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englisch: Window; französisch: Fenêtre, Croisée; italienisch: Finestra.


Walter Haas (I–V); Adolf Reinle und Friedrich Kobler (VI) (1981)

RDK VII, 1253–1466


RDK VII, 1257, Tafel I. Die Teile des Fensters.
RDK VII, 1259, Abb. 1. Aachen, 9. Jh.
RDK VII, 1259, Abb. 2. Goldbach, 9. oder 10. Jh.
RDK VII, 1259, Abb. 3. Speyer, um 1100.
RDK VII, 1259, Abb. 4. Königslutter, zw. 1135 und 1141.
RDK VII, 1259, Abb. 5. Maria Laach, um 1130-1156.
RDK VII, 1261, Abb. 6. Regensburg, 2. H. 12. Jh.
RDK VII, 1261, Abb. 7. Maastricht, gegen 1160.
RDK VII, 1261, Abb. 8. Reims, 1162-81.
RDK VII, 1261, Abb. 9. Laon, um 1175-1180.
RDK VII, 1265, Tafel II. Querschnitte karolingischer, ottonischer und romanischer Fenster.
RDK VII, 1267, Abb. 10. Gelnhausen, vor 1170.
RDK VII, 1269, Abb. 11. Eger, um 1180-1190.
RDK VII, 1271, Abb. 12. Burg Landsberg, Elsaß, um 1150.
RDK VII, 1271, Abb. 13. Wechselburg, um 1220.
RDK VII, 1271, Abb. 14. Burg St. Ulrich, Elsaß, um 1220.
RDK VII, 1273, Abb. 15. Seligenstadt, 1. Dr. 13. Jh.
RDK VII, 1277, Tafel III. Spätromanische Fensterformen im Kirchenbau.
RDK VII, 1279, Abb. 16. Chartres, um 1215?
RDK VII, 1281, Abb. 17. Reims, nach 1211.
RDK VII, 1281, Abb. 18. Seebach, Pfalz, um 1220.
RDK VII, 1283, Abb. 19. Köln, vor 1227.
RDK VII, 1283, Abb. 20. Bonn, um 1220/30.
RDK VII, 1283, Abb. 21. Bamberg, um 1220/30.
RDK VII, 1285, Abb. 22. Magdeburg, um 1220/25.
RDK VII, 1287, Abb. 23. Murrhardt, um 1225.
RDK VII, 1287, Abb. 24. Otterberg Krs. Kaiserslautern, zw. 1225 und 1254.
RDK VII, 1289, Abb. 25. Trier, um 1230.
RDK VII, 1289, Abb. 26. Marburg a. d. L., um 1235-1283.
RDK VII, 1289, Abb. 27. Paris, um 1243 -1248.
RDK VII, 1291, Abb. 28. Köln, 4. V. 13. Jh.
RDK VII, 1293, Abb. 29. Freiburg i. Br., nach 1250.
RDK VII, 1293, Abb. 30. Herford, M. 13. Jh.
RDK VII, 1293, Abb. 31. Wasenburg, Elsaß, um 1280.
RDK VII, 1295, Abb. 32. Regensburg, um 1280.
RDK VII, 1297, Abb. 33. Oppenheim, 2. V. 14. Jh.
RDK VII, 1297, Abb. 34. Marburg a. d. L., voll. 1311.
RDK VII, 1299, Abb. 35. Bebenhausen, um 1335.
RDK VII, 1299, Abb. 36. Regensburg, 2. Dr. 14. Jh.
RDK VII, 1301, Abb. 37 a. Schwäbisch Gmünd, 1351 - um 1373.
RDK VII, 1301, Abb. 37 b. Schwäbisch Gmünd, 1351 - um 1373.
RDK VII, 1303, Abb. 38. Prag, nach 1374.
RDK VII, 1305, Abb. 39. Wilsnack, beg. 1384.
RDK VII, 1305, Abb. 40. Dortmund, 1421-1450.
RDK VII, 1307, Abb. 41. Passau, um 1446.
RDK VII, 1307, Abb. 42. Lindau, 1422-1436.
RDK VII, 1309, Abb. 43. Konstanz, um 1425.
RDK VII, 1309, Abb. 44. Frankfurt a. M., beg. 1464.
RDK VII, 1313, Abb. 45. Gnadenberg, Opf., beg. 1451.
RDK VII, 1313, Abb. 46. Konstanz, 3. V. 15. Jh.
RDK VII, 1313, Abb. 47. Meißen, um 1470-1487.
RDK VII, 1315, Abb. 48. Danzig, 1470-1520.
RDK VII, 1317, Abb. 49. Überlingen, 1490-1494•
RDK VII, 1319, Abb. 50. Dettelbach, Ufr., voll. 1512.
RDK VII, 1323, Abb. 51. Benedikt Ried, um 1500, Prag.
RDK VII, 1323, Abb. 52. Augsburg, um 1509-1518.
RDK VII, 1325, Abb. 53. Erfurt, 1511-15.
RDK VII, 1325, Abb. 54. Breslau, um 1525.
RDK VII, 1327, Abb. 55. Görlitz, 1526.
RDK VII, 1327, Abb. 56. Bernhard Zwitzel, beg. 1535, Landshut.
RDK VII, 1329, Abb. 57. Schlettstadt, 1541.
RDK VII, 1329, Abb. 58. Landshut, 1536-42.
RDK VII, 1331, Abb. 59. Jakob Bahr, 1552-53, Brieg.
RDK VII, 1331, Abb. 60. Celle, M. 16. Jh.
RDK VII, 1333, Abb. 61. G. van Aken und Val. von Lyra, 1553-54, Wismar.
RDK VII, 1333, Abb. 62. Wolbeck bei Münster i. W., um 1554-1557.
RDK VII, 1335, Abb. 63. Lübeck, zw. 1570 und 1572.
RDK VII, 1335, Abb. 64. Daniel Heinz (zugeschr.), 1578, Basel.
RDK VII, 1335, Abb. 65. Münster i. W., 1589.
RDK VII, 1337, Abb. 66. Chr. und Hans Müller, 1585-89, Schmalkalden.
RDK VII, 1339, Abb. 67. Georges Robin (Plan) und Wolf Beringer, 1586-97, Weikersheim.
RDK VII, 1339, Abb. 68. Giov. Maria Faconi, 1592-97, Neuhaus, Böhmen.
RDK VII, 1341, Abb. 69. Paul Francke, 1592-97, Helmstedt.
RDK VII, 1341, Abb. 70. Bonaventura Daum (zugeschr.), 1603-11, Wien.
RDK VII, 1345, Tafel IV a und b. Heidelberg, 1556 - um 1559 und 1601-04.
RDK VII, 1347, Abb. 71. Lüder von Bentheim, 1595 - um 1613, Bremen.
RDK VII, 1347, Abb. 72. Gg. Ridinger, 1605-14, Aschaffenburg.
RDK VII, 1349, Abb. 73. Elias Holl, 1615-20, Augsburg.
RDK VII, 1349, Abb. 74. Jak. Wolff d. J., 1616-22, Nürnberg.
RDK VII, 1351, Abb. 75. Aschaffenburg, 1619-21.
RDK VII, 1353, Abb. 76. Chr. Wamser, 1618-29, Köln.
RDK VII, 1353, Abb. 77. Weikersheim, Umbau 1617.
RDK VII, 1355, Abb. 78. Santino Solari, 1614-28, Salzburg.
RDK VII, 1355, Abb. 79. Polling, nach 1621.
RDK VII, 1357, Abb. 80. Weilheim, 1624-28.
RDK VII, 1357, Abb. 81. Prag, beg. 1624.
RDK VII, 1359, Abb. 82. ehem. Dresden, um 1660.
RDK VII, 1359, Abb. 83. Luzern, 1666-73.
RDK VII, 1361, Abb. 84. Anton Hülse, 1673-92, Coesfeld.
RDK VII, 1361, Abb. 85. Giac. Scianci, 1680-86, Breslau.
RDK VII, 1363, Abb. 86. Ant. Petrini, 1682, Paderborn.
RDK VII, 1365, Abb. 87. Enrico Zuccalli, 1684, Schleißheim.
RDK VII, 1365, Abb. 88. Joh. Arnold Nering, Jean de Bodt, u. a., 1695-1706, Berlin.
RDK VII, 1367, Abb. 89. Rendsburg, 1695-97.
RDK VII, 1369, Abb. 90. Joh. Jak. Herkomer, 1701-17, Füssen.
RDK VII, 1375, Abb. 91. Frain a. d. Thaya, gegen 1700.
RDK VII, 1375, Abb. 92. Prag, 2. Jz. 18. Jh.
RDK VII, 1377, Abb. 93. Giov. Santini Aichel, wohl 1712-36, Seelau.
RDK VII, 1379, Abb. 94. Joh. Bernh. Fischer von Erlach, 1699-1704, Salzburg.
RDK VII, 1381, Abb. 95. R. de Cotte (Entw.) und G. Hauberat, 1715-23, Bonn.
RDK VII, 1381, Abb. 96. J. G. Ettlinger, 1716-28, Fürstenfeldbruck.
RDK VII, 1383, Tafel V. Fensterformen der Kollegienkirche Salzburg, 1696-1707, Joh. Bernh. Fischer von Erlach.
RDK VII, 1387, Abb. 97. Jak. Prandtauer, 1718-19 und 1722-24, St. Florian, O.Ö.
RDK VII, 1389, Abb. 98 a. Joh. Lucas von Hildebrandt, 1720-21, Wien.
RDK VII, 1389, Abb. 98 b. Joh. Lucas von Hildebrandt, 1720-21, Wien.
RDK VII, 1391, Abb. 99. Egid Quirin und Cosmas Damian Asam, 1723-24, Freising.
RDK VII, 1393, Abb. 100. Dom. Zimmermann, 1725-28, Sießen.
RDK VII, 1393, Abb. 101. Gaetano Chiaveri, 1738-46, Dresden.
RDK VII, 1395, Tafel VI. Würzburg, Residenz, 1719-45, Fensterachsen der einzelnen Trakte.
RDK VII, 1399, Abb. 102. Steingaden, Obb., 1747•
RDK VII, 1401, Abb. 103. Frz. Karl Fischer, 1747-48, Füssen.
RDK VII, 1403, Abb. 104. Balth. Neumann, 1742, Würzburg.
RDK VII, 1409, Abb. 105. Stuttgart, 1746-49 und 1752-56.
RDK VII, 1411, Abb. 106. Nik. Sprüngli, 1767-69, Bern.
RDK VII, 1415, Tafel VII. Fensterformen der Kirchenbauten Jos. Dossenbergers d. J.
RDK VII, 1421, Abb. 107. Frz. Xaver Kleinhans, 1748-51, Bobingen.
RDK VII, 1421, Abb. 108. Friedr. Joach. Stengel, 1761-75, Saarbrücken.
RDK VII, 1423, Abb. 109. Joh. Conrad Schlaun, 1767-84, Münster i. W.
RDK VII, 1425, Abb. 110. Michel d'Ixnard (Plan) und Joh. Jäger, 1773 beg., Buchau am Federsee.
RDK VII, 1427, Abb. 111. Gg. Chr. Hesekiel, 1773-84, Wörlitz.
RDK VII, 1429, Abb. 112. David Gilly, 1802-05, Braunschweig.
RDK VII, 1431, Abb. 113. Friedr. Weinbrenner, 1802-16, Karlsruhe.
RDK VII, 1433, Abb. 114. Peter Speeth, 1812-15, Unterhohenried Krs. Haßfurt.
RDK VII, 1437, Abb. 115. Kassel, 1816-19 und nach 1821.
RDK VII, 1437, Abb. 116. L. von Klenze, 1832-42, München.
RDK VII, 1439, Tafel VIII. Fensterformen von Bauten und Entwürfen Karl Friedr. Schinkels.
RDK VII, 1443, Abb. 117. Karl Friedr. Schinkel, 1824.

Inhaltsverzeichnis

I. Begriff, Abgrenzung

F. sind Öffnungen in den Umfassungsmauern von Gebäuden, die als Lichtöffnungen das Tageslicht in das Innere lassen und oft zugleich als Sichtöffnungen den Ausblick oder auch den Einblick ermöglichen. Ausnahmsweise kommen Licht- und Blicköffnungen, die wie F. gestaltet sind, auch zwischen aneinandergrenzenden Innenräumen vor.

Das F. ist kein selbstverständliches Bauelement. Die Belichtung der Räume kann auch durch Türöffnungen erfolgen. Das „Megaronhaus“ ist von seinen vorgeschichtlichen Anfängen bis zur höchsten Stufe seiner Entwicklung im antiken Tempel ohne F. ausgekommen. Auch die Räume der Peristyl- und Atriumhäuser hatten häufig keine speziellen Lichtöffnungen.

Von frühchristlicher Zeit an haben alle Sakralbauten F. (mit Ausnahme mancher ganz anspruchsloser Kapellen) und im Bereich nördlich der Alpen auch alle bewohnten Gebäude, soweit sie nicht mehr der urtümlichsten Entwicklungsstufe angehören.

Die F. sind Architekturelemente, die durch ihre Anordnung, Größe, Proportion und Durchbildung die Erscheinung von Baukörpern und Räumen entscheidend mitbestimmen können. Räume werden von den F. in doppelter Weise geprägt: durch die F. als Teil der Wandgliederung und durch das Licht, das durch die Anordnung und Größe der F. und durch die Art ihres Verschlusses bestimmt wird.

F. sind in der Regel durch einen Fensterverschluß abgeschlossen, doch ist dies nicht erforderlich, um eine Öffnung als F. zu charakterisieren. Kleine F. und die F. untergeordneter Räume sind oft unverschlossen geblieben.

Blind-F. (Blend-F.) sind fensterförmige Wandgliederungen ohne Öffnung. Sie werden angewandt, wenn die Durchführung der Gliederung einer Wand, eines Baukörpers oder eines Raumes die F.form an Stellen verlangt, an denen die Anbringung echter F. aus statischen Gründen oder wegen dahinterliegender Raumteilungen nicht möglich ist. Auch die F.zahl als Besteuerungsgrundlage konnte dazu führen, Blind-F. anzuordnen.

Von den F. sind auf Grund ihrer Funktion zu scheiden Lüftungs- und (Rauch-) Abzugsöffnungen, Schießscharten, Lade- und Ausstiegsluken, sowie die Schallöffnungen von Glockenstuben und andere Turmöffnungen, auch wenn diese häufig die Form von F. haben. An Kreuzgängen wurden die Peristylöffnungen im Laufe einer längeren Entwicklung mehr und mehr geschlossen und schließlich als F. ausgebildet. Erst mit dem Abschluß dieser Entwicklung, der im 15. Jh. allgemein erreicht war, sind die Kreuzgangsöffnungen als F. anzusprechen. Das gleiche gilt sinngemäß für abgeschlossene Emporen, die sich mit F. zum Hauptraum öffnen.

Dach-F. s. Dach (RDK III 911–968, bes. Sp. 920).

II. Die Teile des F.

Die einzelnen Teile des F. (Taf. 1).

Im Sprachgebrauch wird das Wort F. nicht nur auf das ganze F. angewandt, sondern auch auf seine charakteristischen Teile wie die F.öffnung, den F.rahmen oder den Fensterverschluß (F.verglasung, F.scheiben).

Hier sind jedoch zu unterscheiden die eigentliche F.öffnung (F.lichte) und das F.gewände, das die Öffnung rings umgrenzt. Zu ihm gehört die F.laibung, welche die Grenzfläche der vom F. durchbrochenen Mauer gegen die Öffnung bildet, und die F.rahmung, welche die F.öffnung in der Wandfläche einfaßt, wenn die F.architektur über die Laibungskante in die Wandfläche ausgreift.

Die F.laibung verläuft entweder senkrecht zur Mauer oder sie ist nach außen und innen oder auch nur nach innen geschrägt. Diese Laibungsschräge (Schielung, geschielte Laibung) bildet aus dem Teil des F. zwischen F.lichte und Wandfläche einen F.trichter, der sowohl den Lichteinfall als auch die im Wandaufbau wirksame Größe des F. erhöht. In der Regel sind F.trichter symmetrisch, ihre Achse liegt senkrecht zur Mauer. Sie können aber auch asymmetrisch ausgebildet und ihre Achsen schräg angeordnet werden, um zwischen unterschiedlichen Anforderungen der Außen- und der Innenarchitektur zu vermitteln.

Den unteren Abschluß der F.öffnung bildet beim unten gerade schließenden F. die F.bank (Sohlbank), an der die Laibungsschräge und die F.rahmung umgeführt sein kann, die aber oft auch abweichend vom übrigen F.gewände ausgebildet ist. Neben der waagrechten oder nur leicht nach außen geneigten Sohlbankfläche kommen, besonders auf der Innenseite hochliegender F., steile Sohlbankschrägen zur Verbesserung des Lichteinfalls vor. Der vorkragende Teil einer separat, als Steinplatte gearbeiteten Sohlbank kann auf Konsolen liegen.

Die Fläche zwischen der Höhe eines innen anschließenden Geschoßfußbodens und der F.bank kann am Außenbau als Brüstung eine eigene Gestaltung erfahren, durch die sie Teil der F.architektur wird. Sie wird durch eine Rahmung, durch vertiefte oder erhabene Lage oder durch ihre Farbe von der Wandfläche abgesetzt und in der Regel ornamentiert. Durch ihre formale Ausbildung kann die Brüstung auch als ein die F.bank tragendes oder an ihr hängendes Bauelement charakterisiert werden.

Wird die F.öffnung selbst soweit heruntergezogen, daß sie das Brüstungsfeld einbezieht, so entsteht eine türähnliche Öffnung mit der Funktion eines F., die F.tür (Portefenêtre).

Der obere Abschluß einer F.öffnung kann durch gerades Überdecken mit einem F.sturz aus Holz (Sturzbalken oder Sturzbohle) oder aus Stein (Steinbalken oder Steinplatte) hergestellt werden oder durch Überwölben mit einem F.bogen aus Stein. Eine Anpassung der geraden Überdeckung an die Bogenform kann durch Ausbildung eines Bogensturzes erreicht werden, bei dem die Bogenform aus dem Sturz ausgearbeitet wird. Umgekehrt läßt sich durch die Verwendung scheitrechter Bogen (s. Bogen) ein horizontaler oberer Abschluß auch für eine überwölbte Öffnung erzielen. An den F.bogen ist in der Regel die Laibungsschräge und das Gewändeprofil umgeführt, an den Stürzen manchmal.

F. können nicht nur als Maueröffnung ausgebildet, sondern darüber hinaus als Bauglieder hervorgehoben, verziert oder in den Zusammenhang eines übergeordneten Gliederungssystems gestellt werden durch die F.architektur, die die Öffnung rahmt, bekrönt oder teilt.

Die Rahmung des F. erfolgt entweder durch Profilieren der F.kante oder dadurch, daß ein Streifen der Wandfläche rings um die Öffnung von der Fläche abgesetzt und zum Gewände gezogen wird. Dies kann durch einen Wechsel des Materials geschehen (z. B. Quadergewände im Putzbau), durch unterschiedliche Oberflächenstruktur (z. B. rauhe Putzflächen und glattere F.rahmung) oder auch nur durch Farbe. Die F.rahmung kann gegenüber der Wandfläche vertieft liegen (besonders im Putzbau), häufiger ist sie erhaben gebildet. Ausgehend vom hölzernen Türgerüst des antiken Holz-Lehmbaues mit seiner Brettverkleidung, wird die F.rahmung oft an der Außenkante profiliert, dabei häufig auch geohrt und in der Fläche fasziert. Eine eigene Form der F.rahmung bildet die Ädikula, die aus Stützgliedern besteht, die die Öffnung flankieren und meist ein Gebälk tragen, das oft durch einen Giebel ergänzt wird. Innerhalb der Ädikulen sind die F. oft durch ein Kantenprofil oder in der Wandfläche gerahmt.

Über F. können F.bekrönungen auch ohne die Stützglieder der Ädikula auftreten. Die wichtigsten vorkommenden Formen, Wimperg, Gebälk, Giebel und Tympanon, sind aber nicht für F. allein typisch.

Die F.teilung dient meistens als Halterung für den Fensterverschluß und ist bei weiten F.Öffnungen manchmal als Zwischenstütze auch statisch erforderlich. Darüber hinaus ist die F.teilung stets ein wesentliches Element der F.architektur.

Im Steinbau dienen als F.teilungen vor allem senkrechte Glieder, nämlich Säulen, Pfeiler, Pfosten oder Stäbe. F.säulen tragen meistens eine Arkatur innerhalb übergreifender Bogenöffnungen. Sie zielen nicht auf einen F.verschluß, im Gegensatz zu F.pfeilern und -pfosten, die stets zugleich einem Verschluß Halt geben. Die F.pfosten werden auch mit waagrechten F.teilungen zu F.kreuzen verbunden. Solche F.kreuze können auch im Steinbau aus Holz bestehen (vgl. auch Fensterverschluß).

Profilierte Pfosten sind das Grundelement des “Maßwerks, einer Mischkonstruktion aus Stein und Eisen, bei der die für die Gestaltung wesentlichen senkrechten F.teilungen aus Stein (oder Backstein-Formstücken) von den weniger auffallenden waagrechten Eisen (Sprossen, Sturmstangen) gehalten werden. Nur im Bogenbereich ist das Maßwerk-Couronnement ausschließlich aus Haustein- oder Backsteinelementen zusammengefügt.

Zum F.stock s. Fensterverschluß.

III. Antike Vorbilder

Römisch-antike und frühchristliche Bauten, die sich in West- und Süddeutschland, Italien und Frankreich erhalten hatten, waren für den Steinbau des frühen MA und oft auch noch später vorbildlich.

In der Neuzeit kann diese Vorbildlichkeit von ganz unterschiedlicher Qualität sein: Formübernahme im Ganzen oder in Teilen, Aufgreifen der mit der Form verbundenen Bedeutung („Zitat“), Strukturierung von Teilen des F., insbesondere seiner Rahmung, nach Regeln der „vitruvianischen“ Säulenordnungen und dgl.

A. F.formen

1. Rechteck-F.

Rechteck-F. herrschen an den antiken Wohngebäuden vor und bis in das 3. Jh. auch an den Monumentalbauten [7; 8; 9].

Die sich nach oben verjüngenden F.öffnungen an klassischen und an der Klassik orientierten Bauten übertragen eine Türform auf das F. Sie sind hier als Verfeinerung der rechteckigen Grundform zu sehen, nicht als eigener Typ (z. B. Athen, Pompeion am Kerameikos: Wolfram Hoepfner, Mitt. des Dt. Arch. Inst., Athen. Abt. 86, 1971, 141–146; Tivoli, korinthischer Rundtempel, sog. Sibyllentempel, 1.V. 1. Jh. v. Chr.: Rich. Delbrück, Hellenist. Bauten in Latium, Bd. 2, Straßburg 1912, S. 11, Taf. XII).

2. Stichbogen-F.

Stichbogen-F. sind ein Charakteristikum kaiserzeitlich-römischer Ziegelbauten. Entwicklungsgeschichtlich wird das Zustandekommen der Form interpretiert als Ergebnis des Anschiebens eines Rechteck-F. an einen Entlastungsbogen, dessen über der F.lichte liegender Abschnitt den F.sturz ersetzt [9, S. 314–317].

In den stichbogig geschlossenen Maueröffnungen sind, wenigstens in Einzelfällen, Holzrahmen zu vermuten, die eine rechteckige F.lichte schufen. Die Differenzfläche zwischen Rahmen und Bogen kann dabei ausgemauert gewesen sein. Zeichnungen nach antiken Bauten (s. Sp. 1264) legen diese Vermutung nahe, doch sind anscheinend keine eindeutigen Befunde publiziert.

3. Rundbogen-F.

Rundbogen-F. kamen im 2. Jh. auf und sind seit dem 3. Jh. so häufig, daß sie nach dem erhaltenen spätantiken Denkmälerbestand als die hauptsächliche antike F.form erscheinen. An den frühchristlichen Kirchen wurden sie fast ausschließlich verwendet.

Kaiserzeitliche Beispiele finden sich in Regensburg an der Porta Praetoria, um 179 n. Chr. [88b, Abb. 88], in Trier an der Porta Nigra, E. 2. Jh. (Erich Gose [Hrsg.], Die P. N. in T., Bln. 1969, Taf.bd. passim), der Basilika (Palastaula), um 310 (RDK I 859f. Abb. 1f.), und den Kaiserthermen, A. 4. Jh. (Daniel Krencker ». a., Die Trierer Kaiserthermen, Abt. 1 [= Trierer Grabungen und Forschgn., 1,1], Augsburg 1929, Abb. 83a, 88 u. ö.).

Frühchristliche Beispiele bieten in Rom S. Costanza, M. 4. Jh., S. Sabina, zw. 422 und 432, und S. M. Magg., zw. 432 und 440 (Beat Brenk, Spätantike und frühes Christentum [= Propyläen Kg., Suppl.bd. 1], Bln. 1977, Abb. 1, 4–6), in Trier der antike Kernbau des Doms, 2. H. 4. Jh. (Hans Eichler, Trier, o. O. [Mchn. und Bln.] 1952, Abb. 29), in Ravenna S. Apollinare Nuovo, A. 6. Jh., S. Vitale, um 540, und S. Apollinare in Classe, geweiht 549 (B. Brenk a.a.O. Abb. 32, 11f.), und in Porec die Basilica Eufrasiana, zw. 543 und 553 (ebd. Abb. 373).

4. Halbrund-F.

Von anderen antiken F.formen hat im MA nur das Halbrund-F. vereinzelt Nachfolge gefunden, nämlich über der Tür, wo es als Oberlicht den offen belassenen Raum zwischen Sturz und Entlastungsbogen einnimmt. Zu Halbkreis-F. der Neuzeit s. VI. 8, zum Thermen-F. der Neuzeit und seinen antiken Voraussetzungen s. VI. 9.

B. F.querschnitt

An F. aller genannten Formen sind die Laibungen in der Regel senkrecht zur Wandfläche eingeschnitten. Ausnahmsweise können bei besonderer Richtung des Ausblicks oder des Lichteinfalls die Laibungen auch schräg verzogen sein, bleiben dabei aber parallel zueinander.

Daneben kannte die Antike das F. mit schmaler, meist schlitzförmiger Lichtöffnung an der Außenseite und schräg geführten Laibungen, die einen nach innen sich weitenden Trichter bilden. Es wird als „fenestra obliqua“ bezeichnet und kommt vor allem als untergeordnetes Außen-F. von Peristylhäusern vor. Im Monumentalbau wurde es nur selten verwendet (Autun, sog. Janustempel, 1. H. 2. Jh.). Im 6. Jh. war der Typ (vermutlich an Wohnhäusern) so geläufig, daß Papst Gregor I. † 604 in Predigten F. generell charakterisieren konnte als außen eng und damit einsteigsicher, nach innen aber sich weitend (so jedenfalls die Interpretation von „In Ezechielem homiliae liber II“, hom. 5, cap 17f. Migne, P. L. 76 Sp. 995] bei [45] S. 148).

C. F.architektur

Rahmende F.architektur in Gestalt einer Ädikula oder einer Übergiebelung zeigen gemalte F. des zweiten pompejanischen Stils. Erhaltene Beispiele solcher Rahmungen an realen antiken F. im Steinbau gibt es erst aus der späteren römischen Kaiserzeit (vgl. Ansichten des 112 eingeweihten „foro di Traiano“: Boll. d'arte 5, 1911, 446f. Abb. 3f.; Verona, Porta dei Borsari, 2. H. 3. Jh.: Bonner Jbb. 118, 1909, 388 und Taf. XXIII).

IV.-V. Mittelalter

IV. Das Fenster im Sakralbau des MA

Die Entwicklung des F. läßt sich auf Grund des Denkmälerbestandes nur für den Steinbau, dabei wieder nur für den steinernen Sakralbau, einigermaßen vollständig überblicken. Jedoch sind selbst an den relativ wohlerhaltenen Kirchen des frühen MA unveränderte F.Öffnungen selten.

A. Funktion und Anordnung des F.

Der Ausleuchtung der Kirchenräume dienen in der Regel gleichgroße und gleichförmige, gleichmäßig verteilte F. Besonders an den Längsmauern war die gleichmäßige Reihung üblich; sie konnte an Obergadenmauern von Bauten mit basilikalem Querschnitt von der Arkadenreihe des Mittelschiffs unabhängig sein, wenn keine jochweise Wandgliederung oder Wölbung vorlag.

Die Unterbrechung der F.reihe am Obergaden durch anders geformte Mittel-F. ist selten (St. Jakob in Regensburg, 2. H. 12. Jh.: Abb. 6; Inv. Bayern, Opf. 22,2 Abb. 233, 237, Taf. 27 und S. 314; St. Nikolai in Brandenburg, 1. H. 13. Jh.: Inv. Brandenburg 2,3 Abb. 51). Die größeren F. am O-Ende des Mittelschiffs, die manche Kirchen aufweisen, sind oft Umbauten der ursprünglichen F., entstanden zur besseren Belichtung eines Raumteils (z. B. an beiden Seiten des Mittelschiffs am Dom zu Braunschweig, um M. 13. Jh.: Otto Steher, B., o. O. [Bln. und Mchn.] 19652, Abb. 3, 6; einseitig am Dom zu Freising, spätma.: Beobachtung während der Restaurierung 1967).

Anschließende Baukörper erzwangen oft Abweichungen von der regelmäßigen F.anordnung. Kleinere Kirchen und Kapellen wurden nicht selten nur von Süden und Osten belichtet, während N- und W-Seite ohne Öffnung blieben.

Sind die F. in verschiedenen Zonen angeordnet, z. B. an Seitenschiffen und Mittelschiff, so sind die höherliegenden häufig größer als die tieferliegenden. Die F. an den Stirnseiten eines Raumes sind oft – überwiegend bedingt durch die Gestaltung der Außenfronten – durch Größe und Form hervorgehoben, so in gerade geschlossenen Altarräumen, an Querschiff- und Westfronten. Man hat diese F. reicher ausgestaltet oder besondere F.formen gewählt, die speziell für diese Stellen entwickelt wurden, oder aber mehrere F. zu Gruppen zusammengestellt. Durch Größe und Ausgestaltung können auch Apsis-F. (alle oder nur das Mittel-F.) hervorgehoben sein. Apsiden konnten seit der frühchristlichen und noch in ottonischer Zeit in einzelnen Fällen ohne Fenster bleiben, vermutlich um eine geschlossene Fläche für Mosaik oder Ausmalung zu bieten (Rom, Alt-St. Peter, 2. V. 4. Jh.; Gernrode, St. Cyriacus, 3. V. 10. Jh.). F. in der Raumachse waren jedoch die Regel. Erst seit dem späten 15. Jh. wurde bei kleineren polygonal schließenden Bauten mit Rücksicht auf die damals üblichen hohen Altarretabel manchmal ganz auf ein axiales F. hinter dem Hauptaltar verzichtet (Germering Krs. Fürstenfeldbruck, Alte Pfarrkirche St. Martin: Befund W. Haas).

Bei Gewölbebauten, bei denen die Wandflächen des Obergadens z. T. von den Gewölbeansätzen verdeckt sind, bleiben für die Anordnung der F. nur die Schildbogenflächen. Werden mehr als ein F. pro Feld angeordnet, so werden die F. paarweise, manchmal auch zu dreien zusammengerückt. Die Außengliederung des Obergadens bleibt davon unberührt.

Zweiergruppe: Rosheim im Elsaß, St. Peter und Paul, um 1150/60 [92, Abb. 239–41]; Dreiergruppe: St. Andreas in Köln, das mittlere F. überhöht, in Anlehnung an den Befund erneuert [99, Bd. 1 Abb. 887, S. 509f.]; Roermond, St. Severus, um 1220/30 (Dreiergruppe bei zweischaliger Wand [innen] eng zusammengerückt, das mittlere F. überhöht: ebd. Bd. 2 Abb. 1711, Bd. 3 Taf. 466).

In Einzelfällen hat die Lage des Baus zur Ausbildung einer Längsseite als Schaufront mittels reicher ausgestatteter F. geführt (z. B. Katharinenkirche in Oppenheim, 2. V. 14. Jh.: Abb. 33) oder die F. der beiden Längsseiten sind unterschiedlich reich instrumentiert (z. B. Dom zu Minden, 2. H. 13. Jh.: Inv. Westf., Krs. Minden Taf. 13).

Die in den Baukörper einbezogenen, vom Hauptraum aber getrennten Räume (Krypten, Kapellen, Sakristeien, Treppen-, Verbindungs- und Abstellräume) werden stets von eigenen, der Art des Raumes entsprechenden F. belichtet. – In den Haupträumen gibt es außer den F., die den Raum ausleuchten, häufig kleinere F., die der zusätzlichen Belichtung einzelner Raumteile dienen und oft zugleich ein besonderes gestalterisches Element bilden. Sie sitzen z. B. an Apsiden unter den Haupt-F. (Köln, St. Severin, vor 1237: [99] Bd. 3 Taf. 261) oder über diesen, am Fuß der Gewölbekalotte (Abb. 3) oder in der Stirnmauer von Stichkappen (RDK I 877 Abb. 20; III 501f. Abb. 11), auch in Zwickelflächen neben Apsisbogen (z. B. Jerichow, s. Sp. 1279) oder an Vierungstürmen zwischen den anstoßenden Dachkörpern (Köln, St. Aposteln, gegen 1200; Pfarrk. Sinzig, 1220–35: [99] Bd. 3 Taf. 502 Abb. 2f.). – Untergeordnete Bauteile wie Nebenapsiden haben oft kleinere F. als der entsprechende Hauptbauteil (ein Beisp. RDK IV 251 Abb. 9).

Die in Augenhöhe liegenden F. („Unter-F.“) hatten sicher stets eine spezielle Funktion, die aber oft nicht mehr zu fassen ist.

Behauptet werden die Benützung solcher F. als Hagioskope (um den Einblick von außen auf den Altar oder das Sanktissimum zu ermöglichen), als Beicht-F. (bei dem der Beichtvater innen, der Beichtende außen stehend gedacht wird), als Gaben-F. zum Durchreichen von Opfergaben, als Laternen-F. (Lychnoskope), um den Schein innen aufgestellter Lichter nach außen dringen zu lassen, als F. zur Belichtung eines Winkels in der Kirche, in dem vor dem Üblichwerden von Sakristeien die später dort vorgenommenen Verrichtungen ausgeführt wurden (Rich. Haupt, Über älteste Sakristeien. Ein Beitr. zur Frage nach den Unter- oder Schiel-F., Zs. für Gesch. der Archit. 1, 1907/08, 134–138), und die Bedeutung kleiner Achs-F. als „Sonnen-F.“ mit durch den Sonnenstand zu bestimmten Daten bedingter Lage. Belegt sind solche Deutungen fast nie. Die aus dem Befund belegbaren Öffnungen zu einem Opferstock im Inneren sind keine F.; Beicht-F. sind nur in den seltenen Fällen nachweisbar, in denen sie zu einer als Beichtstuhl dienenden Nische führen (RDK II 763f. Abb. 9f.; Wilh. Schlombs, Die Entwicklung des Beichtstuhls in der kath. Kirche [= Stud. zur Kölner Kirchengesch., 8], Ddf. 1966, S. 28f.; ders. in: Vom Bauen und Bewahren, Fs. für Willy Weyres . .., Köln 1964, S. 120 bis 129). Eindeutig ist die Funktion nur bei den tiefliegenden F., die bei einem Altar so angeordnet sind, daß sie der Mensa Licht geben. Sie können seitlich neben dem Altar liegen oder axial über ihm. F. konnten so angeordnet sein, daß möglicherweise ihre Glasgemälde die Stelle des Retabels einnahmen (in der Andreaskap. über dem Kreuzgang des Bamberger Doms, 1412–14, sitzt die Sohlbank des fünfteiligen F. in Höhe der Altarmensa: Dehio, Franken, S. 89). Die nur innen in Augenhöhe liegenden kleinen Achs-F. in St. Cäcilien in Köln, 2. H. 12. Jh., sowie in den Apsiden der Dome in Bamberg (Georgenchor, um 1220) und Würzburg (nachträglich, 2. V. 13. Jh., eingesetzt) stehen mit Nischen im Apsisscheitel in Verbindung, in denen möglicherweise das Sanktissimum verwahrt wurde (Köln: [99] Bd. 1 Abb. 903, Bd. 3 Taf. 209; Bamberg: RDK I 874 Abb. 17; [138] Bd. 1 S. 314f. Taf. 2f., S. 266 Abb. 38; Würzburg: Inv. Bayern, Ufr. 12 S. 26, 36, Abb. 25, Taf. 2; s. auch Bernh. Herm. Röttger, Würzburger Diözcsangesch.bll. 11/12, 1949/50, 60). Sie können, wenn dies zutrifft, als Hagioskope bezeichnet werden, doch boten sie keine wirkliche optische, sondern eher eine ideelle Verbindung (s. auch Armin Tuulse, Bönekarar och Hagioskop, in: Konsthistoriska Studier tillägnade Sten Karling, Stockholm 1966, S. 11–24).

B. Die Form der F. in karolingischer, ottonischer und romanischer Zeit

In vorromanischer und romanischer Zeit war das Rundbogen-F. am Sakralbau in Deutschland die vorherrschende Form, in gotischer Zeit war es das spitzbogige Maßwerk-F. Im Folgenden werden die generellen Merkmale der F. und ihre Entwicklung am Beispiel dieser beiden häufigsten Formen dargelegt. Jeweils anschließend werden die abweichenden Formen behandelt, ohne das Allgemeingültige zu wiederholen.

I. Rundbogen-F. des 8.–9. Jh.

In karolingischer Zeit kommen verschiedene F.querschnitte vor (vgl. Taf. II, 1–3, 8). Bevorzugt wurde der Querschnitt der antiken „fenestra obliqua“ mit außen liegender Lichtöffnung und tiefem inneren F.trichter (Taf. II, 2).

An untergeordneten oder schwer zugänglichen Stellen blieben solche F. oft unverschlossen (z. B. Treppenturm des Aachener Münsters: Albr. Haupt, Die Pfalzkap. Kaiser Karls d. Gr. zu Aachen [= Mon. Germ. archit., 2], Lpz. 1913, Taf. 20; Vierungsturm von St. Peter in Neustadt a. Main, nach 768/69: Walter Boeckelmann, Die Stiftskirche zu N. a. M., Bln. 1965, S. 145, Abb. 33).

Sollten die F. aber verschlossen werden, so wurde schon bei der Errichtung außen rings um die F. ein Falz ausgebildet, in den ein meist hölzerner F.stock eingesetzt und durch Einmörteln oder durch Nägel befestigt wurde (z. B. Steinbach 1. Odenwald, vor 828: Taf. II, 2; Otto Müller, Die Einhardsbasilika zu St. bei Michelstadt im Odenwald [= Teildr. Diss. Lpz. 1935], Seligenstadt 1937, S. 3; Seligenstadt, Einhardsbasilika, 1. H. 9. Jh.: Taf. II, 8; ders., Kurze Beschr. der E. in S., Archiv für hess. Gesch. und Altertumskde. N.F. 36, 1978, 92).

Dieser F.typ kann nicht, wie gelegentlich geschehen, ausschließlich für die karolingische Zeit in Anspruch genommen werden; in gleicher Form und in Varianten kommt er auch später vor (s. Sp. 1276).

Um etwa ein Drittel und mehr der Mauerstärke nach innen gezogen ist die F.lichte bei einem F.typ, der an den großen F. des Aachener Münsters erhalten ist und aus rechtwinklig in die Mauer eingeschnittenen Rundbogennischen außen und inneren F.trichtern besteht (Taf. II, 1 a–c).

Die Nischen außen nehmen bis zu fast der Hälfte der Mauerstärke ein. Die F.stöcke sind als Blendrahmen von außen gegen den Nischengrund gesetzt, der rings um die Öffnung einen 15 cm breiten Anschlag bildet. Der Innentrichter, der mehr als die Hälfte der Mauerstärke einnimmt, öffnet sich bis zur Weite der äußeren Nische. Eine Eigenheit der F. in den beiden Hauptgeschossen ist der horizontale Scheitel der F.trichter. An den F. des Tambours dagegen ist die Laibungsschräge der Trichter im Bogen gleichmäßig umgeführt (A. Haupt a.a.O. [Sp. 1269] Taf. 15f.).

Auch F. mit Trichtern an der Außen- und Innenseite sind in karolingischer Zeit zu belegen (Taf. II, 3). Dieser Querschnitt, mit dem der Schritt weg von der antiken „fenestra obliqua“ zu den für das ganze weitere MA vorherrschenden F.formen getan wurde, hat seine Wurzel in einer technischen Vereinfachung der F.Stock-Konstruktion. Der Holzstock wurde beim Aufführen der Mauer beidseitig eingemauert. Damit entfiel das Ausarbeiten des Steinfalzes an der äußeren F.kante und das exakte Einpassen des Stocks, an dem nur die F.lichte vor dem Einbau sauber auszuarbeiten war. Der Bau des F. erforderte nur einfache Zimmermanns- und Maurerarbeit, aber keine Steinmetzarbeit.

Wie bei den meisten karolingischen Beispielen sitzt der F.verschluß auch bei diesem F.typ möglichst weit außen, d. h. nur um das zum Einmauern nötige Maß von ca. 30 cm hinter der Außenflucht. Die übrige Mauerstärke wird vom Innentrichter eingenommen. Vgl. die F. der Benediktinerkirche Müstair, E. 9. Jh. [43, S. 172f.], am südlichen Querhaus des Münsters Reichenau-Mittelzell, A. 9. Jh. (Taf. II, 3; Emil Reisser, Die frühe Baugesch. des Münsters zu R. = Forschgn. zur dt. Kg., 37], Bln. 1960, Abb. 254), und der Benediktinerkirche Corvey, 2. H. 9. Jh. (Mitt. Dr. U. Lobbedey, Münster). Die gelegentlich gebrauchte Bezeichnung „ottonischer F.querschnitt“ ist also irreführend. – Daneben kommen auch schon in karolingischer Zeit F. mit mittig eingemauertem Stock und beidseitig gleichtiefem Trichter vor, z. B. St. Walburga in Meschede, um 900 [13, S. 514, Abb. 333].

Unabhängig vom F.querschnitt mauerte man die Sohlbank waagrecht oder verschieden steil und differenzierte fallweise nach der Lage des F. im Bauwerk. Am Aachener Münster bleiben die F.bänke außen waagrecht; innen sind sie umso steiler geschrägt, je höher das F. sitzt. In Steinbach i. O. haben die Apsis-F. waagrechte Sohlbänke, die des Langhausobergadens steil geschrägte.

W. Boeckelmann [45] schließt aus dieser Anordnung, daß die Laibungs- und Sohlbankschrägen an karolingischen Bauten schon bei deren Grundkonzipierung festgelegt worden seien.

Die Lichtöffnung der meisten karolingischen F. ist klein, bedingt durch die Kostspieligkeit gläserner F.verschlüsse und wohl auch wegen der Wetterdichte und der Einbruchsicherheit (vgl. die Äußerung Gregors d. Gr.: s. Sp. 1263). Zudem lassen sich große Gewändehöhen und weitgespannte Bogen nur mit regelmäßigem, kantigem Material (Quader, Kleinquader, Backstein, plattenförmigem Bruchstein) bauen, nicht aber aus dem häufig verwendeten kleinteiligen und unregelmäßigen Bruch- und Feldstein. An bevorzugten Bauten kommen jedoch auch sehr große F. vor (am Aachener Münster z. B. 3,00 × 1,40 m).

2. Rundbogen-F. des 10.–11. Jh.

Von den F.querschnitten der karolingischen Zeit ist im 10. und 11. Jh. der mit beidseitigem Trichter – außen flach, innen tief – bevorzugt worden (vgl. Taf. II, 4, 6 a und b), und zwar auch dann, wenn andere technische Gegebenheiten vorlagen als die oben genannten.

Neben dem herkömmlichen F. mit eingemauertem Stock, z. B. in der Bartholomäuskap. in Paderborn, gegr. 1017 (Herm. Busen, Westf. 41, 1964, 290, Abb. 111ff.), und am Augsburger Dom, vor 1065 (Taf. II, 4; W. Haas, Die alten Obergaden-F. des Augsb. Doms, Jb. der Bayer. Dpfl. 28, 1970/71, 101–108), gab es F. mit eingeputztem Blockrahmen, die ohne Anschlag in die Öffnungen gesetzt und mit Dübeln befestigt waren, so in Limburg a. d. H., 2. V. 11. Jh. (Wilh. Manchot, Kloster L. an der Haardt, Mannheim 1892, S. 71, Abb. 33), und – bei Quaderbauten – F. mit Falz zwischen Außen- und Innentrichter und eingesetzten Blendrahmen (Taf. II, 6 b).

Am Kieselmauerwerk des süddeutschen Moränengebiets wurde eine eigene Form des F.trichters an den durchwegs kleinen F. ausgebildet, indem durch Verschleifen der Laibung deren Kante parabelähnliche Form erhielt, z. B. am Langhaus der Sylvesterkap. in Goldbach bei Überlingen, 9. oder 10. Jh. (Abb. 2; Konrad Hecht, Die Sylvesterkap. in G., Abhn. der Braunschweig. wiss. Ges. 28, 1977, 137–186; vereinzelt gab es dies schon in karolingischer Zeit: Reichenau-Mittelzell, s. Sp. 1270f.). – Bei Quaderbauten konnte die Außenschale mit senkrecht eingeschnittener Laibung als Anschlag vorgezogen sein, an dem ein innerer F.trichter von der Tiefe der ganzen restlichen Mauerstärke anschließt (z. B. in St. Michael in Hildesheim, A. 11. Jh.: Hartwig Beseler und Hans Roggenkamp, Die Michaeliskirche in H., Bln. 1954, S. 80).

3. Rundbogen-F. des 12. und 13. Jh.

Seit der Hochromanik liegt die F.lichte regelmäßig in der Mitte der Mauerstärke. Nach wie vor wurden bei Bruchstein- und Kleinquadermauerwerk Holzstöcke eingemauert. Beim Quaderwerk wurden steinerne Anschläge von rechteckigem, halbrundem oder viertelrundem Querschnitt üblich. Seltener sind Falze.

Für die F.größe gab es auch in dieser Zeit keine erkennbaren Regeln. Für die F.proportion bevorzugte man einfache ganzzahlige Maßverhältnisse. Für F. an verschiedenen Stellen desselben Baus konnten sehr verschiedene Proportionen gewählt werden.

Als Form des F.gewändes kommen die nach innen und außen gleich gebildeten Trichter ohne weitere Gliederung am häufigsten vor.

Solche F. finden sich z. B. an den Obergaden von St. Jakob in Regensburg, 2. H. 12. Jh. (Rich. Strobel, Roman. Archit. in R. [= Erlanger Beitr. zur Sprach- und Kw., 20], Nürnberg 1965, Textabb. 37, Abb. 19), der ehem. Benediktinerkirche Münchsteinach, 2. Ji. 11. Jh. (Inv. Bayern, Kurzinv. 10 S. 112–115), von St. Zeno in Reichenhall, E. 12. Jh. (Taf. II,5; Inv. Bayern, Obb. 3 Abb. S. 2899), des Doms in Bamberg, um 1220/30 (Taf. II, 7 c; Abb. 21), sowie am Langhaus-Obergaden von St. Sebald in Nürnberg, 2. H. 13. Jh. (Eberh. Lutze, Die Nürnberger Pfarrk. St. S. und St. Lorenz, Bln. o. J. [ca. 1940], Taf. 5).

An den Obergaden-F. von St. Severus in Boppard, um 1225, sind die Laibungskanten der Außentrichter im oberen Abschluß zu einer Folge von Kreisbogenstücken gebrochen ([99] Bd. 1 Abb. 218, Bd. 3 Taf. 56 Abb. 3; [11] Abb. 62).

Die oft sehr großen Mauerstärken ermöglichten und erforderten eine Gliederung der F.gewände. An den von der Steinmetztechnik bestimmten, in romanischer Zeit vorherrschenden Quaderbauten sind sie zu einem der wichtigsten Schmuckelemente der Architektur geworden. Die Gliederung konnte außen und innen grundsätzlich in gleicher Weise erfolgen, doch wurde die Innenseite in der Regel einfacher gehalten, insbesondere verzichtete man dort oft auf skulptiertes Ornament.

Häufig ist die Kante des F.trichters zurückgestuft, so daß der Trichter in eine Nische mündet und selbst nur noch einen Teil der Mauerstärke einnimmt (z. B. Taf. 11, yd, e; untere F. an der Apsis der ehem. Zisterzienserkirche Lehnin, Brandenburg, A. 13. Jh.: [74] Abb. 4; Südarm des Westquerhauses am Dom zu Mainz, 11. und 12. Jh.: Inv. Hessen, Stadt und Krs. Mainz 2,1 S. 129 Abb. 64, Taf.bd. Taf. 5, 13, 15; ehem. Benediktinerkirche Murbach, gegen M. 12. Jh.: RDK II 895 Abb. 5; [92] Abb. 140–42).

Die Kante des Trichters ist meistens profiliert, doch kommt diese Gliederung nur selten allein vor, wie z. B. am O-F. im Obergeschoß der Doppelkap. auf der Nürnberger Burg, A. 13. Jh. (Friedr. Kriegbaum, Nürnberg, Bln. 1937, Abb. 10), und der Pfalzkap. in Eger, 1. H. 13. Jh. [125, Taf. 18, 50]. An den F. der Pfarrk. Faurndau bei Göppingen, beg. um 1200, bilden Profilierung der Trichterkante und der rahmende vorgelegte Ornamentstreifen eine Einheit (Rainer Hussendörfer, Die ehem. Chorherrnstiftskirche in F. [= Veröff. des Stadtarchivs Göppingen, 10], Göppingen 1975, Taf.bd. Taf. 4f.). An den Seitenschiff-F. des Bamberger Doms sind Trichter und Nischen profiliert (Taf. II, 7b).

Vereinzelt wurde der ganze Außentrichter in eine Folge von Stufen und Rahmenprofilen mit und ohne Ornament gegliedert, z. B. an den F. des E. 11. Jh. begonnenen O-Chors des Wormser Doms [84g, Abb. S. 332], des Chors der ehem. Benediktinerinnenkirche Seebach in Bad Dürkheim, um 1220 (Abb. 18), sowie an den Apsis-F. der Pfarrk. Schöngrabern, N.Ö., A. 13. Jh. [85 b, Taf. 297].

Die vom F.trichter abgesetzten Blendnischen wurden ihrerseits gestuft und oft bereichert durch eingelegte Rundstäbe. Dies gilt z. B. für die Apsis-F. des Doms in Speyer, um 1090 (Taf. II,6 c; [89] Bildbd. Abb. 982, 991), der ehem. Benediktinerkirche in Königslutter, zw. 1135 und 1141 (Abb. 4), und die oberen Apsis-F. der ehem. Zisterzienserkirche Lehnin (s. Sp. 1274). Durch Anordnen von Basen und Kapitellen werden solche Rundstäbe zu Säulen und Archivolten, z. B. untere F. an der S-Seite des südl. Querarms und oberes F. an der O-Seite des nördl. Querarms des Doms in Speyer, um 1100 (Taf. II, 6 e, g; [89] Bildbd. Abb. 661, 797), und Obergaden-F. der Stiftskirche in Quedlinburg, innen und außen, nach 1100 (Elisabeth Speer, Qu. und seine Kirchen, Bln. 1971, Abb. 50, 66, 68); im 13. Jh. bereicherte man sie gern durch Wirtein, vgl. West-F. der ehem. Zisterzienserkirche Otterberg Krs. Kaiserslautern, zw. 1225 und 1254 (Abb. 24).

Eine andere Möglichkeit der Bereicherung ist ein um die Trichtermündung gelegter Ornamentrahmen. Er kann flächig bleiben, vertieft oder erhaben reliefiert sein oder durch plastisches Ausarbeiten eines Profils entstehen. Vgl. die sog. Prunk-F. am Südquerarm des Doms in Speyer, gegen 1100 (Taf. II, 6 f; [89] Bildbd. Abb. 671f.), und das Ost-F. der Walterichskap. in Murrhardt, um 1225 (Abb. 23).

Bei zweischichtig aufgebauter Außen- oder Innenwand des Lichtgadens kann die Instrumentierung der vorderen Wandschicht (Blendarkaden) so auf die Gliederung der F.nische und des F.trichters bezogen sein, daß diese Teile als eine bis zur F.lichte durchgeführte Einheit erscheinen. Dabei ist unterschiedliche Gestaltung im einzelnen möglich.

An der Benediktinerkirche in Schwarzach, Baden, sind die F. des Obergadens und des Querhauses in einfache, ungegliederte Blenden gesetzt (1. H. 13. Jh.?: Arnold Tschira u. a., Die ehem. Benediktinerabtei Sch., Karlsruhe 19772, Abb. 6–13, 23–39, 79). An der Langhaus-N-Seite des Doms in Osnabrück sind die Blendarkaden bereichert durch eingestellte Säulen und Archivolten; der Radius der Blendarkaden um die F. ist um denselben Mittelpunkt geschlagen wie die von ihnen umrahmten Halbkreise der F., die vor geschlossener Wand liegenden Blendarkaden sind steiler (Hans Thümmler, Der Dom zu O., Mchn. und Bln. 1954, S. 22, Abb. 8). – In Säulenarkaden sitzen die F. an den Apsiden von St. Servatius in Maastricht, gegen 1160 (Abb. 7), der Kölner Kirchen St. Gereon, um M. 12. Jh., Groß-St.Martin, 1150 bis 1172, und St. Aposteln (innen und außen), gegen 1200 (RDK VII 554 Abb. 6, IV 4691. Abb. 4; [99] Bd. 3 Taf. 219, 245 Abb. 2, 247, 205), sowie an der O-Apsis des Bamberger Doms (Taf. II, 7 a; RDK I 874 Abb. 17). Das gleiche Schema zeigt die Apsis-Innenwand der Kirche in Idensen, Nieders., 1. H. 12. Jh. (Eberhard G. Neumann und Ernst Schwartz, I., Idensen 19642, Abb. 7; vgl. auch RDK I 1045 Abb. 6).

Wo die Mauerstärke für die gewünschte Gliederung nicht ausreichte, wurde gelegentlich auch die rahmende Gliederung vor die Mauerfläche gelegt (z. B. Murrhardt: Abb. 23). Aus Stützgliedern, den von ihnen getragenen Bogen und weiteren oberen Anschlußformen konnten dabei ädikula-artige Bildungen entstehen, wie sie sich an der W-Seite des südlichen Querarms des Doms in Speyer, gegen 1100 (Taf. II, 6 d; [89] Bildbd. Abb. 653), und am Querschiff der Benediktinerkirche Maria Laach finden (um 1130–1156: Abb. 5).

Auf der Innenseite der F. imitierte man alle diese Möglichkeiten durch Malerei (Hilde Claussen, Zur Farbigkeit von Kirchenräumen des 12. und 13. Jh. in Westfalen, Westfalen 56, 1978, 18–72). Außerdem schmückte man die F.laibungen mit Ornamenten oder Ranken, sofern man nicht Quadermalerei wählte (s. Farbigkeit der Architektur, z. B. Sp. 319f., 331).

Vereinzelt wurden auch im 12. Jh. noch „fenestrae obliquae“ gebaut, so an der Allerheiligenkap. im Regensburger Domkreuzgang, M. 12. Jh. [88 a, Taf. 25]. Hier liegen die steinernen F.stöcke außen bündig, die Innentrichter nehmen die volle Mauerstärke ein.

Die Sohlbänke wurden in der Regel nicht in die Gliederung der F.gewände einbezogen, sondern davon unabhängig gebildet. Sie konnten waagrecht bleiben, geschrägt oder dem Gewände entsprechend gestuft werden. Manchmal wurden ornamentierte Rahmungen auch unten um das F. geführt (z. B. Murrhardt: Abb. 23); seltener gilt dies für das Kantenprofil der F.trichter. – Zusätzlicher Dekor sind an einigen Bauten Tiere, die auf den Sohlbankschrägen sitzen, z. B. Ostchor-F. des Wormser Moms (s. Sp. 1275), Seitenschiff-F. von St. Johannis in Schwäbisch Gmünd, vor 1230 (Hugo Schnell, Sch. G., St. J. [= Kl. K.führer, 769], Mchn. und Zürich 1962, Abb. S. 4), und Murrhardt (Abb. 23). – Auf der Innenseite wurden die Sohlbänke wegen des Lichteinfalls meistens geschrägt. Daß die Sohlbänke des Speyrer Doms durchwegs horizontal liegen, ist Ausnahme [89, Taf. bd. Taf. 63 u. ö.].

4. Andere F.formen des 8.–13. Jh.

Häufig sind Rund-F. und F., die die Kreisform variieren und bereichern (s. auch Fensterrose). Daneben gibt es Varianten des Rundbogen-F. sowie einige zusammengesetzte F.formen, die keiner dieser Grundformen zuzuordnen sind. Weniger gebräuchlich waren im Sakralbau F. mit einer allseitig von Geraden begrenzten Lichte. (Die im ganzen MA häufigen schmal-hohen Schlitz-F. mit beliebigem oberen Abschluß werden hier nicht weiter angeführt.)

a. Die Rund-F. lassen sich nach ihrer Größe in zwei Gruppen scheiden: bei kleineren RundF. (Okulen) übersteigt die lichte Weite nur selten das Maß der Mauerstärke. Der Querschnitt entspricht dem der Rundbogen-F. in den verschiedenen Varianten. Solche Rund-F. finden sich häufig als Neben-F. in Zwickelflächen oder unter den Haupt-F. und sind als tiefliegende F. in verschiedenster Funktion angebracht worden.

Zu Seiten des Apsisbogens sitzen sie in der Einhardsbasilika zu Steinbach i. O., vor 828 [84 f, Abb. S. 318], in der ehem. Prämonstratenserkirche in Jerichow, 2. H. 12. Jh. (RDK I 1349 Abb. 3, VII 293 Abb. 8), und in St. Zeno in Reichenhall, E. 12. Jh. (W. Haas, Architettura 6, 1976, 1–28, Abb. 4, 24); am Vierungsturm finden sie sich in St. Michael in Hildesheim, A. 11. Jh. (H. Beseler und H. Roggenkamp a.a.O. [Sp. 1272] Abb. 56), und am Dom in Speyer, um 1100 [89, Bildbd. Abb. 30]; unter großen F. eingefügt sind sie z. B. an der Apsis des Speyerer Doms, um 1100 (Abb. 3; ebd. Abb. 984, 987, 1060), und in Maria Laach, um 1130–1156 (Abb. 5).

Rund-F. mit großem Durchmesser wurden seit dem 12. Jh. gern als Haupt-F. achsial an den Stirnseiten der Räume angebracht, z. B. an Langhäusern, Querschiffen und gerade schließenden Altarhäusern. Vor allem an diesen Stellen treten auch die den Rund-F. im Umriß gleichen *Fensterrosen auf.

b. Die romanische Baukunst kennt zahlreiche Varianten der Rund-F. Deren älteste und bei kleineren Öffnungen die häufigste sind die Vierpaß-F. Sie nehmen entweder die ganze Mauerstärke ein (z. B. am Turm der Pfarrk. in Idensen, 1. H. 12. Jh.: E. G. Neumann und E. Schwartz a.a.O. [Sp. 1276] Abb. 3; W-Front von St. Patrokli in Soest, A. 12. Jh.: Werner Burmeister, Die westfäl. Dome ..., Mchn. und Bln. 19512, Abb. 23) oder münden in eine vorgelegte, oft kreisförmige Nische (z. B. Stiftskirche Hersfeld über den Querschiffapsiden, M. 11. Jh.: RDK I 868 Abb. 11). Im 11. und frühen 12. Jh. wurden Vierpaß-F. nur vereinzelt verwendet, seit M. 12. Jh. dagegen sehr häufig, vor allem im Rheinland; als Beispiel aus anderen Regionen s. Abb. 13.

Vierpaß-F. zur Belichtung des Obergadens und des Emporengeschosses der Seitenschiffe hatte die 1835/ 1836 abgebrochene Pfarrkirche in Vallendar Krs. Koblenz, A. 13. Jh.; innen saßen diese F. in Kleeblattbogennischen [52, Abb. 220f.]. – Ein gelängtes Vierpaß-F. in einer ebenfalls gelängten Sechspaß-Laibung, in die die Sohlbankschräge einbezogen ist, weist die Apsis der Stiftskirche zu Fischbeck auf (gegen 1200: Taf. III, 3).

Die Grundform des Rund-F. ist bei größeren F. in gleicher Weise zu Mehrpaß-F. variiert worden. Der Fünfpaß kommt nur selten vor, z. B. an der O-Front der Pfalzkap. in Eger, 1. H. 13. Jh. [125, Taf. 50]. Sechs- und Achtpässe dagegen sind, vor allem im Rheinland, häufiger, teils als Einzel-F., teils nebeneinandergereiht an den Längsmauern.

Sechspaß-F.: Köln, St. Andreas, Stirnwand des W-Baus, um 1200 [99, Bd. 1 Abb. 888, Bd. 3 Taf. 197, 200 Abb. 2]; Karden a. d. Mosel, ehem. Stiftskirche St. Kastor, Stirnseiten des Querhauses, um 1216 (ebd. Bd. 1 Abb. 762, Bd. 3 Taf. 166 Abb. 4); Altenberg, Rhein.-Berg. Kreis, St. Markuskap., N-Wand, um 1220–30 (ebd. Bd. 1 Abb. 53, Bd. 3 Taf. 12 Abb. 2), und am Chor von St. Severin in Köln, vor 1237 (ebd. Bd. 3 Taf. 261).

Achtpaß-F.: Köln, St. Gereon, Vorbau des Dekagons, um 1220–1227 (ebd. Bd. 1 S. 539, Bd. 3 Taf. 217 Abb. 3); ebendort, St. Kunibert, an den Seitenschiffen, vor 1227 (ebd. Bd. 1 Abb. 936–38), und in den Obergaden der Abteikirche Essen-Werden, 3. V. 13. Jh. (ebd. Bd. 2 Abb. 2163f., Bd. 3 Taf. 575 Abb. 3, Taf. 577).

Für die Querhausstirnwand der Klosterkirche Heisterbach, vor 1227, ist ein 12-Paß-F. überliefert (ebd. Bd. 1 Abb. 648; Alb. Verbeek in: [42] S. 309 Abb. 4, S. 315 Abb. 9). Auch außerhalb des Rheinlandes gibt es vielteilige Paß-F.: 12-Paß-F. am Chor der Kirche in Denkendorf, um 1230–40 (Emil Bock, Schwäb. Romanik, Stg. 1973, Abb. 221); 14-Paß-F. am südl. Querhaus des Doms in Minden, um 1210–30 (Inv. Westf., Krs. Minden Taf. 14 Abb. 1; RDK VII 551 Abb. 4).

c. Mehrpaß-F. können unten horizontal durch eine Kreissehne begrenzt sein, so daß der untere Teil der Pässe entfällt (Fächer-F.). Häufig wurde diese F.form in niedrigen Lichtgaden über anlaufenden Dächern verwendet (z. B. im Langhausobergaden von St. Peter in Sinzig, um 1220–35, sieben Bogen eines Zwölfpaß-F.: [99] Bd. 2 Abb. 1849, 1852) oder auch an Seitenschiffen (z. B. Bonner Münster, um 1220/30, ebenfalls sieben Bogen eines Zwölfpaß-F.: Abb. 20; s. auch Taf. III, 1 m).

Die Pässe der Fächer-F. können ungleich groß sein (z. B. Pfarrk. Niederzissen, geweiht 1250: ebd. Bd. 2 Abb. 1466); die Sohlbank kann das unterste Paßpaar anschneiden (z. B. Sinzig, s. oben). – In Heisterbach, vor 1227, waren, wie aus zeichnerischen Aufnahmen des frühen 19. Jh. hervorgeht, auf der Ostseite der Querarme Fächer-F., bei denen nicht nur der Kreisbogen in fünf Bogen eines Achtpasses gegliedert war, sondern auch noch die Sehne in drei anschließenden Bogen, so daß unregelmäßige Sechspässe entstanden (ebd. Bd. 1 Abb. 651; A. Verbeek a.a.O. S. 310 Abb. 5). – Gelängte Fächer-F. besaß die Sionkirche in Köln, M. 13. Jh. [99, Bd. 1 Abb. 958].

Die auf der Innenseite üblichen Sohlbankschrägen bilden oft rechteckige Erweiterungen der Fächer-F. nach unten. Diese Erweiterungen können auch die F.lichte betreffen, so daß gestelzte Fächer-F. entstehen. Die Stelzung kann von der Breite eines Kreissegments (z. B. Köln, St. Aposteln, 1. Dr. 13. Jh.: ebd. Bd. 3 Taf. 206) bis zur ganzen F.breite reichen (z. B. Köln, St. Gereon, Dekagon, 1227 Gewölbe geschlossen: Abb. 19; s. ferner Taf. III, 1 h, l).

d. Als Variante des Rundbogen-F. kann man das Kleeblattbogen-F. interpretieren. Der obere Abschlußbogen besteht aus drei Kreisbogensegmenten, bleibt jedoch innerhalb der Rundbogenkontur. Diese F.form wohl allein des sog. Übergangsstils ist im Sakralbau extrem selten und vielleicht vom Profanbau übernommen (vgl. Sp. 1312).

Beispiele im Sakralbau sind die O-F. des Langhauses von St. Blasius in Braunschweig, gegen M. 13. Jh. (O. Stelzer a.a.O. [Sp. 1264] Abb. 6), und die Äpsis-F. der Burgkap. in Kobern, nach 1221? [99, Bd. 3 Taf. 182].

Häufiger ist das sog. Kleeblatt-F.; bei ihm ist der obere Abschluß gebildet aus drei Halbkreisbogen, deren seitliche über das senkrechte F.gewände hinausgreifen. Der gelegentlich benutzte Terminus Dreipaß-F. benennt die Form falsch, denn die drei Kreisbogen lassen sich nur als Teil eines Vierpasses interpretieren.

Beispiele finden sich vor allem im Rheinland, z. B. an den Apsiden von St. Quirin in Neuß, um 1215 bis 1220 (Taf. III, 1 i; [99] Bd. 2 Abb. 1404, 1407f., Bd. 3 Taf. 385, 389), und am Querhaus von St. Peter in Sinzig, 1220–35 (ebd. Bd. 2 Abb. 1850, 1852), aber auch in Westfalen (Langhaus der Pfarrk. in Meinerzhagen Krs. Altena, um 1220–30: ebd. Bd. 2 Abb. 1260, Bd. 3 Taf. 352 Abb. 4, Taf. 353).

e. Anderen F.formen der rheinischen Hoch- und Spätromanik ist die Grundform nicht mehr abzulesen. Die Konturen der Lilien- und der Glocken-F. sind aus einer ornamental geordneten Folge konvexer und konkaver Bogenabschnitte zusammengesetzt.

Lilien-F.: Pfarrkirche in Merzig, Saarland, O-Seite des Querhauses, um 1200 [99, Bd. 2 Abb. 1279, 1281, Bd. 3 Taf. 359]; Mönchengladbach, ehem. Benediktinerkirche, westliche F. des Obergadens, um 1228–um 1242 (Taf. III, 3 und [99] Bd. 3 Taf. 364 Abb. 1). – Außerhalb des Rheinlands ist diese F.form selten, z. B. Freyburg a. d. Unstrut, Schloßkap. der Neuenburg, um 1220 [84 c, Abb. 54f.].

Glocken-F.: St. Quirin in Neuß, orthogonale Achsen des Vierungsturms, um 1215–20 (Taf. III, 1 b; [99] Bd. 2 Abb. 1404, 1407f., Bd. 3 Taf. 387 Abb. 1, Taf. 390 Abb. 3); Merten, Siegkrs., ehem. Augustinerinnenkirche, W-Front, um 1160–70 (ebd. Bd. 3 Taf. 357).

Der Querschnitt all dieser F., die im Umriß Kreisform haben oder Kreissegmente einbeziehen, bleibt einfach und geht über Laibungsschräge, manchmal mit gefaster und profilierter Kante, selten hinaus. Vorgelegte Nischen, auch mit eingelegtem Rundstab, vereinfachen oft die F.kontur; so sitzen Vielpaß- und Fächer-F. oft in kreis- oder kreissegmentförmigen F.nischen.

Als Beispiel für das Paß-F. in Kreisnische sei St. Severin in Köln genannt (s. Sp. 1280). Bei Fächer-F. ist die Nische häufig etwas größer als ein Halbkreis, z. B. am Bonner Münster, wo der Rundstab auch den unteren, horizontalen Abschnitt begleitet (Abb. 20); bei den Fächer-F. im Obergaden der Pfarrk. von Oberbreisig, 2. V. 13. Jh., ist die Rahmung der südlichen F. im Scheitel leicht zugespitzt ([11] S. 112; [99] Bd. 2 Abb. 1532). Einzelfälle sind die Vierpaß-Öffnungen in rautenförmigen Nischen am Atrium von Maria Laach (ebd. Bd. 3 Taf. 339). – Die F.laibung der kleinen Rund-F. in den Ostkrypten des Trierer Doms ist polygonal (ebd. Bd. 2 Abb. 1952, 1958).

f. F. mit allseitig gerade begrenzter F.lichte können verschiedene Form haben. Meist belichten sie Nebenräume und sind klein.

Hochrechteckige F. gibt es z. B. am Erdgeschoß des Turms von St. Walburg in Meschede, um 900 (Rahmenmaß der F. 60 × 52 cm: [13] S. 514), und an der Giebelwand des südlichen Querhauses von St. Patrokli in Soest, 1. H. 12. Jh. (Mauerlichte 98 × 37 cm: ebd. S. 521 Abb. 343). – Querrechteckige F. gehen in die an die Chorschranken angefügte Schatzkammer des Trierer Doms, vor 1210 (17 × 50 cm: [99] Bd. 3 Taf. 540 Abb. 3). – Die Sechseck-F. sitzen im Königschor des Doms in Speyer, A. 12. Jh. [89, Bildbd. Abb. 1363–74], und im Dom von Gurk, 2. H. 12. Jh., stellen die Verbindung zwischen Krypta und Mittelschiff her. – Kreuzförmige F. hat die im Grundriß kreuzförmige Heiligkreuzkap. in Trier in den Stirnmauern der Kreuzarme (zw. 1050 und 1064: [99] Bd. 3 Taf. 541 Abb. 3 und 4, Taf. 542; Friedr. Kutzbach, Zs. für Dpfl. 2, 1927/28, 84–88, bes. S. 88, Abb. 72). Während hier die ikonologische Bedeutung der F.form naheliegt, scheint bei den kreuzförmigen Giebel-F. die dekorative Funktion zu überwiegen. Sie kommen einzeln vor (z. B. ehem. Benediktinerkirchen in Sindelfingen, vor 1083: [84a] Abb. S. 262, und Maursmünster, vor 1154: [92] Abb. 212; St. Jakob in Regensburg, 2. H. 12. Jh.: Inv. Bayern, Opf. 22,2 S. 297) oder zu dritt, je eines in den Giebelwinkeln (z. B. Jebsheim, Elsaß, 12. Jh.: [92] Abb. 313).

C. Gotische F.formen im 12. und 13. Jh.

Die Tendenzen, die im Bereich des F. die Ausbildung gotischer Bauformen vorbereiteten, sind in Frankreich wie in Deutschland im 12. Jh. erkennbar. Die entscheidende Entwicklung vollzog sich jedoch allein in N-Frankreich. Dort erreichte Entwicklungsstufen wurden vorbildlich für einzelne Bauten in Deutschland; die in Frankreich ausgebildeten F.formen wurden übernommen, zunächst aber nicht selbständig weitergebildet. Eine eigenständige Entwicklung setzte in Deutschland erst gegen E. 13. Jh. ein.

1. Das ungeteilte Spitzbogen-F.

Erste übernommene F.form ist das ungeteilte Spitzbogen-F. (oft als Lanzett-F. bezeichnet). Seine früheste Ausprägung fand es in N-Frankreich gegen M. 12 Jh. Der Formenapparat ist gegenüber dem in der Romanik ausgebildeten nur durch den oberen Abschluß verändert.

Die Lichtöffnungen sind in der Regel langgestreckt, mit spitzbogigem Abschluß (Rundbogenabschluß bei gleichem Formenapparat kommt gleichzeitig vor). Der F.verschluß liegt außerhalb der Mauermitte und wird von eiserner Armierung gehalten. Die Gewände sind außen und innen geschrägt, in die ausgeklinkten Gewändekanten sind Säulchen eingestellt. Die Bogenkante ist profiliert, die Sohlbank außen und innen geschrägt. Von innen ist die Mauerstärke durch Blendnischen gemindert, in deren Winkel Säulen mit Archivolten eingestellt sind. Es ist kennzeichnend, daß die F.öffnung mit ihren Gewänden den Nischengrund vollständig aufzehren kann. Die Nische ihrerseits kann die ganze Breite des Wandfeldes zwischen den gewölbetragenden Stützen einnehmen. Dies schafft die Voraussetzung, die Instrumentierung des F. zu der der Wand und zum Stützensystem in Beziehung zu setzen.

Solche F. wurden in Frankreich seit 2. Dr. 12. Jh. und mit Varianten bis in das 13. Jh. verwendet.

Es gibt sie z. B. im Chorumgang der Abteikirche St-Denis, 1140–43, wo im Innern Gewändesäulchen, Nischensäule und der der Gewölberippe zugeordnete Dienst durch ein verkröpftes Kämpfergesims zusammengefaßt sind (Sumner McKnight Crosby, L'abbaye roy. de St-D., Paris 1953, Abb. 76f.), und an der Kap. am nördl. Querschiff der Kath. in Laon (Abb. 9).

In Deutschland gibt es das ungeteilte Spitzbogen-F. seit dem 2. V. 13. Jh. besonders an zisterziensischen Bauten und solchen, die mit zisterziensischer Architektur in Zusammenhang gebracht werden und deren architektonischer Formenapparat z. T. der französischen frühgotischen Architektur entstammt (insbesondere das Dienst-Rippen-System). Das Spitzbogen-F. ist deshalb ebenfalls als Import anzusehen.

Die Obergaden-F. am Langhaus der Zisterzienserkirche Ebrach, 1200–1282, sitzen ohne Säulen und Archivolten in flachen Außennischen (Joh. Jaeger, Die Klosterkirche zu E., Würzburg 1903, S. 64, Abb. 39, 54). An den F. des sog. Bischofsgangs am Magdeburger Domchor, um 1220/25, sind in die Nischen außen und innen Säulen und Archivolten eingestellt (Abb. 22; [84c] Abb. S. 164, 166). Im N-Querarm des Straßburger Münsters, um 1220/25, sitzen die F.öffnungen in flachen und in den Winkeln innen mit dünnen Stäben, außen mit dünnen Säulen besetzten Nischen und Blenden (Étienne Fels, Le choeur et le transept de la Cath. de St., Soc. des Amis de la Cath. de St., Bull. 2e sér. 2, 1932, 65–96, Abb. 1, 17). Der W-Chor des Bamberger Doms hat ungeteilte Spitzbogen-F. als Haupt-F. [138, Fig. 27f., 35, Abb. 307, 316, 325–36].

Der Tendenz zu großflächiger Öffnung der Wandfelder folgen ungeteilte Spitzbogen-F. meist weniger als z. B. gleichzeitige spätromanische Fächer-F. Für beide F.formen ist die gleiche Art eiserner Armierung charakteristisch.

2. Vorstufen des Maßwerk-F.

a. Die Entstehung der Maßwerkpfosten (s. Maßwerk) läßt sich als fortschreitende Reduktion der Wand durch Engerstellen der zu Gruppen zusammengestellten F. interpretieren.

In Frankreich wurden in breiten Wandfeldern, besonders in den Obergaden, ungeteilte Spitzbogen-F. zu Gruppen zusammengeordnet, oft mit vorgeblendeten Säulenarkaden, z. B. am Südquerarm der Kath. in Soissons, um 1200 (Ernst Gall, Die got. Bauk. in Frankr. und Dtld., Teil 1, Braunschweig 19552, Taf. 84f.; an der Kath. in Le Mans, 1145–58, findet sich die gleiche Anordnung und Instrumentierung mit Rundbogen-F.: Ambroise Ledru, La cath. St-Julien du Mans, Mamers 1900, Abb. S. 173, 187). Die F. einer solchen Gruppe können so eng zusammengerückt sein, daß die benachbarten Gewände nur mehr einen schmalen Wandstreifen zwischen sich lassen, in der Regel weniger breit als die Gewände tief („Pfosten“) und oft besetzt mit den Säulchen der F.architektur.

Beispiele: F. im Obergaden der Chöre von St-Remi in Reims (Neubau z. Zt. des Abtes Pierre de Celle, 1162–81: Abb. 8) und von N.-D. in Châlons-sur-Marne, nach 1183–1217, sowie im Querhaus der Kirche von Orbais, A. 13. Jh.(?). Die Arkadensäulen greifen nach unten über die F.zone hinaus und sind in das Architektursystem einbezogen (Anne Prache, St-Remi de R. [= Bibl. de la soc. franç, d'archéol., 8], Genf 1978, Taf. 31 Abb. 69, Taf. 47 Abb. 120, Taf. 48 Abb. 124; [2] Bd. 5 S. 378 Abb. 14).

In Deutschland sind im 13. Jh. solche enggestellten F. zur möglichst weitgehenden Öffnung der Schildwände benutzt worden (auch als Alternative zu Fächer-F.). Die F., zu dreien oder mehreren zusammengestellt, sind rund- oder spitzbogig geschlossen, meist schmal und oft – den Schildbogen der Gewölbe entsprechend – in der Höhe gestaffelt (z. B. Gruppen aus fünf Rundbogen-F. an den Langhausobergaden des Bonner Münsters, um 1220/30: Abb. 20). Das Zusammenrücken der F.gewände führt zu einer pfostenähnlichen Trennung der F.öffnungen, ein Eindruck, den vorgelegte Arkadensäulchen verstärken können.

Beispiele sind die Obergaden-F. der Zisterzienserkirche in Riddagshausen, beg. um 1220–30; am O-F. sind innen den trennenden Pfeilern dünne Säulchen vorgelegt (Wolfg. Bichel, R. [= Braunschweiger Werkstücke, 40], Braunschweig 1968, S. 71f., Abb. 1, 26f.). Stärker reduziert sind die zwischen den F. verbleibenden Wandflächen am Langhausobergaden des Doms in Münster i. W., vor 1245, denen außen Arkaden vorgelegt sind (Inv. Westfalen 41,5 Abb. 1376, 1380), und an den Dreifenstergruppen der Hohnekirche (St. Maria zur Höhe) in Soest, um 1220–30 (mittleres O-F. mit Rundbogen, F. der N-Apsis mit Spitzbogen: ebd. Krs. Soest Abb. S. 120, Taf. 78,2 Taf. 80,1, Taf. 81,1), sowie am Langhaus der Münsterkirche in Herford, M. 13. Jh. (Abb. 30).

b. Als Vorform des Maßwerks wird eine weitere Möglichkeit der F.gruppierung interpretiert (z. B. Lottlisa Behling, Gestalt und Geschichte des Maßwerks, Halle 1944, S. 15): die Zusammenordnung von zwei Rundbogen- oder ungeteilten Spitzbogen-F. mit einem darüberstehenden Rund-F., dem meist ein Paß einbeschrieben ist. Solche F.gruppen sind außen oft in eine gemeinsame Blendnische gesetzt, in deren Winkel Säulchen mit Archivolten eingestellt sein können. Die gemeinsame Innennische nimmt häufig die ganze Schildfläche ein; die sie rahmende Archivolte ist dann mit dem Schildbogen identisch; die dieser Archivolte zugehörigen Säulen sind in das Stützensystem und die Wandgliederung einbezogen. Zwischen den Nischen außen und innen bleibt nur eine dünne Mauerscheibe stehen, aus der die F.Öffnungen mit ihren einfach geschrägten Gewänden ausgespart sind. Solche Mauerscheiben sind durch die F.Öffnungen auf „Pfosten“ (s. oben) und Restflächen im Bogenbereich reduziert; dies ergibt eine dem Maßwerk-F. ähnliche Durchfensterung.

Häufig genanntes französisches Beispiel sind die F. an den Obergaden und Chorabseiten der Kathedrale von Chartres (F. um 1215?). Die F.gruppe nimmt die ganze, durch Säulchen und Archivolte gerahmte Schildbogenfläche ein; innen sind die Säulchen mit den Gewölbediensten zusammengefaßt. Die Öffnungen haben einfache schräge Gewände, Okulus-Füllung sind durchbrochene Steinplatten (Plattenmaßwerk; Abb. 16; [2] S. 381 Abb. 15). Ähnlich sind die F. am Langhausobergaden und Chor der Kath. in Auxerre (beg. um 1215: Rob. Branner, Burgundian Gothic Archit. [= Stud. in Archit., 3], London 1960, Abb. 1, 14f.). Die F.gruppen am Obergaden von Mittelschiff, Chorhaupt und Chorabseiten des Doms in Bourges, 1. Dr. 13. Jh., bestehen z. T. aus drei Spitzbogen-F. mit eingestellter Säulenarkatur und darüber einem Rund-F. mit profilierter Rahmung; auch das ganze Wandfeld ist durch Säulen und Archivolte gerahmt (Rob. Brauner, La cath. de B...., Paris und Bourges 1962, Abb. 3f., 65, 74–78, 80, 86, 96, Taf. 1; vgl. auch ebd. Abb. 118). Ohne Arkatur und in die Mitte der Schildmauer gerückt waren die Querschiff-F. der ehem. Zisterzienserkirche Longpont, beg. um 1210 [50, Abb. 3].

In Deutschland gibt es solche F.gruppen in Mauerscheiben, gefügt aus Kleinquaderwerk, z. B. am Obergaden des Dekagons von St. Gereon in Köln, 1227 Gewölbe geschlossen (Abb. 19), in Quaderwerk am Chor der Nikolaikap. in Obermarsberg, wohl 1247 in Bau (Inv. Westf. 45, Krs. Brilon Abb. S. 375f.).

In St. Gereon sind aus den Mauerscheiben zwei bzw. drei langgestreckte Lanzett-F. ausgespart und aus den Zwickelflächen darüber kleine Dreipässe. In die Winkel der unterschiedlich breiten Blendnischen sind außen dünne Säulen mit Archivolten, innen kräftige Säulen mit Archivolten eingestellt [99, Taf. 217f., 223]. Im Geschoß unter diesen „frühgotischen“ F.gruppen sitzen „spätromanische“ Fächer-F.; beide F.formen gehören hier sicher zur selben Planung.

3. Das Maßwerk-F.

Die Zusammenfassung der F.gruppe zu einem unterteilten F. bildet in Frankreich den nächsten und hier entscheidenden Entwicklungsschritt: Stabwerk innerhalb einer F.lichte tritt an die Stelle von Mauerwerk zwischen mehreren F., alle Restflächen sind im Normalfall durchbrochen und verglast.

Dieser Schritt ist bei den F. der Kathedrale von Reims vollzogen (Baubeg. 1211, Weihe der Marienkap. 1221, Inbesitznahme des Chors 1241; zur Datenfrage R. Branner, Speculum 36, 1961, 23–37; Rich. Hamann-McLean in: Gedenkschr. Ernst Gall, Mchn. und Bln. 1965, S. 195–234). Das Spitzbogen-F. – mit außen wie innen schmaler Laibung sowie Innennische – ist geteilt in zwei schmale Lanzett-Öffnungen und einen Okulus mit einbeschriebenem Sechspaß. Die Profile der äußeren und inneren Laibung, der F.anschlag sowie ein außen und innen der Laibungskante eingelegter Rundstab bilden ein Kontinuum. Die um das ganze F. geführten Rundstäbe sind an den senkrechten Pfosten der Lanzetten durch Basen samt Sockel und durch Kapitelle als Säulchen charakterisiert; die Kapitelle markieren aber nur den Bogenansatz, sie werden nicht benötigt, um zwischen verschieden geformten Baugliedern zu vermitteln. Die Sohlbank ist außen und innen geschrägt. Außen rahmt den Bogenabschluß ein Profil mit tiefer Kehlung, in der Rosetten sitzen (Abb. 17; Paul Vitry, La cath. de R., Bd. 2, Paris 1919, Abb. 33, Taf. 3–5, 9–11, 70, 94, 100; Bernard Vitry [Einf.], N.-D. de R., Paris 1958, Abb. 5, 7, 50, 57, 65f.; Hans Reinhardt, La cath. de R., Paris 1963, Taf. 12, 15). – Paßgruppen statt der Okuli haben z. B. die seitlichen Obergaden-F. im Chorschluß von Le Mans, beg. 1217 [60, Taf. 40], F. mit drei Lanzetten z. B. Cambronne-lès-Clermont, gew. 1239 ([50] Abb. 14; vgl. ebd. Abb. 16f.).

Konstruktiv gesehen sind die Maßwerkpfosten keine echten Stützglieder. Sie werden vielmehr gehalten von waagrechten Eisensprossen. Die einzelnen Werkstücke der Pfosten reichen jeweils von einer Sprosse zur nächsten. Die Bogen der Lanzetten und der Ring mit dem Sechspaß sind aus Steinplatten zusammengesetzt, von denen alle flächigen Teile weggearbeitet sind, so daß auch diese Teile als Stabwerk erscheinen.

Diese Grundform des Maßwerk-F. tritt wenig später in Frankreich auch andernorts auf; Varianten betreffen Proportion, Profile und die Verbindung von Fenster- und Architekturgliederung.

Kaum verändert begegnet das Schema an den Domen von Châlons-sur-Marne (unteres Geschoß des N-Querhauses, um 1230: Jean Pierre Ravaux, Mém. de la soc. d'agriculture, commerce, sciences et arts de la Marne 89, 1974, 31–70, bes. S. 66ff., Taf. 3f., 7, 5, 10) und von Amiens (N-Querhaus, W-Seite, gegen 1233: [50] Abb. 6; Georges Durand, Monographie de l'église N.-D., cath. d'A. [= Mém. de la Soc. des Antiquaires de Picardie], Bd. 1, Amiens und Paris 1961, S. 239 Abb. 51) sowie am Obergaden der Zisterzienserkirche Ourscamp, Oise, E. 13. Jh. (Archives de la Comm. des Mon. Hist., Paris 1903, Bd. 1 Taf. 55). An den Chorkapellen der nach 1225 beg. Kathedrale von Beauvais ist die Rahmung des Okulus verschmolzen mit dem die ganze F.lichte umziehenden Rundstab (R. Branner, Le Maître de la cath. de B., Art de France 2, 1962, 77–92, Abb. S. 89).

Breite Wandfelder werden von den zweibahnigen F. nicht immer ganz ausgefüllt, auch wenn die F. sehr breit sind. Man setzte dann das F. in die Jochmitte und ließ seitlich schmale Wandstreifen stehen. Damit entfällt die Einbindung der F.architektur in die Wandgliederung. Vgl. Paris, Notre-Dame, Obergaden des Langhauses, um 1230 (RDK III 1474 Abb. 4), und Bourges, innere Seitenschiffe, 2. V. 13. Jh. (R. Branner, Bourges a.a.O. [Sp. 1288] Abb. 93f.). Dies gilt auch für das dreigeteilte Ost-F. von St-Maur-des-Fossés, um 1230 [50, Abb. 17].

In Deutschland wurde diese Grundform des Maßwerk-F. oft übernommen.

An St. Elisabeth in Marburg a. d. L., 1235–1283, entsprechen die F. denen der Kathedrale in Reims, allerdings sind nur den Okulen der F. an den Stirnseiten der Konchen Pässe einbeschrieben (Abb. 26; Rich. Hamann und Kurt Wilhelm-Kästner, Die Elisabethkirche zu M. ..., Bd. 1, Marburg a. d. L. 1924, S. 7f., Abb. 3f., 12, 36; vgl. auch Jürgen Michler, Stud. zur Marburger Schloßkirche, Marburger Jb. 19, 1974, 59ff. m. Abb.). F. mit Pässen in den Okulen finden sich auch an der unteren F.zone der Liebfrauenkirche in Trier, beg. um 1235 (Inv. Rheinprov. 13,3 Abb. 102, 104, 109, 115), und an der Stiftskirche in Wimpfen, beg. 1268 (Ad. Zeller, Die Stiftskirche St. Peter zu W. 1. T., Wimpfen 1903, Taf.bd. Taf. 11 Abb. 21, 23f., 26).

Gegen M. 13. Jh. entstand in Frankreich eine neue Lösung für die Maßwerkteilung: das vierbahnige Maßwerk-F. mit abgestufter Profilierung, das in der Hochgotik die normale F.form für Längsmauern blieb (an den schmäleren Polygonseiten hat man dagegen gern zweibahnige F. verwendet). Diese F.form ist voll ausgebildet an den Längswänden der Oberkirche der Ste-Chapelle in Paris, 1243–48 (Abb. 27).

Die Zusammenstellung von zwei Lanzetten und Okulus ist innerhalb der beiden Lanzetten wiederholt. Dabei wird zwischen der primären und der sekundären F.teilung in der Stärke der Maßwerkstäbe und in ihrer Profiltiefe unterschieden. Das Profil des F.gewändes setzt sich aus einer Folge von Gliedern zusammen, die sich im Bogenbereich entfalten. Die äußeren Glieder bilden den Rahmen der ganzen F.Öffnung; der mittlere Teil des Profils, der den F.anschlag einschließt, ist um die Hauptteilung des F. geführt und wird von den stärkeren „alten“ Pfosten aufgenommen. Ein Teil dieses Profils, außen und innen um eine Stufe reduziert, ist um die Unterteilung geführt und wird von den schwächeren „jungen“ Pfosten wiederholt. Innerhalb dieser Teilungen treten als weitere Untergliederung Maßwerknasen auf, die die Pässe bilden; auch sie sind um eine weitere Stufe zurückgenommen. Die Sohlbank ist unabhängig vom Gewändeprofil innen und außen geschrägt, die untere Kante ist profiliert.

Da bei solchen F. die Breite der einzelnen F.bahn aus der Jochweite des Baus abgeleitet ist, überschreitet sie häufig das Maß, das mit den Scheiben des F.verschlusses zu bewältigen war. Deshalb ist zur Halterung der Scheiben außer den waagrechten Eisensprossen oft eine Armierung aus senkrechten Eisen zwischen den steinernen Maßwerkpfosten erforderlich. Die vertikalen Eisen können mit den Eisensprossen verbunden sein und ein Gitter bilden, das, der Gliederung der Verglasung folgend, auch vom Rechteckraster abweichen kann. Solche Eisen können aber auch von der übrigen Armierung isoliert am steinernen Maßwerk befestigt sein, wie z. B. die in die Pässe des Maßwerks eingesetzten Flacheisenringe.

Die waagrechten F.sprossen sind nicht nur notwendiges Konstruktionselement für das Maßwerk, sondern oft auch als Ringanker in das statische System des ganzen Bauwerks einbezogen. Einzelne Eisen, die sich meist durch ihren größeren Querschnitt von den anderen Sprossen unterscheiden, sind durch die Pfeiler hindurch und um den ganzen Bau geführt (z. B. Domchor in Köln, ab 1248; Ste-Chapelle, Paris: Violett-le-Duc, Architecture, Bd. 2 S. 401 mit Abb. 6; vgl. ebd. Bd. 4 S. 205 Abb. 114; s. hierzu auch W. Haas, Eisen in der Archit. vor dem Aufkommen der Eisenarchit., in: Eisen Archit., Die Rolle des Eisens in der hist. Archit. der 1. H. des 19. Jh. [= Internat. Council of Mon. and Sites ICOMOS, Dt. Nat. Komitee, internat. Colloquium 18.–22. Sept. 1978], Mainz und Hannover 1979, S. 1–6).

Die Architektur der F. ist meist mit Wandgliederung und Stützensystem eng verknüpft, besonders Triforium und F. hat man gemeinsam dem Wandaufbau eingebunden. Oft sind die Profilstäbe der F.rahmung in das Dienstbündel der Stützen einbezogen und bis zum Fußgesims des Triforiums geführt, z. B. Langhaus-F. des Straßburger Münsters, um 1230/35–1275 (H. Reinhardt, La cath. de St., o. O. Grenoble] 1972, Abb. 27; RDK III 1476 Abb. 6). Auch die Maßwerkpfosten setzen häufig auf dem Fußgesims des Triforiums an und überschneiden oder durchdringen das Sohlbankgesims des F. (so die „alten“ Pfosten z. B. Kath. von Amiens, Langhaus: [50] Abb. 1; Zisterzienserkirche Altenberg, beg. 1255: [60] Taf. 82; Köln, Domchor: Sulpiz Boisserée, Ansichten, Risse und einzelne Teile des Doms von K., Köln 1821 und 18422, neuhrsg. von Arnold Wolff, Köln 1979, Taf. VII; auch die „jungen“ Pfosten z. B. am Dom von Troyes, Chor, um 1240: [50] Abb. 37; St-Denis, beg. 1231: ebd. Abb. 43f., 47; RDK III 1475 Abb. 5). Da die hochgotischen F. möglichst die ganze Breite zwischen den Stützgliedern der Wand einnehmen, grenzen die F.gewände direkt an die Pfeiler und sind im Steinschnitt mit ihnen zusammengefaßt. Dennoch wird das F.gewände nicht Teil des Pfeilers, sondern bleibt Teil der Mauer. Die Verglasung bildet also keine „diaphane Wand“ von Pfeiler zu Pfeiler (Hans Sedlmayer, Die Entstehung der Kath., Zürich 1950, S. 50ff., in Uminterpretation von Hans Jantzen, Über den gotischen Kirchenraum [= Freiburger Wiss. Ges., H. 15], Freiburg i. Br. 1928 [masch.], S. 2ff., als Buch Bln. 1951). Vielmehr schließt die Verglasung das von einem eigenen Gewände rings umgrenzte F.: Das F. ersetzt die Wand nicht, sondern bleibt Teil der Wand. Deshalb werden bei unterschiedlichen Achsabständen gleichgeformter F. die Maßdifferenzen zwischen Pfeiler und Gewände ausgeglichen und nicht in der Öffnungsweite, wie es bei starrer Profilverbindung zwischen Pfeiler und Gewände sein müßte (Hinweis Arnold Wolff, Köln).

Im deutschsprachigen Gebiet gibt es das vierbahnige hochgotische Maßwerk-F. vor allem an jenen Bauten, bei denen das hochgotische Architektursystem französischer Prägung in hohem Maß übernommen wurde.

Dies gilt z. B. für das Langhaus des Münsters in Straßburg um 1230/35–1275 (RDK III 1476 Abb. 6; H. Reinhardt a.a.O. [Sp. 1293] Abb. 22, 27, 37), für den ab 1248 erbauten Chor des Kölner Doms (Abb. 28; Maria Geirrter, Der Kölner Domchor und die rhein. Hochgotik [= Kg. Forschgn. des rhein. Ver. für Dpfl. und Heimatschutz, 1], Bonn 1937, bes. S. 29ff., Abb. 2) und für die Zisterziensterkirche Altenberg (s. Sp. 1294).

Daneben gibt es Primitivformen des Maßwerks, die durch Weglassen von Kapitellen, Basen und Sockeln und durch mindere Differenzierung im Querschnitt zustande kommen, z. B. im Obergaden-F. am Freiburger Münster, O-Joche des Langhauses, beg. nach 1250 (Abb. 29; Ernst Adam, Das Freiburger Münster [= Große Bauten Europas, 1], Stg. 1968, Abb. S. 14f.).

Abweichung vom Regelfall des Maßwerk-F. mit vollem Stabwerk zeigen F., deren Bogenfeld z. T. als undurchbrochene Fläche stehen blieb, z. B. Chor-F. der Stiftskirche Wetter, Hessen (Chor um 1260 beg.: [84 f] Abb. S. 330), und Obergaden-F. der Liebfrauenkirche in Trier, um 1253 (Inv. Rheinprov. 13,3 Abb. 102, 104, 117).

D. Das Maßwerk-F. vom E. 13. – A. 16. Jh.

Noch im 13. Jh. kam es im deutschsprachigen Raum zu einer von Frankreich nicht mehr unmittelbar abhängigen Entwicklung der F.formen, die teils zur französischen parallel lief, teils ihre eigenen Wege ging.

Das Maßwerk-F., in Frankreich offenbar an Kathedralen entwickelt und in seinen Proportionen sowie in seinem Verhältnis zur Wandarchitektur von deren basilikalem, auch im Chor zweigeschossigen Aufbau bestimmt und deshalb oft nur von halber Bauhöhe, wurde im 13. Jh. auch auf Bauten und Bauteile anderen Typs übertragen und entsprechend deren anderen architektonischen Gegebenheiten verändert, vor allem steiler proportioniert. Fast raumhohe steile F. gibt es gegen M. 13. Jh. im französischsprachigen Gebiet z. B. im Chor des Doms in Toul, zw. 1221 und 1260 (Jos. Ad. Schmoll gen. Eisenwerth, Die Mosel ..., Mchn. und Bln. 1963, Abb. 32, 34).

Im deutschen Sprachraum kommen solche F. besonders an Hallenkirchen und einschiffigen Langchören vor, seit M. 13. Jh. vor allem als Chor-F. an *Bettelordenskirchen (vgl. RDK II 394ff.). Die F.breite ist variabel: bei anspruchsvollen Bauten nimmt sie das ganze Wandfeld ein, häufiger sind die F. auf einen Teil der zur Verfügung stehenden Wandfläche beschränkt. Zu besonders breiten F. kam es an den Stirnfronten von Langhäusern, Querschiffen und gerade schließenden Chören; an Polygonalchören sind die F. der Stirnwand oft breiter und reicher als die seitlichen (z. B. Rothenburg o. T., St. Jakob, 1. H. 14. Jh.: Inv. Bayern, Mfr. 8 Abb. 21, 31, 37). Im Extremfall hat man sogar die Strebepfeiler ausgekehlt, um bei schmalen Wandfeldern für breite F. Platz zu schaffen (z. B. Halle, St. Moritz, beg. 1388: Inv. Prov. Sachsen, N. F. 1 S. 106, 113, Abb. 52f.).

Bei geringer Höhe der Mauerkrone hat man an Abseiten des öfteren auch F.paare eingefügt, um eine zu große Spannweite des F.bogens zu vermeiden, z. B. Chorumgang der Michaelskirche in Schwäbisch Hall, 1495 beg. von Hans Scheyb, 1525 noch nicht gewölbt (Lucrezia Hartmann, Sch. H., Mchn. und Bln. 1970, Abb. 5, 14). Selten sind F.paare an niedrigen Obergaden, Z. B.Marienkirche in Reutlingen, geweiht 1343 (Friedr. Kappler [Hrsg.], Die M. in R., Reutlingen 1947, Abb. 11, 27).

Unter der Vielzahl der Formen, die das Maßwerk-F. des Spät-MA aufweist, überwiegen die zwei- bis vierbahnigen, vor allem die dreibahnigen langgestreckten Spitzbogen-F.; sie sind als die „Normal-F.“ dieser Zeit anzusprechen (vgl. Abb. 36).

Die Pfostenteilung der F. wurde nicht mehr vom Ganzen der Architektur her festgelegt, wie beim „klassischen“ vierbahnigen Maßwerk-F., sondern vom Breitenmaß der einzelnen F.bahnen bestimmt, das meist in der Größenordnung von 40–60 cm liegt. Bei dieser engen Pfostenstellung konnte auf senkrechte F.eisen, wie sie bei breiten Bahnen als zusätzlicher Teilung nötig waren (s. Sp. 1293), verzichtet werden. Breite F. wurden stattdessen in eine größere Zahl von Bahnen – bis zu zwölf – unterteilt. Dies geschah zunächst unter Beibehalten des am vierbahnigen Maßwerk-F. entwickelten Systems der mehrstufigen Unterteilung, die die Differenzierung in „alte“ und „junge“ Pfosten zur Folge hat.

Sechsbahnige F. mit 3 + 3 Bahnen gibt es z. B. am südlichen Querhaus von St. Martin in Colmar, 2. H. 13. Jh. [86, Taf. 38], solche mit 2 + 2 + 2 Bahnen an der Stiftskirche in Wimpfen, südliches Querhaus (nach 1268: A. Zeller a.a.O. [Sp. 1292] Textbd. Sp. 46, Taf.bd. Taf. 11 Abb. 20, Taf. 18), am Dom in Regensburg (gerade Seiten des Chorschlusses, östliche F. des Langhauses und O-Seite des nördlichen Querhauses, E. 13. und 1. Dr. 14. Jh.: [88 a] Abb. 13f., 24f., 26) und an der O-Seite des Chors der Zisterzienserkirche Maulbronn (2. V. 14. Jh.: Otto Lirich, Kloster M., Bln. 1938, Taf. 9, 18). An der Heiligkreuzkirche in Schwäbisch Gmünd haben die F. der östlichen Chorkap. diese Teilung, die der südlichen und nördlichen Kapellen 3 + 3 Bahnen (Chor beg. 1351: Abb. 37 a, b; O. Schmitt, Das Heiligkreuzmünster in Sch.G., Stg. 1951, Abb. nach S. 20, 24; Rich. Schmidt, Sch. G., Bln. und Mchn. 1969, Abb. 19). Achtbahnige F. mit (2 + 2) + (2 + 2) Bahnen finden sich z. B. am Chor der Zisterzienserkirche Bebenhausen, F. um 1335 (Abb. 35), und an der W-Front der Zisterzienserkirche Altenberg, F. nach 1386 [84 h, Abb. S. 27].

Das ganze, oft große Bogenfeld des F. wurde dabei als Couronnement mit Maßwerkfiguration gefüllt, und zwar seit dem 14. Jh. meist so dicht, daß auch hier keine F.eisen mehr als Halterung für die Verglasung erforderlich waren. Bei prunkvoll ausgestalteten Schauseiten bezog man manchmal, unter Benutzung der Gestalt von Fensterrosen, auch den rechteckigen, unteren Teil des F. in die Maßwerkfiguration ein, z. B. am südlichen Seitenschiff der Katharinenkirche in Oppenheim (Abb. 33).

Neben das „klassische“ gotische Teilungsschema, das auf dem Halbieren oder auch Dritteln aufbaute, traten gegen M. 14. Jh. auch andere Teilungen, bei denen die Maßwerkfüllung des Bogens nur einen kleineren Teil der gesamten F.fläche, oft nur das Bogenfeld der mittleren F.bahnen, einnimmt. Diese Teilung und die damit verbundene Reduktion der Maßwerkfiguration wurde bevorzugt und weiterentwickelt vor allem im 15. Jh., als die Glasmalerei über die einzelnen F.bahnen hinweg zu zusammenhängenden Bildern kam, die große Flächen beanspruchten, wurde aber auch bei Weißverglasung angewendet.

So wurde gern in eine breite Öffnung ein schmäleres, in sich voll ausgebildetes mehrbahniges Maßwerk-F. wie ein „Binnen-F.“ eingesetzt, das seitlich von weiteren F.bahnen mit oder ohne Maßwerkfüllung begleitet ist. Am Hochchor des Veitsdoms in Prag z. B. wurde dadurch Übereinstimmung geschaffen zwischen den F. des Chorhaupts und den breiteren des Langchors (nach 1374: Abb. 38; [60] Taf. 111). Der sog. Zweiturmriß zum Regensburger Dom, um 1380, sah solche F. im ersten Turmfreigeschoß vor (Münchner Jb. N. F. 1, 1924, Taf. I nach S. 228). Sehr breite Seitenbahnen haben zwei der F. am südlichen Seitenschiff der Katharinenkirche in Oppenheim (Abb. 33). An der Marienkap. von St. Martin in Bad Orb, um 1480, sind die seitlichen Bahnen mit eigenem Halbbogen an den Kämpferpunkt des „Binnen-F.“ herangeführt; dies ergibt als Umriß des ganzen F. einen gebrochenen Spitzbogen (Inv. Reg.bez. Cassel 1 Taf. 269, 275).

Bei breiten Maßwerk-F. konnte die Abgrenzung der Seitenbahnen auch erfolgen durch stärkere Pfosten, die senkrecht gegen die Bogenlaibung stoßen, z. B. bei F. am Chorumgang von St. Lorenz, Nürnberg, dat. zw. 1439 und 1452 (E. Lutze a.a.O. [Sp. 1273] Abb. 45, 48, 64f.).

Ungeteilte Spitzbogen-F. mit wenig Maßwerkfiguration oder nur mit Nasen – auf Grund ihres Querschnitts ebenfalls als Maßwerk-F. anzusprechen – kommen meist an Nebenräumen oder kleinen Kirchen vor.

F. mit Maßwerk finden sich z. B. an der Kirche in Gambach als seitliche Chor-F. (E. 15./A. 16. Jh.: Inv. Bayern, Ndb. 10 S. 73, Abb. 50); genaste Spitzbogen-F. sind die Ost-F. im Obergeschoß der Kapitelsakristei des Eichstätter Doms, um 1480 (Inv. Bayern, Mfr. 1 S. 124, Taf. 14), und die F. der Wallfahrtskap. St. Alban in Taubenbach, E. 15. Jh. (Inv. Bayern, Ndb. 10 S. 234, Abb. 178).

Neben F. mit vereinfachtem Maßwerk gibt es zeitgleich immer wieder reichste Maßwerkfiguration.

Beispiele sind im norddt. Backsteingebiet besonders häufig: Ostteile von St. Marien in Prenzlau (um 1325–40, heute Ruine: Emil Schwartz, Gesch. der St. Marienkirche zu P., Celle 1957, Taf. nach S. 40; Inv. Brandenburg 3, 1 Abb. 142); Stirnwand von Chor und Querschiffen der Marienkirche in Danzig (15. Jh.: Willi Drost, Die M. in D. und ihre K.schätze [= Bau- und Kdm. des dt. Ostens, Reihe A, 3], Stg. 1963, Textabb. 6, Abb. 13f., Taf. 2–4, 66.). Beispiel in Haustein ist das F. an der S-Front des W-Querhauses am Augsburger Dom, 2. V. 14. Jh. (Norbert Lieb, Der Dom zu A. [= Kl. Kirchenführer, 64], Mchn. 19659, Abb. S. 1).

Bei reichen wie bei reduzierten Maßwerken erfolgte mancherorts schon um die M. 13. Jh., häufiger seit dem ausgehenden 13. Jh., eine Vereinfachung des Stabwerks; auch die hochgotische Betonung der Kämpferhöhe durch Kapitelle entfiel oft (z. B. Langhaus und Chor der Minoritenkirche in Regensburg, nach 1260 und 2. Dr. 14. Jh.: Abb. 36, dazu [88 b] S. 10; am Chor der ehem. Dominikanerinnenkirche in Stetten bei Hechingen, um 1280/90, haben die Pfosten der dreibahnigen Mittel-F. Rundstäbe, die der zweibahnigen Seiten-F. nur Kehlen: Inv. Hohenzollern'sche Lande Abb. S. 166, 168). Besonders ausgeprägt ist diese Vereinfachung im Backsteinbau Norddeutschlands. Die Pfosten wurden dort nicht in langen Stücken gebrannt, wie oft im süddeutschen Backsteingebiet, sondern aus Formsteinen von normaler Ziegeldicke aufgemauert. Die Form der Maßwerkfüllungen wurde zwar an einzelnen Bauten wie im Werksteinbau durchgebildet, in der weiteren Entwicklung aber mehr und mehr reduziert.

Oft wurden die F. durch gleich ausgebildete Maßwerkpfosten in drei bis fünf, die großen in sechs bis neun Bahnen geteilt, die mit je einem einfachen Spitzbogen ohne jede weitere Maßwerkfiguration schließen.

Drei- und vierbahnige F. befanden sind z. B. an Chor und südlicher Halle der Marienkirche in Wismar, 2. H. 14. Jh. ([53] Abb. 16, 25; [140] Abb. 57). Fünf- und dreibahnige F. gibt es an St. Marien in Rostock, voll. M. 15. Jh. ([53] Abb. 42, 81; RDK I 1355 Abb. 9), drei-, sechs- und siebenbahnige hat die ehem. Georgenkirche in Wismar, 2. H. 14. Jh. (ebd. Abb. 17, 19, 22), fünfbahnige der Dom in Stendal, voll. 1467 (ebd. Abb. 143f.; [84 c] Abb. S. 299), siebenbahnige die Wallfahrtskirche Wilsnack, beg. 1384 (Abb. 39), acht- und neunbahnige der W-Bau von St. Marien in Stralsund, beg. 1416 ([53] Abb. 23, 69, 116; [140] Abb. 40).

Noch stärkere Vereinfachung des Maßwerks zur sog. Harfensaitenbespannung, bei der die Pfosten – unter Verzicht auf Maßwerkfiguration – senkrecht gegen den F.bogen stoßen, ist für manche Regionen charakteristisch (etwa für das Hinterland der Ostsee), in anderen Gebieten höchstens vereinzelt anzutreffen.

Vgl. Chorumgang von St. Marien in Stralsund, um 1400 ([53] Abb. 59, 126; auch ebd. Abb. 44); Chor von St. Katharinen in Brandenburg, Havel, 1. H. 15. Jh. (Inv. Brandenburg 2, 3 Abb. 30; [84 d] Abb. S. 33); Danzig, Franziskanerkirche St. Trinitatis, Langhaus 1470–1520 (Abb. 48). Als Beispiel aus einer beliebigen anderen Region seien die F. der Fiegerkapelle an der Pfarrkirche in Hall i. T. genannt, gleichzeitig Beispiel solchen Maßwerks in verputzter Hausteinarchitektur (erb. 1489–94 von Wilh. Steinberger: [57] Abb. 47).

Schon im 13., vor allem aber im 14. und 15. Jh. wurden manchmal die Zwickel zwischen den Abschlußbogen der Bahnen nicht mehr durchbrochen, so daß wieder geschlossene Flächen im Bereich des F.tympanons entstanden, z. B. die F. am Chor der ehem. Benediktinerkirche Cismar, um 1260 [84 e, Abb. S. 78f.], an St. Marien in Pasewalk, um M. 14. Jh. ([140] Abb. 66f.; vgl. ebd. Abb. 30, 70, 72), und an St. Marien in Stargard, A. 15. Jh. [53, Abb. 28]. Wie ein Rückgriff auf die Frühform der durchbrochenen Mauerscheibe sieht die Zusammenordnung von F.Öffnungen aus, die sich an wenigen süddeutschen Bauten des gleichen Zeitraums findet.

Im südlichen Seitenschiff des Regensburger Doms, 2. V. 14. Jh., ist eine innen und außen durch einen Spitzbogen ausgegrenzte Fläche mit einer dünnen Quadermauer geschlossen, die von zwei zweibahnigen Maßwerk-F. und einem kleinen, maßwerkgefüllten Okulus durchbrochen wird. – Auf einem Riß mit einer Teilwiedergabe des Doms zu Prag ist die Restmauerfläche mit Blendmaßwerk belegt (Otto Kletzl, Peter Parler, Lpz. 1940, Abb. S. 64). Die grundsätzlich gleiche Form mit drei zweibahnigen Öffnungen und zwei Zwickelokulen findet sich an der Kirchenruine des Birgittenklosters Gnadenberg Krs. Neumarkt, beg. 1451 (Abb. 45).

Der Höhenzug steil proportionierter F. wurde manchmal gemildert durch Einfügen einer Querteilung aus einem Zwischengesims mit Maßwerkbogen. Beispiele finden sich vom 14. bis zum 16. Jh. regional verstreut, vor allem zur Bereicherung von F., die fast über die volle Höhe des Kirchenraums gehen.

Vgl. Chor der Elisabethkirche in Breslau, 1. H. 14. Jh.–um 1380 [53, Abb. 40], der Wiesenkirche (St. Maria zur Wiese) in Soest, 2. H. 14. Jh. (Inv. Westf., Krs. Soest Taf. 94–96, Abb. S. 127), und der Ritterkap. in Haßfurt, Chor beg. E. 14. Jh. [841, Abb. S. 145]. Besonders häufig sind solche F. am Mittelrhein und in der Pfalz (vgl. Friedhelm Wilh. Fischer, Die spätgot. Kirchenbauk. am Mittelrhein 1410–1520 ... [= Heidelberger kg. Abhn., N. F. 7], Hdbg. 1962, Abb. 83, 86, 88; Fritz Stich, Der got. Kirchenbau in der Pfalz [= Veröff. der Pfälz. Ges. zur Förderung der Wiss. ..., 40], Speyer 1960, Abb. 12–14, 16, 37, 39, 45–47, 66, 74f., 91, 97, 107), ferner z. B. am Chor der Pfarrk. St. Georg in Nördlingen, ohne Gewölbe voll. 1451 (Inv. Bayern, Schwaben 2 Abb. 12, 22), und an der Annenkirche Annaberg, voll. 1525 (Friedr. und Helga Möbius, Sakrale Bauk., Ma. Kirchen in der Dt. Demokratischen Republik, Bln. 1963, Abb. 156). Eine doppelte, verhältnismäßig reiche Querteilung haben die Chor-F. der Reinoldikirche in Dortmund, 1421–50 (Abb. 40), und des Aachener Münsters, 1355–1414, im 19. Jh. erneuert [84 h, Abb. S. 10]. Unüblich ist die Querteilung von Obergaden-F. im basilikalen Chor des Freiburger Münsters, Bauphase 1472–1524 (E. Adam a.a.O. [Sp. 1295] Abb. S. 14f., 99, 101).

Selten kommt Maßwerk in F. mit anderem als Spitzenbogenabschluß vor.

Rechteck-F. gibt es an großen Kirchen als Triforien-F. (Regensburg, Dom, 1.V. 14. Jh.: [88 a] Abb. 13, Taf. 1; Prag, Veitsdom, nach 1374: Inv. Böhmen, Prag 1, 1 S. 50, Abb. 62, 75, Taf. 6), als Haupt-F. dagegen nur an Kapellen: Marbach, Wendelinskap., Stiftung 1433 (Inv. Württ., Taf.bd. Neckarkrs. [Taf. 72]; vgl. auch Dpfl. in Baden-Württ. 9, 1980, 66 Abb. 10); Amberg, Kap. des alten Pfalzgrafenschlosses, des sog. Eichenforsts, spätes 14. Jh. (Inv. Bayern, Opf. 16 Abb. 82); Kap. über der Sakristei der Pfarrk. in Haßfurt, gegen M. 15. Jh. (Inv. Bayern, Ufr. 4 Abb. 21f.). Ein gestaffeltes, dreiteiliges F. kommt in der oberen Sakristei („Reuchlin-Kammer“) an der ehem. Schloß- und Stiftskirche St. Michael in Pforzheim vor (um 1470, 1943/45 zerst.: Inv. Baden 9, 6 Abb. 100f.); Rundbogen-F.: Weißenburg, St. Andreas, Michaelskap., 1440–1465 (Inv. Bayern, Mfr. 5 S. 21, Taf. 11); Georgskap. der Burg in Wiener Neustadt, N.Ö., 1449–1460 von Peter von Pusika [85 b, Abb. S. 353]; senkrecht anlaufende Stäbe haben die F. am Langhaus der Pfarrk. Buchen Krs. Mosbach, 1503–1507 (Inv. Baden 4, 3 S. 38, Abb. 21, Taf. 2); Stichbogen-F.: Kirchheim im Ries, ehem. Zisterzienserinnenkirche, A. 14. Jh. (Inv. Württ., Taf.bd. 3 [Taf. 93]); Erasmuskap. am Limburger Dom, wohl 14. Jh. (1353 Bestätigung der Kapellenstiftung: Zs. für Bauwesen 24, 1874, Bl. 13); Hildesheim, Portiuncula-Kap. an der Franziskanerkirche St. Martin, Untergeschoß, 2. H. 15. Jh. (Inv. Prov. Hannover 2, 4 S. 278, Abb. 211); Vorhangbogen-F.: Schloßkirche in Wittenberg, untere F. am Chor, 1497–1507 von Konrad Pflüger (Oskar Thulin, Lutherstätten in W. [= Große Baudkm., 88], Bln. 1947, Abb. S. 3); Schloßkap. in Wernburg, Bez. Gera, um 1500 (Denkmale in Thüringen [= Schrn. zur Dpfl. in der Dt. Demokratischen Republik], Weimar 1973, S. 361, Abb. 217).

Kreis-F. können mit Pässen ausgesetzt sein (z. B. Pfarrk. in Söllingen Krs. Karlsruhe, 1473:

Inv. Baden 9,5 Abb. 56), doch gibt es im Spät-MA auch sehr große maßwerklose Rund-F. (z. B. Stadtpfarrk. in Braunau, 1439–vor 1485, sowohl an der W-Fassade wie an den aus ihr vortretenden Treppentürmen: Inv. Österr. 30 S. 61, Abb. 216, 218, 225).

V. Das F. im Profanbau des MA

Der Profanbau in Stein setzt zwar mit Pfalzen und Klöstern, die in diesem Zusammenhang zum Profanbau zu rechnen sind, schon in frühma. Zeit ein; F. in größerer Zahl sind aber erst vom 12. Jh. an erhalten.

Das F. am Holzbau ist in Form und Konstruktion vorwiegend von der verwendeten Holzbautechnik abhängig, s. deshalb unter Fachwerk (RDK VI 938–92, bes. Sp. 940), Holzbau und *Ständerbohlenbau. Für punktuellen Zusammenhang zwischen F. im Steinbau und F. im Holzbau s. Sp. 1317.

Für den Profanbau typisch sind F., die dem Ausblick dienen, deshalb eine auf das menschliche Maß bezogene Brüstungshöhe haben und entweder unverschlossen waren oder geöffnet werden konnten.

A. 9. – 13. Jh.

1. Allgemein.

Die F. sind im Umriß meist hochrechteckig oder sie schließen oben rundbogig; zu den seltenen anderen Umrissen s. Sp. 1312. Durch die Abfolge von F.lichten und trennenden Stützen auf einheitlicher Sohlbank entstehen Zwillings-, Drillings- oder Reihen-F.

In der Romanik ist eine Rangordnung der beiden Hauptformen festzustellen: Rundbogen-F. hat man vor allem für die Haupträume oder die in der Außenarchitektur betonten Obergeschosse verwendet, Rechteck-F. häufiger an den Nebenräumen und den Erdgeschossen. (Auf die vorromanische Zeit lassen sich solche Aussagen wegen der geringen Zahl der erhaltenen Beispiele nicht ausdehnen.)

Hinsichtlich des Querschnitts ist zu unterscheiden zwischen F., deren Laibung die volle Mauerstärke einnimmt, und solchen, die innen in eine F.nische (s. Sp. 1321f.) münden und die deshalb nur den von der Nische belassenen Rest der Mauer durchdringen. Von außen ist die Mauerstärke oft durch eine das F. rahmende Blende reduziert. Mehrlichtige F. können innen in eine gemeinsame Nische münden und werden außen oft von der Blende zusammengefaßt, die meist etwa die Breite der inneren F.nische hat.

Die vielfältigen Möglichkeiten, F.lichten verschiedenen Umrisses zu mehrteiligen F. zusammenzustellen und mit unterschiedlichen Querschnitten zu kombinieren, wurden am Profanbau weit mehr genutzt als am gleichzeitigen Sakralbau; so ergab sich ein größerer Reichtum an Variationen. Einige dieser so entstandenen F.typen kommen besonders an bestimmten Bauaufgaben oder in bestimmten Zeiten vor.

2. Rundbogen-F.

Einfache Rundbogen-F. kommen im romanischen Profanbau zwar vor (etwa Goslar, Kemenate am Gr. Hl. Kreuz, A. 13. Jh.: [69] Taf. 6 b), sind aber im erhaltenen Denkmälerbestand die Ausnahme. Da der Steinbau in der Romanik der gehobenen Architektur vorbehalten war – zahlenmäßig herrschte der Holzbau vor – sind für ihn anspruchsvollere F.formen charakteristisch. Diese entstanden durch die Zusammenordnung von Rundbogenöffnungen zu Arkaden-F., d. h. zu Zwillings- und Drillings- (b) sowie zu Reihen-F. (a; für die F. wurde hier also die gleiche Bauform verwendet wie für die Öffnungen der gleichzeitigen Kreuzgänge und Kirchenemporen). Alle Varianten der Arkaden-F. konnten auch mit innerer F.nische (c; s. auch Sp. 1308) und äußeren Blenden (d) kombiniert werden. Nischen hat man immer verwendet, wenn die Arkaden der F. zum Verschließen eingerichtet worden sind. Immer aber blieben die Gewände senkrecht eingeschnitten, die Bogen von Sattelsteinen getragen (seltenes Beispiel für figurales Relief am Gewände ist das Drillings-F. an der S-Seite des Altmannschen Hauses in Regensburg, 11. Jh.: [132] Taf. 80a).

a. Das Reihen-F. aus Säulenarkaden ist typisch für Säle; Beispiele aus dem 12. und 13. Jh. sind an den Palasbauten von Pfalzen und Burgen erhalten. Die Außenmauern der Räume sind durch die F.Öffnungen aufgelöst, soweit dies statisch möglich schien. Auf der Brüstungsmauer stehen einzeln oder – wenn Mauerstärke oder Auflast dies erforderten – zu zweien gekuppelt hintereinander Säulen, die mittels Sattelsteinen die F.bogen tragen. Bei längeren Reihen-F. sind, hauptsächlich aus Stabilitätsgründen, in Abständen Säulen durch gemauerte Pfeiler ersetzt; ununterbrochene Säulenreihen sind bis maximal sieben Öffnungen bekannt.

Reihen-F. kommen an zweigeschossigen Bauten am Obergeschoß, bei dreigeschossigen an beiden Obergeschossen vor und konnten nach allen Seiten des Gebäudes – gleich welche Himmelsrichtung oder Lage im Gebäudekomplex – gerichtet sein.

Reihen-F., deren Arkadenbogen die volle Mauerstärke einnehmen, gibt es z. B. in den Obergeschossen des Landgrafenhauses der Wartburg, 3. Dr. 12. Jh. (Kenneth John Conant, Carolingian and Romanesque Àrchit. 800–1200 [= Pelican Hist. of Art, Z 13], Harmondsworth usw. 1959, S. 260 Abb. 65), und am Palas der Pfalz in Gelnhausen, vor 1170, in beiden Geschossen (Abb. 10; Günther Binding, Pfalz G. [= Abhn. zur K.-, Musik- und Lit.wiss., 30], Bonn 1965, Abb. 8); die Bischofspfalz in Speyer hatte solche F. im 2. Obergeschoß (die andersartigen F. im 1. Obergeschoß könnten Ergebnis eines Umbaus sein; Zchg. von 1613: [89] Textbd. S. 74, Bildbd. Abb. 10). An der Sonnenseite finden sie sich in Gelnhausen und am Palas der Burg Münzenberg, 3. V. 12. Jh. (G. Binding, Burg M. [= Abhn. zur K.-, Musik- und Lit. wiss., 20], Bonn 19652, Abb. 13ff.), sowie an der ehem. Bischofspfalz(?) nördlich des Domchors in Passau (Ergebnis der Bauuntersuchung 1977). Nach Norden gehen sie am Erzbisch. Palast in Köln, um 1164 [99, Bd. 3 Taf. 270 Abb. 1], und am Palas der Pfalz in Wimpfen, um 1210/20 [36, Abb. 11ff., 45]. Zum Hof gerichtet sind sie in Gelnhausen, an der Wartburg und am Kölner Erzbisch. Palast, nach außen an Burg Münzenberg und der Pfalz Wimpfen. – Als F. eines Ganges dienten sie an der Wartburg und vielleicht in Gelnhausen.

Bei den älteren Beispielen nimmt das Gewände die volle Mauerstärke ein. Vorkehrungen zum Verschließen sind im Mauerwerk nicht getroffen; bei Benutzung der Räume müssen die F. unverschlossen gewesen sein (vgl. Fritz Arens, Der Palas der Wimpfener Königspfalz, Zs. des Dt. Ver. für Kw. 24, 1970, 3–12).

Wurden Reihen-F. mit inneren F.nischen kombiniert, was die Verschließbarkeit erleichterte, traten an die Stelle langer, vielteiliger F. kürzere mit weniger Öffnungen, deren Zahl von der Breite der F.nische bestimmt wurde (z. B. drei fünfteilige F. an der N-Wand des Palas der Pfalz Eger, um 1180–90: Abb. 11).

b. Für größere (Wohn-)Räume verwendete man am häufigsten das Zwillings-F., daneben das Drillings-F. Die Öffnungen sind meist durch Säulen getrennt, deren Kämpfer mit der Außenwand bündig, seltener gegen diese zurückgesetzt sind (s. Abb. 15 b). Die äußere F.kante konnte profiliert oder – seltener – das F. durch ornamentale Rahmung geschmückt sein (z. B. F. vom Brixener Hof, Regensburg, M. 12. Jh., jetzt Mus. der Stadt R.: [132] Taf. 81 a). Auch bei Zwillings-F. konnten die Öffnungen durch zwei hintereinander gestellte gekuppelte Säulchen getrennt sein, z. B. Haus zum Stein in Mainz, Weintorstr. 1 1/10, 12. Jh. [131, Abb. 6].

c. Die sehr häufige Verbindung von Arkaden-F. mit F.nischen führte durch die Verringerung des Mauerreliefs zu spürbarer Veränderung der Außenarchitektur, auch wenn sie sich im Aufriß nicht abzeichnet. Die Kämpfer der Trennsäulen sitzen auch dann häufig bündig mit der Außenmauer (z. B. Regensburg, W-Seite des Hausturms Kapellengasse 2, 2. V. 12. Jh. und A. 13. Jh.: [132] Abb. 75, 80, Taf. 19, 81 b; Eger, Palas der Kaiserpfalz, um 1180–90: [125] Taf. 16 unten).

Bei F. mit innerer Nische können die Arkaden statt durch Säulen durch Pfosten getrennt sein. Dabei kann das F. bündig mit der Außenmauer stehen – es ist dann außen ganz in die Mauerfläche eingebunden (z. B. F. am Steinhaus in Wimpfen, s. unten) – oder es kann in einer äußeren Blende zurückgesetzt sein (vgl. Abb.

Auch F. mit Pfostenteilung konnten geschmückt werden durch ornamentalen Dekor als Rahmung auf der Wandfläche und auf den Pfosten (z. B. F. von Burg Schweinberg Krs. Buchen, Württ., um 1100, heute Karlsruhe, Bad. L.mus.: Bildkat., Karlsruhe 1969, F. 94), durch Profilieren der F.kante (z. B. F. im 1. Obergeschoß des Steinhauses in Wimpfen, um 1220–30: [36] S. 77f., Textabb. S. 76f., Abb. 49, 53, 59), oder durch eine dem Pfosten vorgelegte Halbsäule (Zwillings-F. am „Grauen Haus“ in Winkel, Rheingau, wohl um M. 12. Jh.: Werner Meyer-Barkhausen, Mainzer Zs. 53, 1958, 1–20, bes. Abb 9, Fig. 6). Im Backsteinbau benutzte man als Dekoration von Kante und Pfosten auch glasierte und unglasierte Steine im Wechsel (z. B. Rathaus in Lübeck, um 1230–40: Inv. Lübeck 1, 2 S. 39f., Abb. 17).

d. Die wichtigste F.form der Spätromanik sind die Arkaden-F. mit äußerer Blende und in der Regel auch innerer F.nische. Am häufigsten ist die Rundbogenblende, daneben gibt es auch die Kleeblatt-, Stufen- und Rechteckblende; alle konnten zusätzlichen Dekor erhalten.

Am sog. Overstolzenhaus in Köln, um 1225–30, finden sich Kleeblatt-, Rundbogen- und Stufenblenden, jeweils mit eingelegten Rundstäben [99, Bd. 1 S. 625–27, Bd. 3 Taf. 272 Abb. 1], Rundbogen und Stufenblenden am Dreikönigshaus in Trier, um 1230 (Abb. 25).

Häufig ist der Umriß der äußeren Blende unabhängig von dem der inneren Nische (z. B. kleinere Innennische mit Stichbogen und Rundbogenblende außen an den Zwillings-F. der Palassüdseite von Burg Bernstein, Elsaß, um 1220: [123] Abb. S. 178f., 189; ebenfalls kleinere Innennische am ehem. Wohnhaus Bocksgasse 27 in Mainz, 13. Jh.: [131] Taf. 3 a und b). Sind aber Blende und Nische gleich groß, hat die F.arkade nur noch relativ geringe Mauerstärke und scheint als Mauerscheibe in die Bogenblende eingestellt. Gelegentlich hat man dann das Bogenfeld mit Öffnungen – Kreis, Paß, Raute usw. – durchbrochen (z. B. Vierpaß im Kleeblattblendbogen über einem Zwillings-F. am Wohnhaus Mailandsgasse 3 in Mainz: [131] Taf. 2 a; verschiedene Öffnungen über Zwillingsarkaden am Palas der Burg St. Ulrich, Elsaß, um 1220: Abb. 14; [123] Abb. S. 178f., 189).

Außer einem Rundstab in den Winkeln der Blenden wurde auch anderer Dekor verwendet, z. B. doppelte Zackenblende bzw. Klötzchenfries um die Palas-F. von Burg Münzenberg, 3. V. 12. Jh. (G. Binding, Burg M. in der Wetterau [= Amtl. Führer], Bad Homburg v. d. H. 19634, Abb. 7).

3. Rechteck-F.

Rechteck-F. haben meist einen Verschluß, entweder nahe der Außenseite oder etwa in Mauermitte.

Aus vorromanischer Zeit sind nur wenige Beispiele bekannt; sie belegen das Vorkommen mehrteiliger F.

Ohne Parallele im Denkmälerbestand ist das in Resten erhaltene und weitgehend rekonstruierbare Drillings-F. in Aachen im Obergeschoß des Verbindungsganges zwischen Pfalzkapelle und Pfalz. Die drei Rechtecköffnungen (ca. 55 × 90 cm) waren von (monolithen?) Steinpfeilern getrennt und mit Steinstürzen überdeckt. Ein übergreifender Entlastungsbogen nahm die volle Mauerstärke von 85 cm ein, die F.architektur darunter ließ innen eine 19 cm tiefe, bis zum Boden reichende Nische. Die Öffnungen waren zur Aufnahme von wohl hölzernen Blendrahmen eingerichtet, die von außen gegen einen in 45 cm Tiefe sitzenden Anschlag zu setzen waren (Abb. 1; Felix Kreusch, Jb. des Rhein. Ver. für Dpfl. und Heimatschutz 1951, S. 109f., Plan II f.). – Aus ottonischer Zeit – frühes 11. Jh. – stammen die F. im Erdgeschoß der Königspfalz in Paderborn; sie hatten Sandsteinplatten, aus denen zwei hochrechteckige Öffnungen nebeneinander ausgearbeitet sind (teilweise bei der Ausgrabung noch in situ). Die Platten sitzen außen bündig vor einer tiefen inneren F.nische (Wilh. Winkelmann, Frühma. Stud. 4, 1970, 408, Taf. 25 Abb. 42).

Aus romanischer Zeit sind verschiedentlich Rechteck-F. mit Verschluß in der Mauermitte erhalten.

An den Erdgeschoß-F. des Romanischen Hauses in Münstereifel, 3. V. 12. Jh., waren hölzerne F.stöcke in der Mauermitte eingemauert. Die F.trichter außen und innen nehmen zusammen die volle Mauerstärke ein und sind ringsum etwa gleichmäßig abgeschrägt. Die Holzstürze – in der Schräge nebeneinander gelegte Bohlen, dendrochronologisch datiert 1167 – werden außen von einem halbrunden Mauerbogen entlastet ([99] Bd. 2 S. 807f., Abb. 1349f., 1352, Bd. 3 Taf. 378 Abb. 3f.; Hans Merian, Jb. der rhein. Dpfl. 26, 1959–64, 117f., Abb. 87f.). – Am Erdgeschoß des Stiftsgebäudes in Gerresheim, 13. Jh., sind den Rechteck-F. (Lichtmaß 139 × 76 cm) innen und außen Blendnischen mit Rundbogenabschluß vorgelegt. Als Verschluß, etwa in Mauermitte, diente ein steinerner F.stock, in den die Stäbe eines Eisengitters eingelassen waren, die außen vor der Verglasung saßen. Am Obergeschoß desselben Baus sind gleichartige F.stöcke zwischen eine Blendnische außen und eine tiefere innere F.nische gesetzt (ders. in: [42] S. 80f., Abb. 33f.). Ähnliche steinerne F.stöcke mit erhaltenen Gittern zwischen tieferen äußeren F.trichtern und inneren F.nischen hat das Erdgeschoß des ehem. Wohngebäudes der Stiftsherrn, des sog. Zehnthauses, in Karden a. d. Mosel, um 1200 (Inv. Rheinland-Pfalz, Krs. Cochem 2, S. 486, 488, Abb. 361f.).

Ausnahme sind die Obergeschoß-F. an der Moselseite des Propsteigebäudes in Karden; hier ist der Typ des Zwillingsarkaden-F. abgewandelt und mit einem geraden, von der Mittelsäule gestützten Sturz ausgeführt, offenbar, weil die für ein Arkaden-F. erforderliche Höhe fehlte (A. 13. Jh.: ebd. S. 492f., Abb. 364, 367).

Wurden Rechteck-F. mit einer Bogenblende kombiniert, so hat man manchmal die Fläche zwischen Sturz und Bogen, das F.tympanon, mit Reliefs geschmückt. Die erhaltenen Beispiele in Schaffhausen und Gelnhausen stehen nicht mehr in ihrem baulichen Zusammenhang; erstere, um 1200, sollen von der Abtskapelle des Klosters Allerheiligen, also nicht von einem Profanbau stammen (heute Schaffhausen, Mus. zu Allerheiligen: Inv. Schweiz 26, Kt. Schaffhausen 1 S. 139, Abb. 170–179), letztere, vor 1170, hielt G. Binding für F.tympana vom Obergeschoß des Palas (Pfalz G. a.a.O. [Sp. 1307] Taf. 8).

Auch Rechteck-F. hat man als Zwillings-F. ausgebildet, z. B. F. am „Grauen Haus“ in Winkel [s. Sp. 1309], deren trennender Pfosten mit Ornament geschmückt ist.

4. Schlitz-F.

Schlitz-F. sind, unabhängig von der Form ihres oberen Abschlusses, ein vor allem im Wehrbau, auch an Untergeschossen von Wohnbauten sehr verbreiteter F.typ, der sich von den Schlitz-F. im Sakralbau nicht unterscheidet. Die F.lichte sitzt meist ganz außen, so daß die unverschlossenen Öffnungen im Außenbau kaum in Erscheinung treten. Oft haben die Schlitz-F. innen F.trichter von voller Mauerstärke in der Art antiker „fenestrae obliquae“. Auch kommen sie in Verbindung mit F.nischen vor. Für die Gliederung der Räume sind sie in jedem Fall von erheblicher Bedeutung.

5. F. mit anderem Umriß

F. mit anderem Umriß sind gegenüber den Rundbogen- und Rechteck-F. deutlich in der Minderzahl, doch kommen auch im romanischen Profanbau die verschiedensten F.formen vor.

Rund-F.: z. B. Abb. 11 und 25,

Vierpaß-F.: z. B. Stiftsgebäude Gerresheim, Giebelfeld der N-Seite (H. Merian in: [42] S. 86 Abb. 39); Kleeblattbogen-F.: z. B. kleiner Palas der Burg Vianden, 1. H. 13. Jh. [99, Bd. 2 Abb. 2095]; Rothenburg o. T., Blasiuskap., ehem. profanes Obergeschoß, um 1200–1220 (Inv. Bayern, Mfr. 8 S. 447f., Abb. 383, 386); Goslar, Romanische Kemenate, Schreiberstr. 2, um 1290 ([69] Taf. 7 b, auch Taf. 7 a, 8 a und Abb. 6; viermal gebrochener Bogen: ebd. Taf. 6 b und Abb. 15f.); Regensburg, Haus Bär an der Ketten, N-Seite, 1. Obergeschoß, M. 13. Jh. [132, Taf. 83 b]; Glocken-F.: Köln, Erzbisch. Palast, um 1164 (s. Sp. 1307).

B. 13. – 14. Jh.

1. Zwillings-, Drillings- und Reihen-F.

Die Übernahme gotischer Architekturformen in den Profanbau brachte während des späten 13. und noch im 14. Jh. vielerorts im Grundsätzlichen keine Änderung der in der Romanik entwickelten F.architektur; die Einzelformen jedoch wurden von Fall zu Fall verändert: Spitzbogen statt Rundbogen, profilierte Pfosten statt Säulen, andere Profile. Das Normal-F. blieb das Zwillings-F. oder auch das Drillings-F. mit Bogenabschluß oder geradem Sturz und mit innerer Nische. Vereinzelt kommen Reihen - F. mit Spitzbogenöffnungen vor, die ebenfalls nur im Detail Änderungen gegenüber romanischen Reihen-F. zeigen. (Die immer noch häufigen kleinen schmucklosen Rechtecköffnungen mit F.funktion und die Schlitz-F., die nun auch mit Spitzbogenabschluß vorkommen, werden nicht eigens behandelt.)

Zwillings-F. aus Spitzbogenöffnungen, noch mit Mittelsäule und meist mit profilierter oder gefaster Laibungskante, gibt es z. B. in Regensburg seit dem 2. V. 13. Jh. [132, Abb. 139, 146, 209f., Taf. 80 b, d, 82 b] und in Goslar im 14. Jh. [69, Abb. 16]. Spitzbogige Zwillings-F. mit Mittelpfosten hat das Hohe Haus in Konstanz, Zollernstraße, erb. 1294 (Frank Kretzschmer und Ulrike Wirtler, Das Bürgerhaus in K. [= Das dt. Bürgerhaus, 25], Tübingen 1977, Abb. 44–48). Drillings-F. aus zur Mitte gestaffelten Spitzbogenöffnungen und mit Innennische hat der Goldene Turm in Regensburg (Abb. 32), ebensolche F., gerahmt von gestaffelten Rechteckblenden, der Palas der Ruine Hohengeroldseck, 2. H. 13. Jh. (Inv. Baden 7 S. 117 Abb. 58), fünf gestaffelte Lanzettöffnungen in Spitzbogenblende der sog. kleine Rittersaal in Schloß Marburg a. d. L., A. 14. Jh. (Inv. Reg.bez. Cassel 8, Atlas Teil 1 Taf. 139, 140,1, 152). – Die Spitzbogen wurden auch mit Maßwerk oder Maßwerknasen besetzt (Maßwerk z. B. Abb. 32; [132] Abb. 169; Maßwerknasen: Regensburg, Am Weinmarkt 1, 1. V. 14. Jh.: ebd. Taf 82 b; Schaffhausen, Haus Obere Tanne, 1. H. 14. Jh.: Inv. Schweiz 26, Kt. Schaffhausen 1 Abb. 586; Goslar, Frankenbergerstraße 23, 14. Jh.: [69] Abb. 16, Taf. 9 a), oder man hat Kleeblattbogen mit zugespitztem Mittelbogen verwendet (z. B. Abb. 32; Goslar, Jakobistraße 1, 14. Jh.: ebd. Abb. 16, Taf. 40b). Nach wie vor wurden zwei- und dreilichtigen F. kleine Zwickelöffnungen hinzugefügt (z. B. [132] Abb. 279: um 1250, Abb. 169: um 1270/80), die auch als Rauchabzug dienen konnten und deshalb manchmal an sonst verschließbaren F. unverschlossen blieben.

Ein Reihen-F. aus neun gestaffelten Spitzbogenöffnungen und Okulen im Bogenfeld, umfaßt von einer großen Innennische, ist am Palas der Wasenburg, Elsaß, um 1280, erhalten (Abb. 31).

Oft wurde das Bogenfeld geschlossen, so daß Rechtecköffnungen – unter häufig maßwerkgefüllten F.tympana – entstanden; meist trennen profilierte Pfosten die Öffnungen. Diese F.form erleichterte es, das F. verschließbar zu machen (s. Fensterverschluß).

Beispiele finden sich in Regensburg am Haus Alte Münz, 3. V. 13. Jh., am Gravenreutherhaus, 1. V. 14. Jh., und am Rathausturm, F. nach 1360 ([132] S. 282f., Taf. 62 a, b; Taf. 36 a–c, 48 a, 84 a, 98 a, vgl. ebd. Taf. 51, 72 b; [88 b] Taf. 5).

Mehrlichtige Spitzbogen-F. sind manchmal eingespannt zwischen profilierte F.bänke und Verdachungen aus geraden oder giebelförmig gebrochenen Leisten, die alle Öffnungen eines F., aber auch zwei mehrlichtige F., zusammenbinden können.

Beispiele für diese Varianten sind ebenfalls an Regensburger Häusern erhalten: waagrechte Steinleisten sitzen über den F. des Goliathhauses, um 1220/30, des Kastenmayerhauses, 3. V. 13. Jh., der O- und W-Seite des Goldenen Turms, um 1280 (Abb. 32), und des frühgotischen Runtingerhauses ([132] S. 321f., Taf. 24; Abb. 118, Taf. 28, 92 a, Beilage S. 33; Taf. 35, Abb. 169, S. 327f., Taf. 63). Giebelförmig gebrochene Leisten finden sich am Goldenen Turm, ferner am Baumburgerturm, 3. V. 13. Jh. (ebd. Taf. 33), und am Regensburger Rathausturm (ebd. Taf. 41).

2. spitzbogige Maßwerk-F.

Für hohe Säle verwendete man – besonders im 14. Jh. – spitzbogige Maßwerk-F., die in Form und Durchbildung weitgehend denen gleichzeitiger Sakralbauten entsprechen. Die Verwendung dieser F.form auch im repräsentativen Profanbau macht sie zu einer besonders häufig gebrauchten im 14. Jh.

Meist sitzen solche F. auch im Profanbau über Kopfhöhe, z. B. im Palas der Spesburg, Elsaß, M. 13. Jh. ([86] Abb. 233, vgl. auch ebd. Abb. 115), am Kaufhaus in Mainz, 1316/17 (Gerh. Nagel, Das ma. Kaufhaus ..., Bln. 1971, Abb. 229–31), im Saal des Alten Rathauses in Nürnberg, 1332–40 (Ernst Mummenhoff, Das Rathaus in N., Nürnberg 1891, Abb. n. S. 30; Matth. Mende, Das alte Nürnberger Rathaus, Bd. 1 [= Ausst.kat. der Stadtgesch. Mus. Nürnberg, 15], Nürnberg 1979, Abb. 11, 16, Farbtaf. 11f.), im Hansasaal des Kölner Rathauses, 2. Dr. 14. Jh. (Peter Fuchs, Das Rathaus zu K., Köln 1973, Abb. S. 9, 12, 91, 94), im Reichssaal in Regensburg, nach 1356 [88b, Taf. 5, 8, Abb. 63], und im Rathaussaal in Münster i. W., 2. H. 14. Jh. (Inv. Westf. 41,2 Abb. 477–80, 482f.; Josef Prinz, Das Rathaus zu M., Münster i. W. 1958, Abb. 3, 8, 25f., 31), sowie – Beispiel am städt. Wohnbau – Colmar, Maison Adolphe, Münsterplatz, 2. H. 14. Jh. (Roland Recht und Gabriel Braeuner, Connaître Colmar, Colmar 1978, S. 42f., Abb. S. 43; ebendort auch ungeteilte Spitzbogen-F.: ebd.), und – Beispiel für Klosterräume – Sommerrefektorium des Zisterzienserklosters Bebenhausen, 1335 (O. Linck, Vom ma. Mönchtum und seinen Bauten in Württ. [= Veröffn. des württ. L.A. für Dpfl., 5], Augsburg 1931, Abb. 63).

Nur selten reichen Maßwerk-F. bis in die Nähe des Fußbodens herab, so daß man sie mit betretbaren Nischen kombinieren konnte, wie z. B. in dem Palas von Burg Klingenberg (Zvikov), Böhmen, voll. 1265 (Dobroslava Menclová, České hrady, Prag 1972, Bd. 1 Abb. 290, 294, 299, 301), und im 1311 voll. Rittersaal des Marburger Schlosses (die Sitzbänke sind neuere Zutat). Steinerne Querteilungen unterhalb der Mitte ermöglichten es, den unteren, erreichbaren Teil des F. zum Öffnen einzurichten [Abb. 34; Inv. Reg.bez. Cassel 8, Atlas Teil 1 Taf. 152, 165,3, 183). Steinerne Quersprossen haben auch die Maßwerk-F. des Kölner Rathausturms, 1407–14 (P. Fuchs a.a.O. [Sp. 1314] Abb. S. 91–95).

3. F.gruppen: „Haufen-F.“

Eine spezielle Art von F.gruppen findet sich vor allem an Burgen, aber auch an Stadthäusern: im Dreieck angeordnete oder in größerer Zahl zusammengedrängte kleine F. von beliebigem Umriß, die in eine gemeinsame Außennische und/oder Innennische münden. In allen überprüften Fällen war das Mauerwerk dieser Nischen gegen eine Holzkonstruktion gemauert; offenbar hatte man beim Bau zuerst Kammern aus Blockwerk aufgerichtet und dann ummauert. Die „Haufen-F.“ des (allein erhaltenen) Steinhaus saßen vor den Öffnungen des heute ausnahmslos verlorenen Blockwerks, das innerhalb des steinernen Gebäudes einen wohnlichen Raum bildete.

Beispiele an Burgen besonders des oberen Murtals, in der Steiermark und Kärnten stellte Otto Piper zusammen (Burgenkde., Ffm. 19744, S. 459f., Abb. 458f.). Das Phänomen erklärt D. Menclová, Blockwerkkammern in Burgpalästen und Bürgerhäusern, Acta hist. artium 9, 1963, 245–67; dort Beispiele aus Böhmen, z. B. Burg Klingenberg, voll. 1265, Burg Bösig, vor 1278, und die Burgen Karlstein, Karlsberg und Karlskrone aus der Zeit Karls IV. – Beispiele an Bürgerhäusern sind nur wenige bekannt; D. Menclová (ebd. S. 267) nennt eine Darstellung in der Velislav-Bibel, fol. 19v, M. 14. Jh. (Fenstergitter Abb. 2), und ein Haus in Buda; R. Strobel beschreibt „Haufen-F.“ in Regensburg (S-Mauer des frühgot. Hauses Silberne Kranzgasse 4, und – als Ergebnis des Umbaus einer ehem. offenen Loggia – am Gravenreutherhaus: [132] S. 100, Taf. 134 a, 95).

C. 14. – A. 16. Jh.

1. Unterteiltes Rechteck-F.

Zu den älteren F.formen kam im Spät-MA das von steinernen Pfosten, oft auch Sprossen unterteilte Rechteck-F. als neue wichtigste F.form. In Deutschland sind diese F. seit dem 14. Jh. in größerer Zahl nachweisbar, im 15. Jh. die im Profanbau vorherrschende F.form.

Die Architektur solcher F. liegt stets außenbündig in der Mauer vor einer inneren F.nische. Über den steinernen Stürzen liegen oft (fast immer unauffällig gehaltene) Entlastungsbogen. Gewändekanten und Pfosten sind profiliert, letztere ähneln im Querschnitt denen der zeitgleichen Maßwerk-F. im Sakralbau. Das Kantenprofil der einzelnen Öffnungen läuft an Gewände, Sturz und Pfosten gleichmäßig um, manchmal auch an der F.bank. Nur selten tritt ein zusammenfassendes Rahmenprofil hinzu. Die Teilung der F. richtete sich nach der F.größe, diese wiederum nach der Dimension der Räume. Die Unterteilung kann nur durch senkrechte Pfosten erfolgen (b); bei hohen F. tritt waagrechte Teilung durch steinerne Sprossen hinzu, so daß F. mit Steinkreuz (Kreuz-F.) entstehen (a). Eiserne F.sprossen, im Sakralbau üblich, sind im Profanbau selten; seit dem späten 15. Jh. wurde im bürgerlichen Wohnbau die steinerne F.teilung häufig aufgegeben und durch einen Holzstock mit feststehender Teilung ersetzt (s. Fensterverschluß).

Nur sehr kleine F. blieben ohne Unterteilung (vgl. maßstäbliche Zusammenstellung der F.typen von Burg Karlstein bei D. Menclová 1972 a.a.O. [Sp. 1315] Bd. 1 Abb. 74).

a. Kreuz-F., in Frankreich bereits M. 13. Jh. ausgebildet (z. B. an der Maison des Musiciens, Reims: [2] S. 407, Abb. 37), sind in Deutschland erst im 14. Jh. zu belegen, von da an jedoch allgemein verbreitet. Sie dienten meist der Belichtung hoher, in Obergeschossen liegender Räume. Reihung solcher F., zwischen denen dann nur schmale Wandstücke blieben, ergab F.bänder, die, vor allem im 15. Jh., fast über die ganze Hausfront laufen konnten.

Meist teilen die steinernen Quersprossen niedrigere Oberlichter ab. Solche F. lassen sich z. B. in Köln seit dem 2. Dr. 14. Jh. nachweisen (vgl. [136] S. 317ff., 329ff.). Weitere Beispiele: Abb. 44; Leinwandhaus in Frankfurt a. M., E. 14. Jh. (Walter Sage, Das Bürgerhaus in F. a. M. [= Das dt. Bürgerhaus, 2], Tübingen 1959, S. 17, Taf. 5 b, 6 a); heute veränderte F. des Rathauses in Miltenberg, frühes 15. Jh. (Inv. Bayern, Ufr. 18 S. 271, Abb. 231); Köln, Gürzenich, 1441–47 (RDK I 1209 Abb. 3). – Je nach Höhe der F. kann die Querteilung tiefer, bis zur Mitte der F. gesetzt werden, um den (meist mit Läden versehenen) unteren Teil leichter verschließbar zu machen (vgl. Rekonstruktion des Hauses Dubbel 3, Münster i. W., E. 15. Jh.: Inv. Westf. 41,3 Abb. 644, S. 59f.). Sehr hohe F. hat man auch durch zwei Quersprossen gedrittelt, sehr breite durch zwei oder mehr senkrechte Pfosten geteilt (z. B. Abb. 43; s. auch RDK V 1254 Abb. 3). Lediglich mit einer Quersprosse geteilt wurden schmale F., die oft am gleichen Geschoß und in gleicher Höhe wie Kreuz-F. benutzt wurden und meist schmälere Achsen besetzen (z. B. Abb. 44), aber auch einzeln stehen können (z. B. Burg Lechenich Krs. Euskirchen, gegen M. 14. Jh.: Uwe Lobbedey in: [42] S. 131–36, bes. S. 132, Abb. 2f.).

b. Querrechteckige Öffnungen, wie sie zur Belichtung großer, aber niedriger Räume notwendig sind, wurden meist nur durch senkrechte Pfosten geteilt. Dabei konnten zwei-, drei- oder mehrteilige F. entstehen (z. B. 14-teiliges F.band an der Traufseite des Rathauses in Waldsee, 1426: Inv. Württ., ehem. Krs. Waldsee S. 52f., Taf. 3; zu vielteiligen F. im Bodenseeraum vgl. [95] S. 380). Häufig kamen F.bänder zustande durch das Zusammenstellen mehrerer mehrlichtiger F., ähnlich den F.reihen aus Kreuz-F. Solche F.bänder sind am ehesten als Umsetzung aus dem Fachwerk- bzw. dem Ständerbohlenbau in den Steinbau zu verstehen, nicht als gotische Umformung romanischer Reihen-F. Die F.bänder sind innen in der Regel einer Reihe von F.nischen zugeordnet, die sich in der Rhythmisierung des F.bandes nach außen abzeichnen können, vgl. O-Seite des Reichssaals in Regensburg, nach 1356 [88 b, Taf. 5, 8, Abb. 63]; Rathaus in Lindau, 1422 bis 1436 (Abb. 42); Kaufhaus in Colmar, um 1480 [86, Ausg. 1965, Abb. 48].

Bei drei- und mehrbahnigen F. – gleich ob mit oder ohne Querteilung – wurden die Stürze nicht immer in einer Höhe angeordnet, sondern öfters, der Bogenform der Nische oder des Raumquerschnitts folgend, zur Mitte hin gestaffelt.

Vgl. das siebenteilige F. in großer Nische aus der M. 14. Jh. im W-Turm des Schlosses Gottlieben, Kt. Thurgau [95, Textabb. 78, Abb. 261]. Beispiele für die häufigen dreibahnigen, gestaffelten F. sind die am Erdgeschoß des Rathauses von Miltenberg (heute verändert; s. oben), am 2. Obergeschoß des Rathauses in Ravensburg, 2. H. 14. Jh. [95, Textabb. 75], und am Rathaus in Basel, 1504–14 (Inv. Schweiz 3, Kt. Basel-Stadt 1 Abb. 269); ein drei- und ein siebenteiliges F. aus dem 15. Jh. und um 1500 findet sich am Steinhaus in Wimpfen [36, S. 78, Abb. 52 und S. 81, Abb. 48]. Bei geradzahligen Bahnen sind die Stürze der beiden mittleren Bahnen gleichhoch, z. B. Rathaus in Überlingen, 1490–94 (Abb. 49). Meist ist die Querteilung ebenfalls gestaffelt; Ausnahmen gibt es häufiger im Südwesten, z. B. F. am Rathaus in Ravensburg, s. oben, und am Waaghaus in Winterthur, 1503 [95, Textabb. 77 b]; am Rothenburger Tor in Dinkelsbühl, nach 1380, sind die beiden gleichhohen mittleren Bahnen als Kreuz-F. gestaltet, die niedrigeren seitlichen ungeteilt (Inv. Bayern, Mfr. 4 Abb. 112); vgl. auch Goldenes Dachl in Innsbruck, 1500 (Heinr. Hammer, Kg. der Stadt I., Innsbruck usw. 1952, Abb. 66), sowie Rathaus in Rottweil, voll. 1521 (Inv. Württ., Schwarzwaldkrs. Abb. S. 321).

Auch in die rechteckige F.kontur konnte Maßwerk eingesetzt werden, das dann als Couronnement den oberen Teil der F.lichte einnimmt oder das von einer Quersprosse abgeteilte Oberlicht füllt.

Beispiele sind Abb. 41, F. am Reichssaal in Regensburg, s. oben, und im Flur und im Sommerremter des Hochmeisterpalastes der Marienburg, um 1393–99 (Jan Bialostocki, Spät-MA und beginnende Neuzeit [= Propyläen Kg., 7], Bln. 1972, Taf. 412f.; Bernh. Schmid, Die M. [= Dt. Bauk. im Osten, 1], Würzburg 1955, Taf. 53), sowie – Beispiele der 2. H. 15. Jh. – die F. der Rathäuser in Waldsee und Ravensburg, s. oben, sowie in Rees (Rich. Klapheck, Bauk. am Niederrhein, Ddf. 1916, Bd. 1 S. 94 Abb. 97).

Blendmaßwerk über der F.lichte, das jedoch in die F.architektur einbezogen ist, läßt sich seit dem 4. V. 15. Jh. belegen, z. B. Kreuz-F. der sog. Münze in Vic-sur-Seille, Moselle, voll. wohl gegen 1484 [86, Abb. 282]; mehrbahnige, quergeteilte F. in Longuich Krs. Trier-Saarburg, sog. Alte Burg, Saal im Obergeschoß (um 1500: Inv. Rheinprov. 15,2 Abb. 142, S. 227).

2. F. mit Bogenabschluß

Neben den F. mit geradem Abschluß kamen seit der 2. H. 15. Jh. auch F. mit Bogenabschluß vor; F.architektur und -teilung entsprechen jedoch auch dann überwiegend der des geteilten Rechteck-F.

Kontinuierlich weiter verwendet wurde das spitzbogige Maßwerk-F. traditionellen Typs, so z. B. an Klosterbauten; vgl. Blaubeuren, Kapitelsaal und Mittelgang des Dormitoriums, zw. 1460 und 1502 (O. Linck 1931 a.a.O. [Sp. 1315] Abb. 32f.); für Klosterbibliotheken s. Edgar Lehmann, Die Bibliotheksräume der dt. Klöster im MA (= Schrn. zur Kg., 2), Bln. 1957, Abb. 50, 53f., 57–59.

Segmentbogen sind im 15. Jh. als Abschluß breiter, niedriger F. in steinernen Untergeschossen – auch als Laden-F. – gebraucht worden; diese F. blieben meist ohne Profilierung und Teilung (z. B. sog. Münze in Vic-sur-Seille [s. Sp. 1318]; für das Bodenseegebiet vgl. [95] S. 69).

An Obergeschossen kommen Segmentbogen-F. seit dem 15. Jh. in steilerer Proportion und mit dem für Rechteck-F. üblichen Formenapparat vor.

Einhüftig steigende Segmentbogen-F., deren oberer Abschluß den um 1449 eingezogenen Tonnengewölben folgt, belichten die beiden Ratsstuben des Rathauses in Bern (Inv. Schweiz 19, Kt. Bern 3 Abb. 38, 48, S. 23, 27). Dreiteilige F. wurden A. 16. Jh. z. B. in Zug häufig verwendet (Inv. Schweiz 6, Kt. Zug 2 Abb. 255, 301); am Rathaus ebendort, um 1505, haben solche F. zusätzliche waagrechte Teilung in Kämpferhöhe (ebd. Abb. 255, 263).

Auch in Segmentbogen-F. wurde Maßwerk eingesetzt, z. B. in F. am Rathaus in Wasserburg, um 1457 bis 1459 (Inv. Bayern, Obb. 2 S. 2111, 2. Taf.bd. Taf. 239), im sog. Kapitelsaal über dem O-Flügel des Kreuzgangs am Münster in Konstanz, 3. V. 15. Jh. (Abb. 46; Inv. Südbaden 1 Abb. 220, 222, 230), im Refektorium des ehem. Dominikanerinnenklosters Stetten bei Hechingen, um 1471 (Inv. Hohenzollern'sche Lande Abb. S. 167), und am Rathaus in Goslar, 2. H. 15. Jh. (F. im 19. Jh. spitzbogig verändert: Karl Gruber, Das dt. Rathaus, Mchn. 1943, S. 29, Textabb. 11).

Vorhangbogen wurden seit dem 3. Dr. 15. Jh. in vielerlei Varianten verwendet.

Vorhangbogen-F. finden sich vor allem an sächsischen Bauten, z. B. an der Albrechtsburg in Meißen, um 1470–85 (Abb. 47; Hans-Joachim Mrusek, Die A. zu M., Lpz. 1972, Abb. S. 155, Abb. 1, 4–10 u. ö.), an der Moritzburg in Halle, 1484–1503 (Andreas Hüneke, Die M. zu H. [= Baudenkmale, 23], Lpz. 1978, Abb. 8), und am Schloß zu Merseburg, 4. V. 15. Jh. [117, Taf. 130], ferner am Dünnebierhaus in Zwickau, 1480 [84c, Abb. S. 352], und am Alten Rathaus in Plauen, 1508 (Walter Bachmann, Das alte P., Dresden 1954, Taf. 26, Abb. 84–86, 92), aber auch in anderen Regionen, z. B. am Zeughaus in Schwäbisch Hall (Bauabschnitt 1505 – 10: Inv. Württ., Jagstkrs. 1 S. 544, Abb. S. 543). – F., deren oberer Abschluß drei Seiten eines Sechsecks sind, kommen z. B. an der Albrechtsburg in Meißen vor (H.-J. Mrusek a.a.O. Abb. 10).

Rundbogen-F. wurden gelegentlich zur Befensterung von Untergeschossen verwendet (z. B. Nürnberg, Untere Krämergasse 10, wohl E. 15. Jh.: [127] Taf. 49 b); an Obergeschossen sind sie selten zu belegen (z. B. Augsburg, Erker des ehem. Höchstetter Hauses am Kesselmarkt, erb. von Jakob Zwitzel 1506/07, Erker heute am Senioratsgebäude der Fuggerei: Friedr. Blendinger und Wolfg. Zorn [Hrsg.], Augsburg, Gesch. in Bilddokumenten, Mchn. 1976, Abb. 128, 385).

Selten ist die Übernahme des – häufiger an Türen verwendeten – Kragsteinbogens als F.abschluß (z. B. Lausanne, Neues bisch. Schloß St-Maire, 1397–1427: Inv. Schweiz 51, Canton Vaud 1 Abb. 281 b; Litice nad Orlici, Böhmen, 15. Jh.: D. Menclová 1972 a.a.O. [Sp. 1315] Bd. 2 Abb. 410; Konstanz, Haus Zum schwarzen Rüden, E. 15./A. 16. Jh.: F. Kretzschmar und U. Wirtler a.a.O. [Sp. 1313] S. 46, Abb. 51).

Selten auch der F.abschluß in Form eines Kielbogens (Überlingen, Wohnhaus Steinhausgasse 1: ebd. Taf. 70 b; Frankfurt a. M., Haus Zum Römer, 1405: W. Sage a.a.O. [Sp. 1316] S. 27, Abb. 12). – Spitzbogige Maßwerk-F. wurden gelegentlich wie Kreuz-F. geteilt, z. B. Rathaus in Middelburg, 1452–1520; hier sind die F. oben fest verglast, unten zum Öffnen eingerichtet [91, Taf. 380]. – Ungeteilte Spitzbogen-F., mit einem Okulus durch eine Spitzbogenblende zu F.gruppen zusammengefaßt, sind die Befensterung des Hauptgeschosses am Rathaus in Tangermünde (erb. um 1430 von Hinrich Brunsberg: RDK I 1367 Abb. 21).

3. F. als Teil der Fassadengliederung

Manchmal sind die F. Teil der Fassadengliederung. Sie sitzen entweder in der Rücklage einer der Wand aufgelegten Blendengliederung (z. B. Altstädter Brückenturm in Prag, um 1380 erb. von Peter Parler: RDK II 1233 Abb. 3; O. Kletzl a.a.O. [Sp. 1302] Abb. 48, 50; Greifswald, Haus am Marktplatz, 15. Jh.: Eberh. Hempel, Baroque Art and Archit. in Central Europe [= Pelican Hist. of Art, Z 22], Harmondsworth usw. 1965, Taf. 3) oder ihre Zusammenordnung durch gemeinsame Laibungsabschnitte dient der Fassadengliederung als Grundlage (z. B. Brügge, Rathaus, um 1377–87: J. Bialostocki a.a.O. [Sp. 1318] Abb. 367; Wien, Rathausprojekt, Aufriß, um 1480: RDK VI 11 Abb. 11 sowie Hans Koepf, Die got. Planrisse der Wiener Slgn. [= Stud. zur österr. Kg.forschg., 4], Wien, Köln und Graz 1969, Abb. 44; vgl. ebd. Abb. 184).

D. Fensternischen

Die Form der F.nischen ist, im Gegensatz zu der der F.trichter, von der Form der F.öffnungen nicht unmittelbar abhängig; verschiedentlich sind jedoch Form der Nische und Anordnung oder Form der F. aufeinander bezogen (z. B. gestaffelte Anordnung von Rechtecköffnungen in Bogennischen: s. Sp. 1317; Segmentbogen-F. in gleicher Nische, z. B. Kapitelsaal in Konstanz: Abb. 46). Häufig übergreift eine F.nische mehrere Öffnungen (vgl. Sp. 1305, 1306, 1308–10, 1313, 1315 und 1316).

Die Nischen können mit gerader oder geschrägter Laibung in die Mauer eingetieft sein. Die Form ihres oberen Abschlusses hängt ab vom Baumaterial, von der Nischenbreite, von der Höhe des Raumes, in den sich die Nische öffnet, und von der gestalterischen Absicht. Gerade Abschlüsse wurden mit Holzbohlen oder -balken, mit Steinplatten oder -stürzen, aber nur selten mit scheitrechten Bogen hergestellt. Sehr häufig sind die Nischen durch gemauerte Segmentbogen geschlossen. Bei geringer Nischenbreite oder hohen Räumen kommen auch rund- oder spitzbogige Abschlüsse vor. Dachförmige Abschlüsse aus zwei gegeneinander gestellten Steinplatten stehen der Form nach zwischen Sturz und Bogen; sie sind bei schmalen Nischen, auch im Ziegelbau, häufig.

Die Nischen setzen entweder in der Höhe der F.bank an (z. B. Abb. 11) oder sie reichen bis zum Fußboden des Raumes und sind begehbar (z. B. RDK IV 282f. Abb. 5). Außerdem kommen Nischen vor, deren Boden um ein normales Brüstungsmaß unter der F.bank, aber höher als der Fußboden des Raumes liegt; sie waren nötigenfalls über Differenzstufen zugänglich (z. B. Abb. 12, 14, 46 sowie Nischen im ehem. Refektorium des Stiftes Karden a. d. Mosel, um 1200: Inv. Rheinland-Pfalz, Krs. Cochem 2 S. 488, Abb. 361).

Bei tiefen Nischen wurden die Laibungen gern mit einem gemauerten Absatz versehen, der als Sitzbank dienen konnte. Diese sog. Seitenbänke kommen meist paarweise in beiden Laibungen einer Nische vor (z. B. Abb. 14, 46), treten aber auch einseitig auf (z. B. ist in Karden fs. oben] eine der Nischen, abweichend von den übrigen, mit nur einer Sitzbank für den Vorleser und gegenüber mit einer schrägen Buchauflage ausgestattet: ebd. S. 488, Abb. 361f.); auch im Dormitorium der ehem. Benediktinerabtei Alpirsbach, 1480–90, sind die Bänke einseitig angeordnet (RDK IV 287 Abb. 7).

Bei dicht nebeneinander angeordneten F.nischen kann der trennende Pfeiler durch eine F.säule ersetzt sein, so daß in die einzelnen Nischen mündende F.öffnungen zu einer F.reihe oder einem F.band zusammengeschlossen sind. Diese F.säulen, die vereinzelt schon an romanischen Bauten vorkommen (Abb. 12), sind, nach dem erhaltenen Bestand zu urteilen, seit dem späten 14. Jh. besonders zahlreich verwendet worden, am aufwendigsten im MA im Hochmeisterpalast der Marienburg, um 1393–99 (s. Sp. 1318).

Bei Bauten mit extrem großer Mauerstärke konnten, besonders im späten 15. und frühen 16. Jh., die F.nischen zu selbständig überwölbten und nach innen gegen den Hauptraum durch einen Scheidbogen abgegrenzten Anräumen werden (z. B. Meißen, Albrechtsburg, um 1470–85: H.-J. Mrusek a.a.O. [Sp. 1319] Abb. 34, 38, 43, 46f.).

VI. Neuzeit

A. Allgemeines

Anders als im MA – scheint uns – liegen Entwicklungen und Neuerungen auf der Seite der Profanarchitektur. Die Unterscheidung von F.öffnung und F.einfassung spielt eine andere Rolle: in die Ausgestaltung der gegenüber der Laibungsfläche verselbständigten Einfassung (Rahmung) ist eine antikische Weise eingebracht, im Rückgriff auf Antike und „Protorenaissancen“ des MA. Im Idealfall ist die Rahmung aus dem Wandkontinuum herausgelöst und architektonisch verselbständigt (nicht nur mauertechmsch, s. Sp. 1326); ihr ist die Aufgabe zugewiesen, „dem Äußeren gutes Aussehen“ zu geben [31, S. 103]. Die Laibung selbst entspricht keineswegs immer der Mauerstärke (auch nicht einer durch die F.nische verminderten), und wenn sie es tut – immerhin die Regel –, ist sie im Ganzen senkrecht oder leicht schräg geführt, doch ohne Abfasung. Zu dieser Verselbständigung der Rahmung dienen abgrenzende Profile und oft weitere F.architektur (auch gemalte), unabhängig von der gewählten F.form. Die F.brüstung (Brustlehne) erhielt als Teil der Gesamt- wie der F.architektur ihren eigenen Formenapparat; mit ihrer Hilfe wird das F. in die Fassade eingebunden.

Die F. verteilung darf die statische Festigkeit der Mauer nicht gefährden; als Teil der Fassade ist die F.anordnung der Symmetrie und der Eurhythmie (RDK VI 361–366) unterworfen. Das Integrieren der F. in die von den Säulenordnungen bestimmte Architektur mit ihrem aus deren Maßstäblichkeit hervorgehenden und auf Bezugspunkte ausgerichteten Gefüge tritt an die Stelle des ma. „freien Schwimmens“ der F. in der Wand; die Geschosse erhielten eine Wertung durch die Architekturtheorie mit ihren Säulenordnungslehren, die wiederum auch in der Gestaltung der F. Ausdruck fand. Die F. stehen axial in gleicher Breite übereinander, haben innerhalb der Geschosse gleiche Obergrenze der F.lichte oder – bei Verwendung unterschiedlicher F.formen – äquivalente Bezugspunkte, etwa die Kämpferhöhe von Bogen-F. in Entsprechung der F.Stürze der Rechteck-F. im selben Geschoß.

F.anordnungen dieser Art waren ästhetisch oft strittig: „Gantze Reihen Bogen-F. muß man nicht machen“, schrieb Leonh. Chr. Sturm [32, S. 32]; Stieglitz [31] S. 112 bezeichnete den Wechsel von Rechteck- und Rundbogen-F. als „fehlerhaft und unschicklich“.

Eckabstand und Schaftbreite (d. h. Breite der Mauer zwischen zwei F.) stehen in Bezug auch zur Raumdisposition, die wiederum Wirkung auf die F.zahl hat.

Die Proportion des F. ist je nach Form, Zeit und Land außerordentlich verschieden. In der Kunsttheorie gibt es Regeln, die häufig – zumal bei Kirchengebäuden – nicht eingehalten wurden; selbst in klassizistischen Strömungen hat man sich nicht immer an die Vorschriften gehalten.

In der ital. Architekturtheorie und den davon abhängigen Werken ist die Proportion des F. von der an der Fassade oder im Geschoß verwendeten Säulenordnung abhängig. F., die der dorischen und 10nischen Ordnung integriert sind, erhalten die für diese übliche Proportion (z. B. zweifache Breite als Höhe, laut Serlio [30], 7. Buch S. 66 ff.), die der korinthischen Ordnung sind gestreckter (z. B. zweieinhalbfache Breite als Höhe); dies entspricht dem gelegentlich anzutreffenden Postulat, daß man in den oberen Geschossen der doppelten Höhe noch ein Zwölftel oder ein Achtel zugeben solle (z. B. [33a] S. 188; [31] S. 110 fordert auch hier gute Verhältnisse). Die im 18. Jh. gelegentlich aufgestellte Forderung, daß die F. umso höher sein müßten, je höher sie sitzen, und zwar um des Augenwinkels eines Betrachters der Fassade willen, wies schon Krünitz zurück (Bd. 12 S. 568ff.).

Die absolute F.größe geht vom menschlichen Maß aus: Abweichungen ergeben sich aus Bauaufgaben, nach denen F. nicht selten in Größenkategorien eingeteilt wurden (z. B. bei [29] S. 99f., bei [31] S. 105f.).

Die traditionell großen Kirchen-F. sind einerseits des Gewichts ihrer Verglasung, andererseits der absoluten Maße wegen herkömmlich mit Eisenarmaturen ausgerüstet (Fensterverschluß); steinerne Teilungen kamen für sie im Lauf der Zeit nur noch als Sonderform vor – sie nehmen zuviel Licht weg [17, S. 147]. Im Hausbau hängen Abweichungen z. B. mit dem verwendeten Material zusammen, so bei Holz- und Fachwerkbauten. F. in – gewöhnlich aus Holz errichteten – Bauernhäusern sind niedriger und kleiner, in Ställen aus Wärmegründen noch kleiner. Umgekehrt haben z. B. die F. von Gewächshäusern nahezu die volle Höhe des Bauwerks ([14] S. 328–331; [31] S. 111).

Die F.höhe in Halbgeschossen ist geringer als die F.breite oder ihr gleich (Bastard-F., Halb-F., Mezzanine, Flämische F.: [27] S. 3; Joh. Karl Gottfr. Jacobsson, Technolog. Wb., 1. Teil, Bln. und Stettin 1781, S. 701 und 149; im Erd- oder Kellergeschoß erhielten sie die Bezeichnung Abajour: ebd. S. 701); die F.breite ist dabei stets der der Haupt-F. gleich.

Mauerung des F. Im folgenden wird als Normal-F. das von Putzbauten angenommen; beim Holz- und beim Fachwerkbau sowie beim in Deutschland eher seltenen Quaderbau gibt es besondere Bedingungen.

Die hohl oder massiv gemauerte F.brüstung wird meist schwächer angelegt als die Hausmauer, so daß auf jeden Fall F.nischen entstehen (s. Sp. 1454). Die steinerne Sohlbank wird an ihren Enden über die F.lichte auskragend aufgelagert. Auf die Enden werden die Gewändesteine gestellt, in der Mitte liegt die Sohlbank hohl, was die Gefahr mindert, daß sie zersprengt wird. Nachdem sich das Mauerwerk gesetzt hat, wird der leere Raum unter der Sohlbank zur F.-brüstung aufgemauert, der obere schmale Spalt abschließend vermörtelt ([31] S. 104; [34] S. 39; [4] S. 121).

Dagegen wurde die zwischen die Gewände gelegte sog. „Streifbank“ erst nach der Aufmauerung der Brüstung eingefügt; sie bleibt unbelastet, ist also keiner Bruchgefahr ausgesetzt. Seit wann diese Abart der Sohlbank verwendet wurde, ist nicht genauer bekannt [4, S. 111f.].

Im Schnitt hat die Sohlbank häufig eine nach außen geneigte Fläche, damit kein Regenwasser durch das F. eindringt (Wasserschräge; [3] S. 463; [4] S. 120); doch bleiben die Enden, auf die die Gewändesteine zu stehen kommen, als Lagerflächen waagrecht. Die Vorderfläche der Sohlbank springt häufig über die Mauer vor, des Regenwassers wegen, das dadurch von der Wand abgehalten wird; eine im vorstehenden Teil der unteren Fläche eingearbeitete Rinne (Wassernase) verstärkt diese Wirkung.

Beim bündig mit der Außenwand angebrachten F.stock ist die Sohlbank oft von Holz (Latteibrett) und mit den über die F.lichte reichenden Enden („Ohren“) in das Mauerwerk eingelassen (vgl. Joh. Jac. Helfft, Encyclop. Wb. der Landbauk., Bln. 1836, S. 219; Oscar Mothes, Allg. dt. Bauwb., 2. Bd., Lpz. 1859, S. 237; Beisp. seit dem 15. Jh.: Alf. Joh. Wacker, Das F. im dt. Wohnhaus [= Die Bauk. im dt. Osten, 6], Danzig 1938, S. 21f., Abb. 13f.).

Für die F.rahmung (Einfassung) sind bei Werkstein-(Quader-)bauten die Steine aus dem laufenden Stein gearbeitet; bei Putzbauten (Bruchsteinmauerwerk) handelt es sich fast immer um eigene, hochkant stehende Steine, die bei erheblicher F.höhe durch schmale „Bindersteine“ oder durch Anker in das Mauerwerk eingebunden sind. Für Ziegelbauten brannte man eigene Formsteine. Bei Fachwerkbauten sind die stehenden Balken so verbaut, daß sie als F.gewände dienen, ihre Abstände als F.lichte genutzt werden können.

Gerade F.stürze überfängt ein gemauerter Entlastungsbogen (RDK V 788–799), meist ein Stichbogen, um die Druckübertragung auf den gleich der Sohlbank mit den Enden gelagerten Sturz zu vermeiden. Der Raum zwischen Sturz und Entlastungsbogen wurde mit leichten Steinen oder aber mit Mörtel aufgefüllt ([31] S. 195; [34] S. 40). Zur Überdeckung der F.nische ist der Entlastungsbogen bis zur Innenseite der Mauer geführt. Manchmal gibt es zwei Entlastungsbögen in geringem Abstand übereinander, zur Abdeckung von F.sturz und -nische und zur Abdeckung der über dem F. angebrachten Bekrönung.

Wegen Bewegungen im Mauerwerk gilt der aus einem einzigen Stein gearbeitete F.sturz als gefährdet; daher sind aus mehreren Steinen zusammengesetzte, scheitrechte oder kurvierte Bogen bevorzugt, auch Segmentbogen mit Unterfütterung zwischen Bogen und F.rahmen.

Bogenförmige F.stürze werden aus Keilsteinen gebildet, deren Fugen oft auf den Mittelpunkt des Kreises gehen. Für die waagrecht anschließenden Hausteinschichten vor allem in Scheitelnähe des Bogens ergibt dies sehr scharfe Winkel; um dies zu vermeiden, wählte man als äußeren Umriß des F.bogens entweder keinen Kreisbogen oder man benutzte fünfeckig zugehauene Steine, die sich leichter im rechten Winkel mit dem Mauerwerk verbinden lassen.

Bei der F.tür (Balkon-F.) ist der Zweck, den Raum zu belichten, mit der Funktion des Durchgangs auf einen betretbaren, wenn auch noch so kleinen Platz vor dem F. verbunden (Balkon, Plattform, vorgezogenes Gesims, hochgezogene F.architektur des Geschosses darunter). Die Gestalt der F.tür ist vom F. genommen, dem es in Umriß, Querschnitt und architektonischem Aufwand entspricht oder demgegenüber sie in ihren Teilen gesteigert ist. Die Öffnung ist durch eine Abschrankung im unteren Abschnitt gesichert (Balustrade, Geländer, daher bei [17] S. 156f. und 292 auch die Bezeichnung „Geländer-F.“; dazu auch Fenstergitter Abb. 11).

F.türen sind wohl venezianischen Ursprungs (vgl. [80] Abb. 79, 93, auch 95; [109] Abb. 386, 388 u. ö.) und im ital. Palastbau des 15. Jh. nicht selten, wenngleich außerhalb Venedigs nicht von solcher Fülle der Beispiele (Obergeschoß des Pal. Pitti in Florenz, beg. 1458: [128] Bd. 1 Taf. 13a; [129] Bd. 1 Abb. S. 18; Pal. Pandolfini ebendort, Raffael zugeschr., um 1520: [91] Taf. 332). Vincenzo Scamozzi begründete die Verwendung der F.tür dreifach: 1. „maggior nobiltà“, 2. „per riceuer Aria nel tempo dell'Estate“, 3. „comodità di stare à vedere à tempo di qualche allegrezza e festa della Città“ (Dell'idea della architett. univ. ..., Venedig 1615 [Neudr. Ridgewood 1964], Teil 1 S. 320).

Im franz. Profanbau ist vom 17. Jh. an die F.tür geläufig (Place des Vosges, 1605 –12: [87] Taf. 272 a); D'Aviler [15] gab Taf. 63 A und B Muster für ihre Gestaltung. In der dt. Profanarchitektur ist die F.tür bei Balkonen üblich (Elias Holl, Rathaus in Augsburg, 1615–20, Oberes Fletz); als „französisches F.“ wurde sie im 18. Jh. häufig verwendet, gelegentlich auch noch im 19. Jh.

Umgekehrt gibt es in Untergeschossen Türen, die in ihrer Ausbildung dem F. angenähert sind und auch der Belichtung dienen (z. B. Residenz Würzburg, Taf. VI, 7).

Das Normal-F. der Neuzeit ist das ungeteilte Rechteck-F. Seine Form liegt den Erörterungen über F., F.proportion, Mauerung usw. in den theoretischen und technischen Lehrbüchern zugrunde; an ihm wird die Proportionierung demonstriert, an ihm die anderen F.formen in ihrem Wert gemessen, von ihm her gute und schlechte Architektur beurteilt.

B. F.formen

1. Rechteck-F.

Rechteck-F. mit hochrechteckiger (stehender) F.lichte sind im Profanbau das Normal-F. Ihm nachgeordnet sind das querrechteckige (liegende) Rechteck-F., das vor allem in Sockel-, Mezzanin- und Attikageschossen verwendet wurde, und das F. mit quadratischer Lichte, das man meist als gedrückt empfand und eher selten verwendete, ohne es zu unterteilen, wie das liegende Rechteck-F. auch, und so zu aneinandergereihten hochrechteckigen F.lichten zu kommen (s. Sp. 1347). Proportion und absolute Größe des stehenden Rechteck-F. ist in der Architekturtheorie und in Handbüchern häufig abgehandelt und bildet eine der Grundlagen für Urteile über gute und schlechte Architektur.

Die Verwendung des Rechteck-F. im Profanbau ist traditionell (s. Sp. 1316). In der Sakralarchitektur ist die F.form bald beliebt, bald – vor allem außerhalb Italiens – selten verwendet, ja auf weite Strecken fast verpönt.

a. Die Anfänge des ungeteilten Rechteck-F. in neuzeitlicher Ausgestaltung sind in Italien zu finden; Florenz bietet die ersten Beispiele: am Findelhaus, 1419 von Fil. Brunelleschi beg., erscheint das kleinformatige hochrechteckige F. in dem Francesco della Luna (tätig ab 1427) zugewiesenen Obergeschoß der Fassade, vor 1439.

Die Rahmung, ein einfaches Profil aus Schmiege und Band, ist in einigem Abstand von der Laibungskante geführt und über dem Gebälk zwischen Unter- und Obergeschoß nach innen umgebogen und abgeschnitten (dieses Einbiegen wiederholt die Führung der rahmenden Profile an beiden Fassadengeschossen); direkt auf der Rahmung sitzt ein Dreieckgiebel, dessen Tympanon vor der Mauerfläche liegt ([128] Bd. 1, Brunelleschi Taf. 2; [129] Bd. 1 Abb. S. 1; Guido Morozzi, Studi compiuti sulla costruzione Brunelleschiana. Progetto di ripristino [Album], o. O. und J. Florenz, ca. 1962]). Als Vorlage für die F.gestaltung gelten die F. des Florentiner Baptisteriums, um 1060–um 1128.

a'. Im Florentiner Profanbau der Renss. ist das hochrechteckige oder annähernd quadratische Rechteck-F. häufig eine untergeordnete F.form, dem Rundbogen-F. des Hauptgeschosses nachgeordnet; doch kommt es auch als Haupt-F. im (ersten) Obergeschoß sowohl auf der Straßen-wie auf der Hofseite vor.

Im Sockeigeschoß zeigen es der Pal. Medici-Riccardi, um 1440/50 von Michelozzo (?), der Pal. Pitti, ab 1458 von Leone Batt. Alberti, der Pal. Pazzi-Quarantesi, Giuliano da Maiano zugeschr., 1460–72 ([128] Bd. 2 Michelozzo Abb. 1–3; [80] Abb. 31f.). Mehrfach das Profil um alle vier Seiten der F.lichte geführt: Pal. Rucellai, 1446–51 von Bern. Rosselino nach Entw. L. B. Alberus [128, Bd. 3 Bl. 1f.], Pal. Strozzi, Benedetto da Maiano oder Giuliano da Sangallo zugeschr., 1489ff. (ebd. Bd. 4 Taf. Ben. da M. 1); weitere Beisp. bei [135] Teil 1 Fig. 287, 289, 307, 345. Gequaderte Rahmung hat der Pal. Pazzi-Quarantesi (s. oben).

Hofseitig im ersten Obergeschoß hat der Pal. Strozzi stehende Rechteck-F. [129, Bd. 1 Abb. S. 94].

Vereinzelt um M. 15. Jh., allgemein seit dem ausgehenden Quattrocento bereicherte man Rechteck-F., insbesondere bei Anbringen in den Hauptgeschossen, durch eine aufwendige F.architektur. Über den Sturz wurde eine Verdachung gesetzt, breiter als das F. selbst, als Balken oder als Giebel gebildet. Die Sohlbank arbeitete man steinmetzmäßig als (profilierte) Platte aus, überstehend und oft von einem Kragsteinpaar getragen, das zugleich die F.brüstung als Teil der F.architektur betont (insbesondere bei den „finestre inginocchiate“ Michelangelos mit Konsolen in voller Brüstungshöhe; vgl. Giorgio Vasari, La Vita di M. nelle redazioni del 1550 e del 1560, hrsg. von Paola Barocchi, Mailand und Neapel 1972, Bd. 1 S. 56, Bd. 3 S. 751–53).

F.architektur wie F. unterwarf man bald den Vitruvianischen Regulierungen: die auf Kragsteinen und friesartigem Zwischenstück sitzende Obergiebelung wurde der ionischen Säulenordnung zugerechnet, dementsprechend F.pfosten und -sturz mit einem dreifachen Profil gebildet, die F.lichte dem Maßverhältnis 12: 5V2 unterworfen. F. ohne Giebel gehören zur dorischen Ordnung mit zweistufigem Profil der Rahmung und der Proportion der F.lichte 2½ : 1 – das F. ist also schlanker.

Horizontalen Balken als Abdeckung zeigen z. B. die Hof-F. des Pal. Tornabuoni (Corsi) in Florenz, um 1450 von Michelozzo [128, Bd. 2 Fig. 23], des Pal. Ducale in Urbino, nach 1465 von Luciano Laurana (J. Bialostocki a.a.O. [Sp. 1318] Taf. 444), und die Haupt-F. im dritten Geschoß der Cancelleria in Rom, 1483–95 (ebd. Taf. 445).

Giebel, vor allem auf Konsolen, waren anfänglich umstrittenes Dekor (vgl. Jacob Burckhardt, Gesch. der Renss. in Italien, bearb. von Heinr. Holtzinger [= Gesch. der neueren Bauk., 1], Eßlingen 61920, S. 88). Verwendet hat man sie gern im Wechsel von dreieckiger und segmentbogiger Form: Bauten von A. da Sangallo d. Ä. [129, Bd. 2 Abb. S. 148–154]; Pal. Pandolfini in Florenz, um 1520 nach Entw. Raffaels beg. [91, Taf. 332]. Am Pal. Farnese in Rom, 1541–49, beg. von A. da Sangallo d. J., von Michelangelo in der Ausführung z. T. abgeändert, sind von der Rechteck-Form nur die Fassaden-F. des obersten Stockwerks ausgenommen [91, Taf. 349]. In der ital. Palastarchitektur der Spätrenss., bei Giulio Romano, bei Palladio, in den Genueser Palästen dominiert das Rechteck-F. mit Verdachung.

Das einfache, allein in die Mauer eingeschnittene oder mit einem umlaufenden Rahmungsprofil ausgestattete Rechteck-F. ist im Palastbau für Erdgeschoß- und Nebengeschoß-F. durch die Holzschnitte in Seb. Serlio's „Sette libri di architt.“ (Erstausgabe von Buch 4: Venedig 1537) sozusagen normiert und kanonisiert worden.

Im Sakralbau Italiens waren im 15. und 16. Jh. Rechteck-F. eine übliche F.form. Manchmal sind sie als schmale Hochrechtecke mit umlaufendem Profil gebildet (Badia in Fiesole, 1456 beg.: [129] Bd. 1 Abb. S. 21f.; Prato, S.M. delle Carceri, 1484–91 von Giul. da Sangallo: J. Bialostocki a.a.O. [Sp. 1318] Taf. 449). Seit um 1500 ist die reiche F.architektur auch an Kirchenbauten zu finden:

Exedren von S. M. delle Grazie in Mailand, von Bramante 1492 beg. [135, Teil 2 Fig. 672–674]; S. M. della Consolazione in Todi, von Cola da Caprarola ab 1508 erb. [80, Taf. 186]; St. Peter in Rom, Exedren und Kuppeltambour (Entw. Michelangelos 1546 bzw. 1558–61: [80] Taf. 254–259; [91] Taf. 327); Obergaden-F. am seit 1545 umgestalteten Dom in Mantua [135 a, Fig. 274f. und 227; vgl. auch Abb. 281f.], und an der Mailänder Jesuitenkirche S. Fedele, 1569 von Pellegrino Tibaldi beg. (Storia di M., Bd. 10, Mailand 1957, Abb. S. 600f.; vgl. [39] Abb. 47–49 und 162; [109] Abb. 380 und 382).

Im 17. Jh. bediente man sich weithin der Rechteck-F. mit Verdachung und weiterer F.architektur vorzugsweise als eines Mittels, um Kuppeltambour und Fassade zu betonen.

Römische Beisp. sind der Tambour von Ss. Luca e Martina, 1635–60, von Pietro da Cortona, von S. Carlo al Corso, 1668 von demselben beg., von Borrominis Kuppel an S. Agnese in Agone, ab 1653 [139, Taf. 84 A und B sowie 73]; als Beisp. für axiale Fassaden-F. seien genannt S. Andrea della Valle, Bauphase Carlo Rainaldi, 1624–29, Ss. Vincenzo ed Anastasio, 1646–50 von Martino Longhi d. J., S. M. in Campitelli, von C. Rainaldi, 1663–67 (ebd. Taf. 106 A und B und 105), Borrominis S. Carlo alle Quattro Fontane, 1665–67 (ebd. Taf. 76 A).

b'. Im franz. Profanbau kommt das ungeteilte Rechteck-F. vor M. 16. Jh. selten vor. Pierre Lescot verwendete es am Westflügel der Cour Carrée des Louvre in Paris, 1546–55, in den Obergeschossen ([91] Taf. 366; vgl. auch Hautecoeur II Bd. 1,2 S. 675–677. Von da ging die Entwicklung – unter Rückgriffen auf italienische Bauformen der Renss. – bis zu den Rechteck-F. der Place des Vosges in Paris, 1605 bis 1612, bei deren Häusern die F. z. T. als F.türen ausgebildet sind [87, Taf. 272 a].

Bis E. 17. Jh. ist, sowohl in italianisierender Art wie in heimischen Gewohnheiten assimilierten Einzelheiten, das Rechteck-F. die bestimmende F.form (Beispiel: Franç. Mansart, Erweiterungsbau von Schloß Blois, 1635–38: ebd. Taf. 261; Hautecoeur I Bd. 2 Fig. 25–27; ebd. zahlreiche weitere Beispiele). Nach der Jh.mitte begann man, neben dem dominierenden Rechteck-F. auch F. mit Bogenschluß zu verwenden (Louis Le Vau, Schloß Vaux-le-Vicomte, 1657–1661: ebd. Fig. 93–97; [87] Taf. 263) und gab bald den Rechteckumriß für die Haupt-F. auf.

Erst nach M. 18. Jh. wurde es wieder üblich, für Fassaden ausschließlich Rechteck-F. zu verwenden: Jacques-Ange Gabriel, Petit Trianon in Versailles, 1764–68 [93, Taf. 41]; Claude Nic. Ledoux, Schloß Bénouville, Calvados, Entw. 1768: ebd. Taf. 72; vgl. auch Taf. 55f. und 59.

c'. In England und in den Niederlanden übernahmen im 17. Jh. die Architekten trotz starker gotisierender Tradition des Landes das Rechteck-F. italienischer Art in großer Zahl. Für England seien Bauten von Inigo Jones genannt (Queens House in Greenwich, 1616–35; Banqueting House in London, 1609–22: John Summerson, Archit. in Britain 1530–1830 [= The Pelican Hist. of art, Z 3], London 1953, Taf. 39–41), in den Niederlanden das 1633–1644 von Jacob van Campen erbaute Mauritshuis im Haag [87, Taf. 294 b].

d'. Im Profanbau des dt. Sprach- und Kulturgebiets ist bei Wohnhäusern seit dem 16. Jh. das Rechteck-F. in axialer Anordnung in der Regel einfach gebildet, regional nicht selten durch Putzrahmung oder durch Malerei betont (ein Beisp. von um 1660: Abb. 82). In der nicht selten von italien. Baumeistern erbauten gehobenen Architektur ist das kostspieligere Rechteck-F. mit Rahmenarchitektur üblich; an Bauten deutscher Baumeister verrät sich deren Italienerfahrung oder Gebrauch von Musterbüchern nicht selten durch die Verwendung von architektonisch bereicherten Rechteck-F. (Abb. 57).

Italiener: Paolo Stella setzte am Belvedere in Prag, 1536–52, waagrechte Verdachungen auf Konsolen über die F.rahmung [91, Taf. 394 a]; am von Mantuaner Bauleuten err. Italienischen Bau der Landshuter Stadtresidenz, 1536–42, wechseln hofseitig Dreieck- und Segmentbogengiebel über den F. des Hauptgeschosses (Abb. 58), an der Straßenseite sitzen die Giebel auf Konsolen, während die F. im Untergeschoß nach italien. Gewohnheit in die rustizierte Mauer eingeschnitten sind (Sp. 650 Abb. 72).

Deutsche Baumeister verliehen der F.architektur manchmal besonders großen ornamentalen Reichtum; vgl. die Erker-F. am heutigen Maximilianmus, in Augsburg, 1544–48 [117, Abb. 57]; Jakob Bahrs 1552–53 err. Torbau des Schlosses in Brieg (Abb. 59); weitere Beisp. bei [117] Abb. 59, 68f. Italianisierende F.rahmung mit Faszien als Profil, wie sie Bernh. Zwitzel für die Haupt-F. des Deutschen Baus der Landshuter Stadtresidenz, ab 1535, wählte (Inv. Bayern, Ndb. 16 Abb. 319), ist erst im 17. Jh. häufiger anzutreffen: bei großer Vielfalt der F.architektur am Augsburger Rathaus, 1615–20 von Elias Holl (Abb. 73; vgl. auch die von ihm err. Augsburger Metzig, 1609: [117] Abb. 74); am Nürnberger Rathaus, von Jak. Wolff d. J., 1616–22, wechselt Dreieck- und Segmentbogengiebel, zudem ein übergiebeltes mit einem giebellosen F. (Abb. 74).

Häufiger ist das Beibehalten gotischer Details zu konstatieren: So haben die F. am 1512 voll. Osnabrücker Rathaus noch gotische Gewändeprofile, in der strengen Achsenbetontheit der F.anordnung spiegeln sich erste Reflexe italien. Einflusses (Roswitha Poppe, O., Mchn. und Bln. 1972, Abb. 4). Gotisierende Gewändeprofile oder Abfasungen der Kanten behielt man lange bei (vgl. [97] Abb. 6, 25, 35f., 56 u. ö.; noch in der 2. H. 17. Jh. an Schloß Merlsheim, 1665–67: ebd. Abb. 209f.; [117] Abb. 9). In der 2. H. des 16. Jh. mischte man auch gotische und antikisch-welsche Elemente: F. am Rathaus von Altenburg, Thüringen, 1562–64 von Nik. Gromann erb., haben gotisierende Gewändeprofile auf hohem Fuß und in beiden Untergeschossen Dreieckgiebel [117, Abb. 14f.].

An den meist von Italienern err. Klosterbauten des 17. und frühen 18. Jh. spielte vielleicht auch der ab 1563 err. Escorial als Vorbild hinein (Beisp. das Jesuitenkolleg in Innsbruck, 1672–1680 von Joh. Martin Gumpp d. Ä.: Mich Krapf, Die Baumeister G., Wien und Mchn. 1979, Abb. 101–108).

An Residenzen, Schlössern, Palais und verwandten Bauaufgaben, meist ebenfalls durch Italiener errichtet, ist bis in den Beginn des 17. Jh. hinein die stereotyp wirkende, unrhythmisierte Folge von F.achsen mit hochrechteckigen F. ein hervorstechender Zug (Beisp. das von Franc. Caratti ab 1668 in Prag erbaute Pal. Czernin: Sp. 659f. Abb. 78; spätere Bauten dieser Art sind Schloß Seehof bei Bamberg, 1687–95 von Ant. Petrini: Tilmann Breuer, Bamberger Land, Mchn. und Bln. 1965, Abb. 17; Residenzschloß Rastatt, ab 1699 erbaut von Dom. Egidio Rossi: Günter Passavant, Stud. über D. E. R. ..., Karlsruhe 1967, Abb. 30, 37 und 68). Auch an kleinen Schlössern ist das Rechteck-F. mit Verdachung üblich (als Beisp. Schloß Lustheim in Schleißheim, 1684 von Enr. Zuccalli: Abb. 87).

Einheimische Architekten übernahmen um 1700 dieses Prinzip der Aneinanderreihung gleichmäßiger Achsen mit Rechteck-F. von den Italienern oder über Frankreich.

Z. B. Joh. Bernh. Fischer von Erlach an Schloß Schönbrunn in Wien, 1695–1700 [37, Abb. 65], Andreas Schlüter am Berliner Schloß, 1698–1706 [54, Abb.bd. 3, Abb. 547 und 568f.], Joh. Friedr. Nette am Schloß Ludwigsburg, 1707–14, Herm. Korb am seit 1714 umgebauten Residenzschloß in Wolfenbüttel ([84] Bremen, Niedersachsen, 1962, Abb. 338), Joh. Luc. von Hildebrandt am Pal. Daun-Kinsky in Wien, 1713–16 (Sp. 663f. Abb. 80).

In der 1. H. 18. Jh. aber war in den meisten Gebieten im Schloß- und Palastbau das Rechteck-F. eine den Bogen-F. nachgeordnete F.form, gebraucht für Nebengeschosse, an Rücklagen, für F. auf Binnenhöfe (vgl. Abb. 97, 98, Taf. VI, 1–5, 10f.). Anders verhielt man sich mehrfach in unter niederländischem (und englischem?) Einfluß stehenden Gebieten Norddeutschlands (Beisp. das Berliner Zeughaus, 1695–1706, von Joh. Arnold Nering aus Wesel beg.: Abb. 88; Clemens Wenzeslaus von Knobelsdorff verwendete Rechteck-F. am Berliner Opernhaus, 1741–1743: [84 d] Abb. 289).

Nach M. 18. Jh. bevorzugte man Rechteck-F. wieder ganz allgemein für die Haupt-F. In Mitteldeutschland sind Bauten von Friedr. Wilh. von Erdmannsdorff zu nennen (Schloß Wörlitz, 1769–73: Sp. 673f. Abb. 86), in Norddeutschland solche von Chr. Friedr. Hansen (z. B. Sp. 675f. Abb. 87), in der Schweiz etwa das Pal. Zum Kirschgarten in Basel, 1777 von Joh. Ulrich Büchel [118, Abb. 246].

In der Zeit der Aufklärung und Frühromantik, in der man stereometrischen Baukörper und strenge Fassadengestaltung bevorzugte, wies man dem Rechteck-F. bei der Fassadenbildung eine entscheidende Rolle zu. Bei Schloß- und Staatsbauten, beim Bürgerhaus und auch im Fabrikbau verzichtete man häufig auf Gliederung der Fassade durch Pilaster, Lisenen und Gesimse, und so bildete das in die Mauer eingeschnittene F. oft das einzige Ordnungselement (vgl. Sp. 681f. Abb. 89: Münze in Karlsruhe, 1826–27 von Friedr. Weinbrenner). Wenn F.architektur nicht ganz unterblieb, brachte man ihre Teile gern voneinander und von der F.lichte isoliert an. Am F. wurde oft nur die Sohlbank betont (Abb. 112), Sturz und Laibung blieben Teil der Mauer. In den klassizistischen Strömungen im frühen 19. Jh. griff man auf die antikischen F.formen der italien. Architektur des 15. und 16. Jh. zurück (vgl. Taf. VIII, 1).

Im Sakralbau nördlich der Alpen ist das Rechteck-F. wenig gebräuchlich und wurde seit A. 17. Jh. vorzugsweise von ital. oder in Italien geschulten Architekten verwendet, in der Nachfolge römischer Kirchenbauten bevorzugt an Fassade und Kuppeltambour (vgl. [39] Abb. 16f.). Im prot. Kirchenbau gibt es mehrmals auch Rechteck-F. für die Lhs.befensterung.

Beisp. sind Heinr. Schickhardts Martinskirche in Mömpelgard/Montbéliard, 1601–07 [59, Abb. 137f.], und die nach seinem Entw. gebaute Stadtkirche Göppingen, 1618–19 (Inv. Württ., Donaukrs. 2, Oberamt Göppingen Abb. 5); die Grenzkirche in Altenlohm, Schlesien, Umbau von 1687 und 1712 [73, Abb. 34], und die ev. Bethauskirche in Rudelstadt Krs. Landeshut, 1742–43 (ebd. Abb. 76), beides Fachwerkbauten. Schweizer Beisp. sind die ref. Kirche in Samaden, 1771 von Ant. Gironimo, und in Embrach bei Zürich, 1779–80 von David Vogel (Inv. Schweiz 11, Graubünden 3 Abb. 380f.; ebd. 15, Zürich Landschaft 2 Abb. 39 und 40). Leonh. Chr.

Sturm, Vollständige Anweisung alle Arten von Kirchen wohl anzugeben ..., Augsburg 1718, Taf. 9–11, 13 a und 14, gibt für prot. Kirchen überwiegend Rechteck-F. an.

An Fassaden kommen Rechteck-F. allein oder zu mehreren vor, in Haupt- wie in Nebengeschossen, in der Mittelachse wie in den Seitenachsen.

Beisp.: Hofkirche Neuburg a. d. D., 1607–26 von Jos. Heintz und Joh. Alberthal; Dom in Salzburg, von S. Solari, 1614–28; Jesuitenkirche St. Andreas in Düsseldorf, 1622–29; Schottenkirche in Wien, von Andrea Allio d. Ä. und d. J., 1643–48; Jesuitenkirche Zu den Neun Chören der Engel in Wien, Fassade 1657–62 von Carlo Ant. Carlone; Jesuitenkirche in Leoben, Stm., 1660–65, Peter Frz. Carlone zugeschr.; Ant. Petrini, Wallfahrtskirche Fährbrück Krs. Karlstadt, Ufr., 1683–97; Kirche in Gereuth Krs. Ebern, 1709–17 von Joh. Greissing (Sp. 591ff. Abb. 29, 31f., 34–36, 39f., 46); ferner die Stiftskirche in Kempten, 1652–56 von Mich. Beer und Giov. Serro [39, Abb. 136]; Arlesheim bei Basel, Domkirche, 1679–81 von Giac. Angelini (Inv. Schweiz 57, Basel Landschaft 1 Abb. 48 und 60); Oberleuthensdorf, Böhmen, 1685–94 von Jean Bapt. Mathey [110, Taf. 14]; J. B. Fischer von Erlach, Dreifaltigkeitskirche Salzburg, 1694–1702 [37, Abb. 18]. J. B. Fischer von Erlach hat an der Kollegienkirche in Salzburg, 1696–1707, die Rechteck-F. der Turmuntergeschosse auch an den Turmflanken angebracht. (Taf. V h).

Im 18. Jh. wirkte bei dem Vorarlberger Peter Thumb der Salzburger Dom und die Stiftskirche in Kempten bei der Wahl der Rechteck-F. noch nach:

Ebersmünster im Elsaß, 1708 (?)–31, St. Peter im Schwarzwald, 1724–56, Frauenalb, 1726–31 (Hans-Martin Gabler, P. Th. [= Bodenseebibl., 16], Sigmaringen 1972, Text.abb. 2 und 4, Taf.abb. 16 und 20).

Für den Kuppeltambour machte man im 17. Jh. vom Rechteck-F. nicht in demselben Maß Gebrauch wie für die Fassade, im 18. Jh. kommt an ihm die F.form kaum mehr vor.

Beisp. sind S. Solaris Salzburger Dom, 1614–28 (Abb. 78), die Stiftskirche in Kempten [104, Abb. 44], die Marienkap. an der Stiftskirche Neustift bei Brixen, 1695–96 von Joh. und Simon Delai [120, Bd. 2 Abb. 58], die Dreifaltigkeitskirche J. B. Fischers von Erlach in Salzburg, 1694–1702 [37, Abb. 23]. An der Kuppellaterne: Taf. V a.

In der 2. H. 18. Jh. und im 19. Jh. gebrauchte man auch im Kirchenbau wieder Rechteck-F.: so Paolo Ant. und Gaetano Matteo Pisoni an der St. Ursenkirche in Solothurn, 1763–73 (Sp. 631 Abb. 59; im Anschluß an Caspar Moosbruggers Entw. von 1711?: [39] Abb. 163), Wilh. Jeremias Müller an der „kleinen Kirche“ an der Kreuzstraße in Karlsruhe, 1773–76 (Sp. 634 Abb. 61). Weinbrenner bei seinen Kirchenbauten (vgl. [134] Abb. 218, 220, 222, 225f.) verwendete manchmal Schlitz-F. für Treppenhäuser (ebd. Abb. 229: Kirche in Scherzheim Krs. Offenburg, 1810–12). Schinkel sah bei mehreren seiner Kirchenentwürfe Rechteck-F. vor, als Haupt- wie als Neben-F. ([28] H. 8 Taf. 50– 52, H. 11 Taf. 67f. und 70f., H. 14 Taf. 90; [113] Abb. 122 und 287), ebenso Leo von Klenze in seiner „Anweisung zur Architectur des chr. Cultus“, Mchn. 21834 (Taf. 11f., 22, 24); beide fanden damit wenig Nachfolge. Vereinzelt kam man auf Befensterung des Kuppeltambours durch Rechteck-F. zurück (Entw. zur Markuskirche Berlin, 1846 von Wilh. Salzenberg: [47] Abb. 411f.).

b. Zwillings-, Drillings- und Reihen-F. mit rechteckiger F. lichte.

Alle drei F.typen führen die ma. Tradition weiter, behalten deren Formenrepertoire bei oder setzen die Formensprache der modern-zeitgenössischen Architektur an seine Stelle. In beiden Fällen sind der Variationsmöglichkeiten so viele, daß hier nur einige weiter verbreitete Grundmuster genannt werden können.

Im Steinbau geschah die Aneinanderreihung der F.lichten mit Hilfe gemeinsamer F.pfosten, deren Stirnfläche und Laibung denen der außen liegenden „End-Pfosten“ entspricht. Doch gibt es auch eine einfachere Art des Zusammenfassens: die F.lichten der einzelnen Teil-F. stehen in einem einheitlichen flachen Rahmen. Eine weitere Möglichkeit der Zusammenordnung ist die, daß F. zwar einander angenähert sind, ihre jeweilige F.einfassung jedoch behalten; es kommt nicht zur Ausbildung eines gemeinsamen F.pfostens.

Für die erste Möglichkeit sei die Wilhelmsburg in Schmalkalden genannt, 1585–89 von Christoph und Hans Müller erbaut (Abb. 66; [117] Abb. 125f.). Fünf in der Höhe gestaffelte Teil-F. hat das 1563 erbaute Haus „Zum Kranichsteyn“ in Basel (Hans Eppens, Baukultur im alten B., Basel 61964, Abb. S. 122). Am Leist'schen Haus in Hameln, 1585–89 von Cord Toennis, sind die F. vom Erker und ersten Obergeschoß durch den Pfosten vorgelegte Säulen instrumentiert, die F. der Geschosse darüber haben nur die glatten, vor die gemalte Backsteinmauer vortretenden Rahmen (Sp. 358 Abb. 36). Manchmal sind die gemeinsamen Zwischenpfosten ganz schmal: so bei F. von Schloß Varenholz, 1591–1600, wo die Kehlung der F.pfosten und -stürze nur einen schmalen Steg übrig läßt, wogegen die F.einfassung sonst ein breites, flaches Band mit Beschlagwerk ist [97, Abb. 145].

Die zweite Möglichkeit ist z. B. am Ulmer Kornhaus, 1591 von Caspar Schmidt und Gg. Buchmüller, genutzt: zwischen den Einfassungen aus Putzquadern ist eine schmale Nut von Fugenbreite stehengelassen [117, Abb. 48]. Am Leipziger und am Pegauer Rathaus, 1556–57 bzw. 1559 von Hieron. Lotter, liegt zwischen den F. ein schmaler Putzstreifen (ebd. Abb. 16f.). Und am Weimarer Cranach-Haus, 1549 oder 1586, bildet der die F. umziehende rote Randstrich zwischen den F.einfassungen deren Abstand (ebd. Abb. 66). Schinkel hat in einer Skizzierung für eine Palastfassade bei den Zwillings-F. im Obergeschoß die innen liegenden F.pfosten als vollständiges Pfeilerpaar notiert, sie also nicht verschmolzen; die F. selbst sind von einer Ädikula mit Dreieckgiebel und Konsolen unter der Sohlbank eingefaßt [113, Abb. 158].

Einer gemeinsamen Sohlbank der F.lichten kann auch eine gemeinsame F.bekrönung entsprechen.

Bei Drillings- und Reihen-F. ist dies eher selten: als Beispiel sei das 1572–78 err. Rathaus in Rothenburg o. d. T. genannt [117, Abb. 24]. – Bei den Drillings-F. des ersten Obergeschosses am Haus der Geltenzunft in Basel, 1578, ist der mittlere F.teil höher hinaufgezogen, das Gebälk liegt auf dem Gebälk der seitlichen F.teile und trägt im Gegensatz zu deren Halbgiebeln einen Sprenggiebel (H. Eppens a.a.O. [Sp. 1341] Abb. S. 123; Abb. 64). Am Bremer Rathaus trägt der 1612 dat. Mittelgiebel der Marktseite dreimal zwei Zwillings-F. je Geschoß, die zusätzlich durch je einen Steinpfeiler unterteilt sind; in Umkehrung des Üblichen ist der den Zwillings-F. gemeinsame F.pfosten durch eine Halbsäule mit hohem Sockel belegt, die äußeren F.pfosten dagegen sind völlig glatt und ornamentlos, und das Bossenwerk der Mauerpfeiler hört mit ihrem Beginn auf; ein an den Enden gebogenes Profil mit skulpiertem Schlußstein bildet die gemeinsame Bekrönung der Zwillings-F.paare ([97] Abb. 185; Abb. 71). Marius Wölfer zieht die Pfosten zwischen den F.lichten mit den gotisierenden Maßwerkbekrönungen zusammen [35, Taf. 90].

Am Erker kann die Mauer der F.zone ganz durch die F.pfosten ersetzt sein (Sp. 658 Abb. 77; RDK V 1266 Abb. 14; zahlreiche Beispiele bei [97]).

Das dichte Aneinanderreihen schmaler F.lichten und F.pfosten führt zu Schwierigkeiten in der Mauerung der F.nischen; es bleiben nur schmale Mauerpfeiler übrig. Diese Mauerpfeiler wurden seit dem 14. Jh. (s. Sp. 1322), vor allem aber im 16. und 17. Jh., vereinzelt noch im 18. Jh. besonders im Bodenseegebiet, in der deutschsprachigen Schweiz, im Rheinland, umgeformt zu konsolartigen Bildungen oder aber ersetzt durch freistehende Pfeiler oder Säulen aus Holz oder Stein. Auf ihnen ruhen die Stichbögen des oberen Nischenabschlusses (zur Abdeckung der Nischen sind häufig Holzbalken verwendet).

Mauerpfeiler: vgl. Inv. Schweiz 31, Bern 3 Abb. 152f.; Heinr. Goetzger, Das Bürgerhaus der Stadt Lindau 1. B. (Das dt. Bürgerhaus, 11), Tübingen 1969, Abb. 116f. – Umgeformte Mauerpfeiler, Pfeiler und Säulen: ebd. S. 104–108, Abb. 175–201 u. ö.; RDK V 1263f. Abb. 12 a und b; Peter Meyer, Das schweiz. Bürgerhaus und Bauernhaus [= Schweizer Kg., 2], Basel 1946, Abb. 35–40; [95] S. 398f.; [136] S. 184–186, Abb. 81.

Im Fachwerkbau waren Mehrfach-F. sehr beliebt. Sie konnten durch Nicht-Vermauern eines Gefaches und Aussetzen der so beibehaltenen Öffnung mit einem F.Stock leicht angebracht werden. Gegebenenfalls wurde durch Zwischenhölzer die Öffnung auf das gewünschte Maß gebracht (Fachwerk, Fachwerkbau, RDK VI 938–992, bes. Sp. 940). Breite Gefache wurden mit einem vertikalen Pfosten ausgesteift und so Zwillings- oder Drillings-F. geschaffen (ebd. Sp. 966 Abb. 20, Sp. 979 Abb. 33). Wurden den Balken, die das F.gefach bildeten, eigene (ornamentierte) Hölzer vorgelegt, entstand der *F.erker (s. auch Sp. 963 Abb. 18, Sp. 969f. Abb. 23).

Im in der Romantik für Parkgebäude modisch gewordenen Blockbau hat man gelegentlich Zwillings-F. angebracht mittels eingeschobener F.pfosten (vgl. [35] Taf. 154).

Die Blütezeit aller drei Typen liegt im 16. und 17. Jh. Im 18. Jh. gab es sie, vom Fachwerkbau abgesehen, kaum noch, bis man vom dritten V. dieses Jh. an im Klassizismus und dann im frühen Historismus wieder auf sie als Formen der italienischen wie der deutschen Renss. zurückgriff.

Die gotische Tradition des F.typs (z. B. Abb. 53) reicht, manchmal mit „modernen“ italianisierenden Details untermengt, bis nach 1600 (auffallend spät die in Angleichung an älteren Bestand geschaffenen Mehrfach-F. im 3. Geschoß des Hauses Markt 13 in Mainz, um 1690 [?]: [131] S. 61, Taf. 21). Die Früh-Renss.-Form, wie sie z. B. für die Zwillings-F. im Untergeschoß des Florentiner Findelhauses, 1419ff., von Brunelleschi gewählt worden war, wurde in Italien nur ganz gelegentlich und an nachgeordneten Fassaden verwendet (so von Jacopo Sansovino am Pal. della Ca'Grande in Venedig, beg. 1533, 1566 noch unvoll.: [109] Abb. 403), nördl. der Alpen hingegen machten welsche Baumeister ebenso wie einheimische und niederländische von ihr reichlichen Gebrauch, vorwiegend im Profanbau und oft an Hauptgeschossen.

Beispiele italien. Manier im Steinbau: Pal. Schwarzenberg in Prag, 1545–63 von dem Tessiner Ulrico Aostalli [121, Abb. 64]; Haus der Geltenzunft in Basel, 1578 (Abb. 64); Schloß Johannesburg in Aschaffenburg, 1605–14 von Gg. Ridinger (Türme, Giebel: Abb. 72; [54] Abb.bd. 3 Abb. 344); Westflügel der Konventgebäude des Benediktinerklosters Seckau, Stm., um 1625/28 von Peter Franz Carlone [85 a, Abb. 308]; Prag, Klementinum, Westfassade, 1654–60, Carlo Lurago zugeschr. [61, S. 16, Abb. 3]; Mainz, Haus „Zum röm. Kaiser“, voll. 1664 [84 g, Abb. 169]; Rathaus in Zürich, 1694–98 [118, Abb. 181]; Würzburg, Rückermainhof, 1714–21 von Jos. Greissing [104, Taf. 23]; Zunfthaus „Zur Meise“ in Zürich, von David Morf, 1752–57 [118, Abb. 182]; Saline Dürrheim, Baden (RDK VI 877f. Abb. 14); Schinkels skizzierende Zeichnungen für die verschiedenen Fassungen seines Lehrbuchs, ab um 1825 ([113] Abb. 55: mit Bildwerken besetzte Pfeiler: ebd. Abb. 72, 105f.; weitere Beisp. Abb. 129, 132, 134, 165, 220 u. ö.; mehrfach in Verbindung mit einem geteilten Halbkreis-F. darüber: ebd. Abb. 118–122).

Am von Jakob Prandtauer 1709 entw. Westflügel der Stiftsgebäude von St. Florian, O.Ö., ist das Zwillings-F. über dem Portal in beiden Obergeschossen als F.türenpaar auf einen Balkon ausgebildet [96, S. 107f., Abb. 25f.].

Beispiele niederländ. Manier des 16.–17. Jh.: Heidelberger Schloß, Ottheinrichsbau, 1556 – nach 1569, viell. von Kaspar Fischer, mit Ornamentik auf sehr komplizierte Art differenziert; ebendort, Friedrichsbau, 1601–04 von Joh. Schoch err., in beiden Traktaten in den Obergeschossen (Taf. IV a und b; [54] Abb.bd. 3 Abb. 316f.; vgl. auch ebd. Abb. 318); Bauten der Weserrenss. (s. oben Sp. 1341f.; [97] passim).

Im 2. V. 19. Jh. gab es auch das gotische Formenrepertoire für Zwillings-F. wieder: Carl Alex. Heideloff, Entw. eines Kaufmannshauses, 1839: Urs Boeck, Mitt. des Ver. f. Gesch. der Stadt Nürnberg 48, 1958, Abb. 18; vgl. Heideloffs „Ornamentik des MA“, Nürnberg 1838–47, Taf. 69.

Im Kirchenbau sind Zwillings-F. selten und meist von ital. Baumeistern verwendet worden. Bei den wenigen Beispielen aus dem 19. Jh. ist die Herübernahme von der Profanarchitektur an der Ausgestaltung des F. deutlich ablesbar.

Beispiele: Emporengeschoß des Salzburger Doms, von S. Solari, 1614–28 (Abb. 78; den Emporen-Öffnungen gleich, s. Inv. Österr. 9 Taf. II, Fig. 25 und 29); Wallfahrtskirche Mariazell, Stm., 1644–46 von dem Misoxer Dom. Sciasela [141, Taf. 204]; Jesuitenkirche Leoben, Stm., 1660–65, Peter Franz Carlone zugeschr. (Sp. 598 Abb. 35); Wallfahrtskirche Maria Kirchenthal, 1694–1701 von J. B. Fischer von Erlach [37, Abb. S. 76].

19. Jh.: Projekte Schinkels, s. [113] Abb. 128 und 130, Ober-F. über Türen.

c. Rechteck-F. mit steinerner Unterteilung der F. lichte.

Das senkrecht unterteilte Rechteck-F. unterscheidet sich von den im voraufgehenden Abschnitt behandelten F. dadurch, daß der eingestellte Pfeiler anders ausgeformt ist als die F.laibung und von der F.rahmung isoliert bleibt.

Die Differenzierung zu den Laibungen kann erfolgen durch das Eintiefen des Pfostenspiegeis (Rathaus Luzern, erbaut von Ant. Isenmann, Obergeschoß 1602–04: Inv. Schweiz 31, Luzern 3 S. 21ff., Abb. 17), ebenso durch reicheres oder ärmeres, jedenfalls andersartiges Ornament oder dessen Fehlen. Z. B. sitzen dreigeteilte Rechteck-F. im ersten und zweiten Stock des Hauses von May in Bern, 1609: die F.rahmungen sind als umlaufendes Profil gebildet, bekrönt von Dreieck- oder Segmentbogengiebel, die eingestellten Pfeiler tragen reiches Ornament (Inv. Schweiz 40, Bern 2 S. 283ff., Abb. 292–295). An Schinkels Bauakademie in Berlin, einem Ziegelbau von 1831–36, waren die zwei eingestellten Pfeiler kannelierte Hermenpfeiler aus Ton ([116] Abb. 49; Taf. VIII, 7).

Meist sind die F. durch einen Steinpfosten unterteilt: Rathaus Luzern, s. oben; Pal. Porcia in der Herrengasse, Wien I, kurz nach 1546 erb. [67, S. 10, Abb. 4]. Dreigeteilte Rechteck-F. (s. oben, Haus von May) sind besonders häufig bei Erkern und Standerkern („Auslucht“) von Wohnbauten der sog. Weserrenaissance (vgl. [97] Abb. 17, 47 u. ö.); zwei und mehr solcher unterteilter F. können auch direkt nebeneinander stehen, so daß ein Reihen-F. vorgetäuscht ist (ebd. Abb. 70, 191 und 194 mit zwei, Abb. 192 mit vier solcher F.; RDK V 1258 Abb. 7, mittleres Haus, mit höherer Lichte der mittleren F.abschnitte).

In historisierenden Bauten des 19. Jh. sind die einzelnen Teile der F. durch Pässe oder Nasen bereichert (Umbauentw. Schinkels für Friedersdorf, 1827: [90] Abb. 55).

In der Regel kommen F. mit einfach unterteilter Lichte an Profanbauten vor (eine der wenigen Kirchen: S. Bernardino bei Urbino, von Franc. di Giorgio Martini, wohl nach 1482: [109] Abb. 118–120 und S. 94).

Die Unterteilung durch ein Steinkreuz (Kreuz-F., auch „Kreuzstock-F.“) ist im gotischen Profanbau Frankreichs, Englands, der Niederlande und Deutschlands geläufig (s. Sp. 1316f.); in Italien ist sie in der Zeit der Frührenss. verbreitet, unterscheidet sich von gotischen Vorgängern durch das Absetzen des F. von der Wand; dies geschieht mit Hilfe einer auf die Mitte gerichteten Profilierung anstelle des Einschneidens in die Wand mit Abfasung, wie es auch das Rechteck-F. normaler Form zeigt.

Wie sehr das Kreuz-F. das F. par excellence gewesen ist, geht daraus hervor, daß im Schweizerdeutschen das Wort „Kreuzstock“ F. überhaupt bedeutet (vgl. Schweiz. Idiotikon ..., Frauenfeld 1881ff., Bd. 10 Sp. 1735); im Französischen gilt Entsprechendes für „croisée“ (vgl. [15] S. 136ff. und zahlreiche weitere Verfasser von Architekturtraktaten vom 16. bis zum frühen 19. Jh.).

Die breite Skala der Variationsmöglichkeiten reicht vom eingestellten Steinkreuz über die Zugehörigkeit des waagrechten Steinbalkens zu einem über die ganze Fassade laufenden Gesims (Profil) oder dem Steinkreuz als ohne Absetzen kontinuierlich über die F.lichte hinweggeführtem Teil der Mauerfläche bis zum Zusammenfassen von vier jeweils für sich profilierten Teil-F. durch eine gemeinsame Rahmung.

Beispiele dafür sind: Zweites Obergeschoß des Hauses der Geltenzunft in Basel, 1578 (Abb. 64); Renss.laube am Lübecker Rathaus, zw. 1570 und 1572 (Abb. 63). – Amtshaus der Kramerzunft in Münster i. W., 1589 (Abb. 65, Inv. Westf. 41,3 S. 256ff., Abb. 818–825); Obergeschoß des Ostbaus von Schloß Hirsau, um 1589/93 von G. Bähr [59, Abb. 46]. – Zahlreiche Häuser in Münster i. W. am Prinzipalmarkt (Inv. Westf. 41, 3 passim); Schloß Johannesburg in Aschaffenburg, 1605–14 (Abb. 72); Weikersheim, Schloß, wo die „gotisch“ profilierten Laibungen gegenüber den schmalen Rahmen ganz wenig zurückgesetzt sind (1586–1597 nach Plänen von Georges Robin von Wolf Beringer: Abb. 67).

Daneben wurde die F.form aus dem 15. Jh. unverändert beibehalten, z. B. an Häusern in Freiburg i. Br. („Zum Walfisch“, 1516; „Zum goldenen Stauf“, 1579–80 von Hans Böringer: Peter P. Albert und Max Wingenroth, Freiburger Bürgerhäuser ..., Augsburg und Stg. 1923, S. 8–19 und 32–35). Sonderformen sind zahlreich: so ist am Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses (s. Sp. 1344) durch die am Äußeren aufgelegte Ornamentik das Steinkreuz als F.teilung nicht mehr als solche erkennbar (Taf. IV a).

Auf der Innenseite sind die F.gewände entweder profiliert (sowohl bei „gotischer“ Tradition – Abb. 30; Haus zum Walfisch in Freiburg i. Br., s. oben; vgl. auch [136] Abb. 80 b – als auch bei „modernen“ F.: Kurfürstl. Schloß Mainz, Südachsen des Rheinflügels, 1627–1631, weitergeführt 1675–1678 von dem Kapuziner Matthias aus Saarburg) oder aber glatt und ungegliedert.

Geschichte: Insbesondere in Rom und dort, wo dessen Architektur vorbildlich wirkte, sind die Beispiele aus dem Quattrocento zahlreich (vgl. [80] S. 64: Hauptgeschoß-F. am Pal. Venezia, 1455–1471 (ebd. Abb. 58); Pal. Nikolaus V. im Vatikan, um 1447/55 (ebd. Abb. 43); Pienza, Bischöfl. Pal., um 1440/63 von Bernardo Rossellino (Leo Planiscig, B. und Ant. R., Wien 1942, Taf. 30).

Weitere Beisp. in Genua, Neapel, Rom [80, Abb. 124, 131, 180], Florenz (Hdb. d. Archit. III,5 S. 241, Fig. 227: in Rundbogenfassung mit „emblematischem“ F.tympanon: Spiegel mit zwei Schwertarmen; manchmal in merkwürdiger Umsetzung in eine Art Säulenordnung: Pal. Bartolini, 1517–1520 von Baccio d'Agnolo: ebd. Fig. 249; [109] Abb. 140).

Nördlich der Alpen gibt es die neuzeitlichen F. mit Steinkreuz als Einzel- oder als Zwillings-F. seit etwa 1500.

An der Prager Burg hat Benedikt Ried sie für den 1502 fertigen Wladislawsaal als Zwillings-F. in eine Pilasterrahmung mit Gebälk gestellt (Abb. 51), am Ludwigstrakt, 1502–09, in die Wandfläche eingetieft und lediglich die Verdachungen vor die Wand gesetzt (Götz Febr, B. R., Mchn. 1961, Abb. 32).

Im dt. Sprachgebiet ist das Kreuz-F. gotischer Tradition im 16. Jh. überall verbreitet, die welsche wie die niederländische Art kommt von etwa M. 16. Jh. an in größerer Anzahl vor, die welsche reicht auch noch bis weit in die 2. H. 17. Jh. hinein: Kurfürstl. Schloß in Mainz, ab 1627 und 1675–78 (Wolfg. Fritz Volbach, Mainz, Bln. 1928, Abb. 41f.); Freulerpalast in Näfels, 1645–47 von Hans Fries erb. [118, Abb. 21]; Schloß Ahaus in Westfalen, 1689–1695 von Ambrosius von Oelde [84 b, Abb. 1]. Im 19. Jh. griffen es z. B. Schinkel und Langhans auf (Entwürfe für Kirchen: Taf. VIII, 3; [28] H. 22 Taf. 137f.; Packhofgebäude in Berlin: ebd. Taf. 128). Am Rathaus in Kolberg, 1826–32, fügte Schinkel in die oberen F.teile Vierpässe in Kreisen ein (Paul Ortwin Rave, Sch., Mchn. und Bln. 1953, Abb. 71), im Rückgriff auf Mittelalterliches (vgl. Abb. 41). Schinkels für die Restaurierung von Burg Stolzenfels 1838 entw. F. sind von innen als Rechteck-F. mit Steinkreuz angelegt, von außen als Spitzbogen-F.; die Teil-F. haben Kleeblattbogen und durchbrochene Zwickel [52, S. 145f., Abb. 98f.].

F., die für Steinkreuze zu schmal waren, konnten nur durch waagrechte Steinbalken unterteilt sein.

Diese F.teilung ist besonders an Nebenachsen solcher Fassaden anzutreffen, die in den Hauptachsen Kreuz-F. haben, oder dort, wo infolge Schmalheit z. B. seitlich nur „F. mit halben Steinkreuzen“ möglich waren; vgl. Haus am Heumarkt 20 in Köln, nach 1541 [136, Abb. 113]. Zinshäuser des Ursulinenklosters in Köln, 1693–97, hatten je im Obergeschoß vierteilige Reihen-F. mit Steinbalken, wodurch zwei F. mit Steinkreuz vorgetäuscht sind (ebd. Abb. 18).

Bei sehr hohen F. wurden statt einfacher Steinkreuze solche mit zwei oder drei Querteilungen eingefügt, um einen F.verschluß anbringen zu können. Diese Art der Teilung war im Spät-MA in Frankreich wie in Deutschland und den Niederlanden üblich (s. Sp. 1317) und auch im 16. und 17. Jh. nicht selten, in Deutschland vor allem in den von Niederländern geprägten Strömungen.

Zu Frankreich vgl. [76] Abb. 12, 27, 31f., 35, 37f. usw., Taf. II; Hautecoeur II Bd. 1, 1–2 passim. In Frankreich bedienten sich auch italien. Architekten dieser F.teilung, vgl. das 1546 von Seb. Serlio beg. Schloß Ancy-le-Franc [91, Taf. 364]. Einen guten Überblick über die Häufigkeit gibt Jacques Androuet du Cerceau, Les trois livres d'archit., Paris 1559–82 (Neudr. Ridgewood, N.J. 1965). – Zu den Niederlanden vgl. das Stadhuis in Venlo, M. 16. Jh., Umbau 1597–1601 durch Willem van Bommel (Reinh. Hootz, Kdm. in den Niederlanden. Ein Bildhdb., Mchn. und Bln. 1971, Abb. 308). Der niederländ. Architekt Anthonis van Obbergen gab 1602–05 dem Danziger Zeughaus solche F. (RDK V 795f. Abb. 1; ebd. VII 653f. Abb. 75; das Danziger Rathaus am Langen Markt, um 1480, war vielleicht ein Anlaß für das längere Weiterleben der F.form: RDK I 1365 Abb. 19).

Bei sehr breiten F. setzte man einen zweiten senkrechten Steinpfosten: Südseite des Ludwigstrakts an der Prager Burg, 1502–09 (G. Fehr a.a.O. [Sp. 1351] Abb. 30 und 55; vgl. auch Abb. 60f.); Rathaus in Bremen, Ausbau 1595–1613 von Lüder von Bentheim [76, 2. Teil Abb. 235]. Schinkel (ein Beisp. an seinen Bauten Taf. VIII, 8 und 9) verwendete auch für seine übergroßen F. im Entw. für ein öffentliches Kaufhaus 1827 solche F.teilung, die wohl als in Stein ausgeführt zu denken ist [116, S. 125ff., Abb. 122f.].

Am Regimentshaus in Ensisheim, Elsaß, um 1532–um 1547, sind die F.lichten der Drillings-F. durch einen Steinbalken unterteilt; der Mittelteil jedes F. ist höher hinaufgezogen, so daß ein gestaffelter Umriß entstand, der optisch wie ein F. mit unterteilter F.lichte wirkt [86, Abb. 61]. – Am Drostenhof in Wolbeck, um 1554–1557, sind den oberen Teil-Lichten genaste Spitzbogen eingefügt (Abb. 62). – Die Obergeschoß-F. des Juleums in Helmstedt, 1592 bis 1597 von Paul Francke, haben als Bekrönung ein hohes, mit Schweif- und Rollwerk belegtes Zwischenstück unter dem Gebälk; dieses Zwischenstück zeigt in der Mitte ein aufgerissenes Maul = F., die Seitenabschnitte sind durchlocht (Niedersächs. Dpfl. 6, 1965–69, Abb. 36).

Besonders große F.lichten hat man durch mehrere Steinpfosten und -balken rostartig unterteilt. Diese zumal für England charakteristische F.teilung (vgl. [109] Abb. 535f.; [91] Taf. 389) wurde in Deutschland und Dänemark von Niederländern verwendet; in den Niederlanden selbst scheint es sie nicht gegeben zu haben (wegen der dort gebräuchlichen Schiebe-F.?).

Beispiele: Haus der Bremer Kaufmannsgilde („Schütting“), Umbau durch Lüder von Bentheim, 1594 (Marktseite, später verändert: Rud. Stein, Roman., got. und Renss.bauk. in Bremen [= Forschgn. zur Gesch. der Bau- und Kdm. in B., Bd. 2], Bremen 1962, S. 490ff., Abb. 441–445); Danziger Altstädter Rathaus, von A. van Obbergen, 1584–89 (Erich Keyser, D., Bln. 1928, Abb. 46); vorher schon von demselben Architekten Schloß Kronborg in Helsingör, 1574–85 (Edwin Redslob, Alt-Dänemark, Mchn. 19212, Abb. 47); Börse in Kopenhagen, 1619–24, Westgiebel von Hans von Steenwinkel d. J. (ebd. Abb. 60). Für Münster i. W. hat Max Geisberg solche F.teilung rekonstruiert (Haus von 1577: Inv. Westf. Bd. 41,3 Abb. 803). – Ausnahmsweise kommen F. dieser Art auch an Kirchen vor: Abb. 75.

d. Sonderformen des Rechteck-F.

F. mit trapezförmig gespreizter Lichte brachte Michelangelo in den Schildbogenlünetten der Neuen Sakristei von S. Lorenzo in Florenz an, beg. 1519 [80, Taf. 243], eine vom sog. Sibyllentempel in Tivoli übernommene F.form (vgl. [30] 3. Buch, Ausg. 1544, S. 26; [26] 4. Buch S. 94f.).

In Deutschland gibt es diese F.form nur ausnahmsweise: Entw. von Enr. Zuccalli für die Wallfahrtskirche Altötting, um 1672 (Rich. A. L. Paulus, Der Baumeister Henrico Z. [= Stud. z. dt. Kg., 156], Straßburg 1912, Abb. 15); Entw. Schinkels für die Friedrichwerdersche Kirche in Berlin (Taf. VIII, 2).

Das Einfügen kurvierter Abschnitte war, wie bei nahezu allen F.formen, im 18. Jh. eine beliebte Art, den F.umriß zu bereichern. Die Ecken der Rechteck-F. wurden durch Viertelkreisscheiben ausgesetzt oder durch konkave Viertelkreisbögen ersetzt.

Die Viertelkreisscheiben setzte man meist in alle vier Ecken, selten nur in die beiden oberen. Beispiel für ersteres sind die unteren F. an der Fassade der Bürgersaalkirche in München, 1709–10 von Giov. Ant. Viscardi [105, Abb. 140], oder S. M. de Victoria in Ingolstadt, 1732–36, Egid Quirin Asam zugeschr. ([82] Abb. 69; Bernh. Rupprecht in: Theod. Müller und Wilh. Reißmüller [Hrsg.], Ingolstadt ..., Ingolstadt 1974, Bd. 2 Abb. 20f.). Für Einfügen nur in die oberen Ecken seien die F. im Obergeschoß des Zunfthauses zu Schuhmachern in Zürich genannt (im Giebel 1742 dat.; Das Bürgerhaus in der Schweiz, Bd. 9, Zürich 1921, Taf. 68 oben). Zusätzlich eingezogene korbbogige Sohlbank hat das Fassaden-F. der Pfarrkirche Stranzendorf, N.Ö., geweiht 1733, Entw. J. L. von Hildebrandt [70, Abb. 234].

Wurden die Ecken durch konkav geführte Viertelkreisabschnitte ersetzt, dann zog man diese kurvierten Teile ein und erreichte dadurch einen stärker gebrochenen F.umriß. F. dieser Art sind hauptsächlich als Mezzanin-F. verwendet worden (vgl. Taf. VI, 6).

Manchmal ist der Mittelteil des F.sturzes gebrochen rechtwinklig ausgestellt: obere Fassaden-F. der Stiftskirche Stams, Tirol, 1729–32 von Gg. Ant. Gumpp [65, Abb. 32].

2 a. Rundbogen-F. (stehende F. mit halbkreisförmigem oberem Abschluß) sind in der italienischen Baukunst des 15. Jh. analog zu den Rechteck-F. ausgebildet und sowohl bei Sakral- wie bei Profanbauten – wenngleich keineswegs gleichmäßig und -wertig, auch nicht von allen Architekten – verwendet worden.

Unter den Sakralbauten, wo Rundbogen-F. wohl auf solche in hochma., damals für antik gehaltenen Bauwerken (z. B. Baptisterium in Florenz; zu spätantiken Beispielen s. Sp. 1263) zurückzuführen sind, stehen diejenigen Brunelleschis in Florenz an erster Stelle: S. Lorenzo, Alte Sakristei, 1419–28, und Obergaden, 1419/20, Weiterbau 1442ff., Seitenschiffe und Obergaden von S. Spirito, 1444–um 1487, Pazzikap. an S. Croce, 1443 beg. [129, Bd. 1 Abb. S. 9, 10 und 12, 27f., 15]. In der 2. H. des 15. Jh. ist das Rundbogen-F. weithin gebraucht worden, so von L. B. Alberti an S. Andrea in Mantua, 1470 beg., von Pietro Lombardo an S. M. dei Miracoli in Venedig, 1481–89 ([80] Taf. 27 und 85f.; weitere venezian. Beisp. ebd. Taf. 82, 84, 88), in S. M. della Pace in Rom, nach 1478–1483 (ebd. Taf. 52: Obergaden).

Palastbauten: in Florenz Brunelleschis Pal. Parte Guelfa, 2. V. 15. Jh. (unvollendet; [129] Bd. 1 Abb. S. 8); in Rom der Pal. Venezia, beg. 1455 (Untergeschoß; [80] Taf. 58), und der Pal. della Cancelleria, um 1485 (im Untergeschoß der Fassade in einfachem Rechteckfeld mit Zwickeltondi, im 1. Geschoß mit Pfeilern, Archivolten, reichen Tondi und Bekrönung, im Mezzanin über dem 2. Obergeschoß in einfacher Rahmung: ebd. Taf. 62); in Urbino der Pal. Ducale, Entw. 1464 von Luciano Laurana (ebd. Taf. 67).

Im Verlauf des 16. Jh. hat man im Kirchenbau bezeichnenderweise ein Rundbogen-F. gern als Einzel-F. akzentsetzend der Fassaden-Mittelachse integriert oder – vor allem in Venedig – zwei als seitliche Fassaden-F. verwendet. Für das erstere seien in Rom der Gesù, Fassade von Giac. della Porta, 1571–77, in Mailand S. M. presso S. Celso, vor 1570 beg., Entw. Galeazzo Alessi, genannt ([91] Taf. 356; [80] Taf. 315f.), für letzteres zahlreiche Beisp. bei [62].

Im deutschen Profanbau des 16./17. Jh. hat man, vielleicht in spätma., nur undeutlich erkennbarer Tradition steinerne, unbewohnte, als Stapel- und Lagerraum oder als Werkstatt dienende Erdgeschosse mit Rundbogen-F. belichtet. Die F. waren oft sehr breit; ob sie immer einen F.verschluß hatten, ist unklar.

Als Beisp. für die Verwendung an einem Rathaus sei das in Heppenheim a. d. Bergstraße genannt, Unterbau 1551 (Heinr. Winter, Das Bürgerhaus zwischen Rhein, Main und Neckar [= Das dt. Bürgerhaus, 3], Tübingen 1961, Abb. 166, Taf. 66 und 67 a), für diejenige am Haus eines Kaufmanns das Pellerhaus in Nürnberg, 1602–07 von Jakob Wolff d. Ä. [117, Abb. 70]; Nürnberger Handwerkerhäuser von 1610 bietet [127] Taf. 28 a und b, rundbogig schließende Laden-F. ebd. Taf. 33 a.

Rundbogen-F. in Renaissanceformen sind in der 1. H. 16. Jh. kaum anzutreffen (Tuchersches Haus in Nürnberg, 1533–44: [127] Taf. 95 b; unsicher, ob ehem. auch am Hasenhaus in Wien, nach 1508 bzw. 1525, im zweiten Obergeschoß, vielleicht Reihen-F.: [67] Abb. 1). Von der M. 16. Jh. an sind Beisp. häufiger (im gleichen Maß nehmen ma. Ausformungen ab); auch hier oft als Zwillings-, Drillings- oder Reihen-F. (dazu Sp. 1364):

Schloß in Celle, M. 16. Jh. (Abb. 60); „Auslucht“ am Rathaus in Lemgo, um 1565/89, und Apothekenerker ebendort, 1612 [97, Abb. 193, 189 und 191]; Giebelgeschosse des Hauses Markt 5 in Bad Salzuflen, um 1590 (ebd. Abb. 136 und 138; in Norddeutschland an zahlreichen Häusern mit Läden verschließbare Giebelluken: ebd. Abb. 125 und 128; Haus der Brauerei Koch in Wismar, 1569–71 von dem Utrechter Philipp Brandin: [106] Bd. 2 Abb. 136); im Gepräge ital. Frührenss. mit Rustikarahmung die Rundbogen-F. am Rathaus von Luzern, von Ant. Isenmann ab 1600 umgebaut (dabei Verbot, die alten Teile der F.gewände wieder zu benutzen: [118] S. 20f. und Abb. 11). Manchmal haben nur Räume mit bestimmter Nutzung rundbogige F., z. B. die Treppenhäuser: Schloß Hannoversch-Münden, um 1565 [97, Abb. 56], Augsburger Rathaus, von Elias Holl 1615–20 (hier auch das untere Fletz: Abb. 75; [106] Bd. 1 Abb. 238; [117] Abb. 76f.).

Selten haben alle Geschosse Rundbogen-F.

Beisp.: Gorethaus in Brixen, Pfarrplatz 1, um 1581 [106, Bd. II Abb. 46]; Stadthaus, „das große Haus“ in St. Gallen, 1590–1593 (Das Bürgerhaus in der Schweiz, Bd. 3, Zürich 21922, Taf. 17f.); ein Nürnberger Haus um 1600 bei [127] Taf. 7b links; der um 1600 als Wohnhaus erbaute „rote Speicher“ in Thorn (Karl Hauke, Das Bürgerhaus in O- und W-Preußen [= Das dt. Bürgerhaus, 8], Tübingen 1967, Taf. 13).

Manchmal blieb das Untergeschoß unbefenstert: Schießhaus am Sand in Nürnberg, 1583 von Hans Dietmair [127, Taf. 51b]. Mittels Rundbogen-F. erhellt waren die Räume der beiden Obergeschosse der Stadtbibliothek in Augsburg, 1562–63 von Bernhard Zwitzel erbaut (Ausst.Kat. „Welt im Umbruch“, Augsburg 1980, Bd. 1 Abb. S. 279, an der Stirnseite Zwillings-F. und Okuli), und das Pal. Waldstein in Prag, ab 1624 err. (Abb. 81).

In der klassisch-barocken Architektur Frankreichs des 17. Jh. zählt das Rundbogen-F. zu den „fenestres grandes“ ([15] S. 132; vgl. [21] S. 69). Es wurde überall dort verwendet, wo große F. angebracht oder notwendig sind, vornehmlich – außer bei Kirchen – für „Salons“; hinsichtlich ihrer Form galten Rundbogen-F. als „les plus parfaites“ ([15] a.a.O.; [17] S. 144: „Der Figur nach sind ... die mit Circul-Bogen die vollkommensten F.“). Doch gab es gerade daran auch Kritik.

So bemerkt Goldmann-Sturm [21, S. 69], daß der obere Teil einer Öffnung das meiste Licht gibt, „und also ists besser, daß das Viereck seine Breite oben erhalte, als daß man durch Bögen die Dreyecke in den Winkeln zu mache“. Nach M. 18. Jh. erntete der Abbé Maurice Laugier noch Widerspruch, als er Rundbogen-F. ablehnte (Essai sur l'architecture ..., Paris 21755, S. 49ff.); La Font de St-Yenne bekräftigte in seiner Antwort auf Laugiers „Essai“ Davilers „les plus parfaites“ (Examen d'un essai sur l'architecture ..., Paris 1753 [Ndr. Genf 1973], S. 69). In der Folgezeit ließ man je nach Bauaufgabe Rundbogen-F. zu oder lehnte sie ab; für deutsche Verhältnisse bezeichnend ist wohl die Ansicht von Stieglitz [31]: Rundbogen-F. eignen sich „sehr gut“ für Gebäude von einem „leichten und gefälligen Charakter ...“, also für Landhäuser, Gartensäle, Pavillons, auch für Balkon-F.; im Erdgeschoß passen sie gut zu der Bogentür des Eingangs; an Gebäuden von ernsthaftem oder prächtigem Charakter, auch an Wohngebäuden indes sind sie fehlerhaft (S. 108f.).

Im dt. Schloßbau ist infolge der kulturellen Vorbildlichkeit Frankreichs am E. des 17. Jh. die Anlage von Versailles, Ausbau ab 1684 durch Jules Hardouin Mansart, mit ihrer ausschließlichen Befensterung des ersten Obergeschosses durch Rundbogen-F. auch an der Kapelle, lokal prägend geworden (zu Versailles: [48] Taf. 13f., 19, 28, 88f. und 136–138). So zeigt das z. T. nach Entw. J. B. Fischers von Erlach 1695 bis 1713 err. Schloß Schönbrunn in Wien Rundbogen-F. im ersten Stock des Hauptbaues und in beiden Flügelfronten des Ehrenhofs (Niels von Holst, Wien ..., Wiesbaden 1968, Abb. S. 86f.). 1723 sah Rob. de Cotte in seinem Entw. für die Würzburger Residenz Rundbogen-F. in der ganzen Breite von 37 Achsen vor, und zwar in beiden Geschossen (Balthasar Neumann beließ in der Ausführung, um 1730/35, nur drei Rundbogen-F. im Obergeschoß und ersetzte die übrigen durch verschiedene andere F.formen: Taf. VI, 7f.; [38] Abb. S. 243 und 245; die „sieben Bögen“ im Ehrenhof: Taf. VI, 5). Daneben gab es auch andersartige Versailles-Nachfolge: durch Rundbogen-F. in allen Geschossen betonten im 1702 beg. Neuen Schloß Schleißheim Enrico Zuccalli, dann Jos. Effner den Hauptbau (ebd. Abb. S. 216); am 1725 von Donato Gius. Frisoni beg. Neuen Corps de Logis des Schlosses in Ludwigsburg ist gartenseitig der Mitteltrakt des Erdgeschosses durch Rundbogen-F. von den mit Rechteck-F. gestalteten Flügelbauten abgehoben [122, Taf. 10f.].

Als F. von Salons, oft F.türen, kommen Rundbogen-F. in Paris z. B. am Hôtel de Rohan, 1704 bis 1709 von Pierre Alexis Delamair [93, Taf. 17], oder am von Germain Boffrand 1732 beg. Hôtel de Rohan-Soubise vor (ebd. Taf. I). Für viele deutsche Beispiele seien der Kaisersaal der Würzburger Residenz, 1735–44 (ebd. Taf. 85), und der Erbdrostenhof in Münster i. W., von J. C. Schlaun, beg. 1753, genannt (Sp. 669f. Abb. 84).

Rundbogen-F. im Untergeschoß, mit Rundbogenportal(en) zeigen in Frankreich z. B. das Hôtel de Rohan in Paris (s. oben) oder das Schloß in Lunéville, 1704 von G. Boffrand beg. [93, Taf. 18], in Deutschland das Schloß Ludwigsburg (s. oben), die Badenburg im Park von München-Nymphenburg, 1718–21 von J. Effner (RDK I 1381f. Abb. 5), auch das Museum Fridericianum in Kassel, 1769–76 von Simon Louis du Ry [93, Taf. 108].

Gartenschlösser und verwandte Bauaufgaben: in Versailles das Grand Trianon, von J. Hardouin Mansart, 1687 [48, Taf. 51–57]; Gartenpal. Trautson in Wien, von J. B. Fischer, 1710–1712 (Sp. 661f. Abb. 79); Zwinger in Dresden, Wachpavillon, 1716 von Matthäus Daniel Pöppelmann [93, Taf. 89]; Weinbergschloß in Potsdam-Sanssouci, 1745–47 von Gg. Wenzeslaus von Knobelsdorff (ebd. Taf. 91). Zu Gewächshäusern, Orangerien und Orangerieschlössern s. Sp. 665 Abb. 81; Arnold Tschira, Orangerien und Gewächshäuser (= K.wiss. Stud., 24), Bln. 1939, Abb. 12–14, 19, 23, 28f. u. ö. – Für Marställe vgl. Wolfg. Götz, Dt. Marställe des Barock (= K.wiss. Stud., 34), Mchn. und Bln. 1964, Abb. 26, 34, 56.

Trotz des Verdikts von Stieglitz (s. Sp. 1358) gibt es viele Wohnhäuser mit Rundbogen-F.; vgl. nur als beliebiges Beispiel Friedr. Mielke,

Das Bürgerhaus in Potsdam (= Das dt. Bürgerhaus, 15), Tübingen 1972, passim.

Mit dem Aufgreifen „historischer“ F.formen aller Stilepochen wurde im 19. Jh. das Rundbogen-F. für alle Bauaufgaben wieder legitimiert.

Es kommt vor an Residenzschlössern, z. B. den Erweiterungsbauten der Münchner Residenz von L. von Klenze (Abb. 116; [78] Abb. 142f. und 146), an Palais und Wohnhäusern (von Klenze entw. Gebäude in München: ebd. Abb. 96, 119, 121, 132); als Staatsbau seien die ab 1828 von Friedr. von Gärtner entw. und bis 1837 err. Staatsbibliothek in München [77, Abb. 62–66 und 68–70] und die Salinendirektion genannt (Sp. 413f. Abb. 60).

In der kirchlichen Architektur nördlich der Alpen wurden die ital. Muster in der 2. H. des 16. und im frühen 17. Jh. übernommen und variiert: Herzogspitalkirche in München, 1555/56–72 von Heinr. Schöttl, nach venezian. Art mit je einem seitlichen Rundbogen-F.; St. Michael ebendort, 1583–97, mit Rundbogen-F. als Haupt-F. an Chor, Abseiten und Fassade (Sp. 587 Abb. 26; Sp. 590 Abb. 28; [117] Abb. 160f., [105] Abb. 105–109). Die hohen Rundbogen-F. der Hofkirche in Neuburg a.d.D., Bau 1607–18, sitzen in Rechteckrahmen mit Verdachung (Jürgen Zimmer, Hofkirche und Rathaus in N./D., Neuburger Kollektaneenbl. 124, 1971, Abb. 14 und 16f.).

In der Folgezeit war im Kirchenbau das Rundbogen-F. das Normal-F. Man benutzte es nicht nur zur Befensterung des Kirchenraums, sondern auch bei der des Kuppeltambours (Stift Haug in Würzburg, 1670–91 von A. Petrini: Inv. Bayern, Ufr. 13 Abb. 157 und Taf. 19; vgl. auch Taf. V c) und gar der Kuppel selbst (Frauenkirche in Dresden, 1726–36 von George Bähr: [105 a] Taf. 176); an Fassaden war es nach ital. Vorbild als Einzel-F. beliebt (Dom in Salzburg, von Solari, 1614–28: Sp. 594 Abb. 31; ein weiteres Beisp. Sp. 597 Abb. 34; an Stift Haug im Attikageschoß wiederholt: Sp. 600 Abb. 37), konnte aber auch in größerer Zahl in allen Geschossen oder nur in einem als Haupt-F. angebracht sein (Beisp.: Taf. Vg; Abb. 104; weitere Sp. 378 Abb. 43; Sp. 598 Abb. 35; Sp. 606 Abb. 41; Sp. 609f. Abb. 43f.; Sp. 618 Abb. 49; Sp. 630 Abb. 58). Die Rundbogen-F. einfacher Saal- und Hallenkirchen sind oft sehr hoch und schlank (z. B. an St. Paulin in Trier, von B. Neumann, 1734–38: Inv. Rheinprov. 13,3 Abb. 252 und 255). Haben solche Kirchen Emporen (vor allem im prot. Kirchenbau), erhielt die F.lichte gelegentlich eine waagrechte steinerne Unterteilung (Beisp. die Frauenkirche in Dresden, s. oben; Simmershausen, 1756: Inv. Reg.bez. Cassel Bd. 4 Taf. 106f.).

Im ausgehenden 18. und im 19. Jh. ließ man sich für die F.formen von solchen der Antike und Renss. inspirieren, im 2. V. des 19. Jh. auch von solchen des MA.

Beisp.: Ludwigskirche in München, Friedr. von Gärtner, 1829 beg. [77, Abb. 45–49 und 53]; St. Bonifaz ebendort, von Gg. Friedr. Ziebland 1835–1850 [105, Abb. 233–235]; Kirchen Schinkels (Taf. VIII, 4 und 6; Paul Ortwin Rave, Bln., 1. Teil [= Schinkelwerk], Bln. 1941, Abb. 79, 195ff., 204f., 212f., 215, 219, 222); Friedenskirche in Potsdam, von Ludw. Persius, Pläne ab 1841, Bau 1844–48 (Sibylle Badstübner, Die F. zu P. [= Das chr. Dkm., H. 85], Bln. 1972).

Für Saalkirchen mit Empore behielt man die Horizontalteilung der F.lichte bei und integrierte sie zusätzlich der Außenarchitektur: F. Weinbrenners ev. Stadtkirche in Karlsruhe, Plan 1802, Weihe 1816 (Abb. 113), und Kirche in Scherzheim Krs. Offenburg, 1810–12 [134, Abb. 229]; zu Bauten Schinkels s. [90] Abb. 180, 183, 185; kath. Kirche in Krumöls, Schlesien, Entw. der Oberbaudeputation 1832: [72] Abb. 132.

Gelegentlich gibt es Varianten: zusätzliches Ausstellen der F.laibung mit kurvigem Mittelabschnitt (Pfarrkirche Kreuzpullach bei München, gegen 1710: [102] Taf. 41) oder mittels eingeschobener Viertelkreise (Pfarrkirche Amorbach, 1752–54 nach Plan von Joh. Martin Schmidt: Inv. Bayern, Ufr. 18 Abb. 4). – Selten hat man die F.laibung in die F.lichte hereingezogen: Kath. Filialkirche Illerbachen, 1707 (Inv. Württ., Donaukrs. 2, Oberamt Leutkirch Abb. 45); Entw. für die Wallfahrtskirche „Käppele“ in Würzburg, Rohbau 1748–49 von B. Neumann (Heinr. Kreisel, W., Mchn. und Bln. 31968, Abb. 86).

Die Gestaltung im Einzelnen zeigt große Vielfalt (die nicht allein vom jeweiligen Stil oder der Manier des Architekten her verstanden werden kann). Häufig ist bei umlaufender Profilierung die Einziehung ganz gering, bei bandartiger Einfassung der F.lichte dagegen in der Regel kräftig. Unter den die F.lichte verunklärenden Abwandlungen ist von größerer Bedeutung die, bei der die Laibung durch einen vorkragenden Kämpfer vom Bogenfeld getrennt ist und der Kämpfer einer der Laibung vorgesetzten Konsole aufliegt. Diese Ausgestaltung ist in der 2. H. des 17. Jh. in Italien an zahlreichen F.formen verbreitet und wurde im ausgehenden 17. und im 1. V. 18. Jh. von dort ausgebildeten deutschen Architekten übernommen.

Beispiele sind die Kollegienkirche J. B. Fischers von Erlach in Salzburg, 1696–1707 (Taf. Vi); das obere Belvedere in Wien, von J. L. von Hildebrandt, 1720 bis 1721 (Abb. 98 b).

Zum „Ersatz“ der rundbogigen Abschnitte durch geschweifte s. Sp. 1424.

b. Zwillings- und Drillings-F. gibt es vor allem im 16. und 17. Jh. und im 2. V. 19. Jh. Vieles über Einzelheiten von Rechteck-F. Gesagte gilt auch für Rundbogen-F. Hingegen sind Reihen-F. vor dem 19. Jh. selten.

Ein Beispiel ist das alte Bürgermeisterhaus, Markt 5, in Bad Salzuflen, 1590 (?), mit vier Teillichten [97, Abb. 137].

Im 16. und 17. Jh. sind die F.lichten entweder nach wohl oberitalienischer (speziell venezian.) Art nebeneinandergestellt oder aber zusätzlich durch Rahmung zusammengefaßt. Nicht selten waren die Entwerfenden oder Ausführenden Italiener (oder ital. Vorbildern verpflichtet); dazu paßt die Seltenheit gotisierender Formen. Die F. kommen im Kirchenbau, an öffentlichen und repräsentativen Bauten vor (Rathäuser, Schloßbauten, Palais), oft in der Achse der Toreinfahrt oder des Hauptportals.

Schloßbauten: Schloß Porcia in Spittal an der Drau, ab etwa 1533 erb. (neben Zwillings- und Drillings-F. auch Einzel-F.: Renate Wagner-Rieger, Das Schloß zu Sp. a. d. D. in Kärnten [= Stud. zur österr. Kg., Bd. 3], Wien 1962, Abb. 5f. und 12); Gelsenkirchen-Horst, Schloß Horst, 1552–78 wohl von Arndt Johannsen to Boekop, Eingangsflügel (im 1. Obergeschoß Zwillings-F., im 2. eine Arkadenfolge, im Wechsel von zwei F. und einer Figurennische ausgebildet: [94] Abb. 18f.); Schloß Nehalozeves in Böhmen, 1553–72 [121, Abb. 45]; Fürstenhof in Wismar, 1553–54 von Gabriel van Aken und Valentin von Lyra „nach oberital. Entwurfsschema“ (Abb. 61; [117] S. 246); ehem. Großes Lusthaus in Stuttgart, von Gg. Behr 1583–93 erb. (Erdgeschoß; [59] Abb. 30); Lippborg, Haus Neu-Assen, 1564 von Laurenz von Brachum (über der Durchfahrt; [94] Abb. 173f.); F. der abgebr. Martinsburg in Mainz, vor 1600 (heute am Herrenhaus Langwerth von Simmern in Eltville: Inv. Land Hessen, Rheingaukrs. S. 122f., Abb. 141 und 243). – Landhaus in Graz, 1557–65 von Domenico d'Allio (Rochus Kohlbach, Steir. Baumeister, Graz 1961, Abb. 51, Taf. 63). – Rathaus in Konstanz, 1592–94 von Alex. Guidinast [95, Abb. 266 und 269]. –

Zeughaus in Schaffhausen, 1617 von Joh. Jak. Meyer [118, Abb. 20]. – Erker-F. eines Bürgerhauses: ehem. Ohmsches Haus in Münster i. W., um 1565 [94, Abb. 159].

Kirchliche Bauten: ev. Kirche in Apelern, Hessen (ma. dreiteilige F. im 16. Jh. in Drillings-F. verändert: Inv. Reg.bez. Cassel 3 Taf. 33, S. 26); Jesuitenkolleg Graz, Hof, ab 1572 von Vinzenz de Verda err. (R. Kohlbach 1961 a.a.O. Taf. 66).

Bei westfäl. Profanbauten wurden Rechteck-F. mit Steinkreuz und Rundbogen-F. vermengt; die beiden oberen Teillichten schließen rundbogig:

Gelsenkirchen-Horst, Schloß Horst, Erdgeschoß der 1559 voll. Hoffassade vom Herrenhaus, mit auf Konsolen liegendem Steinbalken; Herrenhaus von Schloß Frens, Umbau beg. um 1560; Schloß Holtfeld, 1599–1602; Häuser Prinzipalmarkt 42 und 44 in Münster i. W., um 1595 und 1608 ([94] Abb. 22f. und 25 sowie 135 a; [97] Abb. 158; Inv. Westf. Bd. 41,2 Abb. 473, Bd. 41,3 Abb. 843 und 860).

Im fortgeschrittenen 17. Jh. verwendete man für Kirchenfassaden gelegentlich Zwillings-F.: Stiftskirche Schlägl, O.Ö., nach 1626 (1654?; Walter Luger, Das Prämonstratenserstift Sch., Linz 1952, Abb. S. 9); St. Florian in Straden, Stm., 1654–58 von Ruep Schopper (R. Kohlbach 1961 a.a.O. [Sp. 1364] Abb. 217); Stiftskirche Vorau, Stm., 1660–62 von Dom. Sciascia [120, Bd. 2 Abb. 19]. Drillings-F. erhellen das Lhs. von St. Michael in Olmütz, 1676–1703 [61, Abb. 14, Taf.abb. 47]; ein solches F. fügte Hans Neisius Kuckeisen bei der Wiederherstellung 1680–84 von St. Maximin in Trier der Westfassade der Kirche ein (Inv. Rheinprov. 13,3 Abb. 227).

Verwendung im Profanbau belegt z. B. das Haus Hauptplatz 9, „Hacklhaus“, in Leoben, Stm., um 1680, mit Zwillings-F. in der Portalachse [106, Bd. 2 Abb. 42].

Im 19. Jh. brachte das Aufgreifen historischer Bauformen im „Rundbogen-Stil“ mit sich, daß rundbogig schließende Zwillings- und Drillings-F. häufiger und auch Reihen-F. in nennenswertem Umfang verwendet wurden.

Romanisierende Zwillings-F. in einem wie eine Blende wirkenden Rücksprung hat die ev. Kirche in Urbach Krs. Neuwied, 1825–30 von Ferd. Nebel [107, Abb. 3], gestaffelte Dreiergruppen die Matthäuskirche in Berlin, 1844–46 von Ferd. Aug. Stüler [47, Abb. 30–32]. Bei Reihen-F. ließ man sich in den Einzelformen vor allem von Vorbildern aus dem Trecento, der Antike und der Renss. anregen: Polytechnische Schule in Karlsruhe, 1833 von Heinr. Hübsch [79, Abb. 46]; St. Peter und Paul in Berlin-Nikolskoe, 1834–37 ([47] Abb. 4; ebd. weitere Beisp.); oft sind Reihen-F. als verglaste Arkadenfolge ausgebildet (Schauspielhaus Hamburg, Entw. K. F. Schinkels 1825: [79] Abb. 49) oder zeugen von der Beliebtheit des italianisierenden Loggienmotivs [47, Abb. 2, 15, 22f. u. ö.].

c. Das neuzeitliche Biforium - F. ist gebildet aus einem Paar rundbogig schließender F.- Öffnungen auf Stützen in einer gemeinsamen Rundbogen-Blende. Das F.tympanon über den Öffnungen trägt oft eine Ornamentscheibe (an Florentiner Palästen mit dem Impresenbild des Bauherrn), ist vielfach aber von einem Okulus oder einem Paß-F. durchbrochen, das gleiches Profil aufweist wie die Halbkreisbögen der F.stürze; die Restfläche des Tympanons kann ebenfalls durchbrochen sein und so dem Couronnement eines Maßwerk-F. nahekommen. Die Stütze zwischen den F.lichten ist als Säule (freistehend oder einem Pfeiler vorgelegt) oder als Pfeiler gebildet; in den äußeren Laibungen können Halbsäulen, Halbpfeiler oder Pilaster sitzen.

Die architektonischen Voraussetzungen liegen in der ital. Profanarchitektur des Dugento und Trecento (vgl. John White, Art and archit. in Italy. 1250 to 1400 [= The Pelican hist. of art, Z 28], Harmondsworth usw. 1966, Taf. 11, 13, 14 A, 68, 71, 76f., 157).

Die in der italienischen, vor allem der Florentiner und Bologneser Profanarchitektur des Quattrocento häufigen Biforium-F. befenstern vor allem Obergeschosse, sowohl auf der Straßen- wie auf der Hofseite.

Beisp. in Florenz: Pal. Medici-Riccardi, beg. um 1444 von Michelozzo di Bartolomeo; Pal. Pazzi-Quarantesi, 1460–72, Giuliano da Maiano zugeschr.; Pal. Strozzi, um 1489/90 ([129] Bd. 1 Abb. S. 33ff. und 42, 4f., 93, 96 und 99; Julius Baum, Bauk. und dekorative Plastik der Frührenss. in Italien [= Bauformen-Bibl., 11], Stg. 1926, Abb. S. 74,76,78, 80, 87, 121, 203f.). Bologneser Beisp. bietet [135] Teil 2 Fig. 438, 440–442.

In Italien gibt es sehr viele Spielarten dieser F.form, z. B. das Einfügen eines durchgehenden Steinbalkens als Kämpfer (Pal. Rucellai in Florenz, von L. B. Alberti, um 1457 beg.: J. Baum a.a.O. Abb. S. 82; mit zusätzlichem Steinkreuz: Pal. Piccolomini in Pienza, 1460–62 von Bernardo Rossellino: ebd. Abb. S. 83); Vielpässe statt Bogen: Pal. Ducale in Urbino, 1447–79 (ebd. Abb. S. 205).

Maßwerkähnliches Couronnement: bei Florenz die Badia Fiesolana, 1456 beg. nach Entw. von Brunelleschi [129, Bd. 1 Abb. S. 23]; in Venedig Scuola di S. Giov. Ev., 1498–1504 von Mauro Codussi (J. Baum a.a.O. Abb. S. 144), Pal. Corner-Spinelli, spätes 15. Jh. (ebd. Abb. S. 92), und Pal. Vendramin, 1481–1509 von Pietro Lombardo (ebd. Abb. S. 93), Untergeschoß der Scuola di S. Rocco, 1517–60 (ebd. Abb. S. 94).

In der deutschen Architektur ist die Variationsbreite weit geringer als in der italien. des Quattrocento.

Beispiele des 16. Jh. sind der Gartensaal des Hirschvogelhauses in Nürnberg, 1534 (1945 zerst.; [127] Abb. 310f.), die hofseitigen F. der Eingangshalle im Deutschen Bau der Landshuter Stadtresidenz, von Bernh. Zwitzel ab 1535 erbaut (Abb. 56; Inv. Bayern, Ndb. 16 Abb. 325), der Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses, 1601–04 (Taf. IV b).

Aus der Barockzeit gibt es die Form dort, wo naiv aus italien. Renss.vorlagen geschöpft wurde: Fassade der Klosterkirche Einsiedeln, 1719–26 von Br. Kaspar Moosbrugger ([39] Abb. 194, 196; [104] Taf. 16).

In den historistischen Strömungen im 2. V. 19. Jh. – sowohl den auf Bauformen des MA wie der Renss. basierenden – wurde das Biforium-F. im Profan- wie im Sakralbau im deutschen Sprachgebiet wieder verwendet; es gehört aber nicht zu den geläufigeren F.typen.

Als Beispiele seien genannt das Universitätsgebäude in München, von F. v. Gärtner, 1835–40 [77, Abb. 77f., 82, 84], das Johanneum in Hamburg, 1836–39 von Carl Ludw. Wimmel und Frz. Gustav Joach. Forsmann (1945 zerst.; [81] Taf. 11 B), und Sempers Entw. für die Nikolaikirche Hamburg, 1844 [107, Abb. 83]. – Bei Paßfüllungen im durchbrochenen Tympanon wird die Abgrenzung zu Maßwerk-F. unscharf (Beisp. die Ludwigskirche in München, 1829–44: Sp. 646 Abb. 69; [77] Abb. 46, 48f., 56, 59; vgl. auch Sp. 647 mit sehr hohen F.).

3. Rundbogen-F. mit eingezogenem Bogen

a. Sohlbank spiegelbildlich kurviert

Vom letzten V. 16. Jh. bis in das 3. V. 18. Jh. kommen Rundbogen-F. vor, bei denen der obere Abschlußbogen eingezogen und die Sohlbank spiegelbildlich dazu kurviert ist. Das Maß der Einziehung wechselt, vielleicht zeitbedingt (was nicht untersucht ist). Im Kirchenbau hatte die F.form regional – Altbayern, Schwaben, Tirol – über längere Zeiträume hinweg Bedeutung.

Eines der wenigen Beisp. aus dem Profanbau, zudem außerhalb der genannten Gebiete, war am 1710 von Joh. Jak. Rischer entw. Kuppelsaal von Schloß Leutershausen Krs. Mannheim zu sehen (1801 abgetragen; Inv. Baden 10,3 Abb. 189).

Über das Aufkommen der F.form (Italien? Oberitalien?) läßt sich derzeit nichts aussagen, auch nichts über Zusammenhänge mit entsprechenden Ornamentrahmen (von denen z. B. [126] S. 144 Anm. 124 sie ableitet). Die ersten Beispiele in Deutschland sind in München nachzuweisen: im Sakralbau an der Fassade der Michaelskirche, 1583–97 (Sp. 590 Abb. 28), im Profanbau an der Brunnenhofbebauung der Residenz, nach 1611 (Giebelgeschoß; [98] Abb. 40).

Die Zahl der Beispiele verdichtet sich erstmals im 2. V. 17. Jh.; in ihr sind sowohl Einzel-F. als auch Gruppen-F. enthalten (dazu Sp. 1428).

Obb.: Einzel-F. am Langhaus der Stiftskirche Polling, Umbau im Anschluß an die 1621–26 erfolgte Chorerweiterung; Abb. 79), und an der Fassade der ehem. Jesuitenkirche Burghausen, 1630–31 von Isaac Pader [51, Bd. 2 Taf. 5 c]; Gruppen-F. an der Pfarrkirche Weilheim, 1624–31 (Abb. 80). – Ndb.: Pfarrkirche Kurzenisarhofen, 1624–28 (Inv. Bayern, Ndb. 14 S. 118, Abb. 145); Marienkap. in Osterhofen-Altenmarkt, 1632 (ebd. Abb. 69; weitere Beisp. ebd. 17 S. 107, Abb. 73 und 21 S. 22, Abb. 3 und 7, Taf. 2). – Innviertel: Filialkirche in Feldkirchen-Vormoos, 1647–49 von Jos. Vilzkotter (Inv. Österr. 30 Abb. 343); Pfarrkirche Lengau, M. 17. Jh. (ebd. S. 219 und Abb. 409). – Oberschwaben: Kath. Pfarrkirche in Laupheim, Umbau 1623 beg., 1661 noch im Bau, von Martin und Albr. Balbierer aus Roveredo (Inv. Württ-, Donaukrs. 2, OA Laupheim Abb. 1).

Ein zweites Mal häufen sich die Beispiele im 3. Dr. 17. und A. 18. Jh. Sie finden sich – nach dem erhaltenen Bestand zu urteilen – ebenfalls nur in dem oben umschriebenen Gebiet, häufiger als je zuvor; gelegentlich hat man den Eindruck, als sei die F.form dem einen oder anderen Baumeister eigen.

W. Obb.: Einzel-F. an der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum, 1661–68 von Konstantin Pader, und an weiteren Bauten der Münchner Umgegend ([126] passim; [55] passim); Gruppen-F. ähnlich Weilheim, aber weitaus gestreckter, an der Wallfahrtskirche Vilgertshofen Krs. Landsberg a. L., 1686–92 von Joh. Schmuzer (ebd. Textabb. 6 und Abb. 13); Einzel-F. an der Sakristei der Klosterkirche Benediktbeuern, ab 1672 (Inv. Bayern, Obb., Taf.bd, 1 Taf. 90), Gruppen-F. am Lhs. ebendort, 1681–86 (Leo Weber, B. [Schnell, K.führer 34], Mchn. und Zürich 31974). – Ö. Obb.: Bauten von Hanns Mayr oder ihm zugeschrieben (Wallfahrtskirche Hl. Blut am Wasen, Chor 1686–87, Lhs. um 1690 dem Chor angeglichen; Filialkirche Happing, 1676–79; Entw. für die Georgskap. von Schloßberg, 1679: [46] Abb. 21–24 und 57). – Ndb.: Landshut, Fassade der Ursulinenkirche, 1671–79 (Inv. Bayern, Ndb. 16 Abb. 231); Wallfahrtskirche, „Steinfelskirche“, in Landau, gegen 1700 (ebd. 13 Abb. 63f.); Wallfahrtskirche Loh Krs. Deggendorf, 1690–1714 (ebd. 17 Abb. 110, Taf. 10f.). – Oberpfalz: Pfarrkirche Ast, Umbau von 1665: Inv. Bayern, Opf. 3 Abb. 3 und 19. – Innviertel: ehem. Stiftskirche in Braunau-Ranshofen, um 1697/99 (Rainer Reinisch, B. a. I., Mchn. und Bln. 1974, Abb. 52); Pfarrkirche Moosdorf, 1682 (Inv. Österr. 30 Abb. 488; weitere Beisp. ebd. Abb. 369, 371, 382, 5 10f.). – Oberschwaben: Erker an der Abtei des ehem. Klosters in Isny, nach 1660 [141, Abb. S. 199]; Wendelinskap. in Nasgenstadt, Bau 1696, F. 1697 eingebrochen (Inv. Württ., Donaukrs. 1, Oberamt Ehingen Abb. S. 127); Georgskap. in Tettnang, 1682 von dem Vorarlberger Heinr. Bader (ebd. Krs. Tettnang Abb. 2). – Tirol: Franz Borgia-Kap. im Volderer Wald, 1677, und Fassade der Jesuitenkirche Hall, Umbau 1684 [65, Tirol, Taf. 17 und 9].

Vom Beginn des 18. Jh. an kommt die F.form auch in anderen Kunstlandschaften Süddeutschlands vereinzelt vor, in Böhmen (Spitalkirche Kukus, 1707–10 von Giov. Batt. Alliprandi, Seiten-F. der Attikazone: [61] Taf.abb. 127), in Baden (Münster in Säckingen, Barockisierung ab 1698: A. Reinle, Zs. f. Schweiz. Arch. und Kg. 32, 1975, Abb. 16, 32–34; Jesuitenkolleg Baden-Baden, 1700 von Dom. Egidio Rossi und Joh. Mazza – falls nicht vom Vorgängerbau des Tomaso Camacio, 1671–73, übernommen: Inv. Baden 11,1 Abb. 113), in Hohenzollern (Stetten bei Hechingen, ehem. Dominikanerinnenkirche, Erweiterung um 1738: Inv. Hohenzollern 1 Abb. 472). Als oberösterr. Beisp. sei das Fassaden-F. der Ursulinenkirche in Linz genannt, 1735–40 von Joh. Haslinger, Fassade lange im Rohbau [71, Abb. 109 .

In Franken und in der Schweiz hat man die F.form häufiger verwendet.

Franken: Balthasar Neumann hat sie an der Fassade der Wallfahrtskirche Gößweinstein, 1730–39, und an der Kirche in Kitzingen-Etwashausen, Entw. 1745, angewandt [63, Taf. 36, Abb. S. 48 und Taf. 61]. Joh. Jak. Mich. Küchel verwendete sie für die Fassade der Pfarrkirche St. Kilian in Pretzfeld, Entw. 1742 (Tilm. Breuer, Bamberger Land, Mchn. und Bln. 1965, Abb. 71); Justus Heinr. Dientzenhofer sah sie vor für die Fassade der 1748 beg. Pfarrkirche Kaltenbrunn, Ofr. (Zs. f. Kg. 12, 1949, 56 Abb. 6). Im 3. V. 18. Jh. kommt die F.form mehrfach in der Umgebung von Schweinfurt vor (Pfarrkirche von Grafenrheinfeld, 1755–1765/66, und Grettstatt, 1766–1769, Kirche in Theilheim, 1758–60: Inv. Bayern, Ufr. 17 Abb. 111, 117 und 201).

Schweizer Beispiele: Chor-F. der Alten Pfarrkirche in Unterägeri, 1717 (Inv. Schweiz 5, Zug 1 S. 378 Abb. 234); Giebel-F. der Pfarrkirche in Schwyz (Dorf), 1769–72 (ebd. 2, Schwyz 2 S. 365 Abb. 231); F. der Pfarrkirche in Gersau, ausnehmend spät entstanden: 1808–12 von Br. Jakob Natter (ebd. S. 7f. Abb. 3f.).

Manche Architekten haben die F.form so regelmäßig an einer bestimmten Stelle am Kirchengebäude verwendet, daß dies gleichsam ihr Oeuvre kennzeichnet.

So pflegte der Münchner J. M. Fischer sie ziemlich regelmäßig als Fassaden-F. im Untergeschoß zu seiten des Portals einzufügen, manchmal erst in den Turmachsen: Stiftskirche Dießen, 1732–39 [103, Taf. 66], Abteikirche Fürstenzell, 1739–48 [82, Abb. 189]; Entw. für die Abteikirche Ottobeuren, um 1748/50 und um 1750/55 [103, Abb. 32f.).

b. nur Bogen eingezogen

Das Rundbogen-F. mit eingezogenem Bogen und mit gerader Sohlbank kommt in Rom seit dem 2. V. 17. Jh. vor und ist möglicherweise von dort aus verbreitet worden.

Beispiele sind F. der Gartenseite des Pal. Barberini, beg. 1625 von Carlo Maderno und F. Borromini, und Fassaden-F. des Oratoriums der Filippiner, 1637–50 [114, Taf. 8 und Abb. XXX, XXXIX, Taf. 37, 39 und 41]. Für F. dieser Form interessierten sich in Rom weilende deutsche Architekten (Zeichnungen J. C. Schlauns von S. Francesco di Stimmate und Ss. Giovanni e Paolo: [40] Bildteil Abb. S. 31–34; in seinen eigenen Bauten benutzte Schlaun die Form nicht).

Nördl. der Alpen ist von der 2. H. 17. Jh. an die F.form an Sakral- und Profanbauten anzutreffen, früher bei ersteren (doch läßt das nicht zu, sie bei letzteren als Übernahme aus dem Sakralbau anzusehen).

Sehr früh wäre die F.form am 1599–1609 von Heinr. Schickhardt err. Neuen Bau in Stuttgart zu belegen, wäre sie nicht das Ergebnis nicht ausreichend gesicherter Rekonstruktion ([106] Bd. 2 Abb. 232; Gustav Wais, Alt-Stg. Bauten im Bild, Stg. 1951 [Neudr. Ffm. 1977], Abb. 314).

Die Beispiele aus Süddeutschland, Böhmen (Abb. 92), Österreich und der Schweiz überwiegen bei weitem; doch gibt es die F.form, die nach dem 3. V. 18. Jh. nur noch vereinzelt verwendet wurde, auch – wenngleich selten – z. B. in Westfalen (Vorhalle der Gaukirche in Paderborn, 1746–49 von Frz. Chr. Nagel: Sp. 627 Abb. 56) oder bei ev. Kirchengebäuden in Schlesien [73, Abb. 99f., 104, 107].

4. Segmentbogen-F.

Das Segmentbogen-F. (Stichbogen-F., Flachbogen-F.; [17] S. 144: F. mit „gedruktem Bogen“) der Neuzeit hat zwei unterschiedliche Wurzeln: Stichbogen-F. der röm. Kaiserzeit und Segmentbogen-F. der späten Gotik (s. Sp. 1262f. und 1319).

Da häufig durch Augenschein allein nicht festgestellt werden kann, ob es sich um einen Stichbogen im technischen Sinn handelt, wird im Folgenden die deskriptive Benennung Segmentbogen vorgezogen.

a. Im Profanbau Italiens behaupteten sich die gotischen Segmentbogen-F. bis um 1500: erst damals wurden die an anderen F. längst entwickelten Renss.formen auch beim Segmentbogen-F. verwendet: Hof des Pal. Guadagni in Florenz, Il Cronaca zugeschr., um 1504–1506 [135, Teil 1 Fig. 288].

Zu Beisp. roman. und got. Architektur vgl. Walter Paatz, Röm. Jb. f. Kg. 3, 1939, 127–140; Heinr. Decker, Gotik in Italien, Wien und Mchn. 1964, Taf. 64 und 73; Albr. Haupt (Hrsg.), Palast-Archit. von Oberitalien und Toskana vom 13. bis 17. Jh., Bln. 1930, Bd. 2 Taf. 27; [135] Teil 2 passim; wichtiges Beisp. die F. des obersten Geschosses am Pal. Cuomo in Neapel, 1464–90 (ebd. Fig. 37).

Weitere Beisp. von Segmentbogen-F. der Renss. sind die in den Proportionen quadratischen F. nahen Segmentbogen-F. am Zwischengeschoß des Pal. del Vescovo di Cervia in Rom, von Ant. da Sangallo d. J., bald nach 1520 [66, Bd. 3 Taf. 181 a und b], die F. des obersten Geschosses an Giulio Romanos Pal. Maccarani – di Brazza in Rom, vor 1523 (ebd. Taf. 139), die Keller-F. am Wohnhaus Giulios in Mantua, um 1540 [80, Abb. 238].

In Anlehnung an antike Architektur sind die F. über Ladengeschossen (die oft als Arkadenfolge angelegt sind) nicht selten Segmentbogen-F.:

Pal. Alberini-Cicciaporci in Rom, um 1515–1521 [66, Bd. 1 S. 108, Bd. 3 Taf. 1 und 5f.]; nur in Wiedergaben überlieferter Pal. „Raffaels“ in Rom, von Bramante um 1510 (?) erb. (Arnaldo Bruschi, B. architetto, Bari 1969, Fig. 397f.; [109] Abb. 243f.); Pal. Iseppo de'Porto in Vicenza, voll. 1552 (?), von A. Palladio (Alternativprojekt, vgl. [26] Buch 2 S. 10; nicht ausgeführt). Seb. Serlio [30] nahm sowohl die Zwischengeschoß-F. wie die Keller-F. und Obergeschoß-F. mit Segmentbogen in seinem Werk auf (4. Buch [Erstausg. 1537] Bl. 174v; 7. Buch Bl. 17, 21, 25, 33, 37, 39 u. ö. [Keller-F.], Bl. 63, 143, 217 [andere F.]) und tradierte sie so.

Im ital. Sakralbau wurden die Segmentbogen-F. um 1520 im Rahmen der rekonstruierenden Beschäftigung mit römischen Thermenbauten und deren Adaptierung aufgegriffen als Schildbogen-F. Im Werk von Baldassare Peruzzi und Ant. da Sangallo d. J. sind sie mehrmals anzutreffen.

Peruzzis Zeichnung für S. Domenico in Siena: Chr. Luitpold Frommel, B. P. als Maler und Zeichner, Beih. zum Röm. Jb. f. Kg. 11, 1967/68, Abb. LXXIX a; Perspektivische Ansicht von St. Peter: A. Bruschi a.a.O. Fig. 374; Montepulciano, Madonna di S. Biagio, 1518–45 von A. da Sangallo: [129] Bd. 1 Abb. S. 142; Projekte Antonios für St. Peter in Rom, die Cap. Medici in Montecassino, um 1530 (?) und für S. Marco in Florenz, um 1525–1530(?): [68] Bd. 2 Fig. 61 und 207f.

Im röm. Kirchenbau der Gegenreformation hat das Segmentbogen-F. eine dominierende Stellung als Obergaden-F. in zahlreichen der neuen oder erneuerten Basiliken. An erster Stelle ist Vignolas Il Gesù zu nennen, 1568–76 ([137] Abb. 232 und 235; ein F. mit der später veränderten Dekoration bei [139] Taf. 116B).

Daneben: S. Atanasio dei Greci, von Giac. della Porta, 1578–83 (Vitaliano Tiberia, G. della P., Rom 1974, Abb. 47); S. Andrea della Valle, von G. della Porta 1591 beg., Weiterbau durch Carlo Maderno ab 1608 (auch Querhausstirnen: Howard Hibbard, C. M., London 1971, Abb. 1 b, 35 und 36a), S. Giovanni dei Fiorentini, Bauphase Carlo Maderno, 1608–14 (ebd. Abb. 14 b); Ss. Luca e Martina, Entw. Pietro da Cortonas, um 1623/1624 (Karl Noehles, La chiesa dei Ss. Luca e Martina ... [= Saggi e studi di storia dell'arte, 3], Rom 1970, Abb. 61); Langhausausbau von St. Peter, vor 1625 (H. Hibbard a.a.O. Abb. 61 a, 65 b, 66 b, 67 b und c). Sehr breite F. sitzen in den Lünetten der Capp. Paolina an S. M. Magg., 1605–11 von Flaminio Ponzio als Pendant zur von Dom. Fontana 1586 err. Capp. Sistina [139, Taf. 2].

In Mailand sind Segmentbogen-F. auch unabhängig vom Obergaden für die Befensterung von Kuppeltambours benutzt: S. Alessandro, 1601 beg., Kuppel 1626 (?) von Lorenzo Binago; S. Fedele, von Francesco Maria Ricchini, 1642 fertig (Costantino Baroni, Architi. Lombarda da Bramante al Ricchini, Mailand 1941, Fig. 173, S. 128 und Fig. 155). Durch die Kombination eines Zentralbaus mit einer Fassade hat Ricchini das Segmentbogen-F. auch letzterer als Hauptakzent eingefügt: S. Giuseppe in Mailand, 1607 bis 1630 ([139] Taf. 39 A; Seitenansicht: Paolo Mezzanotte und Giac. C. Bascapè, Milano . .., Mailand und Rom 1968, S. 157).

b. In der gehobenen französischen Profanarchitektur hat das Segmentbogen-F. eine durchgehende Tradition vom 16. bis um die Mitte des 18. Jh. Die Anfänge exakt zu bestimmen, scheint derzeit nicht möglich zu sein; aus den 1540er Jahren gibt es gesicherte Beispiele.

Einfache Segmentbogen-F. in einfach gehaltenen oder rustizierten Untergeschossen sind im 16. und 17. Jh. häufig.

Außenseite des Schlosses St-Germain-en-Laye (Yvelines), um 1540–1546 (später verändert; Ansicht des alten Zustands bei Jacques Androuet du Cerceau, Les plus excellents Bastiments de France, ed. Henry Destailleur, Bd. 1, Paris 1868); Schloß Charleval, Sockeigeschoß zum unteren Hof, von Jacques II Androuet du Cerceau 1570 beg. [76, Bd. 1 Abb. 140]; Galerie des Tuileries in Paris, 1595–1608 von Louis Métezeau und J. II Androuet du Cerceau (ebd. Abb. 179); F. im geböschten Sockel der Torhäuser von Schloß Blérancourt, 1614 von Salomon de Brosse [44, Taf. 79 A]; Stirnseite der Risalite des Gerichtsgebäudes in Rennes, 1618 von demselben (ebd. Taf. 79 B); Schloß Blois, von Franç. Mansart 1635–38 err. Trakt [49, Taf.bd. Abb. 154f.]; geböschtes Sockelgeschoß von Schloß Maisons in Maisons-Lafitte, [642–51 von F. Mansart (ebd. Taf.bd. Abb. 216, 230f.).

In diese Gruppe gehören auch die Segmentbogen-F., die F. Mansart beim Umbau des Hôtel de Carnavalet in Paris im Erdgeschoß einbaute (um 1660–1661; [49] Textbd. S. 250ff., Taf.bd. Abb. 394f.).

Kellergeschosse mit Segmentbogen-F.: Hôtel Lamoignon in Paris, 1584 beg., von Bapt. Androuet du Cerceau ([76] Bd. 1 Abb. 141; [44] Taf. 61 B).

Zur gleichen Zeit stattete man Erdgeschosse mit Segmentbogen-F. aus, die in der Proportion den (Rechteck- oder Rundbogen-)F. im (1.) Obergeschoß entsprechen:

Schloß Verneuil, beg. 1565 (?) von Jacques I Androuet du Cerceau [44, Taf. 61 A]; Schloß Grosbois, Seine-et-Marne, 1597–1617 (ebd. Taf. 78 B); Mitteltrakt des Gerichtsgebäudes in Rennes (s. oben). – Die Straßenseite des Hôtel de Carnavalet erhielt beim Umbau durch F. Mansart (s. oben) Segmentbogen-F.rahmungen, in denen übereinander zwei kleinere Segmentbogen-F. sitzen ([49] Taf.bd. Abb. 373, 381, 384f., 389; [44] Taf. 100 B).

In dieser Tradition stehen Projekte und Ausführung der Ostfassade des Pal. du Louvre in Paris seit 1664 (vgl. [101] Taf. VI.2, 6–9, 12, Concl. 1; s. auch [49] Taf.bd. Abb. 368, 479, 495–498 u. ö.).

Für die französische Architektur des 16. und 17. Jh. charakteristisch gewesen zu sein scheint die Gestaltung des Erdgeschosses als glatte Mauer mit vorgesetzter, oft rustizierter Arkadenfolge. Die schmalen, hohen F. wurden so gegen den Arkadenbogen geführt, daß als Abschluß ein Segmentbogen sich mehr oder weniger von selbst ergab.

Insbesondere für die Hofseite wählte man diese Geschoßgestalt: Pierre Lescot, Trakt der Cour Carrée des Palais du Louvre in Paris, 1546 ([44] Taf. 29 B).

Die Schöffen von Bourges forderten 1619 für ihr zu erbauendes Rathaus vertraglich diese Gestaltung (Hautecoeur II Bd. 3 S. 717).

In Bauten des 17. und 18. Jh. ist die Arkadenreihe durch eine in flachem Relief der Wand vorgelegte Arkatur ersetzt; die Befensterung mit Segmentbogen-F. blieb.

Beisp.: Pal. du Luxembourg in Paris, 1615–24 von S. de Brosse [44, Taf. 71 A]; Gartenfassade vom Schloß in Versailles, Planung ab um 1667 [101, Taf. V.7, VIII.4f., Concl. 3]; Häuser an der Place des Victoires, 1684 beg., und an der Place Vendôme, 1685, von J. Hardouin Mansart [48, Abb. S. 102f. und 106, Taf. 25–27].

18. Jh.: Rathaus in Rennes, 1738–44 von Jacques Gabriel [93, Taf. 27]; Entw. für die Place de la Concorde in Paris, 1756 von Jacques-Ange Gabriel (ebd. Taf. 36). – Manchmal ist die Arkatur mit Korbbogen gebildet, die F.bögen sind daher sehr flach: Hôtel de Rohan-Soubise in Paris, beg. 1704, von Pierre Alexis Delamair [93, Taf. 16].

Im Lauf des 17. Jh. setzte sich die vorher nur vereinzelt anzutreffende italianisierende Befensterung der Obergeschosse mit Segmentbogen-F. mehr und mehr durch (früh, gegen 1540 erb., das im 19. Jh. zerst. Schloß St-Anges in Calluau, Seine-et-Marne, von Pierre I Chambiges: J. Androuet du Cerceau a.a.O. [Sp. 1374] Bd. 2, Paris 1870). Dabei scheinen die Planungen der Ostfassade des Pal. du Louvre ab 1664 eine erhebliche Rolle gespielt zu haben; bei ihnen ist eine gegenüber dem Hauptgeschoß gleichwertige Befensterung des Erdgeschosses vorgesehen, und das oberste, mezzaninartige Geschoß sollte niedrigere Segmentbogen-F. erhalten.

Vgl. Zeichnungen des Baubüros Louis Le Vau und anderer bei [101] Taf. VI.7. – Nachfolgebauten sind Häuser an der Place des Victoires und an der Place Vendôme in Paris (s. oben).

Ganz kurz danach sind Segmentbogen-F. auch an Hauptgeschossen anzutreffen, manchmal in differenzierender Anbringung neben anderen F.formen, manchmal – im 18. Jh. häufiger – in allen Geschossen.

Früh das Hôtel d'Estienne de Saint-Jean in Aix-en-Provence, um 1668 (Hautecoeur I Bd. 2 Abb. 207); von J. Hardouin Mansart die Schlösser Meudon, 1695, und Boufflers, 1698 [48, Taf. 111f. und Abb. S. 151]; Schloß Vauvers, 1698, hat Segmentbogen-F. im Hauptgeschoß und im Dachgeschoß (ebd. Abb. S. 151).

Auch Lukarnen haben Segmentbogen-F.: Place des Victoires und Place Vendôme in Paris (s. oben).

Nach 1700 ist die Befensterung aller Geschosse mit Segmentbogen-F. ganz üblich; dabei wurden die Geschosse durchgehend gleichartig befenstert, allenfalls Haupträume oder Risalite durch andere F.formen hervorgehoben (Beispiele hierfür Sp. 1390). Zwischen 1750 und 1760 verschwand das Segmentbogen-F. rasch aus der Architektur.

Germain Boffrand hat vielfach Hauptgeschosse (Schloß in Lunéville, 1704–06: [93] Taf. 18) oder ganze Fassaden mit Segmentbogen-F. gestaltet: Schloß Haroué, 1712–13, Hôtel de Torcy in Paris, 1713 (Wend Graf Kalnein und Michael Levey, Art and archit. of the 18th c. in France [= The Pelican hist. of art, 2 37], Harmondsworth 1972, Abb. 209 und 212); weitere Beisp. sind das Hôtel de Matignon in Paris, 1722–24 von Jean Courtonne, von Robert de Cotte das Rohan-Schloß in Straßburg, 1731–42 (W. Graf Kalnein und M. Levey a.a.O. Abb. 223; [93] Taf. 26).

Im französischen Kirchenbau des 17. Jh. kamen mit den italienischen Bautypen auch die Segmentbogen-F. in Gebrauch und blieben es im 18. Jh.: Karmeliterkirche St-Joseph in Paris, 1613–20 (Maurice Dumolin und George Outardel, Paris et la Seine [= Les églises de France], Paris 1936, S. 129 Längsschnitt); Invalidendom ebendort, 1680–91 von J. Hardouin Mansart [44, Taf. 172].

c. In der deutschen Architektur des 16./17. Jh. ist das Segmentbogen-F. bei Profanbauten aus dem 15. Jh. tradiert (s. Sp. 1319) und durch Änderung der Details dem jeweiligen Zeitgeschmack angepaßt. Nach wie vor verwendete man Segmentbogen-F. im Untergeschoß (wie am Haus des Goldschmieds Hans Petzold in Nürnberg, 1597/98: [127] Taf. 79 a), auch in einem Zwischengeschoß unter dem 1. Obergeschoß (Haus von 1648 in Köln: [136] Abb. 126) oder zur Befensterung der Obergeschosse.

Im Untergeschoß sind die F. herkömmlich oft breiter als hoch (Haus Finstere Gasse in Markgröningen, 1582: Inv. Württ., Neckarkrs. Abb. S. 369), in den Obergeschossen entspricht ihre Proportionierung der von Rechteck-F. (Beispiel ein Haus um 1610 in Nürnberg: [127] Taf. 76 b).

Bei Giebelhäusern in Norddeutschland (z. B. in Lüneburg und in Lübeck), deren Fassadenobergeschosse und Giebel Segmentbogen-F. haben, dürften diese F. die ursprünglichen Speicherluken ersetzen (vielleicht erst aus dem 18. Jh.). Häufig sitzen Rechteck-F. in Segmentbogenblenden; ob dies eine spätere Änderung ursprünglicher Segmentbogen-F. ist, ist kaum eindeutig zu ermitteln.

Üblich ist bei Segmentbogen-F. gotisierendes Detail (Stabwerk, Kehlungen: Schloß Gifhorn, um 1540: [97] Abb. 46 a, vgl. Abb. 46; Topplerhaus in Nürnberg, um 1590: [127] Taf. 65); auch bei sonst italianisierender Architektur (Erkerentw. 1607 wohl von Jakob Wolff d. J. in Nürnberg: [127] Taf. 96c). An Italienischem sich orientierende Rahmung haben die Segmentbogen-F. der 1609 nach Entw. von Jos. Heintz d. Ä. erbauten Augsburger Metzig (Bau E. Holl: [117] Taf. 74); italianisierende Elemente zeigen die F. am Treppenturm im Schloßhof von Meerholz, 1555–64 (Inv. Reg.bez. Cassel 1 Taf. 256). Vorbildern französ. Renss.architektur folgen die F. am von dem Tessiner Franziskus Parr 1558–65 err. Schloß Güstrow, Meckl. [117, Abb. 105–107]. Orientierung an niederländ. Architektur zeigen die F. des Hauses Reichsstraße 32 in Braunschweig, um 1589 [64, Taf. 64 a und c], eine Mischung aus gotisierenden und Renss.formen die F. am Haus Kohlmarkt 1 ebendort, um 1600 (ebd. Abb. 82 und Taf. 50 c).

Gelegentlich sind die F. senkrecht unterteilt.

Einen Mittelpfosten haben die F. am Pfarrhaus in Markgröningen, 1544 (Inv. Württ., Neckarkrs. Abb. S. 367), und an der Kanzlei in Überlingen, 1599–1600 (Inv. Baden 1 Fig. 162); drei Steinpfosten teilen ein 1514 dat. F. am Haus Insel 4 in Freiburg i. Br. (P. P. Albert und M. Wingenroth a.a.O. [Sp. 1350] Abb. 73 und 76). In Köln scheint es Segmentbogen-F. auch mit Steinkreuzteilung gegeben zu haben (vgl. [136] Abb. 114). Zu Segmentbogen-F. mit Maßwerk s. Sp. 1380 und 1434.

Wie bei allen bogig schließenden F.formen gibt es auch beim Segmentbogen-F. die Addition von F.lichten zu Zwillings-F. (Haus Kohlmarkt 1 in Braunschweig, s. oben) und zu Reihen-F. (oberstes und unterstes Geschoß des 1599 dat. Erkers an Schloß Varenholz, von Joh. Bierbaum: [97] Abb. 142f.). Ein F.paar mit hüftigem Segmentbogen, spiegelbildlich angeordnet, gibt es am Rathaus in Nürnberg, Umbau von Hans Beheim d. Ä., 1514–15 (M. Mende a.a.O. [Sp. 1314] Abb. 39f.).

Beim Sakralbau kam im 17. Jh. mit der Übernahme der ital. Bautypen und der Erbauung von an ihnen orientierten Kirchen durch italienische oder in Italien geschulte Architekten das Segmentbogen-F. allmählich in Übung (im Profanbau verschwand es um diese Zeit weitgehend) und war von der zweiten Jh.hälfte an häufig.

Frühe Beisp. sind die Obergaden-F. der Jesuitenkirche in Aschaffenburg, 1619 beg. (Abb. 75), der Jesuiten-(Universitäts-)Kirche Mariä Himmelfahrt in Wien, 1627–31 [67, Abb. 55]; des weiteren die Benediktinerkirche Neu-St. Johann, Kt. St. Gallen, 1641–44 von dem Graubündner Alb. Barbieri [141, Abb. S. 201]; Stadtpfarrkirche Judenburg, Stm., nach 1656 von Dom. Sciascia (Kapellen- und Emporen-F.; ebd. Abb. S. 205); Theatinerkirche in München, 1663 von Agostino Barelli beg., weitergeführt von E. Zuccalli, um 1692 voll. (Obergaden- und Tambour-F.; [105] Abb. 124–132); Kapellen-F. der Jesuitenkirche Luzern, 1666–73 (Abb. 83); Kreuzherrnkirche in Prag, 1679–88 von dem in Rom geschulten Franzosen Jean-Bapt. Mathey (Fassaden- und Tambour-F.; [61] Taf.abb. 51); Elisabethkapelle am Breslauer Dom, 1680–86 von Giac. Scianci (Abb. 8)); St. Lorenz in Deutsch-Gabel, Böhmen, 1699 beg., von J. L. von Hildebrandt (Kuppeltambour; [70] Abb. 19f., 22). An der Stiftskirche St. Florian, O.Ö., 1686–vor 1708 von Carlo Ant. Carlone, ist die Befensterung mit Segmentbogen-F. in den Seitenschiff kapellen und an der Fassade weitergeführt in den Mittelachsen-F. der Fassade und des Querhauses (um 1690) mit durch senkrechten Pfosten geteilten F. [96, Abb. 19f. und 22]. – Durch einen Pfosten mit gotisierendem Profil geteilt sind die Segmentbogen-F. der Exedren des Salzburger Doms (Abb. 78); gotisierende Zwillings- und Drillings-F. hat St. Johannis in Bensheim, Niedersachsen, 1674–76 (Hans Reuther, Niederdt. Beitr. z. Kg. 14, 1975, 144).

In der böhmischen Architektur um und nach 1700 und bei den von ihr beeinflußten Bauten sind Segmentbogen-F. häufig (Beisp. der Fuldaer Dom, 1705–12 von Joh. Dientzenhofer, mit Segmentbogen-F. am Obergaden und durch gesteigerte Größe davon unterschieden an den Querhausflanken: Ernst Kramer, Fulda, Mchn. und Bln. 31972, Abb. 11).

Deutsche Architekten haben die F.form oft übernommen: J. M. Fischer bei den Stiftskirchen Osterhofen, 1726–40, und Diessen, 1732–39, und bei St. Michael in München-Berg am Laim, 1738–51 [103, Taf. 54, 66, 74 und 82f.]; Balthasar Neumann verwendete sie an der Schloßkirche St. Peter in Bruchsal, 1738–40, und an der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, 1743–1772 [63, Abb. S. 53, Abb. 58, 66–70].

Außerhalb dieser Regionen sind Segmentbogen-F. selten.

Dies gilt z. B. für den Kreis der Vorarlberger Baumeister: Michael Kuen verwendete es bei Maria Bildstein, 1662–76 [104, Taf. 9], der Urner Liebhaberarchitekt und Pfarrer Joh. Jak. Scolar bei der Benediktinerinnenkirche Seedorf, 1695–96 (Kapellen-, Emporen- und Tambour-F.; ebd. Taf. 85; Zs. f. Schweiz. Arch. und Kg. 36, 1979, 223–235, bes. Abb. 12), Peter Thumb bei St. Peter im Schwarzwald, 1724–37, und an der Wallfahrtskirche Birnau, 1745 bis 1750, in der unteren F.zone, nicht aber als Hauptbefensterung (Hans-Martin Gubler, P. Th. [= Bodensee-Bibl., Bd. 16], Sigmaringen 1972, Abb. 16 und 19f.). Auch G. Bähr hat an der Frauenkirche Dresden, 1726–28, Segmentbogen-F. nur in der Sockelzone verwendet [105 a, Abb. 176]. In Niedersachsen gibt es Segmentbogen-F. an der Gymnasialkirche in Meppen, 1743–46 nach Plan des Jesuitenpriors Carl Immendorf (Niederdt. Beitr. zur Kg. 14, 1975, 132f. Abb. 4f.); in Hildesheim haben es die Fassaden von Hl. Kreuz, 1712, und der Kapuzinerkirche, 1766–72 (Inv. Prov. Hannover II, 4 Fig. 129 und 217).

Gotisierende Segmentbogen-F. mit Mittelpfosten und gekehlter Laibung hat die ev. Kirche in Neidlingen, 1745–46 (Inv. Württ., Donaukrs. 2, Oberamt Kirchheim Abb. 147 und 149); durch Pfosten dreigeteilt waren die Segmentbogen-F. der kath. Pfarrkirche St. Nikolaus in Bad Kreuznach (wohl von der Erneuerung um 1603: Inv. Rheinprov. 18,1 S. 74, Abb. 39).

Italienische Architekten im späteren 18. Jh. hielten eher an den traditionellen Plazierungen von Segmentbogen-F. fest: Aless. Galli da Bibiena bei der Jesuitenkirche Mannheim, 1733–1760 (Obergaden, Qhs. und Tambour; Hans Huth und Karl Münch, Ehem. Jesuitenkirche M. [= Schnell, K.führer 1084], Mchn. und Zürich 1977), Gaetano Matteo Pisoni bei der St. Ursenkirche in Solothurn, 1763 beg. (Hans-Rud. Heyer, G. M. P. [= Basler Stud. z. Kg., N. F. Bd. 8], Bern 1967, Abb. 47–54 und 63–78).

Im dt. Profanbau des 18. Jh. fand das moderne französische Segmentbogen-F. mit seiner flachen Rahmung rasch Aufnahme und Verbreitung (wozu die Traktate von Jean Manette oder Jacques-Franç. Blondel nicht wenig beitrugen; Orn.Kat. Bln. Nr. 2497–2499, 2505 und 2510). Segmentbogen-Stürze für die Haupt-F. oder für die F. aller Geschosse sind diesem Einfluß zu verdanken, keinem Nachwirken älterer deutscher Beispiele. Anders ist es bei Verwendung der Segmentbogenform im Untergeschoß von Schloßbauten und Palais, worin heimische Tradition fortgeführt wurde, während Vorbildlichkeit französischer Architektur lediglich im Detail wirksam ist.

Segmentbogen-F. im Sockeigeschoß oder (rustizierten) Erdgeschoß: Stadtschloß in Bonn, 1697–1703 von E. Zuccalli beg., ab 1715 nach Entw. von Rob. de Cotte weitergebaut (Abb. 95; Fried Mühlberg, Bonn, Bln. und Mchn. o. J., Abb. 32 und 34f.); ebendort Schloß Poppelsdorf, 1715–23, ebenso nach Entw. des R. de Cotte (ebd. Abb. 39); Hofbibl. in Wien, 1723–35 nach Entw. von J. B. Fischer von Erlach [93, Taf. 80]; Schloß Brühl, 1725 Baubeginn (F. Mühlberg a.a.O. Abb. 46; [108] Abb. 87f.); Residenz Würzburg (Taf. VI,6 und 10; Sp. 666 Abb. 82); Schloß Clemenswerth bei Sörgel 1. W., 1736–50 von J. C. Schlaun (Eberh. Hempel, Baroque Art and Archit. in Central Europe [= The Pelican Hist. of Art, Z 22], Harmondsworth usw. 1965, Taf. 137 A); Neues Schloß in Stuttgart, 1746–49 von Leop. Reni, 1752–56 von Phil. de la Guêpière (Abb. 105); Altes Akademiegebäude in Wien, 1753 beg. von Jean Nicolas Jadot, Baron de Ville-Issey (Hans Tietze, Wien, Wien u. Lpz. 1931, Abb. 20).

Bei der Befensterung von Hauptgeschossen bedeutet das Segmentbogen-F. vielfach eine Steigerung gegenüber dem Rechteck-F., kann jedoch durch das Rundbogen-F. seinerseits „rangmäßig“ übertroffen werden. Solche steigernde Differenzierung der Fassaden mittels F.formen kann in die Geschoßfolge einbezogen sein oder aber nach Achsen oder Bauteilen geschehen.

So ist am Schloß zu Pommersfelden der Treppenhauspavillon, 1711 nach Entw. des J. L. von Hildebrandt, gegenüber den älteren, von Joh. Dientzenhofer err. Flügeln durch Segmentbogen-F. betont [108, Abb. 29f.]. Am westl. Klostertrakt von St. Blasien blieben Segmentbogen-F. allein den Haupt-F. des Mittelpavillons vorbehalten (1728 beg., von Joh. Mich. Beer von Bleichten; [104] Abb. 25); Franç. Cuvilliés d. Ä. setzte den flachen Mittelrisalit am Pal. Neuhauss (Preysing) in München, um 1740, durch Segmentbogen-F. in beiden Geschossen vom Bau mit seinen Rechteck-F. ab [98, Abb. 30; vgl. auch Abb. 29].

Joh. Jos. Couven betonte häufiger Hauptachsen durch Rundbogen-F., gab den anderen Achsen Segmentbogen-F. (Jos. Buchkremer, Die Architekten J. J. und Jakob C., Aachen 1896, Abb. 69, 71f., 75) und kennzeichnete ein Mezzanin mittels Rechteck-F. als untergeordnetes Geschoß (ebd. Abb. 77). Joh. Seiz hat am Kurfürstl. Schloß in Trier 1756–62 den Mittelrisalit des Südflügels durch Konkav-Konvex-Bogenstürze aus dem sonst mit Segmentbogen-F. ausgestatteten Bau hervorgehoben (Hans Eichler, Trier, Mchn. und Bln. 1952, Abb. 80), Nic. de Pigage am Lustschloß in Düsseldorf-Benrath, 1755–73, den Kuppelsaal durch Rundbogen-F. vom segmentbogig befensterten Baukörper abgesetzt ([84h] Abb. 83; vgl. RDK III 829f. Abb. 2). Am Pal. der Prinzessin Amalia, ehem. in Berlin, 1767 von Joh. Boumann, haben die Zwischenabschnitte und das Mezzaningeschoß Segmentbogen-F. (H. Reuther, Barock in Bln., Bln. 1969, S. 92 Abb. 50).

Das Obergeschoß durch Segmentbogen-F. betonten z. B. F. Cuvilliés am Schloß Falkenlust bei Brühl, 1729–40 (Ausst.Kat. „Kurf. Clemens August“, Brühl 1961, Abb. 98f.), Albr. Stürler am Rathaus des Äußeren Standes in Bern, 1728–30 (Inv. Schweiz 40, Bern 2 Abb. 5f.), Franz Jos. Roth am Rathaus in Ellingen, 1745–48 [108, Abb. 32]. Am Erbdrostenhof in Münster i. W., 1753–57 von J. C. Schlaun, ist das Hauptgeschoß durch Segmentbogen-F. ausgezeichnet, der Mittelrisalit hat Rundbogen-F. (Sp. 669f. Abb. 84); so auch das Rathaus in Zofingen, 1792–1795 von Nik. Emanuel Ringier [118, Abb. 174].

Bei Dachgauben sind Segmentbogen-F. häufig (beliebiges Beisp. der Landsitz „Sandgrube“ in Basel-Riehen, um 1750, Entw. von Joh. Daniel Fechter [118] Abb. 180), dagegen nur ausnahmsweise als Giebel-F. verwendet worden (etwa beim Umbau der Königschen Häuser in Kempten 1741, wo man der Raumhöhe wegen die rechteckigen Haupt-F. beibehielt und die Segmentbogen-F. in die neu aufgesetzten Giebel verwies: Inv. Bayern, Kurzinv. 5, S. 52; Alfr. Schädler, Allgäu, Mchn. und Bln. 1959, Abb. 105, vor Erneuerung der Fassadenmalerei).

Die Segmentbogenform des Sturzes für alle Normal-F. ist insbesondere in den stärker französisch orientierten Gebieten westlich des Rheins verbreitet und dort – wie auch sonst – häufig Kennzeichen der französischen Nationalität, Abstammung oder Schulung des Architekten.

Viele Beisp. gibt es in Aachen (vgl. J. Buchkremer a.a.O. [Sp. 1382] Taf. II, Abb. 17, 52, 78–80; Inv. Rheinprov. 10,3 Fig. 72 und 101), in Köln [136, Abb. 144–146, 148f., 151, 156], in Trier (H. Eichler a.a.O. [Sp. 1382] Abb. 70, 73, 75), in Basel (H. Eppens a.a.O. [Sp. 1341] passim; Landhaus „Sandgrube“ in Basel-Riehen, s. oben), in Bern (z. B. Inv. Schweiz 40, Bern 2 Abb. 96, 99 122, 277f.), in Bischofszell (Rathaus, 1747–50 von Giov. Caspare Bagnato: ebd. 48, Thurgau 3 Abb. 206).

Annexbauten von Kirchengebäuden: Trakt am Chor der Kollegienkirche in Salzburg (Taf. V m); Ornatkammer am Würzburger Dom, 1749 von B. Neumann [63, Abb. 26].

Im Gegensatz zu Frankreich hielt man im deutschen Sprachgebiet noch lange über die Jh.mitte hinaus an Segmentbogen-F. fest (Rathaus in Zofingen, 1792–95, s. oben).

Im 19. Jh. machte sich die ablehnende Haltung des Klassizismus gegenüber dem Segmentbogen-F. als „barocker“ F.form noch lange geltend (beispielsweise Ablehnung eines Kirchenentwurfs des Bauinspektors Nixdorf 1811 mit u. a. Segmentbogen-F.; Schinkel, „in Hinsicht auf das würdige und anständige in den Formen“ tätig [Gutachten 1812], akzeptierte die F.form erst spät: [72] S. 159 und Abb. 103).

In manchen Gebieten – etwa in der Innerschweiz – teilte man die Auffassung nicht; vgl. etwa Gersau Kt. Schwyz, Pfarrkirche 1808–12 von Br. Jakob Natter; Willisau Kt. Luzern, Pfarrkirche von Jos. Purtschert, 1809 [104, Taf. 37 und 133 sowie 103].

Die Wiederaufnahme der F.form erfolgte zögernd, zunächst bei Restaurierungen (Entw. Schinkels zur Wiederherstellung von Burg Stolzenfels, 1823/1824: [52] Abb. 88), in den 1830er Jahren zusammen mit romanisierenden oder gotisierenden Bauformen (die Segmentbogen-F. samt pseudoma. Dekor im Entw. des Peter Jos. Leydel, 1837, für die Bonner Universitätssternwarte, bei Schinkels Überarbeitung eliminiert: ebd. Abb. 52 gegen Abb. 55). Erst mit Schinkels Bauakademie in Berlin, 1832–35, war die F.form wieder legitimiert (Erdgeschoß; [116] Abb. 40f., 47f., 55); zeitgleich verwendete sie F. v. Gärtner in München am Blindeninstitut an der Ludwigstraße, 1833–35 (2. Obergeschoß; [77] Abb. 72 und 75), und als Zwillings-F. in Segmentbogenblenden beim Bau des Salinengebäudes in Bad Reichenhall, nach 1834 (ebd. Abb. 134f.). Ein Beisp. in Bremen von 1848: [130] Taf. 90 a. Die Rechteck-F. im Plan Schinkels für die ev. Kirche Kelzenberg wurden 1834–37 in Backstein ausgeführt, „was die leicht gebogenen F.stürze bedingte“ [52, S. 258 und Abb. 205].

d. Varianten des Segmentbogen-F.

Manchmal ist das F. sehr breit: Lünetten-F. der Capp. Gaddi an S. M. Novella in Florenz, von Giov. Ant. Dosio, 1575–1577 [129, Bd. 2 Abb. S. 54]; vgl. auch Flaminio Ponzio, Capp. Paolina an S. M. Magg. in Rom, 1605–11, und S. Giuseppe in Mailand, 1607–30 von F. M. Ricchini erbaut [139, Taf. 2 und 39 A].

Michelangelo verwendete beim F. der Sforzakap. an S. M. Magg. in Rom eine gespreizte Laibung (Ausführung 1564 durch Giac. della Porta: [80] Abb. 263); vgl. auch die Obergaden-F. von Ss. Ambrogio e Carlo al Corso in Rom, 1612–um 1642 (P. Portoghesi, Roma barocca, Rom und Bari 1973, Bd. 1 Abb. 234).

Im 18. Jh. bildete man Segmentbogen-F. auch mit eingezogenem Bogen aus: Kollegienkirche in Salzburg, von J. B. Fischer von Erlach ab 1699 erb. (Taf. V k); Saalbau von St. Florian, O.Ö., 1718/19 und 1722–24 (Abb. 97); Mezzaningeschoß-F. zwischen Unter- und Hauptgeschoß der Würzburger Residenz, 1726 im Bau, und Hauptgeschoß-F. des Gartenflügels, um 1737 im Bau (Taf. VI, 1–4; [63] Abb. 6f.); Gasthaus Zum Ochsen in Zofingen, E. 18. Jh. (Inv. Schweiz 21, Aargau 1 Abb. 301).

Die Sohlbank kann durch kurvierte Abschnitte bereichert sein:

Entw. B. Neumanns für Kloster Langheim, 1742 (Abb. 104 und [119] Taf. 45), und die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, Planung von 1744 ([63] Taf. 66 und Abb. S. 53; [108] Abb. 121). Geschweifte steigende Sohlbänke haben die Schildbogen-F. der Klosterkirche Diessen, 1732 bis 1739 von Joh. Mich. Fischer, dazu eingezogene Laibungen [103, Abb. 14 und Taf. 74].

Seltener ist die spiegelbildliche Wiederholung des vollen Segmentbogens der Sohlbank, meist im Profanbau: B. Neumann, Kaisersaal der Würzburger Residenz, 1744 fertig, Ober-F. (Taf. VI, 7; [63] Abb. 3, 5, 14, 16); Mittelbau des Dikasterialgebäudes in Koblenz-Ehrenbreitstein, 1738–48, Ausführung von J. Seiz (ebd. Abb. 76); Gartenpavillon im Hof von Nuellens Hotel in Aachen, von J. J. Couven (Inv. Rheinprov. 10,3 Fig. 70; vgl. auch J. Buchkremer a.a.O. [Sp. 1382] Abb. 18: Entw. einer Fassade, F. im zweiten Obergeschoß des Mittelrisalits). Als Beisp. aus dem Sakralbau sei La Madonna del Ponte Chiuso in Roveredo genannt, 1656 erbaut (Inv. Schweiz 14, Graubünden 6, S. 175f. Abb. 195f.).

5. Korbbogen-F.

Bei Korbbogen-F., d. h. F., deren Öffnung entweder mit einem Korbbogen oder einem elliptischen Bogen schließt (s. Bogen, RDK II 980 und 981f., Abb. 15 und 16), kann dieser Bogen sehr flach („platter Bogen“) oder aber die Bogenmitte scheitrecht gemauert sein („Henkelbogen“). Zu Vorteilen der Bogenform s. [5] Bd. I, 1 S. 101.

Im 16. Jh. ist das Korbbogen-F. selten verwendet und gehört zu den gotisierenden F.formen.

Beisp. im französischen Schloßbau bieten Blois, 1498–1503 und ab 1515 (Frédéric Lesueur, Le château de B., Paris 1970, S. 73f. und 115; [76] 1. Teil Taf. II) und Azay-le-Rideau, 1518–27 [44, Taf. 6], auch der Justizpalast in Rouen, beg. 1508 (Untergeschoß: J. Bialostocki a.a.O. [Sp. 1318] Taf. 395).

In der deutschen Architektur kommen Korbbogen-F. sowohl im Profanbau wie im Sakralbau vor: bes. markante Beispiele sind das Gewandhaus in Braunschweig, 1590–91 von dem oberrheinischen Baumeister Balth. Kircher nach Entw. von Hans Lampe (Mittelachse; [117] Abb. 64), und die Vorhalle von St. Peter in Görlitz, Erneuerungen von Wendel Roskopf d. J., 1553 (Ernst Heinz Lemper, Die Peterskirche zu G. [= Das chr. Dkm., H. 19] Lpz. 1954, Abb. S. 9; Die Parler und der Schöne Stil 1350–1420, Köln 1978, Bd. 2 Abb. S. 555). In Köln ist „für die F. der seit A. des 16. Jh. ... heimische korbbogenartige, fast scheitrechte Sturz bezeichnend“, auch bei F. mit Steinkreuz, deren Teillichten im Korbbogen schließen ([136] S. 374f.; Beisp.: Altermarkt-Fassade des Rathauses, 1549–51: ebd. Abb. 114; weiter Abb. 113, 117, 119 u. ö.).

Im 17. Jh. hat man – analog zu anderen bogig schließenden F. – die Sohlbank spiegelbildlich zum Sturz korbbogig kurviert.

Aus dem Profanbau sei das Augsburger Zeughaus genannt, nach Entw. von Jos. Heinz 1603 (hier die F.laibungen nur kurze Abschnitte; Ausst.Kat. „Welt im Umbruch“, Augsburg 1980, Bd. 1 Nr. 258), aus dem Sakralbau die Jesuitenkirche in Burghausen, 1630–31 nach Entw. von Isaac Pader [51, Bd. 2 Taf. 5 c], und noch 1707–11 die von Chr. Dientzenhofer erbaute St. Klarenkirche in Eger [61, Taf.abb. 87].

Gegen 1700 beginnt eine weitere Verbreitung des Korbbogen-F. im Sakralbau; man hat den Eindruck, daß dabei im 1. V. 18. Jh. Böhmen eine wichtige Rolle spielte.

Als Akzent der Fassade besitzt die Karmelitenkirche Maria in der Schnurgasse zu Köln ein großes Korbbogen-F. (Bau 1643 beg., erst 1677–1716 fertiggebaut: Inv. Rheinprov. 7,1 Taf. 24). J. B. Fischer von Erlach hat an der Kollegienkirche in Salzburg, 1696–1707, am kurvierten Mittelabschnitt der Fassade die Korbbogenform gewählt, wohl der einheitlichen Kämpfer- und Bogenscheitelhöhe wegen (Taf. V l), und das Achs-F. des Chores entsprechend dem der Fassade korbbogig ausgebildet [37, Abb. 30]. In Wien hat J. L. von Hildebrandt für die Fassaden-F. der Peterskirche den eingezogenen Korbbogen gewählt [70, Abb. 23]. In Böhmen ist – vielleicht unter dem Eindruck des Salzburger Kirchen-F. – für St. Niklas auf der Kleinseite in Prag sowohl am Lhs., 1703–11, wie an der Fassade, 1709–11, die Korbbogenform der F. gewählt (Bau Chr. Dientzenhofer zugeschr.; [61] Taf.abb. 99 und 192). Weitere Bauten in Böhmen sind z. B. St. Karl Borromäus in Prag-Neustadt, von Paul Ignaz Bayer, 1730 begonnen, von K. I. Dientzenhofer 1740 beendet (ebd. Taf.abb. 148), mit eingezogenem Korbbogen die Kirche in Gutwasser, von K. I. Dientzenhofer, 1732 bis 1736 (ebd. Taf.abb. 277f.). Als böhmische Ausstrahlung kann man die Jesuitenkirche in Liegnitz mit ihrem Korbbogen-F. an der Fassade ansehen (1714–27; ebd. Taf.abb. 220), ebenso die Kreuzherrnkirche in Neisse, 1719–30 von Mich. Klein (ebd. Taf.abb. 224). In Bayern griff Giov. Ant. Viscardi für die oberen F. des Fassadenmittelteils der Dreifaltigkeitskirche in München die Korbbogenform auf (Bau 1711–14; Karl-Ludwig Lippert, G.A.V. [Stud. zur altbayer. Kirchengesch., 1], Mchn. 1969, Abb. 5), Joh. Mich. Fischer gab dem Scheitel-F. des Choranbaus der Klosterkirche Niederaltaich, Bau 1724–26, die Korbbogenform (Inv. Bayern, Ndb. 17 Abb. 178); in Dresden zeigt die Kreuzkirche Korbbogen-F. (Bau von Joh. Gg. Schmid und Chrn. Friedr. Exner, 1764–92; [105 a] Abb. 269).

Auch im Rheinland gibt es die F.form weiterhin: ehem. Klosterkirche Füssenich Krs. Düren, 1711–16 (Inv. Rbeinprov. 9,1 S. 146).

In der franz. „architecture classique“ ist das Korbbogen-F. selten; seine Bogenform zählt unter jene, die „sont reputées imparfaites“ ([15] S. 116 und 134; vgl. auch Franç. Blondel, Cours d'archit., Paris 16982, Teil 4f., passim).

An der Cour Carrée des Pal. du Louvre in Paris hat Louis Le Vau das zweite, über die Verdachung der Flügel hinausragende Obergeschoß des Mittelpavillons am Südflügel mit Bogen-F. versehen, deren mittleres, breiteres der gleichen Kämpfer- und Scheitelhöhe wegen korbbogig schließt (1664 fertig; Hautecoeur I Bd. 2 Abb. 227). Dachgeschoß-F. haben gelegentlich den Korbbogensturz (J. Hardouin Mansart, Hôtel de Lorge in Paris, 1672; Franç. Le Vau und Rob. de la Guépière, ehem. Schloß Bercy bei Paris, um 1676 und 1702–13 [zerst.]; Armand-Claude Mollet, Hôtel d'Évreux in Paris, das heutige Pal de l'Élysée, 1718 [?]: Jean Mariette, L'archit. franç., Paris 1727, Neudr., hrsg. von Louis Hautecoeur, Paris 1929, Bd. 1 Taf. 84f. und 88, 117, 167). J. Hardouin Mansart hat für die F. des Mittelrisalits am Grand Commun in Versailles, 1679/80, den Korbbogensturz gewählt [48, Taf. 79].

Ausnahmsweise hat man im Regence und Rokoko auch Normal-F. als Korbbogen-F. ausgebildet:

So Franç. II Blondel, † 1748, an einem Haus in Charonne im Erdgeschoß und ersten Obergeschoß des Mittelrisalits (J. Mariette a.a.O., ed. Hautecoeur Bd. 1 Taf. 151), A.-C. Mollet als Mittel-F. des hofseitigen Risalits am Hôtel d'Humières in Paris, 1726 (ebd. Bd. 2 Taf. 272), Claude Desgots, † 1732, an einem Landhaus bei Caen (hier im dem Erdgeschoß nachgeordneten, niedrigeren Obergeschoß: ebd. Bd. 3 Taf. 388f.); weitere Beisp. bei Mich. Gallet, Paris domestic archit. of the 18th c., London 1972, Abb. 58, 74, 93.

Mariettes Stichpublikation mag der Anlaß gewesen sein für die Übernahme der F.form im Profanbau der deutschsprachigen Gebiete im 2. Dr. des 18. Jh.

In Bern z. B. gibt es mindestens ein Dutzend Patrizierhäuser und Repräsentationsbauten mit Korbbogen-F. meist im ersten Obergeschoß, alles Bauten aus dem 2. Dr. 18. Jh. und durch einheimische Architekten in französ. Manier err. (Abb. 106; Inv. Schweiz 40, Bern 2 Abb. 31f., 103 und 105, 115, 189, 203, 278 und öfters). In Berlin begegnet man am Ephraimschen Pal. Friedr. Wilh. Dietrichs, 1762–nach 1766, zwei Varianten von Korbbogen-F. (H. Reuther a.a.O. [Sp. 1385] Abb. 53). Aus Schleswig-Holstein seien das Herrenhaus Borstel, 1751, und das Torhaus von Gut Hasselberg, 1763, genannt [84 e, Bild 66 und 130]. Die sehr flachen Korbbogen der Fassaden-F. am Bamberger Rathaus, Umbau 1744–1756 von Joh. Jak. Mich. Küchel, sind eines der wenigen Beispiele in Franken (Joh. Jos. Morper, Das Bamberger Rathaus im Regnitzfluß, Bamberg 1958, Abb. S. 21 und 23). Am Mittelrhein hat der von Joh. Val. Thoman 1747–52 err. Osteiner Hof zu Mainz Korbbogen-F. an Risalit und abgerundeten Ecken (Karl Lohmeyer, Die Baumeister des rhein.-fränk. Barocks, Hdbg. 1931, 2. Teil Abb. 65). Am Koblenzer Tor des Bonner Schlosses ist das mittlere Korbbogen-F. breiter als seine rundbogigen Nachbar-F. (1751–55 von Mich. Leveilly: F. Mühlberg a.a.O. [Sp. 1381] S. 27 und Abb. 35), ebenso am Mittelrisalit des Erbdrostenhofes in Münster i. W. (Sp. 669f. Abb. 84).

Breite Laden-F., für die eine möglichst hoch reichende Laibung erwünscht sein mußte, haben gelegentlich Korbbogenschluß; Mainzer Beispiele bietet [31] Taf. 21f., Abb. 80f. (Umbau 1691; A. und M. 18. Jh.), vgl. auch Taf. 29 a und b.

Im 18. Jh. gibt es auch F. mit eingezogenem Korbbogensturz: Oberes Belvedere in Wien, 1720–21 von J. L. von Hildebrandt, Marmorsaal, Ober-F. mit Sohlbank spiegelbildlich zum Sturz ausgebildet (Abb. 98 b; [70] Abb. 121f. und 130); Pal. Mezzabarba in Pavia, 1728–30 von Giov. Ant. Venerani [93, Taf. 11]. Der Korbbogen kann durch gerade und kurvierte Zwischenabschnitte von der F.laibung abgesetzt sein (Beispiele in Bremen bei [130] passim; ein Beispiel aus Kleve bei R. Klapheck a.a.O. [Sp. 1318] Bd. 1 Abb. 332, ein schlesisches bei Rud. Stein, Das Bürgerhaus in Schlesien [= Das dt. Bürgerhaus, 7], Tübingen 1966, Taf. 34 b).

Im 19. Jh. kommt das Korbbogen-F. kaum noch vor (eines der seltenen Beispiele ist das Haus Gocher Landstr. 140/142 in Kleve: Die Kdm. des Rheinlandes, Krs. Kleve 4, bearb. von Hans Peter Hilger, Ddf. 1967, S. 99 und Abb. 340).

6. Spitzbogen-F.

Spitzbogen-F. nachma. Zeit sind – darin den Maßwerk-F. vergleichbar – als bewußter Rückgriff auf eine F.form der Vergangenheit anzusehen, der künstlerische, aber auch ikonologische Gründe haben kann. Die Verwendung der F.form geht meist zusammen mit der Benutzung weiterer gotischer oder gotisierender Einzelheiten am Gesamtbau, sei er ein Neubau, sei er in Angleichung an vorhandene ma. Bauteile errichtet. Bis zur 2. H. 18. Jh. ist die F.form eine des Kirchenbaus.

Die einfachste und vielleicht gängigste Art, ungeteilte Spitzbogen-F. herzustellen, war das Herausbrechen des Steinwerks aus der Lichte ma. Maßwerk-F. (als beliebiges Beispiel sei das Münster in Konstanz genannt, dessen sämtliche F. 1679 ihr Maß- und Stabwerk verloren: Inv. Südbaden 1 S. 72); der Vorgang ist auch von nachma. Neubauten bekannt (die 1655–56 erbaute Antoniuskap. in Hildesheim hatte spitz- und segmentbogig schließende Maßwerk-F., deren Steinwerk 1718 ausgebrochen wurde: Engelbert Kirschbaum, Dt. Nachgotik, Augsburg 1930, S. 34).

Vom 16. bis in das 18. Jh. sind die Spitzbogen-F., im Gegensatz zu denen der Spätgotik, bei Neubauten oft sehr groß; auf Gewändeprofilierung hat man meist verzichtet, die F.rahmung häufig als Band ausgebildet (Fassade der Franziskanerkirche in Wien, 1603–11: Abb. 70). Die Eisenarmierung für den Fensterverschluß kann in der Zeichnung wie Maßwerk gebildet sein (z. B. Salinenkap. in Traunstein, 1630 von Wolf König: Inv. Obb. 2 Abb. S. 1721).

Zahlreiche Beispiele für Spitzbogen-F. sind bei E. Kirschbaum a.a.O. verzeichnet, aber weder regional noch rangmäßig ist ein Schwerpunkt erkennbar. Doch hatten manche Baumeister eine ausgeprägte Vorliebe für die F.form, z. B. in Sachsen A. 17. Jh. Cyriax Dietz (ebd. S. 21).

Besonders zu nennen ist dafür Giov. Santini Aichel (Sohn eines aus Oberitalien eingewanderten Steinmetz-Bildhauers), der in seinen Bauten souverän barocke und gotische Elemente mischte. Die Spitzbogen-F. seiner Kirchenbauten sind maßwerklos: die ehem. Klosterkirchen Sedletz, 1703–1706/07, Kladrau, 1712–1726, und Seelau, wohl 1712–36, die Wallfahrtskirche auf dem Grünenberg bei Saar, um 1719 bis 1722 (Abb. 93; [61] Abb. 179 und 181, 189f., 193 sowie 200f.; [110] Abb. 55, 56–59 sowie 62f.; [139] Abb. 58–60, 61, 62; Viktor Kotrba, Česká barokní gotika. Dílo Jana Santiniho Aichla, Prag 1976, passim); an der Wallfahrtskirche auf dem Grünenberg erfand der Architekt zudem spitzbogige „Okulen“ [61, Abb. 200 und 202].

In der frühromantischen Architektur der 2. H. des 18. und im frühen 19. Jh. hat man einfache Spitzbogen-F. im Profanbau aus ma. Vorbildern adaptiert, der Stimmungswerte wegen, insbesondere für Parkbauten und Landhäuser. Bei Kirchen hat man die Art, wie man im 18. Jh. F. ausgestaltete, beibehalten (Ev. Kirche in Oeding Krs. Ahaus, Westf., 1824–25: Wolfg. Joachim Neugebauer, Kirchen und Kap. im Reg.bez. Münster aus der 1. H. des 19. Jh., Diss. Dr.ing. Aachen 1969, Abb. 66–70).

Als Beispiel für Parkbauten sei die vor 1778–1785 err. Moschee im Park von Schwetzingen genannt, ein Bau von Nic. de Pigage (Inv. Baden 10,2 Abb. 279–281, 284f., 287, 289). Joh. Gottfr. Grohmann zeigt im „Ideenmagazin“ von 1805 (Orn.kat. Bln. Nr. 3366) eine Eremitage mit Spitzbogen-F. (RDK V 1228 Abb. 14). „Englische Landhäuser“ mit solchen bot M. Wölfer noch 1837 an ([35] Taf. 141, 143f.; vgl. auch den Blockhausentw. Taf. 156).

Kurz vor 1850 gab es in der historistischen Architektur im Kirchen- wie im Profanbau Spitzbogen-F. nach ma. Vorlagen.

Einfache und Zwillings-F. nach Art des Übergangstils des 13. Jh. zeichnete Gärtner seinem Entw. zur Gruftkapelle in Scheyern ein, 1840 [77, Abb. 161]. Mehrere Beisp. von Profanbauten um und nach 1850 bei Gerh. Hojer, München – Maximilianstraße und Maximilianstil, in: Die dt. Stadt im 19. Jh. (= Stud. zur K. des 19. Jh., 24), Mchn. 1974, S. 33–65.

Biforien mit spitzbogigen Öffnungen, wie sie in der ital. Architektur der Frührenss. vorkommen (J. Baum a.a.O. [Sp. 1367] Abb. S. 106 und 208; [135] Teil 2 Fig. 208f. und 319), scheint man im dt. Sprachgebiet nicht verwendet zu haben.

7. F. mit Vorhangbogen

F. mit Vorhangbogen („Gardinenbogen“) sind eine aus dem 15. Jh. tradierte, im Profanbau bis ins frühe 17. Jh. vorkommende F.form, deren Details meist gotisierend ausgebildet sind: Kehlungen, Stabwerk, oft hohe Sockel. Der Bogen ist zusammengesetzt aus zwei, drei oder – seltener – vier Segmenten gleicher oder unterschiedlicher Größe.

Vorhangbogen-F. gibt es sowohl im Steinbau wie im Holzbau: Rathaus in Wittenberg, 1523–35 unter der Oberleitung von Konrad Krebs [117, Taf. 49f.]; Braunschweiger Häuser [64, Abb. 20, 59f., 66f., 77, Taf. 24, 29 a, 60, 63, 64 b, 84 b]; Fachwerkhäuser in Goslar (z. B. „Brusttuch“, um 1521/ 1526, und Haus Bäckerstr. 2, 1606: [69] Taf. 16 und 12 b).

Die äußeren Bogenabschnitte durch gemalte Zwickel bereichert hatte das Haus Reichsstr. 1 in Braunschweig, um 1520 [64, Abb. 211].

Manchmal ist die F.lichte durch Pfosten unterteilt:

Untere F.zone der Wolfgangskirche in Schneeberg, 1515–40 (Rud. Zießler, Die W. zu Sch. [= Das chr. Dkm., H. 81], Bln. 1971, Abb. S. 30); Schloß in Rimpar, Ufr., um 1610/16 [117, Taf. 116]; zwei senkrechte Pfosten und steinerne Querteilung in unterschiedlicher Höhe teilen die F. vom Tanzsaal des Freiburger Kaufhauses, 1525–32 von Lienhard Müller erb.; in den Erker-F. sitzen Steinkreuze (Kurt Bauch, Fr. 1. B., Mchn. und Bln. 1953, Abb. 42f.).

Zwillings-F. sind sehr häufig: Konrad Krebs, Schloß Hartenfels in Torgau, Bauphase 1533–1536, einschließlich Kapelle, und Erker von 1544 [117, Taf. 82, 84, 86]; Breitungen a. d. Werra, Schloß Herrenbreitungen, 1554–65 (Inv. Reg.bez. Cassel 5 Taf. 43 und 45f.); Schloß Varenholz, 1591–1600 [97, Abb. 140].

Bei Bogen-F. der Barockzeit gibt es vereinzelt im Bereich des F.verschlusses eine Folge kleiner Segmentbögen: Klosterkirche Raigern, 1722 beg., von G. Santini Aichel [61, Taf.abb. 223].

Erst seit etwa der M. 19. Jh. wurden Vorhangbogen-F. wieder aufgegriffen als eines der typischen Motive von Neugotik und Neurenss. (vgl. Carl Alex. von Heideloff, Die Ornamentik des MA, Nürnberg 1838–1852, Taf. 69 b); auffallend früh hat Joh. Claudius Lassaulx die F.form verwendet in seinem Entw. zur Wiederherstellung von Burg Stolzenfels, 1823 [52, Abb. 87].

8. F. mit Kragsteinsturz

F. mit Kragsteinsturz kommen (wie im MA, s. Sp. 1319f.) in der Neuzeit nur sporadisch vor, vorwiegend im 16. und im 19. Jh.

Im 16. Jh. ist die Ausbildung im einzelnen gotisierend: Erker-F. am Rathaus in Königshofen, 1573–1575 (Inv. Bayern, Ufr. 13 Fig. 87). Am Großen Lusthaus in Stuttgart, 1583–93 von Gg. Behr, saßen im Giebel paarweise F. mit Kragsteinsturz [59, Abb. 31].

Im 19. Jh. gehört die F.form meist zu den historistischen: Rathausentw. von Carl August Peter Menzel, um 1830 [47, Abb. 533]. Bei M. Wölfer hat unter den „F. aus der älteren u. neueren Architectur“ eines einen Kragsteinsturz [37, Bl. 26].

Unter Schinkels Entwurfszeichnungen für das Architektonische Lehrbuch („Technische Konzeption“, gegen 1830) ist eine, deren Rechteck-F. eine Dreiteilung aus Formstücken aufweist, die als Kragsteine den F.sturz tragen [113, Abb. 196 links, dazu S. 131]; eine um 1835 entstandene, zugehörige Zeichnung einer Palastfassade zeigt durch Konsolsteine verengte F. (ebd. S. 123 und Abb. 160).

In der Architektur des 18. Jh. hat man manchmal bei Rechteck-F. unter dem F.sturz Konsolen eingefügt, was die Form eines Kragsteinbogens ergibt: Pal. Gallas in Prag, 1713 beg., von J. B. Fischer von Erlach (die als Voluten ausgebildeten Konsolen tragen den Balkon des Geschosses darüber: [37] Abb. 84; die Form wohl übernommen vom 1568 entw. Mittel-F. Giac. della Portas des Konservatorenpal. in Rom, wo die Konsolen das Gebälk abfangen und die F.öffnung stichbogig in das Tympanon des Ädikulagiebels reicht: P. Portoghesi und Bruno Zevi [Hrsg.], Michelangiolo architetto, Turin 1964, Abb. 463 und 504).

Joh. Chr. Knöffel hat bei der Loge der Kapelle von Schloß Hubertusburg in Wermsdorf die Henkelbogen der F.stürze abgewandelt, indem er den scheitrechten Mittelabschnitt höher gesetzt hat, was die Wirkung von Kragsteinen ergibt (Bau 1743–1751; Werner Hentschel und Walter May, J. Ch. K. [= Abhn. der sächs. Akad. der Wiss. zu Lpz., philol.-hist. Kl. Bd. 64 H. 1], Bln. 1973, Abb. 64, 66 und 105).

9. F. mit Konkav-Konvex-Bogen

F. mit Konkav-Konvex-Bogen (fälschlich und verkürzend auch nur als „Konvexbogen“ bezeichnet) haben einen Sturz, an dessen segmentbogigen Mittelabschnitt je ein gegenläufiger seitlicher Abschnitt angefügt ist. Der Übergang zwischen den Bogenstücken ist meist als Knick ausgebildet, kann aber auch fließend sein. Die geknickte Form ist meist steiler angelegt und wohl die ältere; G. Guarini hat sie für die F. im Kuppeltambour seiner 1660 in Messina err. Kirche der Padri Somaschi verwendet (1908 zerst.; [122] Abb. S. 109).

Ein frühes deutsches Beispiel für die Anwendung der Bogenform bei F. ist die Bürgersaalkirche in München, 1709–10 von G. A. Viscardi (Obergeschoß-F.; K.-L. Lippert a.a.O. [Sp. 1389] Abb. 24f.; nach ebd. S. 103 und 118 ist die dem Architekten sonst fremde Form von dem Maler Andr. Wolff angeregt). Joh. Gg. Ettenhofer übernahm die F.form für Fassade und Langhauskapellen der Klosterkirche Fürstenfeldbruck, Rohbau 1728 voll. (Abb. 96). Im Entw. für Andechs, 1751, hat Joh. Bapt. Zimmermann die F.form wiedergegeben [83, Taf. 49]. – Am Dom zu Brixen, 1745 nach Entw. von Jos. Delai beg., ist der mittlere, flache Segmentbogen sehr kurz [57, Abb. 170], in der von Rud. Schraffl erbauten Pfarrkirche von Toblach in Südtirol, 1765–68, sind die unteren Ecken der F. durch Viertelkreisscheiben ersetzt (ebd. Abb. 174). – Bei den Dach-F. der Clemenskirche in Münster i. W., 1745–53 von J. C. Schlaun, dominiert durch seine Breite der mittlere Bogenteil die seitlichen Abschnitte [40, Bildteil Abb. 53.18f.].

Zu den geschweiften F. mit Konkav-Konvex-Bogensturz s. Sp. 1424f.; ebendort auch zu den in der Regel durch Zwischenabschnitte bereicherten F. mit flachem Konkav-Konvexbogensturz.

10. F. mit geschweiftem Bogen

Im 18. Jh. bereicherte man den Sturz von F. mit eingezogenem Bogen durch Einfügen von kurvierten Abschnitten (geschweifter Bogen). Dies konnte auf den Sturz beschränkt bleiben oder aber durch geschweifte Abschnitte unterhalb des Kämpfers auf den oberen Teil der Laibung ausgedehnt werden. Oft ist die Sohlbank parallel oder spiegelbildlich zum geschweiften Bogen geführt oder die Bogenform variiert. Griff die Schweifung weiter auf die F.laibung über, konnte der Umriß der F.lichte vollends aufgelöst sein (zu geschweiften F. s. Sp. 1423ff.).

Schweifung allein im F.sturz ist ziemlich weit verbreitet.

Unter den böhmischen Beisp. sei die Klosterkirche in Ossegg genannt, 1716 von Ottavio Broggio [61, Taf.abb. 157], unter den österreichischen die Fassade der Klosterkirche Zwettl, 1722 von Matth. Steinl und Jos. Munggenast (ebd. Taf.abb. 310), in Bayern St. Johann Nepomuk in München, 1733–46 von den Brüdern Asam [103, Taf. 62], in Oberschwaben die Wallfahrtskirche Maria Steinbach Krs. Memmingen, 1746–53 [82, Abb. 117], und die 1772–78 von Joh. Gg. Specht erbaute Klosterkirche Ulm-Wiblingen [103, Taf. 173f.], in Tirol die Kirche von Strassen, 1763 von Thomas Mair [65, Taf. 60], in Südtirol die Stiftskirche Muri-Gries in Bozen, 1769–71 von Gius. Sartori [120, Bd. 2 Abb. 57], in Franken B. Neumanns Fassade von Langheim, Entw. 1742 (Mittel-F. des Obergeschosses, Abb. 104), im Saarland die Ludwigskirche in Saarbrücken, 1761–75 von Friedr. Joach. Stengel (Abb. 108), und die ehem. Franziskanerkirche Blieskastel, 1776–78 von Peter Reheis (?) erb. [84 g, Abb. 39].

F., deren Schweifung über den Bogen hinaus auf den oberen Teil der Laibung ausgeweitet ist, gibt es im 2. und 3. Dr. 18. Jh. vor allem in Oberschwaben.

Besonders bevorzugt haben sie Dom. Zimmermann (Wallfahrtskirche Steinhausen, 1728–33, Frauenkirche Günzburg, 1736–41, Wieskirche, 1746–54: [83] Abb. 16, 30, 44, 56f.) sowie Hans Adam und Jos. Dossenberger (Taf. VII; [95 a] passim). Möglicherweise hatte J. M. Fischer für St. Michael in München-Berg am Laim F. mit ausgreifend geschweiftem Bogen geplant (vgl. den Kupferstich von 1735: Felicitas Hagen-Dempf, Der Zentralbaugedanke bei I. M. F., Mchn. 1954, Taf. nach S. 16).

11. andere Bogenformen des F.sturzes

a. Gotisierende F. des 16. Jh. zeigen gelegentlich auch den Eselsrückenbogen als nachlebende ma. Form. Es gibt ihn z. B. in Breslau am Haus „Zu den sieben Kurfürsten“, 1513 (R. Stein a.a.O. [Sp. 1392] Taf. 149 b), in Goslar an einem Fachwerkhaus, um 1530 [69, Taf. 26b]. In der W-Schweiz wurden kielbogige F.abschlüsse noch lange über das 16. Jh. hinaus verwendet (dazu Hub. Aepli, Der westschweiz. Profanbau der Renss. 1550–1680 [= Freiburger Gesch.bll., 49], Freiburg, Schweiz 1960, S. 75 u. ö. mit Beisp. noch von 1704 und 1769).

E. 18. Jh. griff man den Eselsrückenbogen für F. als dekorative, später als historistische Bogenform für F. wieder auf: Gotisches Haus in Wörlitz, Fassade der Kanalseite, 1773–74 von Georg Christoph Hesekiel (Inv. Land Anhalt 2,2 S. 116, Taf. 75 unten).

b. Kleeblattbogen-F. kommen vereinzelt vor: als nachlebende spätgotische F.form mit Spitzbogen (wie am Erker von Burg Odenhausen bei Berkum Krs. Bonn, 1560: Theod. Wildemann, Rhein. Wasserburgen, Neuß o. J. [1954], Abb. S. 93), in Renss.formen gelegentlich in der ital. Architektur des 15. Jh. (z. B. Banco Mediceo, um 1460/70 nach Zchgn. des Ant. Filarete: [80] Fig. 34).

Im 18. Jh. wurde, teilweise vielleicht von hochma. Formen angeregt, diese Bogenform für F. nicht gerade selten und auch von Landbaumeistern gebraucht.

So verwendete sie G. Santini Aichel, der auch sonst ma. F.formen gebrauchte, an den Erdgeschoß-F. des Klosterhofs Königsaal, 1716 [61, Taf.abb. 209]. – An der 1710 beg. Klosterkirche Kiritein und der 1718 erbauten dortigen Annakapelle vergrößerte er den mittleren Bogen gegenüber den seitlichen Halbbögen oder gab ihm einen anderen Umriß (ebd. Abb. 89, Taf.abb. 216f. und 219); vgl. auch die F. der von Jakob Augustoni erb. Annakirche in Pilsen, beg. 1715 (ebd. Taf.abb. 175 und 178). Der Kleeblattbogen auf gestelzten Kragsteinen des axialen Balkon-F. von Schloß Plschkowitz, um 1720 von O. Broggio (?), verleiht dem F. orientalisierende Wirkung (ebd. Taf.abb. 161). Bei den Tambour-F. der im 2. Jz. 18. Jh. erbauten Kirche Maria de Victoria auf dem Weissen Berg bei Prag sind die Kleeblattbogen eingezogen (Abb. 92).

An der oberösterr. Wallfahrtskirche Stadl Paura, 1714–24, wählte J. M. Prunner für die F. in den Portalachsen die Kleeblattform mit korbbogigem Mittelstück [71, Abb. 18]. Beispiele in Bayern sind im Krs. Straubing-Bogen die Kirche in Pürgl, gegen 1712, und die Pfarrkirche Mitterfels, 1733 (Inv. Bayern, Ndb. 20 S. 328, Abb. 203 und 205 sowie S. 203, Abb. 123). Dom. Zimmermann setzte beim Dominikanerinnenkloster Maria Mödingen Krs. Dillingen, 1720–29, den Kleeblattbogen durch einen geschweiften Einschub stärker von der F.laibung ab (ebd. Schwaben 7 Abb. 711–713; [83] Abb. 6). In der Schweiz zeigt an der Pfarrkirche Horgen, 1780– 1781, das Oberlicht über dem Portal Kleeblattbogenform (Inv. Schweiz 11, Zürich 2 S. 269 Abb. 245).

c. Schlüsselloch-F. kommen durch das Verschneiden eines Rundbogen- oder Rechteck-F. mit einem Kreis-F. zustande. Je nachdem, wo dessen Mittelpunkt zu liegen kommt, entstehen F. mit Reststücken des Rundbogens (Beisp. die von Joh. Wolfg. Diller 1773–74 erb. Pfarrkirche Oberviechtach: Inv. Bayern, Opf. 7 Abb. 30) oder Hufeisenbogen-F. (F. der Synagoge und des Rabbinerhauses in Ingenheim, 1828–34 von Aug. Voit [?]: ebd. Pfalz 4 Abb. 175–177).

d. Einem Fächerbogen ähnelt der Abschluß des mittleren Fassaden-F. an der Johanneskap. in Landsberg a. L., 1750–52 von D. Zimmermann: eine Folge aneinandergereihter C-Spangen [83, Abb. 37].

e. Manchmal ersetzen gerade Teilstücke den Bogen. Diese anscheinend für Böhmen charakteristische F.form zeigen das Fassaden-F. der Prager Josephskirche, 1682–92 [61, Taf.abb. 53], und die F. der 1700–13 von Chr. Dientzenhofer erbauten Schloßkirche in Smirschitz (ebd. Taf.abb. 104).

Der polygonale F.abschluß an der ev. Kirche in Groß Saul, Schlesien, einem Fachwerkbau von 1615 (?), kam durch die Stützhölzer in den oberen F.ecken zustande [73, Abb. 46 oben].

12. Kreis-F.

Das Kreis-F. ist ein typisches Ober-F. Vor allem hat man es als Schildmauer-F. verwendet. Weitere häufigere Anbringungsorte sind die Tambours von Kuppeln und die Stirnwände von Kirchengebäuden (hier ist der F.durchmesser oft sehr groß; Abb. 70; vgl. Sp. 583f. Abb. 25 a–b, Sp. 586 Abb. 25 d; s. auch *'Fensterrose) sowie Lukarnen [39, Abb. 40f. und 43] und Giebelfelder (auf Dachböden von Kirchen: Sp. 587 Abb. 26, Sp. 590 Abb. 28, Sp. 621 Abb. 52 a und b; bei Profangebäuden: Nik. Fried. von Thourets Entw. für ein Kunstsammlungsgebäude in Stuttgart, 1836, Treppenhausbelichtung: [58] Taf. 102). Als einzeln verwendetes Haupt-F. ist das Kreis-F. im Profanbau ausgemacht selten (z. B. Moschee im Schloßpark Hohenheim, um 1780 von Reinh. Ferd. Fischer entw.: Sp. 451f. Abb. 10; vgl. auch RDK VI 855f. Abb. 5: Kreis-F. zusammen mit Spitzbogen-F., 1798). Mit anderen F.formen hat man es in der Obermauer von Sälen und in Saal- und Hallenkirchen kombiniert. Die Größe hängt oft von der Fläche des zu durchfensternden Wandfeldes ab, nicht von der Anbringungshöhe; beim Ober-F. im Profanbau richtet sich der Durchmesser vielfach nach der lichten Breite der Haupt-F. (vor allem zur Zeit der Herrschaft der französischen Architektur im 18. Jh.; vgl. RDK I 1211f. Abb. 5: Entw. für den Dresdner Zwinger).

Gelegentlich gibt es Form-Varianten: an der ehem. Prämonstratenserkirche Schäftlarn, Obb., 1733–40, 1751–60 von Joh. Bapt. Gunetzrhainer fertig gebaut, sind die Kreis-F. durch eine Sohlbank geradlinig angeschnitten [103, Abb. 38]. Infolge Kurvierung der Fassade hat das Kreis-F. im Giebel von St. Johann Nepomuk in München, 1733–46 von den Brüdern Asam, eine verzogene Laibung (ebd. Abb. 11 a, Taf. 62).

In der Regel ist das Kreis-F. glatt in die Mauer eingeschnitten oder durch ein Profil (Band) kreisförmig eingefaßt (Abb. 70; manchmal mit Kartuschen oder anderen Hinzufügungen); gelegentlich haben aus Gründen der Fassadenkomposition auch Rund-F. eine Verdachung erhalten („Goldener Saal“ in Dillingen, s. u.).

Im Florenz des Quattrocento hat Brunelleschi das Kreis-F. vielfach verwendet: großformig am Kuppeltambour des Domes, 1421 voll. (eines je Wandfeld), klein und am Äußeren in dichter Folge am Tambour der Alten Sakristei von S. Lorenzo, 1420–29, an der Pazzikap. bei S. Croce, 1443 beg., an der Vierungskuppel von S. Spirito, 1444–um 1487 (alles Schirmkuppeln mit Rippen und Schildmauern), in den Schildbogenmauern der Seitenschiffe und -kapellen von S. Lorenzo, 1419/20 beg., Weiterbau 1442–60, an der Lhs.Stirnwand von S. Spirito, als Ober-F. am Pal. Parte Guelfa, 2. V. 15. Jh. [109, Abb. 15f. und 21f., 44 und 50, 37, 41 und 43, 30, 31–33, 28, 53]. Auch bei oberital. Bauten sind Kreis-F. häufig: an – von Leon Batt. Alberti 1472 beg. – S. Andrea in Mantua sind die Schildbogenmauern der Apsis so durchfenstert (ebd. Abb. 85); weitere Beispiele sind etwa Bramantes Dom in Pavia, 1488 beg., und S. M. delle Grazie in Mailand, 1492–98 (Otto H. Förster, B., Wien und Mchn. 1956, Abb. 41f. und 44–46), oder S. Giustina in Padua, 1532–1607 erb. (Giulio Bresciani, in: Gius. Fiocco [Vorw.], S. G. in P., Castelfranco Veneto 1970, S. 123–165). In der Lombardei sind Kreis-F. weit verbreitet; vgl. C. Baroni a.a.O. (Sp. 1374) passim.

Befensterung in der Architektur nödlich der Alpen:

als Tambour-F. an der nach Entw. von 1517 des Florentiners Bartolomeo Berecci 1529–33 erb. Sigismundkap. am Krakauer Dom [91, Fig. 36, Taf. 393] und an der von Giacomo Scianci erbauten Elisabethkapelle am Breslauer Dom, 1680–86 (Abb. 85), Nebenkuppeln der Michaelskirche in Olmütz, 1676–1703 [61, Abb. 43], Schloßkapelle in Frain an der Thaya, gegen 1700 (Abb. 97; [37] Abb. 6), Entw. Franz Ignaz Neumanns um 1785 für St. Elisabeth in Nürnberg (K. Lohmeyer a.a.O. [Sp. 1391] Abb. 143); bei Profanbauten: Rotunde von Schloß Neuhaus in Böhmen, 1592–1597 (Abb. 68); Schloß Benrath, 1755–65 (RDK III 829f. Abb. 2); Fürstengruft in Weimar, Planung um 1823 von Clemens Wenzeslaus Coudray [124, Abb. 3]; in Schildbogenmauern des Obergadens: Stirnwand der Fuggerkap. an St. Anna in Augsburg, um 1509–1518 [117, Abb. 143], Wallfahrtskirche Ilgen ehem. Krs. Schongau, 1676 (Inv. Bayern, Obb. Taf.bd. 1 Taf. 77), Stiftskirche Mattighofen, O.Ö., 1774–79 [:o2, Abb. 49 und 51]; Emporen-F. der Hofkirche Neuburg a.d.D., 1607–18 von Giulio Valentini (Vältlin; Inv. Bayern, Schwaben 5 S. 82ff., Abb. 24–26); Abseiten der Abteikirche Rohr, 1717–22, von Egid Quirin Asam entw. [103, Abb. 7]; als Ober-F. in Sälen: Schloß Heiligenberg, 1575–76 von Jörg Schwartzenberger [95, Abb. 284], Saal der Großen Marianischen Kongregation im Gebäude der Jesuitenuniv. Dillingen, „Goldener Saal“, 1688–89 err. (Inv. Bayern, Schwaben 6 Abb. 267, 276–279, 284–286); Befensterung von Mezzaningeschossen: Ottoneum in Kassel, 1604–1605 von Wilh. Vernukken als Theater err. [84 f, Abb. 200], Projekt für das Residenzschloß Darmstadt, Gartenfassade 1715 von Louis Remy Delafosse (Inv. Land Hessen, Stadt Darmstadt Textbd. S. 222, Abb.bd. Abb. 384); 3. Obergeschoß des Zuchthauses in Würzburg, von Peter Speeth 1812 beg. (Sp. 678 Abb. 88); in der Stirnwand von Kirchen: Franziskanerkirche Wien, 1603–1611 (Abb. 70); Kirche der Visitation in Freiburg, 1653–58 von Joh. Franz Reyff [118, Abb. 35], St. Ignatius in der Neustadt Prag, von Carlo Lurago 1665 beg., Fassade 1671 voll. [61, Abb. 32], s. auch RDK II 426 Abb. 27; als Apsis-F.: ehem. Augustinerkirche Lauingen, Umbau von 1716, nach Brand 1790 erneuert (Inv. Bayern, Schwaben 6 S. 537 und Abb. 512), oft farbig verglast wegen des in farbigem Licht erscheinen sollenden Auszugs des Hochaltarretabels: ehem. Prämonstratenserkirche Osterhofen, 1726–40 von Joh. Mich. Fischer [103, Taf. 47 und 55]; in Gruppen-F. bei Saal-, Wandpfeiler- und Hallenkirchen: ehem. Dominikanerkirche in Augsburg, 1513 bis 1515 (RDK II 413 Abb. 15), Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Weilheim, 1624–31 (Abb. 80), Stiftskirche Pfäfers, 1688–93 von Joh. Gg. Kuen [39, Abb. 272]; in Kombination mit gruppierten Rechteck-F.: Lusthaus in Stuttgart, 1583–93 von G. Behr [59, Abb. 29–32].

Als Zwillings-F. sind Kreis-F. selten verwendet worden. Am 1737 beg. Südtrakt des Klosters Obermarchtal haben die Brüder Schneider sie dem Saalbau als Ober-F. eingefügt, über Zwillings-F. mit Kleeblattbogensturz und getrennt durch Baluster (Inv. Württ., Donaukrs., Oberamt Ehingen Abb. S. 153f.).

13. Oval-F.

Oval-F. (Ochsenauge, oeil-de-boeuf) werden in Architekturbeschreibungen die F. genannt, deren länglich-runde Lichte durch einen gestreckt-länglichen Umriß bestimmt ist, also neben den echten Oval-F. (deren Umriß aus vier Kreisbogen mit verschiedenem Halbmesser gebildet ist) auch F. mit elliptischer F.lichte und F. mit ohne Absetzen eingeschobenen parallelen Abschnitten der Laibung oder aber des Sturzes und der Sohlbank. Das größere Maß der F.lichte kann senkrecht stehen oder waagrecht liegen.

Im Gegensatz zur Benennung des Oval-F. in deutschen Architekturtraktaten als „oeil-de-boeuf“ ist in den französischen damit ein rundes oder ovales Dach-F. gemeint ([15] Taf. S. 133; vgl. auch Teil 2 S. 710; gelegentlich auch in dt. Traktaten: [27] S. 3).

Nicht als Oval-F. bezeichnet werden können F. mit rechteckiger Lichte, bei denen die gegenüberliegenden Seiten durch konkave Abschnitte bereichert sind oder die abgerundete Ecken haben. Auch bogig schließende F., deren Sohlbank spiegelbildlich zum oberen Abschluß geführt ist, sind keine Oval-F. (zu diesen F.formen s. Sp. 1410, 1354 und 1368ff.).

Serlio [30] charakterisierte im Abschnitt Dach-F. franz. Art die F.form als „non e altro che opera bastarda, ma gratiosa“ (7. Buch S. 80f.), ähnlich wie Federico Zuccaro die Ovalform ganz allgemein 1606 im Zusammenhang mit der Marienkirche Mondovi/ Piemont („come granosissima tra le altre [sc. forme]“: Nino Carbonieri, Ascanio Vitozzi, Rom 1966, S. 100).

Als Stellen des Anbringens von Oval-F. hat man z. T. dieselben gewählt wie für die Kreis-F., im Sakralbau bevorzugt Obergadenwände und Kuppeltambours; in Untergeschossen sind sie – mit Ausnahme von Bauten Vorarlberger Baumeister – weniger häufig verwendet worden.

Im Profanbau sind es oft Ober-F. von Sälen und F. von Mezzaningeschossen. Allgemein ist die Verwendung von Oval-F. als Lukarnen und über Portalen.

In der Portalzone können Oval-F. nicht nur über dem Eingang (dazu [30] 4. Buch S. 153, 165 und 176, 5. Buch S. 206, 6. und 7. Buch passim), sondern auch paarweise neben ihm sitzen (Beisp.: Haus in Steyr, 2. V. 18. Jh.: Friedr. Ohmann, Archit. und Kgwb. der Barockzeit ..., Wien 1910–1912, Taf. 89).

Oval-F. kommen seit etwa M. 16. Jh. in nennenswerter Zahl vor (liegende F. an der Fassade des Hauses Philippine-Welserstr. 24 in Augsburg, als Ober-F. im Saal des zweiten Obergeschosses, 1544–46: Rob. Pfand, Das Bürgerhaus in A. [= Das dt. Bürgerhaus, 24], Tübingen 1976, Falttaf. 3, Zustand vor der Restaurierung der Architekturmalerei 1979/80; an der Fassade der 1555/56–1572 err., 1944 zerst. Herzogspitalkirche Heinr. Schöttle in München: Sp. 587 Abb. 26) und reichen über den ganzen vom RDK behandelten Zeitraum hinweg. Möglicherweise ist zunächst oberitalienische, insbesondere venezianische Architektur der Auslöser. Zahlreiche Muster bot Serlio.

In Venedig haben seit Jacopo Sansovinos Pal. Corner, 1533–nach 1556, zahlreiche Paläste im Fries eine Befensterung mit Oval-F. (Elena Bassi, Pal. di. V., Venedig 1976, S. 88, Fig. 75, 77, 82 und 84; vgl. ebd. Fig. 128 und 133, den Aless. Vittoria zugeschr. Pal. Baldi, 1582–um 1590, oder den Pal. Marcello, von Baldass. Longhena, 1630–1635: Gius. Cristinelli, B. L., Padua 1972, Abb. S. 25); als öffentlicher Bau sei die Bibl. Marciana, 1537–38, genannt [135 a, Teil 3 Fig. 97, 99, 108], als kirchliches Bauwerk Sansovinos Kirche des Spitals der unheilbar Kranken, 1565 beg. (Deborah Howard, J. S., New Haven und London 1975, Abb. 69). Als Giebel-F. kommen Oval-F.-Paare an Palladios Villa Rotonda vor, 1566–67, Ausbau bis E. 16. Jh. [115, Abb. 218–221 und 535], als Fassaden-F. an Palladios S. Lucia in Venedig, 1564/65–1617 (zerst.; ebd. Abb. 496; E. Bassi a.a.O. Abb. 516).

In der Architektur nördlich der Alpen verwendeten besonders die Jesuiten bei ihren Kirchenbauten Oval-F., und oft sind sie klein: äußere Achsen des Erdgeschosses an der Fassade von St. Michael in München (Sp. 590 Abb. 28); Dillingen, 1610–17 von Joh. Alberthal (im Fries: Inv. Bayern, Schwaben 6 S. 190, Abb. 87 und 96); Eichstätt, 1617–20 (als Ober-F. an der Fassade; ebd. Mfr. 1 Abb. 242 und 246); Landshut, 1631–41 (Kapellen-F.; ebd. Ndb. 16 Abb. 152); Leoben, Stm., 1660–65 von P. F. Carlone (Sp. 598 Abb. 35); Luzern, 1666–73 (Emporenzone; Abb. 83; Inv. Schweiz 30, Luzern 2 Abb. 245, 249); Coesfeld, 1673–92 (Obergaden-F. mit maßwerkähnlichem Schlingenmuster; Abb. 84; [51] Bd. 1 Taf. 7d–e und 8a); noch im 18. Jh.: Ellwangen, 1724–26 (Schildmauer-F., Lhs.-F. unter der Galerie und an der Fassade: ebd. Taf. 12 a und b).

Im frühen 17. Jh. bestehen ganze F.zeilen aus Ovalen; als Beispiele im Profanbau seien Elias Holls Augsburger Rathaus, 1615–20 (Goldener Saal: Abb. 73; [54] Abb.bd. 3 Abb. 367), und das „Hacklhaus“ in Leoben, Stm., Hauptplatz 9, um 1680, genannt (im Fries: [106] Bd. 2 Abb. 42; Dehio-Hdb. 4Stm. S. 171), im Kirchenbau S. Solaris Salzburger Dom, 1614–28 (Obergaden; Abb. 78), und die Stiftskirche Polling, nach 1621 (Emporen-F.; Abb. 79). Besonders auffällig sind die sehr schlanken stehenden Oval-F., als Haupt-F. an St. Karl Borromäus in Volders, Tirol, 1620–54, von Ippolito Guarinioni verwendet (Sp. 365 Abb. 39).

Nach M. 17. Jh. ist eine erneute Verbreitung der F.form zu konstatieren, vor allem im Kirchenbau, häufiger in den Rissen als in den gebauten Werken.

Z. B. hat in seiner frühbarocken Architektur Konstantin Pader zonenweise Oval-F. verwendet: Wallfahrtskirche Maria Birnbaum, 1661–86, Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Deggendorf, 1655–57, Klosterkirche Niederschönenfeld, 1659–62 [126, S. 31f., Abb. 1–33, 65f. und 69–74]. – Bei der Verwendung an Fassaden hat man den Eindruck, als sei das liegende Oval-F. so etwas wie eine Kontrastform zum stehenden Rechteck-F. (Stiftskirche St. Lorenz in Kempten, 1652 von Mich. Beer und Giov. Serro entw.: [39] Abb. 136, Planaufnahme der Fassade von 1810; St. Kajetan in Salzburg, 1685–1700 von Joh. Kaspar Zuccalli: Sp. 607f. Abb. 42). – Vorarlberger Baumeister verwendeten das stehende Oval-F. in Untergeschossen wiederholt und noch weit bis ins 18. Jh. hinein, meist Rundbogen-F. untergeordnet: Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg bei Ellwangen, 1672–92 von Mich. Thumb und Br. Heinr. Mayer [39, Abb. 87 und 137f.]; Klosterkirche Obermarchtal, 1686–92 von M. Thumb [103, Taf. 1]; Entw. für die Klosterkirche Einsiedeln, 1717–19 von Br. Kaspar Moosbrugger und zum Umbau 1746 [39, Abb. 182, 185, 187f.]; Klosterkirche St. Gallen, 1720er Jahre oder um 1730 (Sp. 621f. Abb. 52 a und b; [39] Abb. 214). Oval-F. als Emporen-F.: Abb. 83.

Ihrer „modernen Note“ ebenso wie der Lichtfülle wegen benutzte man Oval-F. gern bei Umbauten ma. Kirchen.

Beisp.: ev. Kirche in Giengen a. d. Brenz, 1650–1655 (Obergaden- und Emporen-F. als liegende Ovale mit profilierter Einfassung – Hohlkehle und Stab –, innen in flacher Stichbogennische: Inv. Württ., Jagstkreis 2 Abb. 126 und 3. Taf.bd.); Lhs. von St. Peter in München, 1653–54 (Norb. Knopp, Die Frauenkirche in München und St. Peter [= Große Bauten Europas, 3], Stg. 1970, Abb. S. 20: Emporen- und Obergaden-F.); Domchor in Passau, 1668–83 durch Carlo Lurago barockisiert, mit stehenden Oval-F. als Dominante in der Gewölbezone (Inv. Bayern, Ndb. 4, Taf. If., Abb. 18–20). Die Klosterkirche Reichenau-Mittelzell erhielt 1688 Oval-F. in Langhausobergaden und Seitenschiffen (1966/67 wieder beseitigt; A. Knoepfli, Kg. des Bodenseeraumes Bd. 1, Konstanz usw. 1961, Abb. 145f.), die Stiftskirche Beromünster 1691–93 liegende Oval-F. in den Seitenschiffen (Inv. Schweiz 35, Luzern 4 S. 28, Abb. 12 und 50).

E. 17. Jh. machte sich der steigende Einfluß römischer Barockarchitektur geltend; in der Auseinandersetzung mit ihr sind für die einheimischen Baumeister – auch wenn sie in Rom waren – Dom. de Rossis Stichpublikationen römischer moderner Bauten (ab 1702 ersch.) von Wichtigkeit, mehr noch vielleicht aber die Umsetzung römischer Architektur durch Guarino Guarini mit seiner Bevorzugung ovaler F.formen. Das ganz gelegentliche Vorkommen von Oval-F. in der franz. „architecture classique“ unter ital. Einfluß spielte für Deutschland keine Rolle.

Zu Oval-F. in Rom: Fassade von S. Prisca, 1600, Carlo Lombardi zugeschr. [135 a, Teil 2 Fig. 865]; Entw. Pietro da Cortonas zu Ss. Luca e Martino, um 1623/24 (K. Noehles a.a.O. [Sp. 1373] Abb. 61; ebd. Abb. 59 und 62 Kopien), und zur Chiesa Nuova (Archit. barocca a Roma, Rom 1972, P. d. C. Fig. 3 und 17), Seiten-F. der Apsiskalotte und Oberzone des Kuppeltatnbours von Ss. Ambrogio e Carlo al Corso, 1665–69 (G. Drago und Luigi Salerno, Ss. A. e C. al C. ... [= Le chiese di Roma ill., 96], Rom 1967, Fig. 9 und 17); Franc. Borrominis 1650 abgeschl. Umbau von S. Giov. in Laterano, Seitenschiffwände, hinter den Grabmälern (heute meist zugesetzt, mit gemalter „Verglasung“), mehrmals am Collegio di Propaganda Fide (Bibliothek, nach 1646, Dreikönigskap., 1666), als Keller-F. am Konvent von 5. Carlo alle Quattro Fontane, ab 1634 ([114] Abb. 160, 169 und 231f. sowie 210; vgl. Daria de Bernardi Ferrero, L'opera di F. B. nelle incisioni e nella critica barocca, Turin 1967, Fig. 30f. und 34, 42 und 51 sowie 7, Taf. 98f., 233, 245, 247, 262, 264 und 273); Fassade von S. Croce in Gerusalemme, von Dom. Gregorini und Pietro Passalacqua, 1743 (Bruhns, Rom, Bd. 2 Abb. 443).

Zu Guarini, dessen Werke in Stichwiedergabe in Turin 1737 erschienen (Anhang der „Archit. civ.“, [22]), vgl. im Sakralbau die Tambour-Befensterung von S. M. in Aracoeli zu Vicenza, 1675–80 (Boll. del Centro internaz. di studi di archit. A. Palladio 4, 1962, Abb. 50), im Profanbau den Pal. Carignano in Turin, 1679–85 [41, Taf. 38]. Unter Guarinis Einfluß hat z. B. Carlo Borella das Oval-F. an Tambour und Obergaden des 1688–1703 err. Santuario della Madonna di Monte Berico verwendet (Boll. ... Palladio a.a.O. Abb. 88).

Im Sakralbau Österreichs, Böhmens und Mährens hat das römisch-hochbarocke Oval-F. rasch Verbreitung gefunden; nach 1700 kommt die von nahezu allen Architekten verwendete F.form überall vor.

J. B. Fischer von Erlach gebrauchte es an der Attikazone von Fassade und Chor der Kollegienkirche in Salzburg, 1696–1707 (von den drei F. an der Fassade die untere Hälfte der seitlichen zugesetzt (Taf. Ve; Sp. 610 Abb. 44; [37] Abb. 28 und 30), der Johannesspitalkirche ebendort, 1699–1704 (Schildmauer der Wölbzone), der Karlskirche in Wien, 1716–29 (Kuppeln; ebd. Abb. 34f., 91–94, 96; vgl. auch Taf. V b). J. L. von Hildebrandt verwendete es an St. Laurenz in Deutsch-Gabel, 1699–1711 (Apsis), an St. Peter in Wien, 1702–08 (Kuppelraum, Attikazone), an der 1716 beg. Piaristenkirche Maria Treu ebendort und an der Priesterseminarkirche Linz, 1717–25 [70, Abb. 24, 21, 26f., 29 und 97f.], Joh. Mich. Prunner für die Dreifaltigkeitskirche in Stadl Paura, 1714–24 [71, Taf. 16, 19 und 22]. Jos. Munggenast wählte für die Stiftskirche Altenburg, N.Ö., 1730–33, sowohl die liegende wie die stehende Form (Hans Sedlmayr, Österr. Barockarchit. 1690–1740, Wien 1930, Abb. 89). In Tirol gebrauchte es Joh. Jak. Herkomer an St. Jakob in Innsbruck, 1717–22 ([56] Abb. vor S. 81 und 97; vgl. auch Abb. vor S. 49: St. Moritz in Augsburg, Umbau 1714–17). – In Böhmen benutzten es ital. Architekten ebenso wie einheimische: Spitalkirche Kukus, 1707–17 von Giov. Alliprandi [139, Abb. 102]; Kirchenbauten von Chr. Dientzenhofer (etwa Prag-Breunau, Klosterkirche St. Margaret, 1709–15: [110] Abb. 48f.; vgl. auch Heinr. Gerh. Franz, Die Kirchenbauten des Ch. D., Brünn, Mchn. und Wien 1942, Taf. 31–36, 42 sowie 43 und 45: Klarissenkirche Eger, 1708–12), von Kilian Ignaz Dientzenhofer (Sp. 623 Abb. 53; [111] passim).

Außerhalb der habsburgischen Territorien: in Bayern Bauten der Brüder Asam (Klosterkirche Weltenburg, 1716–18, Kuppeltambour: Sp. 618 Abb. 49), in Oberschwaben Joh. Gg. Fischer (Stiftskirche Wolfegg, 1733–36: Heinz Jürgen Sauermost, Der Allgäuer Barockbaumeister J. G. F., Augsburg 1969, Abb. 28f.), in Franken B. Neumann (Kuppelbefensterung der Propsteikirche Holzkirchen, 1728–30, und der Abteikirche Münsterschwarzach, 1727–43: [119] Taf.abb. 21 und 23; vgl. ebd. Taf.abb. 66: Frz. Ignaz Neumanns 1755 dat. Entw. zur Kuppel in Neresheim); im Saarland F. J. Stengel (Abb. 108); in Sachsen Gaetano Chiaveri (Hofkirche Dresden, 1738–40: Sp. 625 Abb. 54; E. Hempel, G. Ch., Dresden 1955, Abb. 19 und 21f.); in Westfalen J. C. Schlaun (Clemenskirche in Münster, 1745–54: [40] Bildteil Abb. 53.10 und 53.18f.; vgl. auch Abb. 30.2,4,6–8: St. Agatha in Eys, Südlimburg, Niederlande, 1732 bis 1734); in Norddeutschland z. B. die Katharinenkirche Hamburg, Bauphase 1732–36 (Inv. Hamburg 3, Fig. 17, Taf. 127), mehrere Beispiele in Schleswig-Holstein (Abb. 851; Alfr. Burgheim, Der Kirchenbau des 18. Jh. im Nordelbischen, Hbg. 1915, Abb. 28, 33, 89 und 91).

Im Profanbau sind stehende wie liegende Oval-F. besonders für Säle und Vestibüle von Schloß- und Palastbauten verwendet worden. Als durchgängige Mezzaninbefensterung sind Oval-F. wohl unter dem Einfluß franz. Architektur eher selten.

Besonders charakteristisch für Saalbefensterung sind Bauten von J. B. Fischer von Erlach (Schloß Frain/Mähren, um 1688–1695, Gartenpalais Althan in Wien, um 1692, Wiener Hofbibliothek, Pläne 1722: [37] Abb. 4 und 6, 64, 104), von J. L. von Hildebrandt (Gartenpal. Schwarzenberg in Wien, Rohbau um 1704: [70] Abb. 17f.; Schloß Halbthurn, N.Ö., voll. 1711: Sp. 389f. Abb. 48; Schloß Mirabell in Salzburg, Umbau 1722–27: [70] Abb. 159 und 162), ferner Joh. Dientzenhofers Marmorsaal in Pommersfelden, 1713–15 (H. Kreisel, Das Schloß zu P., Mchn. 1953, Abb. 2 und 25), und Jakob Prandtauers Marmorsaal im Stift St. Florian (hier gemalte Blind-F. von 1723–24: Abb. 97), Giov. Franc. Marchinis 1732 beg. Schloß in Bruchsal (Sp. 399 Abb. 53) und das Chinesische Teehaus im Park von Potsdam-Sanssouci, 1754–57 von Joh. Gottfr. Büring (Willy Kurth, S., Bln. 1962, Abb. 36, Taf.

Ein Mezzanin mit Oval-F. sah J. L. von Hildebrandt für das Gartenpal. Schwarzenberg in Wien 1699 vor [70, Abb. 10], ein solches besitzen Bauten Jean Laurent Legeays und Karl von Gontards in Potsdam (Neues Palais, 1763–69, und dessen beide Communs, 1766–69, W. Kurth a.a.O. Taf. 36–43 und 50f.). Gelegentlich wechseln im Mezzaningeschoß Oval-F. mit F. anderen Umrisses: am Schloß in Münster i. W., 1767–84 von J. C. Schlaun, zeigt der Mittelrisalit an Hof- und Gartenseite in den äußeren Achsen Oval-F., in der schmalen Achse der Flanken ganz schlanke F. desselben Umrisses (Abb. 109; [40] Bildteil S. 363f. Nr. 92.43f., S. 379 Nr. 92.64).

Im ausgehenden 18. Jh. kam man sowohl im Profan- wie im Kirchenbau von der Verwendung ovaler F. ab; sie verfielen dem Geschmacks-Verdikt (vgl. [31] S. 109; 1863 klagt ein Kirchenführer: „O weh, ... der alten Altöttingerkapelle ward viel weiß gemacht, in durchbrochener Arbeit, wo selbst das oeil de boeuf von Versailles nicht fehlen durfte“: Ant. Mayer, Die Münchner Frauenkirchen ..., Mchn. 1863 S. 4).

Als späte Beisp. zu nennen sind Kirchen von Carl Gotthard Langhans in Schlesien (Groß-Wartenberg und Waldenburg, beide 1785 beg.: [73] Abb. 118 und 120; vgl. auch Abb. 125 b, die 1790 von dem Baudirektor Ilgner entw. Kirche in Rybnik) oder die Marienkirche in Neuruppin, 1801–04 von Berson [84 d, Taf. 150], und – gar erst 1825–26 entstanden – der Neubau der Kirche in Stammbach, Ofr. (Inv. Bayern, Kurzinv. 13, Abb. S. 41f.).

14. liegendes, beidseits gerundetes F.

Als liegendes, beidseits gerundetes F. wird im folgenden ein liegendes F. mit waagrechter Sohlbank und waagrechtem Sturz bezeichnet, dessen Laibungen im Mittelstück konkav gerundet sind. Beispiele für die F.form sind in Deutschland seit dem frühen 17. Jh. nachzuweisen. In dieser Zeit sind Höhe und Breite des F. annähernd gleich, die ausgestellten Abschnitte kurz.

Beispiel im Profanbau sind die Ober-F. im Erdgeschoß des Kaiserhofs der Münchner Residenz, 1613 bis 1618 (Wittelsbach und Bayern, Mchn. und Zürich 1980, Bd. 2,1 Taf. 38), im Sakralbau F. der Salinenkapelle in Traunstein, 1630 von W. König (Inv. Bayern, Obb. 2 Abb. S. 1721).

Vom späten 17. Jh. an ist die F.lichte meist wesentlich breiter als hoch. Verwendet wurde die F.form bei Ober-F. über Portalen (ehem. Lustschloß Zickzack, urspr. Orangerie, in Bergzabern, 4. V. 17. Jh.: Inv. Bayern, Pfalz 4 Abb. 70; Treppenhauspavillon des Oberen Belvedere in Wien, 1720–21: Abb. 98 a), als Befensterung von Halbgeschossen, selten als Obergaden-F. von Kirchen. Im 19. Jh. kommt die F.form nicht mehr vor.

Mezzaningeschosse: Nideröstsches Palais in Schwyz, E. 17. Jh., A. 18. Jh. umgestaltet: Inv. Schweiz 2, Schwyz 2 Abb. 421); Hildesheim, Loge Kesslerstr. 57, 1730 (Inv. Reg.bez. Hannover 11,4 Fig. 355 und Taf. 45).

Im Untergeschoß: Rathaus Schwäbisch Hall, 1732 von Eberhard Friedr. Heimb beg. (Inv. Württ., 3. Taf.bd. Taf. <36>).

Im Kellergeschoß: Resid. Würzbg. (Taf. VI, 1, 3, 5).

Obergaden-F.: ev. Kirche in Casaccia, 1742 (Inv. Schweiz 14, Graubünden 5 Abb. 446f.).

Im 18. Jh. wandelte man die F.form vor allem an Kirchen durch Ausrunden des Sturzes und der Sohlbank vierpaßartig ab; die Bogenabschnitte können unterschiedliche Form haben.

Beisp. sind die Attika-F. der nach Entw. von Maximilian von Welsch durch B. Neumann 1722 beg. Schönbornkap. am Würzburger Dom [119, Abb. 19f.]; Entw. B. Neumanns für den Trierer Dom (über den Portalen; K. Lohmeyer a.a.O. [Sp. 1391] Teil 2 Abb. 81, mit falscher Beschriftung); Fassaden-F. der von B. Neumann 1738–40 err. Peterskirche in Bruchsal (Inv. Baden 9,1 Taf. 3); F. über dem Portal der Pfarrkirche Großschwenkheim Krs. Kissingen, 1767 (Inv. Bayern, Ufr. 10 Abb. 80).

15. Paß-F.

Paß-F., meist als Drei- oder Vierpaß, sind in der Regel Neben-F., verwendet als Ober-F. oder an Untergeschossen von Kirchen, kaum einmal als Einzel-F., etwa akzentsetzend an Kirchenfassaden.

Im 16. und 17. Jh. wurden Paß-F. – ohnehin wesentlich seltener als im MA – kaum gebraucht; vielleicht durch Paß-F. Guarinis ausgelöst, hat man sie im späten 17. und im 18. Jh. etwas häufiger benutzt und manchmal kartuschenähnlich umgeformt.

Am bis 1597 erbauten Schloß Weikersheim sind die Nasen der vierpaßförmigen Ober-F. des Saals rechtwinklig ausgeschnitten (Abb. 67), auch beim Portal-F. der Antoniuskirche in Pantendorf, Tirol, 1693 [65, Abb. 1]. Im Untergeschoß kommen Vierpaß-F. an der Wallfahrtskirche Vilgertshofen vor, 1686–92 von Joh. Schmuzer [55, Textabb. 6, Abb. 13]. An der Stiftskirche St. Florian, O.Ö., 1686 beg., hat C. A. Carlone den Vierpaß-F. im Obergaden breitgedrückte Form gegeben [96, Abb. 18f.]. Gotisierend zugespitzte Dreipässe verwendete G. Santini Aichel an der Fassade der Klosterkirchen in Kladrau, 1712–1723 (V. Kotrba a.a.O. [Sp. 1393] Abb. 25 und 27), und Seelau, wohl 1712–36 (Abb. 93).

Zu Bauten Guarinis vgl. [112] S. 95f. und 105 (Dreipaß-Varianten), 135, 149, 152–158 und [41] Taf. 23 (Vierpaß-Varianten).

Hochgezogene, ovalnahe Vierpässe zeigen die Nebenlaternen der Salzburger Kollegien-Kirche (Taf. V d). Ein langgezogener stehender Vierpaß ist das Ober-F. über dem Portal der Kreuzherrnkirche in Neiße, 1719 von Mich. Klein beg. (Zs. d. Dt. Ver. f. Kw. 28, 1974, 76 Abb. 24). F. J. Stengels Ludwigskirche in Saarbrücken, 1762–75, hat als Ober-F. in den Nebenachsen stehende Vierpässe (Abb. 108). Die Dreipaß-F. in der Wölbezone des Chors der Martinskirche in Biberach, Barockisierung 1746–48, zeigen den nach oben gerichteten Paß größer gebildet als die beiden anderen (Inv. Württ., Donaukrs. 1, Oberamt Biberach Taf. 2, Abb. S. 47). Durch Zwischenabschnitte stärker verformt ist der obere Paß des Vierpaß-F. an der Fassade der Pfarrkirche Innsbruck-Wilten, 1751–56 von Franz de Paula Penz [65, Abb. 42]. Regelmäßige Vierpässe hat J. Dossenberger bei Gruppen-F. als Ober-F. eingesetzt, F. in Form hängender Dreipässe durch einen Zwischenabschnitt bereichtert (Taf. VII, 1 und 11), ähnlich wie schon am Chor der 1720 nach J. J. Herkommers Entw. (?) erbauten Klosterkirche St. Ursula in Augsburg [56, S. 70, Abb. vor S. 113].

16. Halbkreis-F.

Ihre Sohlbankbreite entspricht in der Regel dem Durchmesser des Kreises, der den Bogen der F.lichte bestimmt. Sitzen Halbkreis-F. in der Schildmauer, ist die Sohlbankbreite häufig der Breite des Mauerfeldes gleich, auch, „weil Halbzirkelfenster von geringer Breite im Gegenhalt quadratischer [sc. F.] jedes Mal zu klein ausfallen“ (so J. P. Joendl, Die landwirthschaftliche Bauk., 2. Theil, Prag 1828, S. 688). Anstelle des Halbkreisbogens kann mitunter ein – auch verzogener – Segmentbogen die geometrische Relation zwischen Kreishalbmesser und Sohlbank verunklären. In anderen Fällen ist der Halbkreisbogen leicht bis deutlich gestelzt (z. B. Fassade von S.M. di Carignano in Genua, 1549 von Galeazzo Alessi entworfen: Hans Willich und Paul Zucker, Hdb. der Kw., Bd. 2 Abb. 275). In der Zeit um 1800 gibt es auch F. mit Bogen als (gespreizte) Parabel, als Segment einer Ellipse oder aber in unregelmäßiger Kurvierung (dies gilt vor allem für die „Fledermaus“ genannten Dach-F.: [20] Bd. 2 S. 133–137, Taf.bd. Fig. 82).

Die Instrumentierung des Halbkreis-F. erweckt den Eindruck, als gäbe es zwei ganz verschiedene Arten, die in die Wand geschnittene Öffnung (sozusagen nur Laibung, Sohlbank und Lichte) und das „echte F.“ mit architektonischem Apparat (Einfassung als umlaufendes Band, Faszien des Bogens, Sohlbank steinmetzmäßig gearbeitet, auf Konsolen usw.).

Das Entstehen der F.form ist, entwicklungsgeschichtlich betrachtet, auf verschiedene Weise vorstellbar: als F.öffnung anstelle einer halbkreisförmigen Schildmauerlünette; aus einer Bogenstellung, deren von den Pfeilern begrenzter Teil durch eine Mauer geschlossen, die Schildmauer als F. geöffnet ist; als von einem Portal oder F. abgerücktes halbkreisförmiges Oberlicht. Halbkreis-F. in Giebeln vor allem landwirtschaftlicher Bauten (auch der Villa) kann man in Zusammenhang sehen mit halbkreisförmig eingeschnittenen Luken bei hölzernen Wirtschaftsgebäuden, deren Form beibehalten und ins Monumentale gesteigert wurde.

Für die erste Ableitung gibt es zahlreiche Beispiele im Sakralbau, wo der Lichtgaden meist basilikal angelegter Kirchen so durchfenstert ist; häufiger noch dienen Halbreis-F. zur Belichtung von Kapellenräumen an Kirchen (wodurch die Außenwand für reicher ausgestaltete Altarretabel freigehalten ist). In nicht wenigen Fällen wurden die sozusagen genetisch bestimmten Halbkreis-F. – etwa in den Seitenkapellenwänden – auf andere Teile des Bauwerks übertragen (so am Salzburger Dom, 1614–28 von S. Solari, auch an den drei Apsiden des Chores und an den Sakristeien: Abb. 78). – Halbkreis-F. im Giebeltympanon als Gebäudebekrönung lassen sich als Übertragung von „Schildbogen-F.“ vorstellen; ob diese Theorie historisch begründbar ist, bleibt zu untersuchen (Beispiele: Loggia von Kings Weston, um 1718 von John Vanbrugh: Kerry Dowries, V., London 1977, Abb. 89 A; vgl. ebd. Abb. 91; Friedr. Weinbrenners Haus-Entw. für Karlsruhe: [134] Abb. 96 und 101, auch Abb. 97). David Gilly vermerkte, „ein halbrundes F. ... macht bei Dachstuben sowol von außen als von innen eine Zierde“ [20, S. 128].

Von der Arkadenfolge her könnte etwa die Wandstruktur am Langhaus des Gesù in Rom verstanden werden, 1565 von Vignola beg. [137, Bd. 2 Fig. 231]; ein Beispiel aus der Profanarchitektur bildet Peter Joseph Krahes Entwurf von 1791 für eine Infanteriekaserne in Koblenz (Reinhard Dorn, Bauten und Projekte P. J. K. ..., Braunschweig 1971, Abb. 42; im Erdgeschoß gibt es nur die F.folge, ohne Andeutung von Arkaden). Weinbrenner ordnete in seinen Entw. 1811 für ein Haus am Karlsruher Marktplatz die Halbkreis-F. des Erdgeschoß-Mezzanins als offene Schildbögen der Pfeilerarkaden an; im unteren Abschnitt sitzen die rechteckigen Erdgeschoß-F. [134, Abb. 76, auch Abb. 124 und 126]. – Halbkreis-F. als Keller-F. können vielleicht als um die Pfeiler reduzierte Arkadenfolge interpretiert werden (zumal, wenn das Kellergeschoß als Sockelzone rustiziert ist; vgl. Weinbrenners um 1796 entw. fürstliches Landhaus: ebd. Abb. 35f.).

Für die dritte Herleitung spräche es, daß die Sohlbankbreite des Halbkreis-F. auffällig oft die lichte Weite des Portals oder F. merklich übertrifft. Im Bereich der Sakralbaukunst sei die vermutlich nach Vignolas Entwurf errichtete Fassade von S. M. dell'Orto in Rom, wohl 1568 vollendet, genannt [137, Fig. 192], auch Gianlorenzo Berninis S. Andrea al Quirinale, 1658–78 (zwischen Portal und F. die Bekrönung der vor der Fassade stehenden Portalarchitektur: [87] Abb. 230; das Steinmaterial für die Fassade 1670 bezahlt), für den Profanbau J. P. Krahes Entwurf für ein Nebengebäude der Villa Salve Hospes in Braunschweig, 1805, oder der für sein eigenes Wohn- und Bürohaus, 1806 (R. Dorn a.a.O. [Sp. 1413] Abb. 132 und 149). Friedrich Gillys Entwurf für das (Berliner?) Nationaltheater zeigt nebeneinander Portale mit halbkreisförmigem Oberlicht, durch Kämpferbalken abgesetzt, mit Faszien und Halbkreis-F. auf Höhe dieser Oberlichter, mit Keilsteinbogen (Alste Oncken, F. G., Bln. 1935, Taf. 55 c). – Gelegentlich wirkt ein Halbkreis-F. über einer Rundbogenöffnung, als sei es deren (vergrößerte) Wiederholung in der Zone darüber (mehrfach am Blenheim Palace, beg. 1705 – um 1725 von J. Vanbrugh und Nicholas Hawksmoor: K. Downes a.a.O. [Sp. 1413] Abb. 58, 73, 96).

Erst sehr spät sind Halbkreis-F. in der Position von Normal-F. – d. h. nicht bautechnisch bedingt – anzutreffen; sie sitzen dann auffallend hoch (ohne daß man sie als auf den oberen Abschluß reduzierte Rundbogen-F. interpretieren kann; Beispiel die Admiralität in Portsmouth, 1784–86 von Samuel Wyatt, Gang-F. der Gartenseite: George Richardson, The New Vitruvius Britannicus ..., Bd. 2, London 1808, Taf. 21f.) oder aber auf einem breiten Fries (Alte Münze Berlin, von Friedr. Gentz 1798–1800 errichtet: [79] S. 32, Abb. 19; vgl. auch ebd. Abb. 18).

Von der Renaissance an bis in die zweite Hälfte des 18. Jh. hat man Halbkreis-F. fast nur an Kirchenbauten verwendet und dort selten an einer die Architektur betonenden Stelle (etwa in der Mittelachse einer Fassade; als Beisp. S. M. in Carignano zu Genua, s. Sp. 1412). In der Regel findet man sie an den Nebenseiten des Langhauses, als Lichtgaden des Mittelschiffs oder aber an der Stirnwand von Querhausarmen.

Aus der Architektur der ital. Renss. seien Kirchen in Venedig genannt, wo es vom 16. Jh. an Halbkreis-F. in der Mittelachse der Fassade gibt (vgl. [62] Abb. 155, 165, 289, 293, 482, 508, 568, 648), vielleicht in der Nachfolge des F., das an der Fassade von San Marco nach dem Brand von 1419 die Mittellünette ablöste (vgl. Arte veneta 32, 1979 [= Fs. Rodolfo Pallucchini], 10–17). Im Rom des späten 16. und des 17. Jh. ist die F.form nicht gerade häufig: Kapellen am Langhaus von S. Andrea della Valle, Bauphase 1591–1596 (zur Baugeschichte und Architektenfrage: Howard Hibbard, The Art Bull. 43, 1961, 289–318, mit Abb.); über dem Portal von S. Andrea al Quirinale (s. oben Sp. 1413). Ein Kranz gleichartiger Halbkreis-F. erscheint in den Nischen der Kirche Mariä Himmelfahrt in Ariccia, 1662–64 von Bernini (Rob. Pane, B. architetto, Venedig 1953, Abb. 132f.). Guarini machte in verschiedenen Projekten vom Halbkreis-F. Gebrauch (Entw. für die Wallfahrtskirche in Oropa, Piemont, aus der Zeit um 1678/80: P. Portoghesi, Guarino G., Mailand 1956, Abb. 63).

Nördlich der Alpen ist das Halbkreis-F. an S. Solaris Salzburger Dom, 1614–28, anzutreffen, als Kapellen-F. an den Flanken, in der gleichen Zone um Querhaus-Exedren und Chor herumgeführt (Abb. 78). Während es hier den Eindruck eines Sockelmotivs macht, ist es – wie in Italien – in der Folgezeit meist ein charakteristisches Obergadenmotiv: Stiftskirche Kempten, 1652ff. von Mich. Beer und Giov. Serro [104, Taf. 30]; Jesuitenkirche Luzern, 1666–73 (Abb. 83; zur verwickelten Baugeschichte: A. Reinle, Zs. f. Schweiz. Arch. und Kg. 22, 1962, 194–211); Dom in Passau, Barockisierung 1668–83 durch Carlo Lurago (Lichtgaden, Seitenschiffe; Inv. Bayern, Ndb. 4 Abb. 24); Stift Haug in Würzburg, Kirche 1670–1691 von Ant. Petrini (Lichtgaden, Kapellen; ebd. Ufr. 12 Taf. XIX); Entw. A. Petrinis für die Jesuitenkirche Paderborn, 1682 (Abb. 86: Obergaden-, Emporen-, Kapellen-F.); Schloßkirche in Frain a. d. Thaya, gegen 1700 (Abb. 91); Dom in Fulda, 1704–12 von J. Dientzenhofer (Seitenschiffe, Querhaus; E. Kramer a.a.O. [Sp. 1380] Abb. 1, 11). J. B. Fischer von Erlach setzte Halbkreis-F. an die Stirnseiten der Querarme und des Chors an der Wiener Karlskirche, 1716–29 ([37] Abb. 93f.; vgl. auch Abb. 22 und 35; die Sohlbank in den Stichwiedergaben der „Hist. Archit.“, Wien 1721, Bl. 114f., mit Viertelkreisscheiben an den Enden: ebd. Abb. 92). Die Heidelberger Jesuitenkirche, nach Entw. von Joh. Adam Breunig aus dem Jahr 1712 von Friedr. Wilh. Rabagliatti ab 1745 voll., als Hallenkirche erbaut, besitzt in der Gewölbezone Halbkreis-F. (Peter Anselm Riedl, Die Heidelberger Jesuitenkirche ... [= Heidelberger kg. Abhn., N.F. 3], Hdbg. 1956, Abb. 2f., Taf. 1 b und 3 b). Die Stiftskirche Neustift bei Brixen erhielt bei der Barockisierung durch J. Delai 1734–38 Halbkreis-F. in Lichtgaden und Seitenschiffen [120, Bd. 2 Abb. 58f.].

Mit dem Beginn retrospektiv-klassizistischer Tendenzen um die Mitte des 18. Jh. erlebte das große Halbkreis-F. einen Aufschwung (charakteristisch ist z. B. die auffallende Häufung in den Preis-Entwürfen der Accademia di San Luca in Rom im letzten Dr. des 18. und den ersten zwei Jzz. des 19. Jh.: Accad. Naz. di S. L., I disegni di architt., bearb. von Paolo Marconi u. a., Rom 1974).

Allerdings weniger im Kirchenbau, trotz so bedeutender Beispiele wie Ste-Geneviève in Paris (Panthéon), 1757–1790 von Jacques-Germain Soufflot, mit Halbkreis-F. in der Gewölbezone ([81] Taf. 1; die Halbkreis-F. mit Sicherheit erst zu belegen durch die Pläne 1791 im Zusammenhang mit der Umgestaltung durch Ant.-Chrysostome Quatremère de Quincy, vgl. Mich. Petzet, Soufflots Ste-Geneviève ... [= Neue Münchner Beitr. zur Kg. 2], Bln. 1961, Abb. 39). Bei der St. Ursenkirche in Solothurn, von Gaetano Matteo Pisoni 1763–68, sind die Halbkreis-F. in den Nebenschiffen ein Rückgriff auf das röm. S. Andrea della Valle (H. R. Heyer a.a.O. [Sp. 1380] Abb. 47–52). Die 1773–1780 ausgebaute Stiftskirche St. Tertulin in Schlehdorf, Obb., weist zwei Reihen von Halbkreis-F. auf zur Belichtung sowohl des Kirchenschiffs wie der sehr flachen Lhs.-Kapellen (Hans Jakob Wörner, Archit. des Frühklassizismus in Sdtld., Mchn. und Zürich 1979, Abb. 60f.).

Seit etwa 1790, vor allem dann im zunehmend historisch durchsetzten Klassizismus hat man – so jedenfalls der Eindruck – die am Profanbau entwickelten Möglichkeiten, Halbkreis-F. zu gestalten, auch auf den Sakralbau übertragen und nicht die Tradition aus dem Kirchenbau der vorauf gegangenen Zeit aufgegriffen: F. Weinbrenners Entw. zur prot. Kirche in Karlsruhe, 1791/92 [134, Abb. 3–5, 9f.], und zur Karlsruher Synagoge, 1798 (ebd. Abb. 41f.); D. Gilly zugeschr. Entw. einer prot. Kirche mit Halbkreis-F.folge des Emporengeschosses [100, Abb. 105]; Karl Friedr. Schinkel, Nikolaikirche Potsdam, Entw. von 1829: [28, H. 22 Taf. 136].

Im Profanbau war das Halbkreis-F. ob seiner geometrischen Grundform, die man in der Fassadengestaltung demonstrativ nutzte (F. als bloßer Wandausschnitt, ungegliederte klobige Sohlbank auf kräftigen unprofilierten Konsolen), eine bevorzugte F.form, sowohl als Einzel-F. wie bei der Befensterung ganzer Geschosse.

Für die uneingeschränkte Verwendung ist das Oeuvre von David Gilly bes. kennzeichnend: Bauernhaus [100, Abb. 51], Wirtschaftsgebäude (ebd. S. 148, Abb. 100ff.; als Dach-F.: Abb. 41), Stall (ebd. Abb. 35: F.folge), Lagerhaus (ebd. Abb. 88), Landhaus (ebd. Abb. 107), Landschloß und Herrenhaus (ebd. Abb. 31–33, S. 72ff., Abb. 118), Wohnhaus auf dem Land wie in der Stadt (ebd. S. 132, Abb. 88, Abb. 106, S. 145 und Abb. 98).

Bei Monumental- und bei Gesellschaftsbauten gibt es vor allem zwei Stellen, an denen man Halbkreis-F. anwandte: 1) als Oberlicht von Sälen (Museumstrakt von Weinbrenners Entw. zu einem Nationaldenkmal für die Französische Republik, um 1799/ 1800: [134] Abb. 46; Giacomo Quarenghi's Entw. für eine Bibliothek und für das Petersburger Theater: Ausst.Kat. „Disegni di G. Qu.“, Bergamo und Venedig 1967, Abb. 131; Ausst.Kat. „Restauro di disegni di G. Qu.“, Rom 1962, Taf. 10f.; Schützenhaus in Eisenberg, 1820–21 von C. W. Coudray [124, S. 43, Zchg. 23, Bild 46]; Fürstengruft in Weimar, voll. 1824 (ebd. Bild 30); Zeichensaal und Treppenhaus des Kunstsammlungsgebäudes Stuttgart, 1837, N. F. von Thouret [58, Taf. 101]; 2) an der Fassade: Theater in Baden-Baden, 1811 von F. Weinbrenner [134, Abb. 174], in München, 1812–18 von Karl von Fischer (Oswald Hederer, K.v.F. [= Neue Schr.reihe des Stadtarchivs Mchn., 12], Mchn. 1960, Abb. 40f.); 3) in anderer Position: F. Gillys Theaterentw. und die Berliner Alte Münze, von F. Gentz, s. Sp. 1413f. und 1414.

Antiken-Rekonstruktionen: F. Weinbrenner, Römerbad in Badenweiler, nach 1812 ([134] Abb. 15; vgl. ebd. Abb. 17).

Gelegentlich erhielt das Halbkreis-F. eine steinerne mittlere Unterteilung: S. Francesco della Vigna in Venedig, 1534–1582 nach Entw. von J. Sansovino, Contarinikapelle (D. Howard a.a.O. [Sp. 1405] Abb. 53).

Schinkel hat diese steinernen Pfeiler gelegentlich skulptural bereichert: Neues Schauspielhaus Hamburg, 1825–27, mit Apollo und den Musen (Taf. VIII, 5, [28] H. 12 Taf. 74; weitere Beisp., mit und ohne Skulpturen, ebd. H. 14 Taf. 87f. und [113], Abb. 41, 66, 118–123, 238), wie er auch sonst Standfiguren mit F.architektur verband (s. Sp. 1437f.) und die mit ihnen besetzten Pfeiler der Halbkreis-F. als einen verlängerten Schlußstein bezeichnete [28, H. 12 Beschreibung zu Taf. 73–77].

17. Thermen-F.

Die formale Ambivalenz des Thermen-F. zeigt sich bereits darin, daß man es sowohl als Variante des großen Halbkreis-F. mit eingestellten Pfeilern beschreiben kann wie auch als Gruppe von drei F. mit gemeinsamem oberem Abschluß durch einen Bogen, eine Leseweise, die es erlaubt, drei nebeneinanderstehende, durch Pfeiler getrennte F. als Variante des Thermen-F. anzusehen, sofern ihr oberer Abschluß Teil eines gemeinsamen Kreisbogens ist (dieser kann von der Halbkreisform abweichen, was im späten 17. und im 18. Jh. nicht selten ist). – In der Regel fanden Thermen-F. dort Verwendung, wo die Schildwand, die man durchfensterte, als Folge des den Raum überfangenden Gewölbes Halbkreisabschluß hatte, eine große Fläche bildete und an ihrem Platz eine Akzentsetzung erwünscht war.

Das Thermen-F. als antike F.form war im 16. Jh. bekannt durch die röm. Thermen des Caracalla, 216 eingeweiht (Anonymus Destailleur [Hugues Sambin?], um M. 16. Jh.: D. Krencker u.a. a.a.O. [Sp. 1263] S. 273 Abb. 405a) und des Diocletian, 298 – um 305/06 (Andrea Palladio: Giangiorgio Zorzi, I disegni delle antichità di A. P., Venedig 1958, Abb. 128 und 132; vgl. auch Abb. 141). Es lebte als Dekorationssystem für im Halbkreis geschlossene Schildmauern wieder auf (Raffael, Villa Madama, 1516/17–1520: Chr. Luitpold Frommel, La Villa Madama ..., Boll. del Centro internaz. di studi di architett. A. Palladio 11, 1969, 47–64) und wurde in der röm. Architektur im Umkreis Raffaels und der „Bauhütte“ von St. Peter erstmals wieder für F. verwendet.

Eine Entwurfs(?)zeichnung des Giuliano da Sangallo, um 1520, zeigt das Thermen-F. als Drei-F.gruppe, deren seitliche F. nicht bis zum Schnittpunkt vom Halbmesser des Kreises mit dem Kreisbogen reichen, also beiderseits senkrechte Laibung haben (Wolfg. Lotz, Florent. Mitt. 7, 1953–55, 212 Abb. 21: Umbauprojekt für St. Peter; Herb. Siebenhüner, Münchner Jb. III. F. 6, 1955, 190 Abb. 17: für S. M. degli Angeli in Rom; vgl. auch den gestochenen „Progetto definitivo di Antonio da Sangallo“ für St. Peter: [68] Bd. 2 Abb. 89). Ant. da Sangallo hat das Thermen-F. um 1537–40 für die Capp. Paolina [ebd. Abb. 119) wie für die Sala Regia des Vatikan. Palastes verwendet (ebd. Abb. 113, 118, 123: das mittlere F. ist rechteckig und hat eigene Säulenädikula; die Variante mit geschlossenen „Seiten-F.“ ist kommentiert „questa sarà più bella ma si perde troppo lume“: ebd. Bd. 1 S. 177; vgl. auch Ch. L. Frommel, Zs. f. Kg. 27, 1964, 1–42, bes. S. 2, 29f., Abb. 21–24; [12] bes. S. 212).

Verbreitet wurde die F.form durch die Kupferstichreproduktion des Modells für St. Peter von A. da Sangallo, beg. 1539, die 1545 erschien und in den Schildbögen der Exedren Thermen-F. zeigt [68, Bd. 2 Abb. 89]. In Rom selbst hat die F.form kaum Schule gemacht (eines der wenigen Beispiele die Fassade von SS. Trinità dei Monti, nach 1570–1585: Cesare d'Onofrio, Scalinata di Roma, Rom 1974, Abb. 114 und 138; weiteres bei G. Giovannoni, Saggi sulla archit. del Rinascimento, Mailand 1931, S. 222, Fig. 37 und 40), hingegen in Spanien und Oberitalien größte Verbreitung gefunden.

Für Spanien vgl. die Kirche des Hospitals de la Sangre in Sevilla, 1560–67 von Hernán Ruiz II; Kirche des Escorial, 1574–1582 von Juan Herrera (George Kubler und Martin Soria, Art and archit. in Spain and Portugal ... 1500 to 1800 [= The Pelican Hist. of Art, Z 17], Harmondsworth usw. 1959, S. 9 Fig. 11, Taf. 5 A).

Andrea Palladio nahm das Thermen-F. in seinen Formenschatz auf; wo immer sein Einfluß spürbar wird, gibt es auch diese F.form. An Villen hat Palladio sie zurückhaltend verwendet (Villa Foscari [della Malcontenta], 1559/60–1571, Gartenseite: [115] Abb. 137f., 140f.; vgl. auch Palladios „Quattro libri“: [26] 2. Buch S. 47, 49, 64), oft und an dominierender Stelle an Kirchenbauten, an S. Giorgio Magg., 1566–1610, und am Redentore, 1576ff. ([115] Abb. 176–178, 181, 187–189, 193f. und 245f.; vgl. auch ebd. Abb. 470, 496 und 500–502, 577, 617, 619f.; Wladimir Timofiewitsch, La chiesa del Redentore [= Corp. Palladianum, Bd. 3], Vicenza 1969, Abb. 17 und 24. Taf. III f. und VI f.). Baldassare Longhenas Dom in Chioggia, 1624ff., S. M. della Salute in Venedig, 1631 nach Longhenas Plan (Kapellen), und S. Geremia ebendort, von Giacomo Ant. Corbellini, 1754ff., bezeugen das Weiterleben in diesem Umkreis (Elena Bassi, Archit. del sei- e settecento a Venezia, Neapel [1962], Abb. 48, 54, 56, 60f., 244). Im Piemont gibt es das Thermen-F. z. B. am „Santuario“ in Vicoforte bei Mondovi, 1596 von Ascanio Vitozzi begonnen (N. Carbonieri a.a.O. [Sp. 1403] Abb. 111–113, 121 und 124–128; hier vor den Pfeilern Säulen mit Gebälkstück).

Im deutschen Sprachgebiet erscheint das Thermen-F. zunächst als italienischer Import: von Giov. Maria Filippi[ni?] in Prag, ev. Dreifaltigkeitskirche (später S. M. de Victoria), Entw. 1609: Sp. 591f. Abb. 30; Ausführung 1611–13 und 1643–48, an der Fassade – Sp. 596 Abb. 33 – und in den Kapellenreihen; nur an letzteren in der Wallfahrtskirche Altbunzlau, 1617–1632 [110, Abb. 7]. Der Graubündner Antonio Riva setzte das Thermen-F. in gestelzter Form als Akzent über das Portal der Mariahilfkirche in Vilshofen, Ndb., 1691 ([141] Abb. 212; Inv. Bayern, Ndb. 14, Abb. 292). Der Tessiner Stuckateur Giov. Betini, Entwerfer des Umbaus der Klosterkirche Muri, 1695–97, gab den Querhausfronten und dem Kuppeloktogon Thermen-F. als beherrschendes Motiv [118, Abb. 125].

Im Oberschwäbischen war Joh. Jak. Herkomer – infolge zweier Venedigaufenthalte – der wichtigste Vermittler der venezianisch-palladianischen Thermen-F.

Eben heimgekehrt, verwendete er Thermen-F. in seiner Kapelle Sameister, 1685–88, in den Kreuzarmen [56, 2. Abb. nach S. 96]. Nach dem zweiten Venedig-Aufenthalt schuf er 1701 –17 St. Mang in Füssen mit Thermen-F. (Abb. 90). Aus seinen – verlorenen – Plänen für die Klosterkirche Weingarten, 1712–15, dürfte das Thermen-F. in die Ausführungspläne Franz Beers gelangt sein (vgl. [39] Abb. 183f.); auch an St. Jakob in Innsbruck, 1717–24, verwendete Herkomer die F.form [56, 3. Abb. nach S. 80]. Der Vollender dieser Kirche, Herkomers Neffe Joh. Gg. Fischer, wählte für die Stiftskirche Wolfegg, 1733–36, große Thermen-F. (H. J. Sauermost a.a.O. [Sp. 1407] Abb. 18–29).

In der Planung für die Klosterkirche Einsiedeln durch Br. Kaspar Moosbrugger taucht das Thermen-F. um 1705/06 – wie in Rom und Venedig – als Akzent der Hauptfassade auf, an den Flanken erst im Ausführungsplan 1717–1719 ([39] Abb. 141–143, 182, 185; die Säulen auf der Innenseite sind Zutat der Brüder Asam 1724–26: ebd. Abb. 187).

Mit Blick auf die wichtigsten spätbarocken Pfarrkirchen der Innerschweiz möchte man sagen, die Einsiedler Thermen-F. hätten hier Schule gemacht. Doch sind es Bauten von Tirolern, es kann sich also ebensogut um Neu-Import handeln, so in Sarnen, 1739–42 von Frz. Singer (t 1757); in Schwyz, 1769–74 von Jakob und Joh. Ant. Singer; in Muothathal, 1786–92 von Andr. Wechner und Johs. Juß ([118] Abb. 141 [Schwyz]; [104] Abb. 130 und 148). In Tirol ist die Pfarrkirche in Götzens zu nennen, 1772–1775, Baumeister Frz. Singer, † 1789 [65, S. 44f. Abb. 43 und 47].

In den neu-palladianischen Strömungen der Romantik kommt das Thermen-F. sicher nicht aus der deutschen barocken Tradition (s. Ottavio Bertoni Scamozzi, Le fabriche e i disegni di Andr. Palladio, Vicenza 1796 [Neudr. London 1968], Bd. 2 Taf. 7, Bd. 3 Taf. 20 und 26, Bd. 4 Taf. 2, 6f., 14, 16–18; S. 26 beschrieben als „grandissima finestra arcuata“). Charakteristisch ist seine Verwendung an öffentlichen Bauwerken: vgl. die Entwürfe von Friedr. Gilly 1798 und Carl Gotthard Langhans 1800 für das Nationaltheater in Berlin (Herm. Schmitz, Berliner Baumeister ..., Bln. [1925]2, Abb. S. 180 und 242, vgl. auch Abb. S. 243); Architekturvorschläge in Jean Nicolas Louis Durand, Precis des leçons d'archit. ... (Bd. 2, Paris XIII [1805], 3. Teil Taf. 5 [Trésor public] und 14 [Bourse]). Für Kirchenbauten mit Thermen-F. vgl. H. Schmitz a.a.O. Abb. S. 288; [28] H. 13 Taf. 86. Als Evokation Palladios kommen Thermen-F. an Gartengebäuden vor (vgl. Carl Friedrich Langhans d. J., Entwurf 1796 in Joh. Gottfr. Grohmann „Ideenmagazin ...“, Lpz. 1799: H. Schmitz a.a.O. Abb. 286; vgl. auch Abb. S. 291).

18. F. mit Kurvierungen

a. mit bohnenförmiger oder nierenförmiger Lichte

F. mit bohnenförmiger oder nierenförmiger Lichte sind durch Umformung von Kreis-, Oval- und Halbkreis-F. geschaffen.

Guarini hat mehrere Varianten dieser Umformung verwendet, im Entw. für S. Filippo Neri in Turin, 1679, und S. Filippo in Casale, 1686ff. [112, S. 59 und 105]; Filippo Juvara hat sie mehrmals gebraucht: am prägnantesten in der Obergadenzone von S. Filippo Neri in Turin, Plan 1730 (Andreina Griseri, Le metamorfosi del barocco, Turin 1967, Abb. 206“; [41] Taf. 90), und Bernardo Ant. Vittone für die Pfarrkirche in Grignasco, 1752–67 (ebd. Taf. 147 a). Häufig sind diese F. auch in den südl. Alpentälern: Wallfahrtskirche Madonna dei Ghirli bei Campione, Luganersee, Umbau 1752–67 (Lombardia occidentale [= Attraverso l'Italia, N. S.], Mailand 1962, Abb. 309).

In Bayern kommen in der 1. H. 18. Jh. bohnenförmige F.lichten mehrmals vor.

Beispiele: Pfarrkirche Murnau, 1717–39, E. Zuccalli zugeschr. („Querflügel“; Martin Wackernagel, Hdb. der Kw., Abb. 102); Pfarrkirche St. Martin in Garmisch, 1729–34 von J. Schmuzer (Lhs., Gewölbezone: [55] Abb. 45 und 48); Klosterkirche Schäftlarn, aus gekürzten Kreis-F. entwickelt (s. Sp. 1401).

In anderen Regionen sind diese F.formen Ausnahmen.

So wählte von den Vorarlberger Baumeistern einzig Joh. Mich. Beer von Bleichten am 1728–42 err. Abteibau von St. Blasien für den Saal im westl. Mittelpavillon aus Oval-F. herzuleitende bohnenförmige Ober-F. [104, Abb. 25], ebensolche J. C. Schlaun um 1767 für den Marstall des Schlosses Münster i. W. [40, Bildteil, Abb. 92.42–44].

b. mit fächer- oder muschelförmiger Lichte

F. mit fächer- oder muschelförmiger F.lichte sind wohl Ableger von Halbkreis-F. und kommen ebenfalls aus Oberitalien.

Als Beisp. dafür sei B. A. Vittones Befensterung des Kuppeltambours von Grignasco erwähnt, 1750 beg. [41, Taf. 149b]. In Süddeutschland bilden die F. von Obergaden und Westfassade des 1747 von Frz. Xaver Schmuzer barockisierten Lhs. der Prämonstratenserkirche Steingaden das wichtigste Beisp. (Abb. 102). Eine einfachere Form wählte Franz Karl Fischer für die Spitalkirche in Füssen, 1748–49: die Grundform des Halbkreis-F. wird durch stark eingezogene Ecken abgewandelt, die Eisenarmierung der F.Öffnung trägt zur Fächerwirkung wesentlich bei (Abb. 103). Zu Ober-F. im Werk J. Dossenbergers s. Taf. VII).

c. stehende F.Öffnungen mit geschweiftem Umriß

Die Ausbildung von F. mit geschweiftem Umriß mit Hilfe wechselnd kurviert geführter Abschnitte gibt es vom späten 17. bis zum 3. V. 18. Jh. Die nicht veränderten Teile lassen die Ausgangsform des F. noch erkennen, die in den umgestalteten Teilen umspielt wird. Umformung des gesamten Umrisses gibt es nur bei kleineren F. in Art von Kartuschen. Scharfe Grenzen zwischen den einzelnen, assoziativ benannten F.formen (Glocken-F., Geigen-F., Baßgeigen-F., Lyra-F., kaselartiges, birnenförmiges F. usw.) gibt es nicht. In der Regel sind die F. bilateral-symmetrisch angelegt; bei F.gruppen gibt es auch asymmetrische F.Öffnungen, und die Symmetrie wird durch die spiegelbildlich entsprechende asymmetrische F.Öffnung innerhalb der F.gruppe gewonnen.

Es überwiegen die F.formen römischer oder oberitalienischer Herkunft (Piemont; Guarini, Juvara; zu Rom vgl. Entw. zu den „concorsi accad.“ der Akad. von San Luca 1677 und 1682: Paolo Marconi u.a. a.a.O. [Sp. 1417] Bd. 1 Abb. 12 und 58; zu Guarini [112] S. 59, 69) oder im südlichen Deutschland aus solchen Voraussetzungen entwickelte, bei regional großen Unterschieden (etwa besonders häufigem Vorkommen solcher F.formen in Oberschwaben steht beinahe völliges Fehlen in Franken gegenüber). Die meisten Beispiele gibt es im Kirchenbau, wenige an Gartenbauten und Landschlössern, im städtischen Wohn- und Palastbau.

Stehende geschweifte F. fanden zunächst nördlich der Alpen nur zögernd Aufnahme. Um 1700 sind im Oeuvre des italienisch geschulten J. L. von Hildebrandt die ersten Beispiele anzutreffen.

An der Fassade von St. Laurenz in Deutsch-Gabel, 1699–1711, ist das Haupt-F. durch einfache Schweifung der Laibungen glockenförmig ausgestellt [70, Abb. 19]; die Ober-F. im Saal von Schloß Ráckeve, 1702, haben abgeschrägte untere Ecken (ebd. Abb. 32; vgl. auch Abb. 40: Gartenpal. Starhemberg-Schönburg in Wien, vor 1706); Entwürfe für die Pfarrkirche von Pottendorf, N.Ö., 1714–17, und von Weyerburg, um 1730, zeigen F. mit Stichbogen-Schluß (ebd. Abb. 82 und 235; Sp. 617 Abb. 48), im Entw. für die Westfront von Stift Klosterbruck bei Znaim hat das Haupt-F. der Kirche einen bogig nach unten geführten Mittelabschnitt der Sohlbank ([70] Abb. 239).

In den 1720er Jahren sind geschweifte F. häufiger. In Böhmen hat in erster Linie K. I. Dientzenhofer sie verwendet, ab etwa 1723, mit steigend kurvierter Sohlbank (Obergaden-F. von St. Thomas in Prag Kleinseite u. ö. [111] Abb. 113, 107f. und 120), auch mit gebrochenem Sturzbogen (St. Joh. Nepomuk am Felsen in Prag, 1730–1739: ebd. Abb. 127 und 236) und in weiteren Varianten (ebd. Abb. 130, 133, 144, 192, 195, 198, 207–209, 213). – In Bayern sind geschweifte F. an Bauten der in Rom ausgebildeten Brüder Asam anzutreffen.

Mit Oval-F. wechseln sie am Tambour der Klosterkirche Weltenburg 1716–18 (Erika Hanfstängl, Die Brüder CD. und E.Q. A., Mchn. und Bln. 1955, Abb. 1 und 6; vgl. auch die Entw.zchg. ebd. Abb. 2), und am Lhs.obergaden von St. Emmeram in Regensburg, Umbau 1731–33 (Inv. Bayern, Opf. 22,1 Fig. 146); am Lhs. des 1723–24 umgebauten Freisinger Domes wechseln F. unterschiedlich geschweifter Umrisse (Seitenschiff-, Emporen- und Obergaden-F.: Abb. 99).

In der Zeit von etwa 1730 bis ins 3. V. 18. Jh. gehörten die geschweiften F.formen zum Repertoire der einheimischen (auch der ländlichen) Baumeister.

Beisp. sind Bauten von Joh. Mich. Fischer (Propsteikirche Rinchnach, 1727 beg.: Inv. Bayern, Ndb. 19 Abb. 56; in München die Klosterkirche St. Anna am Lehel, 1727–33: [105] Abb. 168, und St. Elisabeth, 1758–64: [102] Abb. 63 und 77), von Joh. Gg. Hirschstetter (im Krs. Landshut die ehem. Klosterkirche Paring, 1732–35, die Wallfahrtskirche Hellring, 1733–35, die Pfarrkirche Hofendorf, 1747: Inv. Bayern, Ndb. 22 Taf. XIV [Abb. 96 ist verzeichnet!], Abb. 25f. und Taf. III), von Jos. Schmuzer (Umbau der Stiftskirche Rottenbuch, 1741ff., und andere Beispiele: [55] Abb. 42f., 45, 68f. und Textabb. 24) von Hans Adam Dossenberger und J. Dossenberger (Taf. VII; [95 a] passim), von Dominikus Zimmermann (Frauenkirche Günzburg, 1736–41: [83] Abb. 30f.); die wohl vom Abt Mauritius Moritz von Rot a. d. R. selbst entw. Wallfahrskirche Maria Steinbach Krs. Memmingen, 1746–54 [82, Abb. 117].

d. kartuschenförmige F.

Kartuschenförmige F. haben entweder annähernd gleiche Höhe und Breite der F.lichte oder sind breiter als hoch; ihr Umriß aus oft vielen kurvierten und geraden Abschnitten wirkt manchmal wie gestückelt. Die geraden Abschnitte sind oft sehr kurz; ausschließlich aus kurvierten Abschnitten gebildete Umrisse sind selten und dann meist ziemlich einfach. Die große Formenvielfalt ist nicht systematisch faßbar; häufig ist ein rundbogiger Abschluß und eine entsprechend spiegelbildlich kurvierte Sohlbank (Entw. für das Eichentor in Kremsmünster, um 1714/17, von J. Prandtauer: [75] Abb. 65 [seitenverkehrt!]), manchmal sehr schlicht (Gartentrakt von Stift Garsten, O.Ö., Prandtauer zugeschr., auch als Zwillings-F.: ebd. Abb. 76), manchmal sehr vielteilig (Stiftskirche Raigern bei Brünn, von Giov. Santini Aichel, 1722, Chor-F.: [111] Abb. 75).

G. Santini Aichel hat an der Wallfahrtskirche auf dem Grünen Berg bei Saar (Žd'ár), 1719–1722, für Neben-F. die Form sphärischer Dreiecke gewählt oder Umrisse wie Kerzenflammen, aus zwei unten wieder eingezogenen Bogensegmenten und einer steigend kurvig geführten Sohlbank gebildet (V. Kotrba a.a.O. [Sp. 1393] Abb. 43).

Besonders reiche Formen verwendeten Dominikus Zimmermann, oft als Ober-F. von F.gruppen (Klosterkirche Sießen, Württ., 1725–1728, Abb. 100; Wallfahrtskirche Steinhausen, 1727–31, Frauenkirche Günzburg, 1736–41, Wieskirche, 1746–54: [10]; Thomas Muchall-Viebrook, D. Z., Archiv f. d. Gesch. des Hochstifts Augsburg 4, 1912, passim; [83] Taf. 16, 30–32, 41f., 44, 57), und die Dossenberger (Taf. VII; [95 a] passim).

Eine eigene Gruppe innerhalb der kartuschenförmigen F. bilden F., deren Ausgangsform das Halbkreis-F. ist, dessen Bogenteil oder dessen Sohlbank in geschweifte Abschnitte mit geraden Zwischenabschnitten aufgelöst wird; selten sind beide Teile am selben F. geschweift ausgebildet.

Beispiele findet man an der Fassade von J. B. Fischer von Erlachs 1699–1704 erbauter Ursulinenkirche in Salzburg (auch am Querhaus und Chor; Abb. 94; [37] Abb. 37f.) und der von Aless. Galli da Bibiena entw. Jesuitenkirche in Mannheim, 1733–1749 (Obergeschoß; die Form einfach: Friedr. Walter, Bauwerke der Kurfürstenzeit in M., Augsburg 1928, Abb. 25), am Obergaden der Pfarrkirche Mittenwald, 1737–40 von J. Schmuzer [55, Textabb. 24, Abb. 62], und an desselben Architekten Hl. Geistspitalkirche in Schongau, 1727–30, mit weit heruntergezogenen geschweiften Sohlbänken (ebd. Textabb. 24, Abb. 42f.); am Obergaden der Stiftskirche Fiecht, Tirol, 1740–44 von Jakob Singer [65, Abb. 50].

Kartuschenförmige F. sind zeitgleich mit den gestreckten F. geschweiften Umrisses. Verwendet wurden sie als Ober-F. von Portalen (Torbau an St. Emmeram in Regensburg, Barockisierung 1731–33 von J. M. Prunner: [71] Taf. 89), an Sälen und Kirchengebäuden (Marmorsaal von Stift St. Florian, 1718–23 von J. Prandtauer: Abb. 97; Klosterkirche Fürstenfeldbruck, 1716 bis 1723 von J. G. Ettenhofer: Sp. 395 Abb. 46, als G. A. Viscardi; Taf. VII, 10). Als Einzel-F. an Kapellen wie als Obergaden-F. (Stiftskirche Wilhering, ab 1733 von Joh. Haslinger: [71] Abb. 105) kommen sie recht selten vor; an Fassaden bilden sie manchmal einen zusätzlichen Akzent (Jesuitenkirche Mannheim, s. oben; für die Einturmfassade der Stiftskirche Wilhering hatte J. Haslinger unter der Nische mit der Marienfigur ein Kartuschen-F. vorgesehen, ausgeführt wurde eine Schallöffnung: [71] Taf. 103f.).

Weitere Beispiele aus anderen Regionen: der Entw. für die Ludwigskirche Saarbrücken, um 1761, vermutlich Baubüro des späteren Straßburger Münsterwerkmeisters Joh. Lorenz Goetz (Dieter Heinz, Saarbrücker Hh. 17, 1963, Abb. 29 und 35; die Ausführung des Baues durch Friedr. Joach. Stengel mit anderen F.: Abb. 108); die Deutschordenskirche Mergentheim, Württ.-Franken, 1731–33 von Franz Jos. Roth, hat über den beiden Seiten-F. der Fassade je ein schlichtes kartuschenförmiges F. (unter den Haupt-F. je ein Oval-F.: Emil Raupp, Die Bautätigkeit des Dt. Ordens in ... M. [Mainfränk. Stud., 9], Würzburg 1975, Abb. 20). Als Schweizer Beisp. vgl. die seitlich der Kanzel über dem Ostportal der Pfarrkirche Wädenswil, 1764–67, angebrachten, spiegelbildlich symmetrischen F.: Inv. Schweiz 15, Kt. Zürich 2 Abb. 289–292.

Bei Profanbauten gibt es kartuschenförmige F. als Giebel-F.: Haus zum Falken in Würzburg, 1735 [108, Abb. 94]; Deutschordensschloß auf der Mainau, 1739–46 von G. C. Bagnato (Konstanzer Almanach 1961, Abb. S. 20); Neues Schloß Meersburg, Umbau 1759–62 durch Frz. Ant. Bagnato (Schmalseiten des Schlosses; Gg. Poensgen, Der Bodensee, Mchn. und Bln. 21964, Abb. 104). Vgl. auch ein Lukarnen-F. „nach Daviler“ bei Joh. Rud. Fäsch, Grundmäßige Anweisung ..., Nürnberg o. J. [39, Abb. 42].

19. Gruppen-F.

Gruppen-F. der Neuzeit bestehen aus F. unterschiedlicher Form in einem gemeinsamen Wandfeld; sie bilden durch ihre Position und Instrumentierung eine Einheit. Hauptsächlich sind sie im Kirchenbau anzutreffen. – Die Instrumentierung kann mit architektonischen Mitteln erfolgen – zusammenfassende Blende, rahmende Architektur, Wegfall der Wandfläche zwischen der Rahmung der einzelnen F. –, auch durch ornamentale oder aber durch (heute vielfach verlorene) Architekturmalerei, wie z. B. im Kaiserhof der Münchner Residenz, 1613–1618 (Abb. der Malerei von 1880: Wittelsbach a.a.O. [Sp. 1410] Taf. 36).

Aus dem 16. Jh. gibt es im dt. Sprachgebiet nur wenige Beispiele. An der Schloßkapelle der Augustusburg bei Chemnitz, von Hieron. Lotter nach Plänen des Erhard van der Meer, Rohbau 1579, haben das Paar stehender Rechteck-F. und das Halbkreis-F. darüber gemeinsame Rahmung und gleiche Profilierung der Laibungskante (Hans Joachim Krause, Die Schloßkap. der Renss. in Sachsen [= Das chr. Dkm., 80], Bln. 1970, Abb. S. 23). Der Saal im ersten Stock des Großen Lusthauses in Stuttgart, von G. Behr 1583–93 erbaut, hatte Gruppen-F.; ein umlaufendes Profil rahmte ein Paar von Kragsteinbogen-F., über dem ein Paar Rechteck-F. und schließlich ein Kreis-F. saß [59, Abb. 29–31].

Folgenreicher war die Gruppierung von zwei Bogen-F. mit einem Okulus, wie sie an der 1513 beg. Dominikanerkirche in Augsburg vorliegt (RDK II 913 Abb. 15). Im 17. Jh. traten an die Stelle der Rundbogen-F. solche mit eingezogenem Bogen und spiegelbildlich dazu geführter Sohlbank (Stadtpfarrkirche Weilheim, Abb. 80; Wallfahrtskirche Vilgertshofen, Klosterkirche Benediktbeuern: zu beiden Sp. 1370). Andernorts behielt man die Rundbogen-F. bei: Wandfelder der Emporenzone der Stiftskirche Pfäfers, von Joh. Gg. Kuen, 1688–1693 [39, Abb. 272]. Andere F.formen wählte man an der Klosterkirche Raigern in Mähren, 1722 nach Entw. von G. Santini Aichel beg.: das untere F.paar schließt mit einer Variante des Vorhangbogens, das F. darüber ist einmal oval, das andere Mal geschweift [61, Taf.abb. 223].

Drei nebeneinanderstehende hochovale F., deren gemeinsame Wandabschnitte durch Säulenpaare ersetzt sind, entwarf G. Guarini für St. Anna in Paris 1662 (Stiche in der „Architettura civile“ [22], Taf. 10f.; [112] Abb. S. 77 und 80). Möglicherweise bot diese F.gruppierung eine der Anregungen für Fischer von Erlachs F. in der Attikazone des Querhauses der Salzburger Kollegienkirche, je ein stehendes Oval-F. zwischen trapezförmigen F. mit kurvierter Laibung (man könnte dieses Gruppen-F. auch als Abwandlung des Thermen-F. interpretieren; Taf. Vf.).

J. J. Herkomer ging bei den Gruppen-F. am Obergaden von St. Moritz in Augsburg, Umbau 1714–17, vom Thermen-F. aus (s. Sp. 1420); er behandelte dessen seitliche Abschnitte als selbständig und faßte alle drei F.lichten durch einen bohnenförmigen Gesamtumriß zusammen [56, 3. Abb. nach S. 48]. Eine Variante aus nur zwei F.lichten sind die auf Herkomer zurückgehenden F.paare mit gemeinsamem herzförmigem Umriß an Langhaus und Chor von St. Ursula in Augsburg (um 1720, 1944 zerst.; ebd. Abb. vor S. 113).

Dominikus Zimmermann variierte Herkomers F.form vielfach, indem er sowohl der mittleren F.lichte wie den seitlichen anderen Umriß gab, sie zu einem Gesamtumriß vereinte und die Trennpfeiler als kahle, streng wirkende Lamellen stehen ließ.

Das Mittel-F. erhielt meist Konkav-Konvex-Bogensturz und kurvierte Sohlbank. Die seitlichen, spiegelbildlich symmetrischen F. buchten nach unten aus (Dominikanerinnenkirche Sießen, 1725–28: Abb. 100; Frauenkirche in Günzburg, 1736–1741: [83] Abb. 20) oder weiten sich nach oben (Pfarrkirche Buxheim bei Memmingen 1726–27 [?]; Wallfahrtskirche Steinhausen, 1728–33: ebd. Abb. 11 sowie 16 und 19). In der Wieskirche, 1746–54, ist die Schweifung abgeschwächt, alle drei F. erhielten Rundbogenschluß, die seitlichen sind kurviert spitz nach außen gezogen (ebd. Abb. 44).

An der Frauenkirche in Günzburg sind am risalitartig vorgezogenen Mittelabschnitt auch die Haupt-F. zu einem Gruppen-F. zusammengefaßt, die seitlichen – asymmetrisch – an der Außenseite stärker kurviert und ihre Sohlbank tiefer herunter-, dafür der Rundbogen des Mittel-F. höher hinaufgezogen ([83] Abb. 29; [95 a] Abb. 36). – An der Wieskirche griff Zimmermann auch die ältere Tradition auf, als er ein langgestrecktes F.paar mit geschweiftem Bogen und ein Kartuschen-F. als Ober-F. zusammenordnete (ebd. Abb. 36 unten).

Der schwäbische Baumeister Jos. Dossenberger, 1721–1785, wandelte Zimmermanns F.gestaltung in freier Weise ab. Für seine Gruppen-F. wählte er zunächst dessen Zusammenstellung eines langgestreckten F.paares mit einem kartuschenförmigen Ober-F. (Taf. VII, 1–4, 12; in seinen Bauten aus den 1770er Jahren verzichtete er meist auf Schweifung, benutzte sogar wieder Rundbogen-F. und als Ober-F. einen Vierpaß, Variationen eines tropfenförmig nach unten gezogenen Kreis-F. oder ein fächerartiges F. (Taf. VII, 8, 9, 11; [95 a] passim). Ein anderes schwäbisches Beispiel bietet die Wallfahrtskirche in Bobingen, 1748–51 von Frz. Xaver Kleinhans (Abb. 107).

Die Gruppen-F. in Tirol sind teils am Thermen-F. entwickelt, teils durch Zusammenstellen langgestreckter F.paare mit einem Okulus entstanden.

Letzteres zeigt z. B. die Chorflanke der Pfarrkirche Kematen bei Innsbruck, 1754 [57, Abb. 180]; geschweifte F. der ersten Art haben z. B. die Lhs.seiten der Pfarrkirche Innsbruck-Wilten, 1751–56 von Franz de Paula Penz (ebd. Abb. 159), ferner die Fassade der Pfarrkirche Hopfgarten, von Kassian Singer 1757–63 erbaut (ebd. Abb. 151; [65] Abb. 53), und die Stirnwände der Querachse der als Zentralbau von Andre Hueber 1772–79 errichteten Pfarrkirche Zell am Ziller (ebd. Fig. 9 und Abb. 61).

Im 19. Jh. sind Gruppen-F. selten. Charakteristisch im Rückgriff auf Gestaltungsweise des 16. Jh., wenn auch antikisch instrumentiert, ist Schinkels Zusammenstellung eines Halbkreis-F. mit Mittelpfeiler über einem Rechteck-F.paar (Taf. VIII, 5, vgl. seine Lehrbuchzeichnungen: [113] Abb. 118ff.) und das Übereinanderstellen zweier Reihen-F. mit hochrechteckigen Lichten (ebd. Abb. 129, 132, 134, auch 236, 248 u. ö.).

Beim sog. Venezianischen F., der Serliana („Palladio-Motiv“) als F.form, stehen zwei hochrechteckige F.-lichten seitlich einer rundbogigen mit Kämpferpunkt auf Höhe der seitlichen Stürze. Serlio hat Fassaden mit solchen F. als „di costume di Venezia“ bezeichnet (Stanislaw Wilinski, La Serliana, Boll. del centro internaz. di studi di archit. Andrea Palladio 11, 1969, 399 bis 429). Eine antikisierende F.form, hat das Venezian. F. etwa zur gleichen Zeit wie das Thermen-F. an Verbreitung gewonnen (vgl. die alternative Verwendung in einem der Entw. A. da Sangallos d. J. für die Sala Regia des Vat. Pal., um 1539–1546: [68] Bd. 2 Abb. 118).

Möglicherweise wurzelt die F.form in der Architektur Roms um 1500:

Bramante verwendete sie am Obergaden von S. M. del Popolo (um 1505/10; Enzo Bentivoglio und Simonetta Valtieri, S. M. del P. a Roma, Rom 1976, Abb. S. 61); am zwischen ihm und Raffael strittigen S. Eligio degli Orefici, um 1509, ist sie als Querhaus-F. benutzt ([109] Abb. 217f.; St. Wilinski a.a.O., mit weiteren Beispielen). Palladio gebrauchte die Serliana bei der Rekonstruktion römischer Thermen-F. (vgl. A. Zorzi a.a.O. [Sp. 1419] Abb. 85ff., 109, 128 u. ö.).

In Oberitalien sind die Anfänge unklar; z. B. ist die Zugehörigkeit der Venezian. F. an Chor und Querhaus von S. M. della Passione in Mailand zur Bauphase von vor 1488–1495 nicht gesichert (Bau von Giov. Battagio; vgl. R. V. Schofield, Warburg Journ. 39, 1976, 246–253, bes. S. 252f.; C. Baroni a.a.O. [Sp. 1374] Abb. 68); möglicherweise spielte Bramante die entscheidende Rolle (R. V. Schofield a.a.O. S. 252 und Taf. 23 d). In Venedig sind zahlreiche Paläste seit den 1530er Jahren zu nennen (vgl. E. Bassi a.a.O. [Sp. 1404] passim); auch Kirchen (die von J. Sansovino und Aless. Vittoria err. Fassade von S. Zulian, beg. 1553: [62] Abb. 535), weiter die Fassade der Wallfahrtskirche Madonna dei Miracoli in Saronno, 1596–1612 nach Entw. von Pellegrino Tibaldi [109, Abb. 385], oder A. Vitozzis Wallfahrtskirche Mondovi, 1596 beg. (s. Sp. 1403). Palladio hat die Serliana mehrmals als F. verwendet (vgl. [115] Abb. 277, 296f., 325 u. ö.).

Im dt. Sprach- und Kulturgebiet ist frühe Verwendung der Serliana für die F. des ersten wie des zweiten Obergeschosses am Spießhof in Basel, um 1580, erwähnenswert [118, Abb. 19], ebenso an der Rotunde von Schloß Neuhaus in Böhmen, 1592–97 (mit zusätzlichen Oval-F.: Abb. 68). Der Oberitaliener A. Petrini benutzte an Stift Haug in Würzburg, 1670–91, die Form für die oberen Querhaus-F. der Kirche (Lucia Longo, A. P. [= Collana Artisti Trentini, monographie, 57], Trient 1974, Taf. 5f.). Joh. Gg. Starcke milderte im ersten Obergeschoß des Palais im Großen Garten in Dresden, 1676–83, die strenge Form durch Vorziehen des mittleren Abschnitts, der auch eigene Dekoration erhielt [105 a, Abb. 94–96].

Mit dem (englischen) Neo-Palladianismus des 18. Jh. gewann das Venezianische F. kurzzeitig größere Bedeutung (vgl. Rud. Wittkower, Palladio and English Palladianism, London 1974, bes. S. 155ff.). Durch ihn ausgelöst, ist die F.-form in Deutschland um 1800 mehrfach anzutreffen.

Meist bei Wohnhäusern: Entw. von Friedr. Gilly, 1798 (A. Oncken a.a.O. [Sp. 1414] Taf. 61 b), C. W. Coudray, um 1804/05 [124, Abb. 6 und 12] N. F. von Thouret [58, Taf. 75]. – Kirchenbau: Abb. 114; auch die 1812 erbaute kath. Kapelle in Bonn-Poppelsdorf hatte eine Serliana als F. (Inv. Rheinprov. 5,3 Abb. 156). Als öffentliches Bauwerk, dessen ganzes Obergeschoß Venezianische F. erhalten sollte, entwarf L. v. Klenze 1816 für München die Mauthalle (Ausst.Kat. „Klassizismus in Bayern, Schwaben und Franken ...“, Mchn. 1980, Abb. S. 193).

Gelegentlich ist die mittlere F.lichte als Tür ausgebildet: früh am Pal. Kaunitz in Prag, 1773–75 (Emanuel Poche, Pražské Portály, Prag 1947, Abb. 69); Pal. des Barons von Veltheim-Destedt am Burgplatz in Braunschweig, von J. P. Krahe, 1805/08 (R. Dorn a.a.O. [Sp. 1413] Abb. 138 und 143; vgl. auch Abb. 145); Theaterentw. 1811 von Jak. Friedr. Dyckerhoff (Ausst.Kat. „Friedr. Weinbrenner“, Karlsruhe 1978, Abb. 74).

Unter den wenigen Varianten der F.form – meist betreffen sie die F.architektur (vgl. [62] Abb. 518, 716f.; D. Howard a.a.O. [Sp. 1405] Abb. 59, 83) – ist im 18. Jh. eine regional häufiger verwendet worden, bei der der Rundbogen durch einen Segmentbogen ersetzt ist: S-Flügel von Schloß Ellingen, Mfr., 1718–20 von Frz. Keller (Erich Bachmann, Residenz E., Amtl. Führer, Mchn. 19762, S. 35, Abb. 5); Bauten Gabriel de Gabrielis in Eichstätt (Inv. Bayern, Mfr. 1 Abb. 407, 434 und 436; vgl. ebd. Taf. 71 und Abb. 546); Entw. Moriz Pedettis für das Eichstätter Rathaus, um 1760 (ebd. Abb. 527). Als Kirchen-F. hat sie Gaetano Chiaveri verwendet (Kath. Hofkirche Dresden, um 1740, Obergaden-F.: Abb. 101). – Eine andere Variante hat einen über die mittlere F.lichte hinweggezogenen Sturz, so daß das F.tympanon als Halbkreis-F. verselbständigt ist: Pal. Gallas in Prag, von J. B. Fischer von Erlach, Neubau beg. 1713, Hauptgeschoß, Seitenrisalite [37, Abb. 81]. Vgl. auch Abb. 115.

Häufig ist nicht mehr zu entscheiden, ob es sich bei der Serliana von Anfang an um ein Venezianisches F. oder um spätere Veränderungen handelt (letzteres z. B. im Hof des Schlosses Ansbach, 1705–09 von G. de Gabrieli erbaute Arkadengänge, unter Leopoldo Retti vor 1783 zu F. geschlossen: E. Bachmann, Residenz A., Amtl. Führer, Mchn. 1978, S. 39f., Abb. 3).

C. Sonderform der F.teilung: Maßwerk-F.

Das Aussetzen der F.lichte durch Maß- und Stabwerk kam mit dem Ende des MA nicht außer Gebrauch (Maßwerk); im Gegenteil: es gab, vor allem in der 2. H. 16. Jh. und im 17. Jh., eine große Anzahl Gebäude mit Maßwerk-F., überwiegend Kirchen, sowohl in kath. wie prot. Gebieten. Mehr noch als in Deutschland wurde die Tradition in der franz. Architektur des 16. und 17. Jh. weitergeführt, wie durch bedeutende Bauten bezeugt (in Paris die Fassade von St-Etienne du Mont, 1610–26 von Claude Guérin: [76] Bd. 1 Abb. 190, von St-Gervais-et-Protais, 1616–21 von Salomon de Brosse: [87] Taf. 266).

Als Maßwerk-F. bevorzugte man langgestreckte Bogen-F.; doch erhielten auch andere F.formen Maßwerk: z. B. sind am Hauptbau der Deutschordenskommende Siersdorf Krs. Jülich, 1578, quadratischen F. Vierpässe mit durchbrochenen Zwickeln eingeschrieben (Wilh. Pinder, Dt. Wasserburgen, Königstein 1. T. und Lpz. 1941, Abb. S. 31), und an der Jesuitenkirche in Coesfeld, 1673–92 von Ant. Hülse erb., haben auch die liegenden Oval-F. des Obergadens Maßwerk (Abb. 84).

Im Querschnitt ist das Stabwerk ungegliedert oder zeigt, ma. Profile vereinfachend, Schmiege, Wulst und/oder Kehlung, oder es ist eine in den Einzelheiten zeitübliche Kleinarchitektur. Die Maßwerkzeichnung ist, mit der des MA verglichen, oft einfach: große Steinringe ohne Binnenformen als Couronnement (Abb. 69 und 77); das Stabwerk manchmal – anders als im MA – nur mit geraden Abschnitten, wenn nicht überhaupt nur ein einfaches Steinkreuz eingesetzt ist (Abb. 77).

Verzicht auf jegliche Ausbildung des Couronnements, wie er Ende des MA aufkam (s. Sp. 1301f.), gibt es weiterhin; das Maßwerk ist reduziert auf mit dem F.bogen verschnittene Stäbe.

Beispiele sind die seitlichen Rundbogen-F. der Fuggerkap. an St. Anna in Augsburg, um 1509–1518 (Abb. 52), die F. der Friedenskirche in Jauer, Schlesien, einem 1654–1656 von Albr. von Saebisch err. Fachwerkbau [73, Abb. 16f.], und der Dreifaltigkeitskirche in Speyer, 1701–17 von Joh. Peter Graber erbaut (Inv. Bayern, Pfalz 3 Abb. 305–309). Segmentbogen-F. mit zwei senkrechten Stäben hat die ehem. Benediktinerinnenkirche Holzen in Schwaben, 1696–1704 von Franz II Beer gebaut [104, Taf. 19], durch einen Pfosten geteilte Spitzbogen-F. hatte die Schloßkirche Haigerloch, Württ., 1587–1607 (Inv. Hohenzollernsche Lande S. 90f. mit Abb.).

Beispiele für die gotisierende Art in der dt. Profanarchitektur sind das Collegium majus in Erfurt, 1511–15, mit Vorhangbogen (Zwillings-F., Abb. 53), das Rathaus in Nürnberg, dessen F.rose im Ostwandgiebel des großen Saals um 1520/21 zu einem Rundbogen-F. mit Maßwerk umgebaut wurde (M. Mende a.a.O. [Sp. 1314] Abb. 14 und 191); nach M. 16. Jh. kommen gotisierende Maßwerk-F. kaum noch vor.

Im Kirchenbau ist die sog. Jesuitengotik zu nennen (Beispiele die Ordenskirchen in Molsheim i. E., 1616–17, in Köln, 1618–29, beide von Chr. Wamser; Abb. 76; [51] Bd. 1 Taf. 2–5; ebd. und bei E. Kirschbaum a.a.O. [Sp. 1392] weitere Beisp.; s. auch Abb. 84 ). Im Franken des späten 16. und frühen 17. Jh. kommen in der nach dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter genannten Echtergotik Maßwerk-F. häufig vor, z. B. an der Univ.-kirche Würzburg, 1583–91 von Gg. Robin (Inv. Bayern, Ufr. 12 Fig. 397f.), oder dem 1611 beg. Erweiterungsbau der Wallfahrtskirche Dettelbach, von Lazzaro Augustino [141, Taf. 194f.]. In prot. Ländern gibt es ebensoviele Beispiele, so die ev. Stadtkirche Neckarbischofsheim Krs. Sinsheim, Umbau 1543, mit Segmentbogen-F. (Inv. Baden 8,1 S. 51f., Fig. 22), mit Rundbogen-F. die franz.-holländ. Kirche in Hanau, 1599–um 1622 (zerst.; [106] Bd. I Abb. 275), die ev. Katharinenkirche in Frankfurt a. M., 1678–81 von Melchior Heßler [84 f, Abb. 89], als Backsteinbau die Christuskirche in Rendsburg, 1695–97 (ehedem mit gemalter F.rahmung; Abb. 89); die alte Elisabethkapelle in Basel hatte rechteckige Zwillings-F., wohl von 1615 (abgebrochen; Inv. Schweiz 12, Basel-Stadt 3 Abb. 186). Am Fraumünster in Zürich wurde 1652 anstelle des zerstörten Maßwerks im großen F. des n. Qhs.flügels ein neues aus rechtwinklig sich kreuzenden Stäben eingesetzt (Inv. Schweiz 10, Zürich-Stadt 1 Abb. 99).

Vereinzelt in der 2. H. 16. Jh., häufiger im 17. Jh. gibt es gotisierendes Maßwerk-F. auch an Kirchen mit sonst antikischen Einzelformen: Erker-F. der Kapelle am Neuen Schloß in Baden-Baden (Bau 1579 geweiht; Inv. Baden 11,1 Abb. 206); Jesuitenkirche in Dillingen, 1610–1617 von Joh. Alberthal (Inv. Bayern, Schwaben 6 Fig. 90; Jul. Schöttl, Studienkirche D. [= K.führer 258], Mchn. und Zürich 31970, Abb. S. 9); Fassade der Stiftskirche im Hof in Luzern, 1633 von dem Jesuitenbruder Jakob Kurrer (Inv. Schweiz 30, Luzern 2 Abb. 107). Gotisierendes F.-Maßwerk bei sonst niederländisch-manieristischer Architektur zeigt die Neue Kirche in Emden, 1643–48 von Martin Faber (Reinh. Hootz [Hrsg.], Bremen, Niedersachsen [= Dt. Kdm., Ein Bildhdb.], Mchn. und Bln. 1963, Abb. 104).

Maßwerk-F. niederländischer Art zeichnet oft besondere Vielfalt der Ornamentik aus, Blatt-, Schweif-, Roll- oder Beschlagwerk, auch Figurales.

Auf F. dieser Art stößt man vor allem in N-Deutschland, so an Bauten von Paul Francke: an der Aula im Juleum zu Helmstedt, 1592–97 (Rundbogen-F. mit Beschlagwerk; Abb. 69), an der Marienkirche in Wolfenbüttel, 1608–1621 (Spitzbogen-F., im Couronnement mit Pflanzenornament belegt: Friedr. Thöne, W., Mchn. 1963, Abb. 14 und 222f.). Von den Rundbogen-F. an der ev. Stadtkirche in Bückeburg, 1611–1616, hat das mittlere der Fassade einen eingezogenen Bogen (97, Abb. 201f.).

Ein süddt. Beispiel, mit Verwendung von Skulptur, sind die Kapellen-F. am Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses, 1601–04 von Joh. Schoch (Taf. IV b).

Die Verwendung italianisierender Einzelformen ist erst spät und nur vereinzelt nachzuweisen, z. B. an den F. der ehem. Stiftskirche Großkomburg, Umbau 1705–16 durch Jos. Greissing ([39] Abb. 130; Inv. Württ., Schwarzwald-, Jagst- und Donaukrs., Taf.bd. Taf. (48)).

In der 2. H. 18. Jh. hat man wieder Maßwerk-F. im Profanbau verwendet, in der Absicht, beim Betrachter des Gebäudes eine an die Zeit des MA gemahnende Stimmung hervorzurufen. England mit seiner ungebrochenen gotischen Bautradition spielte dabei wesentlich die Rolle eines Landes der Vorbilder (vgl. Gg. Germann, Neugotik, Stg. 1974, Abb. 5f., 14, 17, 19ff.), im Gegensatz zu Frankreich, wo zwar architekturtheoretische Diskussionen über Gotik und Geschmack auch F. einbezogen, die Wirkung aber im wesentlichen zunächst literarisch war (dazu vgl. Wolfg. Herrmann, Laugier and 18th c. French theory, [= Stud. in archit., 6], London 1962).

Ein sehr frühes Beispiel sind die Spitzbogen-F. mit einfachen Maßwerk-Nasen an dem von Kg. Friedrich II. konzipierten Nauener Tor in Potsdam, 1755 [84 d, Abb. 177]. Das „gotische Haus“, das Gg. Chr. Hesekiel – unter dem Eindruck von Strawberry Hill – ab 1773 im Park von Wörlitz errichtete, hat F. mit sehr dünnstäbigem Maßwerk (z. T. aus Holz; Inv. Land Anhalt 2,2 Taf. 75f. und 81f.; Abb. 111), ebenso die 1795 von Brendel auf der Pfaueninsel bei Potsdam als Parkruine gebaute Meierei (Paul Ortwin Rave, Bln. ..., Mchn. und Bln. 21966, Abb. 41). Für Maßwerk-F. in Schloßbauten Schinkels s. Taf. VIII, 8.

Auch Kirchenneubauten erhielten vereinzelt wieder Maßwerk-F.: Stiftskirche Buchau am Federsee, 1773 nach Plan von Michel d'Ixnard beg. (Abb. 110). Nach 1800 nahm man sich zunehmend reale ma. Maßwerk-F. zum Vorbild, vor allem solche des späten 13. und des 14. Jh. mit ihrem reichen Couronnement; als beliebige Beisp. seien genannt: der Entw. zum „Verteidigungsbau“ der Franzensburg in Laxenburg, 1806 von Joh. Ferd. Hetzendorf von Hohenberg [67, Abb. 110]; Schinkels Entw. für den Dom auf dem Potsdamer Platz, 1815 (P. O. Rave, Berlin I [= Schinkelwerk], Bln. 1941, Abb. 97 und 102f.), und die ausgeführte Kirche auf dem Friedrichswerder in Berlin (Abb. 117); Daniel Ohlmüllers Mariahilfkirche in München-Au, 1831–1839 (G. Germann a.a.O. Abb. 53).

D. F.architektur

1. Die F.architektur wird in den Traktaten zu den „Verzierungen“ gerechnet und in den diesen gewidmeten Abschnitten abgehandelt. Art und Umfang hängen von der Bauaufgabe ab, beim einzelnen Bauwerk sodann vom Rang des Stockwerks oder von der Achsengliederung. Die Mittel zur Bereicherung sind in der Regel architektonische (auch Architekturmalerei) oder solche der Ornamentik (vgl. Abb. 50 und, gemalt, Abb. 66); doch fügte man – zumal um 1600 und im 18. Jh. – auch Bildhauerarbeiten ein. Dies gilt besonders für die Außenseite des F.; Skulpturen an der Innenseite sind im allgemeinen nicht am F., sondern in der F.nische angebracht.

Friese unter den F.öffnungen mit Bildwerk sind im 16. und 17. Jh. vereinzelt ausgebildet (z. B. Pistoia, Ospedale del Ceppo, Vorbau von 1514 mit Reliefs von Santi Buglioni u.a.: [135] Teil 1 Fig. 225; Venturi Bd. 10,1 Fig. 425–431; Fürstenhof in Wismar, 1553–54: [117] Abb. 95f.; vgl. ebd. Abb. 97f.); im späten 18. und frühen 19. Jh. waren sie beliebt: Hiltlhaus in München, Reliefs 1806 von Frz. Jak. Schwanthaler (Paul Mebes, Um 1800, Mchn. 1908, Bd. 1 Abb. S. 85); mehrere Beisp. in Berlin, u. a. von Joh. Gottfr. Schadow (ebd. Abb. S. 57 und 145; Herm. Schmitz, Berliner Baumeister vom Ausgang des 18. Jh., Bln. 19252, Abb. S. 250 und 280; weitere Beisp. bei P. Mebes a.a.O. Abb. S. 78, 103, 107). Mit Skulpturen besetzt ist die Brüstungszone des Brieger Piastenschlosses, 1552–53 von J. Bahr (Abb. 59). Figürliche Brüstungsreliefs (Dresden, Pal. Boxberg, Umbau 1783: [105a] Abb. 251) waren bei Fachwerkbauten beliebtes Ornament (RDK VI 957; [117] Abb. 61; s. auch Fenstererker Abb. 1 e).

Skulptur im Giebeltympanon zeigen z. B. die Renss.laube des Lübecker Rathauses, zw. 1570 und 1572 (Abb. 63), die Aula des Helmstedter Juleums, 1592–97 von P. Francke (Abb. 69), und der Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses, 1601–04 von J. Schoch (Taf. IV b). Um 1700 und während des 18. Jh. war die skulpturale Bereicherung der F.verdachung manchmal besonders üppig: F. am Berliner Schloß, ab 1698, mit liegenden Figuren zwischen F.rahmung und kurviert geführter Verdachung (Heinz Ladendorf, Andr. Schlüter, Bln. 19372, Abb. 64–66); für die unteren F. der Marienkap. von St. Florian, O.Ö., 1699 (?), s. Fenstergitter Abb. 8 und [96] S. 104f., Abb. 24. Potsdamer Beispiele für Skulpturen am oder über dem F.sturz und für figurale Schlußsteine bei Friedr. Mielke, Das Bürgerhaus in P. (= Das dt. Bürgerhaus, 15), Tübingen 1972, Bildteil Taf. 175ff. In der 2. H. 18. und im frühen 19. Jh. hat man F. gern in eine Blende mit kontrastierendem Umriß eingestellt und die Zwischenfläche figürlich geschmückt (insbesondere die Tympana von Rundbogenblenden um Rechteck-F.: P. Mebes a.a.O. Abb. S. 107 und 144; Entw. Schinkels: [113] Abb. 72, 104f., 114f., 285).

Einzig am F.gewände verwendete man selten Skulpturen. Guarini sah im Entw. für S. Filippo Neri in Turin, 1664–73, vor, die Pfosten zwischen den Teillichten der Obergaden-F. als Hermen auszubilden [22, Taf. 15]. Atlanten sind der Laibung der F. im obersten Stock am Belvedere des Charlottenburger Schloßparks zu Berlin eingefügt (C. G. Langhans, 1787–88: H. Schmitz a.a.O Abb. S. 150f.). K. F. Schinkel setzte manchmal Figuren vor oder an die Stelle pfeilerförmiger F.pfosten oder F.-gewände (Taf. VIII, 5 und 7; [113] Abb. 55, 66f., 118f., 261, 263; Karyatiden als F.gewände: ebd. Abb. 139). Hermen anstelle von Säulen oder Pilastern einer F.ädikula zeigen z. B. die F. an der Straßenseite des Wismarer Fürstenhofs, 1553–54 [117, Abb. 95]; das mittlere F. am Chorschluß von St. Niklas auf der Kleinseite in Prag, 1737–52 von K. I. Dientzenhofer, hat Engelhermen [110, Abb. 87]; am Böttingerhaus in Bamberg, um 1707–1713, begleiten Hermen die Rahmung der F. in der Portalachse ([93] Taf. 102 a; vgl. auch Taf. 149).

2. Glich man die Sohlbank nicht Gewänden und Sturz an, so daß ein umlaufendes Profil zustandekam, so bildete man sie als eine gesimsartige Bank, auf der die F.rahmung aufgesetzt sich totläuft oder umgebogen und gekappt aufsteht (Abb. 57; auch ohne F.rahmung: Abb. 112).

Unter die gesimsartige Sohlbank wurden seit dem späten 15. Jh. in der ital. Architektur Konsolen gesetzt, anfänglich nur kurze, vom 16. Jh. an auch bis zur Unterkante des Geschosses reichende (Beispiele s. Sp. 1331), die in der Regel Teil einer reicheren F.architektur sind und manchmal die Form von Löwenfüßen haben [109, Abb. 102, 263, 321, 403f., 429]. In Deutschland übernahm man beide Konsolarten: relativ oft die normal lange („Kragsteine“, „Seitenrollen“: [17] S. 150; „Schneckenstützen“: [29] S. 165; vgl. Taf. IV b; Abb. 51, 55, 57, 106), doch auch die lisenenartig langgestreckte, die die Höhe des Brüstungsfeldes unter der Sohlbank einnahm (Abb. 116; z. B. haben manche Wiener Paläste des 17. und 18. Jh. im Obergeschoß Konsolen bei den niedrigen Brüstungsfeldern, vgl. [71 a], Abb. 42, 46, 66; in die Brüstungsfelder der Erdgeschoß-F. fügte man mehrfach die Keller-F. ein: ebd. Abb. 6f., 13, 50, 57).

Die Einbindung der F. in die Fassade erfolgte vor allem im Profanbau häufig dadurch, daß ein den Bau gliederndes Gesims in Höhe der Sohlbänke gelegt und in Bezug zu diesen gesetzt ist. Dieses Gesims kann auch das Abschlußprofil eines Frieses oder eines Sockelbandes sein.

Mit den Sohlbänken verschmolzene Gurtgesimse gibt es bei gotisierenden Bauten (Abb. 53 und 76; Schloß Hartenfels in Torgau, Südostflügel, 1533–36 von Konr. Krebs: [117] Abb. 84; vgl. ebd. Abb. 14 bis 16, 58, 65f.). Bei antikisierenden Bauten ist die Sohlbank so niedrig ausgebildet, daß sie lediglich wie eine zusätzliche Abtreppung des Gesimses wirkt (Abb. 63 und 74; Haus Zum Falken in Würzburg, 1735: [108] Abb. 94). Manchmal reicht das Gesims nur bis zum äußeren Abschluß der äußeren F. (Abb. 55).

Friese, auf denen die F. des nächsten Geschosses aufsitzen, gibt es in der neuzeitlichen Architektur seit Brunelleschis Findelhaus in Florenz, beg. 1419 (s. Sp. 1329f.). Im dt. Sprachgebiet sind aus dem 16. Jh. Häuser in Stralsund, Bremen, Erfurt oder Basel zu nennen ([117] Abb. 28f., 68 [2. Obergeschoß]; Abb. 64). Das Sockelband (Beisp.: Ratsstubenbau der Alten Hofhaltung in Bamberg, 1571–88 von Erasmus Braun erb.; Rathaus in Rothenburg o. d. T., 1572–78: [117] Abb. 123 und 24) kann infolge der Geschoßgliederung durch Säulen oder Pilaster verkröpft (Abb. 58 und 82) oder – in der Barockzeit – als Blendbalustrade gebildet sein (Abb. 88); die Sockelhöhe ist bestimmt durch die Proportionsverhältnisse der Säulenordnung.

3. Die Fläche zwischen Sohlbank und tief erliegendem Gesims hat man gern – wenn auch nicht immer – nach außen hin als Brüstungsfeld ausgebildet, oft so kräftig, daß es wie ein Podest wirkt, auf dem das F. „steht“ ([31] S. 117: „Postament“; [29] S. 165: „F.stützen“; ital. Beisp. des 15. und 16. Jh. bei [109] Abb. 128–30, 263, 266, 403f.). Im dt. Sprachgebiet kommen Brüstungsfelder im 16. und 17. Jh. vor allem bei italianisierenden Bauten vor; im 18. und 19. Jh. sind sie allgemein üblich (Abb. 73, F. des oberen Fletz; Abb. 92, Tambour-F.). Bei F., die mit ihrer Lichte auf einem Fries oder Sockelband sitzen, hat man oft die Brüstungsfelder als vorgezogene Abschnitte unter den F.öffnungen tafelartig ausgebildet (Abb. 58). Die Realhöhe der F.brüstung braucht mit der des Brüstungsfeldes nicht identisch sein; Abweichungen sind sogar häufig, bedingt insbesondere durch Maßdifferenzen zwischen der vorgegebenen Raum- oder Geschoßhöhe und den aus der gewählten Säulenordnung für die Fassade resultierenden Proportionsverhältnissen (vgl. Taf. I D, Ansicht und Schnitt).

Nicht selten benutzte man Brüstungsfelder, um durchgehende F.achsen zu bekommen; man zog die Bekrönung der unteren F. mit den Brüstungsfeldern der Haupt- oder Obergeschoß-F. zusammen (vgl. Taf. VI g, Abb. 517 und 104, hier im Untergeschoß der Fassade).

Als Dekoration der Brüstungsfelder dienen Rahmenmotive, Kartuschen, Draperien, Fruchtgehänge, Rosetten usw. (ein Beisp. Abb. 104); bei Blendbalustraden schlug Schmidt [29] S. 165 vor, „durch einen dunklen Anstrich in den Vertiefungen die Täuschung zu befördern“, es handle sich um echte Balustraden.

Bei Kirchenbauten des 17. und 18. Jh. ist nicht selten eine Balustrade dem unteren Teil der F.lichte vorgesetzt, obwohl der Platz hinter ihr infolge des starren F.verschlusses nicht betretbar ist (Beisp. Taf. VI g, i, l; s. auch Sp. 618 Abb. 49, Sp. 619 Abb. 50, Sp. 621 Abb. 52 a).

Bei Geschossen mit Quaderung oder Bänderung verzichtete man in der Regel auf Brüstungsfelder und zog die Quaderung über die F.brüstung hinweg (manchmal verbunden mit besonderer Betonung der Sohlbank: Abb. 112; vgl. [29] S. 163f. und 262); gleiches gilt für F. in Erdgeschossen über gequadertem Sockel (Abb. 87). F. in Halbgeschossen erhielten keine Brüstungsfelder, um sie optisch nicht aufzuwerten.

Erhielt der Innenraum eine Wandgliederung, so gab die Höhe der F.brüstung häufig das Grundmaß für die Sockelzone ab, so besonders oft im 18. Jh. bei vertäfelten oder stukkierten Zimmern mit Lambris: vgl. [71 a] Abb. 27; [93] Taf. II und VI.

4. Die Laibung blieb so gut wie immer unverändert, außer ihr wurden infolge F.teilung Säulen, Pilaster und dgl. vorgelegt. Der Laibung vorgelegte Pilaster bei ungeteilten F. zeigt der Pal. Pitti in Florenz, ab 1458 erb. [129, Bd. 1 Abb. S. 18]. Rankenbänder weisen toskanische Klosterbauten der 2. H. 15. Jh. auf (Badia Fiesolana, um 1460; Badia in Arezzo, um 1470: ebd. Abb. S. 20 und 92); Schinkel fügte Tonreliefs mit Rankenornament der F.laibung am Feilnerhaus in Berlin ein, Entw. 1829 [116, S. 216–222, Abb. 223f.].

5. F. rahmung. „Es muß ein jedes F. an der Außenseite des Gebäudes eine Einfassung haben. Diese Einfassung ist theils wegen der Festigkeit, theils der Schönheit wegen nöthig“ [31, S. 114]. Sie umgreift bei freistehenden F. die F.lichte; dies gilt sowohl für Kirchen-F. (Abb. 69, 75, 78) wie für die von Profanbauten, vor allem von Bürgerhäusern (Muster bietet z. B. [31] Taf. I Fig. 17f.), für F. an Klosterbauten [108, Abb. 44 und 111], im Schloß- und Palastbau (ein Beisp. Abb. 72) oft nur für F. der Nebengeschosse (vgl. [71 a] Abb. 1–3 u. ö.; Taf. VI, 6). Bei freistehenden F. mit selbständig gestalteter Sohlbank oder auf ein Gesims gesetzten F. ist die Rahmung auf Gewände und Sturz beschränkt.

Die antikische Faszienrahmung oder „Einfassung mit der Leiste“ (so [29] S. 164) ist in der Architekturtheorie (s. Sp. 1332) wie in den hierin älteren neuzeitlichen Baugepflogenheiten Italiens Bestandteil der Säulenordnung.

Brunelleschi legte am Findelhaus in Florenz, 1419 beg., um die F.Öffnungen ein flach gestuftes Profil mit äußerer Schmiege. Gleichartiger oder ähnlicher Profile bediente er sich auch bei Kirchenbauten in Florenz (S. Lorenzo, ab 1419; Pazzikapelle, 1443 heg.; S. Spirito, 1444–um 1487). Diese straff wirkende Rahmung wurde im italienischen Palast- und Kirchenbau tradiert (z. B. in Florenz am Pal. Rucellai, 1446–51, am Pal. Strozzi, 1489ff.; s. Sp. 1330 und für die genannten und weitere Beisp. [128] passim; [129] passim) und während des 16. Jh. beibehalten (Uffizien in Florenz, 1560–um 1588 von Giorgio Vasari: [91] Taf. 347).

Ins deutsche Sprachgebiet kam die Faszienrahmung mit italianisierenden Bauten und wurde bis ins 19. Jh. beibehalten, bei stehenden F. (Taf. V h und k; Abb. 55, 58f. und 105) wie bei zentrierten (Taf. V b, d–f; Taf. VI, 6; Abb. 78) und bei F. mit kurviertem Umriß (Abb. 94 und 103).

Eine Bereicherung des Umrisses brachte das Verkröpfen der F.rahmung durch Öhrung („Eckzierden“: [31] S. 116). Sie kann in Anlehnung an antike Vorbilder nur seitlich vorgenommen sein (vgl. [30] 3. Buch S. 61, 4. Buch S. 172), sowohl oben und unten wie allein oben, oder aber an den oberen bzw. oberen und unteren Ecken (vgl. [31] Taf. I Fig. 19). Zeitweise hat man oben die Ecken verkröpft, unten die Enden der Sohlbank heruntergezogen („halbe Eckzierden“: [31] S. 117, Taf. I Fig. 19 a; Abb. 78).

Vereinzelt im 15. Jh., häufiger im 16. Jh. verwendeten ital. Baumeister die seitlich verkröpfte Rahmung; Serlio [30] bietet im 4. und 7. Buch dafür Vorlagen in größerer Zahl, meist bei F. ohne Verdachung. Ein besonders frühes Beisp. sind die Erdgeschoß-F. im Klosterhof der Badia Fiesolana, um 1460 [129, Bd. 1 Abb. S. 19]; in der Baukunst des 16. Jh. gibt es Beisp. sowohl im profanen wie im sakralen Bereich, von Ant. da Sangallo d. Ä. an der Kirche von S. Biagio bei Montepulciano, 1518–45, und am Pal. Tarugi (Ilari) in Montepulciano (ebd. Abb. S. 139 und 142 sowie 150), an römischen Palazzi aus dem Umkreis Raffaels (z. B. Pal. Alberini-Cicciaporci, Bauphase ab 1518: [66] Bd. 3 Taf. 1ff.; ebd. weitere Beisp.) sowie von Bald. Peruzzi (z. B. Pal. Massimo alle Colonne, um 1535 beg.: ebd. Taf. 92, 94, 99). Voll ausgebildete Öhrung aller vier Ecken haben die F. im Obergeschoß des Senatorenpalastes in Rom, von Giac. della Porta und Girol. Rainaldi, 1582–1605 [109, Abb. 315f.].

In Deutschland kommt im 16. Jh. vereinzelt seitliche Verkröpfung vor (Mezzanin-F. des Italien. Baus der Landshuter Stadtresidenz, ab 1536: [106] Bd. 2 Abb. 3; Zwillings-F. an der Brauerei Koch in Wismar, 1569–71 von Ph. Brandin: ebd. Abb. 136; F. der ehem. Maxburg in München, ab 1578 erb.: [106] Bd. 2 Abb. 13), auch noch in der 1. H. 17. Jh. (Augsburger Rathaus, Abb. 73) und auch bei Rundbogen-F. (die oberen Verkröpfungen auf Kämpferhöhe: Abb. 81); bei Rechteck-F. ist die Verkröpfung auf Höhe des Sturzes unter dessen Unterkante heruntergezogen (Rathaus in Nürnberg, Abb. 74). Öhrung der Ecken, in dieser Zeit noch selten (Obergaden-F. der Aschaffenburger Jesuitenkirche: Abb. 75), gibt es im späteren 17. und im 18. Jh. häufig (Abb. 88, 91, 97; eine Variante mit hochgezogenem Bogenabschnitt: Taf. VI m, eine andere: Taf. I E).

Im späten 18. und im 19. Jh. griff man auch auf die „klassizistische“ seitliche Verkröpfung zurück, wie man sie im 15. und 16. Jh. in Italien verwendet hatte: vgl. Lehrbuchzeichnungen Schinkels, gegen und nach 1825 [113, Abb. 72, 81, 104, 106, 120 u. ö.].

Anstelle der Faszien setzte man auch anderes Ornament. Häufig ist die Quaderung (wohl von Italien übernommen: Pal. Guadagni in Florenz, um 1500: [129] Bd. 1 Abb. S. 108f.): F. seitlich des Erkers im Hof des Merseburger Schlosses, ab 1603 von Melchior Brenner (RDK V 1267f. Abb. 16); Zwillings-F. der Stadtwaage (ehem. Rathaus) in Neiße, 1604 [106, Bd. 2 Abb. 91]; Wiener Beisp. des 17. und 18. Jh., meist im bossierten Erdgeschoß, bei [71 a] Abb. 6, 50f., 56f., 66; s. auch Sp. 1342. Bossenquader verwendete P. Francke am Juleum in Helmstedt (Abb. 69). Eine Folge von Feldern und Spiegeln füllt die Rahmung der Rundbogen-F. im Celler Schloßhof (Abb. 66), ornamentales Relief die Pfosten und Bogen der Drillings-F. am Wismarer Fürstenhof (Abb. 61).

Die F.rahmung konnte auch mit Pfeilern und Gebälk instrumentiert werden. Bei Rechteck-F. ergab dies die Form einer Ädikula (Abb. 57; F. am Zeughaus in Augsburg, 1602–07 nach Entw. von J. Heintz von E. Holl: Sp. 656 Abb. 76; bei Zwillings-, Drillings- und Reihen-F. häufig, s. Sp. 1342f.; Taf. IV a und b, Abb. 51 und 64); bei Bogen-F. entstand so eine eingestellte Arkade (Taf. VI, 7–9; Abb. 61), die man gelegentlich um einer perspektivischen Wirkung willen abschrägte (F. am Obergeschoß des 1633 von Gianlorenzo Bernini voll. Pal. Barberini in Rom, Gartenseite; Balkon-F. der Deutschordenskommende in Frankfurt a. M. – Sachsenhausen, Plan 1710/11 von Maximilian von Welsch: Joach. Meintzschel, M. v. W. [= Quellen und Darst. zur Fränk. Kg., 2], Würzburg 1963, Abb. 33; Fassaden-F. der 1735 voll. Kirchenfassade von Weltenburg, C. D. Asam zugeschr.: Sp. 618 Abb. 49; [82] Taf. 19).

Bei gotisierenden F.rahmungen ist der Fuß der F.pfosten meist sehr hoch; das Stabwerk von Gewände und Sturz an den Ecken überkreuz geführt und durchgesteckt; die senkrechten Stäbe haben oft sehr hohe und ornamentierte Sockel (vgl. Abb. 50; durchgestecktes Stabwerk bei den F. am Ratsherrnstubenbau der Alten Hofhaltung in Bamberg, 1571–88: [117] Abb. 123).

Bandartige F.rahmung mit Rankenwerk ist selten; vgl. als Beispiel die Franziskanerkirche in Wien, 1601–03 (Abb. 70).

Verzicht auf die F.rahmung war um 1800 in der Nachfolge der franz. Architektur zur Zeit der Aufklärung (vgl. [25] Taf. 19ff.) Stilmittel zur Fassadengestaltung (vgl. [29] S. 164 und [31] S. 115; Abb. 112).

Manchmal hat man um die F.rahmung bilderrahmenartig eine zweite, ornamentale gelegt (sowohl bei Faszienrahmung: Abb. 82; wie bei gotisierender: Abb. 66, diese gemalt), bei Fachwerkbauten manchmal eine ornamentierte Holzrahmung vorgeblendet (ein Danziger Beispiel um 1600 [?] bei [106] Bd. 2 Abb. 125).

6. Der architektonischen Hervorhebung des F.sturzes dient der (oft ornamentierte) Schlußstein. Er ist bei Bogen-F. – auch beim scheitrechten Bogen – im 16. Jh. noch selten (Michaelskirche München, 1583–97: Sp. 590 Abb. 28; Gewandhaus in Braunschweig, 1591: [117] Abb. 44), vom 17. Jh. an häufig und kann als Ornament auch dem Sturzbalken appliziert sein (z. B. am Rathaus von Gernsbach, Baden, 1617–18 von J. Schoch [?], bei den Zwillings-F., deren Sturz über dem Mittelpfosten verkröpft ist: ebd. Abb. 73). Ornamentik kann an die Stelle des Schlußsteins treten, vor allem im 18. Jh. (Abb. 104).

Beisp. von Schlußsteinen bieten Taf. IV b, V g, i–l und VI; Abb. 78, 86, 104–106, 109, 110.

Die Einbindung des F. in die Fassade wird manchmal unter Benutzung des Schlußsteins vorgenommen; z. B. sind die Konsolen der Friese am Pellerhaus in Nürnberg, 1602–07 nach Entw. von J. Wolff d. Ä., zugleich die Schlußsteine der Rundbogen-F. [117, Abb. 70].

7. Als F.bekrönung war eine Verdachung mittels Gesims oder Giebel das übliche. Sie ist entweder über dem Sturz oder der F.rahmung angebracht oder von diesen durch ein Zwischenglied abgesetzt (Architrav, Fries, Ornamentfeld, Inschrifttafel, Laubgewinde usw.); manchmal ließ man die freie Wandfläche stehen. Oft legte man die Verdachung auf Konsolen (vgl. Abb. 75), die neben oder auf der F.rahmung sitzen können oder ohne Verbindung zur F.rahmung blieben (vgl. Abb. 75). Bei F. mit kurviertem F.sturz führte man, wollte man die Verdachung nicht gleichfalls kurvieren (Taf. VI, 5, 6 und 8; Abb. 81, 85, 98 b, 104), die F.rahmung in eine rechteckige Blende über (Abb. 60, 73 [unteres Fletz], 116) oder belegte die Fläche zwischen Rahmung und Verdachung mit Ornamentik (z. B. Bossenquader am Juleum in Helmstedt: Abb. 69, bei den Kapellen-F. am Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses: Taf. IV b; am Fürstenhof in Wismar sind zudem Rosetten appliziert: Abb. 61). Bei Giebeln minderte man bisweilen die Tiefe des horizontalen Gesimses oder verzichtete auf dessen Mittelabschnitt und führte den F.bogen bis an das Giebeltympanon (vgl. [30] 7. Buch S. 83, L und M). Für die Fassadengestaltung hatte man durch Ausnutzung und Abwandlungen der genannten Möglichkeiten ein reichhaltiges Instrumentarium zur Hand.

Die Bekrönung sowohl durch Gesims wie durch Giebel kam in der ital. Baukunst des 15. und 16. Jh. auf, in Anlehnung an antike Vorbilder und Formen, schon mit zahlreichen Varianten der Ausgestaltung.

Das Gesims unmittelbar auf der F.rahmung gibt es an den F. der Chorkapellen von S. Lorenzo in Florenz, 1419 beg. [129, Bd. 1 Abb. S. 12], bei den F. des Pal. Ducale in Urbino (J. Bialostocki a.a.O [Sp. 1318] Taf. 444) und an S. M. delle Carceri in Prato, 1484–95 von G. da Sangallo [109, Abb. 145]; Konsolen haben die Gesimse über den Erdgeschoß-F. der Villa Medicea in Poggio a Caiano, 1480–85 nach Plänen G. da Sangallos [129, Bd. 1 Abb. S. 120–122]. Laubgewinde anstelle des Gesimses verwendete Alberti (Hl. Grabkap. in Florenz, um 1467: ebd. Abb. S. 64), Laubgewinde zwischen Rahmung und Gesims gibt es im Kloster der Badia Fiesolana, um 1460 (ebd. Abb. S. 25), einen glatten Fries am Pal. del Magnifico in Siena, 1508 nach Entw. von Giac. Cozzarelli (ebd. Abb. S. 171), Inschriften an den Hauptgeschoß-F. der Cancelleria in Rom, um 1485 (J. Bialostocki a.a.O. [Sp. 1318] Taf. 445).

Giebelverdachung direkt auf der F.rahmung verwendete Brunelleschi am Florentiner Findelhaus im Obergeschoß (s. Sp. 1329f.), einen eingeschobenen glatten Fries Bramante (um 15 10 am Pal. Caprini in Rom: [80] Taf. 165). Der Wechsel von Dreieck- und Segmentbogengiebel war seit etwa 1520 häufig; röm. Beisp. bei [66] Bd. 3 Taf. 21, 78 und 81 sowie 139f.; Todi, S. M. della Consolazione, 1508 beg. von Cola da Caprarola [109, Abb. 228]. Serlio bot – bei Überwiegen allerdings von Gesimsen für Verdachung – auch Muster für Giebel mit Formwechsel [30, 3. Buch S. 121v und 123, 4. Buch S. 152f. und 178v, 7. Buch S. 63, 195 und 237]; doch hatte man dafür auch antike Vorbilder unmittelbar vor Augen (Porta dei Borsari in Verona, s. Sp. 1264).

Im dt. Sprachgebiet brachten bis zum frühen 17. Jh. sowohl einheimische wie italienische Baumeister relativ oft Gesimse als F.bekrönung an.

Bei gotisierenden Bauformen sind Gesimse als Verdachung vor allem über Zwillings-, Drillings- und Reihen-F. häufig (Beisp. s. Sp. 1342f.). Bei welschen Bauformen kommen Gesimse vor, z. B. bei den F. des von Paolo Stella 1536–52 in Prag err. Belvedere (RDK II 231f. Abb. 3), bei den F. des Augsburger Rathauses (Abb. 73), an den Klostergebäuden in Seckau, Stm., um 1625 von P. F. Carlone [85 a, Abb. 308]. Bei Bauten mit einem Formengemisch aus später Gotik und italianisierender Renss. (Abb. 55, hier über den Pilastern vor den schmalen F.schäften verkröpft) erhielt das Gesims oft eine Bekrönung, etwa eine im Halbkreis gefaßte Muschel (Abb. 57 und 64), eine an Kaminaufsätze erinnernde Verdachung (Erker-F. des Hauses Philippine-Welser-Str. 24 in Augsburg, 1544/46: [117] Abb. 57), Kartuschen (Haus Zum breiten Herd in Erfurt, 1584, 1. Obergeschoß: ebd. Abb. 68; Stadtwaage in Bremen, 1586: [97] Abb. 123).

Manchmal bildet auch ein über die Fassade reichendes Gesims die F.verdachung (Abb. 65, Haus Neißstr. 29 in Görlitz, um 1570: [117] Abb. 59); an der von J. Heintz entw., von E. Holl 1609 ausgeführten Augsburger Metzig ist dem Gesims über dem zweiten Obergeschoß jeweils über den F. ein Profil vorgelegt (ebd. Abb. 74).

Die Bekrönung durch Giebel kam im 2. V. 16. Jh., durch ital. Bauleute vermittelt, im Norden in Übung, auch das Wechseln der Giebelform (z. B. Abb. 58). Die einheimischen Baumeister übernahmen die Giebel als Bekrönung sowohl bei italianisierenden (Abb. 73) wie bei gotisierenden F. (ein Beispiel Abb. 63), auch Sprenggiebel (ein Beisp. Abb. 72). Am Nürnberger Rathaus setzte J. Wolff d. J. die Giebel auf das durchlaufende Gesims über dem zweiten Obergeschoß über jedes zweite F. und wechselte zwischen Segmentbogen und Dreieckform ab (Abb. 74).

In Italien im 16. Jh., im dt. Sprachgebiet unter ital. Einfluß wohl erst während des 17. Jh., ist eine Hierarchie der F.architektur entwickelt, in der das in eine Ädikula gesetzte F. den höchsten Rang hat (s. Sp. 1452); ihm sind F. mit Verdachungen nachgeordnet, wobei das Gesims in der Regel dem nachgeordneten F. zukam. Seither hängt bei Fassaden mit F.verdachung die Alternative Giebel – Gesims oft mit dem Rang des Stockwerks oder des Bauteils zusammen.

Traditionell wird das Piano nobile durch Giebel über den F. ausgezeichnet. Manchmal haben dann die F. im Erdgeschoß und/oder in den anderen Obergeschossen Gesimse als Verdachung: Wiener Beispiele bei [71 a] Abb. 4–9 und 13, böhmische bei [61] Taf.abb. 44f.; St. Kajetan in Salzburg, 1685–1700 von Joh. Kaspar Zuccalli, Klostertrakte (Sp. 605f. Abb. 42), Schloß Charlottenburg in Berlin, 1695 von J. A. Nering beg. (H. Reuther a.a.O. [Sp. 1385] Abb. 59).

Manchmal ist die Bekrönung durch Giebel den F. des Mitteltrakts vorbehalten, so in Böhmen vor allem bei Bauten von J. B. Mathey (Schloß Troja, 1679 bis 1685, Pal. Toskana in Prag, um 1687–1691: [61] Taf.abb. 44f., vgl. auch Taf.abb. 48); als Wiener Beisp. sei das Gartenpal. Schwarzenberg genannt, um 1699–1704 von J. L. von Hildebrandt, 1720–23 von J. B. Fischer von Erlach voll. [71 a, Abb. 20].

Gab man den F. mehrerer (oder aller) Geschosse Giebel, dann wechselte man gern zwischen Dreieck- und Segmentbogengiebel. Sie können in den Geschossen „phasenverschoben“ angeordnet sein (Pal. Abensberg-Traun in Wien, 17. Jh.: [61] Taf.abb. 4; Pal. Czernin in Prag, von F. Caratti 1668 beg.: Sp. 659f. Abb. 78; Schloß Ohlau in Schlesien, 1660–80 von Carlo Rossi: Konstanty Kalinowski, Architektura barokawa na Sląsku w drugije polowie XVII wiecku [= Studia z historii sztuki, 21], Breslau usw. 1974, Abb. 40; Neues Schloß Öttingen, Württ., 1679–82: W. Fleischhauer, Barock im Hzgt. Württ., Stg. 1958, Abb. 36f.). An anderen Bauten unterschied man nach den Geschossen oder Bauteilen: Schloß Libochowitz, Böhmen, 1683–89 von Ant. da Porta, hat Segmentbogen-Giebel im Erdgeschoß, Dreieckgiebel im Obergeschoß [61, Taf.abb. 10]; A. Petrini zeichnete an Schloß Seehof, 1687 beg., die F. der Ecktürme und des Erdgeschosses durch Dreieckgiebel aus, im Obergeschoß der Zwischenflügel hat jedes zweite F. einen Segmentbogengiebel (s. Sp. 1337).

Selten ist allein das Erdgeschoß durch Giebel betont (Sprenggiebel am Jesuitenkolleg in Schweidnitz, 1664–68: K. Kalinowski a.a.O. Abb. 59).

F. mit einem Gesims als Verdachung, das abweichend von der Form des F.Sturzes in ganzer Breite oder im Mittelabschnitt kurviert oder giebelförmig gebrochen ist, gibt es im 16. Jh. in dekorativem Zusammenhang (Sgraffito-Dekoration eines Hauses in Telč, um 1555: [121] Abb. 104) und in Ornamentstichen (vgl. Wendel Dietterlin, Architectura ..., Nürnberg 1598 [Neudr. Darmstadt 1965], Bl. 104 und 189). In gebauter Architektur sind Beispiele seit dem 2. V. 17. Jh. faßbar.

In Italien gewann vor allem Borromini durch Kurvieren oder giebelförmiges Brechen des geraden Gesimses besonderen Formenreichtum der F.architektur (vgl. [114] Abb. 11, 37, 39; die Verdachungen des Obergeschosses an der Seitenfassade des Collegio di Propaganda Fide in Rom, 1662 voll., bieten geradezu eine Mustersammlung an Möglichkeiten: ebd. Abb. S. 280 und Abb. 157f.).

Im dt. Sprachgebiet sind kurvierte und gebrochene Gesimse vom ausgehenden 17. Jh. an in größerer Zahl anzutreffen und bald weit verbreitet. Ausgangsgebiet sind – wohl neben Italien selbst – vielleicht die habsburgischen Länder; Beispiele außerhalb dieser Gebiete bezeugen oft deren Einfluß.

Aus dem späten 17. Jh. stammen in Wien z. B. das Gartenpal. Liechtenstein in der Roßau, Plan 1689 von Dom. Martinelli, Rohbau 1698–1704, Mezzaningeschoß [71 a, Abb. 8f.], in Böhmen z. B. Chr. Dientzenhofers Magdalenenkapelle auf der Skalka bei Mněšek, 1692–93, und das Haus Zur goldenen Lilie in Prag, 1698 [61, Taf.abb. 79f. und 83].

In der 1. H. 18. Jh. wurden kurvierte und giebelförmig gebrochene Gesimse ebenso für die Fassadenkomposition benutzt wie die Grundformen der F.verdachung.

So wechselte Paul Ignaz Bayer an Schloß Ohrada in Frauenberg, Böhmen, Umbau 1712–13, zwischen Gesimsen mit giebelförmig gebrochenem und mit kurviertem Mittelabschnitt ab [61, Taf.abb. 60]. An den Risaliten des 1713 von G. de Gabrieli beg. Neubaus der Ansbacher Residenz sind die F. im ersten Obergeschoß durch Gesimse mit kurviertem Mittelabschnitt abgesetzt von den übrigen F. dieses Geschosses, die gerade Gesimse haben [108, Abb. 72]; B. Neumann am ehem. Priesterseminar in Bamberg, 1731 beg., zeichnete die F. des Risalits durch giebelförmige Brechung der Verdachung aus, die Gesimse der übrigen F. haben segmentbogigen Mittelabschnitt [63, Abb. 33]. Besonders große Formenvielfalt ist an Bauten J. L. von Hildebrandts zu beobachten [70; 71 a]. Als Beisp. aus dem Sakralbau seien die Obergaden-F. in den Projekten für St. Ursen in Solothurn genannt, 1708 von Franz Beer [39, Abb. 70].

Die Variationsfülle ist nahezu unübersehbar. Vielfach kommen Bogenformen vor, wie sie von den F.stürzen bekannt sind.

Z. B. Segmentbogen über den Rechteck-F. des Berliner Schlosses, 1698–1706 von A. Schlüter [93, Taf. 77], und denen der 1734–39 von F. Cuvilliés d. Ä. erbauten Amalienburg in München-Nymphenburg [108, Abb. 66], Korbbogen am Gartenpal. Trautson in Wien, 1710–12 von J. B. Fischer von Erlach [71 a, Abb. 44; vgl. auch Abb. 81], Konkav-Konvex-Bogen über den unteren Segmentbogen-F. des Treppenhauspavillons vom Schloß in Pommersfelden, 1711 nach Entw. von J. L. von Hildebrandt [108, Abb. 30]; vorhangbogenähnliche Gesimse hat das Thürheimsche Haus in Linz, um 1710 von J. M. Prunner ([71] Abb. 7; vgl. auch Sp. 667 Abb. 83: Rathaus Schwäbisch Hall), wellenförmig geführte Gesimse die Klosterkirche Raigern, von J. Santini Aichel 1722 beg. [61, Taf.abb. 223], geschweifte die St. Annenkirche in Pilsen, 1715 beg. von J. Augustoni (ebd. Taf.abb. 175 und 177); ein gebrochener Kielbogen sitzt über dem Fassaden-F. der ehem. Ursulinenkirche in Prag-Hradschin, 1720–28 von K. I. Dientzenhofer (ebd. Taf.abb. 230). Gegeneinander geführte flache Voluten mit Schnecke statt des Gesimses zeigen die Fassaden-F. der Piaristenkirche Maria Treu in Wien, beg. 1710 nach Entw. J. L. von Hildebrandts von 1698 [70, Abb. 25], steil geführte, nach innen gewandte Voluten haben die F. am Erweiterungsbau der Böhmischen Hofkanzlei in Wien, von Matthias Gerl 1754 voll. [71 a, Abb. 43], nach außen gewandt sind die Voluten am Mittel-F. der Zwiefaltener Kirchenfassade von J. M. Fischer, Bau 1750–56 [103, Abb. 85].

Oft hat man bei giebelförmig gebrochenen Gesimsen die schrägen Abschnitte kurviert: Bauten Hildebrandts [70, Abb. 32, 68, 76, 137, 140, 186]; Taschenberg-Pal. in Dresden, 1706–08 von M. D. Pöppelmann [105 a, Taf. 104 und 106]; Risalite von Ordensbau und Riesenbau (les Ludwigsburger Schlosses, 1709–11 und 1712 bis 1714 von J. F. Nette (W. Fleischhauer a.a.O. [Sp. 1448] Abb. 73 und 77); Schloß Ellingen, Mfr., 1711–20 von F. Keller [108, Abb. 31]; ehem. Schwerinsches Pal. in Berlin, 1734–37 von Conrad Wiesend (H. Reuther a.a.O. [Sp. 1385] Abb. 54); Projekt G. C. Bagnatos 1750 für die Stiftskirche St. Gallen [39, Abb. 217].

Klassizistische Haltung veranlaßte waagrechte Gesimse zu verwenden: J. B. Fischer von Erlach, Pal. Batthyany-Schönborn in Wien, um 1700 [71 a, Abb. 28], und Hoffassade des Gartenpal. Trautson, um 1710 beg. (ebd. Abb. 46).

In der 2. H. 18. und im frühen 19. Jh. machten die Architekten von den vielfältigen Differenzierungsmöglichkeiten nur noch in eingeschränktem Maße Gebrauch; vielfach wählten sie nur eine einzige Form der Verdachung, ganz überwiegend waagrechte Gesimse oder geschlossene Giebel. „Am allerwenigsten ist der Gebrauch zu dulten, wenn man runde und dreyeckige Giebel abwechselnd anbringt“ [31, S. 118].

Dreieckgiebel gab Chr. Friedr. Hansen am nach 1786 beg. Landhaus Godeffroy in Hamburg den F. am Mitteltrakt (Sp. 675f. Abb. 87). Weinbrenner benutzte für die Verdachung nur meist auf Konsolen ruhende Gesimse und auch das nur an rechteckigen Haupt-F., dann entweder geschoßweise [134, Abb. 32, 36, 46, 61, 67 u. ö.] oder zur Hervorhebung einzelner Bauteile (Sp. 681f. Abb. 89; [134] Taf. 3, Abb. 43f. und 111), häufig bei F.türen (ebd. Abb. 65–67, 70, 100 u. ö.).

Mit den historistischen Strömungen des 19. Jh. kamen die Verdachungsarten der Früh- und vor allem der Hoch-Renss. wieder in Übung; Sprenggiebel allerdings hat man nicht verwendet. Bei gotisierenden F. sind Gesimse oft rechtwinklig gebrochen, manchmal auf Konsolen gesetzt (Taf. VIII, 9; [47] Abb. 5 10ff.).

Unter den Spielarten der Verbindung der Verdachung auf Kragsteinen mit der F.rahmung war jene besonders beliebt, bei der den F.gewänden seitlich lisenenartige Begleitstreifen („Leisten“, „Schenkel“: [17] S. 152) beigegeben sind, auf oder über denen die Konsolen sitzen. An Bogen-F. sind die Konsolen manchmal unter die Kämpfer des Gewändes gesetzt, die Zone zwischen ihnen und der Verdachung durch Ornament belegt. Gelegentlich haben die Begleitstreifen Füßchen.

An ital. Bauten ist die Form seit dem ausgehenden 15. Jh. anzutreffen, in Frankreich seit M. 16. Jh.; im dt. Sprachgebiet verwendete man diese „Pseudo-Ädikula“ offensichtlich erst seit dem 17. Jh.

Als frühes ital. Beisp. seien die F. des Pal. dei Diamanti in Ferrara genannt, 1493 von Biagio Rossetto [80, Taf. 118], aus dem 16. Jh. die Loggia Cornaro in Padua, 1524 von Giov. Maria Falconetto (ebd. Taf. 219); röm. Beisp. bietet [66] Bd. 3 Taf. 18–20, 71, 91, 111 u. ö. Vignola gebrauchte die Form mehrfach, in Rom z. B. an der Villa di Papa Giulio, beg. 1551 (ebd. Taf. 273 und 275), in Bologna am Pal. dei Banchi, 1565–68 [137, Fig. 89 und 91]; Dom. Fontana verwendete sie am ab 1568 err. Lateranspal. in Rom [80, Taf. 303], G. Alessi an der Villa Cambiaso in Genua, 1548 (ebd. Taf. 305), A. da Sangallo d. J. am Pal. Farnese in Rom am Untergeschoß der Platzseite, im ersten Geschoß der Hofseite (ab 1517; [80] Taf. 211ff.; [66] Bd. 3 Taf. 41 und 44), an der Michelangelo im zweiten Obergeschoß 1546 eine Variante mit unter die Sohlbank reichenden Seitenstreifen entwickelte (ebd. Taf. 44). Als Beisp. im Kirchenbau sei ein manchmal mit Vignola in Verbindung gebrachter F.entw. für St. Peter in Rom genannt [137, Fig. 176].

In Frankreich benutzte P. Lescot die Form an der Cour Carrée des Louvre, ab 1546 [91, Taf. 366], in der 1. H. 17. Jh. z. B. Sal. de Brosse [44, Taf. 79 A], Jacques Lemercier (ebd. Taf. 90), Fr. Mansart (ebd. Taf. 95 und 99), in der 2. H. des Jh. u. a. J. Hardouin Mansart ([48] Abb. S. 102f. und 106f., Taf. XXVII, XLIII und CXXIII).

Im dt. Sprachgebiet haben zunächst ital. Architekten die „Pseudo-Ädikula“ für Fassaden-F. von Kirchen verwendet, dabei den oft kräftig ausgebildeten Kragsteinen je einen zweiten identischer Gestalt in Seitenansicht beigefügt: S. Solari am Salzburger Dom, 1614–28 am Hauptgeschoß (Sp. 594 Abb. 31), C. A. Carlone an der Jesuitenkirche Zu den neun Chören der Engel in Wien, 1657–62 (Sp. 599 Abb. 36).

Im Profanbau des späten 17. und 18. Jh. gibt es die „Pseudo-Ädikula“ an Gebäuden unterschiedlicher Bestimmung, vom Bürgerhaus (H. Reuther a.a.O. [Sp. 1385] Abb. 20; [131] Taf. 27) und Gartengebäude (Wiener Bauten von J. L. von Hildebrandt aus dem 1. Jz. 18. Jh.: [70] Abb. 41f. und 50) bis zum Schloßbau (Neue Residenz Bamberg, von Joh. Leonh. Dientzenhofer ab 1697 err.: Harald Keller, Bamberg, Mchn. und Bln. 1973, Abb. 7; Entw. G. Chiaveris für Dresden, nach 1748: [105 a] Taf. 168). Am häufigsten ist sie im Palastbau anzutreffen, meist im Hauptgeschoß (Wiener Beisp. bei [71 a] Abb. 7 und 35), manchmal in der Portalachse an F.türen (Pal. Daun-Kinsky in Wien, 1713–16, mit zwei Kragsteinen unterschiedlicher Form übereinander und schräggestellt: [70] Abb. 77; Villa Portheim in Prag-Smichov, 1725–38 von K. I. Dientzenhofer: [111] Abb. 115f.), in gleicher Position auch an Klosterbauten (Stift Dürnstein, N.Ö., 1718: [61] Taf.abb. 313f.).

Im böhmischen Kirchenbau des 18. Jh. wurden nicht nur Fassaden-F., sondern die des ganzen Baus durch „Pseudo-Ädikulen“ bereichert: Schloßkirche in Smirschitz, von Chr. Dientzenhofer 1713 voll., Zisterzienserkirche Ossegg, um 1716 von O. Broggio, St. Niklas auf der Kleinseite in Prag, von Chr. Dientzenhofer (Fassade) und K. I. Dientzenhofer (Chor, Kuppeltambour; [61] Taf.abb. 104, 154 und 157, 102 und 266).

Im 19. Jh. griff man zitathaft auf ital. Formen des 16. Jh. zurück (Beisp. Leuchtenberg-Pal. und Odeon in München, von L. v. Klenze 1816 und 1826–28: [78] Abb. 93 und 100; vgl. ebd. Abb. 110).

8. Die F.ädikula ist eine nach antikem Vorbild gestaltete (s. Sp. 1263f.) Säulen- oder Pfeilerstellung mit Verdachung (Gebälk, Giebel), die der Wand um das F. vorgelegt ist und dieses samt seiner Rahmung umschließt. Die Tiefe der Ädikula kann gemindert sein, so daß als Stützen Halbsäulen oder Pilaster dienen und die Verdachung entsprechend flaches Relief zeigt. Manchmal umfaßt die F.ädikula das F. so knapp, daß dessen Gewände nur ein schmaler Streifen ist (Francesco di Giorgio Martini, Madonna del Calcinaio bei Cortona, 1485–1513: [129] Bd. 1 Abb. S. 175). Infolge des großen architektonischen Aufwands wurde die F.ädikula überwiegend bei Bauten hohen Ranges verwendet.

Das Vorblenden vor die Wand unterscheidet die F.ädikula von der ädikulaartigen Rahmung der F.- Öffnung, bei der Gewände und F.sturz als Pfeiler und Gebälk gebildet sind (s. Sp. 1445), durch die den Säulenordnungen zugehörigen Stützen ist sie von der „Pseudo-Ädikula“ mit Rahmenstreifen seitlich des F.gewändes und Verdachung auf Konsolen unterschieden (s. Sp. 1450f.).

Die streng architektonisch angelegte F.ädikula kam in Italien in der 2. H. 15. Jh. wieder auf (Ant. da Filarete, Entw. für einen „Palazzo nel Palude“, um 1461/62; Pal. Comunale in Pesaro, Obergeschoß, um 1470: [80] Taf. 80 und 71; ebd. Taf. 88 und 110 weitere Beisp.). Sie dient entweder der Hervorhebung einzelner Achsen oder der Betonung von Hauptgeschossen, im Profanbau vor allem der des Piano nobile (röm. Palastbauten aus dem Umkreis Raffaels, um 1520: [66] Taf. 7ff.), im Kirchenbau des Obergadens (Florenz, S. Salvatore al Monte, 1499 beg. nach Entw. Il Cronacas: [129] Bd. 1 Abb. S. 110f.).

Bei zonenweiser Anordnung war Formenwechsel der Bekrönung beliebt, insbesondere von Dreieck- und Segmentbogengiebel (s. den genannten Entw. Filaretes; Wechsel in allen drei Geschossen: Florenz, Pal. Giacomini-Larderel, von Giov. Ant. Dosio, 1580: [129] Bd. 2 Abb. S. 49f.). – Gelegentlich unterschied man Geschosse durch unterschiedliche Instrumentierung der F.ädikula: am Pal. Pandolfini in Florenz, um 1520 nach Entw. Raffaels, stehen am Obergeschoß 10nische Halbsäulen, am Untergeschoß „dorische“ Pfeiler ([129] Bd. 2 Abb. S. 2f.; [135 a] Teil 1 Fig. 208f.); am Pal. Farnese in Rom, Bauphase 1541–46, verwendete A. da Sangallo d. J. im ersten Obergeschoß der Platzfassade Dreieck- und Segmentbogengiebel im Wechsel und auf Piedestale gestellte Säulen kompositer Ordnung, im zweiten Obergeschoß Dreieckgiebel mit in der Tiefe reduziertem Gebälk auf ionischen Säulen über Konsolpaaren [66, Bd. 3 Taf. 38, 40f., 50f., 57].

An F.türen mit Steinbalustrade spielte die F.ädikula nur eine geringe Rolle (Pal. Pandolfini in Florenz, s. oben), ehe Michelangelo sie am Konservatorenpalast in Rom, beg. 1563, verwendete [80, Taf. 251] und die Balustrade auch für Kirchen-F. mit F.ädikula benutzte (Exedra-F. von St. Peter in Rom, ab 1564: ebd. Taf. 254 und 256). Diese F.gestaltung mit F.ädikula und Balustrade kommt in Rom in der Folgezeit mehrmals an Kirchenfassaden vor: am Gesù, 1571 von Giac. della Porta beg., und an der Madonna dei Monti, 1580, an Carlo Madernos Fassade von St. Peter, 1605–13, an S. Carlo ai Catinari, 1635–38 von Giov. Batt. Sorìa erbaut (Christian Norberg-Schulz, Baroque Architecture, New York 1971, Abb. 8f., 97, 42f. sowie 139), und wurde auch in Architekturtraktaten berücksichtigt (vgl. D'Aviler: [15] Taf. 116; L. Chr. Sturm in seiner D'Aviler-Ausg., S. 192: „Dergleichen F. kann man mitten an einer Vorwand einer Kirche oder andern Gebäudes setzen ...“).

Im dt. Sprachgebiet sind F.ädikulen in 16. Jh. selten und in der Regel in ornamentaler Umbildung verwendet worden.

So gestaltete J. Bahr die F.ädikula in den Obergeschossen des Torbaus am Piastenschloß in Brieg, 1552–53, als dem Wandfeld eingepaßte, ganz flache und überreich ornamentierte Pilaster mit Sturz (Abb. 59). An der straßenseitigen Fassade des Fürstenhofs in Wismar, 1553–54, sind die Pilaster als Hermen gebildet, über dem niedrigen Gesims sitzt ein Giebel, begleitet von seitlichen „Akroterien“ [117, Abb. 95].

In tektonischer Ausbildung ist die F.ädikula an Kirchenbauten seit etwa der M. 17. Jh. und im 1. Dr. 18. Jh. anzutreffen, nahezu immer an F. der Fassadenmittelachse.

Zunächst haben ital. Baumeister sie verwendet: Carlo Lurago an der Jesuitenkirche in Březnitz, 1640–42, und – mit Balustrade – am Passauer Dom, ab 1668 [61, Taf.abb. 31 und 43], Andrea Allio d. Ä. und d. J. an der Schottenkirche in Wien, 1643–48 (Sp. 597 Abb. 34), A. Petrini an Stift Haug in Würzburg, 1670–91 (Sp. 600 Abb. 37), und an St. Stephan in Bamberg, 1678–90 (H. Keller a.a.O. [Sp. 1451] Abb. 41), Quadro an der Jesuitenkirche in Neiße, 1680–92 (Günther Grundmann, Schles. Barockkirchen und Klöster, Lindau und Konstanz 1958, Abb. 5; K. Kalinowski a.a.O. [Sp. 1448] Abb. 125).

Unter den dt. Baumeistern haben vor allem die Dientzenhofer F.ädikulen verwendet: Georg D. an der Jesuitenkirche in Bamberg, 1685–93 (am oberen F. mit Pilastern und Segmentbogengiebel, am unteren mit Säulen und Sprenggiebel: [61] Taf.abb. 73), Johann D. an der Fassade des Fuldaer Doms, 1704–11 (s. Sp. 1380); an der ihm zugeschriebenen Fassade der Neumünsterkirche Würzburg, 1711 beg., sitzen die F. mit F.ädikula in den Seitenachsen [108, Abb. 43]. An der Dreifaltigkeitskirche in Stadl Paura, O.Ö., ordnete J. M. Prunner an den drei Fassaden je zwei Ädikulen übereinander an, die untere um das Portal, die obere um das F. (1714–24; Sp. 398 Abb. 52; [71] Abb. 19–22).

Im Profanbau sind F.ädikulen erst vom späten 17. Jh. an nachzuweisen und auch im 1. Dr. 18. Jh. üblicherweise dem F. der Portalachse im ersten Obergeschoß zugeordnet (Abb. 88).

J. B. Fischer von Erlach verwendete beim Umbau des Hofmarstalls in Salzburg, 1693–94, für die F.ädikula Paare von Hermenpilastern [37, Abb. 16], an der 1715 voll. Böhmischen Hofkanzlei in Wien schräggestellte Pfeiler ([71 a] Abb. 42; ebd. Abb. 17, 28f. und 55f. weitere Beisp.). Der F.ädikula am Reichskanzlertrakt der Wiener Hofburg, ab 1726 err., fügte Jos. Emanuel Fischer von Erlach figurale Hermenpfeiler ein (ebd. Abb. 81). Weitere Beisp.: Schloß Oranienburg bei Berlin, Umbau 1711 von J. F. Eosander von Göthe voll. (H. Reuther a.a.O. [Sp. 1385] Abb. 7a und c); Raulinohaus in Bamberg, 1709–11 (H. Keller a.a.O. [Sp. 1451] Abb. 67); ehem. Statthalterpalais in Erfurt, 1713 von Maximilian von Welsch [108, Abb. 35]; Rathaus in Wangen 1.A., Entw. von F. A. Kuen, 1719 [104, Abb. 27]; Freihäuser in Linz, O.Ö., von J. M. Prunner um 1715/20 [71, Abb. 38–41]; als flache Rahmung mit ins Ornamentale umgedeuteten Pilastern bildete J. Greissing am Rückermainhof in Würzburg, 1714–21, die F.ädikula aus [104, Abb. 23]; am Dalberger Hof in Mainz, 1715–18, Joh. Caspar Herwenthal zugeschr., sind im ersten Obergeschoß alle F. der Risalite durch F.ädikulen ausgezeichnet (Karl Heinz Esser, Mainz, Mchn. und Bln. 19692, Abb. 64).

Im 19. Jh. wurden F.ädikulen geschoßweise verwendet, im Rückgriff auf die Praktiken der Hoch-Renss.

Beisp. sind Bauten von L. v. Klenze in München [78, Abb. 93, 97, 100, 132, 154 u. ö.], von G. Semper in Dresden [109 a, Taf.abb. 335 und 326f.].

E. F.nische

Die F.nische („Ausschnitt“: [31] S. 105) liegt auf der Innenseite des F. Im Profanbau ist sie üblich (sie erleichtert das Herantreten an die F.brüstung; Gebäude aus Holz von geringer Wandstärke haben oft keine F.nische: [34] S. 49); doch gibt es sie im Kirchenbau kaum weniger. Ihre Form ist, wie im MA, von der Form der F.Öffnung nicht unmittelbar abhängig; ihre Breite übertrifft die der F.lichte meist nur um ein Geringes.

Die F.nische setzt in Höhe der F.Sohlbank an oder, vor allem bei Repräsentations- und Wohnräumen, auf Höhe des Fußbodens, von diesem gelegentlich durch ein niedriges, gemauertes Podium oder eine F.estrade abgetrennt (Abb. 66; RDK VI 106–117, bes. Abb. 4 und 6). Die Laibung („Anschlagmauer“) ist gerade oder, insbesondere bei größerer Mauerstärke, schräg in die Wand eingetieft, bei Kirchenbauten auch gekehlt (Taf. VII, 4, 7). An Profanbauten dient eine zusätzliche Ausarbeitung in der Anschlagmauer in und auf Höhe der F. dazu, den inneren Fensterladen so unterzubringen, daß der Hinausschauende nicht gestört wird und kein Hindernis besteht für das Öffnen der Drehflügel des F. Vgl. auch Sp. 1522 Abb. 13.

Manchmal führt besonders große Mauerstärke zur Ausbildung der F.nischen als selbständiger Anräume, die vom Hauptraum durch eigene Architektur abgesetzt sind oder doch eine separate Ausgestaltung erhielten, in Malerei oder Stuck. Im Obergeschoß von Sälen können die F.nischen sogar emporengleich ausgebildet, gar mit Brüstungsgittern versehen sein (Aula in Kloster Ebrach, 1718 voll.: Walter Jürgen Hofmann, Jb. f. fränk. L.forschg. 31, 1971, Abb. 10; Gardesaal in Schloß Brühl, nach 1730–1754: Leonie von Wilckens, Fest- und Wohnräume ..., Königstein 1. T. 1963, Abb. S. 46); in Bibliothekssälen nutzte man sie als separate Anräume mit Bücherkästen (Seitenstetten, 1740–41; Amorbach, 1783–95: Margarete Baur-Heinhold, Schöne alte Bibliotheken, Mchn. 1972, Abb. 297 und 258; vgl. ebd. Abb. 271, 292, Taf. XV).

Die F.nische überfängt in der Regel ein (Segment-)Bogen (Abb. 66; oft der in voller Mauerstärke ausgebildete Entlastungsbogen über dem F.sturz, s. Sp. 1326f.).

Nah aneinandergerückte F., die nur schmale Mauerpfeiler trennten, waren statisch ein Problem; insbesondere bei Zwillings-, Drillings- und Reihen-F. bildete man bei manchen Wandkonstruktionen daher in Weiterführung ma. Gewohnheiten Tragepfeiler (-säulen) aus, die zusammen mit den schmalen F.schäften die Mauer des darüberliegenden Geschosses und die Unterzüge der Geschoßdecke tragen (Abb. 50 und 54; s. auch Sp. 1343).

Liegen in hohen Räumen (Sälen, Galerien, Treppenhäusern, Gängen, Refektorien) über den Haupt-F. Ober-F., so können die F.nischen auf die jeweiligen F. beschränkt bleiben (Rathaus in Augsburg, 1615–20: [54] 3. Abb.bd. Abb. 367 und 374; Weißer Saal im Schloß Schleißheim, von E. Zuccalli 1702–04, Dekoration nach Entw. J. Effners nach 1719: [82] Abb. 1); dabei ist der untere Abschluß der oberen F.nischen manchmal stark geschrägt (Treppenhaus in Schloß Ellwangen, nach 1720: Rich. Schmidt, Burgen und Schlösser in Schwaben, Mchn. und Bln. 1958, Abb. 82; Kapelle im Schloß Diekhof, 1736: Jos. Adamiak, Schlösser und Gärten in Mecklenburg, Lpz. 1975, Abb. 113). Doch können die F.Öffnungen auch in einer einzigen Nische zusammengefaßt sein.

Beispiele dafür gibt es vor allem im Profanbau: Rittersaal in Schloß Heiligenberg, 1575–76 von Jörg Schwartzenberger [95, Abb. 284]; Saal in Schloß Hohenaschau, Obb., 1680–86 (L. v. Wilckens a.a.O. [Sp. 1455] Abb. S. 86); Sommerrefektorium und Marmorsaal von St. Florian, O.Ö., 1718–24 von J. Prandtauer ([96] Abb. 71; L. v. Wilckens Abb. S. 96f.); Kongregationssaal S. M. de Victoria in Ingolstadt, 1732–36, Egid Quirin Asam zugeschr. [82, Abb. 69f.].

Gelegentlich ist die F.nische durch eine rahmende Architektur (-malerei) aus der Wand des Raums ausgegrenzt: gemalte Säulen und Architrav im „Prunfftstüeblein“ des Alten Schlosses in Grünau, um 1537 (?; Inv. Bayern, Schwaben 5 Abb. 454); rahmendes Profil und über die F.nische gesetztes Gesims ehem. in der Roten-Adler-Kammer des Berliner Schlosses, um 1705 [54, Abb.bd. 3 Abb. 620].

Zu den Tafeln

I (Sp. 1257f.): A. Bamberg, Dom, Obergaden-F., um 1220/30; nach [138] Bd. 1 Abb. 19, 29. – B. Trier, Liebfrauenkirche, Stirn-F. im Obergeschoß des Querhauses, um M. 13. Jh.; nach Inv. Rheinprov. 13, 3 S. 141 Abb. 113. – C. Wimpfen, Pfalz, F. der Kapelle, A. 13. Jh.; nach [36] Abb. S. 36. – D. Freiburg i. Br., Haus Zum Rosenbaum, Schiffstraße 1, F. des 1. Obergeschosses, 18. Jh.; nach P. P. Albert und M. Wingenroth a.a.O. [Sp. 1350] Abb. 391. – E. Jos. Greising (?, Planung) und Chrn. Herrmann (Bauführung), ev.-luth. Pfarrkirche in Wilhermsdorf Krs. Fürth, F. der W-Fassade, 1706–14; nach Vermessung des Bayer. L.A. für Dpfl., München, Volker Liedke. Zchg. Fachgebiet Baugeschichte, TH Darmstadt, Jürgen Lischka.

II (Sp. 1265f.): 1. Aachen, Pfalzkap., 9. Jh.; nach A. Haupt a.a.O. [Sp. 1269] Taf. 20f. – 2. Steinbach 1. Odenwald, Einhardsbasilika, vor 828; nach O. Müller a.a.O. [Sp. 1269] Abb. S. 8. – 3. Reichenau-Mittelzell, Münster, A. 9. Jh.; nach E. Reisser a.a.O. [Sp. 1270] Abb. 254. – 4. Augsburg, Dom, vor 1065; nach W. Haas a.a.O. 1970/71 [Sp. 1272] Abb. 4. – 5. Reichenhall, St. Zeno, E. 12. Jh.; nach Inv. Bayern, Obb. 3 Abb. S. 2899. – 6. Speyer, Dom, 2. V. 11. Jh. (a), M. 11. Jh. (b), um 1090 (c), gegen 1100 (d, e, f, g); nach [89] Bd. 3. – 7. Bamberg, Dom, um 1220/30; z. T. nach [138]. – 8. Seligenstadt, Klosterkirche, 1. H. 9. Jh.; nach Angabe von Otto Müller. Zchg. Fachgebiet Baugeschichte, TH Darmstadt, Jürgen Lischka.

III (Sp. 1277f.): 1. Neuß, St. Quirin, F. an den Diagonal- und Achsenseiten des Vierungsturms (a, b) und am Eckturm (c, d), Giebel-F. (e), Haupt-F. des Trikonchos (f), Obergaden-F. am O-Joch des Langhauses (g) und an dessen W-Jochen von innen (h), untere F. des Trikonchos (i), F. des O- und W-Jochs des Seitenschiffs (k, l, m) und der Krypta (n); um 1215–1220; nach Inv. Rheinprov. 3, 3 Taf. IV. – 2. Mönchengladbach, ehem. Benediktinerkirche, F. von innen; um 1228–um 1240; nach Inv. Rheinprov. 3, 4 Taf. III. – 3. Fischbeck, Stiftskirche, Apsis-F.; gegen 1200; nach Inv. Reg.bez. Cassel 3 Taf. 48. Zchg. Fachgebiet Baugeschichte, TH Darmstadt, Jürgen Lischka.

IV (Sp. 1345f.): Heidelberg, Schloß, hofseitige F.achse des Ottheinrichsbaus, viell. von Kaspar Fischer, 1556–um 1559 (a), und des Friedrichsbaus, von Joh. Schoch, 1601–04 (b). Nach Julius Koch und Friedrich Seitz, Das Heidelberger Schloß, Darmstadt 1887, Taf. 2 und 28.

V (Sp. 1383f.): Joh. Bernh. Fischer von Erlach, F.formen der Kollegienkirche in Salzburg: a. Rechteck-F. der Hauptkuppellaterne, b. Oval-F. der Hauptkuppel, c. Rundbogen-F. des Kuppeltambours, d. gestrecktes Vierpaß-F. der Nebenlaternen, e. Oval-F. im Chorscheitel, f. Gruppen-F. der Lhs.attika, g. Rundbogen-F. im ersten Obergeschoß der Türme, h. Rechteck -F. im Untergeschoß der Türme, i. Rundbogen-F. mit eingezogenem Bogen am Lhs., k. Segmentbogen-F. mit eingezogenem Bogen in den Lhs.kapellen, l. Korbbogen-F. des Fassaden-Obergeschosses, m. Segmentbogen-F. des Sakristeitrakts. 1696–1707. Umzeichnung nach Bauaufnahmen des Bundesdenkmalamts, Wien (1951).

VI (Sp. 1395f.): Würzburg, Residenz, F.achsen: 1. Rücklage der Stadtfronten, 2. Rücklage der Gartenfront, 3. Risalite der Stadtfronten, 4. Seitenrisalite der Gartenfront, 5. Rücklage im Ehrenhof („sieben Bögen“), 6. Rücklage der Portalfront im Ehrenhof, 7. Kaisersaalpavillon, 8. Mittelrisalit der Portalfront im Ehrenhof, 9. Mittelachse der Stadtfronten, 10. Querflügel zwischen den Nordhöfen, 11. Binnenhöfe. 1719–45. Nach Rich. Sedlmaier und Rud. Pfister, Die fürstbisch. Residenz zu W., Mchn. 1923, Textbd. S. 56 Abb. 57.

VII (Sp. 1415f.): Joseph Dossenberger d. J., F.formen: 1. Wollishausen Krs. Augsburg, Pfarrkirche, Lhs.-F. (a) und Turm-F. (b). 1747. – 2. Hochwang Krs. Günzburg, Pfarrkirche, Lhs.-F. (a), Gruppen-F. am Chorhals (b), Ober-F. im Chorschluß (c). 1751. – 3. Allerheiligen Krs. Günzburg, Wallfahrtskirche, Gruppen-F. am Chorhals. Um 1753–1755. – 4. Hammerstetten Krs. Günzburg, Filialkirche, Lhs.-F. 1762. – 5. Fleinheim Krs. Heidenheim, ev. Kirche, Lhs.-F. (a) und Emporen-F. (b). 1763. – 6. Großkötz Krs. Günzburg, Pfarrkirche, Chor-F., Innenansicht (a), und Sakristei-F. (b). 1764 bis 1765. – 7. Deisenhausen Krs. Krumbach, Pfarrkirche, F. des Lhs.-W-Jochs. 1765–67. – 8. Oxenbronn Krs. Günzburg, Pfarrkirche, Gruppen-F. am Lhs. 1768–69. – 9. Scheppach Krs. Günzburg, Pfarrkirche, Gruppen-F. am Lhs. 1768. – 10. Dischingen Krs. Heidenheim, Pfarrkirche, Chor-F., Innenansicht. 1769–1771. – 11. Oberndorf Krs. Donauwörth, Pfarrkirche, Gruppen-F. am Chor. 1772–74. – 12. Oberelchingen Krs. Neu-Ulm, ehem. Klosterkirche, Gruppen-F. am Chor. 1773–74. Nach [95 a] Abb. 32–34.

VIII (Sp. 1439f.): Karl Friedr. Schinkel, F.formen: 1. Schloß Krzescowice, Lange Galerie, Innenseite, Detail aus [28] H. 7 Taf. 46. – 2. Entw. zur Kirche auf dem Friedrichswerder in Berlin, Detail aus ebd. H. 8 Taf. 51. – 3. Zweiter Entw. zu einer ev. Kirche in der Oranienburger Vorstadt zu Berlin, Obergeschoß-F., Detail aus ebd. H. 14 Taf. 90. – 4. Entw. einer kleinen Kirche mit einem Turm, Lhs.-F., Detail aus ebd. H. 11 (1827) Taf. 72. – 5. Neues Schauspielhaus Hamburg, F. im Hauptgeschoß, Detail aus ebd. H. 12 Taf. 75. – 6. Kirche in der Oranienburger Vorstadt zu Berlin, F. über dem Portal, nach ebd. H. 16 (1829) Taf. 100. – 7. Berlin, Bauakademie, F. im ersten Obergeschoß, nach ebd. H. 20 (1833) Taf. 125. – 8. Schloß Kurnik, ehem. Prov. Posen, oberer Teil eines F. der Mittelpartie in der Hauptfassade, nach ebd. H. 23 Taf. 141. – 9. ebendort, Detail eines gewöhnlichen F., nach ebd. Umzchgn. F. Kobler, Mchn.

Zu den Abbildungen

1. Aachen, Kaiserpfalz, Rekonstruktion des F. im Verbindungsgang zwischen Pfalz und Pfalzkap. 9. Jh. Nach F. Kreusch a.a.O. [Sp. 1311], S. 110 Plan III.

2. Goldbach, Sylvesterkap., Längsschnitt. 9. oder 10. Jh. Nach Jos. Hecht, Der roman. Kirchenbau des Bodenseegebiets ..., Bd. 1, Basel 1928, Taf. 248.

3. Speyer, Dom, Innenansicht der Apsis. Um 1100. Fot. Franz-Jos. Klimm, Speyer.

4. Königslutter, ehem. Benediktinerkirche, Apsis. Zw. 1135 und 1141. Fot. Ehem. Staatl. Bildstelle Bln., Nr. 571/C 5749.10.

5. Maria Laach, Benediktinerkirche, F. an der W-Seite des s. Querarms. Um 1130–1156. Fot. Rhein. Bildarchiv, Köln, Nr. 52 375.

6. Regensburg, St. Jakob, Längsschnitt. 2.H. 12. Jh. Nach Inv. Bayern, Opf. 22,2 Abb. 237.

7. Maastricht, St. Servatius, O-Apsis. Gegen 1160. Fot. unbekannter Herkunft.

8. Reims, St-Remi, Apsis. Zeit des Abtes Pierre de Celle, 1162–1181. Fot. James Austin, London, Nr. 82/3.

9. Laon, Kath., Kap. am n. Querschiff. Um 1175–1180. Fot. Marburg, Nr. 166 066.

10. Gelnhausen, Kaiserpfalz, F. des Saals im Palas. Vor 1170. Fot. DKV.

11. Eger, Kaiserpfalz, N-Wand des Palas von innen. Um 1180–1190. Nach [125] Taf. 44f. (Ausschnitt).

12. Burg Landsberg, Elsaß, F. am Palas. Um 1150. Fot. Hedi und Theod. Seeger, Egg (Zürich).

13. Wechselburg, Schloßkap., F. am O-Giebel. Um 1220. Fot. Marburg, Nr. 20 662.

14. Burg St. Ulrich, Elsaß, F. am Palas. Um 1220. Nach [123] Abb. S. 189.

15. Seligenstadt, F. am sog. Romanischen Haus. 1. Dr. 13. Jh. Aufmaß und Zchg. Fachgebiet Baugeschichte, TH Darmstadt, Thomas Ludwig und Thomas Stark.

16. Chartres, Kath., Obergaden-F. Um 1215? Fot. Marburg, Nr. 168 986.

17. Reims, Kath., Obergaden-F. Nach 1211. Nach [2] S. 386 Abb. 18.

18. Seebach (Bad Dürkheim), Pfalz, Ehem. Benediktinerinnenkirche, O-Seite. Um 1220. Fot. L.denkmalamt Baden-Württ., Außenstelle Karlsruhe, Nr. 04632.

19. Köln, St. Gereon, Dekagon. 1227 Gewölbe geschlossen. Fot. Rhein. Bildarchiv, Köln.

20. Bonn, Münster, N-Seite des Langhauses. Um 1220/30. Fot. L.konservator Rheinland, Bonn.

21. Bamberg, Dom, N-Seite des Langhauses. Um 1220/30. Fot. Irmgard Limmer, Bamberg.

22. Magdeburg, Dom, sog. Bischofsgang. Um 1220 bis 1225. Fot. Dt. Fotothek Dresden, Nr. 135 524.

23. Murrhardt, St. Walterichskap., O-F. Um 1225. Fot. Lala Aufsberg, Sonthofen, Nr. 54033.

24. Otterberg Krs. Kaiserslautern, ehem. Zisterzienserkirche, F. an der W-Seite. Zw. 1225 und 1254. Fot. Marburg, Nr. 18 015.

25. Trier, Dreikönigenhaus, Simeonstraße. Um 1230. Fot. M. Jeiter, Aachen.

26. Marburg a. d. L., Elisabethkirche, S-Seite des Langhauses. Um 1235–1283. Fot. Marburg, Nr. 266 030.

27. Paris, Ste-Chapelle, F. der S-Seite. Um 1243–1248. Fot. Marburg, Nr. 183 980.

28. Köln, Dom, Chor-F. Ab 1248. Nach Sulpiz Boisserée, Ansichten, Risse und einzelne Teile des Domes von K., Köln 1821, 18422, neuhrsg. von Arnold Wolff, Köln 1979, Taf. XIII.

29. Freiburg i. Br., Münster, Obergaden-F. im O-Joch des Langhauses. Nach 1250. Fot. Marburg, Nr. 74 796.

30. Herford, Münster, F.gruppe an der N-Seite. M. 13. Jh. Fot. Renate Kroos, Mchn.

31. Wasenburg, Elsaß, F. am Palas. Um 1280. Fot. Hedi und Theod. Seeger, Egg (Zürich).

32. Regensburg, Goldener Turm, O-Seite zur Wahlenstraße, 1.–4. Obergeschoß. Um 1280. Fot. Ehem. Staatl. Bildstelle Bln., Nr. 530/64 932/2.

33. Oppenheim, Kirche St. Katharina, S-Seite, 2. V. 14. Jh. Fot. Ehem. Staatl. Bildstelle Bln., Nr. C 3365.11.

34. Marburg a. d. L., F. des Rittersaals im Schloß. Voll. 1311. Nach Inv. Reg.bez. Cassel 8, Atlas Teil 1 Taf. 183,3.

35. Bebenhausen, Zisterzienserkirche, Chor-F. Um 1335. Fot. Dr. H. Hell, Reutlingen, Nr. 71/201.

36. Regensburg, ehem. Minoritenkirche, Innenansicht des Chors. 2. Dr. 14. Jh. Nach Ausst.kat. „Wittelsbach und Bayern“, Bd. 1, 1, Mchn. 1980, Abb. 101.

37 a und b. Schwäbisch Gmünd, Pfarrkirche Hl. Kreuz, F. der Chorkapellen. 1351–um 1373. Fot. Friedr. Kobler, Mchn.

38. Prag, Dom St. Veit, Obergaden und Gewölbe des Chors. Nach 1374. Nach Bohemia sacra, Ddf. 1974, Abb. 131.

39. Wilsnack, Wallfahrtskirche Hl. Blut, F. am s. Querschiff. Beg. 1384. Fot. Prause, Bln., Nr.

40. Dortmund, Rainaldikirche, Innenansicht des Chors. 1421–1450. Fot. L.konservator Westfalen-Lippe, Münster i. W.

41. Passau, Rathaus, F. des Saals im Obergeschoß des Donautraktes. Um 1446. Fot. Beyerlein, Würzburg.

42. Lindau, Rathaus, S-Seite. 1422–1436. Fot. Dr. Toni Schneiders, Lindau, Nr. 6/884.

43. Konstanz, Haus der Gesellschaft Zur Katz. Um 1425. Nach [95] Abb. 259.

44. Frankfurt a. M., Steinernes Haus, Alter Markt 44. Beg. 1464. Fot. Jos. Jeiter, Hadamar, Nr. 1228 233.

45. Gnadenberg, Opf., Ruine der Birgittenkirche, O-Wand. Beg. 1451, Fot. Marburg, Nr. 69 713.

46. Konstanz, Münster, sog. Kapitelsaal. 3. V. 15. Jh. Nach [95] Abb. 64.

47. Meißen, Albrechtsburg, F. im 2. Obergeschoß. Um 1470–1485. Nach H.-J. Mrusek a.a.O. [Sp. 1319] Abb. 34.

48. Danzig, Franziskanerkirche St. Trinitatis, W-Seite. Langhaus 1470–1520. Fot. Ehem. Staatl. Bildstelle Bln., Nr. 169/493/1.

49. Überlingen, Rathaus. 1490–1494. Fot. Lala Aufsberg, Sonthofen, Nr. 73 678.

50. Dettelbach, Ufr., Rathaus, Ratsstube im Obergeschoß. Voll. 1512. Fot. Gundermann, Würzburg, Nr. 10150.

51. Benedikt Ried, Zwillings-F. mit Steinkreuz am Wladislawsaal der Prager Burg. Um 1500. Fot. unbekannter Herkunft.

52. Augsburg, St. Anna, Fuggerkapelle, Rundbogen-F. der N-Seite. Um 1509–1518. Fot. Stadtbildstelle Augsburg.

53. Erfurt, Collegium Majus, W-Seite. 1511–15. Nach Werner Schellenkamp, Baugesch. des „C. M.“ der Univ. Erfurt (= Sonderschr. der Akad. gemeinnütziger Wiss. zu E., 8), Erfurt 1936, Taf. nach S. 12.

54. Breslau, Haus Hintermarkt 4, F.säulen. Um 1525. Fot. Herder-Inst., Marburg.

55. Görlitz, Haus Brüderstr. 8 (Schönhof). 1526. Fot. Dt. Fotothek, Dresden, Nr. 190958.

56. Bernhard Zwitzel, Stadtresidenz Landshut, Biforium-F. im Erdgeschoß des Deutschen Baus. Beg. 1535. Fot. Helmut Kobler, Landshut.

57. Schlettstadt, Ebersheimer Hof, F. der Eingangshalle. 1541. Nach Fritz Hoeber, Die Frührenss. in Sch., Straßburg 1911, Abb. 25.

58. Landshut, Stadtresidenz, Italienischer Bau, F. im Hauptgeschoß der Hofseite. 1536–42. Fot. F. Kobler, Mchn.

59. Jakob Bahr, Torbau des Piastenschlosses in Brieg, Niederschlesien. 1552–53. Fot. Marburg, Nr. 63065.

60. Celle, Schloß, Rundbogen-F. M. 16. Jh. Fot. R. Kroos, Mchn.

61. Gabriel van Aken und Valentin von Lyra, Fürstenhof in Wismar, Drillings-F. der Hoffassade am Neuen Haus. 1553–54. Fot. Inst. f. Dpfl., Schwerin.

62. Wolbeck bei Münster i. W., Drostenhof. Um 1554–1557. Fot. L.konservator Westf.-Lippe, Münster i. W., Nr. 78/1557.

63. Lübeck, Rathaus, Rechteck-F. mit Steinkreuz im Obergeschoß der Renss.laube. Zw. 1570 und 1572. Fot. Hansestadt Lübeck, Amt für Dpfl.

64. Daniel Heinz (zugeschr.), Haus der Geltenzunft in Basel, Fassade. 1578. Fot. Öffentl. Basler Dpfl. (Aufnahme 1978).

65. Münster i. W., Krameramtshaus Steinweg 4, Fassade. 1589. Fot. M. Jeiter, Aachen.

66. Christoph und Hans Müller, Schloß Wilhelmsburg in Schmalkalden, Hessisches rotes Gemach, F.nische mit Ornamentrahmen um Zwillings-F. Nach 1585–1589. Fot. Inst. für Dpfl., Bln.-Ost.

67. Georges Robin (Plan) und Wolf Beringer, Saalbau des Schlosses Weikersheim. Rohbau 1586–1597, Terrasse 1602. Fot. M. Jeiter, Aachen.

68. Giov. Maria Faconi, Rotunde von Schloß Neuhaus, Böhmen. 1592–97. Fot. Staatl. Denkmalamt, Prag, Nr. 51834.

69. Paul Francke, Juleum in Helmstedt, Maßwerk-F. der Aula. 1592–97. Fot. R. Kroos, Mchn.

70. Bonaventura Daum (zugeschr.), Fassade der Franziskanerkirche in Wien, Ausschnitt (Ges.abb.: [67] Abb. 8). 1603–11. Fot. R. Kroos, Mchn.

71. Lüder von Bentheim, Mittelgiebel des Bremer Rathauses, Obergeschosse, Ausschnitt (Ges.abb.: [97] Abb. 183). 1595–um 1613. Fot. L.bildstelle Bremen, Nr. 2/3304/31A (Aufnahme 1980).

72. Gg. Ridinger, Hofseite des Schlosses in Aschaffenburg. 1605–14. Fot. Gundermann, Würzburg, Nr. 5001/II.

73. Elias Holl, Rathaus in Augsburg, O-Fassade. 1615–20. Fot. DKV.

74. Jakob Wolff d. J., Rathaus in Nürnberg, erstes und zweites Obergeschoß des W-Flügels (Ges.abb.: E. Hempel a.a.O. [Sp. 1381] Taf. 15A). 1616–22. Fot. Hauptamt für Hochbauwesen, Nürnberg.

75. Aschaffenburg, ehem. Jesuitenkirche, S-Seite. 1619–21. Fot. Heinz Otto Hesse, Aschaffenburg.

76. Chr. Wamser, ehem. Jesuitenkirche Mariä Himmelfahrt, Köln, Fassade. 1618–29. Fot. Rhein. Bildarchiv, Köln, Nr. 76303.

77. Weikersheim, ev. Pfarrkirche, Chor. Umbau 1617. Fot. Bildarchiv Manfred Schuler, Weikersheim.

78. Santino Solari, Dom in Salzburg, N.-Seite. 1614 bis 1628. Fot. F. Kobler, Mchn.

79. Polling Krs. Weilheim, ehem. Stiftskirche, S-Seite des Langhauses. Umbau nach 1621. Fot. Brunner (1941).

80. Weilheim, Obb., Pfarrkirche, Gruppen-F. des Langhauses, S-Seite. 1624–31. Fot. Reinhardt Helm, Weilheim.

81. Prag, Pal. Waldstein, Rundbogen-F. des ersten Obergeschosses, Portalachse. Baubeg. 1624. Fot. Josef Wlha, Wien.

82. Ehem. Dresden, Haus Wilsdrufferstr. 14 (Zimmermann'sches Haus), Fassade, Obergeschosse (1945 zerst.). Um 1660. Fot. L.bildstelle Sachsen.

83. Luzern, ehem. Jesuitenkirche, Aufriß des Lhs. 1666–73. Nach Inv. Schweiz 30, Luzern 2 Abb. 250.

84. Anton Hülse, ehem. Jesuitenkirche in Coesfeld. 1673–92. Fot. L.konservator Westf.-Lippe, Münster i. W. (Aufnahme 1913).

85. Giac. Scianci, Elisabethkapelle am Breslauer Dom. 1680–86. Fot. Arbeitsstelle für Heimatvertriebene (Nord) der dt. Bischofskonferenz, Ddf.

86. Ant. Petrini, Entw. für die Jesuitenkirche Paderborn, Ausschnitt (Ges.abb.: [51] Bd. 1 Taf. 10c). Paderborn, Marktpfarrkirche St. Franz Xavier, Kirchenarchiv. 1682. Fot. Marburg, Nr. 18233.

87. Enrico Zuccalli, Schloß Lustheim in Schleißheim, Erdgeschoß-F. 1684. Fot. F. Kobler, Mchn.

88. Joh. Arnold Nering, Jean de Bodt u.a., Zeughaus in Berlin, Obergeschoß der Fassade am Spreeflügel, Ausschnitt (Ges.abb.: Berlin und seine Bauten, Bln. 1896, Bd. 2, Taf. nach S. 236). 1695–1706. Fot. Ehem. Staatl. Bildstelle, Bln 89. Rendsburg, Christuskirche, S-Seite. 1695–97. Fot. L.A. für Dpfl. Schleswig-Holstein, Kiel, Nr. I-12141.

90. Joh. Jakob Herkomer, St. Mang in Füssen, Ansicht von S. 1701–17. Nach A. Schädler a.a.O. (Sp. 1385) Abb. 2.

91. Frain a. d. Thaya, Schloßkirche, W-Fassade. Gegen 1700. Fot. Staatl. Denkmalamt, Prag, Nr. 42647.

92. Prag, Maria de Victoria auf dem Weißen Berg. 2. Jz. 18. Jh. Fot. W. Neumeister, Mchn.

93. Giov. Santini Aichel, Klosterkirche Seelau, Böhmen, Fassade. Wohl 1712–1736. Fot. Marburg, Nr. 57587.

94. Joh. Bernh. Fischer von Erlach, Ursulinenkirche St. Markus in Salzburg, Ansicht von SO. 1699–1704. Fot. Wiedemann.

95. Rob. de Cotte (Entw.) und Guillaume Hauberat, Stadtschloß in Bonn, Segmentbogen-F. im Erdgeschoß des Hofgartenflügels. Bauphase 1715–1723. Fot. L.konservator Rheinland, Bonn.

96. Joh. Gg. Ettlinger, ehem. Klosterkirche Fürstenfeldbruck, F. der Langhauskapellen, S-Seite. Rohbau 1716–28. Fot. F. Kobler, Mchn.

97. Jakob Prandtauer, Saalpavillon von Stift St. Florian, O.Ö., Gartenseite, Rohbau 1718–19, F.einfassungen 1722–24. Fot. Marburg, Nr. 96589.

98 a und b. Joh. Lucas von Hildebrandt, Oberes Belvedere in Wien, Mitteltrakt der Auffahrt (a) und der Gartenseite. 1720–21. Fot. J. Wlha, Wien (a) und Fot. Marburg, Nr. 629292.

99. Egid Quirin und Cosmos Damian Asam, Dom in Freising, S-Seite des Langhauses, Emporen- und Obergadenzone. Umbau 1723–24. Fot. Diözesanmus. Freising.

100. Dominikus Zimmermann, ehem. Dominikanerinnenkirche Sießen Krs. Saulgau. 1725–28. Nach Th. Muchall-Viebrook a.a.O. (Sp. 1426) Taf. 6.

101. Gaetano Chiaveri, Hofkirche in Dresden, Obergaden-F., Zustand 1947. 1738–46. Fot. L.bildstelle Sachsen.

102. Steingaden, Obb. ehem. Stiftskirche, Langhaus-S-Seite (Ausschnitt), Seitenschiff- und Obergaden-F. Umbau 1747 durch Frz. Xaver Schmuzer. Fot. F. Kobler, Mchn.

103. Frz. Karl Fischer, Spitalkirche Hl. Geist in Füssen, F. der N-Fassade. 1747–48. Fot. Lala Aufsberg, Sonthofen.

104. Balthasar Neumann, Entw. für die Fassade der Klosterkirche Langheim, Ausschnitt (Ges.abb.: [119] Abb. 44). Würzburg, Mainfränk. Mus., Slg. Eckert Nr. 108. 1742. Fot. Mus.

105. Stuttgart, Neues Schloß, Gartenflügel 1746–49 von Leopoldo Retti (linke Hälfte), Planieflügel 1752–56 von Philippe de la Guêpière, Aufriß mit Angabe des jeweiligen Steinschnitts. Zchg. Fachgebiet Baugeschichte, TH Darmstadt, Jürgen Lischka nach Aufmessung von Walter Haas.

106. Nik. Sprüngli, Hauptfassade des Hôtel de Musique in Bern (vor den Veränderungen 1904/05). Nach Inv. Schweiz 40, Bern 2 Abb. 31.

107. Frz. Xaver Kleinhans, Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau in Bobingen Krs. Schwabmünchen, Langhaus-F. 1748–51. Fot. A. Reinle, Pfaffhausen.

108. Friedr. Joachim Stengel, Ludwigskirche Saarbrücken, O-Seite. 1762–75. Fot. Ehem. Staatl. Bildstelle, Bln 109. Joh. Conrad Schlaun, Schloß in Münster i. W., Mittelpavillon, O-Seite, Obergeschoß. 1767–84. Fot. L.konservator Westf.-Lippe, Münster i. W., Nr. LA I 198.

110. Michel d'Ixnard (Plan) und Joh. Jäger, Stiftskirche Buchau am Federsee, Langhaus-S-Seite. 1773 beg. Fot. A. Reinle, Pfaffhausen.

111. Gg. Chr. Hesekiel, Gotisches Haus im Park von Schloß Wörlitz, SW-F. des Geistlichen Kabinetts. 1773–84. Nach Inv. Land Anhalt 2,2 Taf. 81 a.

112. David Gilly, Haus Vieweg in Braunschweig, Erdgeschoß-F. 1802–05. Fot. Lehrstuhl für Kg. der T.U. Braunschweig.

113. Friedrich Weinbrenner, ev. Stadtkirche in Karlsruhe, Langhaus, Hofseite. 1802–16. Nach [134], 1. Aufl., 1919, Abb. 216.

114. Peter Speeth, kath. Pfarrkirche St. Johann Bapt. in Unterhohenried Krs. Haßfurt. Plan 1812, Rohbau 1813–15. Fot. Ingrid Haug, Mchn.

115. Kassel, Altes Palais, Hof. 1816–19 unter Joh. Konrad Bromeis erbaut, nach 1821 umgebaut. Nach Inv. Reg.bez. Cassel 6, Atlas 2. Teil Taf. 268.

116. Leo von Klenze, Residenz München, Erdgeschoß-F. am Festsaalbau, O-Seite. 1832–42. Fot. ZM (Margrit Behrens).

117. Karl Friedr. Schinkel, Friedrichwerdersche Kirche Berlin, Maßwerk-F. der W-Fassade. 1824. Umzeichnung nach [28] H. 13 Taf. 84.

Literatur

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Verweise