Buchdruckermarken

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englisch: Printer's devices, printer's marks; französisch: Marque d'imprimeur; italienisch: Marca tipografica.


Wilhelm H. Lange (1947)

RDK II, 1357–1361


RDK II, 1357, Abb. 1. Bartholomäus Gothan, Lübeck, um 1488.
RDK II, 1359, Abb. 2. Johann Amerbach, Johann Petri, Johann Froben, Basel, 1512.
RDK II, 1359, Abb. 3. Christoph Froschauer, Zürich, um 1525.
RDK III, 21, Abb. 7. Jost Amman, Feyerabends Druckermarke, um 1590.

B. oder Buchdruckerzeichen begegnen seit Einführung des Buchdrucks ständig, wenn sie auch mit dem 16. Jh. allmählich von den Verlegermarken verdrängt werden, da der Drucker im Buche zurücktrat. Schon die Fust-Schöffersche Offizin versah ihre Werke von B48 [= 48-zeilige Gutenberg-Bibel] von 1462 an ständig mit einer B., dem berühmten an einen Ast gebundenen Doppelschild, die von zahlreichen Druckern in Basel, Köln, Erfurt, Leipzig, Nürnberg, den Niederlanden usw. übernommen wurde. Als ursprüngliches Motiv sind die gebrochenen Linien und Kreise anzusehen, wie sie von altersher in Hauszeichen, den Marken der Steinmetzen, den Wasserzeichen der Papierer üblich waren, auf die wohl die B. überhaupt zurückzuführen sind. Erst später wurde diesen Eigentumsmarken und Ursprungszeugnissen eine sinnbildliche Deutung unterschoben. Diese vielfach sehr eindrucksvollen Gebilde wurden abgewandelt, mit Monogrammen, Ornamentik und Figuren rein symbolischen Gehalts vereinigt. Zunächst überwogen religiöse Motive. Vor allem wurde von Italien her in Deutschland und anderen Ländern sehr beliebt der Kreis mit einem Kreuz darüber mit vielen Varianten in Linienführung und Kreisfüllung: das Symbol für die Allmacht Gottes und der Kirche über das Weltall.

Stark verbreitet waren von Anfang an Eigenwappen, Städtewappen oder bildliche Deutungen des Namens (redende Zeichen). Drucker ohne eigene B. brachten gerne das Stadtwappen in einem Holzschnitt, einer Initiale oder im Rankenwerk unter, so Johann Zainer in Ulm. Im 15. Jh. stehen in Deutschland die B. immer am Schluß, in Frankreich oft auf der Titelseite, was in Deutschland nur ganz vereinzelt vorkommt, z. B. im Bamberger Heiltum Hans Sporers von 1493. Ebenso selten ist die Vereinigung eines signetartigen Holzschnitts mit dem Druckvermerk, wie im „Catho tzo duytschen“ des Ulrich Zell mit einem prächtigen Marienholzschnitt.

Obwohl die erste B. von Fust und Schöffer in Metall geschnitten ist, herrscht bis E. 16. Jh. der Holzschnitt vor. Meist beauftragten die Drucker ihren Formschneider mit der Schaffung einer Marke, so daß viele künstlerisch wenig besagen. Es gibt aber auch hervorragende Stücke, z. B. von Bartholomäus Gothan in Lübeck nach einem Entwurf des Meisters der Lübecker Bibel (Abb. 1), von Kunz Kachelofen, abgewandelt nach einem Schongauerschen Stich, von Peter Drach in Speyer mit dem naheliegenden Drachenmotiv, höchst eindrucksvoll dekorativ zusammengefaßt, das Allianzsignet von Amerbach, Petri und Froben in Basel von 1512 (Abb. 2) usw. Vielleicht darf man in der B. Friedrich Riederers in Freiburg (1493 bis 1499) eine Beeinflussung durch Dürer aus Basel vermuten. Später haben sich auch anerkannte Meister unmittelbar an der Schaffung von B. beteiligt: Hans Holbein für Froschauer in Zürich (Abb. 3), Johann Bebel, Adam Petri, Froben u. a. in Basel, Hans Baldung für Thomas Anshelm, Urs Graf, Hans Wechtlin usw. So spiegelt sich in den B. die Entwicklung der Holzschnittkunst sehr überzeugend wider.

In der Wiegendruckzeit ist die Untermalung der B. mit religiösen, weltanschaulichen, moralischen oder sonstigen persönlichen Bekenntnissen noch selten. Die Begeisterung für die Impresen und Devisen führte im 16. Jh. zu zahlreichen derartigen Motiven. Als Vorbilder dienten die Hypnerotomachia Poliphili des Colonna von 1461, erstmals gedruckt von Aldus Manutius 1499 mit den herrlichen Holzschnitten, die Hieroglyphica des Valeriano, Basel 1556, die Emblemata des Alciati von 1521, gedruckt von Steyner, Augsburg 1531, mit Illustrationen von Jörg Breu und in mehr als 150 Ausgaben verbreitet, u. a. Manche B. lassen sich unmittelbar auf diese Vorlagen zurückführen, wie die berühmte, zahllos nachgeahmte Delphinmarke des Aldus mit der Devise: Festina lente oder tarde oder die B. von Wechel in Frankfurt, der das eigene Emblem des Alciati übernahm. Manches Zeichen späterer Zeit, z. B. der sein Junges leckende Bär Breitkopfs im 18. Jh., lassen sich nur aus hieroglyphisch-emblematischen Motiven deuten. Devisen ohne emblematischen Bezug finden sich gelegentlich schon im 15. Jh., z. B. bei Bergmann von Olpe, der Brants Narrenschiff herausbrachte und wohl auf dessen Anregung mit seinem Wappen in reizvollen ornamentalen Fügungen die Worte: Nihil sine causa, auch deutsch: Nüt on vrsach verband. Auch religiöse Bekenntnisse kommen bereits im 15. Jh. vor, um im 16. Jh. ganz allgemein zu werden. Daneben treten nun symbolische Vorwürfe aller Art: Tiere oder Pflanzen, vor allem klassisch-mythologische Figuren wie Occasio, Abundantia, Justitia, Ceres, Sophrosyne, Arion, Pegasus, Jupiter, Merkur, meist verbunden mit einem klassischen Zitat. Im übrigen erfährt mit dem 16. Jh. die B. als Teil des Titelblatts oder der Schlußseite steigende dekorative Bedeutung, was auf die Motive und ihre formale Gestaltung entsprechend zurückwirkt.

Wenn auch Drucker und Verleger meist das einmal gewählte Motiv beibehielten, so wechselten sie doch gerne mit der Ausführung. Sigmund Feyerabend in Frankfurt besaß mehr als 40 B. mit der bekannten Fama, darunter allein 35 nach Entwürfen Jost Ammans und Tobias Stimmers, wie sich im 16. Jh. die meisten Illustratoren auch mit B. befaßten. Weniger reich ist die Ausbeute im 17. Jh. Die B. beschränkten sich jetzt mehr auf heraldische Dinge mit irgendeinem wortreichen Wahlspruch, der die Tüchtigkeit, den Fleiß, das Wohlverhalten, die Kirchlichkeit des Verlegers beweisen sollte. Gefällige Lösungen bieten die monogrammartigen B. Im 18. Jh. wurden gern Motive früherer Jh. wieder aufgegriffen und mit dekorativen Gebilden der Zeit umrahmt, worin z. B. die Wiener Vortreffliches leisteten. Dann stirbt die Sitte allmählich aus, um erst seit der letzten Jahrhundertwende im Zeichen der neuen deutschen Buchkunst durch zahlreiche Künstlerschöpfungen zu neuem Leben erweckt zu werden.

Zu den Abbildungen

1. Bartholomäus Gothan, Lübeck 1484–1492. Buchdruckermarke wahrscheinlich vom Meister der Lübecker Bibel. Um 1488. Nach Weil, Die deutschen Druckerzeichen des 15. Jh., München 1924 [7].

2. Johann Amerbach, Johann Petri, Johann Froben, Drucker - Verleger - Sozietät Basel, Buchdruckermarke von 1512. Nach P. Heitz, Basler Büchermarken bis zum A. 17. Jh., Straßburg 1895 [3].

3. Christoph Froschauer, Zürich 1521–1564. Buchdruckermarke nach Zeichnung von Hans Holbein d. J., geschnitten von Hans Lützelburger. Um 1525. Nach P. Heitz [3].

Vgl. a. Abb. 7 unter Buchschmuck.

Literatur

1. Louis Cath. Silvestre, Marques typographiques, ou recueil des monogrammes ... en France, depuis l’introduction de l’imprimerie en 1470 jusqu’à la fin du 16e siècle, Paris 1853–67. 2. Jean Philibert Berjeau, Early Dutch, German and English printers’ marks, London 1866–(69). 3. Die Büchermarken oder Buchdrucker- und Verlegerzeichen, hrsg. von Paul Heitz, Karl Aug. Barack, Paul Kristeller u. a., 6 Bde., Straßburg 1892 bis 1898. 4. Hans Koegler, Basler Büchermarken bis zum Jahre 1550, Zs. f. Bücherfreunde 12, 1908/09, Bd. 1, S. 253ff., 2, S. 283ff., 328ff., 364ff. 5. Annemarie Meiner, Das deutsche Signet. Leipzig 1922. 6. Ludw. Volkmann, Bilderschriften der Renaissance, Hieroglyphik und Emblematik in ihren Beziehungen und Fortwirkungen (im Anhang: Hieroglyphen und Embleme in den Drucker- und Verlegerzeichen), Leipzig 1923. 7. Ernst Weil, Wilh. Jos. Meyer, Rud. Juchhoff, Max Jos. Husung, Die Drucker- und Verlegerzeichen des 15. Jh., 4 Bde., München 1924–29. 8. Maurits Sabbe, Le symbolisme des marques typographiques, De gulden Passer N. S. 10, 1932, S. 72ff.