Eglomisé

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englisch: Eglomisé, gilt glass, painted glass; französisch: Verre églomisé; italienisch: Eglomisé.


Charlotte Steinbrucker (1956)

RDK IV, 749–750


Als E. werden im Kunsthandel zu Unrecht verschiedene Arten der Hinterglasmalerei bezeichnet, vor allem diejenigen, die mit Verwendung von Metallfolien arbeiten.

Eglomisieren nennt man im heutigen Sprachgebrauch das Hintermalen von Flachglas mit Lack, aus welchem Bilder oder Schrift ausgespart bzw. ausgekratzt sind, die man dann mit Goldfolie, Silberfolie oder auch geknittertem Stanniolpapier o. ä. hinterlegt. Die Technik dient seit der 1. H. 19. Jh. vornehmlich für Schilder aller Art.

Der Name E. (urspr. glomisé) stammt aus der Kunsthändlersprache der 2. H. 18. Jh. und geht auf den Pariser Zeichner und Rahmenhändler Jean Bapt. Glomy († 1786) zurück, der angeblich als erster (nach anderen in Nachahmung des Pariser Sammlers und Stechers P. J. Mariette) für die Rahmung graphischer Blätter besondere Techniken des Hinterlegens von Glasrahmen anwendete; sie werden verschieden beschrieben:

„... des glaces servant à encadrer des estampes, et recouvertes, à l’intérieur du cadre, de filets d’or et d’une large bande noire, servant de bordure à l’estampe ou au dessin encadré (H. Havard [4] nach E. Bonnaffé). – „. . un dessin collé en plein sur carte forte, grise ou bleutée, encadré de filets noirs, tracés à l’encre de Chine, avec accompagnement parfois d’un filet blanc et toujours d’un filet de papier doré étroit“ (F. de Mély [5] nach A. de Montaiglon).

Der Kunsthandel hat, besonders im 19. Jh., den Begriff E. ausgeweitet und den Namen auf eine Anzahl von Verfahren der Hinterglasmalerei angewendet, die viel älter sind als Glomy und die, obwohl es sich nicht ausschließlich um Malerei handelt, in das Gebiet der Hinterglasmalerei gehören.

Man unterscheidet im wesentlichen drei verschiedene Techniken [3]:

1) Auf der Rückseite eines flachen oder gewölbten Glases ist die Darstellung gemalt; die von der Malerei freigebliebenen Flächen werden mit glatter oder geknitterter Metallfolie (Gold, Silber, Zinn o. a.) hinterlegt.

2) Einzelne Teile der Darstellung sind von vornherein in Goldfolie angelegt, in welcher dann die Binnenzeichnung mit der Nadel eingeritzt und mit schwarzem oder farbigem Lack hintermalt ist (meist ist die Vergoldung auf die Gewand- und Architekturteile beschränkt, während die Fleischteile in opaker Naturfarbe erscheinen).

3) Einfacher ist das Malen auf Zinnfolie, die dann von der Rückseite auf das Glas gebracht wird; hierbei braucht der Künstler die Darstellung nicht, wie bei der echten Hinterglasmalerei, in zeitlich umgekehrter Reihenfolge zu malen.

Literatur

1. Edmond Bonnaffé in: Chronique des Arts, 12. 4. 1884. – 2. Gay 1, 609f. – 3. Ferd. Luthmer, Eglomisirte Gläser, Kunstgewerbeblatt 4, 1888, 101–07, 129f. – 4. Havard 2, 322f. – 5. Ferd. de Mély, Art. „Eglomisé“ in: La Grande Encyclopédie 15, Paris o. J., S. 637f.; Art. „Glomy“, ebd. 18, S. 1085. – 6. Georg Swarzenski, Das Auftreten des Eglomisé bei Nicolo Pisano, Fs. Paul Clemen, Düsseldorf 1926, S. 326–28. – 7. Herb. Wolfg. Keiser, Die dt. Hinterglasmalerei, München 1937, S. 22 Anm. 1. – 8. Frdl. Mitt. von Dr. Erich Meyer, Hamburg.