Altarglöckchen

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englisch: Sanctus bell, altar-bell; französisch: Sonnette d'autel; italienisch: campanello da messa.


Joseph Braun, S.J. (1934)

RDK I, 493–495


RDK I, 493, Abb. 1. München, St. Michael.
RDK I, 493, Abb. 2. Köln, Schnütgenmuseum.
RDK I, 493, Abb. 3. München, Bayr. Nat.-Mus.
RDK I, 495, Abb. 4. Köln, Schnütgenmuseum.

Ein Glöckchen, mit dem nach heutiger Vorschrift in der Messe beim Sanktus und bei den auf die Konsekration der Hostie und des Weines folgenden Elevationen allgemein sowie nach örtlichem Brauch vielfach auch bei Beginn der Opferung und dem Domine non sum dignus vor der Kommunion ein Zeichen gegeben wird, um die Aufmerksamkeit der Gläubigen auf jene Akte zu lenken. Andere Gelegenheiten, bei denen es nach ausdrücklicher Bestimmung oder nach Brauch zur Verwendung kommt, sind der feierliche Segen mit dem heiligsten Sakrament, Austeilung der Kommunion, Krankenversehgänge und sakramentale Prozessionen. Ursprünglich wurde es nur bei den Elevationen in der Messe geläutet. Das auch bei den anderen Gelegenheiten zu tun, wurde erst allmählich üblich, teils sogar erst in nachmittelalterlicher Zeit. In den Kartagen wird das Glöckchen nach altem Herkommen durch eine Klapper oder Knarre ersetzt.

In Gebrauch kam das A. (campanula, tintinabulum, nola) um etwa 1200, im Zusammenhang und veranlaßt durch die im späten 12. Jh. in Übung kommende Elevation der konsekrierten Gestalten, zunächst nur der konsekrierten Hostie, bald aber auch des Kelches mit dem konsekrierten Wein. Kleine Glocken, mit denen zu Beginn der Messe und des Chorgebets ein Zeichen gegeben wurde, hat es freilich schon weit früher gegeben. Sie hatten aber noch nicht den Charakter von A. Zuerst hören wir von einem solchen zum Jahr 1201. Im Lauf des 13. Jh. wurde es von verschiedenen Synodal- statuten (Coventry 1231, Worcester 1240, Exeter 1287) ausdrücklich vorgeschrieben. Um E. 13. Jh. muß es Durandus zufolge (Rationale 1. 4 c. 41) schon weite Verbreitung gefunden haben.

Angefertigt wurden die A. von jeher vornehmlich aus Bronze. Nur selten begegnen uns in den mittelalterlichen Inventaren silberne, goldene nur ganz ausnahmsweise, wie in den Inventaren Karls V. und Karls XI. von Frankreich.

Seiner Form nach war das Glöckchen entweder ein Hand- oder ein neben dem Altar angebrachtes Wandglöckchen. Die Glöckchen des ersten Typus bestanden entweder nur in einer größeren Schelle oder, doch erst seit dem ausgehenden Mittelalter, aus 2 oder mehreren in einem glocken- oder korbartigen Behälter vereinigten kleineren, Zimbel (cymalum) oder Klinsel genannt (Abb. 1–4). Die Glöckchen des 1. Untertypus waren die Regel, die des 2. wurden erst im 17. und 18. Jh. häufiger, besonders auch in Deutschland. Schöne korbförmige Beispiele aus dem E. 16. Jh. haben sich in guter Abbildung im Schatzbuch von St. Michael zu München erhalten (Abb. 1). Zahlreiche glockenförmige gibt es in Deutschland noch aus dem 17. und 18. Jh., so in der Sammlung des Klerikalseminar zu Freising, im Schnütgenmus. zu Köln (Abb. 4) sowie namentlich im Nat.-Mus. zu München (Abb. 3). Die ältesten A. des 1. Untertypus, die sich in Deutschland erhalten haben, entstammen dem 16. Jh. (Münster, Bischöfl. Mus.; Regensburg, Dom; u. a.).

Die Wandglöckchen bestanden meist nur in einer mit einer Zugschnur zum Läuten versehenen Schelle, doch gab es auch solche, die aus einer größeren Zahl kleiner, an einem Rad, das durch eine Zugschnur gedreht wurde, vereinigten Schellchen bestanden, sogenannte Glockenräder. Ein großes sternförmiges Glockenrad von 1415 hat sich im Dom zu Fulda erhalten, ein kleineres, spätgotisches aus dem Augsburger Dom im Nat.-Mus. zu München, ein Glockenrad von 1611 in der Pfarrkirche zu Landsberg a. L. Bemerkenswert ist, daß die Schellchen der Klinseln und Glockenräder am Rand mit Zacken versehen zu sein pflegten.

Zu den Abbildungen

1. München, Zimbel aus dem Schatzbuch von St. Michael, um 1600. Phot. Verf.

2. Köln, Schnütgenmuseum, Klinsel mit 12 Glöckchen aus Zinn, 17. Jh. Phot. Bildarchiv d. Rhein. Mus., Köln.

3. München, Bayr. Nat.-Mus., Zimbel, 17. Jh. Phot. Verf.

4. Köln, Schnütgenmuseum, Zimbeln des 17. und 18. Jh. Phot. Bildarchiv d. Rhein. Mus. Köln.

Literatur

1. Jos. Braun, Das christl. Altargerät, München 1924, S. 573ff.

Verweise