Entleihen von Zeptern anderer F. bezeugt ([9] S. 258f.: nach abgelehntem Antrag der medizinischen F. um ein eigenes Zepter [1430] wurde erst 1446 ein F.-eigenes Zepter beschafft). Auch vom Rektor konnten F.-Zepter benutzt werden [6, S. 15]. Zur sonstigen Verwendung von Zeptern s. [6], S. 9–17, als Beispiel auch die Darstellung einer Rektoratsübergabe in Wien (Emil Reicke, Der Gelehrte in der dt. Vergangenheit [= Die dt. Stände in Einzeldarstellungen], Jena 19242, S. 102 Abb. 88).

F.-Zepter können heraldischen Schmuck tragen, ebenso auch Inschriften, die sich auf die Bestimmung des Zepters, seine Stiftung, Herstellung, Renovierung usw. beziehen. Hier soll nur der Bildschmuck berücksichtigt werden, der den jeweiligen Fachbereich näher kennzeichnet. Die Ikonographie dieses Bildschmucks gleicht vielfach derjenigen der F.-Siegel.

Zepter der theologischen F. zeigen Johannes Ev., den F.-Patron, und die vier Evangelistensymbole (Wien, 1601, Augsburger Beschau: [9] S. 260f., Abb. 410, 415) oder einen Adler, der zur Sonne auffliegt (ehem. Prag, um 1654: [9] S. 208, Abb. 325f.). Die beiden Zepter der Erfurter theologischen F., durch Inschriften datiert 1688/89 und 1688, aber wohl nach ma. Vorlage angefertigt [6, S. 8 5], bekrönt ein Kreuz; auf diesem sind jeweils vorn das Christusmonogramm und das Herz Jesu mit drei Nägeln, auf der Rückseite eines Exemplars das bekrönte Marienmonogramm und das Herz Mariä eingraviert [9, S. 64f., Abb. 119].

Zepter der juristischen F. sind mit dem Bild der Justitia bekrönt (Wien, dat. 1615: [9] S. 262f., Abb. 410), in Padua ungewöhnlicherweise mit dem der hl. Katharina (ursprüngliches Zepter, wohl aus der M. 16. Jh., nicht erhalten, jedoch bezeugt durch einen Kupferstich von 1654, danach 1922 neues Zepter kopiert: [9] S. 188f., Abb. 299). Das verschollene Prager Zepter zeigte als Bekrönung gekreuzte Schwerter über dem Erdball (?, Reichsapfel ?), dazu die Kaiserkrone [9, S. 207, Abb. 325, 327]. Das Innsbrucker Zepter, 1826, ziert das Urteil Salomos [9, S. 112, Abb. 187, 192].

Auf dem Zepter der medizinischen F. in Paris befanden sich Darstellungen der Dreifaltigkeit, des Avicenna, des Hippokrates, des Evangelisten Lukas, der Muttergottes und des Galen (Beschreibung von 1782 des verlorenen F.-Zepters, das vielleicht identisch ist mit einer 1451 gestifteten „virga“: [9] S. 190f.). Das Wiener Zepter krönt Lukas mit seinem Symbol, an der Konsole darunter u. a. hl. Kosmas, Taube mit Ölzweig, hl. Damian, Vogel mit Schlange und Ölzweig (1615: [9] S. 261f., Abb. 410, 412); am Prager Zepter waren ein Pelikan und der Erzengel Raphael dargestellt (Stab 15. Jh., Bekrönung um 1654, heute verschollen: [9] S. 207f., Abb. 325, 329).

Zepter der philosophischen F. sind öfter mit dem Bild der hl. Katharina von Alexandrien geschmückt, so in Wien, 1401 (verschollen, vielleicht stammt das Katharinenfigürchen auf dem Zepter von 1666 von diesem älteren Zepter: [9] S. 257, 263, Abb. 414, 417), in Heidelberg, 1454 (Abb. 4; [9] S. 97f., Abb. 171f.), in Tübingen, 1482 (?; [9] S. 245f., Abb. 394, 396f.), und in Innsbruck, dat. 1826 [9, S. 111f., Abb. 186, 191]. In Prag bekrönten Bilder von Sonne, Mond und einem Stern über einer Weltkugel das Zepter [9, S. 208, Abb. 325, 330].

Die gelegentlich vorkommenden Universitätszepter mit figürlichen Darstellungen, die auf die einzelnen F. hinweisen, werden in Abschnitt III berücksichtigt (vgl. Sp. 1196).

III. Darstellungen

A. Anfänge im Spät-MA

Es gibt kaum eine Darstellung aus dem MA, auf die die Themenbezeichnung „vier F.“ uneingeschränkt zutrifft. Wohl aber sind einige wenige Werke erhalten oder literarisch bezeugt, in denen – stets im Rahmen weiter ausgreifender Thematik und bald mehr, bald weniger deutlich ausgeprägt – der Versuch erkennbar ist, das Einteilungssystem der F. bei Darstellungen von Wissenschaften zu berücksichtigen.

Hierbei wurden nahezu alle ikonographischen Mittel, die man in der Neuzeit üblicherweise benutzte, erstmals angewandt: Personifikation, Repräsentanz durch Heilige und F.-Patrone, Erfinder und berühmte Autoren sowie Lehrer und Schüler einzelner F. (oder F.-Disziplinen), Schilderung für einen bestimmten Wissenschaftszweig charakteristischer Verrichtungen; als Darstellung der theologischen F. ist gelegentlich ein Bild Gottes wiedergegeben (Dreifaltigkeit, vgl. Abb. 2 a), auch metaphorische Auslegung findet man ins Bild gebracht (vgl. Sp. 1193).

Alle diese Möglichkeiten konnten im Spät-MA bei einem Beispiel nebeneinander vorkommen, so daß jede der vier F. auf andere Art vorgestellt ist. Aber auch dort, wo Ansätze zu ikonographischer Systematisierung zu beobachten sind (wo z. B. die Darstellung der F. ausschließlich mit Personifikationen und/oder Repräsentanten bestritten wird, vgl. etwa Abb. 1 a und b), gewährte man der Abbildung der philosophischen F. stets breiteren Raum, weil man auf die Übernahme des herkömmlichen Bildkonzeptes „Philosophie mit den sieben freien Künsten“ nicht verzichten wollte. Zu entsprechend differenzierender Darstellung der übrigen F. kam es im MA selten; hinzuweisen ist lediglich auf die wiederholte Wiedergabe der Jurisprudenz durch Personifikationen des Zivilrechts und des kanonischen Rechts (so z. B. Abb. 1 a) und auf die einmal nachweisbare der Theologie durch Personifikationen einiger ihrer Fachgebiete (vgl. Abb. 1 a). Die unterschiedliche Behandlung der einzelnen F. und der Umstand, daß bisweilen nicht alle vier F. wiedergegeben sind, machen es schwer, manchmal unmöglich, das Vorhandensein der F.-Einteilung in einem größeren Bildprogramm zu erkennen (nur dies aber gestattet, die Abbildung einer Wissenschaft, etwa der Theologie, zugleich als die einer bestimmten F., hier: der theologischen, zu bezeichnen).

Über die Wahl des Anbringungsortes kann bei der Seltenheit der Beispiele nichts Verläßliches gesagt werden. Vom Thema her ist das Vorkommen an Stätten wissenschaftlicher Tätigkeit nahegelegt. Die Ansicht, es sei das „ikonographische Schema der vier F. ... für die malerische Ausschmückung von Bibliotheksräumen schon am Ende des MA ständig und ihnen eigenthümlich“ gewesen [10, S. 86], findet in den vorliegenden Zeugnissen keine Bestätigung. Zwar konnte die Einteilung nach F. als Ordnungsprinzip für die Aufstellung von Büchern dienen – die poetische Beschreibung einer Bibliothek, von Richard de Fournival um 1250 verfaßt, ist der früheste Beleg hierfür (Biblionomia, ed. Léopold Delisle, Le Cabinet des Mss. de la Bibl. Nat. [= Hist. génerale de Paris], Bd. 2, Paris 1874, S. 518–35; s. a. Edward Kennard Rand, The Classics in the 13th C., Speculum 4, 1929, 262) –, doch war bisher kein jener Systematik genau entsprechendes Bildprogramm einer ma. Bibliothek zu ermitteln (zu den bei [10] als Belege genannten Beispielen, die sich in Niederaltaich, St. Albans und Brandenburg befanden, s. unten). Auswirkung auf die bildende Kunst hatte eine Variante der Bibliotheksordnung nach F., der Normalkatalog, den Tomaso da Sarzana im Auftrag Cosimos de’Medici für die Bibliothek von S. Marco in Florenz entwarf: er sieht die Abteilungen Theologie, Jurisprudenz und Philosophie vor (Medizin fehlt), dazu als vierte die Poesie (Humaniora, alte Dichter; vgl. Franz Wickhoff, Jb. der preuß. K.slgn. 14, 1893, 53f.). Die Gruppe dieser vier Personifikationen findet sich in der Gewölbemalerei der Stanza della Segnatura im Pal. Vat., 1508–1511 von Raffael gemalt, ohne daß die Bestimmung oder Benutzung dieses Raumes als Bibliothek erweisbar ist (zuletzt Herbert von Einem, Das Programm der Stanza della Segnatura im Vatikan [= Rheinisch-westfälische Akad. der Wiss., Geisteswiss., Vorträge G 169], Opladen 1971, bes. S. 9–19). Nach dem System des Tomaso da Sarzana war die Bibliothek in Urbino aufgestellt (F. Wickhoff a.a.O. S. 53), deren Bildschmuck jedoch in keine Relation zu der Bücheranordnung zu bringen ist.

Beispiele:

Die älteste erhaltene Darstellung der vier F. findet sich – folgt man der Deutung von [10], S. 44–52 – in der Spanischen Kapelle beim Kreuzgang von S. Maria Novella in Florenz. An der W-Wand der 1365ff. von Andrea da Firenze ausgemalten Kapelle ist unterhalb einer Darstellung des Triumphs des hl. Thomas von Aquin eine Serie von vierzehn thronenden Personifikationen nebst sie begleitenden Repräsentanten wiedergegeben (Abb. 1 a und b).

Die größte ikonographische Vielfalt erreichten die Wandgemälde in der Bibliothek in Brandenburg, deren Datierung innerhalb der beiden ersten Dr. 15. Jh. anzunehmen ist. Die Kenntnis von diesen nicht erhaltenen Malereien vermitteln Aufzeichnungen Hartmann Schedels (München, Bayer. Staatsbibl., cod. lat. 650, fol. 277–284; die fehlerhafte Abschrift Schedels – ebendort, cod. lat. 418, fol. 289–293v – mit vielen Mängeln ed. von J. von Schlosser [10], S. 96–100). Hier waren Philosophie, Jurisprudenz, Theologie, die Schreibkunst (ars scripturarum; ein Erklärungsversuch bei Emil Jacobs, Ars scripturarum, in: „Aufsätze Fritz Milkau gewidmet“, Lpz. 1921, S. 177–86) und die artes mechanicae dargestellt, unter diesen auch die Medizin; über die Verteilung der Darstellungen im Bibliotheksraum ist den Schriftquellen nichts genaueres zu entnehmen (unbegründet jedenfalls [10], S. 84). Allein die vier F. waren durch Personifikationen dargestellt, die juristische durch zwei (Zivilrecht und kanonisches Recht, die einander die Hand reichen); der Philosophie waren Personifikationen der sieben freien Künste beigegeben. Zu den Personifikationen gesellten sich Heilige (theologische F.: die vier lateinischen Kirchenväter; medizinische F.: die hll. Kosmas und Damian) und/oder hervorragende Vertreter einzelner F.(-Disziplinen; medizinische F.: Avicenna und Johannicius; philosophische F.: Cicero und Seneca als Repräsentanten der Ethik, Hugo von St. Viktor und Alexander Neckham als solche der philosophia naturalis), ferner Lehrer und Studierende (theologische und juristische F.). Übereinstimmend mit den Darstellungen der übrigen mechanischen Künste ist die der Medizin um berufstypische Schilderungen vermehrt (Apotheker; Arzt, der einem Greis den Puls befühlt; Arzt, der Urin beschaut). Unterhalb der Theologie „ist ein Brunnen an einem grünenden Ort, den eine Mauer umgibt, gemalt. Aus dem Brunnen (den Brunnenröhren) gehen kleine Bäche hervor, die den grünenden Ort bewässern. Darüber steht die Inschrift ‚Theologia est fons et origo omnium uirtutum‘“. Dies ist der früheste Beleg für die Abbildung einer metaphorischen F.-Charakterisierung.

Wahrscheinlich gegen Ende des 1. V. 15. Jh. entstand, nach dem Kostüm u. a. der personifizierten Philosophie zu urteilen, die Vorlage für die in den cod. 2975 der Österr. Nat.Bibl. in Wien eingetragenen Darstellungen (Abb. 2 a und b). Die theologische F. wird durch das Bild der Dreifaltigkeit vorgestellt (ungewöhnliche Variante des Gnadenstuhls), die juristische durch einen Juristen, die medizinische (physica) durch einen Arzt, die philosophische durch die gekrönte Philosophie und z. T. recht ungewöhnliche Darstellungen der freien Künste (genauere Untersuchung in Vorbereitung). Gegen die Vermutung, das Vorbild sei Bildschmuck einer Bibliothek gewesen, scheint eine zugehörige Schilderung zu sprechen, in der einerseits auf die bittern Wurzeln, jedoch süßen Früchte der Wissenschaft hingewiesen, andererseits gegen eine gewisse Art akademischer Lehrer polemisiert wird („Es ist Brauch, daß vom Schönredner die Schönrednerei verherrlicht wird. Wir vornehm Geborenen wollen derlei nicht dulden“).

In den Kreis der Betrachtung wurden ferner Nachrichten von Historiographen der Neuzeit einbezogen, die über Werke von bisher noch unbestimmter Entstehungszeit berichten (vgl. [10], S. 83 und 84).

Im Kloster Niederaltaich gab es „in ambitu“ ([10] S. 83: „in der Bibliothek“) Glasgemälde, auf denen Wissenschaften dargestellt waren; in der summarischen Aufzählung sind Geschichte, Theologie, Astronomie, Medizin (physice), Musik und andere philosophische Disziplinen genannt, es besteht keine Handhabe, von „F.-Darstellung“ zu sprechen (wie ebd.; vgl. Michael Kuen, Collectio Scriptorum Rerum Historico-monastico-ecclesiasticarum variorum religiosorum ordinum, Bd. 2, Ulm 1756, S. 87, auf Grund einer Notiz von Kaspar Brusch † 1559). Aus einer Hs. der Bodleian Libr. teilen Roger Dodsworth und Sir William Dugdale 48 „metra“ mit, „quae ponuntur in fenestris in domo libraria monasterii sancti Albani“ (Monasticon Anglicanum, London 16822, S. 183f.). Deren vier bewahren – möglicherweise ein Hinweis auf die Datierung – das Gedächtnis des gelehrten Bischofs (?) Rufus, der resigniert hatte (mitram disposui, libro studioque vocavi) und „diesen Platz für die Bücher bereitet hat“. Die übrigen Verse handeln von Erfindern und, vor allem, von berühmten Autoren der verschiedenen Disziplinen, die gruppenweise, nach F. geordnet, aufgeführt sind; zuletzt sind einige Verfasser von Werken über die Landwirtschaft genannt. Nahezu die Hälfte der Verse bezieht sich auf Autoritäten der philosophischen F. Der jüngste unter den vergleichsweise zahlreichen ma. Autoren ist der Theologe Nikolaus Trivet O. P., gest. zwischen 1328 und 1330. Darstellung von Wissenschaften allein durch Repräsentanten ist seit dem 13. Jh. bei solchen der freien Künste nachweisbar (Clermont-Ferrand, Kath., n. Qsch.-Portal: Wolfg. Stammler in: „Der Mensch und die Künste“, Fs. für Heinr. Lützeler zum 60. Geb., Ddf. 1962, S. 201f., Abb. 1).

B. Neuzeit

Seit dem ausgehenden 15. Jh. ist eine Systematisierung der Ikonographie der vier F. zu beobachten. Übernahme einzelner älterer Anregungen erscheint möglich (zumal bei Darstellungen aus dem Zeremoniell der Universität, vgl. z. B. Abb. 3), ist aber in keinem einzigen Fall sicher belegt.

1. Vertreter

Eine Kennzeichnung der F. kann erfolgen durch die Wiedergabe ihrer Vertreter (Dekane) in der ortsüblichen Amtstracht. Über deren Farbe und Form entscheidet der lokale Brauch; Verallgemeinerungen der für einen Ort geltenden Regeln sind nicht möglich (was freilich nicht ausschließt, daß sich die Farbe einer F. an mehreren Orten gleicht; zum ganzen vgl. William Norman Hargreaves-Mawdsley, A Hist. of Academical Dress in Europe Until the End of the 18th C., Oxford 1963, S. 12; s. a. Charles Aubrey, Hamilton Franklyn, Academical Dress from the Middle Ages to the Present Day, Including Lambeth Degrees, Sussex 1970).

Trotz zahlreicher Darstellungen aus dem Universitätsleben (Gründung, Rektoratsübergabe, Universitätsfeste usw.) waren kaum Beispiele zu ermitteln, die eine Charakterisierung nach einzelnen F. erkennen lassen. Die Miniatur auf fol. 1 im cod. 2765 (Durandus von Mende, Rationale) der Österr. Nat.-Bibl. in Wien, zwischen 1384 und 1406 entstanden, zeigt vier mit einem Doktorhut ausgezeichnete Vertreter der F. in blauem, grünem, hellrotem bzw. dunkelrotem Gewand, die – als Bild der Universitätsneugründung durch Hzg. Albrecht II. (1384) – diesem Bücher überreichen (Abb. 3). Die Identifizierung der einzelnen F. ist bisher nicht gelungen, da Belege für die Gebräuche der Wiener Universität fehlen (vgl. Hargreaves-Mawdsley a.a.O. S. 152ff.).

Eine andere Art der Kennzeichnung besteht in der Wiedergabe der F. gemäß ihrer Rangfolge und/oder durch Beischriften.

In dem Fries der Münchner Residenz im Saal Rudolfs von Habsburg hat Julius Schnorr von Carolsfeld 1836ff. nach Entwurf von Moritz von Schwind einen Festzug von verschiedenen, durch Putten charakterisierten Berufsständen dargestellt; die Körperschaften der Universität sind durch Putten mit Rektorats- und F.-Insignien veranschaulicht, die vier F. sind durch Reihenfolge und Beischriften bezeichnet (Otto Weigmann, Schwind [= Klass. d. K., 9], Stg. und Lpz. 1906, S. 152 und 540).

2. Patrone

Die Darstellung der vier F. ausschließlich durch die Patrone, die jede F. im allgemeinen bei ihrer Konstituierung wählte, ist eine ikonographisch frühe Form des Themas; ihr war die Abbildung der einzelnen F. durch ihre Patrone auf Siegeln vorausgegangen (s. Sp. 118 5f.). Besonders beliebt sind (in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit): Thomas von Aquin, Johannes Ev., Paulus – Ivo von Tréguier – Kosmas und/oder Damian, Lukas, Pantaleon – Katharina, Franz Xaver. Der 15 67 zum Kirchenlehrer erklärte hl. Thomas von Aquin ist im deutschen Sprachgebiet seit den 20er Jahren des 17. Jh. als Patron der theologischen F. nachweisbar (ab 1622 in Ingolstadt: Valentin Rotmannus und Johs. Engerdus, Annales Ingolstadienses, Ingolstadt 1782, Teil 2 S. 233; später, in den 1653 veröffentlichten Statuten der Univ. Salzburg: Magnus Sattler O.S.B., Collectaneen-Bll. zur Gesch. der ehem. Benedictiner-Univ. Salzburg, Kempten 1890, S. 37). Die Übernahme einer Universität oder zumindest einer philosophischen Fakultät durch Jesuiten hatte öfters zur Folge, daß der hl. Franz Xaver an die Stelle der (oder neben die) hl. Katharina trat (in Deutschland anscheinend zuerst in Freiburg i. Br., vgl. das Siegel von 1650 [s. Sp. 1186]).

Das jüngere Universitätszepter von Freiburg i.Br., 1512 von Petrus Sachs, weist außer der Darstellung des Salvator mundi Bilder der F.-Patrone auf; es sind dies Paulus – Ivo – Katharina (die Darstellung des Patrons der medizinischen F. – vermutl. Lukas – ist verloren: [9], S. 71f., Abb. 138f.). Die Glasgem. der Universitätskapelle des Freiburger Münsters, gestiftet 1524, zeigen Johannes Ev. – Ivo – Lukas – Katharina (Ingeborg Krummer-Schroth, Glasmal. aus dem Freiburger Münster, Freiburg i. Br. 1967, S. 194f.).

Die Folge von Glasgem. aus der alten Aula der ehem. Universität in Ingolstadt ist unvollständig; in Münchner Priv.bes. befinden sich die 1527 dat. Scheiben der medizinischen und der philosophischen F. mit Maria, dem bayer. landesherrlichen Wappen und den Patronen Kosmas und Damian sowie Katharina (Abb. 6; Ausst.Kat. „Bayer. Frömmigkeit“, Mchn. 1960, Nr. 1730f., zugehörig Nr. 1729, Scheibe der gesamten Universität mit Maria, der Patronin). Auf dem Zepter der drei oberen F. der Ingolstädter Universität (s. Sp. 1188), die bekrönenden Figuren 1642 von Mich. Freytag, umgeben Johannes Ev., Ivo und Katharina die Patronin der Universität. Das im Dekanat der theologischen F. in Salzburg aufbewahrte sog. päpstliche Zepter zeigt Thomas von Aquin, Ivo und Katharina unter der Tiara stehend (1656 von Andreas Hamberger; [9] S. 228, Abb. 369, 373–75; Walter M. Brod, Die Szepter der Univ. Würzburg, Altfränk. Bilder 62, 1963, 1–5).

Das Katheder aus dem großen Hörsaal der ehem. Universität (Lutherhaus) in Wittenberg, unzutreffend mit dem Lutherstuhl von 1543 in Verbindung gebracht, ist nach 1676 entstanden: die eingesetzten Gem. sind Kopien der Universitäts- und F.-Siegel, von denen (wie auch die Kopie zeigt) das jüngere der juristischen F. – jetzt eine Waage – 1676 dat. ist (s. Sp. 1186; Oskar Thulin, Bilder der Reformation, Aus den Slgn. der Lutherhalle in W., Bln. 1953, S. 14 und 16, Abb. 10). Die Gemälde der Thomas von Aquin, Ivo, Lukas und Katharina geweihten Altäre in den Eckkapellen der Salzburger Kollegienkirche wurden zwischen 1719 und 1722 von Joh. Gg. Bergmüller und Franz Georg Hermann gemalt (Inv. Österr. Bd. 9, S. 249f.). Das silberne Altarantependium aus der Freiburger Jesuitenkirche, heute im Freiburger Münster, 1736–37 von dem Augsburger Goldschmied Franz Thaddäus Lang angefertigt, zeigt Thomas von Aquin – Ivo – Lukas (Abb. 12) – Franz Xaver (nicht Hieronymus!; Anna Kempf, Oberrhein. K. 4, 1930, 147–72). 1755 und 1756 entstanden drei Exlibris der theologischen, juristischen und medizinischen F. der Freiburger Universität mit Darstellungen ihrer Patrone (Rud. Blume, Schau-ins-Land 39, 1912, 23f. Abb. 43–45). In der 1762 dat., von Joh. Anwander geschaffenen Deckenmal. der Aula (sog. Goldener Saal) in der ehem. Jesuitenuniversität Dillingen, heute Lyzeum, sind mit Ausnahme von Lukas, an dessen Stelle Pantaleon getreten ist, dieselben Heiligen als Patrone wiedergegeben (Jul. Schöttl, Der Bildinhalt der Deckengem. des goldenen Saales in D., Jb. des hist. Ver. Dillingen a. d. D. 59/60, 1957/58, 101; München, Bayer. Hauptstaatsarchiv, Jes. 130 Litterae annuae, 1763], S. 7f.). Die Siegel der beiden theologischen F. der Bonner Univ., 1786, zeigen Abbildungen ihrer Patrone (vgl. Sp. 1187).

Die Darstellung der genannten Heiligen ist im allgemeinen die ikonographisch übliche. Daneben gibt es, im 16. Jh. beginnend und im 18. Jh. besonders häufig, Beispiele dafür, daß die Heiligen durch Beifügung von Attributen, die jeweils auf ihre gelehrte Tätigkeit hinweisen, oder durch Angabe des Ortes ihrer Tätigkeit deutlicher als F.-Patrone charakterisiert sind.

Die frühesten Zeugnisse für eine Spezialisierung der Ikonographie in diesem Sinne sind die Freiburger Glasgem. von 1524 (s. Sp. 1196), wo Putten mit jeweils fachbezogenen Attributen oder Inschriften den Heiligen beigesellt sind, hier Inschrifttafel mit Ps. 119 (118), 77 oder 174 – Waage – ungedeutetes Attribut – Himmelsglobus. Auf dem Siegel der medizinischen F. in Innsbruck, dat. 1673, ist Kosmas zusätzlich mit dem Caduceus dargestellt [2, Taf. 38]. Die Studienmittel ihrer Disziplinen halten Kosmas (?, Damian?: Buch [und Caduceus]) und Katharina (Armillarsphaera und Zirkel), die am Altar des Bürgersaales S. M. de Victoria in Ingolstadt, ehem. Kongregationssaal der Universität, stehen; die Skulpturen (Abb. 17 a und b; s.a. RDK IV 379, Abb. 5) entstanden um 1763 und werden Jos. Ant. Breitenauer oder Joh. Mich. Fischer zugeschrieben (Franz Koislmeier, Maria de Victoria, Ingolstadt [= Kl. Kirchenführer Nr. 582], Mchn. 1953, S. 12f.).

In ihren Arbeitsstuben sind Lukas und Franz Xaver auf dem silbernen Altarantependium in Freiburg (s. Sp. 1196; Abb. 12) wiedergegeben. Auf den Tafelbildern über dem Chorgestühl der Studienkirche in Dillingen, 1762 von Joh. Anwander, ist Thomas von Aquin in seiner Bibliothek dargestellt (Abb. 15), Ivo berät Witwen, Waisen und Arme, Kosmas und Damian sitzen in einer Apotheke über medizinischen Büchern und Kräuterbündeln, Katharina arbeitet in einem philosophischen Kabinett (Inv. Bayern, Schwaben Bd. 6, S. 220f., Abb. 136–39). Besonders reiche Ausstattung der Räume, in denen Thomas von Aquin – Ivo – Kosmas und Damian – Albertus Magnus tätig sind, zeigen die von Joh. Wolfg. Baumgartner entworfenen Stiche der Gebrüder Klauber, Augsburg (Exemplare in der Benediktinerabtei St. Bonifaz, München).

3. Allegorien

Allegorien sind die zahlenmäßig größte Gruppe unter den Darstellungen. Sie beziehen sich naturgemäß auf die in den einzelnen F. betriebenen Wissenschaften und sind eine Variante des umfassenderen Themas Künste und Wissenschaften.

a. Personifikationen

Die älteste Art der vorkommenden Allegorien bilden Personifikationen: Frauen mit Instrumenten des betreffenden Fachs oder anderen Attributen, die auf dessen Bedeutung hinweisen, in entsprechender Kleidung und Haltung. Die einzelnen F. wurden in der Regel so wie vorher schon die Personifikationen der Theologie,Justitia, Medizin und Philosophie dargestellt. Statt dieser Hauptwissenschaften können auch Personifikationen der zu ihnen gehörenden Fächer wiedergegeben sein, im Falle der Philosophie z. B. die freien *Künste. Mit der Zusammenstellung von Wissenschaftspersonifikationen zur Vierergruppe der F. im 16. Jh. entstand kein fester ikonographischer Kanon. Bei der Kodifizierung der Personifikationen durch Cesare Ripa blieb die Gruppierung „vier F.“ unberücksichtigt, wohl aber wurden Ripas Beschreibungen einzelner Wissenschaften fortan auch in F.-Darstellungen aufgegriffen. Im Laufe des 17. und besonders im 18. Jh. vergrößerte man die Zahl der Attribute wesentlich; zuvor bestimmten F.-Personifikationen vorbehaltene Attribute konnten jetzt auch – neben weiteren – anderen gegeben werden, blieben dann aber meist unspezifisch (in solchen Fällen muß u. U. das Ausschlußverfahren zur Benennung der F.-Darstellung angewandt werden).

Seit wann es die Vierergruppe von F.-Personifikationen gegeben hat, bedarf noch genauerer Untersuchung. Im deutschen Sprachgebiet sind sie seit der 2. H. 16. Jh. nachzuweisen.

Eines der Glasgem., die anläßlich des 100jährigen Bestehens der Universität in Basel für dessen Bibliothek gestiftet wurden, 1560 von Ludwig Ringler angefertigt und heute im Regenzsaal der neuen Universität in Basel aufbewahrt, zeigt vier um das Siegelbild der Universität gruppierte F.-Personifikationen: die Theologie als schreibende Frau mit verhülltem Haupt in einer Studierstube – die Jurisprudenz mit Zepter und Schwert – (unten) die Medizin mit einer Urinflasche – die Philosophie mit einer Rechentafel (Abb. 7; Wolfgang Wackernagel, Die verschollene Wappenscheibe der Basler juristischen F. von 1560, Öffentl. K.slg. Basel, Jahresber. 1961, S. 69–74, 79, Abb. 1f.). Dieselbe Universität stiftete bei Anlaß der Münsterrenovierung eine Fensterverglasung, die Hieronymus Vischer 1597 nach einem 1593 dat. Riß von Hans Jacob Plepp ausführte und auf der u. a. F.-Personifikationen erscheinen (Basel, Münster, südl. Eingangskapelle, urspr. mittleres Chorkapellenfenster). Die Theologie trägt Gesetzestafeln und (Evangelien-)Buch – die gekrönte Justitia hält ein Schwert und eine Kette, vor ihr liegen Mitra und Reichsapfel, Zeichen des geistlichen und des weltlichen Rechts – die Medizin hat außer der Urinflasche einen belaubten Zweig, um den sich eine Schlange ringelt, und Flaschen bei sich – die Philosophie hat die Gestalt der Pallas angenommen und hält ein Löwenbanner (Paul Leonh. Ganz, Die Basler Glasmaler der Spätrenss. und der Barockzeit, Basel und Stg. 1966, S. 74, Abb. 87 [Riß]; Erwin Ruck, Die Univ. Basel, Ddf. und Wien 1930, Abb. S. 19 [Glasgem.]).

Deutsche Beispiele aus dem 17. Jh. wurden nicht aufgefunden. Daher seien hier solche aus Portugal und aus England genannt. Diejenigen in Coimbra liefern ein interessantes Zeugnis dafür, daß das Thema an einer Universität in relativ kurzer Zeit mehrfach behandelt werden konnte. 1633 konzipierte ein Mitglied der juristischen F. die Attribute der Darstellungen von Theologie, kanonischem und Zivilrecht und Medizin, die Manuel de Sousa 1634 ausführte (Coimbra, Univ., Porta Férrea; Robert C. Smith, Early Works of Claude de Laprade and the Style Louis XIV in Portugal, Gaz. des B.-A. 96 [VIe période 44], 1954, 173f.; Inv. Portugal Bd. 2, Cidade de Coimbra, S. 100, Taf. 141). Auf dem Titelkupfer der Universitätsstatuten von Coimbra, 1654, wo acht Personifikationen wiedergegeben sind, werden zwei der F. durch mehrere Figuren vertreten, so die Jurisprudenz (Canones: Frau mit Tiara und zwei Schlüsseln; Leges: Frau mit Schwert, Waage und Buch) und die Philosophie (mit Buch, ihren Fuß auf eine Erdkugel setzend; Rhetorik mit Caduceus; Mathematica mit Himmelsglobus und Zirkel; Musik mit Portativ). Die Theologie trägt einen Kreuzstab und hat eine Sonne auf der Brust, Einhorn und ein Vogel sind der Medizin beigegeben (R. C. Smith a.a.O. S. 174f., S. 172 Abb. 3). Für eine weitere Serie von F.-Personifikationen erhielt Claude de Laprade erste Zahlungen 1. J. 1700; seine Steinskulpturen (Theologie – kanonisches, römisches und Zivilrecht – Medizin – [Mathematik]) befinden sich heute im Mus. Machado de Castro zu Coimbra (ebd. S. 173ff., Abb. 4ff.; Inv. Portugal a.a.O. Taf. 187). Zu den urspr. in Lehrräumen aufgestellten Skulpturen gehörten Supraporten; auf der einzigen in Abbildungen zugänglichen sind Bücher dargestellt (R. C. Smith a.a.O. S. 178, Abb. 9). – Für die Bibliotheksfassade des Trinity College in Cambridge schuf Cains Gabriel Cibber 1680–1681 vier Steinskulpturen: die nach oben blickende Theologie mit bedecktem Haupt, Buch und Adler – die Jurisprudenz mit Büchern und Tafeln sowie einer Schriftrolle mit der Inschrift „iubet et prohibet“ – die mit einem Lorbeerkranz gekrönte Medizin mit Schlangenstab und Hahn – die gekrönte (?) Philosophie mit Armillarsphaera und Disputationsgestus (Abb. 9 a–d; Inv. England, City of Cambridge, Teil 2 S. 237f., Taf. 264 und 271).

18. Jh.: Nach dem Tod Kaiser Josephs I. (1711) wurde im Stefansdom in Wien zu den Exequien, die die Universität hielt, von dieser ein Trauergerüst nach Entwurf von Joh. Bernh. Fischer von Erlach errichtet; um einen Obelisken stehen Personifikationen der vier F. Außer bisher bereits erwähnten Attributen läßt ein Nachstich (Abb. 10) noch andere erkennen: die Theologie hat ein mit einer Sonne bekröntes Zepter, die Medizin ist nicht sichtbar, die Jurisprudenz (mit Krone) hat ein Zepter und die Philosophie einen Caduceus, an dem ein Davidsschild hängt (Liselotte Popelka, Wiener Jb. 23, 1970, 239–50, Abb. 196; vgl. dazu die Nachzchg. in der Univ.Bibl. Zagreb, Nr. 78: Thomas Zacharias, Jos. Emanuel Fischer von Erlach, Wien und Mchn. 1960, S. 16, Abb. 185). Waren in allen älteren Beispielen, die hier genannt wurden, die F.-Personifikationen unverbunden nebeneinander geordnet, so sind in den Deckenmalereien der Mittelkuppel in der Wiener Hofbibliothek, um 1726–1730 von Daniel Gran nach Konzept von Conrad Adolph von Albrecht, Personifikationen zweier F. und zwei männliche F.-Repräsentanten zu einer lebhaft agierenden Gruppe vereint (Abb. 11). Bisher ungenannte Attribute sind: Brustschild nach Art eines Ephod, doch nur mit sechs Steinen, und das mit einem Auge bekrönte Zepter (Theologie) – Sonne und Putto mit Fasces (Jurisprudenz) – Philosophenmantel (Medizin) – Philosophenkleidung, Fernrohr und Erdkugel (Philosophie; Walther Buchowiecki, Der Barockbau der ehem. Hofbibl. in Wien, ein Werk J. B. Fischers von Erlach [= Museion N. F. 2, 1], Wien 1957, S. 34f., Abb. 27, zum Konzept S. 88f. [Datierung] und 99f. [Text]). In der Reihe der F. in der Stiftsbibl. Melk, N.Ö., Holzskulpturen an den Portalen, 1734 von Jos. Pöbl, ist die Theologie nach der Beschreibung der „Sapienza divina“ bei Ces. Ripa wiedergegeben (vgl. Iconologia, Ausg. Padua 1630, S. 41ff.), die Philosophie erscheint in der Gestalt eines bärtigen Mannes (Inv. Österr. Bd. 3, S. 213 und 329, Abb. 332 und 335; Walter Hotz, Melk und die Wachau, Bln. 1938, Abb. S. 54 und 57; Wilh. Schier, Das Benediktinerstift Melk a. d. D. [= Alte K. in Österr.], Wien, Augsburg und Köln 1928, Abb. 50f.). In der Deckenmal. des Goldenen Saales in Dillingen (s. Sp. 1196f.) sitzen die F.-Personifikationen in Studierstuben, die auf das reichste mit wissenschaftlichen Instrumenten ausgestattet sind; die von den einzelnen F. besiegten Gegner sind jeweils zu Füßen der F.-Personifikationen dargestellt. Bemerkenswerte Attribute sind Schlüsselbund und Himmelsglobus (Theologie) – Auge Gottes und Kelch mit Hostie darüber (Jurisprudenz; vgl. dazu Ripas „Giustitia“ und „Legge nova“: Ausg. Rom 1603, S. 187, und Ausg. Padua 1630, S. 439f.) – Mond (Medizin) – aus der Schläfe hervorwachsender Vogelflügel (Philosophie: Abb. 16; im einzelnen s. J. Schöttl a.a.O. [Sp. 1197], S. 104–07).

b.Attribute

Attribute, wie sie einzelnen F.-Personifikationen beigegeben wurden, konnten auch für sich allein die entsprechende F. darstellen.

Über dem Portal der Universität von Salamanca, 1533 voll., ist in der Mitte des obersten Reliefstreifens die Bestätigung der von kastilischen Königen gegründeten Universität durch Papst Alexander IV. (1255) geschildert. Seitlich davon finden sich, jeweils unter einem der vier Tondi mit deutlich charakterisierten, aber bisher ungedeuteten Köpfen, die paarweise neben Bildern von Venus und Hercules angeordnet sind, die einzelne F. kennzeichnenden Darstellungen: heraldisch rechts vom Hauptbild erkennt man u. a. Schlüssel (Theologie) und Waage sowie Helm (Jurisprudenz), links zwei Schlangen und Totenschädel (Medizin) sowie gekreuzte Zepter und Maske (Philosophie; Diego Angulo Iniguez, La mitologia y el arte español del renacimiento, Madrid 1952, S. 43–46, Abb. 33).

An der Decke der Alten Aula der Heidelberger Universität sind um 1715 gemalte Bilder eingefügt (heute verdeckt). Hier werden die vier Pfälzer Löwen durch Beischriften und Attribute zu F.-Darstellungen, worauf auch ihre Körperhaltung teilweise hinweist (aufschauend: Theologie): Bibel und Inschrift Ps. 119 (118), 71 – Waage, Schwert und Zepter (?), Inschrift Ovid, Tristia I, 1, 37f. – Baum, auf den der Löwe klettert, und Inschrift „a ligno vitae medicina salubris. Virg. Christ.“ – Globus und Inschrift vgl. Claudian, In Rufinum II, 70 (Mon. Germ., Auct. ant., Bd. 10, Bln. 1892, S. 36; Fritz Hirsch,

Von den Univ.gebäuden in Heidelberg, Hdbg. 1903, S. 83; Klaus Lankheit, Ruperto Carola 5, 9, 1953, 79– 85). In den vier Lünetten über Türen der Stiftsbibl. von St. Pölten, N.Ö., 1734 von Paul Troger, wahrscheinlich unter Mitarbeit von Joh. Jak. Zeiller, sind den bildlichen Exempla für die einzelnen F. (s. Sp. 1204f.) zugeordnet: Putten mit Schwert und Buch, den Attributen des hl. Paulus, Beischrift 1. Kor. 2, 9 (Theologie) – Putten mit Schwert und Waage, Buch und Tiara (Jurisprudenz) – Putti mit Kränzen und Girlanden (Medizin) – Engel tragen das Haupt des hl. Dionysius Areopagita (Philosophie). Die Türen unter diesen Lunetten haben geschnitzte Aufsätze wahrscheinlich von Peter Widerin, die unvollendet geblieben sind und in denen folgende Vögel den F. zugewiesen sind: Taube des Hl. Geistes in Strahlenkranz – Reichsadler mit Zepter und Schwert – Pelikan, der seine Jungen tränkt – Eule am Nachthimmel (Gerh. Winner, Die Diözesanbibl. in St. Pölten, Österr. Zs. für K. und Dpfl. 21, 1967, 155f., 160–63, Abb. 173 [Schema], 176 und 183). Der heute verschollene Entwurf für eine Medaille, der anläßlich der Förderung der Mainzer Universität durch Kf. Friedrich Karl Josef von Erthal 1784 angefertigt wurde, zeigte in der Mitte eine auf die Liberalitas des Kurfürsten hinweisende Darstellung, auf beiden Seiten Wiedergaben der F. durch Bibel, Kreuzstab und Birett – Corpus iuris civilis, Corpus iuris canonici, Waage – Caduceus, Arzneibüchse, Kräuter und Seziermesser – Weltkugel, Lineal, Winkelmaß und Quadrant (ehem. Darmstadt, Hauptstaatsarchiv, Habelsche Slg., Univ. Nr. 1815: Wilh. Diepenbach, Die Siegel und Medaillen der Mainzer Universität, in: „Die alte Mainzer Univ., Gedenkschrift anläßlich der Wiedereröffnung der Univ. in Mainz als Johannes-Gutenberg-Univ. MCMXLVI“, Mainz o. J., S. 76f.). Wie schon auf dem Freiburger Glasgemälde von 1524 (s. Sp. 1196) sind auch im Barock Putten mit entsprechender Kleidung und Attributen zur Charakterisierung der vier F. dargestellt worden, jetzt allerdings nicht immer als Begleiter von Personifikationen oder Patronen. Um 1700 entstanden (heute verlorene) Malereien im Schloß Aurolzmünster, O.Ö., über die eine Aufzeichnung vom A. 18. Jh. (in ZM, Inv.Nr. 89101, eingebunden) Näheres berichtet. Demnach waren in „vier Eckzwickeln“ um ein Mittelbild mit der Belohnung des Tugendhelden dargestellt: „1) Das gesatz: ein Kindl mit einer Kinigl[ichen] Cron auf dem haubt, in der rechten handt einen Scepter, vmb welchen ein Zetl fliegt, mit dieser byschrifft ‚Jubet et prohibet‘ (vgl. Sp. 1201), in der andern handt ein buech, so offen ist, mit dießer schrifft darin ‚in legibus salus‘. 2) Theologia: ein Kindl mit Zweyen gesichten, eines sicht gehn himmel, das andere auf die Erden, worbey eine runde Kugl mit Sternen, ein radt in der handt haltent, mit ein Zetl, darauf geschrieben ‚sacra Theologia‘. 3) Phylosophia: ein Kindl mit etlichen biechern wie ein Orgl auf den henden halten[d], wobey ein Zetl mit dieser beyschrifft ‚Philosophia est donum et inuentum deorum ...‘. 4) Mathematica: ein Kindl mit Zweyen fliegl an dem Kopf [vgl. Philosophie in Dillingen, Abb. 16], under haltendt einen globum Coelestem, in der rechten handt einen Zirgl vnd Zetl Mathematica‘“ (Hinweis von Karl-August Wirth, Mchn.). Die Aufspaltung der Philosophie in Personifikationen der redenden und der rechnenden Künste geht letztlich auf die Unterteilung der sieben freien Künste in Trivium und Quadrivium zurück. Auf dem Rektoratsblatt von Joh. Anton von Bernhard, 1773 (Wien, Univ.archiv), sind die vier F. durch Putten mit Attributen dargestellt; die medizinische F., der dieser Rektor angehörte, wird durch zwei ein Rezept herstellende Putten am Mörser abgebildet (Abb. 18; G[rete] D[e] F[rancesco], Die F. in Put[t]engestalt, Ciba Zs. 3, 1936, 1178).

c. Exempla

Als Exempla für die Darstellung der einzelnen F. können Schilderungen aus Bibel und Legende dienen. Solche Wiedergaben sind bisweilen mit F.-Bildern aus einer der bereits genannten ikonographischen Gruppen verbunden. Die bekannt gewordenen Beispiele gehören ausnahmslos dem 18. Jh. an.

Im Gewölbe der Stiftsbibl. in Vorau, Stmk., malte Ignaz Gottlieb Kröll nach 1731 als Exempla der theologischen, der juristischen und der philosophischen F. den Diakon Philippus, der den Kämmerer der äthiopischen Königin belehrt (Apg. 8, 26–39), das Urteil Salomos und den Besuch der Königin von Saba bei Salomo; ob und inwieweit die übrigen Darstellungen in Kartuschen auf die einzelnen F. sich beziehen, ist noch nicht geprüft worden [12, S. 78]. In der Stiftsbibl. St. Pölten, N.Ö. (s. Sp. 1203), hat Paul Troger 1734 die F. durch die Verzückung Pauli (Apg. 9; Theologie), das Gleichnis vom Zinsgroschen (Jurisprudenz), die Heilung des blinden Tobias (Medizin) und den hl. Dionysius Areopagita, der die Sonnenfinsternis beim Tod Christi beobachtet (Philosophie), vorgestellt (Brigitte Heinzl, Die Freskomal. Paul Trogers, Wiener Jb. 19, 1962, 179; G. Winner a.a.O. [Sp. 1203], Abb. 179 und 182). Zwei der genannten Exempla kehren in der Malerei der Seitenkuppeln in der Stiftbibl. in Altenburg, N.Ö., 1742 von Paul Troger, wieder (Abb. 13); die theologische F. ist jedoch durch die vier Kirchenväter, die medizinische durch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter verbildlicht (B. Heinzl a.a.O. S. 190f.; Wanda Aschenbrenner und Gregor Schweighofer, P. Tr., Leben und Werk, Salzburg 1965, S. 81, Abb. 35, vgl. auch Abb. 34).

d. erweiterte Darstellungen

In erweiterten Darstellungen können alle bisher genannten Motive der F.-Darstellungen miteinander kombiniert werden; außerdem sind hier einzelne Disziplinen der F. deutlicher hervorgehoben, wobei auch an der betreffenden Universität neu eingeführte Fächer berücksichtigt sein können. Ein Charakteristikum solcher Darstellungen ist die Vermischung von Heiligen sowie zeitgenössischen, historischen, allegorischen und mythologischen Personen und Szenen; auch Landschafts- und Architekturformen können Teil des Programms sein; ferner wurden gemalte Bildwerke von Göttern und Personifikationen thematisch einbezogen. Inwieweit diese stärker differenzierenden F.-Darstellungen sich – Analogien zu den auch auf anderen Gebieten der Allegorie im 18. Jh. zu beobachtenden Spezialisierungen – mit Gedanken der Aufklärung berühren, bleibt zu prüfen.

Joh. Evangelist Holzer lieferte 1739–1740 einen Entwurf für die Deckenmalerei in der Galerie der Würzburger Residenz, auf dem u. a. die medizinische und die philosophische F. dargestellt sind (ein zweiter Entwurf für die andere Hälfte der Decke ist zu erschließen, auf ihm waren wahrscheinlich die zwei anderen F. wiedergegeben). Die medizinische F. wird vorgestellt durch eine von Pflanzen umgebene Statue des Äskulap, vor der man zeitgenössisch gekleidete Teilnehmer an einer anatomischen Demonstration, einen Mann bei der Destillation, Exoten mit Mineralien bei einem Mörser und, besonders hervorgehoben, einen kahlköpfigen Mann sieht, um dessen vorgestreckten rechten Arm sich eine Schlange windet; die philosophische F.: vor der Statue einer Frau mit Schlüssel und Buch sind zahlreiche Männer und Jünglinge bei der Arbeit vornehmlich mit naturwissenschaftlichen Geräten geschildert (Nürnberg, Germ. Nat.-Mus.; Ausst.Kat. „Forschung und Technik in der K.“, Ludwigshafen 1965, Nr. 4, Abb. 37). – Auf den Fresken, die Joh. Wenzel Bergl 1773 in der ehem. Bibliothek des Augustinerklosters in Wien, heute Lesesaal der Hofbibliothek, und Karl Frister 1774 in der Bibliothek des Zisterzienserklosters Neukloster in Wiener Neustadt malten, sind alle F. in traditioneller Weise durch Personifikationen bzw. die Statue des Äskulap wiedergegeben, jedoch zahlreiche weitere Darstellungen hinzugefügt; bei der theologischen F. in Wien z. B. Evangelisten und Kirchenväter, atl. Gestalten, darunter Moses, und die Personifikationen von Liebe und Hoffnung (auf der im Hintergrund gemalten Architektur); die personifizierte Philosophie umgeben Künstler und Gelehrte, aber auch Personifikationen ihrer Disziplinen (Geometrie, Architektur; vgl. Arpad Weixlgärtner, Joh. Bergl, Jb. Zentralkomm. N. F. 1, 1903, Sp. 358–77, bes. Sp. 369ff.). Während drei der F.-Darstellungen in Wiener Neustadt gegenüber denen in Wien nur geringe Veränderungen zeigen [14, S. 143], weicht diejenige der theologischen F. stärker ab: Mittelfigur ist hier eine Personifikation mit einem Rotulus (Inschrift: Joh. 1, 1), neben ihr stehen auf einer Seite Moses, David und Salomo, auf der anderen der hl. Bernhard von Clairvaux (ebd.).

Auf den vier heute zerstörten Fresken in der Aula der Bonner Universität, 1823–36 von Jakob Götzenberger (Karton zum Bild der medizinischen F. von Karl Herrmann unter Beteiligung von Ernst Förster und J. Götzenberger), scharen sich um die in herkömmlicher Weise wiedergegebenen Personifikationen bzw. um ein Standbild der Göttin Isis (auf dem Bild der medizinischen F.) disputierende Repräsentanten, Lehrer und Gelehrte der F. und ihrer Fachbereiche (Carlheinz Pfitzner, Jb. der rhein. Dpfl. 14/15, 1938, 545–62; ausführliche Beschreibung bei Wilh. Füßli, Die wichtigsten Städte am Mittel- und Niederrhein ... Bd. 2, Zürich und Winterthur 1843, S. 282–310).

1755 entwarf Pietro Metastasio im Auftrag des Fürsten Trautson, Erzb. von Wien, ein Programm für die Deckenmal. der Aula der Wiener Universität, heute Akademie der Wissenschaften (Text bei Justus Schmidt, Die alte Univ. in Wien und ihr Erbauer Jean Nicolas Jadot, Wien und Lpz. 1929, S. 54ff.). Er schlug vor, die an der Wiener Universität im Rahmen der vier F. betriebenen Wissenschaften „con la chiarezza possibile“ darzustellen; die differenzierten Angaben des Konzeptors sind in der 1755 von Gregorio Guglielmi unter Mitwirkung von Domenico Francia ausgeführten, 1961 bei einem Brand zerstörten, jetzt wieder hergestellten Malerei nicht überall erkennbar. Die theologische F., die lt. Konzept nicht nur im allgemeinen, sondern in ihren Hauptdisziplinen vorgestellt werden soll, wird wiedergegeben durch größere Gruppen miteinander Disputierender zu Seiten des hl. Johannes Ev., der vor einem Zentralbau sitzt. Bei der Darstellung der juristischen F. ist auf das römische Recht (Zwölftafelgesetz, Cod. Justiniani), auch auf das erst 1753 als Lehrfach zugelassene Naturrecht (Rud. Kink, Gesch. der kaiserlichen Univ. zu Wien, Bd. 1, 1, Wien 1854, S. 463ff.) hingewiesen, nicht aber auf das kanonische Recht; im Hintergrund findet eine Gerichtsverhandlung (?) vor einer Exedra statt (Abb. 14). Die medizinische F. ist, wie gefordert, „particolarmente per mezzo della botanica, della chimica e dell’ anatomia“ geschildert (1749 wurden erstmals Lehrstühle für Botanik und Chemie errichtet: ebd. S. 451 und Bd. 1, 2, S. 258). Für die Wiedergabe der philosophischen F. appelliert der Konzeptor an die Fantasie des Malers, den Reichtum an verschiedenen wissenschaftlichen Instrumenten und naturwissenschaftlichen Tätigkeiten abzubilden; im Hintergrund weisen Landschaft, Pyramide und antike Tempelarchitektur auf die Herkunft philosophischer Erkenntnisse hin (J. Schmidt a.a.O. S. 56–64, Abb. 7–10; Rich. Meister, Die F.-Wissenschaften auf dem Deckengem. im Festsaal der Akad. der Wiss. [Wien], Anz. der Österr. Akad. der Wiss., philosoph.-hist. Klasse 86, 5, 1949 [1950], 61–75; stark abweichende Vorzchgn. zur Darstellung der medizinischen und der philosophischen F. in Leningrad, Ermitage, und in Wien, Albertina, Ölskizze für letztere in der Art Gall. Toronto, vgl. Walter Vitzthum, Paragone 14, Nr. 165, 1963, 65–71, Abb. 61–63; zur jüngsten Restauration s. Otto Demus, Österr. Zs. für K. und Dpfl. 17, 1963, 50ff.; ders., ebd. 19, 1965, 131–44, und W. Blauensteiner, ebd. S. 144–47). Über den Entstehungsvorgang der Deckenmalerei in der Aula des Lyzeums in Eger (Erlau) unterrichtet der Schriftwechsel mit dem Maler aus den Jahren 1780–1782. Es sollen „die Wissenschaften, welche schon würklich existiren, als die Theologey, Philosophie, die Lands Rechten, die Astronomia, pragmatisch angezeiget werden“; im Hinblick auf die Darstellung dieser Wissenschaften wird empfohlen, sie „ab zu zeichnen oder opcopiern zu lassen wie diese in Wienn vor gestellet und gebildet seint“; vor Beginn der Arbeit soll der Maler die Meinung der Professoren einholen [14, Anhang S. 20 und 21]. Im Mittelpunkt der von Franz Sigrist ausgeführten Dekkenmalerei ist die „Vorsichtigkeit Gottes“ dargestellt. Den Kern der Wiedergaben von theologischer und medizinischer F. bilden Schilderungen des Unterrichts (Kollegszene: Abb. 19; anatomische Demonstration). Zum Bild der Theologie gehören u. a. Darstellungen der Evangelisten und der Kirchenväter, der Errichtung der Ehernen Schlange und der Beschneidung Christi sowie der Taufe Christi, Hinweise auf das A.T. und N.T. Der von Sigrist vorgelegte Entwurf für die Wiedergabe der juristischen F. wurde als „noch nicht vollkommen“ getadelt und dem Maler zur Auflage gemacht, sich „eine Idee von der practischen ungarischen Rechten“ zu verschaffen und „die Septem-Viral Tafel in ihrer Sitzung in Augenschein zu nehmen“ (ebd. Anhang S. 21; in Wien durften erst seit M. 18. Jh. die Landesrechte an der Universität gelehrt werden). Außer diesem Kollegium ist ein Mann mit dem Corpus Iuris Hungarici dargestellt, zu Seiten steht eine Statue der Justitia. Die philosophische F. wird durch Personen in zeitgenössischer Landestracht bei verschiedenen Tätigkeiten vorgestellt, weitere im Schriftwechsel vorgesehene Einzelheiten blieben unberücksichtigt (vgl. [14], Anhang S. 20; Inv. Ungarn, Heves megye müemlékei, Bd. 1 S. 220ff., Abb. 229).

4. Vorkommen

Darstellungen vieler F. für sich allein kommen, wie naheliegend, nur im Universitätsbereich vor: am Außenbau von Universitätsgebäuden. In Innenräumen von Universitätsgebäuden, besonders in Aulen und Bibliotheken, und von universitätseigenen Kirchenbauten, auch in den der Universität eingeräumten Kirchen- und Kapellenräumen kommen die F. üblicherweise nur als Teil übergreifender Programme vor (s. Sp. 1210ff.; eine Ausnahme machen z. B. die vier Gemälde in der Dillinger Studienkirche, s. Sp. 1198).

Auf vier Giebeln des Juleums in Helmstedt, des Hauptgebäudes der Universität, in dem die Aula und die Hörsäle der vier F. liegen, sind vier bekrönende Statuen von Jak. Meyerheine, 1595–1597, aufgestellt: Personifikationen der Jurisprudenz und der Medizin sowie der Theologie (?; Frau mit Kreuz und Buch); die vierte Figur, als Frau mit einer Taube beschrieben, wurde als Personifikation der Liebe ausgegeben (Inv. Hzgt. Braunschweig Bd. 1, S. 86–88).

Als Beispiele aus dem 17. Jh. seien die Porta Férrea in Coimbra und die Figuren auf der Attika der Bibliothek des Trinity College in Cambridge genannt (s. Sp. 1200f.; Abb. 9 a–d). Zwei F.-Personifikationen (Jurisprudenz, Philosophie?) sind auf der durch Chronogramm 1723 datierten Fassadenmalerei am Torbau der ehem. Universität in Altdorf, Mfr., dargestellt. Am Mathematischen Turm (Observatorium) der Breslauer Universität stehen vier F.-Personifikationen von Jos. Mangold, die 1733 aufgestellt wurden (Bernh. Patzak, Stud. zur schlesischen Kg. Bd. 1: Die Jesuitenbauten in Breslau und ihre Architekten [= Stud. zur dt. Kg., H. 204], Straßburg 1918, S. 61f.). Auf den Giebeln der Fassade der Alten Universität in Wien, errichtet 1753–1755, sind die vier F. als liegende Personifikationen angeordnet (J. Schmidt a.a.O. [Sp. 1207], S. 36, Abb. 2; für den älteren Zustand vgl. den Kupferstich von J. Ziegler, 1790: Mchn., Staatl. Graph. Slg., Inv.Nr. 41 230).

5. F. in größeren Bildprogrammen

Weit häufiger sind Darstellungen der vier F., die größeren Programmen integriert sind. Am frühesten finden sich Beispiele, in denen die F. – als Körperschaften der Universität – Bildern der Universität zugeordnet sind. Die Universität selbst kann vorgestellt werden durch ihren Patron, ihr Siegelbild usw.

In Verbindung mit dem Universitätspatron, dem hl. Hieronymus, sind die F. in den Reliefkartuschen in der ehem. Aula der alten Freiburger Universität, jetzt Neues Rathaus, dargestellt (2. H. 17. Jh.?: Rob. Blume, Die Zeichen und Siegel der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg i. Br., Schau-ins-Land 39, 1912, 12f., Abb. 31–35). In Ingolstadt wurden der Universitätspatronin Maria mehrfach Darstellungen der F.-Patrone zugeordnet, so auf Glasgem. von 15 27 (Abb. 6; s. Sp. 1196) und an der Bekrönung des Zepters der drei oberen F. v. J. 1642 (s. Sp. 1188); als Patronin der Kongregation erscheint Maria (Verkündigung an Maria) auf dem Altargem., das Bilder der F.-Patrone umgeben (s. Sp. 1197f.; Abb. 17 a und b). Auch an anderen Orten sind die F. zusammen mit dem Patron einer Kongregation dargestellt, so in Dillingen, wo in der Aula, die auch als Kongregationssaal diente, deshalb an der Stirnseite Maria auf dem Löwenthron Salomos im Haus der Weisheit (Hoheslied 9, 1), vor dem die Statuen der F.-Patrone stehen, wiedergegeben ist; auf der gegenüberliegenden Seite verehren Universitätsangehörige die als Altarfigur dargestellte Immakulata (Inv. Bayern, Schwaben Bd. 6, S. 378, Abb. 286f.). In der Salzburger Kollegienkirche, die der Unbefleckten Empfängnis Mariä geweiht ist, sind außer den genannten, den vier F.-Patronen geweihten Altären (s. Sp. 1196) zwei weitere vorhanden, deren Titel mit der Universität in Verbindung stehen: im linken Kreuzarm steht der Altar des hl. Karl Borromäus, des Universitätspatrons (Gem. 1721, Altar 1725 errichtet), im rechten der des hl. Benedikt, des Patrons der Kongregation (Gem. 1721, Altar 1727 errichtet; vgl. Inv. Österr. Bd. 9, S. 248f.). Den Sp. 1196 genannten Glasgem. in der Universitätskapelle des Freiburger Münsters, 1524, ist die Darstellung des zwölfjährigen Jesus im Tempel, Siegelbild der Universität [3, S. 6f., Abb. 1], in einem zweiten Fenster zugeordnet. Auch in den Reliefkartuschen der ehem. Aula in Freiburg (s. Sp. 1210) ist dieses Bildthema dargestellt. An die Stelle des in der Mitte des Basler Universitätsfensters von 1560 (Abb. 7) abgebildeten Siegelbildes der Universität ist auf dem Fenster von 1597 (s. Sp. 1199f.) eine Darstellung von Apok. 10, 1 getreten: die Übergabe des Buches an Johannes durch einen Engel. Dieses Fenster gehört zu einem Zyklus, zu dem u. a. auch die einzelnen F. Scheiben stifteten (vgl. W. Wackernagel a.a.O. [Sp. 1199], Abb. 3f., 7f.).

Auf dem Rektoratsbild von Karl Joh. de Fetzer, 1762, umgeben Personifikationen, die die theologische, medizinische und philosophische F. vorstellen, das auf einem Sockel angeordnete Wappen des Rektors, darunter sind seine Amtsinsignien dargestellt (Grete De Francesco, Fünf Rektoratsbll. aus der Hauptmatrikel der Univ. Wien, Ciba Zs. 3, 1936, 1173, Abb. S. 1172; auch sonst kommen die vier F. auf Rektoratsbll. vor: Abb. 18).

In zahlreichen Fällen sind F.-Darstellungen in Verbindung mit dem Landesherrn der jeweiligen Universität wiedergegeben. Dieser – im Bildnis oder heraldisch – kann als deren Gründer und Förderer der Wissenschaften erscheinen; umgekehrt kann die Zusammenstellung aber auch – u. a. – zur Verherrlichung des Herrschers beitragen, unter dessen Regiment sich Künste und Wissenschaften entfalteten.

Auf der Wiener Miniatur, die zw. 1384 und 1406 entstand (Abb. 3), knien die Vertreter der vier F. vor dem Universitätsgründer. Bildnisse früherer Herrscher in der Alten Aula in Heidelberg, 1715 (s. Sp. 1202f.), weisen auf die fortgesetzte Förderung der Universität durch die Landesherrn hin.

Beispiele für die Vertretung des Landesherrn durch sein Wappen sind die Glasgem. aus Ingolstadt, 1527 (s. Sp. 1196), und das Wappen des regierenden Kurfürsten im Zentrum der Decke in der Alten Aula in Heidelberg, 1715 (s. Sp. 1202f.).

Der „Wiedergründer“ der Mainzer Universität, Friedrich Karl Joseph von Erthal, Kf. von Mainz, wurde in seiner Eigenschaft als Förderer durch eine Personifikation seiner Freigebigkeit vorgestellt (s. Sp. 1203).

Für die Verherrlichung des Herrschers durch die F. seien drei Wiener Beispiele genannt. Beim Tod Kaiser Josephs I., 1711, stiftete die Wiener Universität ihrem Förderer ein Trauergerüst mit den Personifikationen der vier F. (u. a.; Abb. 10; s. Sp. 1201). In der Apotheose Kaiser Karls VI. in der Wiener Hofbibliothek erscheinen die F. unter den Zeugnissen seiner segensreichen Herrschaft (Abb. 11; s. Sp. 1201). Das Porträt des Kaiserpaares in der Wiener Aula soll zeigen, „da chi derivino i benefici influssi, che le scienze illustrano, e che le promovono“ (Programm von Pietro Metastasio, 1755; s. Sp. 1207).

Ein spätes Beispiel ist das von Ernst Julius Hähnel in Dresden 1846 entworfene Denkmal Kaiser Karls IV. auf dem Kreuzherrenplatz in Prag (gegossen 1848 von Jakob Daniel Burgschmiet in Nürnberg, im Jahr 1851 nach Prag gebracht; Abb. 20). „Rings um das Piedestal sind sechs Fuß hohe allegorische Figuren ..., die vier F. darstellend, und zwischen ihnen ... die Bildsäulen von vier berühmten Zeitgenossen des (Universitäts-)Stifters, welche um die Universität verdient sind: (Ernst von) Pardubitz und Ocko von Wlaschim, ... Benis von Kolowrat und ... Mathias von Arras“ (Journal für Mal. und bild. K. 4, 1853, 31; zur Herstellung des anläßlich der 500. Wiederkehr der Universitätsgründung errichteten Denkmals s. a. Kunstbl. 28, 1847, 164).

In den vielteiligen Bildprogrammen vor allem der Universitätsaulen und in Bibliotheken können F.-Darstellungen, die hier stets allgemein als Abbild der Künste und Wissenschaften aufzufassen sind, in unterschiedlichem Zusammenhang vorkommen. Ihr Verhältnis zum zentralen Bildmotiv ist fallweise sehr verschieden: die F. können eine unter vielen anderen Figurengruppen sein, bisweilen aber auch an hervorgehobener Stelle stehen. Gelegentlich können auch plastische Darstellungen der F. mit dem gemalten Bildprogramm inhaltlich zusammengehören.

Häufig finden sich Darstellungen der vier F. in Bildprogrammen, deren Hauptthema die Verherrlichung Göttlicher Weisheit als Quelle aller Wissenschaft ist.

An der Decke der Aula Leopoldina in Breslau sind die Patrone der beiden an dieser Universität allein bestehenden theologischen und philosophischen F., Thomas von Aquin und Katharina, zusammen mit Evangelisten, Kirchenvätern und Heiligen einer Allegorie der göttlichen Weisheit zugeordnet (1732 von Joh. Christoph Handke: Rich. Förster, Jb. der schlesischen Mus. für Kgwb. und Altertümer 6, 1912, 155f.). In inhaltlich ähnlichem Zusammenhang stehen die Darstellungen der F. in den Deckenfresken der Bibliothek des Stiftes Altenburg, N.Ö.: das Fresko der Mittelkuppel, eine Darstellung der Königin von Saba vor Salomo, exemplifiziert die Göttliche Weisheit; die F. sind – in den Seitenkuppeln – ebenfalls durch exemplarische Darstellungen vertreten (1742: s. Sp. 1205; vgl. Abb. 13). An der Decke des Mittelraumes der Stiftsbibliothek St. Pölten, N.Ö., hat Daniel Gran eine Allegorie der Weisheit („Initium sapientiae timor domini“, Ps. 111 [110], 10) dargestellt (vermutlich 1739 oder 1746–47: G. Winner a.a.O. [Sp. 1203], S. 155, 160f.); die vier F. – vorgestellt durch Exempla und Attribute – sind von Paul Troger in den Kuppeln der angrenzenden Seitenräume wiedergegeben (s. Sp. 1203,1205). Auch die plastischen Darstellungen auf den Türbekrönungen beziehen sich auf die vier F. (s. Sp. 1203). Das zentrale Thema der Fresken des Goldenen Saales in Dillingen, 1762, ist die Verherrlichung Mariä als Thron der Weisheit. Von Maria werden die Wissenschaften, vertreten durch vier F., erleuchtet und triumphieren über ihre Gegner (J. Schöttl a.a.O. [Sp. 1197], S. 99, 104–07; vgl. auch Abb. 16).

Als „Conubium virtutis ac scientiae“ bezeichnet das vom Stiftspropst Joh. Georg Wiesmayr konzipierte und von Daniel Gran ausgearbeitete Programm (1746) das Hauptthema der Ausmalung der Stiftsbibliothek St. Florian. Im Gefolge der Pallas, die der Tugend die Hand reicht, nennt das Programm unter anderen Wissenschaften die Theologia, Juridica, Medica und die Philosophia ([11] S. 4f., 20f.; [12] S. 70).

Zu den Abbildungen

1 a und b. Andrea da Firenze, Personifikationen und Repräsentanten der Wissenschaften. Florenz, S. M. Novella, Fresko an der W-Wand der Spanischen Kapelle am Kreuzgang. 1365ff. Fot. unbekannter Herkunft.

2 a und b. Wien, Österr. Nat.Bibl., cod. 2975 (Sammelhs.), Ausschnitte aus fol. 1 (1 a) und 2v, vier F. 2. Dr. 15. Jh. nach Vorlage aus dem 1. V. 15. Jh. Fot. Bibl.

3. Wien, Österr.Nat.Bibl., cod. 2765 (Durandus von Mende, Rationale), Ausschnitt aus fol. 1, Hzg. Albrecht II. als Universitätsgründer und vier F.-Vertreter. Wien, zw. 1384 und 1406. Fot. Kh. Inst. der Univ. Wien, Nr. 1390.

4. Heidelberg, Alte Univ., Rektorat, Bekrönung des Zepters der philosophischen F. mit Statuette der hl. Katharina von Alexandrien und bayer. Wappen (auf der anderen Seite der Konsole kurpfälzisches Wappen und Reichsapfel; Gesamtabb.: [9] Abb. 171). Silber, vergoldet, Wappen emailliert, Bekrönung 29,5 cm h. (Gesamtlänge des Zepters 132 cm). Ohne Goldschmiedezeichen (vermutl. Heidelberg), 1454; 1886 renoviert, dabei vermutl. Attribute der Hl. erneuert. Fot. Herm. Wagner, Hdbg.

5. Basel, Sekretariat der Univ., Disputation der hl. Katharina mit den Philosophen Maximians. Siegel der philosophischen F. der Univ. Basel (neuer Abdruck; Petschaft: Silber mit neuem Messingknopf, Dm. 4,8 cm). 1460 (?). Fot. Steiner und Co., Clichés, Basel.

6. München, Priv.bes., die hll. Kosmas und Damian neben Maria. Glasgem., Dm. 28 cm. Aus der Alten Aula der ehem. Univ. Ingolstadt. Bayern, 1527 dat. Fot. Slg.

7. Ludwig Ringler, Personifikationen der vier F. um das Siegelbild der Univ. Glasgem., 42 × 30 cm. Öffentl. K.slg. Basel, Inv.Nr. G 7, z. Zt. im Regenzsaal der Univ. 1560 dat. Fot. Slg.

8. Marburg a. d. L., Hess. Staatsarchiv, Best. 5 Nr. 8143, Siegel der medizinischen F. mit Darstellung des Hippokrates und Hermes am Brunnen der Hygieia. Kunststoffabguß eines Abdruckes von 1686, Dm. 3,6 cm. Siegelstock (verloren) dat. 1653. Fot. Archiv.

9 a–d. Cains Gabriel Cibber, die vier F. Stein, Maße unbekannt. Cambridge, Trinity College, O-Fassade der Bibliothek. 1680–81. Fot. Royal Commission on Hist. Mon. (England), London.

10. Joh. Bernh. Fischer von Erlach (Entw.), Trauergerüst zu den Exequien für Joseph I. im Stephansdom, Wien. Kupferstich, 41,7 × 29,8 cm, eingeheftet in: Albrecht Graf von Purgstall S.J., Theatrum gloriae Josephi I. ..., Wien 1711 (Exemplar der Bayer. Staatsbibl., Mchn., Sign. 2° Or. fun. 245). Fot. Bibl.

11. Daniel Gran, Personifikationen und Repräsentanten der vier F. Ausschnitt aus dem Fresko in der Mittelkuppel der Hof-(Nat.-)Bibl, Wien (Gesamtabb.: W. Buchowiecki a.a.O. [Sp. 1201], Abb. 27). 1726–30. Fot. Bundesdenkmalamt, Wien.

12. Franz Thaddäus Lang, hl. Lukas als Arzt. Kupfer, vergoldet, auf Holzkern, 100 × 81 cm. Aus schnitt aus dem Antependium, angefertigt für die Jesuitenkirche in Freiburg i. Br. (Gesamtabb.: A. Kempf a.a.O. [Sp. 1196], Taf. 76). Freiburg i. Br., Münster. 1736–37. Fot. Münsterbauver., Freiburg i. Br.

13. Paul Troger, „Zinsgroschen“ (Mk. 22, 15–22) und Personifikation der Justitia. Ausschnitt aus dem Deckengem. in der n. Seitenkuppel der Bibliothek des Benediktinerstifts Altenburg, N.Ö. 1742. Fot. Widmar Andraschek, Horn, N.Ö.

14. Gregorio Guglielmi unter Mitwirkung von Domenico Francia, die juristische F. Ausschnitt aus dem Deckengem. ehem. in der Alten Aula der Univ. Wien. 1755, 1961 zerst. Fot. Thomas Poensgen.

15. Joh. Anwander, hl. Thomas von Aquin, Gem., Öl auf Lwd., 178 × 240 cm. Dillingen, Studienkirche. Sign. und dat. 1762. Fot. Bayer. L.A. für Dpfl., Mchn.

16. Joh. Anwander, Personifikation der philosophischen F. Ausschnitt aus dem Deckengem. der Aula (sog. Goldener Saal) der ehem. Univ. in Dillingen. 1762 dat. Fot. Bayer. L.A. für Dpfl., Mchn.

17 a und b. Jos. Ant. Breitenauer oder Joh. Mich. Fischer zugeschr., hll. Kosmas (? oder Damian?) und Katharina. Holz, Fassung Polierweiß mit Teilvergoldung, Maße unbekannt. Ingolstadt, Kongregationssaal S. M. de Victoria, Hauptaltar. Um 1763. Fot. Lore Hammacher, Konstanz, Nr. JMV 8 und 19.

18. Franz Mayer, Putten mit F.-Insignien und Univ.-Zepter, Ausschnitt aus dem Rektoratsblatt des Rektors Johann Anton von Bernhard. Federzchg., laviert, Maße unbekannt. Wien, Univ.archiv, Hauptmatrikel. Nach Ciba Zs. 3, 1936, 1178.

19. Franz Sigrist, theologische F. Ausschnitt aus dem Deckengem. in der Aula des Lyzeums in Eger (Erlau; Gesamtabb.: Inv. Ungarn a.a.O. [Sp. 1209], Abb. 229). Sign. und dat. 1781. Fot. Országos müemléki Falügyelösig (Intendance des Mon. Hist. de la Hongrie), Budapest.

20. Ernst Julius Hähnel, Denkmal Kaiser Karls IV. Bronzeguß (von Jak. Dan. Burgschmiet, Nürnberg), 9,48 m h. Prag, Kreuzherrenplatz. Dat. 1848. Fot. Stengel und Markert, Dresden, Nr. 2131.

Literatur

Zu Abschn. II: 1. Joh. Gg. Hagelgans, Orbis literatus academicus germanico-europaeus, praecipuas musarum sedes, societates, universitates, earumque fundationes, privilegia, eventus, teutonicarum sigilla etc., Ffm. 1737.– 2. Erich Gritzner, Die Siegel der dt. Univ. in Dtld., Österr. und der Schweiz, in: Joh. Siebmacher’s großes und allg. Wappenbuch, Bd. I, 8, A, Nürnberg 1906. – 3. Friedr. Schaub, Die Siegel der Univ. Freiburg i. Br. und ihrer Fakultäten, Freiburg i. Br. 1932. – 4. Hubert Graven, Die Rektorats- und Fakultätssiegel der alten Univ. Köln, Jb. des kölnischen Gesch.ver. 17, 1935, 44–81. – 5. René Gandilhon, Sigillographie des universités de France, Paris und Bordeaux 1952. – 6. Walter Paatz, Sceptrum universitatis, Die europ. Univ.zepter (= Heidelberger kg. Abhn., N. F. 2), Hdbg. 1953. – 7. Rud. Schneider, Stud. zur Gesch. der Karls-Univ. zu Prag (= Forschgn. zur Gesch. und Landeskde. der Sudetenländer, 2), Freilassing und Salzburg 1954. – 8. Franz Gall, Die Insignien der Univ. Wien (= Stud. zur Gesch. der Univ. Wien, 4), Graz und Köln 1965. – 9. Günter W. Vorbrodt und Ingeburg Vorbrodt, Die akademischen Szepter und Stäbe in Europa (= Corp. Sceptrorum, Bd. 1), Hdbg. 1971.

Zu Abschn. III: 10. Julius von Schlosser, Giusto’s Fresken in Padua und die Vorläufer der Stanza della Segnatura, Jb. Kaiserh. 17, 1896, 13–100. – 11. Hans Tietze, Programme und Entwürfe zu den großen österr. Barockfresken, Jb. Kaiserh. 30, 1911, 1–28. – 12. Gert Adriani, Die Klosterbibl. des Spätbarock in Österr. und Süddtld., Graz, Lpz. und Wien 1935. – 13. Wilh. Mrazek, Die barocke Deckenmal. in der 1. H. des 18. Jh. in Wien und in den beiden Erzherzogtümern Ober und Unter der Enns, Diss. Wien 1947 (masch.). – 14. Alice Strobl, Der Wandel in den Programmen der österr. Deckenfresken seit Gran und in ihrer Gestaltung, Diss. Wien 1950 (masch.). – 15. Pigler II, S. 492.

Verweise