Dansker

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englisch: Privy turret; französisch: Dansker; italienisch: Dansker.


Walther Huber (1954)

RDK III, 1050–1052


RDK III, 1051, Abb. 1. Thorn, um 1300.
RDK III, 1051, Abb. 2. Rehden, um 1300.

I. Begriff und Name

Unter D. (Dansk, Danzke, danczk, Danziger) versteht man die Abortanlagen der *Deutschordensburgen auf norddeutschem Boden.

Die Bezeichnung ist urkundlich seit 1393. Die Herkunft des Wortes ist unbekannt. Cohausen verweist auf die Möglichkeit eines scherzhaften Euphemismus. Wahrscheinlicher ist aber, daß die über der Mottlau errichteten Abortanlagen der früheren Ordensburg Danzig den Namen für die ganze Gattung gaben.

II. Beschreibung und Beispiele

Die Eigenart dieser Abortanlagen besteht darin, daß man sie in einem besonderen turmartigen Bauwerk über einem Gewässer, Flußarm oder Burggraben einbaute und durch einen hochgelegenen Gang auf Bogen oder Stützen mit dem Obergeschoß des Burgkomplexes verband. Solche außerhalb der Wohnräume gelegenen, aber durch einen Gang mit ihnen verbundenen Aborte zeigt, wenn auch ebenerdig, schon der Klosterplan von St. Gallen (RDK II 253/4 Abb. 10). Bei den Ordensburgen ist dieser Gedanke ins Große übersetzt und baulich verwirklicht.

Die turmartige Anlage und die Brücken- oder Bogengangverbindung ergab sich schon dadurch, daß die Aborte mit den Haupträumen in den oberen Geschossen der Burg verbunden werden sollten. Auch war diese außerhalb der Burgumfassungsmauern liegende Anlage dadurch dem feindlichen Angriff im wesentlichen entzogen. Sie konnte im Ernstfall selbstverständlich auch als eine Art vorgeschobener Außenwerke dienen.

Vier Beispiele von den rund zwanzig bekannten D. sind besonders charakteristisch: Marienwerder, Marienburg, Thorn und Rehden.

Am bekanntesten ist Marienwerder, wo der D. heute (infolge des teilweisen Abbruchs des Hauptschlosses) noch bedeutender als ehedem erscheint. Der D. ist im Grundriß etwa quadratisch mit einer Seitenlänge von rd. 7.50 m. Die Mauer, die unten etwa 1.80–2.00 m stark ist, hat zwei türähnliche Öffnungen für den Durchfluß eines Nogatarmes. Der Turm ist bis zur Einmündung des Ganges etwa 18 m hoch und völlig leer. Aus einem über einer Balkendecke liegenden Raum führt in der Mauerdicke eine Treppe in ein darüber liegendes Gemach. Eine zweite, baulich ähnliche Anlage im Norden des Schlosses enthielt einen Brunnen (K. H. Clasen, Marienburg und Marienwerder, Berlin 1931, Abb. 38).

Auf der Marienburg führt der Gang vom Hochschloß in der Diagonale nach dem D., der etwa 12 × 12 m mißt. Neben diesem „Herren Dansk“ für die im Hochschloß wohnenden Ritter gab es noch einen „meisters Danczk“, einen „meisters Kaplans Dansk“ und weitere Aborte teils in Türmen, teils in der Mauerdicke der Hochmeisterwohnung (Ebd. Abb. 6).

In Thorn (Abb. 1) ist die alte Anlage nicht erhalten. Sie wich insofern von den beschriebenen ab, als der Turm unten nach 3 Seiten geöffnet ist und in der vierten, nach dem Schloß zu liegenden Wand einen Abfallschlot enthält. Ein schmales Gewässer floß ehemals unter dem Turm durch.

Auf der Ordensburg Rehden (Abb. 2) war der D. mit der äußeren Umfassungsmauer verbunden. Erhalten sind die 4 Kragsteine aus Granit, auf denen die vermutlich hölzernen Aborte saßen. Dadurch lagen sie über dem wassergefüllten Burggraben. Eine Brücke führte von den Wohnräumen hinüber.

Die D. entstammen zumeist dem 13. und 14. Jh. Ihre Inneneinrichtungen waren schon nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr vorhanden.

Zu den Abbildungen

1. Thorn, Westpr., Danskerturm der Deutschordensburg. Um 1300, zerst. 1454. Nach Rekonstruktion von C. Steinbrecht. Zeichnung d. Verf.

2. Rehden, Westpr., Deutschordensburg. Der Dansker (links vorn) ist durch einen Bogen mit dem Hauptgebäude verbunden. Um 1300, zerst. seit 1772. Nach Rekonstruktion von C. Steinbrecht. Zeichnung d. Verf.

Literatur

1. Aug. von Cohausen, Die Befestigungsweisen der Vorzeit und des MA, Wiesbaden 1898, S. 254ff. – 2. Otto Piper, Burgenkunde, München 1895, S. 505. – 3. Conr. Steinbrecht, Die Baukunst des Dt. Ritterordens in Preußen, 4 Bde., Berlin 1885–1920. Bd. 1: Die Stadt Thorn, S. 19, Taf. IV; Bd. 2: Die Zeit der Landmeister 1230–1309. – 4. Walther Huber, Der Abort, Habilitationsschrift T.H. Karlsruhe 1950 (masch.). – 5. Ders., Der Abort, in: Gesundheitsingenieur 72, 1951, 63.

Verweise