Eulenspiegel

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englisch: Owlglass; französisch: Eulenspiegel; italienisch: Eulenspiegel.


Friedrich Thöne und Thomas Poensgen (1970)

RDK VI, 341–360


RDK V, 1515, Abb. 26. Troyes 1655.
RDK VI, 341, Abb. 1. Hans Baldung Grien, vor 1515 (?).
RDK VI, 341, Abb. 2. Ausg. Antwerpen o. J. (um 1520-1530).
RDK VI, 343, Abb. 3. Ausg. Augsburg 1540.
RDK VI, 343, Abb. 4. Jost Amman, 1567.
RDK VI, 345, Abb. 5. Tobias Stimmer, zwischen 1566 und 1571.
RDK VI, 347, Abb. 6. Ausg. o. O. 1593.
RDK VI, 349, [Links] Abb. 7. Coenrad Waumans, 2. Dr. 17. Jh.

[Rechts] Abb. 8. Göttingen, um 1710.

RDK VI, 351, Abb. 9. Ausg. Amsterdam 1702.
RDK VI, 351, Abb. 10. Ausg. (Dresden) 1736.
RDK VI, 351, Abb. 11. Ausg. (Breslau) 1779.
RDK VI, 353, Abb. 12. Ausg. Nürnberg o. J. (A. 19. Jh.).
RDK VI, 353, Abb. 13. Peter Herwegen, M. 19. Jh.
RDK VI, 355, Abb. 14. Adolf Schrödter, 1856.
RDK VI, 357, Abb. 15. Julius Schnorr von Carolsfeld, 1861.

I. Person, Name, Quelle

Till E. (Ulen-, Ulnspiegel, Ulenspeg(h)el, Ulespieghel; engl. Howleglas; das franz. espiègle = Schalk stammt von E. ab) ist eine urkundlich nicht belegbare Persönlichkeit, ein Schalk oder Schelm (aber kein Narr), der in Kneitlingen bei Braunschweig geboren und in Mölln 1350 gestorben sein soll (zur Biographie: Gerhard Cordes in N.D.B. Bd. 4 [1959], Sp. 684f., sowie [6], S. 340–46; zur Erklärung des Namens: Ernst Jeep, Mitt. d. Dt. Sprachver. 6, 1895, 111ff.; Willy Krogmann, Ulenspiegel, in Karl Langosch [Hrsg.], Die dt. Lit. des MA. Verfasserlexikon Bd. 4, Bln. 1953, Sp. 565; Bächtold-Stäubli Bd. 5, Sp. 1779f.; Geo F. Lussky, Zs. f. dt. Philologie 63, 1938, 235–51). Den Lebensweg E. schildert ein Volksbuch, dessen ältestes erhaltenes Exemplar 1515 unter dem Titel „Ein kurtzweilig lesen von Dyl Vlenspiegel geboren vß dem land zu Brunßwick. Wie er sein leben volbracht hatt. XCVI. seiner geschichten“ in Straßburg erschien und als (erste?) Übersetzung der verlorenen niederdeutschen Urfassung ins Hochdeutsche gilt (maßgebende Textausg.: [Herm. Knust], Till E. [= Neudrucke dt. Literaturwerke des 16. und 17. Jh., Nr. 55 und 56], Halle a. S. 1884; Bibliographie der E.-Ausg. bei [6], Ergänzungen dazu Sp. 356ff.).

Nicht alle Bücher, in deren Titel der Name E. vorkommt, handeln von dem E. des Volksbuches: bereits zu Beginn der Neuzeit konnte E. als „nomen proprium“ und auch als „nomen appellativum“ benutzt werden. Hier ist nicht einzugehen auf: Erasmus Alberus, Der Barfüßer Münche E. und Alcoran, Wittenberg 1542 (ein prot. Pamphlet gegen den Franziskanerorden); A.B.C., Der Frantzösische E., zuerst Lpz. und Görlitz 1738 (die Übersetzung von: Abbé Bordelon, Les tours de Maître Gonin, Paris und Amsterdam 1713, vgl. [6], Nr. 68); anonym, Der jüngere E. oder der schlecht erzogene Mensch, zuerst Altona 1765 (schildert den Lebenswandel des Sohnes von Till E. als abschreckendes Beispiel, vgl. [6], Nr. 69); weitere solcher Titel bei [6], S. 219f.

II. Darstellungen

Darstellungen des Till E. sind zum weitaus größeren Teil Illustrationen zu Ausg. des Volksbuches (A); aus dem Zusammenhang mit dem Text gelöste E.-Wiedergaben (B) kommen seltener vor, und ihre Benennung ist oft unsicher.

A. Buchillustration

Illustrationen zum E. -Volksbuch:

Das Volksbuch ist in einzelne „Historien“ gegliedert; ihre Anzahl wechselt von Ausgabe zu Ausgabe, und auch ihre Reihenfolge ist unterschiedlich (die angegebenen Nummern der Hist. beziehen sich stets nur auf die jeweilige Ausgabe).

Am häufigsten waren E.-Ausg. im 16. Jh. (a): man kennt etwa vierzig, die alle mit Holzschnitten versehen sind („vnfigürliche“ Ausg. sind literarisch bezeugt, bisher aber nicht nachgewiesen). Aus dem 17. Jh. (b) konnten 24 Ausg. ermittelt werden, auch sie, soweit festzustellen, alle illustriert. E.-Ausg. des 18. Jh. (c) sind wieder etwas zahlreicher, die wenigsten davon aber illustriert. Die vielen bebilderten Ausg. des 19. Jh. (d) sind auf das damalige Interesse an deutschen Volksbüchern zurückzuführen.

a) Die meisten Ausg. des 16. Jahrhunderts sind nach dem gleichen Schema mit Holzschnitten ausgestattet: sie besitzen eine Darstellung auf dem Titelblatt, entweder E. zu Pferde, in der einen Hand eine Eule, in der anderen einen Spiegel haltend (Abb. 1), oder die Illustration zu einer am Anfang des Buches erzählten Historie (Abb. 3 und 4; im Text dann an entsprechender Stelle wiederholt). Den Schluß des Buches bildet die Wiedergabe von E. Grabstein („Epitaphium“) mit einer Eule, die auf dem Rand eines Spiegels sitzt (Abb. 6); die Inschrift des Grabsteins und seine Abbildung wird als letzte der Historien geführt. Die Historien werden immer nur mit je einem Holzschnitt illustriert; entweder ist jede oder nur eine Auswahl (30–90%) von ihnen bebildert.

Das Schema wurde offenbar schon mit den ältesten E.-Ausg. festgelegt; die erste erhaltene (Straßburg 1515: [1]; nicht bei [6]) enthält außer dem Holzschnitt auf der Titelseite (Abb. 1) und dem Grabstein (= Illustration zu Hist. 96) 85 Textillustrationen. Diese galten früher als Werke des Urs Graf (Paul Kristeller, Die Straßburger Bücher-Illustration im 15. und im A. 16. Jh., Diss. Lpz., Lpz. 1888, S. 99 Nr. 154), sind jedoch unter fünf Reißer aufzuteilen. Die Unterscheidungsmerkmale sind u. a. Kleidung und Haartracht des E. Der Holzschnitt auf dem Titelblatt und die Illustrationen zu acht Hist. (darunter drei von beschnittenen Holzstöcken abgedruckt: Hist. 10–12) werden – nicht ohne Zweifel – Hans Baldung Grien zugeschrieben (Ausst.Kat. „H.B.G.“, Karlsruhe 1959, S. 311 bis 313). Die zwölf querrechteckigen, die ganze Breite des Satzspiegels einnehmenden Schnitte stammen wohl von einem Meister, der unter dem Einfluß Schäufeleins stand (Monogrammist IS mit der Schaufel?).

Neben denjenigen Illustrationen, die schmäler als der Satzspiegel sind, stehen Füllholzschnitte, die sie auf Satzbreite bringen (vgl. Abb. 2). Diese Füllholzschnitte lassen sich in früheren Erzeugnissen derselben Druckerei nachweisen (wo sie allerdings Teile von Bildern waren, die aus mehreren Holzstöcken zusammengesetzt sind). Die beiden in der E.-Ausg. am häufigsten verwendeten geben Architekturmotive wieder und finden sich unter neun ähnlichen Stempeln in den Terenz-Ausg. von 1496 und 1499 (vgl. Schramm, Frühdrucke Bd. 20, Abb. 250f., 330 und 332). Die Frauengestalt neben den Illustrationen zu Hist. 11 und 12 kommt schon in den „Evangelia mit Vßlegungen“, 1498 und 1500, vor (ebd. Abb. 505 und 522), der Fahnenträger neben der zu Hist. 73 in Jacob Locher Philomusus, Panegyricus ad Maximilianum, 1497, und in der vom gleichen Autor kommentierten Horaz-Ausg. von 1498 (ebd. Abb. 386, 447 und 451).

Für die Illustration der Straßburger E.-Ausg. von 1519, 1539, 1543 [6, Nr. 1, 11 und 14] sowie 1531 (nicht bei [6]) sind die Holzstöcke der Ausg. von 1515 benutzt, jedoch ohne die Füllholzschnitte.

Die Straßburger E.-Illustration hat in bedeutendem Umfang als Vorbild gewirkt.

Der undatierte Antwerpener Druck ([2]; [6] Nr. 3), der manchmal zu Unrecht als älteste E.-Ausg. galt, stammt aus den 20er Jahren des 16. Jh. (nicht um 1495, wie [7]; nicht um 1512, wie [2]). Von seinen 46 Hist. sind nur 26 illustriert, und zwar mit Nachschnitten der Straßburger Illustrationen zu den betreffenden Hist. (nebst den Füllholzschnitten mit Architekturmotiven [!]: Abb. 2). Dieselben Holzstöcke wurden für die Ausg. Antwerpen 1575 und 1580 wiederbenutzt [6, Nr. 30 und 33]. Von den Antwerpener E.-Illustrationen sind die verschiedenen englischen und französischen abhängig ([6] S. 161; [1] S. 12).

Die 25 Illustrationen der Ausg. von Servais Kruffter (o. O. u. J. Köln, um 1520–30]: [4]; [6] Nr. 2; Umfang: 80 Hist.) übernehmen von den Straßburger Holzschnitten die Komposition, sind aber im Detail von ihnen unabhängig. Zur Bebilderung von Hist. 4 und 22 benutzte Kruffter ältere Holzstöcke mit Einzelfiguren, von denen sich eine – im Gegensinn und in der Kostümierung leicht abweichend – in den genannten Straßburger Terenz-Ausg. findet (Schramm a.a.O. Abb. 248 und 269; vgl. [6], S. 149).

Vereinfacht und verkleinert kehren die Straßburger E.-Illustrationen in der Kölner Ausg. von 1539 wieder [6, Nr. 10], z.T. setzen die Schnitte jedoch die Kenntnis der Kruffterschen voraus. Die Augsburger Ausgaben von 1540 und 15412 [6, Nr. 121.], die 100 Hist. und 44 Holzschnitte, davon 7 Wiederholungen, enthalten, wiederholen nicht nur kopienartig die Schnitte der Ausg. Köln 1539, sondern halten sich auch in der Verteilung von Text und Illustration im Satzspiegel genau an sie (Abb. 3). Die Kölner Schnitte oder ihre Augsburger Nachfolge lieferten auch das Vorbild für die Ausg. Frankfurt 1549 und 1555 (beide nicht bei [6]; sind sie unveränderte Aufl. von Ffm. 1545?); hier wurden sie im Gegensinn wiederholt, allerdings nicht immer ganz wörtlich und das Vorbild an Sorgfalt übertreffend. Die Frankfurter Holzstöcke ihrerseits wurden zwischen 1557 und 1563 unter Hinzufügung anderer zur Illustration der Ausg. Ffm. o. J., wiederbenutzt [6, Nr. 21]; Repliken in der Ausg. o. O. 1593 (Abb. 6; nicht bei [6]; deren Holzstöcke wiederverwendet in der Ausg. o. O. u. J. [A. 17. Jh.]; nicht bei [6]) und in einer von Paul Heitz [5] aus 12 erhalten gebliebenen Holzstöcken erschlossenen Ausg. Straßburg um 1570. Die meisten Illustrationen in der E.-Ausg. Eisleben 1594 (nicht bei [6]) und alle der Ausg. o. O. 1618 [6, Nr. 39] sind Kopien der Schnitte im Druck o. O. 1593; z. T. scheinen die Eislebener aber direkt auf die des Kölner Druckes von 1539 zurückzugehen.

Die Straßburger E.-Illustrationen von 1515 sind in den 86 Schnitten der Erfurter Drucke von 1532, 1533, 1538 [6, Nr. 5–7] und 1544 (nicht bei [6]; s. [12]) im Gegensinn wiederholt.

Die Vorbildlichkeit der Straßburger E.-Illustration ist selbst bei einigen der 103 Jost Amman zugeschriebenen Darstellungen zu Aegidius Periander, Noctuae speculum, Ffm. 1567 (latein. Version des E.; [6] Nr. 22), noch von fern zu ahnen; die meisten Holzschnitte sind jedoch neue Erfindungen (Abb. 4). Für eine (Frankfurter) Ausg. o. O. 1625 (nicht bei [6]) verwendete man 86 Holzstöcke des „Noctuae speculum“, für ihre Titelseite jedoch den – unten geringfügig beschnittenen – Holzstock, der auf der Titelseite der Ausg. Ffm. 1549 (s. o.) abgedruckt worden war.

Unter den E.-Illustrationen des 16. Jh. nehmen die Holzschnitte Tobias Stimmers zu Joh. Fischart, E.-Reimensweiß, Ffm. o. J. (1572; [6] Nr. 24), dank der Eigenständigkeit ihrer Erfindungen eine Sonderstellung ein (Abb. 5, das Verhältnis von Stimmers Holzschnitten zu Erfurter E.-Illustrationen bedarf noch genauerer Untersuchung). Von den über 90 Illustrationen (davon 11 wiederholt) sind 57 wiedergegeben in „Ein kurzweilig Lesen von Till Ulenspiegel“, Lpz. 1913.

b) Aus dem 17. Jahrhundert sind nur wenige deutsche E.-Ausg. bekannt: außer den drei genannten, deren Illustration man mit Holzstöcken des 16. Jh. bestritt (oder mit Nachschnitten), sind nur noch zwei weitere von 1675 und 1690 zu nennen [6, Nr. 45 und 47].

Die meisten E.-Ausg. dieses Jh. wurden in Frankreich und in den Niederlanden hergestellt. Die Titelblätter dieser Ausgaben zeigen einige Neuerungen. So ist in der Ausg. Rotterdam 1612, 16132 [6, Nr. 37f.] das „Epitaphium“, sonst am Ende des Buches, auf das Titelblatt gerückt; neue Darstellungen haben die Titelblätter der Ausg. Troyes 1655 (RDK V 1515, Abb. 26) und o. J. [6, Nr. 42 und 54]: auf dem der Ausg. 1655 sieht man die Tierfabel vom zärtlichen Esel (vgl. den Holzschnitt in Boners Edelstein, Ausg. Bamberg [Albr. Pfister] 1461, fol. 13v: Schramm, Frühdrucke Bd. 1, Abb. 24), und auf dem der undatierten Ausg. ist ein Satyr, der ins Horn bläst, wiedergegeben.

Eine Sonderstellung kommt den 72, um 1646 von Leonhaert Bramer geschaffenen Zchgn. zu 46 Hist. des E.-Volksbuches zu (Bremen, K.halle; Ernst Wilh. Bredt, L.B. Zchgn. zum Tyl Ulenspiegel, Lpz. 1924), nicht nur ihrer künstlerischen Qualität wegen: Bramer durchbricht erstmals das Prinzip, jede Hist. nur mit je einer Illustration zu versehen. Ein Niederschlag dieser Entwürfe ist in der Buchillustration nicht festzustellen.

c) Von den wenigen illustrierten E.-Ausg. des 18. Jahrhunderts folgen einige in der Gliederung und in der Illustration (auch hinsichtlich ihrer graphischen Technik) dem Herkömmlichen; vgl. die Ausg. Hamburg 1714, o. O. u. J. (um 1790), o. O. 1794 [6, Nr. 66, 82 und 74]. Andere bringen wichtige Neuerungen: die einzelnen Hist. finden moralisierende Deutungen – was allerdings ohne Einfluß auf die Thematik der E.-Illustration blieb –; die E.-Biographie wird bei Verzicht auf die Historieneinteilung romanartig in freier Bearbeitung dargeboten. Der Kupferstich gewinnt an Bedeutung: dieses technische Verfahren ist für den Schmuck von Titelblättern sonst nicht illustrierter Ausg. benutzt (z. B. Amsterdam 1702; [6] Nr. 59; Abb. 9), ferner für die neuen Illustrationen zu der romanartigen E.-Ausg. o. O. 1779 ([6] Nr. 71; die Kupferstiche auf Tafeln, darunter eine Falttafel, in das Buch eingeschossen).

Auf den Titelblättern tauchen neue Darstellungen auf, u. a. erstmals das Bildnis des Till E.

Die nicht ill. Ausg. o. O. (Dresden) 1736 [6, Nr. 67] enthält als Vorsatzkupfer eine ganzseitige Darstellung, die E. als einen in der Mode der Zeit gekleideten schmucken Jüngling zeigt, der mehrere Spiegel hält; um ihn herum springen Affen und fliegen Eulen (Abb. 10). In der Ausg. o. O. (Breslau) 1779 ([6] Nr. 71, mit „grus vigilans“ auf dem Titelblatt) dient der „ins Moderne übersetzte alte Grabstein des Till E.“, ein Rokokospiegel mit einem Kandelaber und einer Eule, als Vorsatzkupfer. Der erste Band dieser Ausg. enthält karikierende Schilderungen des Dialogs zwischen E. und seiner Mutter sowie einer Prügelszene (v. S. 117; n. S. 216), der zweite beginnt mit einem E.-Bildnis, dem einzigen bekannten in der Buchillustration: E. als Narr mit Nadel und Faden (Abb. bei [17]). Am Schluß des Bandes folgen zwei weitere Karikaturen: E. mit Eulenfüßen (n. S. 188) und E. vor den Ratsherren (n. S. 192, Abb. 11); der zuletzt genannte Kupferstich wird, da die Ratsherren ohne Köpfe wiedergegeben sind, im Text als ‚unvollendet‘ bezeichnet und die Idee, in Analogie zu Schriftsteller-Fragmenten‘ auch „Kupferstecher-Fragmente“ vorzulegen, als Neuheit gewürdigt.

Eine Neuerung des 18. Jh. scheint auch die Schilderung einzelner Historien zu sein, die nicht der Buchillustration dient oder diese vorbereitet, sondern als graphischer Beleg für die Lektüre des Volksbuches anzusehen ist. Der noch nicht zwanzigjährige Joh. Heinr. Füssli fügte drei lavierte Federzchgn. zu E.-Historien in das (sog. Jugend-)Album ein, das im Zürcher K.haus bewahrt wird (Bl. 77f.; Paul Ganz, Die Zchgn. Hans Heinr. F., Berlin-Olten 1947, Abb. 4; Frederick Antal, Fuseli Studies, London 1956, Taf. 3 b); zwei der Bll. wurden für Felix Nüscheler, H. F.’s Sämtliche Werke, Zürich 1807, von Heinr. Lips im Umriß gestochen (ebd. Taf. 3 und 6). Eine vierte Hist. schilderte Füssli in einer Zchg., die wie die genannten um 1758–60 entstand (Datierung nach Gert Schiff, J. H. F. [= Oeuvrekat. Schweizer Künstler I], im Erscheinen, Nr. 274–77) und im gleichen Museum sich befindet. In einem Falle weicht die Darstellung Füsslis vom Text des Volksbuches ab (Schiff Nr. 275).

d) Im 19. Jahrhundert erschienen die purifizierten Ausg. des sog. „wiedererstandenen E.“, die selten über 80 Historien enthalten (häufig sind die als unanständig empfundenen unterdrückt). Die Zählung nach Kapiteln, in denen auch zwei oder mehr Historien behandelt sein können, löst öfters die nach Historien ab.

In der Bebilderung der E.-Ausg. sind zwei Richtungen erkennbar: 1. Die eine, zu Beginn des Jh. (wie schon im letzten Jz. 18. Jh.) dominierende folgt in der Art der Illustration und in der Technik (Holzschnitt) bewußt Vorbildern aus dem 16. Jh. Besonders deutlich zeigen dies die Ausg. Nürnberg o. J. und Reutlingen (1849; beide nicht bei [6] und [9]), die die Holzschnitte des „Noctuae speculum“ (s. o. Sp. 346) im Gegensinn wiederholen (vgl. Abb. 12 mit Abb. 4); sie schildern die Streiche in kleinen, kunstlosen Holzschnitten. Die gleiche nüchterne Sachlichkeit kennzeichnet auch die Holzschnitte in anderen Ausg., deren Illustration nicht direkt an ältere Vorbilder anknüpft (z. B.: o. O. 1794 und Mchn. 1833; vgl. für beide Sp. 357).

2. Die andere Richtung sucht E. als Narren darzustellen und schildert die Historien – fast nie in Holzschnitten – in lebhafter, witzig karikierender Weise. Der Illustration wird gegenüber dem Text größere Bedeutung als bisher zuerkannt, was u. a. darin zum Ausdruck kommt, daß erstmals die Illustratoren namentlich auf der Titelseite genannt werden, so Heinr. Ramberg, der Künstler des Bilderbuches Tyll E., das 1827 in Hannover erschien [6, Nr. 87]. Der Text ist hier nur Unterschrift zu den 54 Radierungen (außerdem eine radierte Titelseite); sie zählen zu den frühesten Beispielen der zweiten Illustrationsweise und übertreffen in ihrer Nachwirkung alle anderen E.-Illustrationen des 19. Jh.; sie wurden kopiert für die Ausg. Stg. 1839 ([6] Nr. 97; weitere Aufl., z. B. 1862: [9] Nr. 1730) und von Peter Herwegen für die Ausg. o. O. u. J. (s. Sp. 358; Abb. 13). Auf der Titelseite wird auch Adolf Schrödter genannt, dessen acht große Lithographien zur Ausg. Düsseldorf (1857; [9] Nr. 2323) zu den besten E.-Illustrationen des 19. Jh. gehören (Abb. 14). Das veränderte Verhältnis zur Bebilderung ist auch am Wechsel des Buchformats abzulesen: während der 1. H. 19. Jh. blieb, wie herkömmlich, Kleinoktav das gebräuchliche Format der E.-Ausg. (etwa 17 × 11 cm), erst mit den Ausg., in denen der Illustration der Vorrang gegenüber dem Text eingeräumt ist, wächst das Format (z. B. Düsseldorf [1857]: 27 × 21 cm).

Im 19. Jh. benutzte man für die E.-Illustration neue graphische Techniken: die Radierung (Hannover 1827), die Federlithographie (o. O. u. J., nicht bei [6] und [9]; Abb. 13), die Lithographie (Düsseldorf [1857]; Abb. 14) und den Holzstich (Stg. 1862).

Die Dichte der Bebilderung ist sehr ungleich: die Ausg. o. O. 1794 enthält 20 Kapitel mit je einem Holzschnitt; diejenige Mchn. 1833 u. ö. gehört zu den seltenen Ausg. größeren Textumfanges, jede ihrer 100 – hier als Kapitel bezeichneten – Hist. ist illustriert. 57 von 83 Hist. sind in der Ausg. Nürnberg o. J. mit Holzschnitten versehen. Etwa im gleichen Verhältnis stehen Text und Illustration in den Ausg. mit den Kopien nach Ramberg. Jede zweite der insgesamt 16 Hist. ist in der Ausg. Düsseldorf (1857) illustriert. In Gthart. Oswald Marbachs Ausg. der Volksbücher sind von 80 Hist. lediglich 6 bebildert (Lpz. 1839; [6] Nr. 96).

Soweit die erhaltenen Einbände der E.-Bücher eine Beurteilung erlauben, hat es den Anschein, als zeigten sie im 19. Jh. erstmalig die Gestalt des E. So lieferte Moritz von Schwind 1832 für den von Heinr. Neuer geschnittenen Holzschnitt des broschierten Einbandes der Ausg. München 1833 die Vorzeichnung (Nagler, Mon. Bd. 4, Nr. 2160), und Jul. Schnorr von Carolsfeld schuf 1861 den Holzstich für den dreifarbigen Einband der Ausg. Stg. 1862 (Abb. 15).

E.-Streiche finden sich gelegentlich auch in den Folgen der Bilderbögen bzw. -bücher: der „Nürnberger Bilderbogen“ widmete E. die Nr. 810–813 (1. V. 19. Jh.; vgl. Elisabeth Reynst, Friedr. Campe und sein Bilderbogen-Verlag zu Nürnberg, Nürnberg 1962, S. 63), ebenso behandelte ein „Neuruppiner Bilderbogen“ die „Tollen und lustigen Streiche Till E.“ (ca. 1840, ein Exemplar im Till-E.-Mus. Schöppenstedt). 1872 zeichnete Eduard Ille die Illustrationen zur Nr. 31 der „Münchener Bilderbücher“ (sign. und dat.; vorhanden im Stadtmus. Mchn.).

B. Einzeldarstellungen

Es gibt nur wenige vom Volksbuch gelöste E.-Darstellungen. Ob und inwieweit szenische Schilderungen einzelner Historien in anderen Zusammenhängen, etwa in Emblembüchern, wiederkehren, ist noch nicht untersucht. Einzeldarstellungen E., die als solche geschaffen wurden (1), werden zahlenmäßig bei weitem von Darstellungen übertroffen, denen erst nachträglich die Deutung als E. unterlegt wurde (2).

1. Die meisten E.-Bildnisse gehen direkt oder indirekt auf Darstellungen zurück, die auf den angeblichen E.-Grabsteinen anzutreffen waren.

Deren gab es mehrere:

Ein Grabstein E. in Mölln ist erstmals in der ältesten Ausgabe des E.-Volksbuches (1515) erwähnt; wenn er so aussah, wie die Holzschnittillustration es andeutet, besaß er kein Bildnis. Ein solches ist ausdrücklich erst um 1565 bezeugt: „Erat in hoc lapide insculpta eius imago cum vestitu stulti, et a latere capitis Vlula cum speculo“ (Edward Schröder, Eulenspiegels Grabstein, Jb. des Ver. für niederdt. Sprachforschg. 16, 1891, 110f.; [16] S. 15).

Die etwas genauere Beschreibung eines Möllner E.-Grabsteines aus dem Jahr 1698 präzisiert entweder die Angaben von 1565 oder bezieht sich auf einen neuen Grabstein. Ihr entsprach ein verschollenes Gemälde im Rathaus zu Mölln, das in der Kopie einer Kopie aus dem frühen 17. Jh. erhalten ist (Abb. bei [14]; [16] S. 17 und 27f.). Diese zeigt einen stehenden Mann in der Kleidung des 16. Jh.; in der einen Hand hält er einen Korb voll kleiner Narren, in der anderen einen Krug, aus dem ein Narr herausschaut; auf dem Kopf trägt er einen Federhut. Neben ihm steht ein Hündchen mit einer Narrenkappe auf dem Kopf, und oben links ist E. „Wappen“ gemalt: eine Eule auf einer Narrenkappe mit einem Spiegel.

Von einem anderen Grabstein E. in Mölln berichtet Zacharias Conrad von Uffenbach (Merkwürdige Reisen durch Niedersachsen, Holland und Engelland, Ffm. und Lpz. 1753, Bd. 2 S. 7ff.). Er sah auf ihm E. lebensgroß – aber nicht ganzfigurig, in den Händen Eule und Spiegel, in einem mit Schellen besetzten Gewand. Einiges dieser Darstellung mag in die einfachen auf Papier getuschten E.-Bildnisse übergegangen sein, die, wie Uffenbach ausdrücklich erwähnt, Reisenden damals in Mölln als Andenken angeboten wurden [16, S. 20f.]. Ein solches E.-Bild fand sich im Nachlaß Uffenbachs und zeigt den stehenden E. im Narrengewand, in den erhobenen Händen Eule und Spiegel und über dem Arm einen Korb voll kleiner Narren (Göttingen, Niedersächs. Landes- und Univ.Bibl.; Abb. 8).

Der heutige Grabstein in Mölln stammt aus der 2. H. 18. Jh. [16, S. 25]. In der oberen Hälfte ist durch Ritzung ein stehender Mann im Narrengewand gezeichnet, der Eule und Spiegel in den erhobenen Händen hält; darunter eine Inschrift.

Ein in Damme bei Brügge vorhanden gewesener „Grabstein E.“ hat in den Niederlanden spätestens im 17. Jh. die Ansicht aufkommen lassen, E. sei dort um 1300 gestorben und begraben (die Ausgaben des Volksbuches Amsterdam 1637 und Antwerpen um 1640 [6, Nr. 40 u. 41] „korrigieren“ in diesem Sinne die Angabe, E. sei um 1350 in Mölln gestorben und begraben). Der vermeintliche E.-Grabstein, 1556 erstmals bezeugt, war ein Marmorrelief in der Pfarrkirche zu Damme, das, nach der Darstellung und der Inschrift zu urteilen, Humanisten dem Dichter und Stadtschreiber Jacob van Maerlant errichteten. Es zeigte einen sitzenden Gelehrten mit Brille an einem Pult, neben dem eine Eule saß. Durch Mißdeutung der Pultfläche als Spiegel konnte das Relief als E. Grabstein gelten. Wenn auch der antiquarische Sachverhalt bereits um 1665 bekannt war [16, S. 35], so ist dieses Bild doch zum Archetypus zahlreicher druckgraphischer E.-Darstellungen geworden, die als Bildnisse des „niederländischen E.“ von denen des Möllner E. abgesetzt werden. Als Beispiele seien genannt: Coenrad Waumans (geb. Antwerpen 1618): „Vera effigies Thyly Vlenspiegel ... gestoruen Anno 1301“, J. Meyssens exc. (Abb. 7; Nagler, Künstlerlex. 23, S. 559, Nr. 30); – Paulus Fürst, Peter Troschel sc. (Nürnberg zw. 1640 und 1680); – Casp. de Hollander exc.; – Buchillustration eines anonymen Stechers zu Joh. Conr. Knauth, Saxonia vetus et magna in parvo, Dresden 1727, und Medard Thönerts zu K. F. Flögel, Gesch. der Hofnarren, Liegnitz 1789.

Unabhängig von den E.-Grabsteinen sind zwei E.-Bildnisse: das eine, das sich in der Rhedigerschen Bibl. zu Breslau befand, ist nur durch den Nachstich von F. Felder in (F. Herzberg), Leben und Meinungen Till E., (Breslau) 1779, bekannt (s. Sp. 348); das andere befindet sich z. Z. als Leihgabe des Kestner-Mus. Hannover in Wolfenbüttel (Frdr. Thöne, Die wiederhergestellten Schloßräume = Sonderdruck aus dem Heimatkalender 1956 für den Lkrs. Wolfenbüttel, Schöppenstedt). Beide Bildnisse gehen zurück auf einen Kupferstich des 17. Jh. (des Egidius Sadeler?: Elfried Bock, Die dt. Graphik, Mchn. 1922, Abb. 226), der in Breslau genauer kopiert wurde als in Wolfenbüttel.

Unklar bleibt, wie die E.-Bilder in Kneitlingen/Elm und Braunschweig ausgesehen haben. Nach Matth. Merian, Topographia vnd eigentliche Beschreibung der Vornembsten Stäte, Schlösser, ... in denen Herzogthümer Braunschweig vnd Lüneburg, Ffm. 1654, S. 182 (Faks.-Ausg., hrsg. von Luc. Heinr. Wüthrich, Kassel und Basel 1961), wurde in Kneitlingen E. „Abb. auch auff einem Stein“ während des 30jährigen Krieges noch gezeigt, „endlich aber wegen deß zu großen Anlauffs der zu sehen begierigen Krieger umb Gefahr und Schaden zu verhüten weggethan“; das Bild im Braunschweiger Dom wurde 1712 noch von Kurfn. Sophie dort angetroffen: Gg. Schnath, Briefwechsel der Kurfn. S. von Hannover ..., Bln. und Lpz. 1927, S. 248).

2. Es zeugt von der Volkstümlichkeit E., daß seit dem 16. Jh. immer wieder Darstellungen von Personen mit einer Eule (a), von *Narren (b), und von Männern mit entblößtem Gesäß (c) „Eulenspiegel“ genannt wurden.

a) Die für die Kunstgeschichte folgenreichste Fehldeutung war die des „Grabsteines“ von Jacob van Maerlant, s. o. Sp. 353f. – 1675 hieß bei Joachim von Sandrart (Teutsche Academie: ed. Arthur Rud. Peltzer, Mchn. 1925, S. 86) ein Kupferstich von Lucas van Leyden aus dem Jahre 1520 (B. 157) „E.“. Der Stich zeigt eine kinderreiche Familie auf Wanderschaft; einem Kinde sitzt eine Eule auf der Schulter. Möglicherweise bezieht sich Dürers Ausgabenvermerk v. J. 1520 aus Brüssel „ein Stüber für zween Eulensbigel“ auf dieses Blatt (Dürers schriftlicher Nachlaß, hrsg. v. Hanns Rupprich, Bln. 1956, S. 156). – „E.“ hieß schon vor M. 18. Jh. Rembrandts Radierung B. 188 aus dem Jahr 1642 mit einem flötespielenden Hirten, dem eine Eule auf der Schulter sitzt (Edme François Gersaint, Cat. raisonné de toutes les pièces, qui forment l’œuvre de R., Paris 1751, S. 148 Nr. 180: „Un Morceau, connu en Hollande sous le nom de Euylle Spiegel, qui veut dire le Hibou“). – Das 1683 als „narrenkopf mit einer indianischen nuß“ bezeichnete Kunstkammerstück wurde 1733 und später als „des eylenspigls portrait in einer gockes nuß ..., das gesicht und ohren von silber“ beschrieben (Anna Maria Renner, Die Kunstinventare der Mkgfen. von Baden-Baden [= Beitr. zur Gesch. des Oberrheins, Bd. 1], Bühl in Baden 1941, S. 31, 118, 231 u.ö.). – Im 19. und 20. Jh. hat vor allem die Fachliteratur Eulenspiegels Namen ohne triftige Gründe als ikonographische Bezeichnung verliehen. 1854 erwog Lappenberg, ob die einem Ziegelstein im Gemäuer der Marienkirche zu Wismar eingeritzte, menschenköpfige Eule mit einem viereckigen Gegenstand als E. zu deuten sei [6, S. 318ff.]. – Erst jüngst wurde die Darstellung eines Narren mit einer Eule auf einer Flaschenvase der Berliner Porzellanmanufaktur aus der M. 18. Jh. als E. bezeichnet (Eva Wipplinger, Fayencen der dt. Manufakturen aus der Staatl. Gal. Moritzburg in Halle/Saale, Halle 1965, Abb. 20).

b) Auch Darstellungen von Narren, denen nicht die Eule als Attribut beigefügt ist, wurden gelegentlich als Wiedergaben E. mißdeutet. So die dudelsackspielenden Narren, die auf den Rolanden in Stendal, Magdeburg und Gardelegen in Relief wiedergegeben wurden (Karl Hoede, Das Rätsel der Rolande, Gotha 1911, S. 129 mit Abb.; [13] S. 234; Antonius David Gathen, Rolande als Rechtssymbole, Bln. 1960, S. 31f.; der Narr in Magdeburg hatte allerdings zusätzlich noch einen Spiegel in der Hand). – Die Deutung ihres Attributes als Spiegel trug einer Konsolfigur im Kloster Bebenhausen den Namen E. ein (so auch Eduard Mörike, vgl. [14], S. 53 Anm. 115; Henri Paul Eydoux, Das Zisterzienserkloster B., Tübingen 1950, S. 40, Abb. S. 58). – Auch der auf einer grünglasierten Ofenkachel, dat. 1566, in Relief wiedergegebene, auf einem Steckenpferd reitende Narr wurde als E. bezeichnet (Ausst.Kat. „Aufgang der Neuzeit“, Nürnberg, Germ. Nat. Mus., 1952, S. 20, Nr. D 34).

c) Da in vielen E.-Streichen das entblößte Gesäß eine Rolle spielt, ist die Darstellung dieses Motives öfter ohne weiteres als Indiz für E.-Bilder erachtet worden. So wollte man in einem Mann, der seine Rückseite im Spiegel besieht, E. sehen (Marmorrelief, eingelassen in dem 1594 gesetzten großen Kachelofen im Artushof zu Danzig: Niederdt. Zs. für Volkskde. 17, 1939, 126, Abb. 1); desgleichen wurde dem bei der gleichen Verrichtung geschilderten Affen am Säulenschaft des Petrus-Brunnens zu Trier auf dem Hauptmarkt, 1595 von Hans Ruprecht Hoffmann, der Name E. gegeben (Franz Balke, Über die Werke des kurtrierischen Bildhauers H. R. H. † 1615, Trier 1916, S. 42f.). – In Goslar ist an der Kaiserworth das „Dukatenmännchen“, ein nackter Mann am Pranger, der sein Hinterteil zeigt ([6] S. 321; [13] S. 233). Diese Darstellung und eine Reihe ähnlicher gilt oder galt im Volk als E.

Ergänzungen zur Bibliographie bei [6]:

1515: Straßburg: s. Sp. 343f. 1531: Von vlenspiegel Eins bauren sun des lands Bru(n)schweick, wie er sein leben volbracht hat gar mitt seltzamen sachen (Am Schluß:) Getruckt zu Straßburg durch Christoffel Grieninger. Im. M.CCCCC.XXXI. Jar. (U. B. Tübingen, Depot der ehem. Preuß. St.B. [Yt 5603R] vorhanden)

1544: Erfurt. Vierte Aufl. von [6], Nr. 5. (Exemplar N.B. Wien: für diese wie die früheren Erfurter Ausg. s. [12]).

1549: Seltzame vnnd Wunderbarliche Historien, Tyl Vlenspiegels, eines Bawren Son, Bürtig auß dem Landt zu Braunschweick. Newlich auß Sächssischer sprach, auff gut hoch Deudsch, verdolmetscht, sehr kurtzweilig, mit schönen Figuren. Gedruckt zu Franckfurdt, am Mayn, durch Herman Gulffrichen. 1549. (2 nicht paginierte S., 125 foliierte Bll., 4 nicht paginierte S. Reg., 102 Hist.; Titelschnitt, 102 Textholzschnitte, Epitaph, Wappen; Exemplar in der U.B. Mchn.)

1555: Wunderbarlich vnnd Seltzame Hystorien, Tyl Eulenspiegels, eines Bawren Son, Bürtig auß dem Landt zu Braunschweig. Newlich auß Sächssischer sprach, auff gut Hochdeutsch verdeutscht, sehr kurtzweilig, mit schönen Figuren. Gedruckt zu Franckfurdt am Mayn, durch Jost Kran, 1555. (Titelblatt, 101 foliierte Bll., 2 nicht paginierte S. Reg., 102 Hist.; Titelschnitt, 102 Textholzschnitte, Epitaph. In dem Exemplar Mchn. Priv.bes. fehlen fol. 84 und 85)

1593: Wunderbarlich und seltzame Historien Tyl Eulenspiegels, Eines Bawren Son, bürtig auß dem Land zu Braunschweig. Newlich auß Sächsischer Sprach auff gut Hochteutsch verdolmetscht, sehr kurtzweylig. MDXCIII. (145 Bll., 102 Hist.; Titelschnitt, 101 Textholzschnitte, Epitaph; B.St.B. Mchn. vorhanden)

1594: Wunderbarliche und seltzame Historien, Tyll Eulenspiegels, Eines Bawren Sohn, Bürtig aus dem Landt zu Braunschweig, Newlich aus Sechsischer Sprach auff gut Hochdeutsch verdolmetscht, sehr kurtzweilig. MDXCIIII. (Am Schluß:) Gedruckt zu Eisleben, bey Andreas Peters Erben. (107 nicht foliierte Bll., 102 Hist. und Grabinschrift; Titelschnitt, 57 Textholzschnitte, Epitaph; G.N.M. Nürnberg vorhanden)

A. 17. Jh.: Wunderbarliche und seltzame Historien, Tyll Eulenspiegels, eines Bauren Sohn, Bürtig auß dem Land zu Braunschweig. Neulich auß Sächsischer Sprach, auff gut Hochteusch verdolmetscht, sehr kurzweilig. Gedruckt in diesem Jahr. (Exemplar der B.St.B. Mchn. mit Titelschnitt und 91 Textholzschnitten ist unvollständig)</font>

1625: Wunderbarliche und seltzame Historien, Tyll Eulenspiegels, Eines Bawren Sohn, bürtig auß dem Lande zu Braunschweig. Aus Sächsischer Sprach auf gut Hochteutsch verdolmetschet, und jetzt wider auffs new mit etlichen Figuren vermehret und gebessert, sehr kurtzweilig zu lesen. (Ffm.) 1625. (106 nicht foliierte Bll., 102 Historien; Titelschnitt, 86 Textholzschnitte, Epitaph, Schlußvignette; B.St.B. Mchn. vorhanden)

1794: zu [6], Nr. 74: zwei Aufl. im gleichen Jahr, bei [6] nur die zweite.

A. 19. Jh.: Der wiedererstandene Eulenspiegel, oder sonderbare Historien Tyll Eulenspiegels, eines Bauers Sohn, gebürtig aus dem Braunschweigischen. Mit Figuren. Samt einem Anhang lehrreicher Reimen. Neue verbesserte Auflage. Nürnberg, in der I. A. Endter’schen Buchhandlung. (176 S., 83 Hist.; Titelschnitt, 56 Textholzschnitte, Epitaph; identisch mit [6], Nr. 108?; B.St.B. Mchn. vorhanden)

1833, 18362, 18373, 18444: München [6, Nr. 90 bis 93]: Vollst. Titel bei [9], Nr. 327.

1845: Zweite Aufl. von Lpz. 1839 [6, Nr. 96].

(1849): Der wieder erstandene Eulenspiegel. Das ist: Wunderbarliche und seltsame Historien Tyll Eulenspiegels, eines Bauren Sohn. Gebürtig aus dem Lande Braunschweig. Reutlingen bei Justus Fleischhauer. (132 S., 80 Hist.; Titelschnitt, So Textholzschnitte, Epitaph; G.N M. Nürnberg vorhanden)

(1857): Düsseldorf: Vgl. [9], Nr. 2323.

1862: Stg.: Vgl. [9], Nr. 1730.

2. V. 19. Jh.: Der wiedererstandene Eulenspiegel, das ist: wunderbare und seltsame Historien Tyll Eulenspiegels, eines Bauern Sohn, gebürtig aus dem Lande zu Braunschweig. Sehr kurzweilig zu lesen. Gedruckt in diesem Jahr. (195 S., 80 Hist.; 27 Taf. mit 1 und 26 mit 2 Federlithographien nach Ramberg; B.St.B. Mchn. vorhanden)

Zu den Abbildungen

1. Hans Baldung Grien, Titelseite der Ausg. Straßburg 1515. Holzschnitt, 12,3 × 8,9 cm. Nach [1].

2. Ill. aus der Ausg. Antwerpen o. J. (um 1520–30), Bl. A IVv. Holzschnitte, 8,1 × 6,4 cm (Bild); 8,1 × 2,7 cm (Architektur). Nach [2].

3. Titelseite der Ausg. Augsburg 1540. Holzschnitt, 9,5 × 9,7 cm. Fot. RDK (Hzg.-August-Bibl. Wolfenbüttel).

4. Jost Amman (zugeschr.), Titelseite der lat. Ausg. Ffm. 1567. Holzschnitt, 4 × 5 cm. Nach dem Original.

5. Tobias Stimmer, Ill. aus der Ausg. Ffm. o. J. (1572), Bl. 12. Holzschnitt, 5,5 × 7,7 cm. Fot. Stoletzki, Wolfenbüttel, F 42.

6. Ill. aus der Ausg. o. O. 1593, Bl. (145). Holzschnitt, 6,8 × 5,1 cm (ohne Umschrift). Nach dem Original.

7. Coenrad Waumans, Bildnis des E. Kupferstich, 17,1 × 11,8 cm. 2. Dr. 17. Jh. Fot. Rijksmus. Amsterdam.

8. Göttingen, Niedersächs. Landes- und Univ.Bibl., Bildnis E. Lavierte Federzchg., 39,1 × 31 cm. Um 1710. Nach [17].

9. Vorsatzkupfer der franz. Ausg. Amsterdam 1702. 9,5 × 5,9 cm. Fot. Th. Poensgen, Bln.

10. Vorsatzkupfer der Ausg. (Dresden) 1736. 15,5 × 9,5 cm. Fot. Th. Poensgen, Bln.

11. Ill. aus der Ausg. (Breslau) 1779, Bd. 2, Taf. n. S. 192. Kupferstich, 13,3 × 8,7 cm. Fot. Th. Poensgen, Bln.

12. Ill. aus der Ausg. Nürnberg o. J. (A. 19. Jh.), S. 17. Nach dem Original.

13. Peter Herwegen, Ill. aus der Ausg. o. O. u. J. (M. 19. Jh.), Taf. n. S. 72, oben. Federlithographie, 6,3 × 7,5 cm (Abb. oben leicht beschnitten). Nach dem Original.

14. Adolf Schrödter, Ill. aus der Ausg. Düsseldorf (1857), Taf. vor S. 9. Lithographie, 20 × 15 cm. Sign. u. 1856 dat. Nach dem Original.

15. Julius Schnorr von Carolsfeld, Bucheinband der Ausg. Stg. 1862. Farbiger Holzstich, 16,8 × 11,4 cm. Sign. u. 1861 dat. Nach dem Original.

Literatur

Faks.-Ausg.: 1. „Ein kurtzweilig lesen von Dyl Ulenspiegel, ...“ (Straßburg 1515), hrsg. v. Edward Schröder, Lpz. 1911. – 2. „Ulenspiegel. Van ule(n)spieghels leven ...“ (Antwerpen um 1520–30), hrsg. v. Mart. Nijhoff, o. O. u. J. (Den Haag 1898). – 3. desgl., hrsg. v. Diederik Theodoras Enklaar, Utrecht 1943. – 4. (Ausg. Köln um 1520–30:) Tyel Ulenspiegel in niedersächs. Mundart nach dem ältesten Druck des Servais Kruffter photolithographisch nachgebildet, Bln. 1865. – 5. Paul Heitz, Originalabdruck von Formschneider-Arbeiten des 16. und 17. Jh., meist aus verschollenen Volksbüchern, N.F., Straßburg 1894, Taf. 111–13.

Bibliographien: 6. Joh. Mart. Lappenberg, Dr. Thomas Murners Ulenspiegel, Lpz. 1854 (S. 147–220: Bibliogr.). – 7. Joh. Gg. Theod. Graeße, Trésor de livres rares et précieux Bd. 2, Dresden 1859 (Neudruck: Mailand und New York 1950), S. 515–17. – 8. P. Heitz und Franz Ritter, Versuch einer Zusammenstellung der Dt. Volksbücher des 15. und 16. Jh. ..., Straßburg 1924, S. 26–36. – 9. Arthur Rümann, Die illustrierten dt. Bücher des 19. Jh. (= Taschenbibliographien für Büchersammler, Bd. 4), Stg. 1926. – 10. Edward Schröder, Ein unbekannter E.-druck, Zs. f. dt. Altertum und dt. Lit. 70, 1933, 273–79. – 11. Brit. Mus. General Cat. of Printed Books Bd. 69, London 1960, Sp. 499–503. – 12. Martin von Hase, Die von Melchior Sachse in Erfurt 1532–1544 gedruckten Ausg. des Volksbuches vom E., Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel, Frankfurter Ausg. 24, 1964, 548ff. (= Eulenspiegel-Jb. 1964, 15–19).

Sonstiges: 13. Ernst Aug. Roloff, Ewiger Eulenspiegel, Braunschweig 1940. – 14. Renate Maria Radbruch, Der dt. Bauernstand zwischen MA und Neuzeit (= Münchner Beitr. zur Kg., Bd. 10), Mchn. 1941, S. 49–55 (Göttingen 19612). – 15. Wilh. Kosch, Dt. Lit.-Lex., Bern 19492, S. 471f. (neu bearb. v. Bruno Berger: Bern und Mchn. 1963, S. 84). – 16. Willy Krogmann, Eulenspiegels Grabstein (= Niederdt. Bücherei, Bd. 248), Hamburg 1950. – 17. Heinz Ohlendorf, Till Eulenspiegel. Aufnahmen aus dem Eulenspiegel-Mus. zu Schöppenstedt, Wolfenbüttel 1959. – 18. D. Th. Enklaar, Uit Uilenspiegel’s Kring (= Van Gorcum’s Historische Bibliotheek, Deel 23), Assen o. J. – 19. Paul de Keyser, Jacob van Maerland und Till Eulenspiegel, Eulenspiegel-Jb. 1964, 8–15.– 20. Bodo Hedergott, Vom Geiste Till Eulenspiegels ... [= Ausst. Braunschweig, Städt. Mus.], Braunschweig 1965.